Alex2120 - Bin ich schon co-abhängig?

  • Klar, jeder hat seinen eigenen Toleranzbereich. Meiner ist bestimmt viel enger. Auch sich nur "mäßig" abzuschießen, wäre für mich spätestens beim dritten Mal schon ein Trennungsgrund, vor allem, weil mir dann klar wäre, dass sich das die nächsten Jahren und eventuell Jahrzehnte so wiederholen würde. Genauso fast tägliches trinken auch kleinerer Mengen. Und wenn Deiner bisher nicht überschritten wurde, ist es ja erstmal gut.

    Aber ich glaube, Dich zu verstehen: Deine Sorgen beziehen sich eher auf die Zukunft als auf die Gegenwart?

  • Die Beziehung ist allerdings sehr ernst (Gefühls-/Lebenssituation)

    Ihr kennt euch erst ein Jahr bzw. seid erst seit einem Jahr zusammen.

    Ich finde ja immer, eine Beziehung sollte schön, liebevoll, fröhlich, bereichernd und all sowas sein.

    Wenn eine Beziehung als ernst, oder sogar als sehr ernst gesehen wird, das klingt so schwer und bedeutungsschwanger. Am Anfang sollte doch eine Leichtigkeit und Zuversicht und Vorfreude vorhanden sein. Aber vielleicht bin ich auch hoffnungslos romantisch veranlangt.

    Wohnt ihr schon zusammen? Wenn nicht, könntest du sagen, daß deine Wohnung alkoholfrei ist, weil dir Alk auf die Nerven geht - und dann mal schauen was passiert.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ich wohne "quasi" bei ihr (übernachte die Woche über auch bei ihr). Habe aber auch meine eigenen 4 Wände. Und ja, natürlich ist die Beziehung noch sehr frisch. Allerdings bin ich eher Realist und die Rosa Brille ist verschwunden, was die Beziehung nicht weniger innig und erfüllend macht. Das Problem ist auf die Zukunft bezogen, ja.

  • Wenn eine Beziehung als ernst, oder sogar als sehr ernst gesehen wird, das klingt so schwer und bedeutungsschwanger.

    Ich glaube, es ist eher gemeint: Er liebt sie sehr, es ist kein Techtelmechtel, er will unbedingt eine Zukunft. Aber stimmt, es hat diesen Anklang.

    Wenn nicht, könntest du sagen, daß deine Wohnung alkoholfrei ist, weil dir Alk auf die Nerven geht - und dann mal schauen was passiert.

    Auch ein guter Tipp, aber ich habe den Eindruck, dass Alex momentan versucht, seine Toleranzschwelle möglichst hoch zu hängen, aber damit trotzdem nicht so recht glücklich ist:

    Das Problem liegt denke ich an meiner Sichtweise (sie schiesst sich ja nicht ab, allerdings habe ich große Angst, dass es mehr werden könnte und dann dauerhaft/öfter passiert)und natürlich die Gefühle für sie.

    Unterhalb von sich richtig Abschießen soll alles noch OK sein, solange er da selbst nicht zu sehr mit reingezogen wird (Fahrdienst, regelmäßig mittrinken müssen). Bitte korrigier mich, wenn das nicht stimmt, Alex, ist ja nur mein subjektiver Eindruck.

    Insofern wäre diese Grenze vielleicht zu milde für ihn. Abgesehen von den Sorgen, wie sich das alles weiterentwickelt, zu denen ja sowieso niemand was Definitives sagen kann.

    PS.: Deine Sichtweise ist aber legitim und für Dich das Entscheidende, Alex.

  • Hallo Alex,

    Ich kann dazu (noch) nicht allzuviel sagen, da sie in den Situationen, in welchen ich das Trinken komplett abgelehnt hab, sich nicht übermäßig abgeschossen hat. Zudem ist es für mich (so denke ich) noch relativ schwer einzuschätzen, wann bei ihr dieser "geliebte" Zustand einsetzt. Zumindest gab es noch kein hängen über der kloschüssel oder ähnliches deshalb ist es (noch) zu ertragen. Emotional komme ich auch damit klar und habe ihr auch gesagt, dass ich ihre Vergangenheit nicht bewerte (sie hat mir das alles ja freiwillig erzählt)

    So, wie du das schreibst, wie du sie beschreibst, ist das keine Coabhängigkeit. In der du bist. Meiner Meinung nach.

