Lizzy01 - Zig Jahre blind

  • Hallo Lizzy,

    Wie ich es ändern soll weiß ich noch nicht so recht.

    Du kannst es nicht ändern, der einzige der etwas ändern kann, ist dein Mann.
    Selbst wenn er trocken werden würde, erhälst du nicht den "alten " Mann zurück.
    Dann beginnt die Arbeit für beide. Vertrauen wieder aufbauen, überhaupt wieder lernen mit einem nüchternen Mann zu leben.
    Meist ist es so, jedenfalls bei mir, dass ich alles für ihn erledigt habe, nur damit nichts eskaliert. Ich war quasi alleinerziehend, hab alles von ihm fern gehalten.
    Als er trocken wurde, war es ganz neu für mich, dass da auf einmal jemand mitreden wollte.

    Ich hatte mich für ihn genug verbogen, da habe ich gemerkt, was der Satz : Nur nicht trinken reicht nicht, bedeutet.
    Es liegt aber nicht in deiner Hand.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Lebenskuenstler hab zufällig ein konzertticket von 96 gefunden, da ist er nachts im Suff völlig ausgerastet, hat mal wieder was zusammenschlagen müssen. Ich hab ihm damals gesagt dass seine Sauferei einen Keil zwischen uns treibt. Mich hat der Schlag getroffen realisieren zu müssen wielange das nun so geht. Erst jetzt wirds klar - ich will noch bisschen mehr vom Leben, ihm ists nicht wichtig. In der Suchtberatung kam die klärende Frage für mich : Ihr Mann trinkt schon länger ? Ja, eigentlich seit ich ihn kenne und das sind schon knapp 40 Jahre. Habe erfolglos alles versucht, einmal auch die Polizei gerufen, alles sinnlos weil er nicht aufhören will. Mit seiner Gewalt kann er mich nicht mehr erpressen. Ich hab nun angefangen mit Beratung, Therapie und informiere mich, will die Sucht kapieren warum er mich so schlecht behandelt. Aber lange mach ich es nicht mehr mit weil das Leben nun an nem Punkt ist, wo es mir nicht mehr Spaß macht mit ihm. Kontrolliert werden auf Schritt und Tritt, alles was ich denke, vorschlage ist doof von vornherein, falsche Behauptungen am laufenden Band und die Diskussionen mit endlos Schleife wo er dann behauptet ich würde schreien, während ich wortlos gegenüber sitze. Daher meide ich seine Gesellschaft nach den ersten 2 Bier - es wird dann immer schlimmer.

  • Aurora es ist ein weiterer guter und wichtiger Schritt gewesen, mich in dieses Forum anzumelden. Es geht jetzt im Moment um mich, was schon ewig nicht mehr der Fall war. Zuviel Zeit und Energie vergeigt und es wurde immer schlimmer. Und ich immer leiser. Auch von der Erziehung her. Meine Großmutter und Mutter haben immer vorgelebt dass man den Mann schonen muss. So wurde ich die letzten Jahre auch, hab lieber nicht mehr gekontert, bin lieber ins Bett als zu streiten. Die Beratungen die ich in Anspruch nehme stärken mich. Komm mir vor wie ein Maulwurf der so in die Welt spickelt, dann wieder abtauchen kann. Es braucht noch etwas Zeit bis ich ganz auf dem Haufen stehe. Ich hänge auch an meinem Zuhause, seh nicht ein auszuziehen. Dennoch spiel ich ab und zu mit dem Gedanken und versuch mir das vorzustellen. Jedesmal wenn ich am Flughafen vorbeifahr denk ich immer ich bieg ab und sitz in nächsten Flieger. Eine Vorstellung die mich dann zum Lachen bringt, was äußerst selten geworden ist .

  • Lizzy01 : Damit hat sich meine Frage oben geklärt. Es ist dann (für mich) auch nicht mehr entscheidend, wie sich der "Zustand" nennt.

    Bei Gewalt sehe ich nur eine einzige Lösung: Sofort raus aus der Situation & Sicherheitsabstand. Wäre es gegen mich selbst gerichtet, dann wäre damit das Ende besiegelt. Das beschreibe ich aber nur als meine Haltung dazu. Bei dir ist es nicht konkret erlesbar.

  • Ich hab nun angefangen mit Beratung, Therapie und informiere mich, will die Sucht kapieren warum er mich so schlecht behandelt.

    Beratung, Therapie und Information sind gut.

    Aber höre auf seine Sucht kapieren zu wollen und warum er dich schlecht behandelt.

    Nutze die Beratung, Therapie und Informationen lieber dafür, für dich selbst endlich aus dieser jahrzehntelangen Beziehung mit einem Alkoholiker rauszukommen. Irgendwann ist dein Leben um und du hast nur um einen Alkoholiker gekreist und sonst nix. Ist doch traurig, wenn das immer und immer so weitergeht, oder?

    Es geht jetzt im Moment um mich, was schon ewig nicht mehr der Fall war.

    Das ist super! :thumbup:

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Lizzy,

    diesen Satz hab ich mal hierher geholt:

    Zitat

    " Ich will mit dir nirgendwo hin weil ich deine Sauferei nicht mehr ertrage".

