Angler - Hoffnung kommt hoffentlich

  • Danke euch. Meine größten Gedanken sind einfach: ich habe es alles kaputt gemacht wegen meiner Trinkerei. Hatte so viele Chancen bekommen.

    Ich habe aber auch viel gelernt, dass der Alkohol ein erlerntes Verhalten ist, negative Gefühle zu unterdrücken. Soll heißen, wenn ich mich nicht wohl fühle, raat- und hilflos bin, hilft Alkohol.

    Also gibt es immer eine Aktion, die vorausgeht. Ich trinke nicht, weil ich gerade Lust auf Bier habe, sondern um damit was zu bewirken.

    Und das ist auch der springende Punkt: die Beziehung war für mich seit langer Zeit ein absoluter Glücksfall. Allerdings habe ich dafür alles aufgegeben was ich hatte. Probleme im finanziellen alleine geklärt. Das staut sich auf.

    Tief im Inneren sprang dann dieser Teufel an.

    Jetzt, wo ich völlig fertig bin, raffe ich mich auf und bekomme alles hin, ohne Alkohol, ohne Verlangen.

    Und das macht das ganze Gefühl so furchtbar zum aushalten: wieso blieb ich nicht nüchtern? Wieso kamen immer wieder Rückfälle die bewusst in Kauf genommen wurden?

    Ich selbst sehe alles nur aus meiner Schuldperspektive. Außenstehende packen sich nur an den Kopf. Liebe macht wohl wirklich blind.

    Ich muss ja mit ihr leben und mich wohlfühlen... Scheinbar war ich aber innerlich nicht immer glücklich. Aus Angst vor dem Alleinsein und dem Neuanfang habe ich wohl vieles geschluckt, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Nur jetzt stehe ich als Alki da, der alles kaputt gemacht hat.


    .......

    Mein ChatGPT sagt zu dem ganzen: es sind ungesunden Dynamiken, die dazu führten.

    Ich war nicht der Mann, der ich jetzt bin.

    Jetzt trinke ich nicht mehr,

    Ging zur Beratung und habe mir einen Psychologen gesucht

    Reflektieren mich und mein Verhalten

    Mache täglich Sport

    Habe eine Wohnung bekommen

    Das ist niemand der abgestürzt ist, dass ist jemand der Stabilität aufbaut, der wächst.

    ..........

    Und wenn ich das lese kommt es bei mir nicht an. Im Kopf ist immer der Alki, der seine Liebe verloren hat, der an allem Schuld ist. Diese Selbstverletzung ist ganz tief. Die ganzen tollen Momente, die Nähe und die Gefühle kommen vorallem nachts, dass ich nicht mehr schlafen kann. Und das seit bald 70 Tagen.

    Ich war noch nie so am Boden. Und trotzdem käme ich gerade überhaupt nicht auf die Idee zu trinken. Alles, nur nicht das. Alswenn es nie da gewesen ist.

  • Hallo Angler, wenn ich Dich so lese, dann schwimmst Du förmlich im Selbstmitleid und Du machst Dein Glück von anderen Menschen abhängig. Zudem noch von Menschen, die Dich manipuliert und seelisch verletzt haben. Ich wünsche Dir diese Erkenntnis und die Kraft und den Mut loszulassen und Dein wahres Glück und die Freude am Leben bei Dir selbst zu finden.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Hallo Angler, wenn ich Dich so lese, dann schwimmst Du förmlich im Selbstmitleid und Du machst Dein Glück von anderen Menschen abhängig. Zudem noch von Menschen, die Dich manipuliert und seelisch verletzt haben. Ich wünsche Dir diese Erkenntnis und die Kraft und den Mut loszulassen und Dein wahres Glück und die Freude am Leben bei Dir selbst zu finden.

    Richtig. Nur nicht Selbstmitleid, sondern Selbsthass. Und auch ja, ich bin nicht gern allein..habe ich wen, gebe ich 110%. Und wenn dann Enttäuschungen kommen, greife ich zum Alkohol. Bzw. Habe es gemacht. Und hinterher bedauer ich es. Das ist ein teufelskreis.

