Schmidtty - Endlich weg vom Alkohol

  • Liebe Schmidtty,

    ich habe gerade deine letzten Beiträge gelesen, und bin richtig wütend.

    Deine Familie nutzt deine Krankheit und dein schlechtes Gewissen für die Vergangenheit schamlos aus, um dich zu schikanieren.

    Du hast dein Leben geändert, dafür verdienst du Respekt.

    Du kannst stolz auf dich sein, und das sollten sie auch sein.

    Ganz liebe Grüße

    Cat-Mom

  • Hallo zusammen,

    hier bin ich mal wieder. Mir geht’s soweit ganz gut. Allerdings ist es auf der Arbeit gerade extrem stressig. Ich merke ganz deutlich, dass ich da vorsichtig sein muss, weil ich auf keinen Fall mehr in eine Situation kommen möchte, die meine Abstinenz gefährdet. Unschön ist natürlich, dass Kollegen mehr machen müssen, wenn ich kürzer trete, aber ich bin mir da jetzt mal selbst die Nächste.
    Dennoch fällt es mir schwer. Ich habe einfach allem und jedem gegenüber ein schlechtes Gewissen, obwohl ich weiß, dass ich das nicht in diesem Ausmaß müsste. Da kommen dann auch immer wieder Gedanken, ob ich meinen Kollegen nicht doch sagen sollte, was mit mir los ist. Schwierig…..

    Sorry fürs zuspammen….

    Schmidtty

  • Guten Morgen Schmidtty,

    Stress im Job kenne ich auch sehr gut. Es hilft oft einfach mal durchzuatmen und die Situation zu verlassen.

    Da kommen dann auch immer wieder Gedanken, ob ich meinen Kollegen nicht doch sagen sollte, was mit mir los ist. Schwierig…..

    Es reicht eventuell auch, wenn Du mit Deinem Vorgesetzten redest und sagst, dass Du Dich sehr gestresst fühlst und Unterstützung brauchst.

    Denn es nützt ja nichts, wenn Du Dich übernimmst und dann länger arbeitsunfähig geschrieben wirst. Da brauchst Du Dich noch nicht mal genauer auszudrücken, z.B. dass Du Bedenken hast, rückfällig zu werden.

    Genau das habe ich bei meiner Vorgesetzten getan und habe Rückendeckung, falls ich etwas mehr Pausen brauche.

    Sorry fürs zuspammen….

    Dafür ist doch unsere SHG da, Schmidtty!

    Hier kannst Du Deine Gedanken und Nöte lassen! Genau dafür bist Du hier!

    Du wirst gelesen, also immer raus damit!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Dennoch fällt es mir schwer. Ich habe einfach allem und jedem gegenüber ein schlechtes Gewissen, obwohl ich weiß, dass ich das nicht in diesem Ausmaß müsste. Da kommen dann auch immer wieder Gedanken, ob ich meinen Kollegen nicht doch sagen sollte, was mit mir los ist. Schwierig…..

    Ich habe es für mich vorgezogen, bei der Arbeit nichts zu sagen.
    Jeder hat mal einen ‚schlechten Tag‘ und auch mal mehrere. Da ist es völlig unerheblich, warum das so ist….finde ich.

    Mir hilft es ganz doll, hier alles aufzuschreiben, was mir auf dem Herzen drückt. Dann ist es erstmal raus und vieles wird dadurch leichter….und auch klarer.
    Schreiben dauert länger als denken. Und beim Schreiben sind meine Gedanken erstmal bei dem Satz, den ich gerade schreibe. In Gedanken überholen sich die einzelnen Wörter oft selbst und so kann doch dabei gar kein vernünftiger Satz rauskommen.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Da kommen dann auch immer wieder Gedanken, ob ich meinen Kollegen nicht doch sagen sollte, was mit mir los ist. Schwierig…..

    Wenn es mich belastet und meine Nüchternheit infrage stellt, gehe ich offen damit um. Heimlichtuerei hilft nicht wirklich. Dass es verschieden aufgenommen wird, ist klar, aber alles ist besser, als wieder zu trinken.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Liebe Schmidtty,

    ich finde es wichtig einen Gang runter zu schalten - um deiner Abstinenz und Gesundheit willen. Das Gefühl mit dem schlechten Gewissen kenne ich verdammt gut. Auch ist es so, dass ich vorallem im Job ganz oft 200 % gebe, weil ich mir einbilde, meinen "Makel" (suchkrank) ausgleichen zu müssen, obwohl niemand etwas davon weiß. Leistung und ein vollkommen überzogener Anspruch an mich selbst & schon stolpere ich in eine Abwärtsspirale.

    Ich übe in kleinen Schritten. Z.B. schreie ich nicht mehr gleich "Hier!", wenn andere wieder delegieren wollen. Ich mache auch wenn es geht keine Überstunden mehr oder nehme mir Arbeit mit nach Hause etc. Vielleicht kannst du erstmal für einen bestimmten Zeitraum deinen Stundenumfang ganz offiziell reduzieren?

