Dry_Steve - Hallo in die Runde - Meine kleine Vorstellung

  • Ein Nichtschwimmer kann aber an den See gehen und Spaß am Strand/ Ufer haben und den Schwimmern zuschauen?

    Ja, das kannst du machen, aber pass auf, dass du vor lauter zuschauen nicht irgendwann glaubst, du könntest auch schwimmen;)

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich weiß mit den Analogien ist es immer so eine Sache mit einem treffenden Vergleich. ;)

    Ich finde die Analogie von Nayouk24 sehr zutreffend. Sie enthält ungesagt sogar die gewünschte Individualität. ;)

    Es gibt schließlich ganz verschiedene Schwimmstile. Egal ob elegant gekrault oder völlig eigenwillig - entscheidend ist am Ende nur eins: oben zu bleiben unter allen Bedingungen. Und das setzt nun mal Lernen, Training und Geduld voraus ("Lernprozess über eine Mindestzeit"). Ohne das säuft man im tiefen Wasser unweigerlich ab, egal wie individuell man ist.

  • Servus, Dry.

    14 Tage oder selbst die ersten Monate sind nett.;) Für eine lebenslange Abstinenz sagen sie erst einmal herzlich wenig aus. Das ist oft die Anfangseuphorie. Die hatte ich auch. Die Sucht- Realität interessiert sich dafür allerdings kein Stück.

    Ich bin eher für Klartext als für große Analogien oder Metaphern. Gerade am Anfang sucht fast jeder seinen ganz persönlichen Weg. Den Gedanken kenne ich nur zu gut. Nach meiner Erfahrung sind genau diese "Sonderwege" die, an denen viele später scheitern. Das zeigen die Rückfallquoten sehr deutlich. Wenn es egal ist, mehrfach rückfällig zu werden – bitte.

    Denn die Sucht interessiert sich einen Kehricht dafür, was der Trockenwerden‑Wollende gerade denkt. Sie hat sich seine Vorsätze jahrelang angehört: Ab morgen." ‚Diesmal wirklich.‘ ‚Jetzt habe ich es verstanden.‘ Und trotzdem wurde wieder gesoffen. Für die Sucht macht das keinen Unterschied. Ob nass oder gerade erst trocken – sie verfolgt immer dasselbe Ziel: wieder trinken.

    Wenn ich hier auftauche und sage: „Ich suche Hilfe“, mir aber gleichzeitig sofort meinen eigenen Sonderweg bastle, verstoße ich nicht gegen die Grundsätze des Forums – das ist völlig in Ordnung.. Ich spiele gegen die Sucht, und sie kennt dieses Spiel schon viel länger, als es Selbsthilfegruppen gibt.

    Für mich gilt deshalb ein einfacher Grundsatz. Erst die Grundbausteine. Erst stabile Abstinenz. Erst das alte Suchtleben konsequent verlassen. Individualität kann später kommen – wenn sie überhaupt noch wichtig ist. Am Anfang stammt diese angebliche Individualität meist noch aus dem alten Suchtleben.

    Abstinenz bedeutet nicht, das alte Leben trocken weiterzuführen, sondern sich Schritt für Schritt ein neues aufzubauen.

    Alles andere ist Wunschdenken. Denn ohne echte Veränderung ändert sich am Ende nur eins: Es wird nicht mehr heute getrunken, sondern etwas später. So einfach ist das.

    Und dann sollte man sich nur eine Frage stellen. Was passiert, wenn der Sonderweg im Delir endet? Oder auf der Intensivstation? Oder gar nicht mehr? Darüber entscheidet die Sucht nicht morgen. Sondern heute.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Am Anfang stammt diese angebliche Individualität meist noch aus dem alten Suchtleben. A

    bstinenz bedeutet nicht, das alte Leben trocken weiterzuführen, sondern sich Schritt für Schritt ein neues aufzubauen.

    Dies zu erkennen, ich sage es ganz bewusst nochmals:

    "DIES ZU ERKENNEN"

    Genau diese Erkenntnis hat mich in eine akzeptable Richtung, für mich ganz persönlich, gebracht.

    Das sind Dinge die Dir kaum ein Langzeitfreund erklären wird, das kann nur ein Langzeittrockener. Ohne rosa Brille, sondern ganz sachlich, ohne Emotionen. Dem ist es egal, ob ich wieder saufe .