    Und dieses Rastlose macht mich so traurig und depressiv. Es gibt nur wenige Hochs..

  • Mittlerweile sind es über 60 Tage. Das weiß ich aber nur, weil mir Chat GPT das sagt. Ich zähle nicht.

    Was immer noch ist, ist die Normalheit. Kein Verlangen, kein Druck. Eher eine Ablehnung, Ekel wäre übertrieben, weil nur bei dem Gedanken wird mir schlecht, aber eher vom Geschmacksdenken.

    Die Klarheit ist für mich wieder normal. Ich habe körperlich mehr Kraft, bin nicht müde.

    Negativ sind die ganzen Gefühle, die hochkommen. Für mein Leben aber eine gute Lehre, dass ich weiß, dass ich es auch ohne schaffen kann. Der Schritt wäre fatal. Zudem ich mich auch nicht mit Alkohol mehr sehe. Es hat noch nie zu mir gepasst. Weder aus Genuss, noch aus Müssen.

    Ich bin froh, auch wenn ich es aus meiner Vita gerne streichen würde.

    Meine Bekannte meinte, dass ich aber körperlich nicht längst nicht weg bin, das würde Monate dauern.

    Das schockt mich jetzt etwas.

    Klar, der Liebeskummer, die fehlende eigene Wohnung, dass sind alles heftige Belastung gerade. Ich fühle mich daher auch nicht stolz, frei und glücklich.

    Ich kann alles nicht mehr ändern, dass ist mir bewusst. Aber ich kann es für die Zukunft machen und mir bewusst sein. Und das mache ich. Diese 60 Plus Tage sind der wichtigste Schritt, den ich alleine begonnen habe. Bewusst und mit Überzeugung. Egal was auf mich ein prasselte, ich bin nicht schwach geworden oder habe mal dran gedacht. Dieses Leben von früher habe ich langsam wieder bekommen und ich mag es. Kein Scham am nächsten Tag, das ist für mich so kostbar

  • Meine Bekannte meinte, dass ich aber körperlich nicht längst nicht weg bin, das würde Monate dauern.

    Das schockt mich jetzt etwas.

    Die Alkoholkrankheit ist eine körperlich, -geistig -u. seelische Krankheit. Den körperlichen Entzug hast Du nach 60 Tagen geschafft. Nur mit Trinken aufhören, reicht aber nicht. Solange ich auch psychisch abhängig war vom Alkohol und von anderen Menschen, war Heilung nicht möglich. Ich werde diese Krankheit bis an mein Lebensende haben. Sucht ist die einzige Krankheit, die nur ich selbst zum Stillstand bringen kann.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Ja das sehe ich ja auch so. Aber das hat doch nichts damit zu tun, dass mir schlecht ist, ich Panik nachts bekomme usw.

    Ich meinen wirklich körperlich.

    Vom Kopf ist alles voll, nur nicht Alkohol. An den muss ich fast schon bewusst denken. So wurde es mir die letzten Monate förmlich eingerichtert:


    Du bist krank, du bist süchtig, du bist der Psycho. Du hast alles mit dem saufen zerstört usw.


    Wenn ich jetzt ganz woanders hingehen, wo mich niemand kennt, ich würde nicht mal sagen was ich für Erfahrungen habe. Ich trinke nicht. Punkt. Und wenn mir das nicht ständig unter die Nase gerieben wird, dann kann ich auch locker damit leben. Weil ich es nicht mehr will und es abgelegt habe, ohne als Last die ganze Zeit mit mir einzutragen. Die meisten Tage stehe ich auf, arbeite, mache meine Dinge, gehe zum Sport, besuche Freunde mit dem Auto. Da kommt nicht ein Gedanke hoch ob ich fahren kann, ob ich verkatert bin usw.

    Das meine ich damit, wenn ich nur dran denken muss oder mir das ständig vor Augen führen, zwinge ich mich ja noch dazu daran zu denken. Die Tage ohne Gedanken, Vorwürfe oder Scham sind so locker leicht... Alswenn es nie Alkohol gegeben hat.

