releaseme - Wie soll es weitergehen?

  • Hallo releaseme,

    Die räumliche Trennung ist gut!

    Das ist ganz, ganz wichtig! Du empfindest es so und dann ist es auch richtig so. Jetzt.

    Was mich halt auch stutzig macht ist seine Aussage:

    er trinkt alkoholfreies Bier und ist der Meinung dass ihm das nichts ausmacht, er hat eine Aussage getätigt "alle stempeln mich als Säufer ab und sind der Meinung dass ich Alkoholiker bin"

    Das sagt doch nichts anderes aus als dass er nix begriffen hat, dass er im Grunde genommen jetzt all diese Dinge macht wie zum Beispiel zum Termin in die Suchtklinik geht, gesprächsbereit ist. Dass er freundlich ist. Weil er will, dass du zurückkommt. Und dann... ?

    Mein erster Mann war ähnlich drauf nachdem ich mich getrennt hatte. Und ich war auch hin- und hergerissen. Aber eben auch weil er mit seiner Suchterkrankung ganz anders umging als die Alkoholiker, die ich hier im Forum sah.

    Er ist zu allen Familienfeiern mit angedackelt und hat sich direkt unter die Kampftrinker gesetzt, ihnen sogar eingegossen. Wenn sie getrunken haben ist seine Gurgel mitgehopst als wenn er es selbst schlucken würde.

    Er hat zwar an einer Gruppe teilgenommen die sich 10 Mal getroffen hat, danach hat er nichts mehr für sich gemacht. Irgendwann hat er wieder angefangen zu trinken als er merkte, dass ich nicht zurückkomme. Und er eine neue Partnerin hatte, die gerne einen soff.

    Es ist gut, dass du bei deinen Eltern bleiben kannst. Bitte nutze das und lass dich nicht erweichen, zurückzugeben. Natürlich ist das im Endeffekt deine eigene Entscheidung, ich empfehle es dir nur, weil ich eigene Erfahrungen damit gemacht habe und es hier schon viele, viele Male bei den Cos gelesen habe. Dass, wenn alles wieder für den Alkoholiker nach Wunsch läuft, er bald wieder sein altes Leben mit Alkohol aufnimmt.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Das ist genau der Punkt. All die Monate war mein Wunsch, dass er das Trinken aufhört und wir unsere Familie wieder haben. Aber nun muss man feststellen, dass das eigentlich nicht mehr reicht. Es ist ja in all den Monaten so viel passiert. Diese verbalen Entgleisungen mir und den Kindern gegenüber. Er meint mit seiner Entschuldigung und Reue könne man das alles vergessen. Dann dieses uns Hängenlassen- sich nicht mehr um die Familie kümmern, alleinerziehend verheiratet zu sein, seine Macken - klar, die hat jeder- aber die durch den Konsum und das weniger Belastbarsein immer heftiger wurden.. all das sehe ich nun! Vl wollte ich es nie sehen, aber jetzt aus der Ferne betrachtet sehe ich all die Dinge. Und am Ende ist doch der springende Punkt, ob man Verzeihen kann und da noch Liebe und eine gemeinsame Basis ist.

    Aber was zerbreche ich mir den Kopf darüber- das ist doch alles noch längst nicht in greifbarer Nähe.. Am einfachsten wäre zu sagen "Danke und Tschüss" aber so leicht ist es nicht, weil Kinder und viel gemeinsamer Besitz und viel Lebenszeit und doch auch eine tiefe Verbindung da sind.

    Ich weiß nicht ob ein Plan was bringt - momentan lebe ich ja eher von Tag zu Tag und weil es sowieso nicht in meiner Hand liegt. Aber ich nehme mir jetzt Zeit für mich und dann denke ich gibt es folgende Ziele : 1. Keinen Alkohol , 2.Interesse und für die Kinder da sein, 3. schauen ob da noch was ist auf dem man eine Ehe aufbauen kann.

    Bis dahin bleibe ich realistisch und erwarte mir nicht zu viel.. kommt es anders , wäre es schön..

  • Hallo Releaseme.

    Ich habe Deinen ganzen Faden gelesen und ich verstehe so sehr, wie hin- und hergerissen Du bist. Das haben wir hier alle gemeinsam…

    Setz Dich nicht unter Druck. Es ist gut, dass Du bei deinen Eltern bist und bleiben kannst, solange Du willst. So ist es doch erst mal gut, ganz ohne Druck. Jetzt konzentriere Dich auf Dich selbst und Deine Kinder. Lass Dir Zeit.

