Sonnenschein CoA - Ich will MEIN Leben zurück

  • Unsere Große hat ihm vor Wochen einen Brief geschrieben, den er bis gestern noch nicht gelesen hatte, weil er Angst davor hat.

    Das ist bitter.

    Ich hatte vor ca 2 Jahren meinem Lebensgefährten auch mal einen langen Brief geschrieben und er hat ihn Monat lang nicht gelesen, weil er Angst hatte, dass dann alles nich schlimmer würde mit uns oder so . Das tat echt weh, aber ich bin erwachsen. Wie viel mehr muss es Deiner Tochter weh tun... Trotzdem toll, dass sie das gemacht hat - für sich! Kannst stolz auf sie sein!

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass er auf der einen Seite Angst hat den Brief zu lesen. Aber wäre er bereit für Kritik und Selbstreflexion würde er ihn lesen. Gerade weil es von dem wichtigsten Menschen in seinem Leben kommt.

    Aber wir mussten/müssen ja leider lernen, dass die wichtigste Person im Leben eines Alkoholikers Alkohol ist.

  • Ich bin sehr stolz auf meine beiden, auch wenn einen diese Teenager jeden Tag an seine Grenzen bringen können. 😮‍💨

    Sie wollten ihm soviel sagen und konnten es nicht, weil er immer betrunken war, wenn er abends kam. Dann hatte ich die Idee mit dem Brief, ohne Druck. Sie sollten sich alles von der Seele schreiben. Ob sie ihm den Brief dann irgendwann geben oder nicht war da noch offen. Die Kleine kann sich noch nicht so richtig formulieren und schreibt seither für sich Tagebuch. Die Große hat am selben Abend sieben Seiten geschrieben und ihm dann den Brief vor seinem Arztbesuch gegeben. Sie hatte die Hoffnung, dass es ihm hilft durchzuhalten. In der folgenden Realität war er dann nur 10 Tage nüchtern und hat den Brief auch erst Wochen später gelesen.

  • Aber wir mussten/müssen ja leider lernen, dass die wichtigste Person im Leben eines Alkoholikers Alkohol ist.

    So ist es. Er hat den Brief erst gestern oder heute gelesen und er konnte ihr grad kaum in die Augen sehen.
    Er war hier um mir zu sagen, dass er sich entschlossen hat im Januar zur Therapie in eine Klinik zu begeben. Im Moment kann er das nicht wegen der Arbeit….

    Sagt alles, oder?

  • Ja, das sagt wirklich alles.
    Aufschieben, Hoffnung machen auf Besserung und dann sowieso nicht umsetzen. Je früher man konsequent ist, desto besser für einen selbst und die Kinder.

    Mir kommt das leider sehr bekannt vor.
    Mein alkoholkranker Ex hat schon bei der alkoholfreien Woche, die er sich vorgenommen hatte, erst wochenweise und dann auf den nächsten Monat, aufs neue Jahr verschoben. Es gab immer Gründe.

    Mit unserer Tochter, die 13 Jahre alt ist, hat er bis heute nicht geredet. Aber das wäre ja auch ein Eingeständnis der Sucht.

  • Die Große hat am selben Abend sieben Seiten geschrieben und ihm dann den Brief vor seinem Arztbesuch gegeben. Sie hatte die Hoffnung, dass es ihm hilft durchzuhalten

    Ach je die Arme... da ist sie aber auch schon ganzschön krass in die Co-Schiene gerutscht! Schaust Du, spätestens wenn sich alles beruhigt hat, dass die beiden Teenies auch therapeutische Unterstützung angeboten bekommen? Die Wartelisten von Kinder- und Jugendtherapeut*innen sind wahnsinnig lang, aber in der Zwischenzeit gibt es ja auch in vielen Städten Gruppen für Kinder aus suchtbelasteten Familien oder aus Familien mit einem psychisch kranken Elternteil oder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien..

  • Ich habe bereits am Donnerstags im Internet gesucht nach Hilfe für mich und die Kinder. Ich weiß, dass früher die Caritas eine Anlaufstelle für Sucht bei uns in der Nähe hatte. Ich hab im Internet die E-Mail-Adresse rausgesucht und angeschrieben. Ist aber zurückgekommen, weil es die E-Mail-Adresse nicht mehr gibt. Das hat mich zurückgeworfen. Ich weiß grad nicht weiter.

