Elefant73 - 26 Jahre Ehe mit Alkohol

  • Hallo in die Runde,

    ich habe lange mit mir gehadert aber als Co-Abhängige nun eingesehen dass ich Unterstützung benötige. Ich bin Anfang 50, mein Mann bald Mitte 50. Unsere Tochter ist bald 17 und arbeitet auf ihr Abitur hin.

    Ich bin nunmehr seit 26 Jahren verheiratet und der Alkohol war seitdem immer ein Thema.

    Anfangs habe ich oft und gern an den Wochenende gemeinsam mit meinem Mann gefeiert und auch gern getrunken.

    Bei ihm hat es sich dann schleichend eingestellt dass er dann auch unter der Woche getrunken hat. Meist bleibt es beim Bier aber die Menge hat sich inzwischen immens gesteigert.

    Jeden Tag Punkt 18 Uhr werden mindestens 6 x 0,5 Liter Bier getrunken.

    Es können aber auch gut und gerne noch einige Liter mehr sein, je nachdem wieviel zur Verfügung steht.

    Über die Jahre auch viele peinliche Situationen erlebt. Mit endlos Diskussionen mit aggressiven Zügen.

    Mehrfach das Thema angesprochen aber meist wird es verharmlost da es ja "nur Bier" ist. Mittlerweile schläft er abends regelmäßig im Wohnzimmer damit er in Ruhe trinken und rauchen kann. Mich widert es nur noch an. Diese ständigen Bier- Ausdünstungen, das laute Geschnarche, permanente Apnoe und reden/ schreien im Schlaf.

    Morgens öfter ne Aspirin dann ins Bett bis zum Mittag. Abends um 18 Uhr geht es von vorne los.

    Seit 1 1/2 Jahren ist er nun ohne Arbeit. Ich bin die Allein- Verdienerin.

    Vor ein paar Tagen ist er alkoholisiert spät abends verbal ausgerastet und ist meine Tochter und mich extrem laut angegangen. Zum Schluss kam er mir mit seinen geballten Fäusten sehr nahe dass wir Angst hatten dass er mich schlägt. Meine Tochter und ich waren die ganze Zeit ruhig und haben nicht zurück geschrien.

    Ich habe meine Tochter aus der Situation gebracht und musste mich um sie kümmern. Sie hat dermaßen geweint und war zutiefst verängstigt und verletzt.

    Ich habe am nächsten Tag eine unglaubliche Wut in mir gespürt. Unsere Tochter ist für ihr Alter sehr reif, zuverlässig und lieb, nie macht sie uns Kummer und dennoch wird sie so angegangen nur weil sie gerne ab und zu mal am Wochenende länger ausbleiben möchte.

    Mein Mann hat uns am Folgetag komplett ignoriert als wenn wir etwas falsch gemacht hätten. Ich hätte mir gewünscht dass er sich aus tiefsten Herzen entschuldigt aber Fehlanzeige.

    Im nüchternen Zustand ist er nett, hilfsbereit und erfüllt uns jeden Wunsch. Unternehmungen gemeinsam gibt es leider kaum. Es sei denn ich organisiere etwas dann kommt er ab und an mit. Am liebsten sitzt er zu Hause auf der Couch spielt stundenlang am Handy und abends guckt er Fernsehen.

    Ich habe bald einen Beratungstermin weil ich eine Trennung anstrebe. Ich habe allerdings große Angst dass er ausrasten und mir etwas antut. Deshalb muss ich die Trennung in Ruhe und durchdacht planen. Wir wohnen in einem kleine Haus zur Miete. Da meine Tochte und ich Haustiere haben möchten wir gerne hier wohnen bleiben. Mein Mann kann sich das Haus ohnehin nicht leisten.

    Hat jemand von Euch ähnliches durch? Wie habt Ihr die Trennung geschafft?

    Vielen Dank und liebe Grüße

    Eine Leidensgenossin

  • Hallo Elefant 73,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Aurora 23. August 2025 um 10:50

    Hat den Titel des Themas von „26 Jahre Ehe mit Alkohol“ zu „Elefant73 - 26 Jahre Ehe mit Alkohol“ geändert.
  • Hallo Elefant,

    ich hab dich freigeschaltet und du kannst dich hier jetzt überall austauschen. Nur bitte die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich schreiben. Das ist der Bereich mit den Usern mit rotem Nicknamen.


    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Elefant,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Ich kann dich sehr gut verstehen,und deinen Beitrag sehr gut nachempfinden. Ich bin noch einige Jahre älter als du, aber auch bei mir war der Alkohol immer Thema. Nur habe ich nie mitgetrunken.

    Das Thema Alkohol war irgendwie immer wie Sprengstoff, und wurde von seiner Seite immer verleugnet. Er trank heimlich. Die Kinder leiden mit, auch wenn ich immer versucht habe, die "heile Welt " zu zeigen. Das habe ich aber erst viel später erfahren. Deshalb bin ich auch an diesem Satz von dir hängen geblieben.