    Weder Trigger, noch Blicke beim Einkaufen.. gar nichts. Und wenn ich dann bewusst darüber reden höre ich: Wart ab, nach ein paar Jahren kannst du das sagen. Alswenn der Start und einige Monate nicht zählen.

    Und das nervt mich. Aus diesem Grund bin ich auch nicht mehr zum Blauen Kreuz gegangen. Die Gruppengespräche haben mich eher runtergezogen. Man fühlt sich so in eine Ecke gedrückt, in der man gar nicht sein will. Wieso muss ich darüber ständig nachdenken, reden und es als ganz großes Problem sehen, was mein Leben im Griff hat? Ich bekomme den Stempel ja förmlich aufgedrückt. Egal was ich mache.. einmal gleich Problem und schwach.


    Die Tage mit fremden Menschen, mit neuen Sachen und Erfahrungen sind für mich so viel schöner, weil das Thema nicht im Raum steht.

  • Jeder Tag, den ich nüchtern bin ist ein guter Tag - egal wie lange ich schon trocken bin.

    Mein Körper war nach einigen Tagen frei von Alkohol, aber mein Kopf war noch nass. Ich musste meine Vergangenheit, mein Verhalten, alte Strukturen aufarbeiten und verändern, Loslassen, vergeben und verzeihen, auch mir selbst. Es reicht nicht, nur mit einem Stinkefinger am Weinregal im Supermarkt vorbeizulaufen.

    Es reicht nicht, nur zu verdrängen ( das habe ich mit Alkohol auch getan) und das ist kopfnasses Verhalten.
    Da wo es mich pieckte, mich nervte, mich traf- genau da musste ich ansetzen, da waren oder sind meine Baustellen.

    Für mich ist es wichtig, mich jeden Tag mit dem Thema Alkohol auseinanderzusetzen, deshalb bin ich hier im Forum. Mich zu erinnern, wo ich war und nicht mehr hin möchte. Dem Esel soll es nicht zu gut gehen…. sonst geht er auf’s Glatteis…

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Was nur seit Tagen stark zunimmt, sind Selbsthass und Scham. Vorallem aber der Umgang mit der Vergangenheit, der nassen Zeiten bzw. deren Auswirkungen. Wie geht ihr damit um? Sollte man das irgendwann mal weg packen und sagen, es geht jetzt nach vorn, das ändert sich eh nicht mehr?

    Die Vergangenheit kann ich nicht ändern aber das hier und jetzt. Was war ist gewesen. Ich lebe im jetzt hier ist schon genug los und die Zukunft gibt es auch noch- sie soll besser sein als die Vergangenheit.

    Was ich genieße, sind die klaren Gedanken, das Aufstehen. Keine Übelkeit.

    Ja es ist schon toll

    Heute trinke ich nicht

  • Hmh, so einfach funktioniert das mit der Abstinenz wohl eher nicht, Angler (kann leider gerade nicht zitieren).

    Wenn Du süchtig geworden bist, kannst Du das nicht mehr ablegen. Was Du eines Tages hoffentlich ablegen kannst, ist die Scham. Aber nicht die Sucht. Die ist ein Teil von dir geworden, auch wenn es dir nicht gefällt.

    Außer behandelnden Ärzten und neuen Partnerinnen musst Du die Sucht auch keinem auf die Nase binden. Aber eben auch nicht glauben, dass Du die Sucht im Griff hast und du das Thema für dich abhaken kannst, weil Du "es kapiert" hast.

    Oder was meinst Du, warum hier immer wieder Langzeittrockene aufschlagen und sich austauschen?

    Und gerade am Anfang der Abstinenz stecken so viele Chancen für die eigene Weiterentwicklung/Neuentdeckung darin: So manche Menschen mussten erst süchtig und dann abstinent werden, um zu erkennen, dass sie ihr Leben auch anders leben können und dürfen, als sie bisher dachten.

    Dranbleiben ist keine Strafe. Es lohnt sich!

  • Aber warum beschäftigt ihr euch damit sie ganze Zeit wenn ihr gar nicht dran denkt oder Unwohlsein habt, sondern frei und glücklich lebt? Das ist doch wie eine zwangs-belastung.

