Bergfloh - Ein grosser Schritt

  • Liebe Hera

    Bei mir ist es genau so, gegen drei Uhr werde ich wach und das Gedankenkarussell dreht sich. Nach einer Stunde kommt der Schlaf und dann mit den seltsamen Träumen.

    Dennoch fühle ich mich am Morgen erholt und habe keine Watte im Kopf. Wann wurde bei dir der Schlaf besser?

  • Ich tu mich bis heute schwer, einzuschlafen, aber durchschlafen klappt ganz wunderbar. Die körperliche Verbesserungen kamen nach und nach. Gewicht, Haut, Magenschmerzen, das Aufgedunsen sein, Schwitzen, ... es gab so viel, das gelitten hat. Aber das ist bei jedem anders. In Relation dazu, wie lange ich meinen Körper all die Jahre malträtiert hab, ging es schon schnell, bis ich wieder auf Normalzustand gekommen bin. Aber genau kann ich es nicht mehr sagen.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Habe eine Whatsapp erhalten, die mich dermassen nervt. Normalerweise schlucke ich den Ärger runter, bin freundlich und am Abend rede ich mir den Frust bei meinem Mann auf dem Balkon von der Seele. Am liebsten mit einem Glas Wein. Immer dermassen angepasst, liebenswert und brav.

    Das beruhigt so und dämpft den Ärger.

    Heute nicht. Nie mehr. Klar ärgere ich mich, dann muss ich an Feierabend eine Runde im Wald joggen oder die Diskussion mit Tee auf dem Balkon beginnen. Die Whatsapp kam nicht von meinem Mann, sondern von meiner schwierigen, erwachsenen Tochter.

    Mein Muster ist klar: immer wenn ich mich nerve, schlucke ich es runter und greife zur Flasche. Das grenzt an Selbstverstümmelung. Wieso muss ich meinen Ärger unterdrücken?

  • Wieso willst Du warten, zum Herauslassen von schlechten Gefühlen, Bergfloh?

    Sie stehen jetzt an und können doch schwer auf später verschoben werden.

    Einfach mal laut schreien oder jetzt schon aktiv werden, damit der Druck weniger wird.

    Immerhin hast Du hier schon mal Deinem Herzen Luft gemacht.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Bin jetzt zu Hause, hatte nach der Arbeit bei einem genialen Therapeuten einen Termin. Er macht Akkupressur und kann verhärtete Muskeln fantastisch wieder geschmeidig machen.

    Ich muss gut zu mir schauen. Training steht am Freitag an. Es macht Freude, Sport zu treiben und sich Sorge zu geben.

    Den Ärger von heute Nachmittag muss ich in Ruhe verarbeiten. Eine alte langjährige Geschichte, die nie gelöst wurde. Aber alles auf einmal anpacken geht nicht. Danke euch für eure Unterstützung :lol:

  • Aus Ärger können starke Gefühle entstehen und das Suchthirn steht schon auf dem Trittbrett.
    Für mich war es wichtig, dass ich wusste, wie ich damit umgehen kann, dass Ärger nicht zum Handelnden wird.
    Im Notfallkoffer z.B. kannst du vllt. etwas passendes für dich finden.

    Kennst du die HALT-Regel:

    H - Hungry - Hunger vorbeugen - Gut essen! Und auch das Trinken nicht vergessen!

    A - Angry - Ärger vorbeugen oder abbauen.

    L - Lonley - Sich in der SHG oder nahen Menschen anvertrauen. Nicht einsam bleiben.

    T - Tired - Bei Müdigkeit sofort gegen wirken. Sich Ruhe gönnen, genügend schlafen bei Erschöpfung.

    HALT-Gefühle sind starke Gefühle, die Suchtdruck auslösen können. Daher ist es wichtig, dass ich sie erkenne und frühzeitig dagegen wirke oder sie gar nicht erst entstehen lasse.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Die HALT-Regel hatte ich schon vorher hier im Forum zum ersten Mal gelesen gehabt. Ich danke dir für den nochmaligen Hinweis! Sehr wichtig für mich.

