Alkohol ist zum Desinfizieren da!

  • Liebe Foristen, nun schreibe ich hier weiter.


    Tag 11


    Gestern war ein guter Tag, ich hatte kein Verlangen nach Alkohol. Mein Kopf war ruhig.


    Ich wüsche allen, die hier lesen, ein wunderschönes Wochenende. :)

  • Hallo Liesa,


    was meinst Du genau mit der Überschrift "Alkohol ist zum Desinfizieren da!" ?
    Was waren Deine Gründe mit dem Trinken aufzuhören und was hat Dir der Alkohol vermeintlich gegeben?
    Dir auch ein schönes Wochenende!


    LG
    Carmen

  • Liebe Carmen, liebe Linde, o.k. ich schreibe hier weiter.


    Warum will ich mit dem Alkohol aufhören? Seit einiger Zeit wusste ich, ich muss aufhören, sonst wird es ganz schlimm. Vor ca. 2 Jahren hatte ich beschlossen, ein Jahr mit dem Alkohol zu pausieren. Das ist mir gelungen. Allderings habe ich nach dem Jahr wieder angefangen. Zunächst blieb es bei einem Glas Wein oder Sekt. Daraus wurde schnell mehr und war ich war bei einer Flasche angelangt. Nicht täglich aber sehr oft. Wenn ich erst einmal begonnen habe zu trinken, kann ich ganz schwer wieder aufhören. Bis zum Vollrausch habe ich es zum Glück nicht kommen lassen.


    Am Tag danach kam dann immer der Kater. Das will ich nicht mehr. Ich traue mir nicht, was ist, wenn es mit einer Flasche nicht mehr getan ist? Werden es dann 2.......ich befrürchte, es werden 2.


    Um mir Hilfe zu holen, habe ich mir das Hörbuch von Craig Beck "Alkohol hat mich belogen" angehört. Er beschreibt sehr eindringlich, dass mit Alkohol desinfiziert wird. Das heißt, Bakterien werden damit abgetötet. Und das geschieht genau in meinem Körper. Gesund kann das nicht sein. Wir wissen alle, dass bestimmte Bakterien lebensnotwendig sind. Ich will also meinen Darm nicht mehr desinfirieren.


    Dieser Gedanke hilft mir sehr und hat mir so richtig die Augen geöffnet, was ich mir mit dem Alkohol u.a. antue.


    Was hat mir der Alkohol gebracht. Ich mag das Beschwingtsein, das Prickeln des Sektes, das Schwenken des Glases in der Hand........

  • Hallo LiesaB,


    Willkommen,



    “Was hat mir der Alkohol gebracht. Ich mag das Beschwingtsein, das Prickeln des Sektes, das Schwenken des Glases in der Hand........ “


    Ja, so fängt es sehr oft an.


    “Wenn ich erst einmal begonnen habe zu trinken, kann ich ganz schwer wieder aufhören. “


    Oft folgt darauf das süchtige trinken. Es ist ein schleichender, meist nicht merkbarer Weg.
    Du hast zum Glück sehr früh gemerkt das dein Weg in diese Richtung gehen könnte.



    "Am Tag danach kam dann immer der Kater. Das will ich nicht mehr. Ich traue mir nicht, was ist, wenn es mit einer Flasche nicht mehr getan ist? Werden es dann 2.......ich befrürchte, es werden 2. “


    Wenn es mit der ersten Flasche nicht mehr getan ist, folgt ein sehr langer schmerzhafter Weg.
    Viele verlassen diesen Weg mit einem hohen Preis. Dieser Preis heißt qualvoll sterben. Ich habe es persönlich im Umfeld erlebt.


    Deine Aussagen oben deuten für mich auf eine Weggablung hin. Nur einer ist der wahre und gute Weg. Du hast schon eine sehr gute Vorentscheidung getroffen. Gehe nun unaufhaltsam weiter.


    Auch deine Entscheidung keinen Alkohol mehr im Haus zu haben ist sehr gut. Wie steht es mit Gläsern die für alkoholische Getränke meist genutzt werden ?
    Als ich aus meinem Zuchthaus ausbrechen wollte, verschwand alles was jemals mit Alk. zu tun hatte. Ich zog erstmals konsequent in meiner Wohnung den kompletten Ausstieg durch.


    Heute ist bei dir Tag 12. Super das erste Dutzend. Und Morgen, aufwachen ohne Kater. Was für ein schöner Morgen. Es dürfen und werden noch viele folgen. Und mit der Zeit lernt das Gedächtnis diese Errungenschaft sehr zu lieben.


