Brettman - Sucht seit ca. 33 Jahren

  • Ich glaube, dass Alkohol einen Glücksfaktor von 12 hat und das ist schon schwer zu topen.

    Und wie hoch war der Glücksfaktor, wenn du besoffen nicht mal mehr dein Bett gefunden hast? Wieviel Glücksgefühl war da noch, wenn du aufgewacht bist und dir klar geworden ist, dass du es wieder nicht geschafft hast, keinen Alkohol zu trinken?

    Ich finde nicht, dass Alkohol überhaupt einen Glücksfaktor hat. Nicht bei uns Alkoholikern.

    Alkohol beseitigt die Entzugserscheinungen und die Sucht lies mich immer weiter saufen …obwohl mein Leben ansonsten ganz gut war…noch.

    Alkohol ist eine Droge, schreit nach immer mehr und schießt letztendlich jeden Alkoholiker immer weiter nach unten.

    Warum schwebst du gedanklich auf einer rosa Wolke und trauerst dem Alkohol so hinterher?

    Der Alkohol hat dich krank gemacht. Wenn du wieder zum Alkohol greifst, könnte das dein Todesurteil sein.

    Ein Glücksgefühl will bei mir da überhaupt nicht aufkommen.

    Mein Glücksgefühl ist, dass ich endlich nicht mehr saufen muss. Nüchtern leben schafft mir Freiheit. Mit Alkohol war ich gefangen, verdonnert dazu, immer weiter saufen zu müssen. Jetzt bin ich frei. Und dieses Glücksgefühl ist so einzigartig, da reicht 12 ganz lange nicht ran.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • … ich schwebe auf keiner Wolke und trauere nix hinterher. Ich verstehe das auch gar nicht. Bis zu dem Moment, in dem man als sabbernder Lappen gerade mal so ins Bett gefunden hat, wird das Rauschmittel schon irgendwas bewirkt haben. Bei mir war es ein durchaus als euphorisch zu beschreibender Zustand. Und das ist jetzt nichts Verherrlichendes oder Euphemistisches, sondern einfach nur die Wirkung einer Droge. Dafür ist der Mist eben da. Und selbst, wenn der Körper nur danach giert oder man lediglich das Zittern bzw. Schwitzen wegbekommen möchte, dann ist es doch ein angenehmer Zustand, wenn man genau das geschafft hat. Ich will hier nichts beschönigen, aber auch nichts verharmlosen. Alkohol wirkt und zwar zu jeder Tageszeit; das ist nunmal so. Und das heißt nicht, dass ich dem etwas Gutes attribuiere.

  • Ich finde nicht, dass Alkohol überhaupt einen Glücksfaktor hat. Nicht bei uns Alkoholikern.

    Alkohol beseitigt die Entzugserscheinungen

    👍

    Und genau das ist es, was mir damals ein Glücksgefühl vorgegaukelt hat. Das Beseitigen der Entzugserscheinungen. Bei mir waren es vor allem die psychischen.

    Beim Rauchen habe ich das ganz ähnlich erlebt.

  • Ich für mich habe mich extrem mit dem Thema glücklich sein auseinander gesetzt und kam zu dem Entschluss.

    Glück ist nichts dauerhaftes. Glück und Glücksgefühle sind IMMER (wenn nicht künstlich zum Nachteil des eigenen Körpers erzeugt) nur eine Momentaufnahme.

    Das was wichtig für mich ist, das ist Dankbarkeit und Zufriedenheit.

    Jeden Tag mache ich mir bewusst wofür ich dankbar bin. Vom Sonneneinfall auf das Feld, dem besonders leckeren Kaffee, ein gutes Gespräch bis hin zu einer Umarmung kann es alles sein. Also nicht nur die Großen sondern auch die kleinen Dinge des Lebens.

    Je mehr Dankbarkeit ich in mein Leben lasse, um so zufriedener werde ich.

    Und wenn ich zufrieden bin, dann kann ich tatsächlich Momente des Glücks wahr nehmen.

    Natürlich sind es weniger Momente als es mir damals der Alkohol vorgegaukelt hat zu sein. ABER sie sind dafür echt und mit keinen Nebenwirkungen behaftet.

