Rike76 - Hilfe als Angehöriger

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Die Freischaltung für den geschützten Bereich kann nach frühstens 4 Wochen erfolgen. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo in die Runde,

    ich bin neu hier und ziemlich unsicher, ob es der richtige Weg ist…aber ich brauche langsam selbst Hilfe oder Unterstützung in meinem Handeln.


    Meine Mutter hat ein massives Problem mit Alkohol und zerstört damit die ganze Familie. Sie wurde vor zwei Jahren verrentet und seitdem habe ich sie gefühlt keinen Tag mehr nüchtern erlebt. Ihr Konsum ist jenseits von gut und böse (innerhalb von 24 Stunden 3 Flaschen Wein und eine 3viertel Flasche Obstler war die Krönung).

    Sie war innerhalb von einem Jahr 3x zur Entgiftung und es ändert sich nichts. Die ersten beiden Entgiftungen habe ich veranlasst, weil ich der Meinung war, dass ich ihr helfen muss. Die letzte, im März war durch ihre Schwester veranlasst. Ich bin nach der zweiten „Aktion“ zu dem Schluss gekommen, dass ich ihr nur helfen kann wenn sie erkennt, dass sie ein Problem hat. Die Entscheidung fiel im November. Seitdem dürfen ihre Enkelkinder sie nicht mehr besuchen. Es ist eine Konsequenz aus ihrem Handeln…und wir stehen dazu!

    Leider erfahre ich zunehmend aus der Familie, dass sie mein Handeln nicht verstehen, weil ich meine Mutter so sehr damit treffe. Sie bettelt am Telefon, dass sie die Kinder sehen darf; bricht weinend zusammen, wenn ich ihr das versage. Sie bekommt von mir dann immer zu hören, dass sie die Kinder sofort sehen darf, wenn sie an der Situation etwas ändert und ich ihr dabei helfen möchte.

    Es geht mir nicht wirklich gut damit, weil auch unsere Kinder darunter leiden. Aber ich möchte nicht, dass sie ihre Großmutter volltrunken erleben.


    Liebe Grüße Rike

  • Meine Mutter hat ein massives Problem mit Alkohol und zerstört damit die ganze Familie

    Vertraue darauf, denn nur deine Mutter kann daran was ändern. Wenn ich Kinder hätte und die von Oma beaufsichtigen würde, die trinkt, hätte ich ein miserables Gefühl.


    Sie muss an ihrem Verhalten und Konsum was ändern, du bist da nicht schuld.


    Alles andere, schau dich gerne um hier, wiederholt sich leider. Auch dein Fall.

    Wenn ich einen Tipp geben kann, dann schütze dich und deine Kinder.

    Wenn etwas möglich erscheint, mach ich das, wenn das nicht klappt gehts ans Unmögliche und ansonsten das undenkbare.

    EX Raucher! Es bringt nichts eine Brücke zu bauen für jemanden, der gar nicht auf die andere Seite will.

  • Danke Alex07 für deine Worte.


    Meine Kinder und mich zu schützen ist hier oberste Priorität. Ich bzw wir haben glücklicherweise auch die Möglichkeit dazu, weil wir uns räumlich distanzieren können.

    Ich mache mir aber ebenfalls große Sorgen um meinen Vater, denn er kann sich leider nicht einfach mal so mir nichts dir nichts auf Abstand begeben. Er war jetzt im Frühjahr für 3 Wochen im Urlaub, weil mein Bruder und ich ihm dazu geraten haben. Zwischenzeitlich denkt er darüber nach, alles hinzuscheißen und zurück in seine Heimat zu gehen.

    Ich kann seine Gedanken absolut nachvollziehen und er hätte auch meine volle Unterstützung. Doch dann sagt er, dass er sie ja so nicht alleine lassen kann. Das hätte sie nicht verdient…aber er hat es doch auch nicht verdient jetzt so leben zu müssen.

    Und er versteht nicht, dass er ihr Handeln mit dieser Art seines Handelns im weitesten Sinne unterstützt und ihr quasi den Weg frei macht.


