Von Co's für Co's: Grenzen, Dynamiken und Wege aus dem Muster

  • Das mit dem "hätte" und "wäre" sehe ich genauso. Vielleicht würde ich dann auch sagen: hat er ja nur im Suff gemacht - aber er meint es ja nicht so... Also da will ich mich gar nicht raus reden.

    Mir fehlt halt die Wut. Das würde mir Antrieb geben. Die Angst vorm Alleinsein ist es bei mir sicher nicht.

  • Ja, das ist gut formuliert, liebe Jump! . Ich hatte die schon phasenweise, diese Wut, und konnte mich für eine Zeit innerlich gut abgrenzen. Ex bleibt dann halt weg, bis sie verraucht ist und kommt irgendwann mit einer gesundheitlichen Hiobsbotschaft ums Eck. Aber auch das sehe ich für mich als eine Art Rausreden. Man "hofft" auf die eigene Wut, um gehen zu können - ein zufriedenes Leben geht doch anders.

  • Was für ein spannender Faden!

    Hallo an Alle!


    Ich habe mich beim Lesen gefragt, ob es nicht doch auch wieder das Trauma-Bindungsthema ist, das uns Co‘s hält.


    Ich glaube, dazu braucht es noch nicht mal einen trinkenden Partner, der missbräuchlich ist im Sinne von verbalen oder körperlichen Angriffen, sondern die Tatsache, dass man sich ständig auf einer Achterbahn der Gefühle bewegt, reicht wahrscheinlich schon.


    Ich kann nur aus meiner Perspektive sagen, dass mein Partner verbal und körperlich missbräuchlich war und ich - trotz deutlicher Abgrenzung - immer noch da bin, und ihn nicht verlieren will.

    Er ist ja nicht nur „der Trinker“ und „der, der richtig bösartig zu mir sein kann“. Er hat ja auch diese liebenswerte Seite und die Verletzlichkeit.

    Was also hält mich? Der mini mini Hoffnungsschimmer, dass er es schafft, vom Alkohol loszukommen und die liebenswerte Seite überhand bekommt?


    Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass es in der Psyche der beiden Partner gewisse Punkte gibt, die sie zueinander hinziehen - trotz allem. Unbewusste alte Muster? Unbewusste Schattenanteile, die sich anziehen? Da könnte man jetzt tief eintauchen, aber ich wollte nur die Idee in den Raum werfen.

    Denn es scheint ja „etwas“ in einem zu wirken, das man nicht einfach verstandesmäßig überwinden kann.

    Alles Liebe, hiiumaa

  • du schreibst ..."Was also hält mich? Der mini mini Hoffnungsschimmer, dass er es schafft, vom Alkohol loszukommen und die liebenswerte Seite überhand bekommt?"

    ich würde neben dem Hoffnungsschimmer vielleicht noch ein Stück weiter gehen... dass es da bewusst / unterbewusst diesen tiefen Wunsch gibt, dass man selbst (also der Partner des Süchtigen) so wichtig ist... so sehr geliebt wird, dass man der Grund ist, warum der Süchtige leben und von der Sucht wegkommen will.

    irgendwie ein fataler (trotzdem menschlicher) Wunsch, weil der Selbstwert von dem Süchtigen abhängig gemacht wird.

    Mich würde, hinsichtlich Traumabonding, mal interessieren, wer von den Anwesenden einen süchtigen Elternteil hatte und sich dann wieder einen süchtigen Partner gesucht hat bzw. bei einem süchtigen Partner (alternativ Geschwister, Freund, Freundin usw) geblieben ist.

    Einmal editiert, zuletzt von Marie04 (22. Januar 2026 um 19:33) aus folgendem Grund: Zitat vom Rest des Textes getrennt zur besseren Übersicht.

  • Luisa LingLang , das sehe ich bei mir beides überhaupt nicht.

    Ich nehme die Sucht meines Mannes nicht persönlich und mache auch ganz sicher nicht meinen eigenen Selbstwert davon abhängig.

    Und ich hatte auch kein süchtiges Elternteil und vorher auch keine anderen süchtigen Partner.

    Ich habe nochmal nachgedacht weshalb ich mich bisher nicht getrennt habe. Überspitzt gesagt: weil ich fest überzeugt bin, dass die Sucht eine grauenhafte Krake ist, die meinen Mann gefangen hält. Weil ich Sucht für eine Krankheit (des Gehirns) halte. Und nicht für eine willentliche Weigerung die Grundbausteine einzuhalten. 95 % Rückfällige bestätigen das.

    Und ich sehe nun mal mit eigenen Augen, dass es ihm überhaupt keinen Spaß macht zu trinken, sondern er dann zu einem verzweifelten hilflosen Menschen wird, der nur noch versucht zu überleben und wieder in eine Klinik zu kommen, die ihn aber monatelang warten lässt, weshalb dann irgendwann der Rettungswagen kommen muss.