    Aber du beschäftigst dich damit weil es dir irgendwie ja doch nicht gefällt, dich beunruhigt. Ob, wann und überhaupt sie abhängig ist oder sein wird kann niemand wissen. Das ist reine Spekulation und bringt dich erstmal nicht weiter.

    Du hast die Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen. Du akzeptierst, dass sie gerne die Droge Alkohol konsumiert. Mit allem, was daraus entstehen kann. Du setzt Grenzen innerhalb eures Zusammenseins, also: bei mir zuhause gibt's nix Alkoholisches. Und genießt die Zeit,die ihr zusammen seid.

    Oder du entscheidest dich, dass es dir irgendwie alles nicht so richtig gefällt. Weil du dir jetzt schon dauernd Gedanken machst. Du selbst schreibst: ...es ist ( noch) zu ertragen. Es, wie Linde66 schon schrieb, keine Leichtigkeit gibt sondern der Alkohol immer dazwischen steht. Es ein Dauerthema ist. Dich sehr beschäftigt, dir Sorge macht, Zweifel. In dem Fall ist es eine Überlegung wert ob du die Beziehung weiterführen möchtest.

    Lieber Gruß Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Danke für die Bekräftigung, auf mich zu schauen und Selbstpflege zu betreiben.

    Heute hätte es wahrscheinlich schlimm für mich geendet, hätte ich nicht klare Grenzen gesetzt. Wir haben ein Glas (Vodka mit Bitter-Lemon) getrunken und ich habe mir bewusst sehr wenig Vodka eingeschenkt. Worauf sie meinte, ich würde damit den bitter Lemon "verschwenden" und überhaupt vom Alkohol sowieso nichts schmecken. Worauf ich ihr dann erklärt hab, dass ich erstens, mich nicht abschießen möchte und zweitens selbst bestimme, wieviel ich in mein Getränk möchte. Es gab dann Ihrerseits unverständnisvolle Blicke, was mich aber nicht störte.

    Das wird in nächster Zeit noch viel öfter passieren, hab ich das Gefühl.

  • Hallo Alex2120,

    Ich habe bei dir mitgelesen und möchte dir kurz etwas dazu schreiben. Das ist meine Erfahrung und muss bei dir nicht auch so sein, aber vielleicht findest du Parallelen.

    Auch wenn meine Partnerin noch nicht doe mega Mengen trinkt, betrunken redet oder hin und her wankt, so wie manche diese ganzen Erfahrungen hier im Forum schildern, so habe ich die Befürchtung, dass es mehr werden könnte und dieses Vorstadium irgendwann nahtlos in etwas Schlimmeres übergeht.

    Worauf sie meinte, ich würde damit den bitter Lemon "verschwenden" und überhaupt vom Alkohol sowieso nichts schmecken.

    Als langjährige Co schrillen bei mir im Kopf so viele Alarmglocken, dass kannst du dir nicht vorstellen.

    Mein Nochmann hat auch immer gerne Alkohol getrunken, keine großen Mengen, und wir waren damals noch sehr jung als wir uns verliebten. Ich dachte immer er wird ruhiger im Alter. Aber in der Rückschau war es anders.

    Er war viel mit Freunden weg und ich viel Alleine. Dann kamen die Kinder. Er ging weiterhin weg und ich war immer noch alleine. Dann habe ich angefangen ihn auf seine Trinkmengen aufmerksam zu machen und dann sogar dokumentiert, damit er es SIEHT. Alles Quatsch. Er hat geleugnet und wir haben uns gestritten und er hat gedroht mich zu verlassen. Dann hat er erst recht getrunken, um mir zu zeigen, dass er machen kann was er will. Also habe ich angefangen das Problem zu ignorieren. Aber auch das hat nichts geändert. Er hat weiter getrunken. Dann kam von mir die Ansage, dass er nichts mehr mit nach Hause bringen darf nach der Arbeit. Also kam er weniger Heim und blieb irgendwann die ganze Nacht weg. Es folgten Autounfälle und immer auffälligere Probleme in der Arbeit. Also nahm er zusätzlich Kokain. Nun ist er von beidem abhängig. Er hat Job, Führerschein, Gesundheit, viel Geld und letztendlich Frau und Kinder verloren. Und er macht weiter!!!!!!