    Ob du jemandem in der Firma von deiner Thematik erzählen sollst, musst du selbst herausfinden. Es kommt glaub ich wirklich auf den Laden an...und ob du es aushalten kannst, event. anhand deiner Problematik bewertet zu werden und nicht an dem wer du noch bist und was du kannst/ leistest.

    Lieben Gruß

  • Hallo Schmidtty,

    Da kommen dann auch immer wieder Gedanken, ob ich meinen Kollegen nicht doch sagen sollte, was mit mir los ist. Schwierig…..

    Ob man sich outet oder nicht, und wenn ja wie, diese Frage muss sich früher oder später jeder Alkoholiker beantworten.
    Jeder praktiziert das anders. Jeder geht seinen eigenen Weg diesbezüglich.

    Bei mir weiß es meine engste Familie und meine Ärzte.

    Wenn ich mich als Alkoholiker oute, hat das den Vorteil, dass mein Umfeld mich nicht unwissentlich in gefährliche Situationen bringt.

    Gerade im beruflichen Umfeld kann das nur der Betroffene selbst entscheiden, da er die Umstände und die Menschen kennt.

    Ich würde mich jedoch nicht mit der Erwartungshaltung outen, damit ich von meinem Umfeld Rücksichtnahme bekomme.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ja, das stimmt. Ich möchte eigentlich nicht, dass mein berufliches Umfeld speziell Rücksicht auf mich nimmt und erst recht nicht möchte ich mich als Alkoholikerin outen. Mir geht es eher um das Verständnis, wenn ich eben nur noch 40 Stunden arbeite und keine 55. Ich packe das einfach nicht mehr, brauche mehr Erholungszeit als früher. Allein, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, fühlt sich falsch an. Ich habe nicht das Gefühl, dass man mich in Watte packen muss, aber ich muss einfach ein oder zwei Gänge runterschalten.

  • Wieso rechtfertigen ? Du wirst dann ja auch nur für 40h bezahlt.
    Wenn 55h die Wochenstunden sind, dann ist das sowieso erheblich über dem Üblichen und nicht gerade der Gesundheit zuträglich.
    Die 55h werden einen Grund haben und wenn es nur falsch verstandene Wertschätzung des Arbeitgebers ist.
    Ein verantwortungsbewusster Arbeitgeber oder Chef wird dafür Verständnis haben,
    denn es nützt ihm nichts, wenn Du irgendwann zusammenklappst und dann für länger ausfällst.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Genau. Meine Erfahrung: Je selbstbewusster Du es vertrittst, desto eher wird es akzeptiert. Dazu musst du aber erst mal selbst Verständnis für Dich aufbringen.

    Und: Für das Verständnis Deiner Chefs/Kollegen kannst Du Dir weder Brötchen noch Gesundheit kaufen!

  • Ich möchte eigentlich nicht, dass mein berufliches Umfeld speziell Rücksicht auf mich nimmt und erst recht nicht möchte ich mich als Alkoholikerin outen.

    Lies Dir das nochmal durch und versuche Dir mal bewusst zu machen was da inhaltlich drinsteckt.

    Wenn Du 55 statt 40 Std. die Woche arbeitest, nimmt sowieso niemand Rücksicht auf Dich. Es hat sich wohl als selbstverständlich eingespielt.

    Du brauchst Dich nicht als Alkoholiker outen wenn Du Nachteile befürchtest, gesundheitliche Probleme würden reichen als Angabe. Mehr müsstest Du eh nicht erzählen. Eigentlich würde die Angabe, das Du mehr Zeit für Dich brauchst ja völlig reichen. Es geht schlicht niemanden etwas an.

    Alles eine Frage wie Du es rüberbringst. Stichwort Selbstvertrauen.

    Das eigentliche Problem liegt aber vermutlich bei Dir.

    Du schämst Dich krank zu sein, ??

    und dann auch noch so eine " gesellschaftlich fragwürdige Erkrankung" die man niemandem erzählen kann, wo alle denken das es nur eine Willensfrage ist.

    Du definierst vermutlich Deinen Wert über Deine Leistung. Wenn Du weniger leistest in der Firma bist Du nichts mehr wert. Passt das?

    So funktioniert das aber nicht dauerhaft. Sehr kraftraubend und irgendwann kommt wieder der Griff zur Flasche.

    Du bist nicht am Leben um andere zufriedenzustellen und auch nicht dafür, das Dein Chef sich den dritten Wagen kaufen kann.

