Momo2006 - Irgendwie hilflos- Ich weiß gerade nicht weiter

  • Guten Morgen liebe Jump,

    Danke, dass Du fragst. Es läuft "besser", aber das ist dann mein Perfektionsdrang. Und auch aber auch, weil ich viel Sport mache. Gerade das Krav Maga Training macht mich irgendwie mental stärker. Ich bin innerlich ruhiger und weniger gestresst dadurch. Nichtsdestotrotz halte ich Augen und Ohren offen.

    LG Momo

  • Guten Abend Ihr Lieben,

    habe heute mal wieder etwas (für mich) Gutes über Co-Abhänigkeit gelesen, was ich gerne hier teilen möchte.

    Als Co fragt man sich, warum hört der süchtige Partner nicht einfach auf. Warum zieht er nicht die logische Konsequenz?

    Wenn aber ein Ausstehender mal die beste Freundin/ Freund des Co's fragen würde. Würde die sagen:

    Sie trennt sich einfach nicht von ihm, obwohl es ihr so schlecht geht. Wann zieht sie endlich die logische Konsequenz?

    Und das Fazit ist, die Angst. Angst Konsequenzen zu ziehen.

    Der süchtige Partner hat Angst ohne Alkohol zu leben und der Co-Abhängige Partner hat Angst ohne den Süchtigen zu leben.

    Als verlange ich von dem Anderen Konsequenzen zu ziehen, bin aber selbst nicht bereit dazu meine eigenen Konsequenzen zu ziehen.

    War für mich ein Aha, deswegen teile ich es.

    LG Momo

  • Hi Zusammen,

    Seit Tagen beschäftigt mich ein Thema hier. Irgendwo wurde geschrieben, dass jemand während seiner nassen Zeit niemanden verletzt hat. REALLY?

    Das lässt mich nicht los. Meiner Meinung nach verletzt jeder Alkoholiker sein Umfeld sowie auch jeder Co-Abhängige sein Umfeld verletzt, da eine Sache über Allem steht.

    Es sei denn es ist ein Eremit.

    Musste ich jetzt einfach nur los werde.

    LG Momo

  • Meiner Meinung nach verletzt jeder Alkoholiker sein Umfeld sowie auch jeder Co-Abhängige sein Umfeld verletzt, da eine Sache über Allem steht.

    Paar Gedanken dazu.

    Wo beginnt eine Verletzung, die aus einer Krankheit resultiert, abgesehen von der körperlichen Auseinandersetzung ?

    Ist der einzelne CO nicht auch selbst verantwortlich dafür, inwieweit er sich verletzen lässt? Er hat immerhin die Möglichkeit, dies zu ändern. Kinder sind ausgenommen, weil sie vom Handeln der Erwachsenen abhängig sind.

    Wenn der Erwachsene nicht handelt, verletzt er dann nicht indirekt auch die Kinder?

    Und was hilft es, einen Schuldigen auszumachen?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Das lässt mich nicht los. Meiner Meinung nach verletzt jeder Alkoholiker sein Umfeld sowie auch jeder Co-Abhängige sein Umfeld verletzt, da eine Sache über Allem steht.

    Momo, ich glaube nicht, daß bei JEDEM Alkoholiker die "eine Sache" über Allem steht. Ich denke diese Aussage ist widerlegbar.

    Auch ein Alkoholiker ist ein Mensch mit guten und mit schlechten Eigenschaften. Wie sehr dieser süchtige Mensch andere verletzt ist individuell von vielen Umständen abhängig. Ein Faktor ist der Charakter, ein anderer ist wie weit man schon in der Sucht abgerutscht ist.

    Und wenn du glaubst, dass nur ein Eremit keinen anderen Menschen verletzt, dann mag das sein. Aber das gilt nicht nur für Alkoholiker sondern für jeden Menschen.

  • Bei einem Alkoholiker steht die Sucht an erster Stelle bzw. beherrscht unwillkürlich den Tagesablauf oder? Und "verletzen" ist ein Begriff, der mit "jemandem weh tun" zusammen hängt. Egal, auf welche Weise. Es fühlen sich ja auch Menschen "verletzt", denen kurzfristig abgesagt wird oder die nicht zurück gerufen werden, weil man zu voll ist. Oder die Familie, weil Mama mal lieber wieder zuhause bleibt. Es muss ja nicht gleich verbales oder körperliches Verletzen sein. Da geb ich Momo recht.