    Durch meine Depression ist das eh ein schwieriges Thema für mich. Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen….

    Je länger du nüchtern bleibst lieber Brettman, je weniger Macht hat dieses Drecksding. Alkohol ist die beste Nahrung für Depressionen und je länger ich ihr diese entziehe, um so schwächer wird sie.

    Es lohnt sich durch zu halten. Habe jetzt 16 Monate keinen mehr getrunken und es geht mir so gut wie lange nicht mehr.

    Ja natürlich haben auch Therapie usw ihren Teil dazu beigetragen. Aber ich sehe das alles als ein Gesamtpaket, welches nur zusammen bei mir funktioniert hat. Weil Therapien hatte ich früher auch schon. Erst die Kombination der Veränderungen hat zum Erfolg geführt.

    LG

    Hope

  • Und wie hoch war der Glücksfaktor, wenn du besoffen nicht mal mehr dein Bett gefunden hast? Wieviel Glücksgefühl war da noch, wenn du aufgewacht bist und dir klar geworden ist, dass du es wieder nicht geschafft hast, keinen Alkohol zu trinken?

    Ich finde nicht, dass Alkohol überhaupt einen Glücksfaktor hat. Nicht bei uns Alkoholikern.

    Alkohol beseitigt die Entzugserscheinungen und die Sucht lies mich immer weiter saufen …

    Ich denke, mit dem Glücksfaktor ist hier die Dopaminausschüttung gemeint, die der Alkohol verursacht. Und das wird doch gerade auch bei Alkoholikern ausgeschüttet, wenn sie trinken?

    Und das Problem ist doch gerade dann das Absinken des Dopamins, weshalb das Hirn sofort wieder Alkohol haben will, um das Dopamin wieder hochzutreiben?

  • Liebe Alle,

    egal, ob nun Dopamin, Serotonin oder Endorphin, Glückshormone werden eben durch Drogen künstlich produziert oder ebenso nach oben geschraubt. Und daran gewöhnt sich das Hirn, der Mensch und man will es immer wieder haben. Dass sich irgendwann die Toleranz erhöht, man die Kontrolle verliert und sämtliche Interessen zu Gunsten dieses Zustandes zurück treten, ist jedem klar und nennt sich wohl Abhängigkeit. Ich weis nicht mehr, was bei mir zuerst da wahr. Huhn, Ei, Depression, Alkoholsucht. Ich tippe auf letzteres. Jedenfalls konnte ich selbst in meiner längsten Abstinenzphase nichts Ähnliches wie eine halbwegs befriedigende Zufriedenheit aufbauen. Ergo war die Phase unbewusst sowie von vornherein nicht auf Dauer angelegt, und das scheint mir mein Hauptproblem (gewesen) zu sein. LG

  • Servus

    das war deine Motivation und dann ging es auf das Konzert ;) . Die Vorhaben sind schon noch da? Oder mal etwas wieder in die Ferne gerückt?


    Zudem lese ich bei dir im groben nur ein Analysieren, was der Alkohol macht, was er bewirkt, wie es bei dir einschlägt. Was bringt dir das?

    Als ich trocken werden musste, konnte oder wollte, wusste ich ja genau, was der Alkohol mit mir machte. . Das ganze Analysieren brachte mir nichts, denn je länger ich mich damit befasste, schlich sich in den nassen Jahren immer wieder etwas Gutes mit ein. Dann hoch die Tassen, damit das alte Lied Saufen wurde wieder angestimmt.

    Nun gehöre ich nicht zu den trockenen Alkoholikern, die ihr ganzes Dasein oder die Saufzeiten aufgearbeitet haben oder sich immer wieder tiefenpsychologisch selbst analysierte. Mit warum, wieso, weshalb, wer ist schuld und was machte es mit mir konnte ich nichts anfangen.

    Ich war an dem Punkt angelangt, dass ich eben nicht mehr saufen kann. Dürfen ja, aber ich kann damit eben nicht mehr umgehen. Fertig! Kapitulieren und Akzeptieren. Egal welche Beweggründe da noch aufzuarbeiten wären.