    Es stimmt, Ärger, oder sich ärgern sind starke Gefühle, die man zulassen kann oder mit Alkohol dämpfen.

    Mit Alkohol ist natürlich das Problem nicht gelöst, im Gegenteil

  • hallo Bergfloh,

    auch von mir herzlich willkommen und Glückwunsch zu deinem Entschluss für ein alkoholfreies Leben!

    ich bin selber noch ziemlich "frisch" hier, knappe 4 Monate jetzt. Am Anfang zählt man noch die Tage, dann die Wochen und dann ist man ratz fatz bei ein paar Monate..

    Das mit dem Ärger versteh ich total. Ich hab mich vor kurzem auch so geärgert, war im Büro und konnte mit niemanden telefonieren. Ich war so dermassen durch den Wind, ich musste dringend das rauslassen aber ich wusste nicht wie. Und dann habe ich einfach mich mit Chatgpt "unterhalten", alles aufgeschrieben, es ging bestimmt eine Stunde, aber danach ging es mir besser....

  • Ja, das Aufschreiben, alleine hier im Forum, hat mir schon geholfen.

    Danke für eure Begrüssung und netten Worte 😊

    Für mich ist wichtig, herauszufinden, wie ich meinen Frust regeln kann. Immer herunterschlucken hat oft abends dazu geführt, zur Flasche zu greifen. Ist doch gemütlich, die ungelösten Dinge verschwinden.

    Gestern musste ich an einen geschäftlichen Anlass. Es ging zu Fuss in eine Hütte. Ich habe mich als Fahrerin zur Vergügung gestellt, man musste noch ein ganzes Stück zuerst hinfahren. Wenn ich Autofahre trank ich auch frühner nie!

    Es wurde feucht fröhlich gesoffen, bis auf ein paar handvoll Leute. Es war für mich kein Problem die Flaschen und Gläser zu sehen. Ich genoss es, Gespräche nüchtern zu führen und fuhr auch noch ein hohes Tier anschliessend heim. Ging alles gut.

    Was mich nachdenklich macht: Alkohol gehört geschäftlich dazu. Alternativen beim Apero sind halt Wasser mit oder ohne Sprudel.

    Ich wurde dennoch gefragt: du drinkst keinen Alkohol? Grosse Augen, fast Entsetzen 🤭 ich gestehe, habe mich hinter dem Autofahren versteckt, das mache ich immer, auch früher, damit ich bei Geschätsanlässen nichts trinken durfte/musste.

    Wenn ich nämlich damals ein Glas hatte, konnte ich nicht mehr aufhören.

    Übrigens: heute habe ich zwei Wochen und es geht mir so gut. :lol:

  • Naja, ich war auch schon mal nüchtern als Autofahrerin bei einem Grillfest voller Besoffener und habe durchgehalten. So wirklich lustig ist das aber nicht, wenn man nicht selber im Öl ist. Sie reden irgendwann nur mehr Blödsinn. Und leider glaube ich, dass so eine Feier im nüchternen Hirn Nachwirkungen hat. Das Suchthirn überlegt sich im Hintergrund schon, wie es mich bald dazu überreden kann dass "die anderen ja auch alle trinken, also trink!" Es ist besser, sich von Besäufnissen fern zu halten. Mich hat noch nie wer gefragt, warum ich nichts trinke. Die sind nur mit ihrem eigenen Konsum beschäftigt und schauen nicht, was andere zu sich nehmen. Wahrscheinlich auch froh, dass mehr für sie überbleibt wenn jemand nichts trinkt.

  • Gestern musste ich an einen geschäftlichen Anlass. Es ging zu Fuss in eine Hütte. Ich habe mich als Fahrerin zur Vergügung gestellt, man musste noch ein ganzes Stück zuerst hinfahren. Wenn ich Autofahre trank ich auch frühner nie!