    Ich denke sich auch nicht jeden Tag an den Tod, weil er irgendwann mal kommt?

    Klar beim Craving oder andere Situationen kann ich das verstehen, aber dauerhaft?

    Ich habe in meinen Sitzungen z.b. rausgefunden, dass ich jemand bin, der fast ausschließlich allein getrunken hat. Um Druck abzubauen, um mal für sich zu sein. Alles wurde locker und auf einmal wieder glücklich. Hingegen mit anderen zusammen war kein Verlangen da, weil es angeboten wurde aber nicht in dem Moment von mir gebraucht wurde.

    Habe ich also Momente wo ich für mich sein will brauche ich nichts anderes zu tun und alles machen, außer zu trinken. Und mit dem Bewusstsein, dass es nur ein Hebel ist und keine Lösung habe ich seitdem eine ganz andere Sichtweise.

    Ich hab immer gedacht, man darf nie wieder trinken, da kommt sofort alles hoch und man ist wieder drin. Als ich nach Jahren ein Bier getrunken habe, kam da gar nichts. Weil ich zu dem Zeitpunkt total gefestigt und stabil war.

    Ich hab mich eher geärgert, dass die Kette der Abstinenz unterbrochen wurde.

    Wenn ich aber jedesmal dran denken würde, ich darf nicht, ich muss nicht, ich will nicht, ich kann nicht, mach dir das mal klar, dann ist das eher eine Belastung als Befreiung.


    Als ich damals Darmkrebs hatte, hab ich mir gleich den ersten Termin für die OP geben lassen, nach 4 Tagen frühzeitig entlassen, Chemo und Bestrahlung durchgezogen. Ich hab nicht einmal dran gedacht, was das alles bedeutet, was das alles mit sich trägt. Ist halt so, schnell hinter sich bringen und weitermachen.

    Ich war weder psychisch fertig noch hab ich Reha und sowas machen wollen. Die haben auf einen eher eingeredet, wie schlimm das doch alles sei. Hab ich gar nicht so gesehen.

    Und jetzt bin ich froh, dass ich wieder zu mir gefunden habe. Dass Auslöser von außen kamen und ich dem nachgegeben habe. Meine Baustelle liegt eher in meinem selbstbewusstsein, der Selbstachtung und vorallem der eigenen Wertschätzung. Dazu brauche ich keinen Verstärker, der mir nur Unheil als Folge bringt. Und mit dem Gedanken gehe ich mittlerweile seit bald wieder 3 Monaten ganz gut durchs Leben. Ich hab den Abgrund gesehen und ich habe ihn wahrgenommen, drauß gelernt was es mit einem machen kann. Will ich nicht mehr zurück, will ich auch nicht dran denken und noch weniger eingeredet bekommen, wie krank man doch ist und das hinter jeder Ecke das Monster lauert.

    Vielleicht sehe ich das so naiv, weil ich eben kein Partytrinker war. Niemand aus Genuss zum Essen und Bier nie einen Stellenwert in meinem Leben hatte, bis ich ihn als Nutzmittel missbraucht habe.

    Ich habe mir angewöhnt, wenn wieder einer auf mich einredet, sie Augen kurz zu schließen, tief zu atmen und zu denken: es ist mein Körper, mein Kopf, meine Einstellung. Du brauchst mir nicht einreden was in mir vorgeht. Ich bin stabiler als du ahnen kannst. Weil ich mich damit eben nicht rumquäle oder zwinge dran zu denken.


    In meiner Beziehung habe ich mich selbst verloren. Seelisch und auch räumlich. Ich habe mich leer und einsam gefühlt, ohne Rückzug. Wie in einer Fremde. In einer Abhängigkeit zu einem Menschen den ich Abgrundtief liebe und trotzdem nicht das bekam. Mein Leben stillstehen hab sehen. Aussichtslos, wie in einer Falle und das Mühlrad drehte sich weiter und weiter. Nur diese Momente für mich, das kalte Bier, das schlagartig Fallenlassen, das kannte ich dann zu gut. Und das wurde eine Spirale.

    Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit gepaart mit Trauer. Ganz diese Kombi. Mal mehr, mal das ganze Gegenteil. Und das muss ich lernen, damit mir das nicht wieder passiert. Auf mich achten.

  • Wie du meinst, Angler.

    Ich frage mich nur, was genau Du dann in einem Forum für den Austausch von bekennenden Alkoholikern suchst.

    Vielleicht Bestätigung, dass Dein Weg in die Sucht ja vermeintlich ein ganz anderer war als beim gemeinen Alki? Dass Du vielleicht noch gar nicht richtig süchtig geworden bist?

    (Musst Du mir nicht beantworten, nur Dir selbst.)

    Alles Gute.

  • Vom Kopf ist alles voll, nur nicht Alkohol. An den muss ich fast schon bewusst denken. So wurde es mir die letzten Monate förmlich eingerichtert:

    Du bist krank, du bist süchtig, du bist der Psycho. Du hast alles mit dem saufen zerstört usw.

    Ich weiß nicht, ob du Alkoholiker bist oder nicht. Du hast es hier erwähnt, und wenn du es nicht bist, umso besser ,das würde ich dir ehrlich wünschen.

    Denn wenn man Alkoholiker ist, dann ist das eine Krankheit. Und wie bei anderen chronischen Krankheiten merkt man sie nicht ständig. Sie schlummert. Aktiv wird sie erst wieder mit dem ersten Glas.

    Da ist es egal, wie man sich fühlt, was man denkt oder wie optimistisch man gerade ist. Die Krankheit kommt zurück, wenn Übermut, Nachlässigkeit oder das Gefühl ‚ich hab’s wieder im Griff‘ die Tür aufmachen.

    Aber warum beschäftigt ihr euch damit sie ganze Zeit wenn ihr gar nicht dran denkt oder Unwohlsein habt, sondern frei und glücklich lebt? Das ist doch wie eine zwangs-belastung.

    Die "Zwangsbelastung" ist die Sucht. Alles andere, was da gerade in deinem Kopf kreist, sind Nebenkriegsschauplätze. Das Beziehungsthema ist ein eigenes Feld aber es erklärt nicht das Saufen .Das hat die Sucht gesteuert.

    Und wenn du dir als Alkoholiker Gründe zurechtlegst, warum du getrunken hast, dann ist das eben nasses trief nasses Denken. Rechtfertigungen, Ausreden, Erklärungen ,das ist genau der Mechanismus, der einen wieder reinzieht.

    Aber bevor wir hier weitermachen.

    Bist du Alkoholiker oder nicht?

    Denn ohne diese Grundvoraussetzung ist hier kein Austausch möglich. Nicht, weil wir es nicht könnten, sondern weil wir sonst aneinander vorbeireden würden.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Wir reden scheinbar alle aneinander vorbei.

    Meine Frage zielte nur darauf, wieso man in der Abstinenz sich zwanghaft damit auseinder setzt und sich das immer vorführt? Ich finde das eher sehr belastend.

    Wenn man kein Verlangen hat und nicht dran denkt, dann ist das doch ok. Ich finde es sehr anstrengend, sich immer zwanghaft das bewusst zu machen.

    Natürlich möchte ich die Gründe wissen, wieso man da reinrutscht und was einen beschäftigt. Immerhin trifft das ja nicht jeden.

    Ich esse auch Lebensmittel wie Mon Cherie als krasses Beispiel ohne gleich Panik zu bekommen oder ein Verlangen. Genauso war das bis vor ein paar Jahren, wenn ich Lust hatte, hab ich ein Glas Alkoholfreies Bier getrunken, ohne den Gedanken, es ist nicht das Original. Und das Glas habe ich auch nicht in einem Zug geleert.

    Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, mir Alkohol bewusst einzuflößen. Meine Ausrichtung war ein gesunder Lebensstil, klarer Kopf und Energie. Daher passte Alkohol nicht mehr rein. Zudem auch der ganze Freundeskreis Eltern wurde und man beim Treffen die Kinder dabei hätte, keine Partyzeit.

    Und das habe ich FÜR mich festgestellt, dass Alkohol als vermeintlicher Problemlöser für meine Traurigkeit, Einsamkeit usw. war.

