Krümel - Vorstellung Angehörige - unsicher?

  • Ihr Lieben <3

    ich habe eure Nachrichten gelesen und ich möchte euch nochmal von Herzen dafür danken, dass ihr mir Eure Zeit schenkt und mir zur Seite steht und helft, klarer zu sehen.

    Ich habe allerdings tatsächlich momentan nicht die Kraft, mich weiter hier zu belesen... Mein Weltbild, sowie mein Traum von Familienleben sind erschüttert, zusätzlich ist alles was ich bin ins Wanken geraten und ich bin mir nicht mehr sicher, wer ich bin, was ich will und wie es weitergeht. Was hier passiert ist (noch) zu wenig um zu gehen, zu viel um (glücklich) zu bleiben. Zu viele Worte wurden ausgesprochen, die sich in mein Herz gefressen haben.

    Zur allgemeinen Situation: Mein Mann und ich halten emotionalen Abstand zueinander, leben einen normalen Alltag miteinander, Waffenstillstand sozusagen. Ich habe mit seiner Alkoholberatung gesprochen und mir den Rücken stärken lassen, dass es richtig und in Ordnung ist, was ich empfinde und dass bei ihm ganz ohne Frage eine Suchtproblematik besteht und sie nicht sieht, dass er es jemals schaffen wird, seine Grenze zu finden, dass ihm aber auch niemand helfen kann, wenn er keinen eigenen Leidensdruck verspürt und ich daher entscheiden müsse, wie ich damit umgehe.

    Kommende Woche werde ich eine Therapie starten. Da ich vor etlichen Jahren schonmal dort in Behandlung war, hatte ich Glück, schnell einen Termin zu bekommen. Das mache ich nicht für ihn, das mache ich für mich, um mich zu sammeln, zu stärken und wieder Boden unter den Füßen zu kriegen. Aktuell bin ich in keinem Zustand, in dem ich schwerwiegende Entscheidungen treffen könnte und ich möchte und muss mich erst selber festigen, bevor es in irgendeine Richtung weitergeht.

    Übrigens: Auch die Frage ob 2 Bier oder 50.000€ in bar hat er selbst nüchtern mehr als eindeutig beantworten können.

    Und: können Worte hier zu hart sein? Manchmal braucht es klipp und klare Ansagen. Ich habe hier nicht falsch oder böse aufgefasst. Ich gehe auch davon aus, dass der Ein oder Andere sich bei meiner jetzigen Nachricht an den Kopf fassen und nicht begreifen wird, wie ich nach allem noch hier sitzen und bleiben kann. Aber es sind Steine ins Rollen gekommen und wir werden sehen, wie es weitergeht.

    Nochmal, DANKE für eure Hilfe und eure Worte.

    Ich werde mich auch wieder hier melden, aber erstmal fehlt mir dafür die Kraft und ich möchte mich mit mir und nicht mit ihm und seiner Problematik auseinandersetzen.

  • Ich habe mit seiner Alkoholberatung gesprochen und mir den Rücken stärken lassen, dass es richtig und in Ordnung ist, was ich empfinde und dass bei ihm ganz ohne Frage eine Suchtproblematik besteht und sie nicht sieht, dass er es jemals schaffen wird, seine Grenze zu finden, dass ihm aber auch niemand helfen kann, wenn er keinen eigenen Leidensdruck verspürt und ich daher entscheiden müsse, wie ich damit umgehe.

    Das ist eine wichtige Erkenntnis für dich.

    Denke nur bitte daran, dass da auch Kinder mit dranhängen, für die du mitentscheidest.

    Ich wünsche dir viel Kraft und würde mich freuen, wenn du dich irgendwann mal wieder meldest.

  • Hallo Krümel,

    schön, dass du dich gemeldet hast.

    Mein Weltbild, sowie mein Traum von Familienleben sind erschüttert, zusätzlich ist alles was ich bin ins Wanken geraten und ich bin mir nicht mehr sicher, wer ich bin, was ich will und wie es weitergeht.