    Wir denken alle an Dich.

  • Ich glaube auch, dass es der richtige Schritt ist, von Tag zu Tag zu leben und auf die eigenen Gefühle zu schauen.

    Wenn wir den Alkohol als über alles schwebendes Thema mal ausblenden, geht es doch in erwachsenen Beziehungen vor allem um eine Sache, um emotionale Reife. Das heißt auch, dass ein Partner in der Lage sein sollte für das was er verbockt hat, egal was es ist, die Verantwortung zu übernehmen. Und das heißt ja nicht, sich lapidar zu entschuldigen, sondern alle Maßnahmen zu ergreifen, die nötig sind, damit wieder Vertrauen aufgebaut werden kann. Das würde ich mich bei jedem Schritt, den du gehst fragen.

  • Aber ich nehme mir jetzt Zeit für mich und dann denke ich gibt es folgende Ziele :

    1. Keinen Alkohol , 2.Interesse und für die Kinder da sein, 3. schauen ob da noch was ist auf dem man eine Ehe aufbauen kann.

    Bis dahin bleibe ich realistisch und erwarte mir nicht zu viel.. kommt es anders , wäre es schön..

    Es ist sehr gut, dass du dir Zeit für dich nimmst und erstmal bei dir und deinen Wünschen bleibst. Der räumliche Abstand zu ihm tut dir sicher auch gut, um weiterhin klarer zu sehen.

    Ich wünsche dir sehr, dass du dann bald auch aus der Warteposition raus kommst und realistischer gucken kannst. Denn redest jetzt schon von einer letzten Chance für ihn, dabei ist er vom ersten Punkt noch Lichtjahre entfernt.

  • Hallo releaseme,

    schön, von dir zu hören.

    Ich glaube auch, dass es richtig und notwendig ist, die räumliche Trennung aufrecht zu erhalten.

    Aus deiner Erzählung lese ich nur Aktionismus und keine Einsicht auf seiner Seite. Ich hab da ein ganz ungutes Gefühl und es würde mir für dich sehr leid tun, wenn du wieder verletzt und enttäuscht wirst. Pass auf dich auf!!!

    All die Monate war mein Wunsch, dass er das Trinken aufhört und wir unsere Familie wieder haben. Aber nun muss man feststellen, dass das eigentlich nicht mehr reicht

    Das kenne ich. Und irgendwann war es mir egal, ob er mit dem Trinken aufgehört. Ich hätte es IHM gewünscht, aber es was keine Bedingung mehr für eine Wiederaufnahme der Beziehung.

    Diese verbalen Entgleisungen mir und den Kindern gegenüber. Er meint mit seiner Entschuldigung und Reue könne man das alles vergessen.

    Ich kann da von mir sagen, dass es Dinge gibt, die ich nie wieder vergesse. Da gibt es nichts was er tun könnte, um gewisse Dinge wieder „gut“ zu machen.

    Und das allerwichtigste sind die Kinder. Das haben dir hier ja auch schon einige geschrieben, dass es keinen Raum für Experimente gibt. Ich bitte dich an dieser Stelle das Thema wirklich ernst zu nehmen. Je mehr Abstand ich nun habe, um so mehr realisiere ich, was die Zeit mit mir und den Kindern eigentlich gemacht hat. Meine Töchter sind groß und können ihre Gefühle und Gedanken in Worte fassen und da gibt es so einiges, was einem als Mutter dann das Herz zerreißt. Wie ist es dann bei kleineren Kindern, die sich nicht so ausdrücken können, wie groß muss da die stille Qual sein. Ich habe auch lange geglaubt, dass es meinen Kindern gut geht und ich viel fernhalten, überspielen oder ausgleichen konnte, aber trotzdem nehmen die feinen Antennen so viel mehr wahr, als wir glauben wollen. Erst als meine große Tochter krank wurde vor einen Jahr und ich wirklich Angst um sie hatte, war mir alles egal. Die Beziehung, die materiellen Dinge und die verlorene Zukunft. Da war mir klar, dass es neue Regeln in diesem Spiel gibt. Ich wünschte, ich hätte das früher erkannt und mir und meinen Töchtern so einige Erinnerungen ersparen können.

