marc01 - Am Ende, was bleibt ist die Erkenntnis

  • Bist du stationär?

    Danke für die Antwort. Ich mache es ambulant mit zweimal täglicher Konsultation beim Arzt.

    Nachtrag:

    Einen Termin für eine psychologische Einzelsitzung habe ich am Freitag.

    Insofern möchte ich dir jetzt nicht unbedingt gleich zum Tiefpunkt gratulieren, aber ich wünsche dir auf jeden Fall, dass er dich jetzt genauso handeln lässt, wie er mich handeln hat lassen.

    Danke. Es kann in der Tat aktuell nur noch besser werden.

  • Ich bin am absoluten Tiefpunkt, so erbärmlich habe ich mich nie gefühlt. Ich habe mich selbst in diese Lage gebracht und ich will nie wieder dorthin zurück. Soviel steht fest.

    Hallo Marc,

    Das schaffst Du. Du bist in der Lage Dich sehr präzise auszudrücken. Das ist, so finde ich, ein sehr gutes Zeichen. Mach weiter, es lohnt sich

  • Danke für alle eure aufbauenden, ermutigenden und auch kraftspendenden Worte.

    Der Abend gestern war schwierig und anstrengend, die Nacht war ok.

    Heute ist Tag 4.

    Ich habe mal irgendwo gelesen, dass sich der Zustand des Gemüts positiv verändern kann wenn das Wohnumfeld sauber und ordentlich ist. Also werde ich heute daran arbeiten. Ich bin ein ordentlicher Mensch aber einiges ist einfach liegen geblieben. Damit habe ich eine Aufgabe und Ablenkung.

    Ich wusste schon länger, dass meine Sauferei problematisch ist, habe aber keinen Hehl daraus gemacht und keine Flaschen versteckt. Ich werde also nichts finden, alles was ich noch im Haus hatte ist seit Montag weg. Bargeld und Bankkarte habe ich freiwillig abgegeben. Einkaufen gehe ich nicht selbst aus reinem Selbstschutz.

    Ich fühle mich heute soweit ok. Im Kopf bin ich etwas klarer als gestern. Emotional geht es etwas auf und ab aber ich denke das ist normal wenn ich mich nicht betäube, zumindest fühle ich etwas und ich versuche es zuzulassen was mir das Gefühl gibt lebendig zu sein.

    Mal sehen was der Tag bringt.

  • Willkommen bei uns!

    Ich fühle mich heute soweit ok. Im Kopf bin ich etwas klarer als gestern. Emotional geht es etwas auf und ab aber ich denke das ist normal wenn ich mich nicht betäube, zumindest fühle ich etwas und ich versuche es zuzulassen was mir das Gefühl gibt lebendig zu sein.

    Wenn einem bewusst wird, dass man Alkoholiker ist, bricht erstmal ein emotionales Chaos los. Nach dem letzten Glas wird plötzlich deutlich, was der Alkohol angerichtet hat mit mir, mit meinem Umfeld. Ja, das kommt alles hoch. Und ja, das bleibt auch. Erinnerungen verschwinden nicht einfach.

    Aber ständiges Grübeln bringt nichts. Einige wollen alles akribisch aufarbeiten, das war nie mein Weg. Finde deinen eigenen. Wichtig ist jedoch erstmal, stabil trocken zu werden. Denn auf wackligen Füßen läuft man höchstens einen Sprint. Und trocken werden ist ein Marathon. Alles andere, wie das Aufarbeiten, hat ja erstmal Zeit. Die Vergangenheit bleibt, egal wie viel du analysierst.;)

    Das ist mein üblicher Klartext, so tausche ich mich aus, ohne Beschönigung, ohne Tamtam, aber nur wegen der Sucht. Also nimm es bitte nicht persönlich.Und Klartext heißt auch, Jeder trockene Tag lohnt sich. Jeder einzelne bringt dir das Leben zurück, das du an der Theke verloren hast. Auch wenn du’s dir gerade nicht vorstellen kannst es wird besser. Aber es liegt an dir.


