Lebensmut74 - Leben ich bin wieder da

  • Ich kann sooo unendlich gut Dich verstehen und fühlen!!! Ich war 6 Monate trocken, da hatte mein Stromer plötzlich wie aus dem Nichts aufgehört zu fressen. Er war schon mal schluchig und ehr schwerfuttrig. Ich dachte mir nichts dabei. Als er am Tag drauf auch seine Leckerlies verweigerte, bekam ich Panik und bin gleich in die Tierklinik mit ihm. Dort stellte man fest, daß er einen Tumor im Bauch hat, der schon gestreut hatte und die Nieren befallen hatte. Wegen der schlechten Nierenwerte wurde ihm schlecht und er hat nicht mehr gefressen.

    Er ist uns 4 Jahre vorher zugelaufen da war er ca. 1 Jahr alt. Damals hatte er dem Igel das Futter weggeschleckt. Er war am Limit, voller Flöhe, Zecken und Exeme und nur ein Knochengestell mit Fellüberzug. Mit einer List habe ich ihn eingefangen, ab zum Tierarzt: Kastration, Entflohen, Entzecken und die ganz grosse Untersuchung. Danach musste er 24 Stunden bei uns drin bleiben. Davor hatte ich Angst, dachte ich doch, das er die Wohnung zerlegt. Das war ja ein wilder. Aber nein, er war sofort lieb und ist dann bei uns geblieben. Ich habe eine innige Beziehung zu ihm aufgebaut allerdings wurde er der Kater meiner Frau. Sie hatte bis dato Katzen gehasst. Das war Stromer aber total egal und es hat nur kurz gedauert, da hatte er sie um die Pfote gewickelt. Er war wunderschön und so lieb. Mit ihm wurde ich auch trocken. Und dann, 6 Monate später diese Diagnose. Ich hatte ihn noch 4 Wochen pallitativ begleitet, ich konnte einfach nicht Loslassen. Zwischendurch blühte er noch einmal auf, dann konnte er aber nicht mehr ;( Ich auch nicht. Ich habe ein Jahr so getrauert. Meine Frau wollte keine Katze mehr aber sie hat irgendwie nach 12 Monazen gemerkt, daß ich aus meinem Loch nicht mehr raus kam. So stimmte sie letztendlich zu, das wir einen neuen Kater bekommen. Ich wollte aber wieder einem neuen Kater eine Chance geben, es sollte ein schwieriger Fall sein, den sonst keiner haben wollte. So habe ich die Tierheime im Umkreis abgeklappert und bin auf meinen Aiko gestoßen. Es war auch ein wilder der nur ins Tierheim kam, weil er einen grossen Tumor auf der Nase hatte. Dieser wurde entfernt und seit dem war er im Tierheim. Er war recht aggressiv und galt als nicht vermittelbar weil er auch nun nur noch ein Nasenloch hat. Man wollte mich allerdings nur zu ihm lassen, wenn gleich 2 Tierheimmitarbeiter dabei waren um "Unfälle" zu vermeiden. Mit meiner Frau standen dann 4 Menschen um dieses gestresste Tier herum. Das konnte ja nichts geben. Nach längeren quängeln meinerseits durfte ich auf meine Verantwortung dann noch einmal alleine zu ihm. Ich habe dann mit ihm ausgiebig ausdiskutiert, ob er da raus will und als ich wieder ging, kam er hinter mir her und als ich mich umdrehte, hielt er sein Köpfchen so süss 45 grad schräg. Da war es um mich geschehen! Ich habe ihn mitgenommen und nach nur einem Monat ist er angekommen. Nach ein paar Wochen wurde seine Nase plötzlich so komisch schief. Wir sind wieder zum Arzt und der stellte fest, daß der Tumor wiederbekommen ist. Die Nase ist so filigran, dort ist es so gut wie unmöglich, den Tumor restlos wegzuschneiden. Wir haben ihn wieder operieren lassen. Parallel habe ich mich über Chemo und Bestralung erkundigt aber ich habe niemanden gefunden, der mir gesagt hat, daß dies für ihn sinnvoll wäre. Aiko liegt gerade neben mir. Es geht ihm zur Zeit wieder gut. Sehr gut sogar. Er hat hier ein traumhaftes, selbstbestimmtes Katerleben. Er darf alles. Ich weiss nicht, wie lange ich ihn noch haben darf. Meine Frau hat schon gesagt, daß er vorerst unser letztes Tier sein wird. Schauen wir mal. Ich genieße die Zeit mit ihm. Hätte ich ihn nicht genommen, würde es ihn jetzt sicher nicht mehr geben. Im Tierheim hätten sie ihn mit der Prognose sicher nicht noch mal operiert. Ich glaube ganz fest daran, das er gesund bleibt, dieser Tumor nicht gestreut hat und nicht mehr wieder kommt. Die letzte OP ist nun über 6 Monate her und man sieht noch nichts neues.

    Ich bin die ganze Zeit trocken geblieben und es war für mich nicht eine Minute eine Option, wieder zu trinken. Es hätte ja gar keinen Sinn gemacht, wäre ja nichts besser geworden. Im Gegenteil.

