Ich glaube beides. Zum Einen wollte er sich ja nie verändern. Er hat schon immer ziemlich klar gesagt, er ist so wie er ist und das muss man so akzeptieren. Da spielen tatsächlich auch noch andere Faktoren als die Sucht mit rein. Und in dem ich das so annehme und sage, dass er so ist wie er ist und ich mich nicht mehr daran abarbeite, dass er anders zu sein hat: liebevoller, verantwortungsbewusster, nüchterner, damit überlasse ich ihn sich selbst. Das ist ein Geschenk für ihn, aber wahrscheinlich auch für mich. Auch wenn ich das aktuell nicht sehen kann.
Ja, ich kann das verstehen: Der Mensch, in den man sich einmal verliebt hat, ist einfach nicht mehr da ...
Ich hatte bei meiner Ex damals noch Glück im Unglück, da ging die Verwandlung vom Engel zum Teufel ganz schnell. Ich konnte mich damals noch relativ leicht lösen, aber insgesamt habe ich mich doch knapp zwei Jahre mit ihr und dann eine ganze Weile ohne sie herumgequält. Aber wenn man sich schon sicher war wie Du, dass das der Mensch ist, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen will, und man sich völlig darauf eingelassen hat, dann muss es fürchterlich sein.
Mich hat damals der totale Kontaktabbruch gerettet. Die ganze Energie, die man bis dahin in endlosen, fruchtlosen Gedankenkreisen um diesen Menschen verschwendet hat, konzentriert sich plötzlich auf einen einzigen Punkt: Ich muss "trocken bleiben"! Und das bringt einen jeden Tag ein kleines bisschen vorwärts, während die jagenden endlosen Gedanken vorher zu nichts führten als zu noch mehr und noch mehr jagenden Gedanken,
Und es ist so schön, wenn man sich plötzlich nach einigen Monaten dabei ertappt: "Mensch, jetzt habe ich doch tatsächlich zwei Tage lang nicht an sie gedacht!" Das ist so ein überwältigendes Befreiungsgefühl, das Dir da noch bevorsteht. Irgendwann wird es kommen.