    Ich hatte den Strich darunter gesetzt und mit pragmatisch an die Umsetzung solcher Sachen gemacht, wie du sie oben beschrieben hast ., Und zwar konsequent ohne Wenn und Aber, auch wenn ich da und da wie ein Bär im Käfig herumgestochert bin.

    Natürlich hat nicht alles Spaß gemacht, natürlich war da und da die Frage "bin ich bescheuert". Aber was war denn immer die Alternative? Nur das Saufen.

    Tun muss man Tun. Mein damaliger Spruch.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Brettmann,

    so ein bisschen verstehe ich deine Gedanken ja.

    Ich finde es nur nicht wirklich hilfreich auf dem Weg in ein zufriedenes nüchternes Leben, sich diese ‚Glücksgefühle‘ immer wieder als solche klar machen zu wollen.

    Nun kommt bei dir auch noch eine Depression dazu (oder war vielleicht schon vor der Alkoholsucht da). Zu dem Thema kann ich nix zu beitragen.

    Ergo war die Phase unbewusst sowie von vornherein nicht auf Dauer angelegt, und das scheint mir mein Hauptproblem (gewesen) zu sein.

    Und was ist jetzt anders?

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • …nö, die Vorhaben sind nicht mal wieder etwas in die Ferne gerückt und ja, analysieren hilft mir gerade. Und nichts ist anders. Ist das schlimm? So ganz verstehe ich nicht, was mir gegenüber zum Ausdruck gebracht werden soll. Nur so ist es richtig und anders wird das nix? Jedenfalls mache ich und habe nächste Woche Termine bei meinem Hausarzt und beim Psychiater. Psychologe ist urlaubsbedingt dann die Woche drauf dran. Die Depris hatte ich bereits im Vorstellungsbereich erwähnt. Mit meiner Frau fängt es auch gut, aber in Ruhe an. Ich melde mich, wenn ich getan habe. Aber vielleicht helfen SHGs tatsächlich nur beim trocken bleiben und nicht, um trocken zu werden, was man nach zwei Wochen ja definitiv noch nicht von sich behaupten kann. Danke.

  • Hartmut schreibt -

    Ich war an dem Punkt angelangt, dass ich eben nicht mehr saufen kann. Dürfen ja, aber ich kann damit eben nicht mehr umgehen. Fertig! Kapitulieren und Akzeptieren. Egal welche Beweggründe da noch aufzuarbeiten wären.

    Hartmut , Du schreibst auch über mich - so habe ich auch angefangen - Kapitulation - volle Kapitulation . Alkohol hat mich total kaputt gemacht.Ich war am ende.

    Brettman - will nicht Alk.trinken , aber immer noch kleine Tür ist offen .Meine Meinung,

  • Und nichts ist anders. Ist das schlimm?

    Keine Ahnung. Du wirst es merken.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich kein wirklich anderes Ergebnis bekam, wenn ich immer wieder das gleiche gemacht oder eben nicht gemacht habe.

    So ganz verstehe ich nicht, was mir gegenüber zum Ausdruck gebracht werden soll. Nur so ist es richtig und anders wird das nix?

    Es gibt kein richtig oder falsch.

    Hier kann jeder Erfahrungsberichte bekommen, vielleicht auch Vorschläge, auf jeden Fall aber Warnungen, die einem sehr wertvollen Erfahrungsschatz entspringen und ja niemanden ärgern sollen.

    Was nun jeder da für sich rauszieht, bleibt dem Einzelnen überlassen.

    Aber vielleicht helfen SHGs tatsächlich nur beim trocken bleiben und nicht, um trocken zu werden, was man nach zwei Wochen ja definitiv noch nicht von sich behaupten kann. Danke.


    Mir hat diese SHG vom 1. Tag an geholfen.

    Da wollte ich erstmal nur mit dem Saufen aufhören. Dass dies für immer sein soll, war mir allerdings schon am 1. Tag klar.

    Wie das funktioniert wusste ich aber auch nicht. Aus den unzähligen Berichten hier habe ich mir das rausgezogen, von dem ich dachte, das könnte für mich passen. Nicht mit allem konnte (und kann) ich mich anfreunden. Das heißt aber nicht, dass ich dies oder jenes nicht doch immer mal wieder in meine Gedanken mit aufnehme.

