Hilfe zur Selbsthilfe

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo zusammen,


    coole Überschrift, hat aber eine Bedeutung. Welche denn? Nein, das ist keine Schulaufgabe ;) ich wollte nur mal von Euch wissen, was ihr darunter vorstellt. :) Es kommen ja immer wieder Begriffe, die längere Trockene aus dem Sprachgebrauch um sich werfen aber manche gar nicht die Bedeutung nicht bewusst ist.


    Als ich hier aufgeschlagen bin, hatte ich mich nicht ausgetauscht, nur gelesen und gedacht "Verstehen der Problematik" reicht aus. Baute mein "neues" Wissen in mein Denken ein, veränderte jedoch nichts Großartiges und flog nach 12 Wochen dermaßen wieder auf die Schnauze, wobei ich noch verdammtes Glück hatte. Sonst hättet ihr nichts mehr von mir lesen können.

    Rückfall kann ich es nicht nennen. Hatte ja nichts verändert.


    Mir wurde da schnell klar. Nur wenn ich bereit bin Hilfe anzunehmen, sie nicht mit meinen nass durchtränkten Gedanken wegzudiskutieren, mache ich von meiner Selbsthilfe Gebrauch. Alles andere sind Versuche mit einem blauen Auge durchzukommen.


    Was versteht ihr noch nun unter Hilfe zur Selbsthilfe?

    Gruß Hartmut

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    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Bei mir war es ganz eindeutig das "Hilfe annehmen" können und wollen und mir selbst einzugestehen, dass ich Alkoholiker bin. Beides ging Hand in Hand. Nach der LZT habe ich mir mit einer Vielzahl von Dingen geholfen. Die wichtigsten: meine Wohnung komplett umgeräumt und umdekoriert. Meinen Kram - Akten, Kleidung, Einrichtung, Erinnerungsstücke, Fotos...- sortiert, ausgemistet, mich darum gekümmert. Ich habe mir bewusst gemacht, was starken Einfluss auf meine Alkoholikerkarriere genommen hatte. Das waren insbesondere ein paar chronische Erkrankungen. Darum kümmere ich mich jetzt so intensiv und aktiv (!), wie ich es vorher nicht tat. Zusammenfassend: Ich habe für mich wieder ein Gefühl entwickelt, was für mich gut und richtig ist. Daraus ist eine Selbstachtung und ein neues Selbstwertgefühl entstanden. Ich bin mir selbst wieder bewusst geworden. Und immer noch auf dem Weg. Ich glaube der ist auch lang :) Das zu erhalten und zu stärken ist für mich, so glaube ich, die wichtigste Hilfe zur Selbsthilfe.

  • Hallo Hartmut,


    Hilfe war für mich anfangs und ist für mich heute zu lesen und zu hören, wie andere Menschen sich selber helfen. Mir hilft es eher nicht, wenn ein anderer Mensch mir „helfen“ möchte, mir selber zu helfen. Die eigenen Erfahrungen ehrlich mit anderen zu teilen, möglichst ohne innere „Agenda“, was die/der andere jetzt dann damit anfangen sollte. Lässt sich natürlich nicht immer so leicht vermeiden, aber ich versuche es zumindest.


    Klar, manchmal fällt es schwer, da engagiert man sich (ich mich) zu sehr, und ist dann vielleicht frustriert, wenn die/der andere ganz anders reagiert oder handelt, als ich selbst es getan habe oder mit meinem heutigen Wissen tun würde. Das hat dann aber in der Regel eher was mit mir zu tun und nicht mit derjenigen, der ich dann „helfen“ will. Dann hab ich in dem Moment auch den Weg der (Hilfe zur) Selbsthilfe verlassen.


    Ist für mich immer wieder eine bereichernde Herausforderung. Bei mir zu bleiben. Ist ja auch so eine gern gebrauchte und schwer umzusetzende Formel.


    Gruß,

    Thalia

  • Hallo Hartmut,


    Meiner Meinung nach gibt es beim Thema Alkoholkrankheit NUR Selbsthilfe. Zum einen betreute Selbsthilfe von Profis wie Sozialtherapeuten oder Psychologen. Zum anderen Amateurgruppen, wie diese hier.


