Fortune - Wochenendtrinker

  • Moin moin,

    ich nenne mich hier Fortune und bin neu in diesem Forum!

    Am 5.12. nach einem Fußballspiel ging ich noch in eine Kneipe, allein in eine Kneipe.

    Das war neu. Zu den vorher „genossenen“ 6 großen Bieren ab 17Uhr kamen also bis 23 Uhr noch zwei dazu. In der Kneipe war live-Musik. Ein Song aus meiner Jugend „put the Message in the Box“ von World Party wurde gegeben. Ich war total begeistert und wollte mit den Musikern ins Gespräch kommen:

    Aus mir kam aber nur besoffener Müll. Zuhause saß dann noch mein erwachsener Sohn mit einem Freund:

    Mein Auftreten war ihm sicher peinlich, das bestätigte er auch am nächsten Morgen.

    Zu guter Letzt schmiss mich meine Frau noch ins Gästezimmer: „Du stinkst nach Alkohol“.

    Das war für mich dann der Anlass, zum gefühlt 10. Mal zu versuchen, den Alkohol dran zu geben.
    Hat bis heute auch geklappt,

    Tag 18 läuft. Allerdings spielt sich im inneren die ganze Zeit ein Band ab:

    Du hast doch Sonntags bis Donnerstags nie was getrunken, es war doch immer nur am Wochenende, mit Freunden kann man doch mal einen heben usw. Immerhin ist Alkohol bis in viele Religionen hinein ein Kulturgetränk, viele kreative Schriftsteller , Künstler, Filmemacher etc. haben getrunken, willst Du wirklich ein verknöcherter Abstinentler werden, freudlos und langweilig?

    Songs von den Hosen und Sondaschule schiessen in meinen Kopf.
    Mein ganzes soziales Umfeld trinkt oder säuft, wie soll ich da rauskommen?

    Im Internet und bei frühereN AA-Treffen hab ich sie gehört, die „echten“ Trinkergeschichten:

    Jeden Tag besoffen, Bier zum Frühstück, besoffen zur Arbeit: Nein da gehörst Du doch nicht dazu, Du trinkst nur am Wochenende.

    Wirklich? Immerhin richte ich mich seit Jahren aufs Wochenende ein, dann ist Fußball , Konzert und Alkohol, die Kumpels sind geil drauf, mindestens 6,7 Bierflaschen pro Abend, 8 Mal im Rausch pro Monat. Also doch Alkoholiker?

    Die Ärztin sprach von einem leicht erhöhten Leberwert. Alarmsignal? Oder reicht eine Trinkpause, wie ich sie ohnehin jedes Jahr sechs Wochen in der Fastenzeit hinbekomme.
    Aber komisch: Diese Fastenzeit zu Ostern ist kein Problem, vielleicht, weil ich weiß, dass ich nach Ostern wieder loslege mit meinen 4, 5 Spezis und vor allem meinem Bruder. Ich glaub, ich sehe meinen Bruder so gut wie nie ohne Alkohol: Im Stadion, beim Konzert, auf der Straße…. Jetzt kommen schon an Tag 18 und jeden Tag absolute Verlustängste bezüglich „Alkoholspass“- Das ist meine Lage. Ich versuche Gegenstrategien zu entwickeln:

    Mehr Engagement in Theatergruppen (ich liebe Laientheater und noch mehr „experimentelles Theater“, vielleicht in einen Chor, vielleicht wieder mit Gitarre anfangen, ich bin der 10-Akkorde-Mann, vielleicht irgendwo engagieren? Bin kürzlich sogar in eine Partei eingetreten, aber die erste Stadtteilversammlung fühlte sich nicht gut an. Ein alter weißer Msnn unter jungen Leiten, schräg.

    Dann kommt wieder die Stimme: „Du wirst nie mehr richtig Spaß haben“. Ich denke, ich bin richtig bei Euch mit meinen 55 Jahren, ist wohl Zeit, erwachsen zu werden, sagt eine andere Stimme. Wirklich???? Danke, dass ich hier mein Herz ausschütten darf, freue mich auf Reaktionen, falls möglich , Gruß F.

