• Ich vergaß etwas:

    Ich sah gestern eine Sendung über Alkohol. Ich fand sie sehr interessant, auch, weil ich feststellte, dass ich sie recht kritisch sah.

    Manche Infos waren interessant, andere Aussagen und Therapieansätze empfand ich als sehr grenzwertig (Kontrolliertes Trinken: Blödsinn und Hinter-Scheunentor und Konfrontationstherapie, die sehr weit ging, mein Suchgedächtnis hätte vor Vergnügen in die Hände geklatscht).

    Aber das gab mir das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.


    Ich habe den Eintrag geändert, weil mir der Gedanke kam, was ich schrieb, könnte jemanden triggern.

    Einmal editiert, zuletzt von Toffifee (16. Dezember 2025 um 09:00)

  • Guten Morgen!

    Tag 20 ist vorbei und ich bin nüchtern :)

    Gestern verlief relativ unspektakulär. Ich vermisse ein wenig den Schwung, den ich in den ersten Tagen der Nüchternheit hatte. Das war vermutlich die Euphorie der Entschlossenheit, nun bin ich scheinbar der "echten" Toffifee näher. Ich schleppe aber auch schon seit ca. 2 Wochen eine Erkältung mit mir rum, die einfach nicht weggehen will und ich friere gefühlt den halben Tag. Das nervt unglaublich! Ich weiß, dass ich da aufpassen muss, denn bei mir sieht die Sucht da ein Türchen. Das verrammele ich mit viel Tee, bestimmtem Honig und schön einmummeln.

    Ich war gestern in der Innenstadt und habe noch ein paar kleine Geschenke gekauft. Um den Weihnachtsmarkt habe ich aber einen Bogen gemacht, nicht nur wegen des Glühweins (der ja schon am Vormittag fließt), es war mir auch viel zu voll. Beim Geschenke kaufen fühlte ich mich erst richtig gut, dann kam aber das Gefühl wieder auf, dass ich oft in der Vorweihnachtszeit habe: Es ist nicht genug, ich möchte/ muss mehr schenken. Ich weiß, dass das Blödsinn ist, aber wissen und fühlen sind bei mir zwei Paar Schuhe (noch). Ich denke, ich möchte mit den Geschenken meine emotionale Abwesenheit in der nassen Zeit ausgleichen. Aber auch das ist Blödsinn, das funktioniert nicht (hat es bei mir als Kind ja auch nicht). Ich versuche, mich da nicht rein zu steigern.

    Ich muss heute nochmal zur Arbeit. Ein Kollege, den ich sehr mag, verlässt die Firma und ist heute zum letzten Mal da (wir haben privat keinen Kontakt, ich trenne Arbeit und privat strikt). Ich möchte ihm noch ein kleines Abschiedsgeschenk machen. Ich habe vor der Sitiation in zweierlei Hinsicht ein wenig Schiss, erstens gehöre ich zu den Trotteln, die sich schämen, wenn sie krank geschrieben sind. Zweitens ist seine Kündigung wieder eine erhebliche Veränderung, womit ich ja echt Probleme habe und außerdem fallen mir Abschiede sehr schwer. Ich versuche, es kurz und knackig zu halten, aber ich möchte ihn verabschieden.

    Ich werde mich in der Zeit bis zur Abfahrt mit Hausarbeit ablenken, das hilft immer. Und ich versuche, ein wenig milder mit mir zu sein und nicht von mir zu erwarten, Bäume auszureißen und mir bewusst zu machen, dass es auch ruhige Tahe geben muss.

    Habt einen schönen Tag!

  • Ich versuche, es kurz und knackig zu halten, aber ich möchte ihn verabschieden.

    Situationen, die manchmal anders kommen als ich denke. Da den ganzen Tag verabschiedet wird, hat die Kollegin ein paar Sektgläser vorbereitet und ehe ich mich versah, reichte sie mir ein Gefülltes und strahlte mich an.
    Obwohl die Entscheidung klar ist, wird sie in diesem Moment in Millisekunden endgültig getroffen.
    Pass auf dich auf.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Obwohl die Entscheidung klar ist, wird sie in diesem Moment in Millisekunden endgültig getroffen.
    Pass auf dich auf.

    Danke!

