Von Co's für Co's: Grenzen, Dynamiken und Wege aus dem Muster

  • Hallo an alle selbst von Co-Abhängigkeit Betroffenen,

    in diesem Thread geht es um allgemeine Fragen, was co-abhängiges Verhalten eigentlich ist, wo Co-Abhängigkeit beginnt und endet, ob sie suchtähnliche Züge haben kann und wie Angehörige trocken werdende Alkoholiker sinnvoll unterstützen können – ohne sich selbst dabei zu verlieren. (Alkoholfreies Zuhause, ...)

    Bitte achte beim Austausch darauf, dass Selbsterkenntnis ein Hauptmerkmal der Selbsthilfe ist. Daher sind hier ausschließlich eigene Erfahrungen erwünscht, aber keine Diskussionen über Studien, Fachartikel u. ä.

    Wir wünschen einen guten Austausch,

    euer Forenteam.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

    2 Mal editiert, zuletzt von Marie04 (3. Januar 2026 um 18:27) aus folgendem Grund: Textergänzung

  • Meine persönliche Meinung:

    Co Abhängiges Verhalten gibt es nicht, auch ist Co-Abhängigkeit keine diagnostizierte Krankheit oder Verhaltensstörung.

    Ich denke eher es ist ein Schubladenbegriff, um die „leidenden“ Angehörigen pauschal einzuordnen. Alle einzelnen Eigenschaften dieser Angehörigen aufzuzählen und zu benennen wäre zu mühsam. Das geht von Hilfsbereitschaft, über Aufopferung, Mitleid, Fürsorge, Trauer, eheliche Pflichten….. usw, das würde vermutlich ewig weitergehen. Also war jemand wortschöpferisch tätig, und hat einen Schubladenbegriff erfunden.
    CO-Abhängig, fertig, Deckel drauf.

  • Erst mal vorweg eine Bitte: ist es möglich, dass hier nur selbst Betroffene schreiben?

    Wenn nicht dann reicht ein Nein. Will es nicht diskutieren.

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    Ich finde den Begriff Co-Abhängigkeit insofern wichtig, um das eigenständige Leid der Angehörigen sichtbar zu machen und ernst zu nehmen. Bevor es diesen Begriff gab, ging es immer nur um die Alkoholiker. Er kommt aber halt aus den 50er Jahren mit den entsprechenden damaligen Wertungen.

    Ella meinte der Begriff Co-Abhängigkeit ist für sie ein "Arbeitsbegriff". Das gefällt mir.

    Ich selbst stelle mir folgende Frage:

    Wenn ich das Trinken meines Mannes ignoriere, mich selbst weiter in den Mittelpunkt stelle, nicht diskutiere, nicht aktiv versuche Einfluss zu nehmen, nichts entschuldige...bin ich dann nicht Co, obwohl ich mit ihm zusammen lebe? So war es bei mir ja viele Jahre.

    Ich finde das aber im Nachhinein trotzdem schräg. Nicht nach den offiziellen "Kriterien". Aber ich habe es ja dennoch toleriert. Habe das Feigenblatt der Normalität erhalten. Den Ernst der Lage ignoriert. Bei mir hat es wahrscheinlich noch nicht genug "weh getan".

    Vielleicht geht es nur darum, ob ich bleibe, obwohl ein Leidensdruck bei mir entsteht. Bei mir ging es los, als ich Angst um sein Leben bekommen habe. Das ruft mich auf den Plan. Da bröckelt meine Abgrenzung.

  • Ich selbst stelle mir folgende Frage:

    Wenn ich das Trinken meines Mannes ignoriere, mich selbst weiter in den Mittelpunkt stelle, nicht diskutiere, nicht aktiv versuche Einfluss zu nehmen, nichts entschuldige...bin ich dann nicht Co, obwohl ich mit ihm zusammen lebe? So war es bei mir ja viele Jahre.

    Meine Frage dazu, wer schafft es jahrelang das Trinken des Partners zu ignorieren ohne daß es Spuren in der Seele hinterlässt? Wenn mir etwas an meinem Partner liegt ist es mir noch lange nicht egal was er macht. Ich konnte nie darüber hinwegsehen wenn er mal wieder richtig betrunken war. Es hat zumindest Ärger in mir hervorgerufen.