    Gut, dass Du es hier schon mal so aufgeschrieben hast.! Wenn Du es ihm gegenüber gefahrlos aussprechen kannst, dann kann ich Dich nur ermuntern: Tu's und plane Deinen Urlaub für Dich - es ist Deine Lebenszeit!

    Liebe Grüße

  • Bei einer Veranstaltung kam ich zufällig mit einer netten Frau ins Gespräch. Irgendwann erzählte sie mir ihre Geschichte. Es war der Hammer, ich dachte sie erzählt mir meine Geschichte. Bei jedem Satz ging es um Situationen, die sie erlebt hat mit Ihrem alkoholabhängigen Ex- Mann. Sein Verhalten ihr gegenüber - 1 zu 1 wie bei mir. Die Schlafstörungen, Eßstörungen, Konzentrationspeobleme- die ständige Angst, auch Existenzangst. Ihre gesamte Geschichte wie die letzten 35 Jahre an seiner Seite hörte sich an wie meine Geschichte. Sie hat es geschafft, ist ausgezogen und seither lebt sie wieder. Ich war schockiert so viel über mein Verhalten zu erfahren, das ihres war.Immer mehr sich aufhalsen, immer mehr Aufgaben übernehmen, zu meinen ohne dieses ganze Tun bricht alles zusammen, sich benachteiligen, unterwerfen, die eigenen Wünsche zu vernachlässigen.Dieses Gespräch hat mir einiges klargemacht. Wie geht es nun weiter mit dieser Erkenntnis. Ich muss wieder lernen mich und meine Wünsche, meine Gesundheit, Hobbies in Vordergrund zu stellen. Das ist nicht einfach hat man zig Jahre funktioniert. Üben "nein" zu sagen, jeden Tag ein bisschen mehr sich wieder gegen die alten Verhaltensmuster stellen. Sich der Problematik stellen und so Schritt für Schritt wieder (auf)leben.

  • Wieder ein Sonntag von dem es so viele gab und immer wieder gibt wenn ich nicht bald die Reißleine ziehe und meine Koffer packe. Gestern wars schon ganz knapp davor, wenn nur die Frage nach dem wohin schon klar wäre. Ein Sonntag voll mit so blödem Verhalten mir gegenüber- inzwischen muss ich wenigstens nicht mehr heulen sondern gehe einfach. Immer dasselbe, es beginnt mit einer Lüge, ich hinterfrage, Mann wird unsicher, am Ende kapier ich nichts, verdrehe alles, kann man mit mir nicht reden, mache ich Psychoterror, dann wirds lauter und er muss was zerschlagen und meist rennt er dann davon und ist erstmal weg. Das Wochenende, wie schon so viele ist somit gelaufen. Dann kommt der Gedanke- jetzt reichts und ich hau ab. Aber wohin- ich möchte keine Freundin mit 'reinziehen. Ist auch eine Geldfrage - teure Übernachtungen gehen auch nicht. Sehr von Nachteil, wenn man von seinem Partner auch noch finanziell abhängig ist. In meinen Gedanken hab ich schon festgehalten, was ich unbedingt mitnehmen muss. Die wichtigsten Papiere packe ich schon mal in eine Tasche sollte es mal schnell gehen müssen.

  • das mit den Papieren ist eine gute Idee. Du kannst dich ja auch schon mal unverbindlich und ohne, dass er es weiß, rechtlich beraten lassen.

    Versuch doch mal, dich auf keine Gespräche und Diskussionen einzulassen, wenn er getrunken hat. Mit Betrunkenen kannst du eh nicht reden/ diskutieren. Mein Mann hat mir die abenteuerlichsten Lügen erzählt, wenn er gesoffen hatte. Er kann mir auch im Nachhinein nicht erklären, warum er das gemacht. Vielleicht um sich selbst zu belügen. Um seine Ruhe zu haben. Weil das Hirn unter Alkohol völlig aussetzt. Keine Ahnung.

    Wenn du eh schon weißt, dass er am Wochenenende trinkt, versuch doch, dich mit einer Freundin zu verabreden oder dir für dich alleine was vorzunehmen.

  • Er war nicht besoffen, das war beim Frühstück. Ich mache schon lange meine Freizeitplanung ohne ihn. Meine Interessen, meine Freunde- taugt für ihn alles nichts. Es waren mal unsere gemeinsamen Freunde und Hobbies. Die Freunde fragen auch nicht mehr nach ihm.

  • Hallo Lizzy01 ich verstehe sehr gut wie du dich fühlst. Ich konnte auch mit meinem Mann keine gemeinsamen Hobbys mehr ausüben. Er hat sich vollends isoliert. Auch wollte er mich nur noch zwei Wochenenden von Samstagabend bis Sonntagabend sehen. Ich fühlte mich wie eine Randfigur in seinem Leben. Auch ist er emotionslos und kalt. Wie ist es bei dir. Ich habe sehr unter dieser Kälte gelitten , und mich vor zwei Wochen vollends getrennt. Es geht mir schlecht. Denn es war keine Trennung aus Liebe sondern um mich zu schützen. Es ist so verdammt schwierig aktuell.