  • Hallo Fortune,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker.
    Da sind ganz schön viele Fragezeichen in deinem Text, aber ich habe das Gefühl, dass du einige Antworten schon kennst.

    In dieser Selbsthilfegruppe tauschen sich ausschließlich bekennende Alkoholiker aus, die sich hier in diesem Forum auch so benennen und eine lebenslange Abstinenz anstreben. Wenn dieser Entschluss gefasst ist, dann kann dich diese SHG auf deinem Weg in die Abstinenz begleiten.

    Wie sieht es da bei dir aus, siehst du dich als Alkoholiker und möchtest du ein dauerhaft abstinentes Leben führen?

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ohne wenn und aber und damit kann es für dich hier weitergehen.
    Da du schon seit über 2 Wochen abstinent bist, sende ich dir den Link für deine Bewerbung zur Freischaltung für den offenen Bereich.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Bitte anklicken und einen kurzen Satz schreiben, da du dich ja schon ausführlicher vorgestellt hast.

    Nach erfolgter Freischaltung werden wir Dein Thema zu "Erste Schritte für Alkoholiker" verschieben.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Nayouk24 24. Dezember 2025 um 16:33

    Hat den Titel des Themas von „Wochenendtrinker“ zu „Fortune - Wochenendtrinker“ geändert.
  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Fortune .

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hier noch der Link zu den "Grundbausteinen" für eine stabile Abstinenz.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Du kannst dich an den Grundbausteinen spiegeln, wo du heute stehst. Daraus ergeben sich deine ersten Handlungsfelder.

    Und für Suchtdruck haben wir den Notfallkoffer. Finde raus, was dir bei Suchtdruck hilft und pack dir deinen eigenen Koffer.

    Das Forenteam
    27. August 2021 um 21:40

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hi Fortune,

    auch Dir frohe Weihnachten!

    Das Gefühl etwas zu verpassen, sein Leben nicht richtig frei leben zu dürfen, nicht trinken zu dürfen während die anderen Spass ohne Ende haben war am Anfang stets ein Begleiter. Ich habe wie Du schreibst keine dieser Stories miterlebt die von "richtigen" Alkis erzählt werden, a la Ehe in den Sand gesetzt, besoffen Unfall gebaut, in der Ausnüchterungszelle aufgewacht, und und und...

    Bei mir war es die tägliche Belohnung den Tag überstanden zu haben und endlich abschalten zu dürfen. Da wurde schon auf den letzten Metern vom Supermarkt nachhause der erste Drink direkt aus der Wodkaflasche verköstigt. Ausserdem musste ich ja planen: nicht zu spät anfangen, weil ich sonst bei meiner benötigten Dosis am morgen noch besoffener wäre als ich es ohnehin schon war (ohne es zu merken).

    Jeder von uns hier ist Alkoholiker, da spielt das Getränk und die Menge eine untergeordnete Rolle. Was hier sicher alle gemein haben ist, dass sich das Leben um den Alkohol drehte.

    Ich konnte mir ein Leben völlig ohne Alkohol nicht vorstellen. Wozu auch, jeder trinkt doch. Aber ein richtiges Leben war das schon lange nicht mehr. Der Alltag inkl. Beruf lief gut, aber auch nur so gut wie nötig um anschliessend bechern zu können. Es war eher ein umgekehrtes Leben. Besoffen war ich lebendig, nüchtern war die nervige Zeit bis ich wieder saufen konnte. Alles was scheisse war, arbeiten, Papierkram, Haushalt, usw. war das nervige Leben das ich um 17 Uhr beenden konnte um dann 5 Std lang eine Flasche Hartalk zu leeren bis ich endlich ins Bett fiel und einschlief.

    Nur, was ist das Bitte für ein Leben? Tag für Tag ohne Aussicht dass sich was ändert. So geil wie früher hat der Alk auch nicht mehr geknallt und gesundheitlich merkte man es auch langsam. Ich wusste dass es so nicht weiter gehen kann. Ich wollte ein Leben ohne Alk, aber am besten mit dem Besoffensein.