    Das Gefühl kenne ich und ganz viele andere hier bestimmt auch. Damit ist bei mir damals ein Prozess ins Rollen gekommen. Und eines Tages wusste ich es. Ich wusste was ich NICHT wollte und dann bin ich ins Handeln gekommen. Das ist emotional sehr anstrengend, aber es gehört dazu.

    Ich gehe auch davon aus, dass der Ein oder Andere sich bei meiner jetzigen Nachricht an den Kopf fassen und nicht begreifen wird, wie ich nach allem noch hier sitzen und bleiben kann. Aber es sind Steine ins Rollen gekommen und wir werden sehen, wie es weitergeht.

    Das glaube ich nicht. Ich hab mir nicht an den Kopf gefasst. Ich kann das nachvollziehen. Das ist nichts, was von heute auf morgen passiert und überstürzte Entscheidungen getroffen werden. Schon gar nicht wenn Kinder im Spiel sind. Da muss jeder sein eigenes Tempo finden. Und wie du schon sagtest: es sind Steine ins Rollen gekommen. Ich sage immer: der Weg ist das Ziel.

    aber erstmal fehlt mir dafür die Kraft und ich möchte mich mit mir und nicht mit ihm und seiner Problematik auseinandersetzen.

    Sei nicht so hart zu dir selbst und setz dich nicht so unter Druck. Da ist viel passiert die letzten Wochen bei dir und du bist ins Handeln gekommen und hast Erkenntnisse erlangt.

    Mach weiter so. Ich schicke dir ganz viel Kraft und eine dicke Umarmung.

    LG ☀️

  • Huhu

    Gehöre auch zum.team "nicht an den Kopf gefasst"! Lediglich wenn ich meinen eigenen Faden lese fasse ich mir an den Kopf, versuche aber gnädig mit mir zu sein. Habe JAHRE gebraucht!


    Sei Du gnädig mit Dir, aber auch ehrlich, und denke an die Kinder...dann bist Du auf dem richtigen Weg, aber das Tempo bestimmst Du!

    LG

  • Hallo,..

    ich muss mir hier nochmal ein bisschen was von der Seele schreiben - mit welchem Sinn? Ich weiß es nicht, aber es muss mal raus...
    7 Monate... 7 Monate hat er "kontrolliert" getrunken. Nach seinem letzten Absturz im Februar stand er vor mir und sagte er wolle es nicht mehr. Und dann hat er aufgehört zu trinken.

    Ich weiß nicht mehr, wie lange. 2, vielleicht 3 Monate? Dann kam die Sehnsucht, er meinte er habe das Gefühl ausgeschlossen zu sein, kaum noch soziale Kontakte zu haben weil sich in seinem Umfeld alles nur mit Bier in der Hand tun lässt. Die Geselligkeit fehle etc. Das sind vermutlich die üblichen "Gründe" warum es nicht ohne geht. Er war überzeugt, er schafft es, kontrolliert. Ich nicht. ich habe geweint und getobt, schlussendlich aufgegeben und dachte, ich muss ihn machen lassen, beim nächsten Knall wird er es endgültig kapieren.

    Der Knall kam letzte Woche. Kein totaler Absturz, aber ein Geständnis im Suff. "Ich brauche den Alkohol, und ich will ihn nicht aus meinem Leben streichen. Jetzt, nach 4 Litern Bier, habe ich zum ersten mal seit Monaten wieder Luft zum Atmen."

    Am nächsten Tag, nüchtern, dann "Ich werde krank ohne Alkohol, mein Leben fühlt sich sinnlos an, meine Gedanken werden immer dunkler und in mir ist nur noch Leere". Seine kranke "logische" Schlussfolgerung: wenn ich wieder trinken darf, ohne den Druck, ohne die Kontrolle, dann bin ich auch wieder glücklich. Dennoch ist er, freiwillig, nochmal zur Suchtberatung. Die hat ihm gesagt wenn er aufhören will solle er zu ihr kommen dann wäre sie jederzeit da. Aber da er es nur mir zuliebe tut und selber nicht möchte, hat es keinen sinn und dann muss er weiter trinken weil er ja scheinbar ohne nicht glücklich ist. Seine Interpretation jetzt "Selbst die Suchtberatung sagt mir, dass ich trinken soll".