    Und in all der Zeit hat er es immer wieder geschafft Trinkpausen (einmal sogar 14 Wochen) hinzulegen, in denen er sich besser gefühlt hat und angeblich sein Problem VERSTANDEN hat. In all der Zeit hat er auf Festen immer wieder mal gar nichts getrunken und am Wochenende daheim grundsätzlich nicht. Daher hat das Umfeld kein Problem erkannt. Er hat 5 oder 6 Jahre lang eine Traumatherapie gemacht und trotzdem…. Er ist zum Meister der Täuschung und Manipulationen geworden. Letztes Jahr im Herbst mit meiner Anmeldung hier bin ich Stück für Stück aus dem System ausgestiegen. Und er ist innerhalb weniger Monate untergegangen.

    Möchtest du so eine Zukunft?

  • Es kommt dazu, dass Du, wenn Du jahrelang nicht getrunken hast, offenbar nicht zu der (wahrscheinlich) Mehrheit der Leute gehörst, die so sozialisiert sind, dass der Konsum dieser Droge zum regelmäßigen Leben irgendwie normal dazugehört.

    Du schreibst ja auch, dass es sogar jetzt, wenn sie sich nicht unmäßig abschießt, für Dich schon ein Zustand ist, den Du als "ertragen" empfindest.

    Heißt also: Selbst wenn es nicht schlimmer wird, wirst Du dauernd etwas ertragen müssen.

  • Ich könnte damit leben, wenn man mal am Wochenende ein Glas trinkt (vielleicht zu nem Guten Essen), aber so wie ich das sehe, wird es bei ihr nie bei nur einem Glas bleiben. Ich kann nur hoffen, dass durch meine (fast) Abstinenz sie das irgendwann erkennt (Wunschdenken?) und ihr dadurch ein Stück weit die Lust vergeht, Alkohol in alle Aktivitäten miteinzubinden. Dann schaut man mal nur einen film OHNE etwas zu trinken oder man sitzt auf dem Balkon, OHNE gleich zu schauen, was im Kühlschrank kalt gestellt ist.

  • Hallo Alex,

    ich denke schon, daß das Wunschdenken ist.

    Wenn sie Alkoholikerin ist, wirst du sie weder durch dein "maßvolles Vorbild", noch durch sonstige Maßnahmen trockenlegen können. Es kann dir eher passieren, daß du immer tiefer in die Co-Abhängigkeit gerätst und du dich pausenlos mit ihrem Konsum beschäftigst - oder du selbst in die Abhängigkeit rutschst.

    Du kannst in manchen Threads hier lesen, daß die Angehörigen mittrinken, aus verschiedenen Gründen. Es ist irgendwann die einzig verbindende Aktivität, als Erziehungsmaßnahme, aus Resignation.....

    Paß auf dich auf.

    Sie will offensichtlich nichts ändern.

    Maßhalten = kontrolliertes Trinken ist für einen Alkoholiker nicht mehr möglich. Kann eher sein, daß sie heimlich mehr trinkt, damit sie dir gegenüber den schönen Schein wahrt.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Es freut mich, wenn deine fast Abstinenz dir gut tut.

    Ich bin selbst auch EKA und habe erkannt, dass ich meine Mutter nie ändern werde.

    Ich finde es sehr schade, aber mir fiel es nicht sehr schwer, das zu erkennen.
    Aus welchem Grund? Ich bin selbst Alkoholiker geworden.

    Wenn meine damalige Partnerin mit mir getrunken hat, fand ich es gut. Wenn sie nichts getrunken hat, war mir das absolut egal.
    Da wird wohl nichts „abfärben“. Aber wenn Du für Dich sehr wenig trinkst und nicht auch Alkoholiker wirst, wie ich, ist das auch sehr gut.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Wenn sie Alkoholikerin ist, wirst du sie weder durch dein "maßvolles Vorbild", noch durch sonstige Maßnahmen trockenlegen können.