    Stell dir die Frage, ob Du nicht mehr aus deinem Leben rausholen willst als nur von Rausch zu Rausch zu leben. Es geht nämlich. Als ich Anfang Mai hier meinen Thread eröffnet habe, hätte ich nicht gedacht dass es sich so sehr zum positiven ändert. Kein Verstecken, keine Peinlichkeiten, keine Filmrisse, keine Sorgen ob der Alk für heute reicht, keine Abhängigkeit von einer Flüssigkeit.

    Ich habe mittlerweile echt Spass am Alltag, auch wenn er unspektakulärer erscheint. Und ich vermisse das Besoffensein nicht. Die Zeiten in denen ich voll auf Sendung mit Leuten irgendwo unterwegs war waren nicht alle schlimm, aber es reicht einfach. Ich hatte meinen "Spass", Zeit für was neues, Zeit für etwas was ich kontrollieren kann.

    In dem Sinne, du verpasst nichts wenn Du nüchtern bist. Staubtrocken ist es auch nicht. Es ist eher das Gefühl wieder die Kontrolle über sein Leben zu haben.

    Weihnachtliche Grüße,

    Paul

  • Danke für die kleinen Grüße und den Kommentar. Tut gut, wenn man weiß, dass jemand mitliest. Bin jetzt bei Tag 18 oder so ohne Alk. Gedanken kreisen aber ständig drum. Habe eben eine 0,0 % Alk.Bierflasche, weg geext. Komisch, jetzt kehrt Frieden ein. Damit weiß ich.: Ich bin Alkoholiker

  • Herzlich willkommen bei uns.

    Habe eben eine 0,0 % Alk.Bierflasche, weg geext. Komisch, jetzt kehrt Frieden ein. Damit weiß ich.: Ich bin Alkoholiker

    Die meisten „alkoholfreien“ Biere haben bis zu 0,5 % Alkohol. Das ist technisch erlaubt, aber es bleibt Alkohol. Wer so etwas trinkt, ist nicht trocken. Dazu kommt. Es sieht aus wie Alkohol, erinnert wie Alkohol, schmeckt ähnlich wie Alkohol. Alle Sinne springen im Kopf an. Da fehlt nur der Alkoholgehalt aber genau dieses „Etwas fehlt“ ist gefährlich. Auf Dauer löst das Saufdruck aus.

    Es gibt genug Alternativen. Such dir welche. „Alkoholfreies Bier“ ist kein cleverer Kompromiss, sondern ein schlechter Gedanke.

    Hast du dir die Grundbausteine schon angeschaut?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich halte sog. alkoholfreie oder -arme ´Biere aus den von Hartmut beschriebenen Gründen für brandgefährlich. Mit dem Zeug habe ich früher meine selbst auferlegten Saufpausen überbrückt, bis dann der Schmacht auf ein richtiges Bier zu groß wurde.

    Lass das Zeug besser mal weg.

  • Es gibt noch einen Unterschied zwischen "alkoholfrei" (das sind die erwähnten 0,5 %) und "0,0" (bis zu 0,03%), aber das bezieht sich halt nur auf den noch enthaltenen Alkohol. Fürs Thema Suchtgedächtnis bleiben sie natürlich beide ungeeignet, da es trotzdem "Biergenuss" vorgaukelt und somit kein konsequentes Ende darstellt. VG Soapstar

  • Und noch eins: Bisherige Trinkgefäße wie Weißbiergläser können gewaltig triggern. Ich habe in der Anfangszeit mal eine Apelschorle in so was eingeschenkt. Schon nach wenigen Sekunden begann mein Suchtgedächtnis, gewaltig zu zicken. Warum? Verknüpfung zwischen dem Glas und dem speziellen Stoff.

    Seitdem trinke ich keine Getränke aus Gläsern, die für den klassichen Alkoholausschank bestimmt sind (Bier-, Wein-, Sektgläser, Cognacschwenker ...)


    Bei mir noch alkoholfrerie Mixgetränke aus Longneckflaschen. Das habe ich auch mal wegen des Inhalts gekauft, der für mich ok war, aber die Flasche hat mich "verrückt" gemacht.