    LG ☀️

  • Heute habe ich einen Fehler gemacht- ich habe ihm den kleinen Finger entgegengestreckt und er hat die ganze Hand genommen oder noch blöder- mich bis zum Hals wieder in sein Spiel reingezogen.

    Er hat um einen gemeinsamen Tag gebeten - zusammen mit den Kindern. Da ich mich ja annähern wollte und ihm ja die Chance geben wollte habe ich zugestimmt. Die Stimmung war natürlich komisch zu Beginn. Niemand will was falsch machen, was Falsches sagen. Und ja, irgendwann redet man dann über die letzten Wochen und dann hat er angefangen: es ist so unfair, dass ihn alle als Alkoholiker abstempeln, mein Vater, mein Bruder alle dürfen was trinken nur er nicht. Aber es passt, er nimmt das so hin für die Familie. Er ist schuld, passt.. Auf meine Frage warum wir dann in Suchtklinik waren und warum er dann Medikamente nimmt meinte er, weil er alles ändert für unsere Familie. Er macht ja schon so viel und mir ist es nicht genug. Und dann hat er mich soo gedrängt, er hat für morgen eingekauft und wir sollen zum Essen kommen und endlich wieder zurückkommen. Er liebt uns, er kann nicht ohne uns, er schafft keinen Tag länger ohne uns im Haus. Er hat geweint und gefleht und ich komme einfach nicht aus diesen Fängen heraus... Es hat sich ja nichts geändert! Und er lockt mich damit welch ein schönes Leben wir haben könnten. Am liebsten würde ich ihm einen Kasten Bier hinstellen und die Tabletten mitnehmen und sagen- hier hast du, sorry, dass wir dich als Alkoholiker a gestempelt haben.

    Es ist so furchtbar schwer da raus zu kommen- obwohl ich schon 3 Wochen weg bin. Ich weiß nicht wie er das macht, er fängt mich immer wieder ein und ich hatte die Hoffnung, dass er es ernst meint. Aber das hört sich ganz und gar nicht danach an!

  • ich habe ihm den kleinen Finger entgegengestreckt und er hat die ganze Hand genommen oder noch blöder- mich bis zum Hals wieder in sein Spiel reingezogen.

    Wirklich?


    Ich finde er hat gemacht, was er die ganze Zeit macht. Warst Du denn wirklich schonmal aus dem Spiel?

    Warum hast Du die eigene Wohnung abgesagt?

  • Ich kann das nicht mit der Wohnung! Das stresste mich so derart, dass ich kein Auge mehr zu machen konnte. Lieber bleibe ich bei meinen Eltern.

    Naja.. für mich war es sooo ein Schritt räumlich getrennt zu sein. Und ich hab ihm wirklich geglaubt, dass er was ändert! Wirklich! Es ist unser Tiefpunkt! Aber es sieht nicht danach aus. Und ich denke die ganze Zeit, dass dann alles besser wird. Ich kann so schwer loslassen :(

  • Hallo releasme,

    Als ich deinen Text eben gelesen habe, kam mir als erster Gedanke: Er hat es noch nicht begriffen. Er macht das nicht, weil er es für sich selbst wirklich will.

    Für mich liest sich das eher so, als wenn er direkt wieder zur Flasche greift, wenn du erstmal wieder bei ihm bist. Und das wird dann garantiert kein schönes Leben, so wie er es dir versucht einzureden. Es klingt nicht so als hätte er wirklich Einsicht. Eher im Gegenteil, versucht er dir damit ein schlechtes Gewissen zu machen.

    Du musst nicht mit ihm zusammen Essen nur weil er es will. Du kannst immer noch absagen, wenn du das Gefühl hast, dass es sich für dich gerade nicht richtig anfühlt.

    Eine Chance geben bedeutet nicht, dass du direkt nach seinen Bedürfnissen agieren musst und ihr jetzt wieder jeden Tag gemeinsam verbringen müsst. Höre auf dich selbst und auf das was du fühlst und wie es dir damit geht.

  • Lies Dir nochmal Deinen Faden durch. Ich habe nicht den Eindruck, dass Du wirklich glaubst, dass er (jetzt) was ändert.

    Zudem hast Du selbst gesagt, dass Du nicht weißt, ob Du überhaupt verzeihen kannst.


    Bei Deinen Eltern zu bleiben, heißt Provisorium - Hintertür zur Rückkehr weit auf.

    Eine eigene Wohnung zu beziehen wäre ein Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft. Ein Zeichen! Für Dich, die Kinder und Deinen Mann.