    Habe ich z.B. eine Warze am Fuß, kann ich zum Arzt gehen, ihm den Fuß hinhalten und sagen, mach das Ding bitte weg. Da brauch ich selbst nichts zu tun.

    Will ich trocken werden und bleiben, muss ICH mein Leben verändern und an mir arbeiten. Das wird mir Niemand abnehmen.


    Selbsthilfe fängt m.M. damit an, dass ich zuerst einmal zuhöre und Fragen stelle. Antworten überdenke und annehme.


    Bin ich dann selbst einigermaßen gefestigt, kann ich auch durch meine Erfahrung und Antworten helfen. Durch helfen, helfe ich mir selbst, da ich mir immer wieder bewusst mache, dass ich Alkoholiker bin und für den Rest meines Lebens bleibe. Ich habe jeden Tag die Entscheidung zu treffen. Trinken oder eben NICHT trinken. Wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen oder vorzusorgen, damit dass eben NICHT passiert. Es ist quasi eine Lebensaufgabe.


    Gruß

    Alex

  • Hallo Hartmut und alle anderen,


    als ich mir meine Alkohlsucht eingestanden hatte, brauchte ich Hilfe: Von Ärzte, Therapeuten und meinem engen Umfeld.


    Dann gabe ich viel gelernt. Über Alkoholismus, die Grundbausteine, den Notfallkoffer, Umgang mit Gefühlen usw. Und das Gelernte tagtäglich anzuwenden, das ist für mich die Selbsthilfe. Dazu gehört auch der Austausch (wie in diesen Forum). Hier erhält man neue Impulse, kann den Umgang mit der Krankheit festigen und anderen helfen.


    Viele Grüße

    Seeblick

  • Hallo Hartmut und alle anderen,

    interessantes Thema und zweifellos eines, über das sich mal ein Austausch lohnt. 😄


    Dann will ich auch mal meine Gedanken dazu teilen.


    Bei unserem Problem und auch bei vielen anderen sollte ja das Ziel sein, dass ich mir selbst helfe, mir selbst helfen kann. - Wie kann ich das aber?


    Meines Erachtens ist das nur möglich, wenn ich selbst überhaupt erst erkenne, dass ich ein Problem habe und wie groß mein Problem tatsächlich ist.


    Mitunter ist das denen, die hier aufschlagen, - und mir ging das vor zehn Monaten ähnlich - , am Anfang gar nicht so klar.

    Einige lesen erstmal nur mit, andere stellen gleich ihre Fragen. Ich gehörte zum Beispiel in die zweite Kategorie.


    Mir war bei meinem eigenen Konsum ziemlich mulmig geworden, ich sah mich aber noch längst nicht als Alkoholikerin. Ich hab sogar diese Online-Tests durchgeführt, um mich zu versichern, noch keine Alkoholikerin zu sein. Irgendwas trieb mich aber dann doch, in einem Alkoholforum mal nachzufragen, mich überhaupt erstmal dem Thema zu stellen. Schon allein das hat mich ziemlich Mut gekostet.


    Hätte man dort gleich zu Beginn von mir verlangt, mich als Alkoholikerin zu bekennen und den Austausch davon abhängig gemacht, dass ich den Rest meines Lebens abstinent bleiben muss, hätte man mich nicht erreicht, sondern abgeschreckt. Ich spürte zwar, dass bei mir etwas nicht in Ordnung war, aber in welchem Umfang, das war mir noch nicht klar.

    Meine „Selbsthilfe“ bestand somit zunächst darin, überhaupt mal nachzufragen bei Menschen, die sich, wie ich glaubte, etwas auskannten und mit ihrem Problem „geoutet“ hatten.


    Ihre „Hilfe“ bestand in Informationen, Fragen und in einer kurzen Schilderung ihrer eigenen Erfahrungen. Dadurch wurde mir bewusst, wo ich gerade stand und wie groß mein Problem tatsächlich schon war. Und es machte mir Angst und schuf erst das Bewusstsein dafür, dass ich so wie bisher nicht weitermachen konnte.