    Meine Mutter ist nicht gut auf mich zu sprechen, weil ich die Situation genau so kommunizieren, wie sie ist! Und das ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Auch gegenüber der Öffentlichkeit decke ich sie nicht; so weit sind mein Vater und mein Bruder mittlerweile auch. Sie tut es immer ab und meint, dass wir maßlos übertreiben. Da könnte ich am Telefon explodieren 🤯 meine aktuellen Überlegungen gehen dahin, dass es vielleicht sinnvoll wäre, wenn SIE die häusliche Gemeinschaft verlassen muss. Vielleicht merkt sie, wenn sie alleine ist ja, dass es so nicht weiter gehen kann.


    Was mich fertig macht ist die Hilflosigkeit.

  • Hallo Rike76,


    ich kenne diese Hilflosigkeit, auch ich versuchte mehr als 10 Jahre meinem Alkoholiker-Vater zu helfen und mußte einsehen, daß ich absolut machtlos war!

    Ich regte mich nur auf, verzweifelte und nahm selbst Schaden. Ich konnte das alles nicht verstehen, wie ein Mensch so abdriften kann. Ich mußte einsehen, wenn der Alkoholiker nichts tut, sind alle anderen machtlos. Man kann nur zusehen, wenn man es erträgt oder sich abwenden, um sich selbst und seine Familie zu schützen.

    Meiner Mutter und meiner Schwester ging es ähnlich.

    Gern würde ich dir einen Tip geben oder dir Mut zusprechen, das kann ich aber nicht, das würde bedeuten, die Augen vor der Realität zu verschließen.


    MfG

  • Hallo und willkommen Rike,


    wenn Angehörige die Sucht des Alkoholikers öffentlich machen, sind sie meistens die Bösen. Der oder die Betroffene sieht sich oft als Opfer und "ist doch alles nicht so schlimm".


    Innerhalb vom Familienkreis ist die Reaktion auch unterschiedlich, mein Exmann war Alkoholiker und seine Eltern, vor allem die Mutter, konnte und wollte das nicht wahrhaben. Auch da war ich, als die, die dann darüber sprach, die Böse. Das ist leider so. Ich finde es gut, dass du und dein Vater und Bruder, dass ihr das mittlerweile nicht mehr vertuscht.


    Dass du dich abgrenzt. Dein Vater hängt in der Coabhängigkeit fest, das ist nochmal so ein Thema für sich. Du kannst, wenn du magst, ein wenig hier bei den Cos lesen. Da wirst du die Situation deines Vaters erkennen. Aber wie der Alkoholabhängige kann auch der Partner nur sich alleine retten. Das kann niemand anderes für ihn tun.


    Wenn du dich weiter austauschen möchtest kannst du dich hier bewerben:


    Bewerbung - Alkoholiker Forum
    Bewerbung für die Teilnahme am Forum
    alkoholiker-forum.de


    Liebe Grüße

    Aurora

    "Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist "gestern", der andere "morgen". Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist."

    (Dalai Lama)

  • Liebe Rike,


    hier kannst du dich nun weiter austauschen. :) .


    Liebe Grüße

    Aurora

    "Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist "gestern", der andere "morgen". Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist."

    (Dalai Lama)

  • Hallo Rike! Willkommen im Forum!


    Ich habe selber eine depressive, alkoholkranke Mutter und zwei Kinder im Alter von 1,5 und 3,5 Jahren. Meine Mutter ist vor einem Jahr notgedrungen abstinent geworden (Einlieferung Psychiatrie, wegen passiv-suizidaler Depression, sie war zu depressiv um sich Alkohol zu besorgen) und fängt in den letzten Monaten zaghaft an, an einer stabilen, zufriedenen Trockenheit zu arbeiten.

    Wir haben sie auf ihren Wunsch hin in unsere Nähe umgezogen und ich habe ihr klipp und klar gesagt: an dem Tag an dem du wieder zur Flasche greifst, brech ich den Kontakt ab. Dann siehst du deine Enkel nicht mehr und kannst deine Angelegenheiten mit dem Sozialdienst regeln.

    Sie weiß also genau, so wie deine Mutter auch, was die Konsequenzen ihres Handelns wären oder sind.

    Eine besoffene Oma ist den Enkeln schlicht und ergreifend nicht zumutbar! Finde ich. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf und mag sie noch so lustig sein und toll mit den Kindern spielen. Ich würde meine Kinder ja auch nicht einer betrunkenen Kindergärtnerin anvertrauen.