    Schon sein Anblick hat mir gereicht um viele Emotionen in mir hochkochen zu lassen, Wut, Ekel, Resignation um nur einige zu nennen. Co-abhängig würde ich mich deshalb bezeichnen weil ich mir das viele Jahre gefallen ließ. Auf der anderen Seite hatte ich immer auch ein eigenes Leben mit vielen Interessen und einem eigenen Bekanntenkreis aber die Sehnsucht nach Gemeinsamkeiten war ständig in mir.

    Aber wo liegt der Sinn einer Partnerschaft wenn fast nichts Gemeinsames passiert weil der Partner wieder mal betrunken ist.

    Ich mag den Begriff "Co-abhängig" nicht so aber verhalte ich mich normal wenn ich so meine Grenzen überschreiten lasse und das oft jahrelang passiert?

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Ich denke eher es ist ein Schubladenbegriff, um die „leidenden“ Angehörigen pauschal einzuordnen. Alle einzelnen Eigenschaften dieser

    Stimmt schon - aber ist das nicht letztlich bei allen möglichen menschlichen Verhaltensweisen und auch bei Erkrankungen so? Damit will ich nicht sagen, dass Co-Abhängigkeit eine Erkrankung ist, es soll nur der Veranschaulichung dienen. Es gibt Oberbegriffe (oder wenn Du so willst: Schubladenbegriffe), um sich auf den ersten Blck ähnelnde Phänomene benennen zu können, aber in jeder einzelnen Schubladen ist noch ganz viel individueller Kleinkram drin.

    Von manchen wird der Begriff ja als veraltet und zu abwertend betrachtet, stattdessen werden teils Alternativen wie zB suchtbegünstigendes Verhalten bevorzugt. Nicht jede/r in einer Beziehung mit einer/einem Süchtigen legt solches Verhalten an den Tag. Ich muss ehrlich einräumen: Ich schon.

    Für mich hieß das: Realitäten ausblenden, Konsum/Sucht fördern durch allerlei überflüssige Unterstützung, vor allem auch in finanzieller Form, ständiges Gedankenkreisen und Sorgen bis Angst um den Partner und darum, was ich noch tun könnte, den Ausstieg nicht schaffen, obwohl doch so offensichtlich viel im Argen lag, an zähen, falschen Hoffnungen festhalten, immer wieder Chancen einräumen. Und je länger es dauerte eine zunehmende Isolation, weil niemand mein Festhalten an ihm nachvollziehen konnte, einhergehend mit erst recht Angst, ihn loszulassen, denn dann stehe ich ja ganz alleine da (was ich mir zuvor aber mit meinem sturen Festhalten ja selbst eingebrockt hatte). Gefühlstaubheit, weil der Kreislauf nicht endete. Resignation, allmähliches Verstummen, weil längst alles gesagt ist.

    Welche Unterstützung hilfreich wäre, kann ich nicht aus eigenem Erleben sagen. Im hiesigen Fall half nichts, da ist die Sucht wohl zu tief verankert.

    Mir selbst helfen bisher am besten klare Bestandsaufnahme und Ablenkung mit positiven Dingen, auch mit Arbeit. Aber die sehr ruhigen Feiertage konnte ich auch gut aushalten dieses Mal. Freundschaften wieder aktivieren und pflegen, neue Menschen kennenlernen, wieder ein paar Schritte raus ins Leben machen.

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (4. Januar 2026 um 09:52)

  • ich habe über 40 Jahre in diesem Bereich gearbeitet, und weiß noch sehr genau, in welche Schublade damals die Angehörigen gesteckt wurden und wie es abgetan wurde. Das harmloseste war noch Hysterie.
    Da wurde teilweise bis in die jüngste Vergangenheit noch die Mithilfe der Angehörigen quasi von Ärzten und auch Therapeuten vorausgesetzt.
    Das hat sich zum Glück geändert, und deshalb ist es erst einmal wichtig einen Namen dafür zu haben. Ich denke da wird sich auch weiterhin noch einiges entwickeln, hoffe ich jedenfalls.
    Schublade zu und fertig finde ich bei diesem Thema zu kurz gesprungen