    Zunächst hatte ich Angst davor, nie wieder Alkohol trinken zu können. Ich hab sogar verhandelt, ob ich nicht ab und zu und ganz selten noch „Ausnahmen“ machen dürfte. Meine „Selbsthilfe“ bestand dann darin, weitere Fragen zu stellen und mich auf den Dialog einzulassen.


    Ihre „Hilfe“ bestand wiederum in ein paar Informationen, Fragen und einem kurzen Hinweis, wie „kontrolliertes Trinken“ bei ihnen gescheitert war und dass sie nun zufrieden abstinent lebten.

    Und wiederum erkannte mich darin teilweise wieder und reflektierte mein bisheriges Trinkverhalten, bei dem mir dann selbst klar wurde, dass „kontrolliertes Trinken“ auch bei mir nicht funktioniert hatte und aller Erfahrung nach nie wieder funktionieren würde (und wird).

    Da begann ich mich tatsächlich für die vollständige Abstinenz zu interessieren und, wie ich es erreichen könnte, ebenfalls zufrieden abstinent zu werden, und ich wurde offen für alles, wie ich mir selbst helfen könnte.


    „Hilfe zur Selbsthilfe“ bedeutet für mich nicht, dem anderen seine Verantwortung für sich selbst abzunehmen, die Verantwortung für sich selbst belasse ich bei ihm, sondern ihm mit meinem Wissen und meinen eigenen Erfahrungen soweit Hilfestellung (sofern diese überhaupt erwünscht ist) zu geben, dass er in der Lage ist, ggf. sein Problem überhaupt erst zu erkennen und sich dann selbst helfen zu können.

    Ob er meine Hilfestellung annimmt oder nicht, liegt nicht in meinem Bereich, sondern bleibt in seiner eigenen Verantwortung.


    Grüße

  • Hallo Hartmut,


    ich bin mir gar nicht sicher ob ich jemanden helfen kann, sich selbst zu helfen. Die Entscheidung etwas anzunehmen

    oder mitzunehmen, liegt doch bei jedem selbst.

    Vielleicht liege ich da auch falsch. Mir geht der Satz - ein Kranker kann keinen Kranken helfen - noch im Kopf herum und bleib bei dir.


    Den Sinn dahinter habe ich für mich erst später gesehen.

    Ich nehme heute an, dass es darauf ankommt, wie weit ich mich mit meiner Krankheit auseinander gesetzt habe.


    Als ich mich hier anmeldete, war ich zu nächst überfordert. Ich musste erstmal verstehen, was da mit mir passiert ist.

    Was der Alkohol mit mir macht, wie er es macht und was zu meiner persönlichen Veränderung führt. Und was für mich

    wichtig war, wo Alkohol enthalten ist. Der 1. Schritt auf zu hören, half mir nicht weiter. Ich musste ja erst mal

    verstehen, wer da in meinem Kopf die Sucht auslöst. Ich musste verstehen und annehmen, dass ich Krank bin und es keine Heilung gab. In dem Zustand konnte ich keinen Kranken helfen. Also blieb ich bei mir. Stabilisieren, um die Kontrolle wieder zu finden.


    Das Wissenswerte darüber fand ich hier, bei den länger Trockenen. Ich wusste nun was in meinem Körper passierte wenn ich trank. Warum ich mich veränderte und was die Sucht auslöste.

    Ich habe lesen können, wie es anderen ergangen ist. Das half mir dabei stärker zu werden, meine Scham zu überwinden und die Gefühle zuzulassen, die auf mich zu kamen. Der Wille, da nie wieder hinzukommen ist auch aus den hier lesen entstanden.

    Nur muss es ja so bleiben.

    Auch dabei fand ich hier Unterstützung und Hilfe.

    Ich möchte aber auch erwähnen, dass neben dem Forum hier auch eine Therapie, persönlicher Austausch in einer Gruppe oder anderes wichtig ist. Jeder Verändert sich ja mehr und mehr. Die eigentliche Persönlichkeit, die man nicht mehr wahrgenommen hat, kommt ja an die Oberfläche.