    Es wurde feucht fröhlich gesoffen, bis auf ein paar handvoll Leute. Es war für mich kein Problem die Flaschen und Gläser zu sehen. Ich genoss es, Gespräche nüchtern zu führen und fuhr auch noch ein hohes Tier anschliessend heim. Ging alles gut.

    Hi Bergfloh,

    dieses "es war für mich kein Problem" sah ich nicht ganz so locker, weil der Alkohol in Reichweite oder im Blickfeld durchaus triggern und auch später dein "Suchthirn" aktivieren kann, quasi nachträglich. Wir raten deshalb, gerade in der Anfangszeit, dazu, nasse Veranstaltungen zu meiden. Ich weiß, dass geschäftliche Anlässe einen in eine Zwickmühle bringen können, vor Allem, wenn du fährst und Leute mitnehmen musst, kannst du da nicht einfach schnell weg, wenn es dir zu viel wird.

    Liebe Grüße

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Es war echt blöd, ich konnte nicht früher gehen, da ich ja Fahrgäste hatte.

    Aber ich habe es gemeistert und darauf bin ich stolz! Zukünftig versuche ich, solche Feste irgendwie zu umgehen. Es hat mir nämlich nicht sehr viel gebracht.

  • Was mich nachdenklich macht: Alkohol gehört geschäftlich dazu.

    Wirklich? Ist das nicht eher die verengte Sichtweise des Neulings? Es gibt zig Leute, die keinen Alkohol trinken, da ist es alles andere als überraschend, wenn selbst kein Alkohol getrunken wird, es sei denn, es sind Leute dabei, mit denen früher gesoffen wurde.


    Mich fragt bei einem Betriebsfest niemand, denn dort habe ich früher nie getrunken, um es dann nach Heimkehr krachen zu lassen. Und falls die Frage mal aufkommen sollte, bin ich selbstverständlich, was auch stimmt, mit dem Auto unterwegs.

    Hier im Forum wird es unterschiedlich gehandhabt, wer alles von unserer Krankheit zu informieren ist. Ich fahre einen sehr defensiven Kurs, andere sind da wesentlich offener.


    Allerdings nehme ich an keinerlei Veranstaltungen teil, bei denen der heftige gemeinsame Konsum von Alkohol im Vordergrund steht.

    Es ging zu Fuss in eine Hütte.

    In Saufhütten setze ich selbst nach über 11 Jahren keinen Fuß. Warum auch? Nicht, weil ich mich gefährdet sehe, sondern weil ich das besoffene Gequatsche, Gegröle und Gehabe einfach nicht mehr im Kopf aushalte. Dafür ist mir meine restliche Lebenszeit zu schade. Und den Fahrer für Besoffene spiele ich garantiert nicht. Damit darf sich die Taxi-Branche herumärgern.

    Ich mache nur noch das, was ich vor mir, aber auch vor anderen verantworten kann. In Anlehnung an Anke Engelke: "Ich bin zu alt, um Dinge zu tun, an denen ich keine Freude habe."

    Meine Abstinenz hat Prio 1 und ist nicht verhandelbar.

    So beschreite ich meinen Weg und sehe keine Veranlassung, einen anderen Kurs einzuschlagen.

  • Ich war das erste Mal an diesem Anlass, da ich die Stelle noch nicht lange habe. Aber ich war sehr blauäugig, dachte, dass es gesitteter abgeht, da ich in einer "ruhigen" Branche arbeite.

    Ich will meine Entscheidung nicht rechtfertigen, sonder verstehen. Verstehen, was mit mir passiert, einen Tag später, wie geht es mir? Kann ich damit umgehen? Was sind eure Erfahrungen? Ist es noch zu früh? Was tut mir gut (Hüttenausflüge so bestimmt nicht) jetzt weiss ich, es tut mir nicht gut.

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