    Ich lese Schmerz und Verlust hinter deinen Zeilen und verstehe es sehr gut! Man hat nur eine Mutter und die hinterlässt ein so großes Loch wenn sie sich einfach davon säuft… ;(


    Ich würde genauso handeln wie du und ich finde dich sehr stark in deinem Auftreten der Familie / Öffentlichkeit gegenüber und bin so etwas wie stolz auf dich. Du lässt nicht zu, dass sich deine Mutter hinter dem Schweigen mit ihrer Sucht verstecken kann und das erhöht die Chance, dass sich was ändert. Ihre Sucht hat Konsequenzen, die sie schmerzen… gut so, dann ist es nicht bequem weiter zu trinken und du hast ihr ja auch den Ausweg gezeigt: Hör auf zu trinken und du kannst deine Enkel sehen.


    Bei meiner Mutter haben die Geburten meiner Kinder nichts bewirkt, Depression und Alkoholsucht sind stärker als Töchter und Enkel. Sie helfen ihr höchstens trocken zu bleiben weil sie jetzt weiß, was sie verliert, sollte sie wieder trinken.


    Ich wünsch dir Frieden für dich und die Deinen.


    Liebe Grüße


    Alba

  • Hallo Rike,


    auch ich möchte Dich hier im Forum herzlich Willkommen heißen.


    Ich bin Ehefrau eines alkoholerkrankten Partners und beide sind wir Großeltern von einer Schar herzallerliebster Enkelkinder.

    Als die Sucht meines Mannes offensichtlich wurde, besprach ich im Familienkreis den Umgang mit einem Vater, Schwiegervater und Großvater im betrunkenen Zustand bzw. in seinen nassen Phasen.

    Meine Kinder und ich stellten zusammen klare Regelungen auf, was wir dahingehend an Verhaltensweisen bei ihm nicht tolerieren, akzeptieren wollten, bildeten eine Einheit, damit es zwischen ihnen und mir keine Streitigkeiten aufgrund dessen gab, gerade auch zum Schutz der Enkelkinder.


    Alkoholerkrankte Menschen zeigen kein Verantwortungsgefühl und können dadurch schwierigste Situationen mit ihren Konsequenzen nicht mehr überblicken.

    Daher durfte mein Mann z.B. unsere Enkelkinder nicht im Auto mitnehmen, denn er trank dort heimlich Alkohol.

    Befand er sich in seiner nassen Phase, wollte seine Enkelkinder und Kinder besuchen, blieben die Türen für ihn zu, auch bei Feierlichkeiten, wie Geburtstage usw.

    In diesen Zeiten sah ich meine Enkelkinder in ihren Elternhäusern, nahm sie nicht mit zu uns nach Hause.

    Konfrontationen mit ihrem betrunkenen Großvater konnte ich ihnen dadurch ersparen.


    Ich war sehr konsequent in meiner Haltung, um meine Kinder und deren Familien vor den Auswirkungen der Suchterkrankung ihres Vaters, Schwiegervaters und Opas zu schützen. Das heißt nicht, dass sie vieles trotzdem natürlich mitbekommen haben, er oft Thema war, aber durch Grenzen aufzeigen und eine einheitliche Sprache im Umgang mit seiner Sucht, ersparte ich mir ständige Auseinandersetzungen im Familienkreis.

    Meine Kinder dankten es mir, dass ich mich so klar positionierte, denn auch sie trugen ambivalente Gefühle gegenüber ihrem Vater in sich.....dürfen wir die Grenzensetzung zulassen, denn schließlich ist er unser Vater und Opa unserer Kinder?!


    Ich konnte ihnen aber einen wichtigen Aspekt vermitteln, dass sich ihre Wahrnehmung richtig anfühlt, einem alkoholerkrankten beratungsresistenten Familienmitglied trotz "Vater- Kindgefühle", die Grenze aufzeigen zu dürfen, sich nicht in den Sog eines familiären Suchtsystems reinziehen zu lassen, den Fokus auf sich und die Bedürfnisse eines friedlichen Lebens ihrer Familien zu lenken.


    Leider ist Dein Vater noch sehr in der CO Abhängigkeit verhaftet und gerade deshalb kann ich Dir nur anraten, weiterhin Deinen konsequenten Weg in der Alkoholerkrankung mit Deiner Mutter zu gehen.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Mut und Kraft, Dich durchzusetzen.


