Ich kann sooo unendlich gut Dich verstehen und fühlen!!! Ich war 6 Monate trocken, da hatte mein Stromer plötzlich wie aus dem Nichts aufgehört zu fressen. Er war schon mal schluchig und ehr schwerfuttrig. Ich dachte mir nichts dabei. Als er am Tag drauf auch seine Leckerlies verweigerte, bekam ich Panik und bin gleich in die Tierklinik mit ihm. Dort stellte man fest, daß er einen Tumor im Bauch hat, der schon gestreut hatte und die Nieren befallen hatte. Wegen der schlechten Nierenwerte wurde ihm schlecht und er hat nicht mehr gefressen.
Er ist uns 4 Jahre vorher zugelaufen da war er ca. 1 Jahr alt. Damals hatte er dem Igel das Futter weggeschleckt. Er war am Limit, voller Flöhe, Zecken und Exeme und nur ein Knochengestell mit Fellüberzug. Mit einer List habe ich ihn eingefangen, ab zum Tierarzt: Kastration, Entflohen, Entzecken und die ganz grosse Untersuchung. Danach musste er 24 Stunden bei uns drin bleiben. Davor hatte ich Angst, dachte ich doch, das er die Wohnung zerlegt. Das war ja ein wilder. Aber nein, er war sofort lieb und ist dann bei uns geblieben. Ich habe eine innige Beziehung zu ihm aufgebaut allerdings wurde er der Kater meiner Frau. Sie hatte bis dato Katzen gehasst. Das war Stromer aber total egal und es hat nur kurz gedauert, da hatte er sie um die Pfote gewickelt. Er war wunderschön und so lieb. Mit ihm wurde ich auch trocken. Und dann, 6 Monate später diese Diagnose. Ich hatte ihn noch 4 Wochen pallitativ begleitet, ich konnte einfach nicht Loslassen. Zwischendurch blühte er noch einmal auf, dann konnte er aber nicht mehr
Ich auch nicht. Ich habe ein Jahr so getrauert. Meine Frau wollte keine Katze mehr aber sie hat irgendwie nach 12 Monazen gemerkt, daß ich aus meinem Loch nicht mehr raus kam. So stimmte sie letztendlich zu, das wir einen neuen Kater bekommen. Ich wollte aber wieder einem neuen Kater eine Chance geben, es sollte ein schwieriger Fall sein, den sonst keiner haben wollte. So habe ich die Tierheime im Umkreis abgeklappert und bin auf meinen Aiko gestoßen. Es war auch ein wilder der nur ins Tierheim kam, weil er einen grossen Tumor auf der Nase hatte. Dieser wurde entfernt und seit dem war er im Tierheim. Er war recht aggressiv und galt als nicht vermittelbar weil er auch nun nur noch ein Nasenloch hat. Man wollte mich allerdings nur zu ihm lassen, wenn gleich 2 Tierheimmitarbeiter dabei waren um "Unfälle" zu vermeiden. Mit meiner Frau standen dann 4 Menschen um dieses gestresste Tier herum. Das konnte ja nichts geben. Nach längeren quängeln meinerseits durfte ich auf meine Verantwortung dann noch einmal alleine zu ihm. Ich habe dann mit ihm ausgiebig ausdiskutiert, ob er da raus will und als ich wieder ging, kam er hinter mir her und als ich mich umdrehte, hielt er sein Köpfchen so süss 45 grad schräg. Da war es um mich geschehen! Ich habe ihn mitgenommen und nach nur einem Monat ist er angekommen. Nach ein paar Wochen wurde seine Nase plötzlich so komisch schief. Wir sind wieder zum Arzt und der stellte fest, daß der Tumor wiederbekommen ist. Die Nase ist so filigran, dort ist es so gut wie unmöglich, den Tumor restlos wegzuschneiden. Wir haben ihn wieder operieren lassen. Parallel habe ich mich über Chemo und Bestralung erkundigt aber ich habe niemanden gefunden, der mir gesagt hat, daß dies für ihn sinnvoll wäre. Aiko liegt gerade neben mir. Es geht ihm zur Zeit wieder gut. Sehr gut sogar. Er hat hier ein traumhaftes, selbstbestimmtes Katerleben. Er darf alles. Ich weiss nicht, wie lange ich ihn noch haben darf. Meine Frau hat schon gesagt, daß er vorerst unser letztes Tier sein wird. Schauen wir mal. Ich genieße die Zeit mit ihm. Hätte ich ihn nicht genommen, würde es ihn jetzt sicher nicht mehr geben. Im Tierheim hätten sie ihn mit der Prognose sicher nicht noch mal operiert. Ich glaube ganz fest daran, das er gesund bleibt, dieser Tumor nicht gestreut hat und nicht mehr wieder kommt. Die letzte OP ist nun über 6 Monate her und man sieht noch nichts neues.
Ich bin die ganze Zeit trocken geblieben und es war für mich nicht eine Minute eine Option, wieder zu trinken. Es hätte ja gar keinen Sinn gemacht, wäre ja nichts besser geworden. Im Gegenteil.
Lass Dir Zeit mit Deiner Trauer. Das hatte ich auch gemacht. Ich war sogar krankgeschrieben und hatte in der damaligen Langzeitterapie wochenlang mich entschuldigt da ich wusste, daß ich darüber reden soll, es aber nicht konnte und auch nicht wollte. Es stimmt aber, das die Zeit Wunden heilt. Mein Stromer steht nun in einer kleinen, unscheinbaren Pyramide im Wohnzimmer mit 2 Bildern von ihm neben ihm. Er wird für immer in meinem Herzen bleiben, wie auch die vielen anderen Kater und Katzen, die ich in meinem Leben hatte. Sie waren allesamt für mich ganz besonders. Familie eben.