    Ich kann für mich sagen, dass mein Weg gefühlt von Kindheit "gebahnt" wurde, auch ohne Alkohol. Kann mich erinnern, wie mir oft meine Wahrnehmungen abgesprochen wurden. Wie oft sah ich etwas falsch, oder verstand es angeblich nicht.
    So wurde ich zu einem unsicheren Kind und Jugendlichen. Das geschah sicher nicht bewusst, ich weiß, dass meine Mutter z. Bsp. auch ähnlich behandelt wurde.
    Da haben sich Muster entwickelt, die ausgefahren sind, wie Autobahnen. Ich war sehr oft sehr unsicher. Dachte ich sein nie gut genug. dass hat mein Leben schon geprägt.
    Wenn mir dann das Trinken meines Mannes auffiel und ich es ansprach, war es so, wie es bestimmt fast alle erlebt haben: täuschen, tarnen, tricksen.
    Ich habe dann immer wieder und sehr lange gedacht, ich liege falsch, und habe mich nur langsam mit Hilfe des Forums herausarbeiten können.
    Hier habe ich gelernt, dem zu vertrauen, was ich sehe, obwohl trotzdem bis heute auch immer wieder mal Zweifel aufkommen. Alte Muster zu überschreiben dauert mitunter sehr lange.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • ich habe über 40 Jahre in diesem Bereich gearbeitet, und weiß noch sehr genau, in welche Schublade damals die Angehörigen gesteckt wurden und wie es abgetan wurde. Das harmloseste war noch Hysterie.

    Wusstest du, dass "Hysterie" (Übersetzt Gebärmutter) ein rein weibliches Krankheitsbild war und die Ärzte damit eine wandernde Gebärmutter diagnostiziert haben, die diese "Anfälle" auslösen? Hab ich vor kurzem erst gelesen.

  • Ich habe auch jahrelang Sehenden Auges verdrängt . Viel Gezrunken hat er ja nur bei sich , bei mir nur 2Radler am Tag. Damit Hab ich das Ausmaß der Sucht von mir weggeschoben, und im Nachhinein nicht verantwortlich gehandelt. Ich habe mit die schönen Momente vor Augen geführt , von daher sehe ich bei mir schon den Begriff der CoAbhängigkeit.

  • Wusstest du, dass "Hysterie" (Übersetzt Gebärmutter) ein rein weibliches Krankheitsbild war und die Ärzte damit eine wandernde Gebärmutter diagnostiziert haben, die diese "Anfälle" auslösen? Hab ich vor kurzem erst gelesen.

    das passt, in diese Ecke wurde ja früher vieles gepackt.

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Für mich bedeutet Co nicht nur das klassische Handeln, wie z.B. den Betroffenen zu schützen, hinterherbetteln, versuchen ihn trocken zu legen etc.

    Ich habe mich auch als Co bezeichnet. Ich habe den Ex- Mitbewohner nie bei der Arbeit entschuldigt, habe nie versucht ihn trocken zu legen oder habe ihm Standpauken gehalten. Ich wusste ja, dass er sich nur selbst trocken legen kann und ich gar nichts ausrichten kann. Mein Vater ist Alkoholiker, Ich wusste also wie der Hase läuft(so in etwa jedenfalls).

    Aber mein ganzer Tag hat sich irgendwann nur noch um den Alkohol gedreht. Ich saß im Karussell unfähig auszusteigen. Von morgens bis abends waren nur die Gedanken in meinem Kopf, wie viel er wohl getrunken hat, in welchem Zustand er ist, ob ich mich verlassen kann, wie er mit den Kindern umgeht etc.

    In der Situation haben mich aber vor allem die Umstände gehalten. Gemeinsames Sorgerecht, Finanzen, Arbeit etc.
    Ich wäre früher ausgestiegen, hätte ich (vermutlich jedenfalls) andere Mittel gehabt.

    Für mich ist fast jeder Co, der mit einem Suchtkranken unter einem Dach lebt. Der Alltag und das Leben wird doch meistens in irgendeiner Weise beeinflusst durch den Alkohol.

  • Ich kann für mich sagen, dass mein Weg gefühlt von Kindheit "gebahnt" wurde, auch ohne Alkohol. Kann mich erinnern, wie mir oft meine Wahrnehmungen abgesprochen wurden. Wie oft sah ich etwas falsch, oder verstand es angeblich nicht.