    Die gefüllten Sektgläser fielen mir nachdem ich meinen Eintrag abgeschickt habe, auch ein. Im Büro weiß man zwar, dass ich keinen Alkohol trinke (ich nannte aber andere Gründe), aber "Komm, heute mal ausnahmsweise!" kennen wir, glaub ich, alle.

    Sobald ich da raus bin, werde ich, bis ich Mini-Toffi abhole, zu meiner Mutter fahren (alkoholfreier Haushalt), ich habe mich schon angemeldet. Da bin ich nicht alleine und verringere das Risiko, auf dumme Gedanken zu kommen.

  • Ich vermisse ein wenig den Schwung, den ich in den ersten Tagen der Nüchternheit hatte. Das war vermutlich die Euphorie der Entschlossenheit,

    Bin bei fast 6 Wochen Abstinenz. Ja die Euphorie Zeit ist bei mir vorbei. Jetzt sind die Freude und Zufriedenheit da- auch schön. Keine Kater und Entzüge, keine Psychoaktionen mit Polizei und co. Vernünftig leben einfach

    Ich schleppe aber auch schon seit ca. 2 Wochen eine Erkältung mit mir rum, die einfach nicht weggehen will

    Bin jetzt zum zweiten Mal in 4 Wochen Erkältet. Nervig

    Das nervt unglaublich! Ich weiß, dass ich da aufpassen muss, denn bei mir sieht die Sucht da ein Türchen.

    Verrückt, als ich krank wurde hatte ich auch den Gedanken das wegzusaufen. Bekloppt

    Heute trinke ich nicht

  • Guten Morgen!

    Tag 21 ist vorbei, ich bin seit 3 Wochen nüchtern! :)

    Gestern verlief so ziemlich wie geplant.

    Der Abschied des Kollegen war weniger stressig, als ich befürchtet hatte. Mir wurde kein Sekt angeboten, ich sah zwar Flaschen, das berührte mich aber nicht. Erst, als ich das Gebäude verließ und die Tränen wenigstens bis zum Auto zurück halten wollte, klopfte die Sucht an: "Oh, Du bist traurig, komm, ich helfe Dir!" Mein Verstand war aber präsent genug und ich meinte nur "Halt die Klappe, der einzige, dem Du helfen willst, bist Du selbst!" Im Auto konnte ich dann aber wieder nicht mehr weinen. Ich kann mich nicht erinnern, wann das zum letzten Mal ging, ist ewig her. Ich wünsche mir, dass ich irgendwann mal wieder weinen kann, statt dieses ekelhafte Gefühl zu haben, kurz davor zu stehen und es geht einfach nicht.

    Ich fuhr dann wie geplant zu meiner Mutter und wir haben nett geschwatzt. Nachdem wir für die Schule geübt hatten, fuhr ich mit Mini-Toffi zum Kindersport und schmökerte dort in meinem Krimi. Danach gab es die obligatorische Mittwochspizza und ich ging mit Mini-Toffi ins Bett. Das war alles in allem recht angenehm, schön im üblichen Ritual. Das gibt mir Stabilität.

    Fazit des Tages: 1. Manche Situationen sind weniger schlimm, als man vorher befürchtet und 2. Meine Sucht meldet sich nicht zwangsläufig bei Alkoholpräsenz, sondern auch bei großen Gefühlen


    Habt einen guten Tag!

  • Freude und Zufriedenheit da- auch schön. Keine Kater und Entzüge

    Naja, Freude fehlt noch ein wenig, aber ich merke, dass meine Zufriedenheit wächst. Zumindest in Hinsicht auf Abstinenz und, dass mein Gehirn wieder besser funktioniert und nicht durch Schuld- und Schamgefühle und Angst blockiert ist. Mit meinen anderen Leistungen werde ich wohl noch eine ganze Weile nicht zufrieden sein. Aber ich arbeite nicht mehr daran, mehr leisten zu wollen, sondern mit weniger zufrieden - oder zumindest einverstanden zu sein.

  • Der Abschied des Kollegen war weniger stressig, als ich befürchtet hatte. Mir wurde kein Sekt angeboten, ich sah zwar Flaschen, das berührte mich aber nicht. Erst, als ich das Gebäude verließ und die Tränen wenigstens bis zum Auto zurück halten wollte, klopfte die Sucht an: "

    Natürlich macht es etwas aus, wenn jemand Alkoholiker ist und erst ein paar Tage nüchtern, noch instabil in der Abstinenz. Steht dann eine Sektflasche vor ihm, passiert etwas. Die Gedanken kommen vielleicht nicht sofort, aber sie kommen. Das Suchtgehirn hat sich über Jahre feste Muster antrainiert.