    Lieben Gruß
    Nobby :wink:

  • Lieber Nobby, ich danke dir sehr für deinen Eintrag. Es tut mir gut, dass du geschrieben hast, dass ich sehr früh bemerkt habe, dass es zu viel Alkohol ist. Meine Blutwerte unterstützen deine These. Sie sind alle im Normbereich, auch die Leberwerte.


    Jetzt heißt es für mich, meinem Körper zu danken. Ich bin seit nunmehr 20 Jahren Joggerin. Als ich ein Jahr vollkommen aufs Trinken verzichtet habe, gelang es mir in Berlin den Halbmarathon zu rennen. Und das mit 57 Jahren.


    Wie ich feststellen musste, gibt es viele Läufer, die auch Alkoholiker sind. Irgendwie schaffen wir es dennoch längere Strecken zu laufen. Allerdings hatte ich es immer schwer am Morgen zu laufen. Klar, es gab ja auch am Abend davor eine Flasche Wein, die meine Leber noch zu verarbeiten hatte.


    Gestern nun sind mein Mann und ich 7,30 Uhr aufgestanden, haben einen Kaffee getrunken und sind in den Wald gefahren. Ich bin 56 min gerannt. Es ging. Es ging sogar sehr gut. Ohne Kater!!!!!!! Das will ich wieder.


    Heute hat es leider geregnet. Deshalb geht es erst nachher wieder in den Wald. Meine Kondition muss besser werden.


    Ahja: Heute wäre schon Tag 13. Ich bin sicher, dass ich das schaffe.


    Habt alle einen schönen Sonntag.

  • Guten Morgen Liesa,


    schön, dass Du nun hier angekommen bist und ein Tagebuch eröffnet hast. Ich wollte Dich schon längst begrüßen. Momentan spielt sich viel im geschlossenen Bereich ab, deshalb ist der Blick hier manchmal etwas verloren gegangen, aber ich gebe mir Mühe, das zu ändern :-)
    Also wie gesagt, schön ist es, dass Du da bist und wenn man Dich so liest, dann ist zu merken, dass Du Dich über eine Anfangseuphorie freuen kannst. Ich hatte das auch. Einige haben es nicht, im Gegenteil. Deshalb freu Dich darüber, dass Du das so genießen kannst. Ich weiß auch genau, was Du meinst. Ohne Kater wach werden. Find ich nach fast drei Jahren übrigens noch toll und ich glaube, das hilft auch ungemein, beim Trocken werden bzw. bleiben. Sich immer wieder bewusst machen, wie schön es ist. Das Positive sehen und wenn es nur die kleinste Kleinigkeit ist. Wie gesagt, ich werde manchmal wach und denke bewusst daran, wie toll es ist, dass ich nie mehr ohne Kater aufwachen muss.


    Ich bin so ausgeschlafen, wie noch nie. Ich wache auch fast immer vor meinem Wecker auf, einfach, weil ich nun fertig bin mit schlafen :-D


    Ich war ehrlich gesagt auch etwas verwirrt über Deinen Titel, aber ich fasse ihn mal einfach wörtlich auf. Früher hat man immer mal gesagt, wenn man krank war "da kippe ich mal was rauf, die Erkältung muss schließlich desinfiziert werden" oder so ein Schwachsinn. Aber ich denke bei Deinem Titel jetzt mal an einen Vorgang wie: Auf der Arbeit eine Fläche mit Desinfektionsmittel desinfizieren. Da ist ja auch oft Alkohol drin.


    Übrigens, jetzt mal nicht nur an Dich, sondern allgemein: Meinem Freund wurde ein Zahn gezogen und ihm wurde eine Mundspülung verschrieben. Beim Zähne putzen gestern habe ich mir die Beschriftung angesehen. Da stand Folgendes drauf:


    Alkoholfrei: 0,2 Prozent.... Das erinnerte mich an das alkoholfreie Bier, was ja im Grunde genommen gar nicht alkoholfrei ist :roll:


    Ich wünsch DIr einen richtig tollen Tag, Liesa. Hier ist das Wetter heute RICHTIG toll und ich werde gleich eine Runde joggen gehen. Heute bin ich EXTREM motiviert :-)

  • Liebe Cadda, danke für deinen schönen Eintrag.


    "Alkohol ist zum Desinfizieren da" hat mir die Augen geöffnet, dass ich mir mit dem Zeug nichts Gutes tue. Genau, der Titel ist wörtlich aufzufassen.


    Gestern war wieder ein guter Tag. Kein Alkohol. Manchmal flüstert allerdings eine kleine Stimme, dass ein einziges Glas unmöglich schaden kann.