  • Vielleicht lieber keine details zu regionen hier posten? Die caritas hat doch sicher auch eine reale adresse oder telefonnummer. Alternativ gibt es auch malteser, das jugendamt, oder den sozialpsychiatrischen dienst.

  • Ich habe bereits am Donnerstags im Internet gesucht nach Hilfe für mich und die Kinder. Ich weiß, dass früher die Caritas eine Anlaufstelle für Sucht bei uns in der Nähe hatte. Ich hab im Internet die E-Mail-Adresse rausgesucht und angeschrieben. Ist aber zurückgekommen, weil es die E-Mail-Adresse nicht mehr gibt. Das hat mich zurückgeworfen. Ich weiß grad nicht weiter.

    Unter den Stichwörtern caritas deutschland Lebensberatung findest Du einen Link, der dich auch zu deiner nächsten regionalen Anlaufstelle weiterleiten müsste. Dort sollte man dir dann auch sagen können, welcher Träger evtl noch näher an deinem Wohnort ist. Oder Du fragst mal beim Jugendamt nach, musst ja gar nicht ins Detail gehen wenn Du nicht möchtest. Kannst ja auch erstmal nach Lebensberatung oder Beratung für Trennung mit Kindern fragen. Die sollten alle Stellen kennen.

  • Vielleicht lieber keine details zu regionen hier posten? Die caritas hat doch sicher auch eine reale adresse oder telefonnummer. Alternativ gibt es auch malteser, das jugendamt, oder den sozialpsychiatrischen dienst.

    Ich hab doch gar keinen Ort genannt oder hab ich da was überlesen. Die Caritas gibt es doch überall. Ich muss doch aber erst einmal einen Termin machen. Und da es am Donnerstag Abend sehr spät war habe ich eine E-Mail geschrieben. Das heißt nicht, dass es das jetzt war, aber mein erster Versuch war gleich niederschmetternd und das hat mich zurückgeworfen.

  • da ist sie aber auch schon ganzschön krass in die Co-Schiene gerutscht!

    Hmmm, ich hatte den Eindruck sie ist nicht "gerutscht", sondern wurde doch aufgefordert dem Vater einen Brief zu schreiben.

    Sonnenschein, ich bekomme das Gefühl nicht los, dass du deine Kinder zu sehr mit rein ziehst und hoffst sie könnten durchdringen zu deinem Partner. Um ihn doch noch zu einer Einsicht zu bewegen.

    Solange er nass ist sind solche Briefe sinnlos. Da lässt du deine Kinder doch ins offene Messer laufen. Denn du schreibst:

    Sie hatte die Hoffnung, dass es ihm hilft durchzuhalten

    Genau darüber ist es wichtig zu sprechen. Dass es absolut nichts gibt, was sie machen kann. Und ihr ganz klar vermitteln dass DU diejenige bist, die das jetzt händelt.

    Du bist erwachsen. Du bist nüchtern. Du kannst dich jetzt darum kümmern, dass ihr wieder ein unbeschwerteres Leben habt.

    Dich dazu beraten zu lassen ist eine sehr gute Idee. Oft machen wir ja auch was in bester Absicht und dabei ist es genau verkehrt. Weil bei Sucht völlig andere Regeln gelten.

    Das ist jetzt nicht auf dich persönlich gemünzt, dazu weiß ich viel zu wenig über dich. Ich habe aber generell manchmal den Eindruck, dass die Kinder vorgeschoben werden.

    Um den Alkoholiker weich zu klopfen (sieh nur was du uns an tust). Um sich hinter den Kindern zu verstecken (wegen den Kindern kann ich nicht gehen). Die Kinder werden als Seelentröster benutzt. Manchmal ganz offen, manchmal versteckt, indem sie gekuschelt und getröstet werden, obwohl die eigenen Bedürfnisse nach Zärtlichkeit erfüllt werden damit. Die Symptome der Kinder werden wie Trophäen gesammelt, um die Schlechtigkeit des Alkoholikers zu beweisen.

    Dabei kann ich das Elend doch beenden. Ich kann doch gehen, kann Grenzen setzen, kann mir Hilfe holen.

    Ich bin nicht bewusstseinsgetrübt. Ich muss nicht zuerst zum Entzug in die Klapse (entschuldigt den Ausdruck, aber ich will es auf den Punkt bringen) oder im kalten Entzug einen Anfall riskieren. Ich bin klar.

