Jezzicaa - Hoffnung auf Abstinenz

  • Hallo Jezzicaa,

    Nun komme ich auch noch um die Ecke ;)

    Ich bin vor Jahren , kurz nach meinem Entschluss nicht mehr Alkohol zu trinken , zu unserer Damenspielerunde gegangen .

    Habe gesagt , ich trinke keinen Alkohol mehr aber die anderen Mädels haben wie gewohnt ihren Sekt getrunken .

    Es war ganz fürchterlich für mich und im Nachhinein war es " ein Ritt auf der Rasierklinge".

    1. Nüchtern habe ich erstmal gemerkt was für Dünnsch....:thumbdown: zu vorgerückter Stunde und mit zunehmenden Pegel gelabert wird . Genauso hatte ich früher auch geklungen ? hatte es ja nicht gemerkt weil mitgesoffen.
    2. Ich war ich mit dem Auto da und habe die besoffenen Weiber auch noch zuhause abgesetzt . Früher hatten wir uns ein Taxi geteilt . Wenn Alle saufen merkt man nicht wie man stinkt.
    3. Das Auto stank nach Alk und als ich daheim war , war ich fix und fertig . GsD war ich dort zuhause nicht alleine und die Wohnung war alkfrei . Ich habe dann lange mit meinem Mann geredet um irgendwie wieder runterzukommen.

      Fazit : Nie wieder !! so blöd sein.

      Da letztendlich Niemand bereit war mir zuliebe bei unseren Treffen keinen Alkohol zu konsumieren - auch nicht nur ein "Glässchen " , habe ich diese Truppe ( langjährige Freundinnen :/ ) verlassen .

      Ich habe in meinem trockenen Leben so viele neue Kontakte geschlossen .

      An deiner Stelle würde ich nicht zu solchen Festivitäten gehen .

      Vielleicht erstmal Notlügen wie von einem Forenmitglied erwähnt gebrauchen oder auch erwähnt alternative Treffen in anderen Räumlichkeiten ( Cafe z. B ) vorschlagen.

      Es muss nicht aber es kann schiefgehen diese Feiern zu besuchen .

      Pass auf dich auf .

      Dein neues trockenes Leben hat gerade erst begonnen.

      Setze es nicht leichtfertig aufs Spiel.


  • Ich habe in meinem trockenen Leben so viele neue Kontakte geschlossen .

    Genauso geht es mir auch. Ich hab erst mit der Abstinenz bemerkt, dass Alkohol gar keinen so großen Raum, bei der Mehrheit der Menschen einnimmt, als ich dachte.

    Und mir macht es wahnsinnig viel Spaß neue Menschen kennenzulernen. Mir hat da eine Freizeit-App geholfen wo ich mir die Veranstaltungen gezielt aussuche: Frühstück, wandern, Theater, Kunstausstelleung etc.

    Was keine Beachtung bei mir findet sind Veranstaltungen wie: Afterwork, Weinwanderung, XXL-Party etc.

  • Liebe Jezzicaa ,

    ich habe eben erst deinen Faden entdeckt. Von mir auch ein herzliches Willkommen.

    Als du dich endlich durchringen konntest, dich Alkoholikerin zu nennen, liefen mir Tränen runter. Dieses erste Mal Klartext hier im Forum war für mich so ein großer Schritt.

    Ich war auch hauptsächlich Gesellschaftstrinkerin, immer die letzte auf jedem Fest und dadurch entsprechend mit Menschen umgeben, die das ähnlich tun.

    Ich dachte am Anfang auch ‚jetzt bist du doch total alleine, wenn du nirgendwo mehr hingehst!‘. Dieses ‚Nirgendwo‘ war die Welt der Menschen, die nicht jedes Wochenende bis in die Puppen saufen und Sonntags mit Kater im Bett liegen. Ich bin langsam in diese Welt rein gewachsen, habe erkannt, wie viele interessante, aktive, lustige und gesellige Menschen sich samstags früh zum Sport treffen oder freitags Abend bei Tee zusammen einen Film gucken. Ich habe diese Menschen ignoriert, weil ich sie für ‚langweilige Spießer‘ hielt. Wie in der Schule. Die ‚coolen‘ haben gesoffen und geraucht, die anderen waren blöde Streber.

    Ja ich musste diese kindliche Denke aus meinem Kopf bekommen. Lernen, dass die ‚lustigen Saufgeschichten‘ meiner Freunde nicht anderes als kaschierte Scham dafür waren, dass man schon wieder die Kontrolle verloren hat.