    Weil er komplett aufblüht, wenn er nüchtern ist. Und ich sehe, dass er sich wünscht, dass das so bleibt. Er auch viel dafür tut. Und es trotzdem nie bei ihm reicht. Er mich niemals bedrängt oder etwas verlangt. Sich sehr schämt und immer wieder versucht alles wieder gut zu machen.

    Mit "ekelhaft" hatte ich in erster Linie gemeint, dass ein Alkoholiker sagt er trinkt "gerne", ohne irgendeine Form der Verantwortung für seine Angehörigen, auch Kinder, zu zeigen. Zu erwarten: dann geh' doch, wenn's dir nicht passt - anstatt dann SELBST zu gehen. Dem nicht-trinkenden Elternteil und Kindern die Wohnung zu überlassen. Sie nicht aus dem gewohnten Umfeld zu vertreiben.

    Dieses: "du kannst ja gehen, selbst schuld, wenn du bleibst", das ärgert mich sehr. Es verdreht die Tatsache, dass die Angehörigen hier "vertrieben" werden. Es wird keine Verantwortung für das Trinken und die Auswirkungen übernommen.

    Es heißt jeder hat "das Recht zu saufen". Mein Mann würde dieses Recht gerne abgeben. Er hat einen Zwang zu saufen. Aber wer meint es so toll zu finden saufen zu "wollen", der kann doch dann gehen und seine Angehörigen in Ruhe lassen und aufhören sie anzulügen.

    Mein Grund weshalb ich mit einem Alkoholiker zusammen gekommen bin war einfach Pech. Vielleicht noch, weil in meinem Umfeld schon immer viel Alkohol getrunken wurde, auch von mir. Und daher die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist einen Alkoholiker abzukriegen. Aber das stimmt wahrscheinlich auch nicht, denn gesoffen wird ja in allen Kreisen, auch dort wo es nicht vermutet wird.

    Ich nehme das jedenfalls genauso wenig persönlich wie wenn mein Mann eine Psychose entwickelt hätte. Die Zeiten, in denen noch von einer "schizophrenogenen Mutter" und solchen Zusamenhängen gesprochen wurde, sind ja zum Glück vorbei.

    Trotzdem muss ich raus aus dieser Dynamik. Also obiges bitte nicht falsch verstehen. Ich kann das aber indem ich nach Vorne schaue. Und ich muss dafür nicht zwangsläufig zuerst meine Persönlichkeit durchleuchten. Ich. Für andere ist das ja vielleicht anders. Manche sehen ja sogar eine "Chance in der Krise", weil es einen Anstoß gibt sich mit inneren Mustern etc. zu beschäftigen.

    Ich mag aber keine Verallgemeinerungen und pauschale Zuschreibungen über Cos insgesamt. Die außerdem längst wiederlegt wurden. Es gibt genauso wenig eine Co-Persönlichkeit, wie es eine Alkoholiker-Persönlichkeit gibt. Und ich will mir das auch nicht einreden lassen.

  • Ich mag aber keine Verallgemeinerungen und pauschale Zuschreibungen über Cos insgesamt. Die außerdem längst wiederlegt wurden. Es gibt genauso wenig eine Co-Persönlichkeit, wie es eine Alkoholiker-Persönlichkeit gibt. Und ich will mir das auch nicht einreden lassen.

    Ich persönlich finde es schwierig von Persönlichkeiten dabei zu sprechen und stimme dir da zu. Es gibt Symptome einer Alkoholerkrankung und es gibt Verhaltensmuster von Cos, die können bei jeder einzelnen Person in ihrer Ausprägung variieren, aber das sind ja keine Persönlichkeitsmerkmale. Ich denke aber, dass Persönlichkeit und Symptome/Verhaltensmuster sich gegenseitig beeinflussen. Manchmal frage ich mich bei meinem Ex (er war bereits Alkoholiker, als ich ihn kennengelernt habe, mir war das aber nicht bewusst), was Persönlichkeit und was Sucht ist. Ich beschäftige mich aber nicht aktiv damit, da es im Endeffekt für meinen Alltag mit den Kindern und die Frage nach dem Kindeswohl egal ist, was es von beidem ist, wenn es schädlich ist. Ab und an ploppt da nur mal ein Fragezeichen bei mir auf.

  • Ich hatte kein süchtiges Elternteil .
    Meinen Vater kannte ich bis zum 15. Lebensjahr nicht.

    Bei uns gab es nie Alkohol. Ich kann mich nicht erinnern dass meine Mama jemals was getrunken hat.