    Das ist bei mir ganz genauso. Und in gewissen Punkten war ich sicher auch naiv und habe an gewisse Aussagen (ich könnte jederzeit aufhören...wenn ich wollte) geglaubt, weil das an den Alkohol gekoppelte Verhalten auch nicht sonderlich beziehungsfreundlich war.

    Dass irgendwas faul war, habe ich lange genug gerochen, aber auf mich und meine eigene Wahrnehmung zu vertrauen, fiel mir schwer. Das kannte ich ja nicht.

  • Kann mich erinnern, wie mir oft meine Wahrnehmungen abgesprochen wurden. Wie oft sah ich etwas falsch, oder verstand es angeblich nicht.

    Wenn mir dann das Trinken meines Mannes auffiel und ich es ansprach, war es so, wie es bestimmt fast alle erlebt haben: täuschen, tarnen, tricksen.

    Mir ging es ähnlich in meiner Kindheit. Eine sehr dominante Mutter. Wahrnehmungen oder Erlebnisse wurden abgetan.
    Da gibt es eine ganze Bandbreite, erst jetzt langsam erkenne ich viele Muster und kann vieles zuordnen. Solche Dinge prägen einen, das kann man nicht so einfach abschütteln. Ich habe lange gebraucht, um mein Selbstbewusstsein etwas aufzupäppeln.

    Bei mir war es auch so, dass ich den Flascheninhalt beim Mitbewohner kontrollieren musste. Ich habe unzählige Fotos von Flaschen gemacht. Teils mehrmals täglich. Als Beweis für mich, dass ich dem Ex-Mitbewohner nicht unrecht tue. Und auch aus Angst, dass mir nicht geglaubt wird. Tarnen, Täuschen, Tricksen, das funktioniert am Besten außerhalb der eigenen vier Wände. Hätte doch niemand geglaubt, dass der Ex-Mitbewohner ein Alkoholiker ist.

    Die Blicke von anderen haben doch Bände gesprochen, so nach dem Motto: „die Alte gönnt ihm auch kein Bier“.

  • Guten Morgen,

    ich habe bis zu meinem 20. Lebensjahr bei meinen Eltern gelebt. Mein Vater war Alkoholiker und meine Mutter und wir waren Co-abhängig. Mir wird immer mehr klar, was das für Spuren in meiner Seele und Persönlichkeit hinterlassen hat. Wenn mein Vater getrunken hat, draußen unterwegs war, hat er oft Streit mit anderen Männern angefangen, kam nach Hause und hat sich dann an meiner Mutter abreagiert, sie versuchte ihn dann immer zu beruhigen, damit er dann auch zu Hause bleibt und nicht wieder loszieht. Wir 2 Kinder wurden vorher immer von ihr aus der Schusslinie gebracht, damit wir nicht mal was abkriegen. Ich habe es irgendwann so gehasst, dass ich immer vor ihm "kuschen" musste. Wir wurden von ihm nie angegriffen, aber wir hatten immer Angst um meine Mutter. Bis auf einmal (von dem ich weiß) war seine Aggression ihr gegenüber immer verbal und laut. Einmal (an das ich mich erinnern kann) mussten wir auch alle vor ihm flüchten und sind zu meiner Oma gefahren. Am nächsten Tag kam mein Vater nüchtern, geläutert und kleinlaut, hat sie um Entschuldigung gebeten, ihr wahrscheinlich Besserung versprochen und wir sind wieder alle zurück in die familiäre Wohnung. Es hat sich natürlich nichts verändert. Ich lege nun sehr viel Wert darauf, dass Versprechen und Zusagen eingehalten werden, vertraue aber nicht sehr darauf. Ich kann schlecht Grenzen ziehen bzw. sie beständig halten, bin sehr leidensfähig und denke auch sehr oft, so schlimm ist es doch nicht...kein Partner wird zu 100% passen.

    Ich hätte eine Frage an alle Co´s: wenn man einen Partner hat, der fast täglich Alkohol konsumiert, ohne "betrunken" zu werden, auf Partys auch mal mehr trinkt. Aber dabei ruhig, nicht ausfallend oder aggressiv sondern lieb, zugewandt, zuverlässig und lustig bleibt, warum habe ich dann ein Problem damit, dass er Alkohol trinkt? Ich muss ja als Partnerin darunter nicht leiden, so wie meine Mutter damals.