    Liebe Grüße,

    Christrose

  • Ich möchte kurz anmerken.....mein ältestes Enkelkind im Grundschulalter, welches die Suchterkrankung ihres Großvaters sehr bewusst wahrnahm, litt ebenfalls unter dem Kontaktverlust, wie Deine Kinder.

    Wir konnten ihre Ängste und Sorgen auffangen, in dem ihre Eltern und ich sie kindergerecht, altersentsprechend über eine Suchterkrankung und ihre Folgen aufklärten, ihre Fragen dazu immer offen und ehrlich beantworteten oder ihre Wahrnehmung der Trunkenheit bestätigten, wenn sie anfänglich den Alkoholkonsum ihres Großvaters aus dem Mund bei einem Kuss roch.


    Auch wurde meinem Enkelkind immer wieder versichert, dass der Opa sie trotzdem weiterhin sehr lieb hätte und sie sich seiner Liebe sicher sein konnte, auch wenn sich beide nicht sehen durften und vor allem keiner Schuld an seiner Erkrankung hatte.

    Das hat ihr in der Verarbeitung sehr geholfen und konnte durch die schwere Zeit ein wenig hinweg trösten.

  • Linde66

    Hat den Titel des Themas von „Hilfe als Angehöriger“ zu „Rike76 - Hilfe als Angehöriger“ geändert.
  • Vielen Dank für das Verständnis, das einem hier entgegen gebracht wird :love:


    Mit unseren Kindern sprechen wir viel über die Situation und nehmen ihre Sorgen und Ängste sehr ernst. Die Gespräche sind meist sehr tränenreich und emotional. Aber für das Seelenheil, glaube ich, unerlässlich. Sie sagen immer wieder, wie sehr sie ihre Großmutter lieben und vermissen. Wir bestärken sie auch darin, dass sie das auch sollen und Oma sie auch sehr liebt! Nur das Oma wegen ihrer Krankheit im Moment leider nicht für sie so da sein kann, wie sie es vielleicht möchte.

    Auch kommt oft die Frage auf, ob ich böse mit Oma bin, weil wir uns am Telefon „streiten“. Streiten ist es eigentlich gar nicht, aber ich finde deutliche Worte auf die Anfeindungen meiner Mutter. Sie sind leider oft unangemessen und unfair. Aber auch das gehört ja leider in das Krankheitsbild. Und das versuche ich ihnen dann so gut es geht kindgerecht zu erklären. Was nicht immer leicht fällt.

    In der Regel versuche ich diese Gespräche zu vermeiden, wenn die Kinder in der Nähe sind, aber das gelingt leider nicht immer. Sie ruft mich immer an, wenn sie genug getrunken hat und dann scheinbar genug „Mut“ zusammen hat, um mich anzugehen…mittlerweile bin ich schon am Überlegen, ob ich überhaupt noch an das Telefon gehe, wenn ich sehe, dass sie es ist und am liebsten würde ich ihr auch noch die Telefonate mit den Kindern verbieten, aber dazu habe ich mich bislang noch nicht durchringen können. Aber ich denke, dass das der nächste Schritt wird.


    Mit dem Großvater haben wir die Regelung getroffen, dass er zu uns kommt oder etwas schönes mit den Kindern unternimmt (Angeln, Eis essen,…)

    Er leidet sehr unter der Situation, weil seine ganzen sozialen Kontakte im Laufe der letzten beiden Jahre nicht mehr bei ihnen zu Hause stattfinden, weil niemand mehr zu ihnen kommen möchte. Wir sind aktuell darüber am Nachdenken, ob unsere Mutter aus der gemeinschaftlichen Wohnung ausziehen muss. Denn unser Vater hat ein solches Leben nicht verdient. Aber das ist schwer…und bevor eine solche Konsequenz angesprochen oder ausgesprochen wird, muss alles stehen.

  • Hallo Rike,


    Dein Beitrag liest sich sehr konsequent und geradlinig. Du bist damit auf dem richtigen Weg.

    Deine Kinder werden im Laufe der Zeit die belastende Situation bestimmt akzeptieren und verstehen lernen, zumal Du sie in ihrem Schmerz und in ihrer Trauer so toll auffängst.

    Natürlich ist die Konsequenz aus dem Suchtverhalten Deiner Mutter sehr hart, aber es geht hier in erster Linie um den Schutz der Enkelkinder und nicht um ihre Bedürfnisbefriedigung unter derartig schlimmen Bedingungen.