    Lieber einen Bogen um das Risiko machen, als direkt durch und stecken bleiben.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Echte Abstinenz (= Zufriedene Abstinenz) erfordert eine Transformation. Es geht darum, herauszufinden, welche Funktion der Alkohol hatte (Trost, Entspannung, Flucht) und dafür gesunde, neue Wege zu finden. Erst wenn ein stabiles Fundament steht (Suchtmittelfreies Umfeld, Meiden von Trigger-Situationen, Aufbau von tragfähigen Hilfssystemen), kann man beginnen, den Weg individueller zu gestalten. Wer das Pferd von hinten aufzäumt, stürzt ab.

  • Wer das Pferd von hinten aufzäumt, stürzt ab.

    Deshalb ja. Wen interessiert der Pferdearsch, wenn der Kopf schön ist? Darum versuche ich mein Pferd von vornherein schön zu gestalten.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Wo hast du das denn aufgeschnappt?

    Echte Abstinenz (= Zufriedene Abstinenz) erfordert eine Transformation. Es geht darum, herauszufinden, welche Funktion der Alkohol hatte (Trost, Entspannung, Flucht) und dafür gesunde, neue Wege zu finden

    Nö. Dann habe ich seit über 20 Jahren wohl keine echte stabile Abstinenz. :whistling:

    Nach meiner Erfahrung wird das gern herangezogen, um den einen entscheidenden Grund zu finden – eine Rechtfertigung dafür, warum man Alkoholiker geworden ist.. Natürlich gab es einen Anfang. Das erste Glas, die Clique, das Umfeld, bestimmte Situationen.

    Das mag alles eine Rolle gespielt haben. Für meine stabile Abstinenz hatte das später aber keine Bedeutung. Ich kenne jedenfalls keinen Alkoholiker, der morgens aufgestanden ist und beschlossen hat: ‚Heute saufe ich mich mal in die Sucht.

    Ich habe den Absprung nicht geschafft. Das war alles, das ist Suchmechanik.

    Die Funktion von Alkohol? Ich habe aus allen möglichen Gründen getrunken. Wegen der Clique, wegen der Stimmung, zum Feiern, zum Frustabbau oder einfach, weil Alkohol da war. Der Anlass wechselte ständig. Was nie wechselte, war das Ergebnis.

    Für mich waren das Begleitumstände, aber nie der eine entscheidende Grund.

    Ab einem bestimmten Punkt nimmt die Sucht jede Gelegenheit, jede Stimmung und jede Situation. Dann spielt das ‚Warum‘ keine Rolle.

    Erst wenn ein stabiles Fundament steht (Suchtmittelfreies Umfeld, Meiden von Trigger-Situationen, Aufbau von tragfähigen Hilfssystemen), kann man beginnen, den Weg individueller zu gestalten. Wer das Pferd von hinten aufzäumt, stürzt ab

    Mit dem zweiten Absatz gehe ich mit.

    Genau deshalb predigen wir hier seit Jahren zuerst die Grundbausteine: alkoholfreies Umfeld, Trigger möglichst vermeiden, Abstand zum alten Suchtleben und erst einmal stabile Abstinenz aufbauen. Die Individualität und die, wenn notwendig, spätere Aufarbeitung des eigenen Suchtlebens , läuft ja nicht weg.

    Die kann später immer noch kommen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ab morgen." ‚Diesmal wirklich.‘ ‚Jetzt habe ich es verstanden.‘ Und trotzdem wurde wieder gesoffen.

    Ist das aus meinem Faden?! :D
    Aufjeden Fall war es bei mir auch so, nicht nur einmal!

    Was Hartmut immer schreibt, sollte man sich wirklich zu Herzen nehmen!!

    Die Funktion von Alkohol? Ich habe aus allen möglichen Gründen getrunken. Wegen der Clique, wegen der Stimmung, zum Feiern, zum Frustabbau oder einfach, weil Alkohol da war. Der Anlass wechselte ständig. Was nie wechselte, war das Ergebnis.

    Wenn man ehrlich zu sich selber ist, trifft das wahrscheinlich auf jeden Alkoholiker zu…

  • Ja, man kann das mit den Gründen runter brechen.