    Menschen sind nun mal verschieden. Nicht immer passt alles 1:1 für jeden. Offen bleiben für den Blick nach links oder rechts hilft mir, zufrieden nüchtern zu bleiben.

    Super finde ich, dass du Termine beim Hausarzt und beim Psychologen wahrnehmen möchtest. Alle Hilfe, die du bekommen kannst, solltest du auch erstmal nehmen.

    Du willst doch gesund werden.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Aber vielleicht helfen SHGs tatsächlich nur beim trocken bleiben und nicht, um trocken zu werden,

    da kann ich auch nur von mir schreiben.

    Bin hier trocken geworden und geblieben. Das seit 16 Jahren. Habe nichts, was geschrieben worden ist, als einen persönlichen Angriff gesehen, sondern als Möglichkeiten, die mir helfen "können" nicht müssen. . Andere Erfahrungen und die Lupe genommen.

    Ich halte nur nichts von irgendwelche hypothetischen Annahmen.


    Brettman - will nicht Alk.trinken , aber immer noch kleine Tür ist offen .Meine Meinung,

    Weiß ich nicht. Kann nur der Alkoholiker selbst, wissen, ob er damit endgültig abgeschlossen hat oder nicht.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Liebe Alle,

    egal, ob nun Dopamin, Serotonin oder Endorphin, Glückshormone werden eben durch Drogen künstlich produziert oder ebenso nach oben geschraubt. Und daran gewöhnt sich das Hirn, der Mensch und man will es immer wieder haben.

    Ich weiss nicht wie sich bei Dir der Entzug gezeigt hat, mit welchen Symptomen Du da unterwegs warst.

    Bei mir war das was da aufgetreten ist die Folge einer schweren Vergiftung des zentralen Nervensystems und des Gehirns.

    Alkohol ist ein schweres Nervengift. Das geht manchmal etwas unter. Unverdünnt zu 100% tödlich.

    Natürlich kommen da auch die Hormone durcheinander.

    Allerdings denke ich, das war das kleinste Problem.

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • … also, eine Hintertür möchte ich mir nicht offenhalten. Ergäbe letztlich auch keinen Sinn, denn fürs Saufen brauche ich mich nicht im 0,00‰-Forum zu tummeln, dann cutte ich halt und alles wird wieder schön bunt oder vielmehr blau.

    Ich sehe ein, dass es etwas ungünstig zu vermitteln ist, welche vermeintlich positiven Effekte der Alkohol für mich hatte. Außerdem bin ich neu und versuche gerade, mich zu orientieren und da bin ich für das hiesige Erfahrungswissen sehr dankbar. Trotzdem erachte ich eine kurze Selbstanalyse für zumindest nicht schädlich oder gar verkehrt; aber natürlich jeder so, wie er meint.

    Alkohol hat immer sehr viel Druck von mir genommen. Offensichtlich kann ich mit Druck nicht adäquat umgehen. Aber was auch immer es ist, weiter gegen die Sucht zu kämpfen und insofern die Krankheit zu stoppen, lohnt sich uneingeschränkt; was schon immer klar war, nur einfach nicht umgesetzt wurde. Letztlich bin nicht der Einzige auf der Welt, der über den Rausch versucht hat, eine innere Leere und/oder einen Interessenmangel auszugleichen.

    Ich will mich aber nicht beschleunigen, was ich bereits erwähnt hatte. Auch wenn heute ein Tag war, an dem ich meinen Notfallkoffer in Form von Jalapeno aus dem Glas (also scharf essen) öffnen musste und daher weiß, dass es eigentlich schnell gehen muss, will ich auch Kraft aus der Ruhe schöpfen. Und das hat nichts mit Verdrängen, Verschieben oder Verleugnen zu tun. Soweit, so mittelmäßig.

    Kleiner Side Fact am Rande (putziges Wortspiel): Als Selbstzahler muss ich bei der von mir bevorzugten Klinik 10% der Behandlungskosten im Voraus zahlen (habe mich den Modalitäten erkundigt). Läuft mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Kleinkredit hinaus, von dem man keine Ahnung hat, ob es gut investiertes Geld ist. Das hemmt mich zwar, soll aber keine Rechtfertigung oder Entschuldigung darstellen. Nur sind ca. 7,5 K auch nicht mal eben so aus der Hüfte geschwitzt.