    Es ist verrückt, welche absurde Realitätswahrnehmung der Mensch unter Suchtdruck haben kann. Und es ist absurd, dass ich immer noch hier sitze und bei ihm bin..

  • Krümel,

    eigentlich hast du den wichtigsten Satz schon selbst geschrieben.

    Und es ist absurd, dass ich immer noch hier sitze und bei ihm bin..

    Alles andere ist für mich reine Suchtdynamik und typisches nasses Geschwätz. Ohne Alkohol fehlt die Geselligkeit, Kontakte brechen weg, das Leben wird leer – und am Ende sind andere oder das Umfeld schuld, dass Saufen wieder „notwendig“ ist ;)

    Kann man sich alles zurechtlegen.

    Der entscheidende Satz von ihm ist viel einfacher „Ich brauche den Alkohol und ich will ihn nicht aus meinem Leben streichen.“ Mehr Erklärung braucht es nicht. Oder?

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Und es ist absurd, dass ich immer noch hier sitze und bei ihm bin..

    Da gebe ich dir recht, du müsstest doch schon längst gemerkt haben daß er nicht im Traum daran denkt trocken zu werden. Es geht jetzt nur um dich, willst du das weiterhin mitmachen oder dein Leben in die Hand nehmen und es so gestalten daß sich nichts mehr um den Alkohol dreht und du wieder ein eigenes, selbstbestimmtes Leben führen kannst?

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Er hat seine Chance gehabt - und nicht genutzt, sondern ganz klar seine Prioritäten benannt.

    Du weißt nun, woran Du bist, so traurig es auch ist, und hast wieder hergefunden, Krümel.

    (Selbst)Vorwürfe bringen Dich jetzt nicht weiter, sondern Konsequenzen. Hier kannst Du dabei Unterstützung finden. Willkommen zurück!

  • Ich sehe zum ersten Mal klar, dass ich keine Chance habe und nie hatte. Dass das nicht mein Kampf ist, nicht mein Gegner, und ich nur noch entscheiden kann ob ich den Saal verlasse oder weiter zuschaue und mich dabei immer weiter selbst verliere.

    Und trotzdem überlege ich, versuche, Regeln aufzustellen, schreibe Pro- und Contra Listen... Obwohl ich eigentlich weiß, dass es zwecklos, nur ein Aufschub wäre.

    Aber trotz allem ist da noch soo viel von dem ich dachte dass es sich lohnt dafür zu kämpfen. nur - wie lange?! Aufgeben tut genauso weh wie weitermachen, so fühlt es sich gerade an.

  • Aber trotz allem ist da noch soo viel von dem ich dachte dass es sich lohnt dafür zu kämpfen. nur - wie lange?! Aufgeben tut genauso weh wie weitermachen, so fühlt es sich gerade an.

    Gibst du wirklich etwas auf, wenn du gehst? Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass man sich selber aufgibt, wenn man so weitermacht. Wenn du für dich etwas änderst, ist das ein Ja zu dir, das ist kein Aufgeben. Und die Frage ist, wozu ein Kampf, den man sowieso nur verlieren kann?

  • Ich sehe zum ersten Mal klar, dass ich keine Chance habe und nie hatte. Dass das nicht mein Kampf ist, nicht mein Gegner, und ich nur noch entscheiden kann ob ich den Saal verlasse oder weiter zuschaue und mich dabei immer weiter selbst verliere.

    Und trotzdem überlege ich, versuche, Regeln aufzustellen, schreibe Pro- und Contra Listen... Obwohl ich eigentlich weiß, dass es zwecklos, nur ein Aufschub wäre.

    Aber trotz allem ist da noch soo viel von dem ich dachte dass es sich lohnt dafür zu kämpfen. nur - wie lange?! Aufgeben tut genauso weh wie weitermachen, so fühlt es sich gerade an.

    Dann hat es noch nicht „klick“ gemacht.


    Die Alkoholiker sagen dazu „dann muss er noch ein paar Runden drehen“. Gilt für uns Co’s auch.


    Willst du deine Schmerzgrenze bis zum geht nicht mehr ausreizen oder lieber schon vorher die Handbremse ziehen?

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