    Jahrelanges Saufen verschwindet nicht einfach aus dem Kopf , nur weil der Ablauf plötzlich ein anderer ist. Wird ein "gewohntes Muster" unterbrochen, reagiert das System. Das Suchtgehirn fragt sich dann schon mal. Wo bleibt der Stoff?

    Nicht umsonst heißt es, dass man solche Situationen am Anfang des Weges vermeiden sollte.

    Fazit des Tages: 1. Manche Situationen sind weniger schlimm, als man vorher befürchtet und 2. Meine Sucht meldet sich nicht zwangsläufig bei Alkoholpräsenz, sondern auch bei großen Gefühlen

    Da hast du recht , Sucht reagiert auf alle Reize und Emotionen. Aber wer Situationen beschönigt oder abwertet, erhöht das Risiko, bei andern alkoholhaltigen Veranstaltungen wieder einzusteigen. Dass sich die Sucht nicht zwangsläufig meldet, sehe ich anders. Natürlich reagiert sie bei Alkoholpräsenz vielleicht nicht immer laut oder sofort, aber sie ist ständig im Hintergrund aktiv. Genau das macht sie so tückisch.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Guten Abend!

    Tag 22 betrachte ich als beendet und ich bin nüchtern :)

    Ich möchte mir angewöhnen, abends zu schreiben. Ich plane, ab 2.1. wieder zu arbeiten und jetzt schon eine Tagesstrukrur üben, die zur Werktätigkeit passt. Da wird morgens schreiben zu knapp.

    Der Tag lief recht gut. Ich hatte wieder etwas mehr Antrieb, weiter auszumisten und habe noch ein paar der tausend kleinen Handgriffe gemacht, die einzeln nicht auffallen, aber sich anhäufen, wie z.B. endlich mal die Hose reparieren, die ich so gerne trage. Dann war ich heute wieder bei meiner Suchtärztin und das hat mir auch nochmal einen ordentlichen Motivationsschub gegeben. Trotzdem muss ich aufpassen, nicht übermütig zu werden und wieder zu viel auf einmal zu wollen. Den Rest des Tages ging ich ruhig an und werde auch nicht mehr lange wach bleiben.

    Morgen freue ich mich auf Mini-Toffis Weihnachtssingen und das Basteln danach.

    Habt eine gute Nacht!

  • Ich bin EKA und freu mich einfach mal eine Runde mit dir mit über deinen Tag 22. :) Und "Mini-Toffi" finde ich mit das Goldigste, was ich seit langem gelesen habe. :*

    Meine Mutter hat es leider nie hinbekommen mit dem Trockenbleiben. Schon als kleines Kind habe ich irgendwas mitbekommen, ohne zu begreifen, warum sie anders drauf war als die Mütter meiner Freundinnen.

    Bleib dran. Tagesstruktur finde ich gut. Habe aus anderen Gründen als du auch so meine Probleme, aber es lohnt sich wirklich dranzubleiben.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Lieber Hartmut,

    Danke für Deinen Beitrag. Ich lese Dich auch in den anderen Fäden oft und Deine direkte Art fühlt sich anfangs tatsächlich etwas schroff an, aber ich sehe es mittlerweile als Denkanstöße, mal irgendwo genauer hin zu schauen.

    Steht dann eine Sektflasche vor ihm, passiert etwas. Die Gedanken kommen vielleicht nicht sofort, aber sie kommen.

    Das hat mich in Bezug auf gestern heute beschäftigt und mir fiel auf, wie oft man tatsächlich Alkoholflaschen sieht. Bestes Beispiel ist der Supermarkt: Süßigkeitenfreie Kassen gibt es, aber alkoholfreie? Den Zusammenhang oben habe ich noch nicht verinnerlicht, das fiel mir ja schon bei der Wodkaflasche auf der Straße auf.

    Aber wer Situationen beschönigt oder abwertet, erhöht das Risiko, bei andern alkoholhaltigen Veranstaltungen wieder einzusteigen.