    Ich habe meine engsten Freunde behalten. Mit ihnen mache ich Yoga, gehe wandern, schwätze bei einem Kaffee und ja, verquatsche mich sogar manchmal bis morgens um 4- mit albernem Kichern und ‚oh Gott schon so spät‘ ohne jeden Alkohol.

    Du wirst schöne, wilde und intensive nüchterne Erfahrungen machen, die viel länger nachhallen werden als jede noch so ‚legendäre Party‘ im Nebel. Freu dich drauf!

  • Gestern erst geschrieben:

    Bitte noch bedenken: Es gibt auch Leute, die bei der Einladung zum Frühstück/Brunch/Kaffee/Kindergeburtstag irgendeine Pulle auf den Tisch stellen.

    Dann habe ich beim Stadtbummel am späten Nachmittag eine Bekannte getroffen und bin mit ihr ins Cafe gegangen, wir wollten uns bei heißer Schokolade aufwärmen.

    Sie bestellte dann unerwarteterweise welche mit "Schuss". Als die Bedienung uns die Getränke brachte, sahen beide Becher gleich aus (und das ebenfalls bestellte Glas Wasser fehlte). Ich habe daher befürchtet, evtl. die falsche Schokolade vor mir zu haben.

    Deshalb habe ich sicherheitshalber die (nicht in meine Sucht eingeweihte) Bekannte gebeten, erst mal ihre Schokolade zu probieren, ob sie da den Schuss rausschmeckt. Hat sie. Dann konnte ich meine entspannt trinken. Diese "Umstände" war mir meine Abstinenz wert.

    Nicht, dass ich gleich rückfällig geworden wäre, wenn ich versehentlich etwas "Schuss" abbekommen hätte - aber das Suchthirn (wie ich hier gelernt, nicht selbst erfahren habe) hätte mir später einflüstern können: "Siehst du, war doch gar nicht schlimm, ab und an ein kleiner Schluck geht doch wieder ..."

  • Das hast Du gut gelöst, Rennschnecke!:thumbup:

    Nein, nicht mal bewusst einen kleinen Schluck Alkohol. Sollte es aufgrund einer Verwechslung doch zu Alkohol kommen, kann man sofort reagieren und es wieder ausspucken!

    Das sehe ich dann auch nicht als Rückfall.

    Es ist gut immer achtsam zu sein!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Genau, die Bekannte hat für sich heiße Schokolade mit Schuss bestell und ich für mich welche ohne, meinte ich.

    Sie ist aber keine, die andere zum Mitmachen nötigt (würde ich mir auch nicht gefallen lassen, früher schon nicht, da gern selbstbestimmt unterwegs), und wenn wir uns zweimal im Jahr begegnen, ist das schon viel.

    Zu Deiner Frage, aennie : Sorgen macht mir diese Bekanntschaft jetzt nicht, bin ja nicht mehr ganz am Anfang, und der Selbstschutz ist für jemanden, der mit "Stell dich nicht so an" groß geworden ist, schon ganz gut automatisiert, finde ich.

    Auch auf die Gefahr hin, auf meine Mitmenschen dadurch vielleicht komisch, anstrengend oder überängstlich zu wirken: Das nehme ich für meine Abstinenz gern in Kauf, das ist sie und bin ich mir wert.

    Denn bei echtem Suchtdruck (den ich bisher erst einmal erlebt und auch nur mit Verzögerung als solchen erkannt habe, weil er hintenrum kam), kann ich mich auf Verstand und Logik nicht mehr unbedingt verlassen, habe ich selbst erfahren.

    Da war ich wie auf Autopilot und hab Russisch Roulette gespielt und am Ende einfach riesiges Glück gehabt, dass kein Rückfall daraus wurde. Deshalb bin ich jeden Tag hier und melde mich gar nicht erst ab (hab aber immer die Tastensperre im Handy).

  • Ich meinte das nun anders.

    Eine Bekannte die- wahrscheinlich ja nachmittags- den Kakao mit Schuss haben muss?

    Von meinem jetzigem Standpunkt ausgesehen, würde ich sagen, dass ich mich mit der nicht nochmal auf nen Kakao hinsetzen würde.

    -Es ist nie zu spät für einen neuen Anfang-

  • Verstehe, was Du meinst. Es war schon nach 17.00 h und ziemlich kalt (und sie ohne Auto unterwegs), deshalb war es für mich ok, auch wenn ich nicht damit gerechnet hatte.

    Wenn sie sich im Cafe ein Bier bestellt hätte, hätte es mich gestört. so war es für mich vergessen, sobald ich meinen eigenen Kakao vor mir hatte.