    Die Sucht sucht sich die Gründe. Darum vielleicht auch Sucht. ;)

    Alle Gründe zu eliminieren geht nicht. Das wäre ein bisschen als würde ich versuchen mein Umfeld so zu ändern, dass es mir passt.

    Mein näheres Umfeld kann ich tatsächlich anpassen. Aber die restliche Welt säuft weiter.

    Ich habe gerne zur Verstärkung von positiven Momenten getrunken. Also am besten keine mehr haben?

    Natürlich änderte ich mein Leben und das nicht zu knapp. Aber über die "Gründe" wieso ich getrunken habe, brauche ich nicht lange nachdenken. Weil ich süchtig wurde. Und dann war und bin ich.

    Kommen/kamen mir Gründe zum Trinken war/ist es immer die Suchtstimme in mir.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

    Einmal editiert, zuletzt von Alex_aufdemweg (17. Juli 2026 um 14:54)

  • Das ist eine sehr starke Aussage, die die Macht der Abhängigkeit auf den Punkt bringt. Während man nach dem einen großen Auslöser sucht - ggfs. tief in der Vergangenheit/ Kindheit - verirrt man sich oft in eine Sackgasse; kenn das von anderen Dinge.

    Es erfordert viel Selbstreflexion, dass die Stabilisierung der Nüchternheit eben nicht in der endlosen Suche nach einer Rechtfertigung (in der Vergangenheit?) mündet.

    Wie gehst Du HEUTE in deinem Alltag damit um, wenn solche Stimmungen auftauchen? Was hat sich in den letzten - fast 20 Jahren - verändert?

  • Bei mir hat die Gier auch aus allem, was verfügbar war, einen Saufgrund gemacht.

    Im Grund brauchte ich aber keine Gründe zum Trinken, weil Trinken für mich eine Selbstverständlichkeit war.
    Bevor ich aus Gründen begonnen hatte, Trinkpausen zu machen (erst mal, weil sich meine Frau ärgerte, dass ich tähglich angeschickert war, aber auch, um meine Sucht aufzuhalten) waren meine Trinkgründe im Grund Montag, Dienstag. Mittwoch etc, danach waren es stur meist 4 Tage die Woche, egal was war. Ich war im wesentlichen kein Problemtrinker, aber das war auch verwendbar.

    Die Sucht hat sich bei mir über die Gewohnheit entwickelt, in meiner Famile und den späteren Kreisen war es einfach normal, dass man getrunken hat. Kein Grund, das zu hinterfragen. Es waren Andere, meine Frau, die sich lange dran gestört haben, ich viele Jahre nicht. Das Gesundheitsrisiko hab ich durch die Pausen zu minimieren versucht, ansonsten viel Schnaps. Ich war einfach gerne betrunken.

    Ich hab getrunken, bis es mir wirklich schlecht ging, das wäre mit den 4 Bier und der Flasche Wein, von der Du eingangs geschrieben hattest, natürlich nicht gegangen. Das ist sicher nicht vergleichbar. Ich fands nur lustig, dass Du Neuling uns alten Hasen nun erklären willst, wie es geht:mrgreen:. Hat mich aber eher amüsiert als gestört.

    Am Ende hatte ich absolut die Schnauze voll davon, lange habe ich gesagt, es war dann einfacher, aufzuhören, als weiterzutrinken, schöner war das Aufhören auch. Die ersten ein, zwei Jahre, hatte ich eine ausgeprägte Anfangseuphorie, mir fiel es deswegen ziemlich leicht, es zu lassen, und Druck zu trinken verspüre ich schon sehr lange keinen mehr. Wäre auch seltsam nach 25 Jahren, war aber schon nach ein zwei Monaten kein Thema mehr. Da war ich im Prinzip bereits zufrieden trocken, einfach, weil die Folgen des Saufens dann weg waren.

    Ich mach das hier, damit ich das nicht ganz vergesse, und auch aus Interesse und ab und an was weitergeben.
    So lange trocken wie ich ist die Gefahr eher, dass die Trockenheit dann genauso gewohnt ist wie vorher das Trinken und dann der Leichtsinn kommen könnte. Und ansonsten läuft ein ganz normales Leben, Höhen und Tiefen haben auch Leute, die noch nie viel getrunken haben. Über die Jahre gibt es auch nüchtern das eine oder andere Problem. Sowas ist aber für mich kein Grund, ans Trinken zu denken, das kann ich nüchtern besser.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Wie gehst Du HEUTE in deinem Alltag damit um, wenn solche Stimmungen auftauchen? Was hat sich in den letzten - fast 20 Jahren - verändert?