  • Hallo Yve2006, sei froh Du hast den Absprung geschafft. Da hab ich noch einiges vor mir. Es bringt ja nichts wenn so gar nichts gemeinsames mehr da ist. Ich fühle mich eher wie eine Haushälterin, Sekretärin, ab und zu Friseuse. Da kommt nichts zurück, keine Umarmung wenn es mir mal schlecht geht. Wenn ich krank im Bett liege, muss ich mich selber versorgen. Eigentlich weiß ich gar nicht was diese Ehe eigentlich noch soll. Weil es sich den Alk immer nur spät abends reinschüttet, kommt dann auch mal eine Aufforderung ich soll doch ins Bett gehen. Vielleicht fühlt er sich dann nicht so beobachtet. Es ist nicht mehr derselbe wie früher. Ich hab oft das Gefühl ich bin nur noch praktisch für ihn.

  • du solltest ihn verlassen!

    ich habe es genauso erlebt wie wir noch in einer Wohnung gelebt haben. Und ständig diese Streitereien. Er ist mir auch überall hin nachgelaufen. Mein Sohn ist wegen ihm ausgezogen zu seinem Vater. Ich war zu guter letzt komplett isoliert. Und reden konnte er... Romane stundenlang und immer dasselbe. Fürchterlich. Voriges Jahr bin ich dann ausgezogen. Seitdem isoliert es sich nur noch. Kaum gemeinsame Zeit. Keine Umarmung, keine Küsse keine STreicheleinheiten nur Sex. Ich vermisse die Schulter zum anlehnen. Er versteht es auch nicht wenn ich sagte das mir was fehlt. Er hat meine Einsamkeit nicht verstanden. Eine Randfigur im Leben des eigenen Mannes. Nun bin ich getrennt und bin froh es gepackt zu haben.. doch weg im Kopf ist er nicht

  • ich denke auch das ich durch die Scheidung nochmal einen großen Schritt in die Selbstständigkeit komme. Wir leben seit einem Jahr räumlich getrennt ich denke nicht, dass es dann lange dauert bis es soweit ist. Alles nicht so leicht. Doch verheiratet bleiben geht auch nicht, da er wahrscheinlich durch seine Alkoholsucht weitere Schulden machen wird. Oder schlimmeres.... daher bleibt mir letztendich ja nur eine Wahl auch diesen Schritt zu gehen

  • Das braucht halt noch Zeit, aber es ist nicht mehr der Mann in den wir uns einst verliebt haben. So einen hätte ich nie wollen. Ich mach schon lange Urlaub, Freizeit meist alleine. Zusammen gehts selten, er schaut mich auch nicht mehr an und der gemeinsame Zeitvertreib ist selten und meist stumm. Es ist eine Trennung, aber ja nicht von einem geliebten Menschen. Was uns hindert ist m.E. nur das Wunschdenken es könnte mal wieder werden wie früher. Und schwupps ist wieder ein Jahr vorüber und man schwimmt im selben Brei.

  • genauso ist es. Die Jahre vergehen und man wird alleine unglücklich leben. Mir ist es sehr schwer gefallen zu gehen und die räumliche Trennung durchzuziehen. Danach hat er sich vollends entfremdet. Unsere Treffen waren wie Bruder und Schwester kühl und distanziert ohne wirkliche Nähe. Er hat auch kaum noch was gegessen wenn wir zusammen waren. Auch war ihm öfters schlecht und der Kreislauf spielte verrückt. Morgens beim Kaffee haben seine Hände gezittert. Das alles hat mir Klar gemacht, dass er immer noch trinkt. Er behauptet er sei seit August 2025 trocken. Ein Wunder ohne Therapie und AA Treffen. Er sagt Gott helfe ihm. Ich glaube ihm nicht. Denn seine Kühle ist nicht normal. Wenn sie aufhören kommt die Emotion zurück nach einiger Zeit. Bei ihm war sie verschwunden immer. Er hat es auf den Verlust seiner Kinder geschoben. Ich habe ihm anfangs geglaubt. Ich lese gerade das Buch Co.... und konnte in der ersten Nacht nicht schlafen, weil Erinnerungen hochkamen. Wie oft bin ich nachts weggefahren durch die Straßen alleine mit dem Auto weil ich einfache nur weg wollte.... weg von diesem Menschen.... ich genieße jetzt mein eigenes Zuhause es fühlt sich toll an ...... Ruhe und Frieden und meins. Nur dieser Schritt war sehr schwer. Und auch jetzt noch. Insgeheim fehlt er mir noch... doch es macht null Sinn zurückzugehen....wohin zurück in Kälte und falsche Hoffnung. Das Mantra sage ich mir jeden Tag.... es hat keinen Sinn..... es wird sich niemals ändern.... und die Hilfe für Co Abhängige ist wenig doch man kann sich auch durch Bücher rat holen. Ich merke auch wie ich täglich stärker werde und den Tag besser alleine überstehe. Und das ist es

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