    Und spätestens wenn ich mich hier im Forum anmelde, dann weiß ich auch was Sache ist. Es ist meine Entscheidung mit dem Alkoholiker zu leben. Und ich habe die volle Verantwortung. Ich bin nicht Schuld. Das meine ich nicht. Aber ich bin auch nicht das co-abhängige Opfer.

    Sonnenschein, ich will dich nicht angreifen. Ich finde du gehst mutig voran. Ich will dir nur ehrlich meine Gedanken dazu sagen.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Aua...ich fürchte Du hast Recht!

  • Ansprechpartner für Einrichtungen dieser Art ist immer der Sozialpsychiatrische Dienst deiner Stadt/Gemeinde. Dort kennt man alle Beratungsstellen von allen Anbietern in deiner Nähe und kann dir weiterhelfen mit Adressen/Telefonnummern, einfach googeln.

  • Hallo Jump,

    da muss ich dir entschieden widersprechen:

    Hmmm, ich hatte den Eindruck sie ist nicht "gerutscht", sondern wurde doch aufgefordert dem Vater einen Brief zu schreiben.

    Sonnenschein, ich bekomme das Gefühl nicht los, dass du deine Kinder zu sehr mit rein ziehst und hoffst sie könnten durchdringen zu deinem Partner. Um ihn doch noch zu einer Einsicht zu bewegen.

    Solange er nass ist sind solche Briefe sinnlos. Da lässt du deine Kinder doch ins offene Messer laufen.

    Wie ich erklärt habe, habe ich keines meiner Kinder zu irgendeinem Zeitpunkt gedrängt irgendwelche Briefe an Ihren Vater zu schreiben. Sie ist 17 Jahre alt und bekommt sehr viel mit, darauf habe ich keinen Einfluss. Und wenn ihr Vater seinen Alkoholismus vor ihr auslebt und seine Tasche vor den Augen der Kinder packt…. was soll ich dann sagen? „Alles wird gut. Es ist nicht so wie es scheint.“ Sie ist 17 und nicht 7. Wenn ich das Vertrauen meiner Tochter nicht verlieren möchte, dann muss ich für sie da sein, auch wenn es unangenehm ist. Und wenn sie Redebedarf hat, es aber nicht loswerden kann, weil er immer betrunken ist, dass soll sie doch lieber alles aufschreiben, als es in sich hinein zu fressen. Es gab nie den festen Plan, im den Brief zu geben. Das hat sie entschieden. Und das sie genauso Co-abhängig ist, haben wir bereits verstanden. Sie ist 17. Sie ruft auch ihren Vater an, wenn sie das möchte. Ich kann ihr nur einen Hinweis geben, wenn ich weiß, dass er bereits neben der Spur ist. In dem Alter kann ich das nicht mehr verhindern.

    Genau darüber ist es wichtig zu sprechen. Dass es absolut nichts gibt, was sie machen kann. Und ihr ganz klar vermitteln dass DU diejenige bist, die das jetzt händelt.

    Genau das tue ich. Und das wissen sie jetzt beide. Und trotzdem denkt sie zwischendurch immer wieder: „Doch, er wird sich an sein Versprechen halten, weil wir ihm wichtig sind.“

    Und dann liegt es an mir sie zu sensibilisieren und aufzufangen. Wenn du das deutest, dass ich meine Kinder zu sehr involviere, dann hast du recht.

    Sie sind Teenager und haben Gott sei Dank eine Mutter, die für sie da ist und nicht alles abtut und sie mit ihren Gedanken und Sorgen alleine lässt. Sie sind alt genug und wissen das ihre Hobbys und die Privatschule Geld kosten. Da kommen Fragen auf zur Finanzierung und worauf vielleicht zukünftig verzichtet werden muss. Soll ich dann Glitzer drauf streuen und ihre Sorge ignorieren oder versuchen zu erklären?

    Meine Kinder vertrauen mir und wissen, dass ich für Sie das richtige tue und immer zuverlässig für sie da bin, auch wenn sie Mist gebaut haben oder nachts um 2 irgendwo abgeholt werden müssen. Und das lässt uns nah sein. Ich würde meine Kinder nie für irgendetwas benutzen.

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