    Der heutige Tag ist der 14. Und diesen werde ich ganz bestimmt nicht versauen!!!!!

  • Liebe Liesa,


    das Teufelchen ist schlau, was es da einem versucht einzureden, denn es hat ja recht, indem es sehr, dass ein einziges Glas nicht schaden könnte.
    Leider sagt es nicht, dass danach zwangsläufig das zweite, dritte und mehr Gläser folgen werden und die Konsequenz verheerend ist.
    Das muss dann das Engelchen sagen, das dann hoffentlich die Diskussion gewinnt.


    Alles Gute und weiterhin viele trockene Tage
    LG Heike

  • Liebe Cadda, genau so ist es! Ich hatte mir damals vorgenommen genau 365 Tage nicht zu trinken und habe es geschafft. Ich war der Meinung, dass ich nun sehr gut nur ein oder zwei Gläser trinken könne, habe ich ja ein ganzes Jahr ohne Alkohol gemeistert. Ich brauche nicht weiter zu schreiben....


    Es macht mir allerdings etwas Angst, wenn ich daran denke, dass wir Besuch bekommen. So wird es am 4.07. sein. Es kommen liebe Bekannte und die trinken natürlich gern Wein. Ich brauche eine Strategie, wie ich damit umgehen kann. Das Teufelchen in meinem Gehirn wird wohl laut flüstern.


    Tag 14 habe ich gestern geschafft.

  • liebe Liesa,


    hallo erst einmal, ich glaube ich habe bei dir noch nicht geschrieben.
    Ich bin Angehörige, mein Mann ist bald 3 Jahre trocken, und seitdem gibt es bei uns zuhause keinen Alkohol zu den Geburtstagen und was noch so anfällt an Feiertagen. Selbst beim Mädelsabend wird nichts getrunken.

    Zitat

    Ich brauche eine Strategie, wie ich damit umgehen kann.


    Meine Strategie war damals Ehrlichkeit, ich habe gesagt, das es bei mir keinen Alkohol mehr gibt. Es hat sich niemand abgewendet.
    Das Haus ist alkoholfrei und kann es gerne bleiben.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Liebe Morgenrot, vielen Dank für deinen Eintrag. Ja, ich erzähle jedem, dass ich nichts mehr trinken will. Und wer sich abwenden sollte, soll weg bleiben. Solche Menschen brauche ich nicht im Leben....


    Als ich beschlossen hatte, ein Jahr nichts zu trinken waren die Reaktionen der Menschen seltsam. Alkohol scheint gesellschaftlich sehr anerkannt zu sein. Die Probleme, die daraus entstehen werden entweder verharmlost oder schlicht geleugnet. Oft habe ich gehört: "Ein Gläschen in Ehren....." Auch von Ärzten.


    Egal, ich will nicht mehr.


    Gestern habe ich mir wieder ein Hörbuch gekauft: Simon Borowiak "ALK". Der Beginn gefällt mir schon einmal, es ist lustig und informativ.


    Natürlich gab es gestern für mich keinen Alkohol! Die dritte Woche hat begonnen.


    Hat jemand von den Foristen Erfahrungen mit Alkohol und Übergewicht? Bedingt das eine das andere? (Ich meine nicht die Abnahme, die am Ende der Sucht steht.)


    Ich wünsche allen, die hier lesen, einen schönen Tag.

  • Liebe LiesaB. und alle anderen,


    Zitat

    Hat jemand von den Foristen Erfahrungen mit Alkohol und Übergewicht? Bedingt das eine das andere? (Ich meine nicht die Abnahme, die am Ende der Sucht steht.)