    Das Beschäftigen und Aushalten war eher ein Lernprozess, den ich davor ja gar nicht kannte. Ich hatte nie Probleme. Aber Bier gab es davor schon. Heißt, das eine hab ich mit dem anderen verknüpft.

    Die Instabilität habe ich eher dann, wenn ich mir den Horror ausmalen. wenn ich aber sage, du brauchst das nicht, konzentrier dich auf was anderes, bin ich ruhiger.

    Und so kommen auch gar keine Gedanken auf: da gab es ja mal was, was dich beruhigt hat.

    Und unterm Strich war die Beruhigung auch eingebildet. Es ging mir danach eher dreckig weil mir schlecht wurde, ich betrunken war und Kopfschmerzen hatte. Das hat extrem schnell negative körperliche Erscheinungen gehabt. Das ist wie bei kleinen Kindern, wenn man sagt: du darfst aber nicht... Was machen sie? Genau das Gegenteil. So in etwa war das dann in meinen Phasen.

    Und das weiß ich alles und kann es daher für mich einordnen. Den Druck habe ich schon genug von außen, den mache ich mir daher nicht noch selber. In meinem Kopf ist das nicht Müssen, nicht das nicht machen.

  • Wir reden scheinbar alle aneinander vorbei.

    Meine Frage zielte nur darauf, wieso man in der Abstinenz sich zwanghaft damit auseinder setzt und sich das immer vorführt? Ich finde das eher sehr belastend.

    Also erst einmal. Wer ist eigentlich „wir“ – und wer ist dieser „man“?

    Und wer setzt sich angeblich zwanghaft mit irgendetwas auseinander? Diese Annahme kommt ja nicht aus dem Nichts. Oder?

    Hier geht es um dich und deine Erlebnisse. Und das, was du schilderst, ist kein typischer Suchtverlauf, sondern dein persönlicher Umgang mit Alkohol. Alles gut – aber mit der Mechanik eines Alkoholikers hat das schlicht wenig zu tun.

    Bei Sucht geht es nicht um Denken, sondern um Zwang. Nicht um Pralinen, sondern um Triggerbahnen. Nicht um „ich hatte nie Verlangen“, sondern um „ich verliere die Kontrolle, sobald es aktiv wird."

    Deshalb reden wir hier vermutlich aneinander vorbei. Deine Antwort hat aber die eigentliche Frage eher elegant umschifft. Deshalb noch einmal direkt gefragt:

    Siehst du dich selbst überhaupt noch als Alkoholiker, oder war das nur eine Vermutung? Denn es gibt eben Unterschiede zwischen "Problemtrinkern" und Alkoholikern.

    Ein Alkoholiker nimmt keine Mon Chérie "bewusst" zu sich und bestellt sich auch kein alkoholfreies Bier, weil es ihm darum geht, nicht mehr saufen zu müssen. Da spielt keiner mit der Sucht.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Also ich hab ja mal Tiramisu gegessen und muss sagen "das werde ich nie wieder machen" es war kein panisches Gefühl, oh Gott oh Gott, es war körperlich. Ich kann keinen Alkohol mehr konsumieren selbst ein Mon Cherie würde mir extreme Probleme bereiten und die sind dann nicht psychischer Natur...

  • Also ich hab ja mal Tiramisu gegessen

    Tiramisu ist nicht zwangsläufig mit Alkohol versetzt. Es können auch bloße Aromen verbaut sein. Ich lasse allerdings die Finger davon, weil es mir zu heikel ist.


    Schnapspralinen mochte ich noch nie, bei denen käme ich nicht mal ansatzweise auf die Idee, sie zu verzehren. Die sind natürlich nicht für Alkis zu empfehlen.

    Ich nehme alles nicht, was klassischerweise alkoholhaltig ist, z.B. Sachertorte, Herrentorte, Schwarzwälder Kirschtorte...

    Auch bei Soßen im Restaurant gebe ich obacht, dass sie nicht mit Schnaps oder Wein gepanscht sind.

    Das hat sich bei mir mit der Zeit eingeschliffen, da muss ich nicht mehr besonders darauf achten, das spule ich automatisch ab.