    Was du vorhast, finde ich gut, gezielt vorgehen. Neue Struktur, neue Tagesabläufe, neue Inhalte für die Zeit, die früher dem Alkohol gehörte. Neue Hobbys, alkoholfreies Umfeld, Sauf-Freunde aussortieren weg damit. Darum sollte es dir jetzt gehen. Alles andere folgt

    Die Grundbausteine hast du sicher schon gelesen?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo marc01 ,

    Mir ging es am Anfang ähnlich wie dir, da war nur noch Chaos in meinem Kopf, ich kann nachvollziehen wie du dich fühlst. Hartmut hat alles gesagt was für dich wichtig ist, das kann ich nur bestätigen.

    Wenn du dich schlecht fühlst oder der saufdruck aufkommt dann schreib es dir hier von der Seele. Hier ist immer jemand 24/7 online und hört dir zu.

    Hab keine Angst Du kannst das auch schaffen, dein Vertrauen in dich selbst wird Stück für Stück zurück kommen.

    Gruß R/no

  • Update

    Mein Blutdruck hat sich weiter verbessert.

    Ich habe deutlich mehr Appetit als die letzten Tage.

    Ich habe es geschafft sehr schön aufzuräumen und mich nebenbei von einigen materiellen Dingen getrennt die ich nicht benötige und mich an ein turbulentes und zerstörerisches Leben erinnern.

    Jetzt geht es raus zu einem Sparziergang, natürlich in Begleitung.

    Mir geht es wesentlich besser als gestern um diese Zeit. Das macht Mut.

  • sehr schön:thumbup:;)

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Guten Morgen Tag 5.

    Ich habe wirklich richtig beschissen geschlafen. Körperlich geht es mir gut, emotional bin ich ziemlich weit unten.

    Zum Glück habe ich heute ein psychologisches Einzelgespräch, wahrscheinlich liegt es auch daran und es läuft im Hintergrund ab.

    Heute ist Tag 5 in meinem neuen Leben und es hilft mir enorm eure Unterstützung zu erfahren und meine Gedanken, Empfindungen und Erfahrungen hier aufschreiben zu können. DANKE dafür <3

    Ich bin regulär eher etwas verschlossen und hätte mich in einer SHG vor Ort vor Scham niemals so weit geöffnet wie hier, woran ich definitiv arbeiten muss, weil es einfach verdammt gut tut den Druck aus dem Kessel zu lassen. Kommt direkt mit auf meine Liste der Dinge die ich mittelfristig zu ändern habe. Den ersten kurzfristigen Schritt habe ich getan und mich hier geöffnet. Ich versuche es heute im Gespräch ebenfalls. Ich bin mir sicher, dass die Tatsache alles mit mir selbst auszumachen ein Triggerpunkt für die Sauferei ist, wenn es mir zu viel wurde und ich es nicht mehr ausgehalten habe ballerte ich mich weg.

    Gefühlt 400 Tastenschläge und mir geht es etwas besser als vor dem Ersten.

    Danke

  • Ich habe wirklich richtig beschissen geschlafen.

    Guten Morgen Marc,

    dazu gibt es einiges zu lesen, hier im Forum.

    Übrigens, ich steuere auf das vierte Jahr zu und schlafe immer noch oft beschissen. Ergo, das hängt gar nicht unbedingt mit dem Alkohol zusammen.

    Du kannst mal Schlafhygiene googeln. Vielleicht findest Du da was Passendes.

  • Das Gespräch verlief ziemlich ok.

    Wochenaufgabe für mich , nachdenken was leichte Wege sind und was nicht.

    Ich bin jahrelang den einfachsten aller Wege gegangen und habe mich weggeballert, soviel steht fest. Aber wie geht es weiter? In meinem Kopf sind sehr viele offene Fragen die eine Antwort verlangen, die ich mir aber zum aktuellen Zeitpunkt nicht beantworten kann.

    Was ist leicht, was ist schwer? Es ist dafür noch zu früh aber wie soll es weiter gehen?

    Meilenstein1: entgiften :thumbup:

    Meilenstein2: 7 Tage durchhalten, das ist mein nächstes Ziel.