    Wenn meine damalige Partnerin mit mir getrunken hat, fand ich es gut. Wenn sie nichts getrunken hat, war mir das absolut egal.

    Kann mir auch nicht vorstellen, dass das selbst dann funktioniert, wenn sie noch nicht abhängig ist: Egal wie, sie will ja Alex und den Alkohol, und beides bekommt sie ja so. Wenn er nur einfach nicht mittrinkt, verliert sie ja nichts, und sie sieht in ihrem Trinken ganz sicher überhaupt kein Problem.

    Alex, wäre es denn OK für Dich, wenn sie nur außerhalb Deiner Gegenwart regelmäßig trinkt?

  • Hallo Alex,

    bei uns war es so, dass ich gerne mit dem Mitbewohner mitgetrunken habe. Uns hat das Leben so ganz gut gepasst. Keine Verpflichtungen (außer der Arbeit natürlich), wir waren frei. Dann aber wurde ich schwanger. Für mich gab es natürlich keinen Alk mehr, das ganze Leben hat sich geändert. Aber nur für mich. Der Mitbewohner hat weitergetrunken. Und durch Umstände wurde die Menge mehr, bzw. ist er auf harte Sachen umgestiegen.

    Das war dann irgendwann einfach nur noch Mist mit Mist. Du willst einen Familientag verbringen und der Mitbewohner muss sich Alk mitnehmen zum Ausflug. Oder grundsätzlich auch einfach trinken, auch in Gegenwart der Kinder. Das waren nur die Anfänge, es ist so viel mehr passiert.

    Ich erzähle dir das, weil du von ernster Beziehung sprichst. Mach dir doch mal Gedanken dazu, wie eure Beziehnung vielleicht mit Kindern und dem Alkohol aussehen soll. Gibt ja genug Geschichten hier zum Nachlesen.

    So oder so, ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg und Triff die richtige Entscheidung für dich.
    Liebe Grüße

  • hallo,

    Ich kann nur hoffen, dass durch meine (fast) Abstinenz sie das irgendwann erkennt

    Wenn sie abhängig trinkt, wird sie gar nichts erkennen, dass kannst du dir immer weiter wünschen. Du wirst ihr kein "Vorbild" werden.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Wenn sie abhängig trinkt, wird sie gar nichts erkennen, dass kannst du dir immer weiter wünschen. Du wirst ihr kein "Vorbild" werden.

    Und wenn sie unabhängig trinkt, wird sie genauso wenig ein Problem sehen.

    Der Unterschied kann sich, wenn überhaupt, nur zeigen, wenn sie durch Alex' Grenzsetzung etwas verliert, nämlich Nähe, Zeit und Perspektiven mit ihm: "Sorry, gern Beziehung, aber Trinken bitte ohne mich."

  • Hallo Alex2120,

    was du machen sollst, das kann dir niemand raten. Wir können keine Beziehungsberatung machen.

    Du schreibst sehr viel über sie. Versuch mal mehr über dich und weniger über sie zu schreiben.

    Was ihr gemeinsam trinkt, das gehört nicht hierher, denn die SHG hier ist alkfrei. Hört sich vielleicht komisch an, aber "nett was trinken zu einem schönen Abendessen", das passt hier nicht ins Alkoholikerforum.

    Ich frage mich die ganze Zeit, bzw. jetzt frage ich dich, was hält dich in einer Beziehung mit Schräglage? Es geht ja um einen ganz essenziellen Lebensbereich.

    Kommst du aus einer Familie mit Alkoholikern und war dir ihr Verhalten unbewußt vertraut? Ein ich sag mal 'gesunder Mensch' würde einfach gehen. Ihr Konsum ist bei dir raumgreifendes Thema und du wirst nie wieder unbefangen hinschauen können, wenn sie konsumiert, selbst wenn sie es reduzieren oder kontrollieren könnte.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

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