    Nicht, dass ich mich angegriffen gefühlt habe, aber dieses "Zitat eingefügt" und du hast was geschrieben, was unbedingt kritisch kommentiert werden muss, aber ggf. aus dem Kontext genommen wurde, war zunächst etwas irritierend. Ist halt Austausch und man muss sich auch an sperrige Meinungen gewöhnen; jeder nur für sich.

    Natürlich soll man bei 15 -20 Jahre der Abstinenz (und selbstverständlich auch darüber hinaus) Stolz auf das Erreichte sein. Aber es gibt eben Menschen, die noch nicht so weit sind und jeder stand irgendwann mal am Anfang.

    So, und jetzt jetzt nicht lang schnacken, sondern Kopp in Nacken. Es muss weiter getrunken werden (das ist ein Spaß). LG

  • Ich sehe ein, dass es etwas ungünstig zu vermitteln ist, welche vermeintlich positiven Effekte der Alkohol für mich hatte. Außerdem bin ich neu und versuche gerade, mich zu orientieren und da bin ich für das hiesige Erfahrungswissen sehr dankbar. Trotzdem erachte ich eine kurze Selbstanalyse für zumindest nicht schädlich oder gar verkehrt; aber natürlich jeder so, wie er meint.

    Ich finde Selbstanalyse super.

    Und natürlich hat Alkohol eine Wirkung. Die kann zu Saufzeiten durchaus positiv empfunden werden. Ich fand, als ich anfing zu trinken, den Rausch auch prima. Ich habe nie getrunken, weil es geschmeckt hätte …ich wollte den Rausch, die Betäubung, das Wegballern. Irgendwann, und das ziemlich schnell ging es nicht mehr darum, es ging nur noch darum, dass ich saufen muss. Ich war abhängig geworden. Ich wollte mich nicht mehr wegballern, ich wollte den Rausch nicht mehr, ich wollte die Betäubung nicht mehr ….und ich konnte trotzdem nicht aufhören.

    Heute ekelt mich damaliges Saufen an, auch mein Verhalten.

    Auch wenn heute ein Tag war, an dem ich meinen Notfallkoffer in Form von Jalapeno aus dem Glas (also scharf essen) öffnen musste und daher weiß, dass es eigentlich schnell gehen muss, will ich auch Kraft aus der Ruhe schöpfen. Und das hat nichts mit Verdrängen, Verschieben oder Verleugnen zu tun. Soweit, so mittelmäßig.

    Gab es einen ‚Auslöser‘, dass du schnell deinen Notfallkoffer brauchtest?

    Gut, dass du ihn zur Hand hattest.

    Kraft aus Ruhe schöpfen finde ich super.

    Mir tut Ruhe inzwischen sehr gut. Hat aber auch ne Weile gedauert, bis ich mich alleine und mit Ruhe aushalten konnte.

    Es tut mir gut, einfach mal so dazusitzen, den Blättern am Baum zuzuschauen und den Vögeln zu lauschen.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Stern,

    einen Auslöser kann ich nicht wirklich greifen. Vielleicht war die Beherrschung der letzten Woche (Festival) einfach etwas zu viel. Und da bin ich heute von der Arbeit nach Hause gekommen und hatte schlicht das Gefühl, etwas trinkem zu können. Aber ich weiß ja, dass der Druck "nur" so ungefähr 20 Minuten anhält und man mit Essen sowie neutralem Trinken schonmal gut entgegenwirken kann. Und den Tipp mit scharf habe ich aus meiner Therapie. Habe mir auch einen kleinen Vorrat an scharfen Tomatensaft hingestellt. Frisst ja kein Brot und schmeckt auch so ganz gut.