    Da wirst Du bald umdenken müssen und die Alkohokkrankheit gibt Dir die Gelegenheit dazu. Manchmal schmeisst Dir das Leben einen Knüppel zwischen die Beine. Das ist dann das Zeichen dafür, das Du etwas grundlegend ändern musst.

    lG WW

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

    Einmal editiert, zuletzt von Whitewolf (28. September 2024 um 00:21)

  • Ja, das stimmt wohl. Ich definiere mich zu einem Großteil über meinen Job und war zunächst auch froh, den nach der Rha behalten zu können. Meine Arbeitszeit habe ich aber deutlich verringert, weil ich merke, dass ich mehr Pausen brauche als noch vor ein paar Jahren.
    Und ich gebe zu, dass ich mich immer noch schäme, an solch einer Krankheit zu leiden. Ich würde es meinem Chef und meinen Kollegen niemals freiwillig sagen und auch im weiteren Bekanntenkreis behalte ich das für mich. Ich hatte einen Burnout (der ist nämlich im weitesten Sinne noch gesellschaftsfähig) und Punkt.
    Und ja, ich muss gewaltig aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr psychisch stresse, denn das war die Situation, bei der ich immer zum Alkohol gegriffen habe.

    Ich denke, ich hab’s kapiert, dass ich chronisch krank bin, aber die frühe Fixierung auf Leistung, damit andere (meine Eltern) mal stolz auf mich sind, die lässt sich nicht ganz so einfach aufheben…trotz Therapie….

  • Geht mir ähnlich.

    Früh gelernte Muster lassen sich nur langsam und mühevoll ändern, aber es ist möglich, denn der Mensch ist noch bis ins hohe Alter lernfähig!

    Auch beim Thema Leistung/Selbstausbeutung braucht es wohl einen persönlichen Wendepunkt, glaube ich, damit nicht nur der Kopf begreift, dass es so nicht weitergeht.

    Bis vor gut enem Jahr habe ich auch permanent viele Überstunden gemacht, gab ja immer so viel Wichtiges zu erledigen, und wenn ich es nicht mache...

    Bis eine Aktion meines Arbeitgebers mir endgültig gezeigt hat, dass er dies und auch die Qualität meiner Arbeit in keinster Weise wertzuschätzen weiß, aber bei seiner Personalplanung offenbar stillschweigend einkalkuliert .

    Das hat mich so schockiert, seitdem ist Schluss, ich kann und will keine nennenswerten Überstunden mehr machen, das habe ich auch deutlich gesagt und ziehe es jetzt auch konsequent durch: mein Leben, meine Gesundheit! (Da war ich noch nicht nüchtern, aber hier schon passiv dabei, ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Abstinenz.)

  • Rennschnecke ja, was Du sagst, kann ich auch komplett nachvollziehen. Gewürdigt wurde der ganze Aufwand nur, als ich noch rund um die Uhr verfügbar war. Jetzt werde ich teilweise betrachtet wie ein seltenes Insekt, wenn ich um 17:30 Uhr den Rechner runterfahre. Aber es ist eben meine Gesundheit und die ist mir extrem wichtig, nachdem ich viele Jahre Raubbau an meinem Körper und auch meiner Psyche betrieben habe.

  • eure Schilderungen erinnern mich gerade an unsere Jubiläumsfeiern. Da habe ich mir immer 4 Hände gewünscht:wink: 2 zum Anstands klatschen und 2 zum faule Tomaten werfen. Da ich aber mal nur 2 habe, habe ich die ganz still gehalten.

    Dieses Gesülze mag ich nicht, für max. wenige Stunden wird dir vorgebetet wie wichtig du bist und dass der Betrieb dich so dringend braucht. Diese Worte haben keinerlei Halbwertszeit.

    Ihr seid das wichtigste und ihr arbeitet um zu leben und nicht umgekehrt. Bleib konsequent Schmidtty


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Da stimme ich uneingeschränkt zu. Wen ein Mitarbeiter „umfällt“, wird er eben ersetzt und das geht so schnell wie man gar nicht gucken kann. Niemand ist unersetzlich auf der Arbeit. Privat aber vielleicht schon.
    Und dennoch muss man die abschätzigen Blicke erst einmal aushalten.

  • Genau, wir brauchen ein dickeres Fell, damit wir uns die Schuhe anderer Leute nicht mehr anziehen und der Suchtstimme keine Chance geben.

    Wenn die Blicke wirklich abschätzig sind, ist es vielleicht Neid, weil die anderen noch nicht so gut für sich sorgen können, es aber gern würden. War bei mir früher so ...

    Jetzt sehe ich mich eher als Trendsetter, deren Beispiel schon manche ( auf ihre Art, z.B mit Sabbatjahr) zu folgen scheinen ...

  • Ja, stimmt, immer mehr Leute machen ein Sabbatical. Bei uns ist es aber auch so, dass viele erst deutlich nach 9:00 Uhr ins Büro kommen. Da bin ich ja schon mindestens eine Stunde da. Ich habe aber keinen Nerv mehr, mich dafür zu rechtfertigen, dass ich dann vor allen anderen gehe. Wenn die keine Hobbys haben, kann das ja nicht mein Problem sein. Ich brauche Sport, Bewegung oder ein gutes Buch, um runterzukommen. Sonst geht das irgendwann wieder in die falsche Richtung.

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