    Und dann? Aufjeden Fall durchhalten. Aber wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um? Ist es der leichte Weg wie hunderte Male davor um Verzeihung zu bitten, mich zu erklären und erbärmlich zu hoffen, dass diesmal alles gut ist... Oder ist es der schwere Weg für mich selbst einen Cut zu ziehen alles hinter mir zu lassen und komplett neu und den Umständen entsprechend "unbefangen" einen Neubeginn zu wagen, einen Neubeginn in ein neues Leben, eine neue Zukunft zusammen mit einem alten Marc mit neuen Stärken, Sichtweisen und Erfahrungen?

    Ich weiß es nicht, kann und möchte es auch heute nicht beantworten. Ich muss und werde darüber nachdenken.

  • Hallo marc01

    Sei vorsichtig mit deinen gedanken. Gerade wenn es um entschuldigung, reue und und und geht...du fängst dich an irgendwann im kreis zu drehen. Ich persönlich hab das für mich in ein davor und ein hier und jetzt geregelt. Geh es langsam an, bevor es zuviel wird.also sortieren und neu bewerten...

    Gruss

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Hallo Marc,

    gut, dass Du Dich auf den Weg gemacht hast!
    Ein paar kurze Gedanken, teils in Ergänzung zu meinen Vorrednern.

    Ich bin regulär eher etwas verschlossen

    Den Eindruck machst Du hier aber ganz und gar nicht! Offen und strukturiert liest es sich für mich. Wieder ein Beispiel der Differenz, wie man ist -- wie man wirkt/rüberkommt. Online und schriftlich nochmal anders als im Realen.

    Es ist dafür noch zu früh aber wie soll es weiter gehen? (...) Und dann? Aufjeden Fall durchhalten.

    Genau - die Antwort steht eigentlich in Deinem Text:

    Es ist dafür noch zu früh. ... :thumbup: Auf jeden Fall durchhalten. !!! :thumbup:

    Das ist für die nächste Zeit DAS wichtigste. Abstand vom Alk gewinnen. Körperlich. Reichweiten- und Einflußmäßig ... Psychisch. Seelisch.

    Vollen Fokus auf dieses Ziel. Nicht Ablenken lassen von Rückblicken - das kann später - muss aber auch nicht unbedingt. Jeder hat da seinen eigenen Umgang.
    Noch zu früh für Entschuldigungen, Entscheidungen, gravierenden Änderungen!

    Ein Meilenstein ist für mich ein würdiger "großer" Moment - ein besonderes Ereignis. Bei mir war das ein abstinentes Jahr.

    Die Punkte zuvor betrachtete ich eher als Wegemarken, Zwischenziele o.ä. - etwa so:
    1. Körperlicher Abstand - 14 Tage
    2. Halbwegs Stabilisierung erreichen - 3 Monate
    3. einigermaßen runder Lauf der Abstinenz - ab hier würde ich ggf. Entscheidungen treffen -- 6 Monate

  • Guten Morgen Tag 6.

    Obwohl ich nur schlecht einschlafen und durchschlafen konnte fühle ich mich.. okay bis gut. Körperlich bin ich wohlauf, mein Kopf ist klar.

    Keine Grübelei was am letzten Abend passiert ist und wie ich wohl ins Bett gekommen bin, was in den letzten Monaten mehrmals in der Woche der Fall war.

    Ich freue mich auf den Tag. Mein Blutdruck hat sich seit gestern komplett normalisiert. Es ist längst nicht das Ende der Fahnenstange aber allein die gefühlte körperliche Besserung entschädigt jedes rumtigern durch die Wohnung in den letzten Tagen.

    Ich bin ziemlich positiv gestimmt wie sich alles in der kurzen Zeit gefügt hat und welche Hilfestellungen ich bekomme, hatte mir das vorher schwieriger vorgestellt aber mit dem Bewusstsein und der Akzeptanz ein gewaltiges Problem zu haben läuft das aktuell ziemlich von selbst, was nur einen Schluss zu lässt, dass ich mir lange Zeit selbst im Weg stand und überhaupt keine Hilfe wollte. Eine wertvolle Erfahrung für mich, wer Hilfe sucht wird Hilfe bekommen.