    Lass Dir Zeit mit Deiner Trauer. Das hatte ich auch gemacht. Ich war sogar krankgeschrieben und hatte in der damaligen Langzeitterapie wochenlang mich entschuldigt da ich wusste, daß ich darüber reden soll, es aber nicht konnte und auch nicht wollte. Es stimmt aber, das die Zeit Wunden heilt. Mein Stromer steht nun in einer kleinen, unscheinbaren Pyramide im Wohnzimmer mit 2 Bildern von ihm neben ihm. Er wird für immer in meinem Herzen bleiben, wie auch die vielen anderen Kater und Katzen, die ich in meinem Leben hatte. Sie waren allesamt für mich ganz besonders. Familie eben.

  • Stromer : deine Zeilen haben mich sehr bewegt. Die Arbeit hat mich heute abgelenkt und ich hab den Feierabend hinausgezögert. Mein Kleiner hat mich immer als erstes begrüßt wenn ich heimgekommen bin. Heute kam sein Bruder gleich gesprungen (untypisch für ihn). Ich hab mich sehr gefreut und erstmal ne Runde mit ihm gespielt.

  • Hallo Lebensmut74 , das mit Deiner Katze tut mir sehr leid. Ich hatte auch mal zwei, es waren anfangs mehr die Katzen von meinem damaligen Freund, ich mochte die beiden und sie haben mich akzeptiert, aber nicht weiter beachtet. Dann kam ich mal nach Hause nachdem ich eine sehr, sehr schlimme Nachricht erhalten hatte, hab mich wortlos hingelegt, war wie erstarrt ... da kamen die beiden Katzen an und haben sich an mich geschmiegt. Es war so tröstlich und bleibt mir unvergessen. Von dem Zeitpunkt an waren es meine Katzen. Ist schon über 40 Jahre her.

    Ich möchte auch hierzu noch etwas sagen, Du schriebst: "Gibt es jemand, der auch aufgehört hat und der Partner aber weiter getrunken hat? Wenn ja, wie sind eure Erfahrungen?" Ich habe Erfahrung mit dem Thema, aber andersrum. Der oben erwähnte damalige Freund war nach einer LZT trocken, aber ich habe weitergetrunken. So heimlich wie möglich ... dachte er merkt es nicht. Am Schluß half nur die Trennung.

    Er blieb trocken und abstinent bis heute, ich habe noch eine Weile gebraucht, war dann nach meiner LZT 19 Jahre trocken und hab dann einen Rückfall gebaut. Und dann habe ich angefangen nicht nur die Welt sondern auch mich selbst zu belügen, nüchterne Phasen wechselten sich ab mit nassen Phasen. Im Sommer habe ich eine Entgiftung gemacht, war im Anschluß 6 Wochen nüchtern und hochmotiviert, glücklich, war mir der Sache sicher. Habe mich sogar in einem Verein angemeldet und mich sehr auf das erste Treffen gefreut. Daß da Bier konsumiert wurde hat mir während des Treffens nichts ausgemacht, und nach der Verabschiedung hat es mir den Schalter umgelegt - ich wollte nur noch saufen und hab das, nach kurzem innerlichem Kampf, auch gemacht. Und es ging wieder von vorne los. Am 4.9. ging ich erneut zur Entgiftung und bin seitdem nüchtern. Immer noch motiviert, aber nicht mehr euphorisch. Weiß jetzt worauf ich achten muss: keinen Kontakt - vorerst - mit Alkohol.

    Ganz liebe Grüße und alles Gute,

    Seiltänzerin

    ☯ 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝒹𝒾𝑒𝓂. 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝓃𝑜𝒸𝓉𝑒𝓂. 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝑜𝓂𝓃𝒾𝒶. ☯

  • Lebensmut74 ich wünsche Dir alles erdenklich Gute, Gesundheit und eine glückliche Abstinenz.

    Du hast die Stärke in Dir, den Verlust zu verarbeiten, und SHG ist immer eine gute Sache.

    Ich möchte das Thema auch gar nicht mehr anschneiden (gehe da von mir aus, Wunden nicht aufreißen), Du findest aber immer Trost hier.

    Guten Appetit und genieße den Abend.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das 22ste Mal 30 werden voll ok ist (die blöden Wechseljahre klammere ich mal aus ;) ).

    Liebe Grüße

    UR

  • Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und alles Gute für ein nüchternes und zufriedenes neues Lebensjahr - und ganz viel Lebensmut!

    Dem kann ich mir nur anschließen. Und verbleibe mit stay strong.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Da fällt mir ein, gestern haben wir in der SGH auch festgestellt wie viele Frauen nun dabei sein. Früher war das eine reine Männerrunde. Heute sind fast 50% Frauen.

    Ich finde das super, dass immer mehr Frauen den Mut haben zu sagen: ich bin Alkoholikerin. In der Gesellschaft wird mit einer alkoholkranke Frau leider oft noch ganz anders umgegangen als mit einem Mann. Oder wie seht ihr das?

  • Lebensmut74 da fällt mir spontan ein: eine betrunkene Frau bekommt schneller einen "Schlampenstempel" als ein betrunkener Mann, der "wow, doch so viel vertragen kann, Hut ab". Ich habe bis dato nur drei Frauen kennen gelernt, die sich als trockene Alkoholiker "geoutet" haben, alle in der SHG. Die Saufkumpaninnen von früher sind irgendwann von der Bildfläche verschwunden. In Relation dazu sind in der SHG viele Männer und auch in meinem Bekanntenkreis einige bekennende trockene Alkoholiker.

    Ich persönlich habe gute Erfahrungen damit gemacht, mich in meinem Umfeld zu bekennen. Nur die Sprüche zu betrunkenen Frauen, die existieren meines Erachtens immer noch. Ich hoffe, ich habe das einigermaßen verständlich ausgedrückt.

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