  • Das lässt mich nicht los. Meiner Meinung nach verletzt jeder Alkoholiker sein Umfeld sowie auch jeder Co-Abhängige sein Umfeld verletzt, da eine Sache über Allem steht.

    Ich kann nur von mir sprechen. Ich bin Alkoholiker und ich habe dadurch niemanden verletzt. Ich habe ausschliesslich nur mir geschadet - und beim näheren Betrachten auch meinen Chef da ich zum Schluss nicht mehr so leistungsfähig war. Bei mir war es ja auch so, das ich es gar nicht wusste bzw. wahrhaben konnte, das ich ein Alkoholiker bin. Diese Veränderung in meinem Gehirn durch den Alkohol hat mir das vorgegaukelt. Langsam und schleichend. Ab dem Punkt, an dem ich das verinnerlicht hatte, das ich krank bin, habe ich alle aber wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt um möglichst schnell abstinent zu werden und vor allem trocken zu bleiben. Ich habe meinen Alkoholismus nicht akzeptiert. Er passt nicht zu mir und meinem Leben. Ja Momo2006 so etwas gibt es auch.

  • Woher willst du das wissen, dass du niemand anderen verletzt hast? Hattest du keine Kontakte innerhalb der Familie oder zu Freunden?

    Ich vermute mal, Du meinst mich.

    Ich habe die letzten Jahre nur zuhause, Abends nach der Arbeit getrunken. Beim Kochen die ersten beiden Flasche Bier und dann zum Essen und danach beim Fernsehen einen Liter Wein. Meist bin ich dann auch eingeschlafen. Ich wurde weder aggressiv noch beleidigend. Das kätte meine Frau auch keine Sekunde mitgemacht. Irgendwann bin ich nachts aufgewacht zitternd und mit einem Ruhepuls von über 130. Ab da bin ich nachts auch noch an den Kühlschrank gegangen um weiter zu schlafen. Und zum Schluss wollte mein Körper auch tagsüber Alkohol. Da konnte ich nicht mehr und bin zum Arzt gegangen. Der hat dann mir die Augen geöffnet.

    Ich habe niemanden verletzt. Garantiert nicht.

  • Und was hilft es, einen Schuldigen auszumachen?

    Ist vielleicht gar nicht die Suche nach einem Schuldigen, sondern die Feststellung: Mit dem Alkohol hat die Kette der Verletzungen angefangen?

    Wo beginnt eine Verletzung, die aus einer Krankheit resultiert, abgesehen von der körperlichen Auseinandersetzung ?

    Ist der einzelne CO nicht auch selbst verantwortlich dafür, inwieweit er sich verletzen lässt? Er hat immerhin die Möglichkeit, dies zu ändern.

    Da gebe ich Hartmut in allem Recht, habe dabei nur den Gedanken: Wir sind ja alle Menschen mit Gefühlen. Und wenn wir jemanden lieben, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es viele Leute gibt, die sagen: So, jetzt habe ich zum ersten Mal eine Verletzung empfunden, die ich auf den Alkohol bei ihm zurückführe, also setze ich jetzt eine Grenze und setze sie auch sofort konsequent um, Punkt. Man weiß doch in der Situation meist noch gar nicht, was einen da erwarten kann, das braucht doch immer Reifezeit, Hoffen, Bitten, weitere Verletzungen ...

    Auch ein Alkoholiker ist ein Mensch mit guten und mit schlechten Eigenschaften.

    Darüber habe ich auch schon nachgedacht: Ist es nicht kulturell bei den meisten von uns so, dass wir das Verhältnis einer Person zum Alkohol sowieso als stark charakterprägendes Moment ansehen? Stichwort: Werte wie Selbstkontrolle, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Achtung der eigenen Würde, ..., mit denen das Trinkverhalten eben zusammenpasst - oder denen es zu widersprechen scheint? Als etwas, das, wenn derjenige viel und regelmäßig trinkt, alle anderen Charakterzüge überlagert, weil es sie eben auch häufig verändert?