  • Das mit dem oversharing hab ich gesagt, ich hab das bei mir so empfunden, aber ich habe immer dazu geneigt, viel zu viel von mir zu erzählen. Das mach ich jetzt nicht mehr. Leuten zu erzählen ich bin Alkoholikerin, die überhaupt nicht zugehört haben, war mir eine gute Lehre. Ich erzähl niemandem mehr emotionale, private Angeleigenheiten der bis jetzt immer entweder mit einer Standardfloskel geantwortet hat oder im chat nur mit einem Emoji, oder sogar überhaupt keine Reaktion zeigte. Ist besser so. Bekannte von Freunden unterscheiden war nie meine Stärke. Jetzt kann ich das besser einschätzen. Mein Alk outing hatte keine negativen Konsequenzen, denn sie haben eh nicht zugehört.

    Ich fande deinen Hinweis mit dem oversharing trotzdem gut! Ich finde es hilfreich für mich, möglichst viele Erfahrungsberichte zu lesen um so den für mich richtigen Weg zu finden. Insofern werde ich natürlich den Menschen, mit denen ich sehr viel und regelmäßig zutun habe, also meinen wahren Freunden, ehrlich sagen wie es um mich steht, aber den oberflächlichen Sauffreundschaften eher nicht. Das interessiert sie ohnehin nicht und damit hast du Recht. Ich neige gerne dazu mich zu erklären, daher hätte es mir durchaus auch passieren können, dass ich ihnen das mitteile und das bringt nichts. Sie werden merken, dass ich an reinen Saufveranstaltungen nicht mehr teilnehmen werde und mit solchen Menschen wird es wohl auch besser sein eher nichts mehr zutun Zub haben.

  • Ich habe zu Beginn oft gesagt, dass ich 3 Monate Pause vom Alkohol mache, danach, dass ich gemerkt habe, dass es mir ohne viel besser geht und ich ihn überhaupt nicht brauche. Dann hat auch keiner mehr gefragt.

    Als ich auf besagter Halloweenfeier war habe ich das mit der Pause auch gesagt. Es wurde insgesamt positiv aufgenommen. Es gibt auch jemanden in diesem Freundeskreis, der ebenfalls jährlich eine Pause von 3 Monaten macht. Mir war jedoch sehr schnell, also kurz darauf klar, dass es bei mir nicht bei einer Pause bleiben kann. Ich dachte, dass ich evtl. "kontrolliert trinken" kann nach der Pause und sich das dann evtl. ändert, aber auch das wurde mir, aufgrund eurer Erfahrungen, sehr schnell bewusst, dass das auch bei mir nicht funktionieren wird und ich mir das dann wohl auch ersparen kann und nicht so dumm sein, und es selbst ausprobieren muss. Da muss ich auch den Ausdruck "dumm" für mich verwenden, weil ich ja eigentlich schon weiß, dass ich es nicht mehr kann. Dafür hatte ich schon zu viele Blackouts um genau das zu wissen. Was soll nach einer Pause anders sein? Insofern muss ich es wohl ganz lassen.

  • um ehrlich zu sein sortiert sich der "freundeskreis" ganz von allein aus. zumindest war es so bei mir. ich spiel da mit offenen karten was meine sucht angeht, dass ist aber nicht jedermannssache. du wirst mit der zeit merken welche beziehungen und freundschaften nur das fundament "alk" haben und merken wie viele sachen einfach einschlafen und sich niemand mehr meldet. das erschreckt anfänglich viele und man glaubt vielleicht etwas zu verpassen. das sind aber nur ein paar stolpersteine auf den weg zur abstinenz. lass dich nicht entmutigen davon, es ist dein leben und deine gesundheit, nicht die der anderen.

    Ganz ehrlich? Je öfter ich mit euch im Austausch bin, desto niedriger wird meine Hemmschwelle offen darüber zu sprechen und dafür bin ich euch allen so dankbar! Ich habe am Freitag beim spazieren zufällig eine gute Freundin getroffen und ihr das dann auch offen erzählt. Sie reagiert mir gegenüber sehr respektvoll und meinte, dass sie auch gerne Tee mit mir trinkt und mir dann auch keinen Wein mehr anbieten wird und sie es beeindruckend findet, wie offen ich damit umgehe. Natürlich wird diese Reaktion nicht von allen so sein, aber wie du schon meintest, es wird sich herauskristallisieren. Das mit dem verpassen ist natürlich noch ein Punkt bei mir den ich nun lernen muss, aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, taugen mir die Saufveranstaltungen ja auch schon länger nicht mehr - erstens, weil ich es einfach nicht mehr im Griff habe und zweitens ist es ja auch immer dasselbe. Das "erfüllt" mich schon länger nicht mehr, aber ich habe mich bisher auch einfach nie getraut das Thema ernsthaft anzugehen, wegen all den Sorgen und Gedanken und dem Rattenschwanz was das nun nach sich zieht, aber ich vertraue darauf dass sich es lohnt. Das sagt ihr mir ja alle hier.
    Jetzt ist es eben an der Zeit, dass ich mich mal um mich und meine Gesundheit kümmere - ich hoffe ich halte das durch! Ich hatte heute, nach 3 Wochen auch bereits den ersten Traum, dass ich eine Weinschorle getrunken habe. Man war ich froh, dass das ein Traum war! :lol:

  • Als sie sich per WhatsApp dann zum Vorglühen treffen wollten, um anschließend in ein Brauhaus zu gehen, habe ich schriftlich die Katze aus dem Sack gelassen und bin danach aus der Gruppe ausgetreten.

    So weit bin ich leider (noch) nicht - aber vielleicht packt mich mein Mut ja noch. Traurig, dass sich bei dir wirklich niemand mehr gemeldet hat, nachdem du es so offen mitgeteilt hast. Klar, gut für dich und du hast so ganz klar einen Strich gezogen, aber trotzdem traurig, wenn man dann merkt, dass es wirklich nur der Alkohol war, der zusammenhielt und dir noch etwas vorgeheuchelt wurde.

    ich bin wirklich gespannt, wie bei mir nun alles weitergeht - eins nach dem anderen...

  • So, jetzt melde ich mich nochmal allgemein. Schokoei - ich danke dir herzlich für deine Offenheit. Das klingt alles ganz furchtbar wie das bei dir war und muss für dich unheimlich verletzend gewesen sein! Wie du vielleicht schon gelesen hast, habe ich das Treffen abgesagt - dennoch werde ich vor solchen Erfahrungen wohl auch nicht ganz fernbleiben können. Für mich fühlt sich das ganze Thema einfach unheimlich groß an auch wenn ich schon gelesen habe, dass Alkohol bei vielen gar nicht so ein großes Thema ist, wie bei mir. Auch auf diese Erfahrung bin ich gespannt Lebensmut74 !

    AnnaBlume Wow! Mich hat deine Nachricht so unglaublich berührt, weil sie exakt beschreibt, wie ich mich fühle und wovor ich Angst habe und auch wie es bei mir war (immer die letzte auf Partys sein etc.) Ich freue mich so so so sehr, dass du mit deinen Freunden jetzt so schöne Aktivitäten unternimmst und es sich bei dir so gut entwickelt hat! Das macht mir so unheimlich viel Mut und Hoffnung. Alles was du beschrieben hast ist identisch mit meiner Denkweise. Die Suffgeschichten vom Wochenende, die Menschen, die ich für "langweilig" hielt usw. Wie schön ist es außerdem was du geschrieben hast, dass du manchmal immer noch bis morgens um 4 am kichern und am quatschen bist?? Das ist einfach nur so schön und berührt mich wirklich tief!

    Ich hoffe sehr, dass es mir schnell gelingt sich nicht mehr benachteiligt zu fühlen, dass man das jetzt nicht mehr erlebt und diese Zeit nun vorbei ist. Ich freue mich sogar auf all das, aber habe eben auch höchsten Respekt vor all dem was kommt, weil es eben auch sicherlich oft schmerzhaft und enttäuschend bis schwer wird. Davor habe ich etwas Angst, dass ich immer stark bleiben kann.

    Meine beste Freundin ist ebenfalls informiert und unterstützt mich auch sehr. Ich war auch am Wochenende bei ihr, bis 1 Uhr früh, ganz ohne Alkohol und wir haben geweint, gelacht und über Gott und die Welt philosophiert. Genau das ist was ich liebe und will. Ehrliche und echte Verbindungen, wahre Freude und Spaß im Leben, Authentizität, sich verletzlich zeigen dürfen und gemeinsame Momente bei vollem und klaren Bewusstsein erleben - all das ohne den drecks Alkohol!

    AnnaBlume - ich möchte dir wirklich nochmal von ganzem Herzen danken. Du hast mich mit deiner Vergangenheit, deiner Gegenwart und deiner Geschichte wirklich so sehr berührt, dass ich Tränen in den Augen habe. Als würde mein Zukunfts-Ich mit mir sprechen - ich danke dir für den Mut, den du mir gemacht hast!

    Euch allen einen schönen Sonntag - ihr seid wundervolle Menschen!

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