    Das ist etwas, was ein Sargnagel meiner jahrelangen Abstinenz war. "Das war ja gut gegangen, kann ich ja nochmal machen!" Irgendwann ging es schief und ich habe auf dem Heimweg eine Flasche Wein geholt. Das waren Veranstaltungen, die für mich mittlerweile tabu sind. Ich hoffe ja mal, dass uns nicht noch mehr Kollegen verlassen, ich sah es gestern eher als Glücksfall, Alkohol nicht thematisieren zu müssen. Ansonsten gehört meine Firma glücklicherweise nicht zu denen, die auf jedes Ereignis anstoßen muss. Aber Vorsicht ist angebracht, da stimme ich Dir zu.

  • Meine Mutter hat es leider nie hinbekommen mit dem Trockenbleiben.

    Danke für Deinen Zuspruch!

    Das ist auch einer meiner Gründe, trocken werden zu wollen. Ich selbst wuchs mit einem Alkoholiker-Elternteil auf. Für einen Nicht-Abhängigen muss das total paradox scheinen, dass man selbst Ankoholiker wird, man sollte es ja besser wissen.

    Ich möchte ein Elternteil sein, wie ich als Kind gebraucht hätte.

  • Für einen Nicht-Abhängigen muss das total paradox scheinen, dass man selbst Ankoholiker wird, man sollte es ja besser wissen.

    Wahrscheinlich. Doch bei sehr vielen Alkoholikern, die ich kenne, waren es die Eltern auch.

    Ich hatte es nicht einfach als EKA und doch wurde ich zum Alkoholiker.

    Aber im Gegensatz zu meinen Eltern bin ich trocken geworden. Yesss :)

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Kinder lernen von ihren Eltern. Sie sind die Vorbilder und werden nachgeahmt. Auch das Schlechte. Deswegen werden Kinder von Schlägern auch oft selbst zu Schlägern. Nicht, weil die das toll fanden oder meinen, es hätte ihnen auch nicht geschadet. Sondern weil man in einer kranken Umgebung aufgewachsen ist und es nicht besser weiß. Man verhält sich, wie man es vorgelebt bekommen hat und von den Eltern gelernt hat.

  • Man verhält sich, wie man es vorgelebt bekommen hat und von den Eltern gelernt hat.

    Besonders, was die Sucht angeht. Da ist das Risiko viel größer, selbst irgendwann dabei zu sein.

    Aber pauschalisieren kann ich hier nicht. Sonst müsste ich meine Kinder misshandeln. Weil es bei mir ja so war.

    Oder hätte müssen. Sie sind schon erwachsen.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

    Einmal editiert, zuletzt von Alex_aufdemweg (18. Dezember 2025 um 23:01)

  • Guten Abend!

    Tag 23 neigt sich dem Ende zu und ich bin nüchtern! :)

    Ich hatte einen angenehmen Tag.

    Das Weihnachtssingen war so schön. Das Lächeln Mini-Toffis, als ich in der Menge erkannt wurde, rührte mich zutiefst. (Wie sehr hatte ich mir das gewünscht, als ich da oben stand)

    Danach nahmen wir ein anderes Mini mit nach Hause und bastelten bei Rock-Weihnacht und hatten alle eine gute Zeit.

    Ich möchte jetzt mit dem Gefühl ins Bett gehen, dass ich mit zwei Kindern einen tollen Nachmittag hatte.

    Habt eine gute Nacht!

  • Guten Morgen!

    Tag 24 und 25 sind vorbei und ich bin nüchtern!

    Das Wochenende war ein wenig anstrengend. Meine Erkältung will nicht weg gehen und das nervt. Ich habe mit Mini-Toffi noch Geschenke gebastelt und wir waren bei Freunden zu Besuch. Gestern kam dann noch eine andere Freundin vorbei. Heute will ich es ruhig angehen. Ich brauche den Tag, um vor Weihnachten nochmal runter zu kommen. Ich habe ein wenig Bammel, dass die Feiertage das Suchtgedächtnis wecken. Die Familienkonstellation ist bei uns nicht einfach, aber ich konnte es zumindest so entzerren, dass nicht alle aufeinandertreffen und Mini-Toffi trotzdem alle sehen kann. Auch wenn es für mich wahrscheinlich besser wäre, mich auszuklinken, das kann ich meinem Kind nicht antun.

    Habt einen guten Tag!

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