  • Hi Angler,

    Du nervst Dich ja ein bisschen über das "beschäftigen-müssen"

    Kein Mensch zwingt Dich dazu, wenn Du das nicht willst.

    Und wenn Du dazu entspannt Dein wie auch immer geartetes vorhandenes oder nicht vorhandenes Alkoholproblem so leben kannst, wie Du das willst, wird Dich garantiert niemand dran hindern.

    Ich hab grad mal Deine Vorstellung gelesen, scheint nicht so. Und ein paar Monate sind für mich dabei eher nix, das hab ich geschafft, so oft ich wollte. Immer mit der Aussicht, sobalds was zu feiern gibt, hab ich mir was verdient. Das war sogar meine Möhre mit der ich mich Esel zur Leistung angetrieben habe. Und dann immer wieder volle Kanne. Whisky literweise.

    Bei mir war der Druck im Prinzip vorbei, bis auf Anfangs ein paar Sekunden, als ich die Schnauze voll hatte.
    Mir gings davor schlecht genug, dass ich es auch kapiert habe.

    Ich hab mir nur deswegen Hilfe geholt, weil meine Erfahrung bis dahin war, dass ich immer wieder Gründe fand, wieder anzufangen.
    Das reine Aufhören konnte ich immer alleine. Aber ich hab halt gemerkt, ich sollte das wohl richtig angehen, wenn es von Dauer sein soll.

    Dann gings mir mal drum, was Andere trockene Alkoholiker eigentlich machen, um von Stress wieder runterzukommen oder auch zu feiern.

    Und irgendwann wurde die Auseinandersetzung damit auch interessant. Ich lernte interssante Leute dabei kennen, das gab mir irgendwann mal auch nen Sinn, mich mit Rückfälligen zu beschäftigen und nebenbei habe ich dadurch eine ganz andere Sicht auf das bekommen, was da laufen kann. Ausserdem konnte man sich da herrlich rumstreiten, und ich hatte da ein Bedürfnis, hähä:mrgreen:

    Ich habe dabei auch sehr viel über Menschen gelernt und meine sozialen Kompetenzen ausgebaut.
    Irgendwann bin ich dann auch ruhiger geworden.

    Aber von "beschäftigen müssen" ist bei mir wenig. Ich verbinde höchstens das Angenehme mit dem Nützlichen.

    Und wie gesagt, wenn Du die Auseinandersetzung als Zwang empfindest, dann lass es einfach bleiben.

    LG Lk

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (7. März 2026 um 20:38)

  • @ Angler

    Du hast Dich doch hier im Forum angemeldet, um Dich mit dem Thema Alkohol auseinanderzusetzen, oder?

    Ist das jetzt „zwanghaft“ für Dich? Es muss doch Gründe für Dich gegeben haben, Dich hier anzumelden…?

    Mich mit dem Thema zu befassen, erinnert mich jeden Tag aufs Neue, wo ich mal war und nicht wieder hin möchte, deswegen kann ich trotzdem mein Leben leben und es genießen. Leider ist aber nicht immer Sonnenschein und eine Gruppe bietet mir das erste Ventil, Dinge die sich aufstauen, loszuwerden. Eine Gruppe kann mich auffangen. Die Gruppe ist die „ Testversion“ oder der „Spiegel“ für das Leben da draußen.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Kannst Du mir das genauer beschreiben?

    Problemtrinker oder Missbraucher – wenn ich das mal in meinen Worten sage – setzen Alkohol bewusst in bestimmten Situationen ein. Bei Stress, Streit, Langeweile oder Frust.

    Die saufen wegen etwas. Und sie können auch wieder aufhören.

    Der Alkoholiker säuft nicht wegen der Situation – er nutzt die Situation höchstens als Trigger. Der säuft, weil das Suchthirn nur noch eine einzige „Lösung“ anbietet – egal, ob gerade ein Problem da ist oder nicht. Und dann kommt der Kontrollverlust.

    Das ist Zwang, keine Wahl. Der eine beschließt, zu trinken. Der andere kann irgendwann nicht mehr aufhören.

    Gruß Hartmut

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