    Bestrafe ich ihn nicht indirekt, weil ich das Verhalten und meine Erfahrungen mit meinem Vater auf ihn übertrage? Er versteht nicht, warum ich damit ein Problem habe, da er ja nicht ausfallend wird und ich dadurch keine Nachteile hätte. Ich finde darauf einfach keine standfeste Antwort, außer, dass es sich für mich nicht richtig anfühlt, mir Unbehagen bereitet, weil ich dem Alkohol nicht vertraue und ich diesen Ausdünstungs-Geruch am Tag danach einfach widerlich und abstoßend finde. Seine Argumente sind, Zucker wäre auch gefährlich und könnte in einer Sucht ausarten und ich würde ja auch nicht auf den Zucker im Kaffee oder auf Schokolade verzichten. Ich habe einfach keine Argumente dagegen. In gewisser Weise spricht er mir schon meine Wahrnehmungen ab, das kenne ich wahrscheinlich auch von früher und ist "normal" für mich. Mir ist schon klar, dass auch das was mit Co-Abhängigkeit zu tun haben muss, aufgrund meiner eigenen Historie. Aber wie, in welchem Zusammenhang? Hat da jemand mögliche Antworten für mich?

  • Ich muss ja als Partnerin darunter nicht leiden, so wie meine Mutter damals.

    Du leidest doch, sonst hättest du dich doch hier nicht angemeldet, oder? Die Frage ist vielleicht gemein, aber oft ist der Leidensdruck bei uns COs immens, aber es braucht gefühlt ewig bis etwas unternommen wird. Es liegt oft daran, dass wir immer Hoffnung schöpfen, auch bei kleinsten Veränderungen des nassen Alkoholikers.

    wenn man einen Partner hat, der fast täglich Alkohol konsumiert, ohne "betrunken" zu werden,

    dann hat er sehr wahrscheinlich seine Alkoholtoleranz schon immer weiter nach oben geschraubt. Für mich waren es eher Fallen, weil ich meine Befindlichkeiten eher dem nassen Alkoholiker angepasst habe, und meinen Wahrnehmungen nicht vertraut habe.

    außer, dass es sich für mich nicht richtig anfühlt, mir Unbehagen bereitet, weil ich dem Alkohol nicht vertraue und ich diesen Ausdünstungs-Geruch am Tag danach einfach widerlich und abstoßend finde.

    du darfst lernen, dir zu vertrauen, dass ist sehr viel wichtiger, als sich irgendwie zu verbiegen. Du wirst beeinträchtigt, du hast jeden Tag diesen Gestank um dich, den ich auch ekelhaft fand. Das sollte dein Maßstab sein. Es geht um dich.

    In gewisser Weise spricht er mir schon meine Wahrnehmungen ab,

    nicht nur in gewisser Weise, er tut es. Dadurch können sich für uns Grenzen immer weiter verschieben, wir nehmen immer mehr hin.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Guten Morgen,

    Wenn ich das Trinken meines Mannes ignoriere, mich selbst weiter in den Mittelpunkt stelle, nicht diskutiere, nicht aktiv versuche Einfluss zu nehmen, nichts entschuldige...bin ich dann nicht Co, obwohl ich mit ihm zusammen lebe? So war es bei mir ja viele Jahre.

    Ich denke, dass es darauf ankommt, ob Du es gern anders gehabt hättest, also dass Dein Mann nicht trinkt. Wenn das der Fall ist und Du trotzdem mit ihm zusammen geblieben bist oder bleibst, finde ich das schon co-abhängig, weil quasi ein Zustand geduldet wird, den man (in dem Fall Du) nicht möchte. Du hast ja selbst geschrieben, dass Du später auch Angst hattest, als es um sein Leben ging.