    . Unsere Tochter ist für ihr Alter sehr reif, zuverlässig und lieb, nie macht sie uns Kummer

    Das liest sich erst einmal sehr schön, aber zeigt für mich auch, dass sie die Situation vollkommen erkannt hat. Sich so zu verhalten, ist eine der Überlebensstrategien von Kindern aus Suchtfamilien. Nur nicht auffallen wollen, um keinen Preis.

    Es ist gut, dass du dich hier angemeldet hast, ich wünsche dir einen hilfreichen Austausch.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Puh, das klingt alles sehr sehr schrecklich für dich und deine Tochter. Auch der lange Zeitraum, in dem ihr das schon mitmacht und deine Tochter hat da sicherlich sehr sehr viel mitbekommen.

    Hast du dich schon mal beraten lassen? Da gibt es einige Möglichkeiten, Caritas, Familienberatung und so weiter. WEnn du dich ernsthaft trennen willst, solltest du schnellstmöglich zum Anwalt gehen und dich dort gründlich beraten lassen.

    Ich würde auch gucken, dass du mal zu einer Suchtberatungsstelle gehst, die bieten auch Hilfe für Angehörige. MIr hat es damals sehr gut getan, mit den Leuten da über meine Situation zu sprechen. Auch für deine Tochter wäre das wichtig, dass sie Unterstützung bekommt, damit sie das Erlebte verarbeiten kann.

    Auf wen läuft der Mietvertrag?

    Am besten sicherst und kopierst du schon mal alle wichtigen Unterlagen, während er schläft und nichts mitbekommen kann. Einkommensnachweise, Versicherungen usw.

    Wenn er nochmal so ausrastet, ruf bitte die Polizei! Das kann ja wirklich gefährlich werden! Die können aus der Wohnung weisen und dafür sorgen, dass er 10 Tage die Wohnung nicht mehr betreten darf.

    Hol deine Tochter und dich da raus und bringt euch in Sicherheit.

  • Vielen lieben Dank Panama,

    Ich habe am 22.9. einen Termin in der Beratungsstelle. Um die Papiere kann ich mich gut kümmern da er immer sehr lange schläft.

    Den Mietvertrag haben wir beide unterschrieben. Ich hoffe dass meine Tochter und ich bleiben können. Zum Glück stehe ich mit dem Vermieter-Ehepaar in einem freundschaftlichen Verhältnis.

    Ich weiß dass der Weg nicht einfach wird, aber ich will mich nicht damit abfinden dass es immer so weiter geht. Meine Tochter und ich wünschen uns ein sorgenfreies und glückliches Leben und dass werden wir nur ohne meinen alkoholkranken und zu dem noch narzistischen Mann haben. Ich habe schon viel zu lange gewartet diese Entscheidung zu treffen. Aber besser spät als nie. Ich weiß nun dass ich ihn nicht retten kann da er nichts einsieht. Er sagt zwar dass ich mit ihm reden soll aber es bringt ja nichts, da er nicht versteht, nicht reflektiert und nichts ändert. Aktuell trinkt er seine 7. Dose Bier. Ich bin so froh wenn ich das nicht mehr mitmachen muss. Ich hoffe das ich in der Beratungsstelle Tipps erhalte wie ich es am ungefährlichsten beenden kann. Ich vermute dass ich es ihm an einem neutralen Ort mitteilen sollte. Falls er ausrasten sollte, möchte ich nicht allein mit ihm zu Hause sein. Das ist meine größte Sorge.

  • Du liest dich sehr klar und entschieden. Es ist sooo toll, dass du diese Entscheidung für deine Tochter und dich getroffen hast. Ihr habt ein sorgenfreies Leben ohne einen Alkoholiker an eurer Seite verdient!! Du kannst ihn nicht retten, niemand kann das. Er ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Du brauchst nicht mehr mit ihm reden. Du hast alles gesagt, sicher 1000x und mehr. Am besten lässt du dich gar nicht mehr auf Gespräche ein, sondern gehst ihm aus dem Weg und konzentrierst dich auf dich, deine Zukunft und deine Tochter.

    Ich hoffe auch, dass du da Tipps bekommst. Hast du denn zur Not einen Plan B? Also, dass du mit deiner Tochter wohin kannst, wenn er nicht gehen will? Leider musst du wohl damit rechnen, dass er alles versuchen wird und vielleicht auch noch viel fieser werden kann, wenn er merkt, dass es wirklich ernst wird.

    Ich hatte vor ca. 3 Jahren meinen Tiefpunkt mit meinem Mann, als der nach einer Dienstreise (und auf den Reisen hat er am meisten getrunken) am Flughafen versackt ist und erst Stunden nach der Landung (ohne sich zu melden und ohne erreichbar zu sein) nach Hause kam. Ohne Gepäck. Ohne sagen zu können, wo er war oder sonstwas. Am nächsten Tag hab ich ihn quasi rausgeschmissen und er ging dann zum Glück auch in ein Hotel, wo er auch einige Wochen geblieben ist.