    Das scheint so zu sein. Ich habe (wieder trocken seit dem 08.04.2020) auch stolze 6 kg zugelegt. Bei mir kommt es zu Schockoladenattacken und sonstigem Heißhunger auf Süssigkeiten. Der Körper (meiner) sucht nach nem Ausgleich.
    Ich hatte in meinen 3 Rückfallwochen aber auch so gut wie nichts gegessen. Sparflamme, hauptsache es kreiselte.
    Wenn ich mal so überlege, was wir unseren Körpern antun, na dann gute Nacht.
    Mein Entschluss liegt dennoch fest. Lieber paar Kilo mehr, als sich im Tran auf die Suche nach den nächsten Flaschen zu begeben.
    Und das schreibt einer, der es eigentlich wissen müsste.
    Der es wieder mal geschafft hat, nach einer langen Trockenzeit alles mit dem A... einzureißen.
    Der wissen müsste, dass nach dem geschätzten zehnten Entzug nicht ein elfter folgen darf. Und es dennoch dahin "geschafft" hat.
    Alles vergessen und die Prozedur von vorne.
    Obwohl jeder hier weiß, dass der Alkohol zwar schnell da ist und dir anfangs irgendwas einsuggeriert. Irgendwas. Reden kann er ja nicht. Aber er ist, wenn man nicht aufpasst, sofort greifbar und tut angeblich "gut". Unterm Strich gesehen, lässt er dich vereinsamen, dein Selbstwertgefühl verlieren und und und...
    Ich hoffe für mich und wünsche allen hier, dass wir gemeinsam die Kraft aufbringen, diesem Typen namens Alkohol ein Schnippchen zu schlagen , um erhobenen Hauptes daraus hervor zu gehen.
    Klar, wird ein nichttrinkender Mensch i.d.R. argwöhnisch beäugt. Was soll's. Normalerweise sind wir die stolzen Helden, nicht die anderen. Aber das ist kein Urteil gegenüber denen, die wirklich nach dem 1. oder 2. Glas aufhören können. Auch ich habe früher ein Bier genossen und nie im Traum daran gedacht, das ich viele Jahre später hier schreibe.


    Euch allen wünsche ich einen trockenen Abend und eine weiterhin trockene Zeit!
    marianee

    Habe lange mein Problem negiert, bis es zu spät war. Stehe jetzt vor einer Situation, die ich noch nicht überschauen kann (Haus, Ratenzahlung, noch intakte Familie, Job weg, Führerschein weg).

  • Das scheint so zu sein. Ich habe (wieder trocken seit dem 08.04.2020) auch stolze 6 kg zugelegt. Bei mir kommt es zu Schockoladenattacken und sonstigem Heißhunger auf Süssigkeiten. Der Körper (meiner) sucht nach nem Ausgleich.


    Klar, wird ein nichttrinkender Mensch i.d.R. argwöhnisch beäugt.


    Hallo!


    Das mit dem Schmacht auf Süßes kenne ich. Ich zwinge mich, ein paar Tage die Woche nichts von dem Zeug zu futtern. Das hilft. Sozusagen "Kontrolliertes Naschen", was beim Süßkram bei mir klappt.


    Klarer Widerspruch zur zweiten These: Ich bin jetzt mehr als 5 Jahre clean. Niemand beäugt mich argwöhnisch. Das dürfte eine Einbildung sein, da der frisch Abstinente noch etwas wackelig und unsicher unterwegs ist, während sein Blick noch durch den langjährigen Alkoholabusus getrübt ist.


    Wer soll mich denn beäugen? Die anderen Leute im Cafe/Bistro? Warum sollten sie es tun? Die meisten kennen mich doch gar nicht und trinken dort doch auch keinen Alkohol.


    Und mit alten Saufkumpanen, die vielleicht fragen und gucken könnten, habe ich keinen Kontakt mehr. Der ist eingeschlafen, weil das Bindeglied namnens "Suff" weggebrochen ist.


    ich rate, seid nicht zu kritsich, was das Interesse und den Blick anderer Leute anbelangt. Steht zu euch und eurer Entscheidung, wieder die Verantwortung und die Kontrolle über euer Leben - ihr habt nur das eine- zu übernehmen. Da können euch andere Leute, die angeblich gucken, doch glatt den Buckel runter rutschen, so meine Sicht der Dinge.


    Gruß
    Carl Friedrich

  • Ich bedanke mich für die vielen Einträge. Es ist schön, dass Ihr geschrieben habt. Es hilft mir sehr. Allein der Gedanke, dass ich hier gestehen müsste, ich hätte wieder Sekt oder Wein getrunken ist gruselig.


    Da ich ja erst etwas über 14 Tage ohne Alkohol bin, kann ich noch nicht sagen, wohin die Reise mit meinem Gewicht hingehen wird. Fakt ist, ohne Alkohol habe ich mehr Lust zum Sport. Süßes ist noch kein Thema. Nun weiß ich, wo ich wachsam sein muss.


    Die Gesellschaft im Allgemeinen findet es gut, nach Feierabend das "Gläschen in Ehren" trinken. Mit dem Finger auf die Menschen wird erst gezeigt, wenn sie bereits am Morgen oder Mittag anfangen zu trinken. Alkohol ist ein sehr anerkanntes Suchtmittel. Ist schon komisch. Bedenklich finde ich, dass es immer wieder Menschen gibt, die andere zum Trinken überreden wollen oder müssen. Fast scheint mir, dass damit das eigene Trinken legitimiert wird.


    Wir wollen davon weg. Und das ist gut so.


    Nochmals Danke.

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