    Guten Morgen Oskar, Danke für deine Worte.

    Den Eindruck machst Du hier aber ganz und gar nicht! Offen und strukturiert liest es sich für mich. Wieder ein Beispiel der Differenz, wie man ist -- wie man wirkt/rüberkommt. Online und schriftlich nochmal anders als im Realen.

    Deshalb bin ich sehr froh, dass es eine Online SHG gibt, denn hier kann ich mich komplett öffnen ohne vor Scham im Boden zu versinken.


    Ein Meilenstein ist für mich ein würdiger "großer" Moment - ein besonderes Ereignis. Bei mir war das ein abstinentes Jahr.

    Das stimmt wohl, ich sollte es als Wegmarken sehen um noch zielstrebiger an den Meilensteinen zu arbeiten.

    --

    Waren die letzten Tage hart? Ja.

    Aber ich bereue nicht einen davon. Im Gegenteil, ich habe mich selbst intensiver gespürt als lange Zeit davor und es war nicht immer leicht auszuhalten aber auch für mich eine teilweise neue Erfahrung. Ich werde versuchen zwischendurch in mich hineinzuhorchen um zu erfahren was mir gut tut, was mir weniger gut tut, abgesehen vom Alkohol...

    Habt alle einen schönen Tag.

  • jedes rumtigern durch die Wohnung

    Guten Morgen marc!

    Spaziergänge oder Sport sind Ablenkung und körperliche Auslastung. Wenn Du das Haus verlässt, lass das Geld zu Hause!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Marc,

    willkommen auch von mir willkommen hier. Und gut, dass Du Dich Deiner Sucht stellst. Du bist noch jung. Eine Riesenchance.

    Im Moment ist, das einzige, worauf Du Dich konzentrieren solltest, die Entgiftung durchzustehen. Einen Tag nach dem anderen. Wenn es sein muss, eine Stunde nach der anderen. Nicht saufen. Körper, Geist und Seele leisten bis auf weiteres Schwerstarbeit. Das solltest Du nicht unterschätzen.

    Esse und vor allem trinke ausreichend. Der Körper kann so die ganzen Stoffe besser aus leiten. Ruh Dich aus, wenn Dir danach ist. Beweg Dich, wenn Dir danach ist. Lenk Dich ab. Konzentriere Dich nur auf die Basics. Alle anderen Gedanken lass einfach kreisen. Die gehen auch wieder. Besonders die an Alk.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Eines hatte ich gestern noch nicht geschrieben weil es sonst zu üppig geworden wäre...

    Wenn das mit meinem Teekonsum so weitergeht kann ich in 2 Wochen von Pestiziden entgiften.

    Mir hat Tee in den ersten Monaten ganz enorm geholfen, jeglichen Suchtdruck wegzubekommen und vor allem, mein bisheriges altes Alkohol-Trinkritual zu Hause völlig umzuformen. Kannst gern in meinen Beiträgen mal nach "Teezeremonie" suchen. Ich kann das aus eigener Erfahrung sehr, sehr empfehlen. Aber auch dies passt für den einen gut und der andere mag/will es nicht.

    Nun hatte und habe ich es an sich nie so übertrieben mit öko-, bio-, etc. - bin da noch "alte Schule" Jedoch bei Pestiziden war ich bzgl. Tee immer schon auch ein wenig auf der Hut weil ich sehr viel davon trank. Man wird sich trotz ggf. Bio-Sorten-Auswahl nicht komplett davor schützen können - habe aber immer schon darauf geachtet, verschiedene Sorten o./u. von verschiedenen Teebauern bzw. Versendern zu trinken. Das entschärft das Risiko etwas.

    Einmal editiert, zuletzt von Oskar (8. November 2025 um 14:36) aus folgendem Grund: es war länger als 3 Monate und der Tee ist geblieben - jetzt aber wieder moderater.

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