    Wie ich heute damit umgehe? Ganz unspektakulär. Ich war fast umd die 20 Jahre massiv im Rausch, und kenne diese Stimmungen sowohl aus dem Vollrausch als auch aus der Nüchternheit. Früher habe ich sie weggesoffen oder mich in irgendein Koma geflüchtet – Hauptsache, ich musste mich und mein Umfeld nicht selbst ertragen..

    Der entscheidende Punkt war, dass ich die Sucht vom Leben getrennt habe. Ich habe akzeptiert, dass das eine chronische Krankheit ist. Nicht heilbar, aber berechenbar. Die Sucht macht ihren Job: Stimmungen verzerren, Druck erzeugen, Lösungen vorgaukeln, die keine sind. Das ist ihr Programm. Ich nehme das zur Kenntnis, mehr nicht. Ich muss ihr ja nicht auch noch ein Arbeitszeugnis ausstellen .;)

    Und ja, am Anfang gab es Situationen, die mich angekotzt haben. Das Leben hört ja nicht auf, nur weil man nüchtern ist. Manchmal gab es keine Lösung außer aussitzen, durchhalten, sich anders beschäftigen. Das war nicht heroisch, das war schlicht Alltagsbewältigung.

    Was sich in 20 Jahren verändert hat? Ich erkenne Trigger schneller, ich sortiere schneller, ich bleibe am Ball. Früher war jede Stimmung ein Anlass zum Saufen .Heute – wenn überhaupt noch etwas aufflammt – ist es ein Hinweis, dass ich kurz hinschauen muss. Mehr nicht.

    Und ja, ich bin sogar froh, wenn die Sucht nach fast 20 Jahren noch irgendwo mal kurz kitzelt.;) Das hält wach. Schlimmer ist es, wenn gar nichts mehr da ist ,zumindest bei denen, die sich für langzeittrocken hielten und plötzlich wieder gesoffen haben und angeblich nicht wussten, warum.

    Aber das hat gedauert. Trockenwerden ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Mit Jahrelangen Saufen stellt man sein Leben nicht in drei Wochen um. Aber irgendwann trennt sich das: Die Sucht macht ihr Ding, das Leben macht sein Ding – und ich entscheide, welchem ich folge.

    Je mehr Bedeutung ich einer Stimmung gebe, desto mehr Bedeutung kommt zurück. Je weniger ich sie füttere, desto schneller ist sie weg. Das musste ich erst lernen

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Was hält dich in diesem Forum? I

    Ich bleibe im Forum, weil ich hier trocken geworden bin. Weil ich der Sucht etwas zurückgeben möchte. Vor allem aber wegen der Neuen. Ich habe damals selbst von den Erfahrungen anderer profitiert. Heute gebe ich meine Erfahrungen weiter.

    Als Moderator trage ich zusammen mit den anderen Moderatoren auch Verantwortung dafür, dass dieses Forum seine Linie behält. Genau diese Ernsthaftigkeit, Klarheit und das konsequente Benennen der Sucht, ohne sie zu verharmlosen oder schönzureden, haben Tausenden geholfen, trocken zu werden und trocken zu bleiben.

    Das sollte auch so bleiben.

    Und weil Sucht nie aufhört – nicht als ständige Bedrohung, sondern als Tatsache. Nach fast 20 Jahren, genau genommen 19 ½, habe ich keine Angst vor Alkohol, aber den nötigen Respekt davor.

    Alkohol ist für mich nicht mehr im Glas, sondern im Wort. Und ich bleibe wach.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Was sich vor allem verändert hat ist die Reaktion auf Input von außen.

    Ob gut, oder schlecht, oder überraschend. Ich fühle alle möglichen Emotionen. Aber der Gedanke an Alkohol kommt nicht mehr auf.

    Wozu auch? Ich trinke ja sowieso nicht.

    Ich würde z. B. nie einen Fallschirmsprung machen. Aus dem Grund denke ich da auch nie darüber nach.

    Was ich aber merke sind stark alkohollastige Situationen. Bzw. wenn die Stimmung "kippt". Bei Festen so gegen Abend.