    Wenn Du z. B. selbst trinken würdest, Dir keine Sorgen um den Alkoholkonsum Deines Mannes machen würdest, es wirklich aus tiefsten Herzen ok für Dich ist, dass er trinkt und Dir nicht wünschen würdest, dass es anders wäre. Dann wäre die Welt für Dich in Ordnung und ich würde es nicht co-abhängig finden, sich nicht zu trennen. Sobald aber das innere Gefühl sich wünscht, dass es anders laufen würde und man sich trotzdem nicht trennen "kann", läuft es meiner Ansicht nach eben nicht gesund ab, weil man keine gesunde Grenzen für sich selbst setzen kann, indem man sich an erste Stelle stellt und sich aus dieser Beziehung trennt.

    Passiert also etwas gegen meinen eigentlichen Willen und ich verbleibe in der Situation, dann empfinde ich es als co-abhängig (oder wenn Alkohol keine Rolle spielt emotional abhängig, was ähnliche Muster hat).

    Schon sein Anblick hat mir gereicht um viele Emotionen in mir hochkochen zu lassen, Wut, Ekel, Resignation um nur einige zu nennen. Co-abhängig würde ich mich deshalb bezeichnen weil ich mir das viele Jahre gefallen ließ.

    Das beschreibt es auch sehr gut. Selbst wenn sich nicht in das Trinken eingemischt wird, nicht kontrolliert wird oder ähnliches, passiert etwas in einem und dennoch bleibt man in der Situation wenn man co-abhängig ist.

    Ich finde darauf einfach keine standfeste Antwort, außer, dass es sich für mich nicht richtig anfühlt, mir Unbehagen bereitet, weil ich dem Alkohol nicht vertraue und ich diesen Ausdünstungs-Geruch am Tag danach einfach widerlich und abstoßend finde.

    Und das ist Grund genug für Menschen, die nicht co-abhängig sind, sich zu trennen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob da Argumente wie mit dem Zucker kommen oder sonst was. Wenn Deinen Partner Dein Zuckerkonsum stört, könnte er sich ja auch trennen. Es kommt ja nicht auf das Verhalten der anderen Person an, sondern darauf, ob das Verhalten mir SELBST etwas ausmacht.

    Ich selbst habe einige Jahre (als ich selbst noch getrunken habe) mit einem Alkoholiker zusammen gelebt. Ich habe kontrolliert, versucht ihn vom trinken abzuhalten, mir demütigende und beleidigende Dinge gefallen lassen, weil ich das Verhalten auf den Alkohol geschoben habe. Ich habe alles versucht, mein Verhalten so anzupassen, dass er nicht wütend ist oder weniger trinkt. Es war ein Eiertanz, ein Spießroutenlauf. Nach einigen Jahren, als ich selbst aufhörte zu saufen, konnte ich mich trennen. Ich hatte eine eigene Wohnung. Danach bildete ich mir ein, ich könne mit ihm eine Beziehung weiterführen, nur eben räumlich getrennt, weil ich ja nichts mehr von seinem Saufen mitbekommen würde und mich nur mit ihm treffen würde, wenn er nicht trinkt.

    Und was hat es genützt? Ich konnte nicht mehr kontrollieren, auf ihn einreden, ihn vor anderen in Schutz nehmen oder so tun, als würde er schlafen, wenn Besuch kam, damit sie ihn so nicht sehen. Ich konnte sein Handy nicht mehr weglegen, damit er keine Beleidigungen in die Welt hinaus sendet. Ich habe mich nicht mehr eingemischt, ob er trinkt oder nicht, ich habe ihn einfach machen lassen.

    Aber es drehte sich in Gedanken trotzdem alles um ihn und das Trinken. Ich fragte mich, ob wir uns wohl sehen können oder ob er sich nicht an die Abmachung hält und trinkt. Ich überlegte, was er wohl gerade macht, ob es ihm gut geht oder ob er schon irgendwo zusammengebrochen rumliegt. Ich habe mich ständig mit dem Thema beschäftigt, es hat mir Kraft geraubt und ich war ständig abhängig davon, wie er sich verhält, ob es mir und der Beziehung gut geht oder nicht. Ich hatte keinen Einfluss. Viel zu lange habe ich diesen Zustand für mich geduldet und das bezeichne ich definitiv als co-abhängig.