    Deine Mutter hat die Möglichkeit, ihr Leben zu verändern, um die Enkelkinder wiedersehen zu können.

    Es steht ganz allein in ihrer Verantwortung, Einsichtsfähigkeit zu entwickeln, um Hilfe anzunehmen.


    Die Telefonate würde ich nicht annehmen, um mich vor ihren Eskapaden zu schützen.

    Die Dynamik, die sich in solchen fruchtlosen telefonischen Gesprächen entwickelt, bringt keine Lösung des Problems.

    Im Gegenteil, sie macht traurig, wütend und verletzt die Seele.

    Deine Kraft, die Du dafür aussichtslos verschwendest, kannst Du besser in ein friedliches Leben mit Deiner Familie setzen.


    Für Deinen Vater wird der Weg leider schwierig bleiben, sollte er sich nicht aus seiner CO Abhängigkeit lösen können.

    Du kannst ihn dabei auch nur im gewissen Rahmen als Tochter beraten und unterstützen z.B. Beratungsangebote für Angehörige alkoholkranker Partner anzunehmen und zu finden.


    Letztendlich muss Dein Vater entscheiden, welche zukünftige Lebensqualität er leben möchte......ob er bleiben oder gehen will oder seine Ehefrau zum Auszug bewegen kann.


    Liebe Grüße,

    Christrose

  • Rike76


    Toll, wie du das deinen Kindern vermittelst! Sehr einfühlsam, trotz der Schwere der Situation.


    Und noch einen Daumen hoch, daß du klar siehst/sagst, daß sie für die Krankheit nichts kann. Du schleppst eine riesen Last mit dir herum und differenzierst dennoch.

    Mir als Alki tun solche Worte gut und spornen an.


    Danke dafür,

    Hera*

  • Guten Morgen,


    Deine Mutter hat die Möglichkeit, ihr Leben zu verändern, um die Enkelkinder wiedersehen zu können.

    Es steht ganz allein in ihrer Verantwortung, Einsichtsfähigkeit zu entwickeln, um Hilfe anzunehmen.

    Christrose: genau das sind immer wieder meine Worte an sie. Sie weiß, was passieren muss, damit sie ihre Enkel wieder sieht. Es gibt klare Auflagen.

    1. Entgiftung

    2. Therapie

    3. Trocken bleiben

    Und ihre Familie steht hinter ihr und ist bereit den Weg mitzugehen.

    Mir ist klar, dass sie den steinigsten Teil dieses Weges gehen muss….aber im Moment ist sie noch nicht soweit. Sie hat ihrer Meinung ja kein Problem!


    Wenn sie das erfüllt, dürfen unsere Kinder sofort wieder zu ihr. Und erfüllt sie sie nicht, hat es die Konsequenz, dass sie die Kinder nicht sieht.

    Auch gibt es die Auflage nüchtern zu sein, wenn der „Familienrat“ tagt, um mal wieder darüber zu sprechen, wie es denn weiter gehen soll. Doch leider klappt das auch nicht mehr…am Dienstag hat mein Bruder die „Sitzung“ das erste Mal boykottiert, weil sie die Auflage nicht eingehalten hat. Langsam kommt er auch an den Punkt, dass sie sich nur selber helfen kann und dafür ganz unten sein muss. Ich gehe nicht mehr hin, weil es immer ohne Ergebnis ist bzw sie hoch und heilig verspricht etwas zu ändern und nichts passiert.

    Und dafür brauche ich keine Lebenszeit mehr verschwenden. Die Zeit nutze ich lieber sinnvoll für meine Kinder.


    Ich möchte, dass meine Kinder einen „gesunden“ Umgang mit Alkohol lernen. Wenn man da überhaupt von gesund sprechen kann. Sie kennen es von zu Hause nahezu gar nicht, dass Alkohol getrunken wird oder welcher im Haus ist. Wenn hier Wein, Bier oder Schnaps im Haus ist, dann steht eine Feier an. Und wenn die Feier vorüber ist, werden die Reste im Ausguss entsorgt, bzw nach Wochen abgelaufenes Bier weggeschüttet. Die Weinflaschen, die man mal so geschenkt bekommt werden mit den Namen der Schenkenden versehen, damit wir sie nicht aus Versehen an diejenigen zurückschenken 🙈🙉🙊


    Manchmal erschrecke ich mich selbst davor, wie geradlinig und konsequent ich bin und es macht auch manchmal ein wenig Angst. Aber es ist für mich auch eine Art Selbstschutz und ich habe festgestellt, dass es mir mit einem solchen Handeln viel besser geht und auch meinen Kindern.