    ABER ich bin ohne Vater aufgewachsen und mein Mann war meine erste richtige Beziehung.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese beiden Aspekte, mir eine Trennung schwer machten.

    Liebe Grüße Petra

  • Liebe Jump!, du sprichst mir aus der Seele..

    weil ich fest überzeugt bin, dass die Sucht eine grauenhafte Krake ist, die meinen Mann gefangen hält. Weil ich Sucht für eine Krankheit (des Gehirns) halte. Und nicht für eine willentliche Weigerung die Grundbausteine einzuhalten. 95 % Rückfällige bestätigen das.

    Ich nenne es für mich so: Er hat den Teufel in sein Haus eingeladen..

    Und ich sehe nun mal mit eigenen Augen, dass es ihm überhaupt keinen Spaß macht zu trinken, sondern er dann zu einem verzweifelten hilflosen Menschen wird, der nur noch versucht zu überleben

    Ja.

    Weil er komplett aufblüht, wenn er nüchtern ist. Und ich sehe, dass er sich wünscht, dass das so bleibt. Er auch viel dafür tut. Und es trotzdem nie bei ihm reicht.

    Ja.

    Passt leider nicht in den Faden, aber ich kann nur so zitieren.

    Ein kleiner Piep von mir: nach 6monatigem Stationsaufenthalt ist mein Partner nun einen Monat und einen Tag wieder zu Hause und nüchtern. Die letzten Monate waren wunderbar, mein Nervensystem ist derzeit beruhigt.

    Für mich ein kleiner Reminder: ich wollte mit meinem Partner darüber sprechen dass ich für mich entschieden habe das nicht nocheinmal mitzumachen und mich zu trennen sollte er wieder rückfällig werden. Ich habe mich auf ein laaaanges Gespräch eingestellt. Hab ihn zu Tisch gebeten und eröffnet: "Ich mache das nicht nocheinmal mit." Er: "Ich weiß." Das wars. Wir haben uns angesehen und es waren keine Worte mehr nötig.

    Und ich hatte ja jetzt nun 7 Monate "Verschnaufpause", und ich denke mir: ich weiß nicht ob ich das schaffen werde/würde mich zu trennen.

    Es gibt 1000 Kleinigkeiten die ich an ihm liebe.

    Ich bin im Winter so durchgefroren und hab immer kalte Hände. Und dann nimmt er meine kleine Eishand in seine große warme Hand.. das ist für mich nach Hause kommen.

    Aber, ich bereite mich vor. Ihr, das Forum, seid mein Backup. Es kann sein dass ich wieder auf den Boden knalle, und ich hoffe dann gibt es liebe, zugewandte Menschen. <3

    Bin etwas sentimental..

    Allen alles Liebe,

    Alexa

  • Hey Alexa,

    erstmals drücke ich euch ganz fest die Daumen dass es klappt und er nicht rückfällig wird.

    Wichtig wäre, wenn du dir nicht sicher bist, dass du ihn beim nächsten Mal verlässt, solltest du es nicht aussprechen.

    Ich weiß, in diesem Moment meintest du es, ich kenne dass…. Aber wie du schon selbst sagst, bist du dir nicht sicher ob du es wirklich schaffst.

    Aber gut dass du dir schon mal ein Sicherheitsnetz aufbaust….👍

    Liebe Grüße Petra

  • Hallo PetraPetra,

    du hast recht. Ich habe es nach 7 Jahren Beziehung und x Entzügen das erste mal ausgesprochen. Und dabei war ich auch überzeugt davon.

    Ich bin aber weicher gerade.. er ist doch mein Herzensmensch... Kennen sicher viele hier..

    Aber ich will den Faden nicht weiter verwässern..

    Vielen Dank für deinen Zuspruch! <3

  • Hey Alexa,

    ich kenne den Gedanken, "das mache ich nie wieder mit" und auch: "Ich gucke da nie wieder einfach nur zu." Mein Mann hatte eine depressive Phase vor etwa 10 Jahren und dann noch mal eine letztes Jahr. Dazwischen hatte ich diese Sätze gesagt und ihn dann letztes Jahr sehr in die Klinik gedrängt, auch gesagt, dass ein Entzug mit dazu gehört und dass ich glaube, dass auch beides zusammenhängt usw. Zu sehen, dass er Hilfe angenommen hat, hat mir echt geholfen, aber es ist alles so fragil. Nach 7 Monaten Abstinenz trinkt er wieder gelegentlich (?). Und ich habe schon Angst, dass solche Phasen, in denen es ihm echt nicht gut geht, wiederkommen. Das war dann auch der Grund, mich hier anzumelden....

    Es hilft mir sehr, von euch anderen zu lesen. Vielen Dank dafür!

    Thess

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