  • Vielleicht noch etwas aus dem jahrelangen Austausch hier: Die meisten trinken „alkoholfreies“ Bier nicht für sich selbst, sondern damit es andere sehen ,mitten im alten, "nassen" Umfeld. So nach dem Motto: „Schaut her, ich bin noch dabei.“ Von außen erkennt ja niemand, ob da Alkohol drin ist oder nicht.

    Das ist auch nichts Ungewöhnliches. In den Jahren, in denen getrunken wurde, hat man sich fast nur in "nassen "Kreisen bewegt, in denen Saufen normal war und einfach dazugehörte. Das ändert sich ja nicht einfach so, nur weil man die Flasche wegstellt, das braucht seine Zeit.

    Danke, Ihr habt recht.

    Finde ich gut, die Reaktion. Ohne zu wissen, was du nun daraus machst. Es geht hier nicht um richtig oder falsch. Es geht nur um zwei Dinge, trocken zu bleiben oder an der Sucht zu verrecken.

    Deshalb ist es auch wichtig, den Tagesablauf, so banal er auch sein mag, kurz festzuhalten. Damit diejenigen mit Erfahrung die typischen Fallstricke sichtbar machen können, die am Anfang fast immer da sind.

    Weiter gutes Gelingen

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Die meisten trinken „alkoholfreies“ Bier nicht für sich selbst, sondern damit es andere sehen ,mitten im alten, "nassen" Umfeld. So nach dem Motto: „Schaut her, ich bin noch dabei.“ Von außen erkennt ja niemand, ob da Alkohol drin ist oder nicht.

    Dazu fällt mir ein, ich kenne jemanden, ich glaube 10 Jahre trocken, wie er wieder mit Alkoholfreiem Bier angefangen hat um dazu zu gehören. Jetzt wo ich das lese erinnere ich mich dran als ich ihn vor einem Jahr oder länger her mit einem richtigen Bier gesehen hab und ihn darauf ansprach, hat er geantwortet, alles klar ich hab alles im Griff usw.

    Ich hab mir nie Gedanken darüber gemacht, ich war ja noch nicht abstinent, jetzt kann ich mir denken was passiert ist, ich hab ihn schon lange nicht mehr gesehen.

    Es gibt auch wirklich keinen Grund das Zeug zu trinken, es schmeckt widerlich. Ich glaube keinem der erzählt man trinkt das wegen dem Geschmack, eher noch Sportlern wegen der Inhaltsstoffe falls das überhaupt zutrifft. Nichts kommt gegen Maracuja Saft an😉

    Gruß R/no

  • Hì! Die Reaktionen gestern haben mir viel zu denken gegeben. Ich bin ja erst seit sehr kurzem dabei und habe nun knapp drei Wochen keinen Alkohol getrunken. Da bin ich Frischling. Trotzdem habe ich eure klare Kante gestern erfahren. Erschien mir, verzeiht bitte, etwas ruppig.
    Ehrlich gesagt helfen mir aber die anderen Berichte im offenen Bereich sehr . definitiv spüre ich, dass die Intensität, mit der ich über Alkohol nachdenke, beziehungsweise über die Gestaltung meiner Wochenenden leider sehr mit meinem Sucht- Status korrelieren.

    Ich glaube, alleine drehe ich mich im Kreis. Letzte Woche saß ich mit Leuten in der Kneipe, mit denen ich sonst gesoffen habe. Ich habe die ganze Zeit Ingwer Tee getrunken und war gut drauf. also kein Gedanke daran, mitzutrinken. Was meint ihr? Was sind eure Erfahrungen?

    Kann es so weitergehen? Da war so ein Gefühl: lass die anderen ruhig trinken, ich bin trotzdem gut im Gespräch und dabei. Das war auch was befreiendes. Auf der anderen Seite schiebt sich so ein Gedanke hinein: wird dir das in Zukunft reichen? Ist das wirklich schon das Optimum? Am Biertisch sitzen und nicht trinken? Beste Grüße.

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