    Inzwischen habe ich meinen Selbstwert zurück, der auch mit der Zeit, in der ich nicht mehr trank, wieder wuchs. Ich würde mal behaupten, dass ich nach den ganzen Jahren nicht mehr in so eine Situation geraten würde. Anteile hatte ich für mich aber schon immer in mir, obwohl ich kein EKA bin. Bereits in meiner Ehe habe ich mir viel zu viel gefallen lassen und bin in Situationen geblieben, wo andere längst Grenzen gesetzt hätten und gegangen wären (und das obwohl Alkohol kein Thema war).

    Diese Muster stecken meiner Meinung nach in einem drin aus verschiedensten Gründen und dann ist es natürlich in einer Beziehung mit einem Alkoholiker ein gefundenes Fressen für Menschen mit Co-Anteilen, in der Situation zu verbleiben und somit seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen oder sich einzureden, es wäre gar nicht so schlimm.

    Am wichtigsten bei dem Thema ist es wohl seinen eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen. Das ist meiner Meinung nach der Grundstein für eine mögliche Veränderung.

    LG Cadda

  • Hallo in die Runde,

    unser Forum ist sehr groß und alle können - eigentlich - überall schreiben. Es gibt aber einige sinnvolle Ausnahmen.

    Ab sofort ist dieser Thread hier primär für Angehörige gedacht als ein Ort, an dem man für sich selbst Begriffe wie Co-Abhängigkeit, Helferitis u. ä. klären kann.

    Wichtig sind aber unsere Forenregeln: Bitte schreibt hier in unserer SHG nur über eure eigenen Erfahrungen und diskutiert keine externe Texte oder Theorien.

    Wir wünschen den Angehörigen hier in ihrem Thread einen hilfreichen Austausch.

    Euer Forenteam.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Cadda

    Erstmal Danke für diesen Text.

    Danach bildete ich mir ein, ich könne mit ihm eine Beziehung weiterführen, nur eben räumlich getrennt, weil ich ja nichts mehr von seinem Saufen mitbekommen würde und mich nur mit ihm treffen würde, wenn er nicht trinkt.

    Aber es drehte sich in Gedanken trotzdem alles um ihn und das Trinken. Ich fragte mich, ob wir uns wohl sehen können oder ob er sich nicht an die Abmachung hält und trinkt. Ich überlegte, was er wohl gerade macht, ob es ihm gut geht oder ob er schon irgendwo zusammengebrochen rumliegt. Ich habe mich ständig mit dem Thema beschäftigt, es hat mir Kraft geraubt und ich war ständig abhängig davon, wie er sich verhält, ob es mir und der Beziehung gut geht oder nicht.

    Gerade bei diesen Aussagen finde ich mich sowas von wieder.

    Danke das du mir das gerade nochmal so deutlich vor Augen geführt hast.

    Und hier finde ich liegt genau der Punkt.

    Sobald aber das innere Gefühl sich wünscht, dass es anders laufen würde und man sich trotzdem nicht trennen "kann",

    Man merkt innerlich, es stimmt was nicht, man ist so nicht glücklich, möchte aber nicht alles hinschmeißen und gleich aufgeben. Also versucht man alles damit es besser wird. Man kämpft. Man macht und tut, redet, bittet, etc.

    Der Partner beschwichtigt oder gelobt Besserung und es ändert sich für kurze Zeit etwas. Ob das jetzt Manipulation war oder ernst gemeint, man bekommt wieder Hoffnung. Träumt von einer glücklichen Zukunft.

    Aber dieses eigentliche innere Gefühl, ist dadurch nicht weg. Es wird nur unterdrückt.

    Bis es dann wieder von vorne los geht und das innere Gefühl wieder schreit und man wieder alles versucht den schönen besseren Zustand herzustellen.

    Ob das jetzt eine Beziehung mit einem Alkoholiker ist oder eine andere Art toxischer Beziehung.

    Es ist ein ewiger Kreislauf, wenn man nicht selbst was für sich ändert.

    Er versteht nicht, warum ich damit ein Problem habe, da er ja nicht ausfallend wird und ich dadurch keine Nachteile hätte. Ich finde darauf einfach keine standfeste Antwort, außer, dass es sich für mich nicht richtig anfühlt, mir Unbehagen bereitet, weil ich dem Alkohol nicht vertraue und ich diesen Ausdünstungs-Geruch am Tag danach einfach widerlich und abstoßend finde.