  • Liebe Panama,

    ich danke Dir für Deinen Zuspruch. Natürlich steht mein Entschluss, diese Entscheidung war längst überfällig. Ich habe zum Glück liebe Menschen in meinem Umfeld die mir für den Fall der Fälle eine Unterkunft anbieten. Ich befürchte ebenfalls dass er die Entscheidung nicht akzeptiert und deshalb hab ich meine engsten Vertrauten informiert. Alle stehen zu mir und meiner Entscheidung. Auch in meinem Job habe ich mich meinem Vorgesetzten anvertraut. Auch dort habe ich nichts zu befürchten.

    Wie lange hast Du die Eskapaden Deines Mannes mitgetragen? Als Deine Entscheidung fiel hat er es ja auch extrem übertrieben. Gut nur dass er problemlos gegangen ist. Das es danach meistens unschön weitergeht habe ich leider schon oft gehört.

  • Guten Morgen Elefant,

    wenn du meinen Faden liest, dann wirst du feststellen, dass wir fast das gleiche Leben führen.

    Ich kenne meinen Mann seit 23 Jahren und wir sind 21 Jahre verheiratet. Wir haben 2 Töchter, die in den nächsten Tagen 15 und 18 werden. Auch bei uns ist Alkohol schon lange ein Thema. Inzwischen sind noch andere Drogen hinzugekommen. Mein Mann hat keinen Job mehr, kein Geld, seine Kinder hassen ihn, er hat mehrere Autos zerstört, seinen Führerschein verloren, Fahrerflucht begangen und noch vieles mehr. Ich halte seit Jahren den Altag aufrecht und zerbreche daran. Ende letzten Jahres war für mich klar, dass es so nicht weitergehen kann. Meine große Tochter ist mittlerweile psychisch erkrankt, woran er nicht ganz unschuldig ist. Er war im Mai/Juni 6 Wochen in einer Klinik, nachdem ich ihn rausgeschmissen habe. Kurze Zeit später ging es weiter bergab. Inzwischen ist er körperlich ein Wrack und das mit 50 Jahren.

    Vor ca. 2 Wochen ist er das erste Mal gegenüber meiner großen Tochter Handgreiflich geworden und hat sie ganz schlimm beschimpft, nachdem sie ihn beim Trinken erwischt hat. Ich hab ihn wieder vor die Tür gesetzt. Seit dem betreibt er Psychoterror.
    Auch ich habe mich über die Jahre auf die Trennung vorbereitet und war beim Anwalt.

    Doch nun schlafen meine Kinder bei ihrer Oma und ich bei eine Freundin, weil wir uns nachts nicht mehr sicher fühlen in der Wohnung. Am Donnerstag war dann auch die Polizei bei uns.

    Wir leben seit 13 Jahren dort zur Miete und ich bin mit dem Vermieter befreundet. Das ist unser zu Hause und wir haben auch zwei Fellnasen. Morgen bin ich wieder bei meiner Anwältin und werde versuchen die Wohnungszuweisung im Eilverfahren zu beantragen, damit der Spuk endlich ein Ende hat.

    Ich wünsche dir einen regen Austausch und ganz viel Kraft. Du bist nicht Allein!!!

  • Guten Morgen Sonnenschein,

    Das ist wirklich schlimm was Du uns Deine Kinder durchmachen müsst :((( ich denke Dein Mann hat noch viel mehr angerichtet als meiner. Ich will für uns nicht dass sie die Situation verschlimmert und ziehe deshalb die Reisleine. Ich befürchte auch dass wir uns eine neue Bleibe suchen müssen da er uns nicht in Ruhe lassen wird. Hinzu kommt noch dass er arbeitslos ist und ab nächsten Monat kein Geld mehr vom Amt bekommt da ich gut verdiene. Ich bin gespannt wieviel ich ihm zahlen muss wenn wir getrennt sind.

    Vielen lieben Dank auch für Deinen Zuspruch ❤️

    Ich wünsche Euch ganz viel Kraft und Zuversicht. Irgendwann wird alles gut uns Ihr könnt glücklich leben. Ohne diesen ständigen Psychoterror.

  • Hallo,

    ich habe ähnliches hinter mir,ich bin seit 1983 verheiratet und kenne meinen Mann seit unserer gemeinsamen Schulzeit.

    Er trinkt seit über 40 Jahren, es fing nach der Bundeswehrzeit an.

    Habe es zunächst verdrängt, eine Familie gegründet und immer wieder gegen den Alkohol verloren. Ich habe mich Anfang Juni nach einem seiner totalen Abstürzen getrennt.....Mir geht es seitdem endlich wieder gut, kann wieder schlafen, lachen und habe seitdem keine Eßanfälle mehr. Ich genieße jetzt mein Leben und gehe nie mehr zurück. Ich ärgere mich nur, daß ich das nicht schon eher gewagt habe.

    Meine Kinder ,Familie und Freunde sind sehr stolz auf mich, daß ich es endlich geschafft habe, mich aus diesem Co Kreislauf zu befreien.

    Ich wünsche Dir alles Gute, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wirst Du die richtige Entscheidung treffen

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