    Anfangs war Einkaufen schon oft nicht so ohne. Da war wirklich den Alkoholgang meiden erstes Gebot. Inzwischen nehme ich den Alkohol nur noch selten wahr. Auch wieder wozu auch? Ich kaufe ja eh keinen.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Ich hatte im Laufe der Jahre mehrere Phasen.

    Lange war ich alleine unterwegs, mehrmals Jahre. Hier in diesem Forum bin ich erst seit eineinhalb Jahren. Dieses Forum gabs es noch gar nicht, als ich aufgehört habe. Ich hab auch keine Therapie gemacht, war zwar für einige Gespräche in der Suchtberatung, ansonsten hatte ich einfach genug vom Saufen.

    Irgendwann bin ich aber an Punkte gekommen, bei denen ich dachte, da könnten mir andere Alkoholiker vielleicht was dazu sagen, bei mir gings zuerst drum, wie ich ohne zu Saufen am Abend vom Stress im Job abschalten kann, denn dazu hatte ich den Alk auch verwendet. Und dann ergaben sich über Umwege ein paar interessante Unterhaltungen und dadurch wurde das halt was, wo ich hingehen konnte.

    Es waren mehrmals Punkte, bei denen ich mich wieder mehr mit dem Trinken beschäftigt habe, hing damit zusammen, dass ich mich im täglichen Leben mehr unter normalen Leuten bewege, für die es halt auch normal ist, was zu trinken. Und ich hab irgendwann gemerkt, dass mich das teilweise stört und ich mich gerne zwischen Leuten bewege, die zuverlässig nüchtern sind.

    Mit Anderen habe ich da teilweise gar keine Gesprächsbasis, und ich merke das schon wenn jemand zwei Bier hat. Da werden mir die Gespräche oft einfach langweilig. Wenn ich mich da mehr unter trockenen Alkoholikern aufhalte, bin ich mehr geerdet.

    Ein weiterer Punkt war, als mein Vater an den Folgen seines jahrzehntelangen Alkoholkonsums starb, er hat sich totgesoffen, weckte bei mir auch das Bedürfnis, mich wieder mehr damit auseinanderzusetzen. Hat ja auch mit meiner eigenen Lebensgeschichte zu tun.

    So an Alkohol denke ich außerhalb dieses Forums nicht. Das ist längst durch. Ich finde aber, Sucht ist ein interessantes Thema und es kann da schon ziemlich ans Eingemachte gehen, um was es einem - und auch mir - im Leben geht, was wirklich wichtig ist. Ich beschäftige mich gerne damit. Das mag jemandem, der da noch ein Problem mit dem Ausstieg hat, befremdlich erscheinen, ich bin so. Für mich ist das mehr eine Wohlfühlsache, mich hier zu bewegen.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Es geht darum, herauszufinden, welche Funktion der Alkohol hatte (Trost, Entspannung, Flucht)

    Bei mir hatte er alle Funktionen, ich habe getrunken:

    • als es mir schlecht ging
    • als es mir gut ging
    • als ich Probleme hatte oder sie lösen konnte
    • als ich super drauf war
    • als negative oder positive Nachrichten kamen


    Kurzum, ich habe jahrelang immer gesoffen, der Anlass war egal, der Grund war allein meine Sucht.


    Ich gehe davon aus, dass Dich Deine Funktionsforschung null weiter bringen wird.

    Deine Erwartung ähnelt der Aufarbeitung der individuellen Suchtgeschichte im Rahmen einer Therapie. Da wurde bei mir versucht, retroperspektisch alle Knackpunkte in der Biographie zu checken, um daraus den Grund für meine Sauferei herausfiltern zu können. Es ist dem Therapeuten nicht gelungen.

    Warum? Ich habe irgendwann den Zeitpunkt verpasst, von dem an keine Rückkehr mehr möglich war, dies wird hier gerne mal in Kurzform beschrieben: "Zu viel gesoffen und den Absprung verpasst." Das trifft es bei mir genau und ich bin beileibe kein Einzelfall.

    Akzeptiere Deine Sucht und gehe behutsam Schritt für Schritt. Wie es funktioniert, kann Du hier bei vielen, insbesondere den Langjährigen, nachlesen.


    Viel Erfolg

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