    Da liegt für mich schon eine ordentliche Portion Manipulation drin. Er redet dir ein keine Nachteile zu haben, aber dein Nachteil liegt schon darin, dass du den Geruch abstoßend findest und dich damit abfinden sollst.

    Du zweifelst bereits langsam an deinem Empfinden und die Grenze beginnt sich zu verschieben. So liest sich das für mich.

    Hab vertrauen in dein Empfinden und in dein Gefühl und in deine Grenze.

  • Das unterschreibe ich zu 100%!

    Ich bin jetzt knapp 5 Wochen ausgezogen mit meinen Kindern und noch immer ist dieser Kreislauf für mich so aktuell! Und ich würde mich auch eindeutig als Co-Abhängig bezeichnen. Ich kämpfe jeden Tag dagegen nicht zurückzugehen - aber nicht weil "er" mir so fehlt - sondern ich habe jetzt sehr viel gelesen und vergleiche es mit Trennung nach toxischer Beziehung - unterbewusst ist man dieses auf und ab so gewohnt, dass es plötzlich komisch ist, wenn man das nicht mehr hat. So wie es den Alkoholiker zur Flasche zieht, zieht es mich in diese kranke Beziehung zurück! Weil das Gehirn einen Streich spielt - vl war es ja doch nicht so schlimm etc... Und weil in meinem Fall er sich dauernd meldet, dass er ab jetzt alles anders macht. Also ich bin deutlich Co abhängig und muss mich mich täglich mit Hand und Fuß dagegen wehren, mich wieder in dieses Karussell zu setzen.. Hoffnung, verfälschte Erinnerungen etc.. Also wenn es einen selbst nicht mehr gut geht, ständig die Gedanken um den Alkohol drehen - auch wenn man diesen nicht selbst konsumiert- das ist meiner Meinung nsch deutliche Co Abhängigkeit und hat mit einer normalen Beziehung nichts zu tun.

  • Guten Morgen,

    finde diesen Thread jetzt richtig gut. Erst war ich etwas skeptisch und hab mich gefragt: Braucht es den wirklich, jede/r beschreibt doch eigentlich im eigenen Faden schon, wie sie oder er die eigene Co-Abhängigkeit erlebt. Aber das hier nochmal so geballt zu lesen und auch für sich selbst aufzuschreiben, hilft finde ich, sich die Denkmuster zu verdeutlichen. Wenn man da aussteigen will, muss man sie ja erstmal erkennen.

    unterbewusst ist man dieses auf und ab so gewohnt, dass es plötzlich komisch ist, wenn man das nicht mehr hat.

    ...finde ich auch einen ganz wichtigen Punkt, releaseme . Als Co mit einem suchtkranken Partner steht man unter Dauerstrom, dreht und wendet sich um seine/ihre Themen und Probleme, wie Cadda es weiter oben so treffend beschrieben hat. Schlimmstenfalls ist man sogar damit beschäftigt, den Tag zu überstehen (und gibt seine eigene Lebenszeit dran...).

    Fällt das alles durch eine Trennung weg, könnte man theoretisch ja auch erleichtert sein. Aber für uns Cos bleibt eine umso größere Lücke. Eine Art Leerlauf, das Gehirn dreht weiter. Deshalb finde ich hilfreich, sich neuen Tätigkeiten oder Menschen zuzuwenden, sofern möglich.

    2 Mal editiert, zuletzt von EllaDrei (6. Januar 2026 um 08:02)

  • Aber für uns Cos bleibt eine umso größere Lücke. Eine Art Leerlauf, das Gehirn dreht weiter. Deshalb finde ich hilfreich, sich neuen Tätigkeiten oder Menschen

    Sehr gut beobachtet EllaDrei . Jetzt verstehe ich auch, warum ich nach der ersten Euphorie (nach der Trennung)immer wieder in ein Loch gefallen bin. Danke für die Erkenntniss.

    Instinktiv habe ich danach begonnen alte Kontakt wieder aufleben zu lassen, die ich während dem Alkoholwahnsinn hab versacken lassen, da ich dafür keine Lust und Energie aufbringen konnte. Und mittlerweile habe ich mir ein wunderbares Netzwerk geknüpft.

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