  • Wir sind ja alle Menschen mit Gefühlen. Und wenn wir jemanden lieben, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es viele Leute gibt, die sagen: So, jetzt habe ich zum ersten Mal eine Verletzung empfunden, die ich auf den Alkohol bei ihm zurückführe, also setze ich jetzt eine Grenze und setze sie auch sofort konsequent um,

    Es geht hier aus meiner Sicht nicht um das erste Mal! Das Problem in der Co-Abhängigkeit ist, dass ich auch nach der zigsten Beleidigung und dem x. Absturz noch Entschuldigungen dafür finde, dass der Alkoholkranke nicht anders kann und ich als Co auch nicht.

  • , da eine Sache über Allem steht.

    Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Der Alkohol bestimmte an erster Stelle mein Denken und Handeln.
    Selbst war ich nie verbal ausfallend, handgreiflich oder gar gewalttätig aber immer mehr gereizt und sicherlich das ein oder andere Mal auch unfair.
    Wenn ich von Verletzungen spreche, dann meine ich seelische Verletzungen und die habe ich meiner Familie sicherlich zugefügt und zwar in der Form, dass sie durch mich diese ohnmächtige Hilflosigkeit erleiden mussten und da spielt es keine Rolle, ob ich es bewusst oder unbewusst zugelassen habe, ob ich schuldig oder unschuldig bin.
    Eine schwere seelische Belastung war es in jedem Fall.
    Bis auf die Anfänge war meine Frau definitiv nicht CO. Trotzdem hat sie darunter gelitten. Sie hat auch darunter gelitten, dass wir kaum noch gemeinsame Unternehmungen hatten und die gemeinsamen sozialen Kontakte immer weniger wurden.

    Was den CO betrifft, so denke ich, dass dieser erst mal verstehen muss, dass er CO ist und was es für ihn bedeutet. Dann muss er ins Handeln kommen, genau wie der Alkoholiker. Meine Frau hat gehandelt, sie hat sich abgegrenzt, immer mehr und zum Schluss, wenn ich für sie unerträglich geworden wäre, hätte sie sich getrennt.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Es geht hier aus meiner Sicht nicht um das erste Mal! Das Problem in der Co-Abhängigkeit ist, dass ich auch nach der zigsten Beleidigung und dem x. Absturz noch Entschuldigungen dafür finde, dass der Alkoholkranke nicht anders kann und ich als Co auch nicht.

    Ja, so sehe ich das auch, und so ging mir das auch selbst. Man braucht meiner Erfahrung nach Zeit, um zu einer konsequenten Entscheidung zu gelangen, der eine mehr, der andere weniger. Hartmut habe ich immer als Vertreter der radikalen, schnell gezogenen Konsequenz empfunden. Er hat natürlich Recht, aber das können doch nur die wenigsten.

  • Was den CO betrifft, so denke ich, dass dieser erst mal verstehen muss, dass er CO ist und was es für ihn bedeutet. Dann muss er ins Handeln kommen

    Ja. Bei mir hat es damals knapp zwei Jahre gedauert, aber dann sofort totale Konsequenz. Sie brauchte keine Hilfe, die ich ihr hätte geben können, sie funktionierte (noch?) sehr gut.

  • Hallo zusammen,

    total interessantes Thema :)

    Irgendwann bin ich nachts aufgewacht zitternd und mit einem Ruhepuls von über 130. Ab da bin ich nachts auch noch an den Kühlschrank gegangen um weiter zu schlafen. Und zum Schluss wollte mein Körper auch tagsüber Alkohol

    … und war das für Deine Frau nicht unangenehm, dass Du oft eine Fahne hattest oder hat sie sich nicht Sorgen um Dich gemacht und Dich deshalb gebeten, mit dem Trinken aufzuhören oder es zumindest gehofft?

    Ich frage das, weil ich mir gar nicht vorstellen kann, dass es eine nicht alkoholabhängige Partnerin nicht belastet, wenn ihr Mann trinkt?

    „Verletzt sein“ wird glaube ich hier unterschiedlich interpretiert. Das ist glaube ich in diesem Austausch etwas schwierig.

    Trotzdem wie gesagt total interessant!

    LG Cadda

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