    Jo, es geht schon lange nicht mehr um den Rausch, sondern nur noch um einen halbwegs erträglichen Körperzustand. Und ich bleibe weiterhin fasziniert oder besser erschrocken, wie wenig es badarf, um fast sofort wieder Entzugssyndrome zu verspüren. Was früher mal ein Kater war, ist heute ganz anders. Ich für meinen Teil bleibe deswegen nach Rückfällen auch mindestens eine Woche auf Dauersuff hängen, bis es dann mit Arztbesuch wieder einigermaßen geht und ein neuer Anfang beginnt. Allein dieser Kreislauf ist so gaga, aber Sucht ist ja selten von rationalen Verhaltensweisen geprägt.

    Es mit sich selbst aushalten zu können oder vielmehr zu genießen, ist mein Schlüssel, das muss ich hinkriegen. Und da scheint es egal zu sein, wie beliebt man in seinem Umfeld ist und wie sehr einen der Partner liebt. Wenn man sich selbst kacke findet, lässt man sich nur schwer vom Gegenteil überzeugen. An diesem Phänomen arbeite ich therapeutisch schon seit ca. 18 Monaten und habe dabei festgestellt, dass man sich nüchtern gar nicht mal so kacke findet. Aber warum dann doch wieder der Griff zur Flasche? Weil man nicht nur süchtig, sondern auch bekloppt ist. LG

  • Vielleicht solltest du dann erstmal keine Festivals oder Ähnliches mehr besuchen. 🤔

    Es ist nicht gut, wenn du dich in Gefahr begibst. Beim nächsten Mal hast du vielleicht keine Jalapenos dabei. Und deinen scharfen Tomatensaft wirst du ja wohl nicht immer mit dir rumschleppen.

    Ich für meinen Teil bleibe deswegen nach Rückfällen auch mindestens eine Woche auf Dauersuff hängen, bis es dann mit Arztbesuch wieder einigermaßen geht und ein neuer Anfang beginnt. Allein dieser Kreislauf ist so gaga, aber Sucht ist ja selten von rationalen Verhaltensweisen geprägt.

    Warum schreibst du in der Gegenwartsform? 🤔

    Es mit sich selbst aushalten zu können oder vielmehr zu genießen, ist mein Schlüssel, das muss ich hinkriegen. Und da scheint es egal zu sein, wie beliebt man in seinem Umfeld ist und wie sehr einen der Partner liebt. Wenn man sich selbst kacke findet, lässt man sich nur schwer vom Gegenteil überzeugen. An diesem Phänomen arbeite ich therapeutisch schon seit ca. 18 Monaten und habe dabei festgestellt, dass man sich nüchtern gar nicht mal so kacke findet. Aber warum dann doch wieder der Griff zur Flasche? Weil man nicht nur süchtig, sondern auch bekloppt ist.

    Warum schreibst du von ‚man‘, wenn es um dich gehen sollte?

    Mir hilft es, meine Gedanken besser zu sortieren, wenn ich von mir rede ….vom ‚ich‘…. ‚man‘ ist immer so fürchterlich weit weg, finde ich.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • ...dass das mit dem Festival max. bescheuert war, hatte ich ja bereits geschrieben. Aber ich hatte die Karte und wollte das Geld nicht versenken. Werde ich aber definitiv nicht wieder machen.

    Gegenwart, weil es eben noch gegenwärtig ist. Nicht im Sinne von aktuell, aber auch noch nicht solange her, als man von relativer Vergangenheit sprechen kann. Nach sechs Monaten werde ich vielleicht mal das Präterium bemühen und in zwei Jahren bin ich dann beim Plusquam.

    "Man" drückt eben die Distanz zum eigenen Ich aus, um die es ja zum Teil auch geht. Wenn ich die überwunden habe, bin ich vermutlich auch bewusst oder völlig unbewusst in der Lage, von mir zu sprechen.

    Auf jeden Fall sehr interessante Denkanstöße. Vielen Dank dafür und lG

  • Man" drückt eben die Distanz zum eigenen Ich aus, um die es ja zum Teil auch geht. Wenn ich die überwunden habe, bin ich vermutlich auch bewusst oder völlig unbewusst in der Lage, von mir zu sprechen.

    Hmmmm 🤔 Wie willst du denn eine Distanz zu dir selbst aufbauen? Und wozu? Das verstehe ich nicht.

    Ich finde es schon wichtig, mir ganz nah zu sein. Ich will mich doch spüren.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

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