    Dass Dir das Angst/Druck macht, verstehe ich. Aber aus meiner Sicht lohnt es sich.

  • Ich bin jetzt mal ganz kurz ein bisschen böse zu dir, nur um dir liebevoll etwas aufzuzeigen.

    Du hast ein ganz großes Problem. Deine Co-Abhängigkeit. Und anstatt zu sagen, ich gehe das jetzt aktiv an, damit es den Kindern besser geht, damit es dir und deiner Gesundheit besser geht und auch damit dein Mann selbst ins Handeln kommen kann, greifst du weiter zur co-abhängigen Flasche.

    Was ich damit sagen möchte: du verhältst dich nicht anders als dein Mann. Es ist richtig schmerzhaft und es ist sicher auch so schlimm, dass es kaum auszuhalten ist, aber du bist jetzt schon richtige Schritte gegangen, nur um nun wieder vor dem richtigen Weg zu fliehen.

    Es heißt nicht, dass es nicht einen gemeinsamen Weg geben kann, aber der muss anders erfolgen.

    Dein Mann trifft bei dir die richtigen Punkte. Er Triggert dich, macht dich für sein Unheil verantwortlich und du, in deiner Co-Bubble springst natürlich total darauf an. Du reagierst nach deinem Muster, nachdem du angefangen hast, es zu durchbrechen. Es gibt immer wieder Rückschritte, aber ich appelliere hier ganz stark an dich nicht den ultimativen Rückschritt anzutreten.

    Du hast eine Stimme, du hast eine Meinung, du hast ein Gefühl und das ist mindestens genauso viel Wert wie das deines Mannes. Du bist nicht gegangen, weil alles rosig war, du bist gegangen, weil es nach sehr langer Zeit einfach nicht mehr möglich war in dieser Konstellation zu leben.

    Er arbeitet jetzt an dir und deinen alten Mustern. Und da du sowieso noch nicht ganz bei dir und dem was du willst angekommen bist, hat der da natürlich gute Chancen. Er macht aber nicht das was notwendig wäre, er übernimmt keine Verantwortung für sein Handeln. Er stellt sich in die Opferrolle und dementsprechend hat er noch nichts gelernt.

    Ich bin selbst durch diese Zeit durch, so viele hier im Forum mussten das tun. Es ist super hart, es ist schwer und furchtbar und anstrengend. Aber wenn du irgendwann über diesen Berg hinüber bist, wird es besser. Das verspreche ich dir. Ob am Ende dann dein gesundeter Mann wartet, das weiß niemand, aber so wird es langfristig nur schlimmer werden und das weißt du im Grunde auch.

  • Er arbeitet einfach mit dem, dass Du selbst nicht weg willst.
    Da muss er nicht viel tun, Du nimmst ihm auch da die Arbeit ab.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich habe heute meinen Mut wieder zusammengefasst und ihm geschrieben, dass ich nicht komme, nicht zum Essen und auch nicht abends. Ich fühle mich so derart unter Druck gesetzt. Mich belastet das auch so, dass er sich so mit meinen Eltern zerworfen hat. Wie soll das gehen, soll ich mich dann zwischen ihm und meinen Eltern entscheiden?...Er hat mir sein Ziel heute geschrieben- vorerst 0,0 und dann möchte er Genusstrinken - vl mal nach 3 Monaten- zum Mittagessen z.b..🥺 Wenn das geklappt hätte, wäre ich doch gar nicht an dem Punkt.

    Ich habe das Gefühl es bleibt wirklich nur die Trennung oder ich lebe in seinem Spiel mit! Muss akzeptieren, dass er seine 1,2 Getränke trinkt, dass er mit meinen Eltern zerstritten ist usw..tolles Familienleben.

  • Ich habe das Gefühl es bleibt wirklich nur die Trennung oder ich lebe in seinem Spiel mit! Muss akzeptieren, dass er seine 1,2 Getränke trinkt, dass er mit meinen Eltern zerstritten ist usw..tolles Familienleben.

    Dein erstes Ziel war 0,0 und zwar dauerhaft. Und du hattest noch mehr Ziele. Vom Ersten ist er Millionen Kilometer entfernt. Wie oft soll er dir das noch klar machen?

    Und lies mal hier bei den Alkoholikern, bei 1-2 Getränken wird es dauerhaft niemals bleiben.

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