    Ich musste lernen damit umzugehen.


    Mit der zeit erkannte ich, dass ich kein extrovertierter Mensch bin. Auf Andere zuzugehen konnte ich nur, wenn ich etwas

    getrunken habe. Das war aber nicht ich, dass war der Alkohol.


    Heute weiß ich und kann auch damit umgehen, das ich ein introvertierter Mensch bin.

    Und das ist gut. Und ist richtig so. Es ist für mich nicht wichtig die fröhlichste oder Beste zu sein.


    Meine eigene Persönlichkeit wieder gefunden zu haben, mir selbst helfen zu können, konnte ich hier lernen.

    Das Richtzeug zu weiteren Schritte habe ich hier gefunden. Hilfe zur Selbsthilfe.

    Es ist nicht einfach und es wird nie einfach sein, nur wird es mit der Zeit kein Kampf mehr.

    Die Gelassenheit und Achtsamkeit und Dankbarkeit nehme ich aus der Philosophie des Buddhismus.


    Ich hoffe, ich habe das Thema nicht verfehlt. Weniger ist ja manchmal mehr. Ich finde aber so viel Freude darin, mich mitzuteilen. :oops:


    LG Caro

  • Hallo ihr lieben ,

    ich verbringen sehr viel Zeit damit mir neues Wissen und neue Erkenntnisse anzueignen , wie und mit welcher Hilfe ich wann und wo mir selbst helfen kann und verstehe Hilfe zur Selbsthilfe so aus meiner Sicht. Es ist bei mir angefangen mit dem Aufenthalt von 4,5 Wochen in der Entgiftung und dem nahtlosen Übergang einer LZT und dem Anschluss in die Nachsorge bis zur gestriegen Anmeldung hier bei euch , alles für mich Hilfe dank der Therapie und den tollen Therapeuten das neuerworbene Wissen über unsere Erkrankung als Selbsthilfe anzuwenden .


    Ohne diesen Weg hätte ich es nicht geschaft nach all den langen Jahren von dem teufelszeug los zukommen.


    Darüber hinaus , bin ich aus meinem Umfeld wo ich letztes Jahr noch komatöse Tage und Nächte hatte weg gezogen , habe mir eine neue Handynummer geholt mich von allen schädlichen Menschen verabschiedet und kann mich in meiner neuen Umgebung voll und ganz auf mich konzentrieren und gut für mich sorgen.


    Das war für mich sehr wichtig und genau so richtig 🙏🌺


    Alles liebe und gute an alle 🐞

  • Hallo Hartmut,


    Selbsthilfe fängt bei mir an, hier im Forum, bei der Suchtberatung und meinem Umfeld zuzuhören, nachzulesen, zu informieren und mich letztendlich selbst zu reflektieren und Entscheidungen zu treffen.

    Jeder Satz, den ich bisher hier gelesen habe, habe ich innerlich zerpflückt, bis es für mich stimmig war/ist "Ja das stimmt!" oder "Darüber muss ich nachdenken!" bis zum "So hilft es mir!". Es ist wie ein großes Stück Kuchen, wovon man sich sein persönlich schönstes Stück abschneidet und es wunderbar schmeckt...und dem Magen gut tut.


    Viele schwärmen von den AA Treffen, mich persönlich hatte diese Form der Unterstützung sehr abgeschreckt. Ich wollte nicht verstanden werden oder meine Lebensgeschichte erzählen. Ich wollte Ideen, Impulse haben, wie ich mir selbst helfen kann mit äußerlicher Unterstützung. Alleine DIESER Weg war nicht so einfach, bis ich ihn fand. Bei mir war der Durchbruch eine besondere Art der Therapie.

    Hier im Forum kann jeder für sich das herausnehmen, was ihm hilft, er kann berichten und anderen vllt damit (unwissentlich) unterstützen.

    Selbsthilfe ist zumindest für mich, unerlässlich wenn man Alkoholkrank ist. Jeder auf seine Weise.


    Viele Grüße

    Matts :)

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