    Hera: Es ist für mich ganz wichtig, dass die Kinder verstehen, dass viele Verhaltensmuster ihrer Großmutter der Krankheit geschuldet sind. Sie sagen, dass sie ihre alte Oma wieder haben möchten. Das macht traurig und schmerzt zu hören, wie sie sehen und erkennen, welche Wesensveränderungen durch den Missbrauch von Alkohol entstehen. Ihr Onkel (der Bruder meines Mannes) ist seit 13 Jahren trockener Alkoholiker. Die Geburt unseres ersten Kindes hat ihn dazu veranlaßt in Therapie zu gehen. Denn er wollte Patenonkel werden. Er hat es geschafft! Zur Taufe war er „durch“ und er hält bis heute durch. Wir sind sehr stolz auf ihn und er ist ein echt toller Patenonkel für die Kinder. Die Kinder kennen seine Geschichte und machen schon von alleine eine Kanne Kaffee, wenn Onkel XXX anruft und zu uns kommen möchte :love:

  • Hallo Rike,


    lieben Dank für Deine Antwort.


    Ja, das ist leider die schlimmste verzweifelte Tatsache für Angehörige, dass durch die Alkoholerkrankung, Vernebelung der Sinneswahrnehmung, unsere Familienmitglieder sich nicht erkrankt sehen und fühlen, sie kaum Leidensdruck verspüren, etwas verändern zu wollen.

    Wir strampeln uns mit Hilfsangeboten, Unterstützungen, endlosen Gesprächen usw. ab und müssen dennoch sehenden Auges zusehen, wie der geliebte Mensch untergeht.

    Das tut weh!


    Aber wir haben es in den Händen, von der Krankheit unser Leben nicht zerstören zu lassen.

    Deshalb finde ich es ausgesprochen konsequent, wie Du Dich und Deine Familie hartnäckig positionierst, Eurer Mutter Grenzen aufzeigt. Das kann ich nur unterstützen, weil auch unsere Familie zum Schutz aller so handelte.

    Auch wenn es noch so weh tut, nur mit einer klaren Haltung, könnt ihr Euch vor dem ganzen Desaster retten.

    In den Sog des alkoholkranken Angehörigen wird man sonst unweigerlich mitreingerissen.

    Das scheint Dein Bruder für sich jetzt erkannt zu haben....."Rette sich wer kann!"...und boykottierte deshalb den " Familienrat" .....1000% nachvollziebar.

    Ebenfalls gehst Du nicht mehr zu Deiner Mutter nach Hause. Ihre Uneinsichtigkeit, ist die natürliche Konsequenz des Selbstschutzes.


    Den absoluten Fokus auf sich und sein Leben zu richten, ist in der Beziehung zu einem alkoholkranken Angehörigen der wichtigste Schritt.....das hast Du gut erkannt und brauchst wirklich darüber nicht zu erschrecken, obwohl ich das gleiche Gefühl kenne.

    Empfand ich mich und mein Handeln in dieser Zeit sehr hart, um nicht zu sagen " eiskalt ", aber überlebenswichtig.

    Bei mir waren es Wut und Enttäuschung über meine sinnlos abgestrampelten Jahre im Alkoholsumpf, und in erster Linie natürlich Verantwortungsgefühl meinen Kindern und deren Familien gegenüber, die mein konsequentes und geradliniges Handeln im Familienkreis leiteten und nahezu beflügelten.


    Die Reflexionsbereitschaft meines Mannes über sein damaliges Verhalten durch die Alkoholsucht in der Familie, ist mittlerweile therapeutisch in Gang gekommen. Das gehört mit zum Konzept der Suchtaufarbeitung

    und hat jetzt im unvernebelten Zustand, tiefe Spuren der Scham bei ihm hinterlassen. Er entschuldigte sich überraschenderweise bei allen Familienmitgliedern für das, was er ihnen damit angetan hätte.


    Liebe Grüße und alles Gute,

    Christrose


    Glückwunsch an Deinen Schwager für schon 13 Jahre Abstinenz, eine wahrlich tolle Leistung!

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