SummerSun - Trennung als einziger Ausweg

  • Ich glaube beides. Zum Einen wollte er sich ja nie verändern. Er hat schon immer ziemlich klar gesagt, er ist so wie er ist und das muss man so akzeptieren. Da spielen tatsächlich auch noch andere Faktoren als die Sucht mit rein. Und in dem ich das so annehme und sage, dass er so ist wie er ist und ich mich nicht mehr daran abarbeite, dass er anders zu sein hat: liebevoller, verantwortungsbewusster, nüchterner, damit überlasse ich ihn sich selbst. Das ist ein Geschenk für ihn, aber wahrscheinlich auch für mich. Auch wenn ich das aktuell nicht sehen kann.

    Ja, ich kann das verstehen: Der Mensch, in den man sich einmal verliebt hat, ist einfach nicht mehr da ...

    Ich hatte bei meiner Ex damals noch Glück im Unglück, da ging die Verwandlung vom Engel zum Teufel ganz schnell. Ich konnte mich damals noch relativ leicht lösen, aber insgesamt habe ich mich doch knapp zwei Jahre mit ihr und dann eine ganze Weile ohne sie herumgequält. Aber wenn man sich schon sicher war wie Du, dass das der Mensch ist, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen will, und man sich völlig darauf eingelassen hat, dann muss es fürchterlich sein.

    Mich hat damals der totale Kontaktabbruch gerettet. Die ganze Energie, die man bis dahin in endlosen, fruchtlosen Gedankenkreisen um diesen Menschen verschwendet hat, konzentriert sich plötzlich auf einen einzigen Punkt: Ich muss "trocken bleiben"! Und das bringt einen jeden Tag ein kleines bisschen vorwärts, während die jagenden endlosen Gedanken vorher zu nichts führten als zu noch mehr und noch mehr jagenden Gedanken,

    Und es ist so schön, wenn man sich plötzlich nach einigen Monaten dabei ertappt: "Mensch, jetzt habe ich doch tatsächlich zwei Tage lang nicht an sie gedacht!" Das ist so ein überwältigendes Befreiungsgefühl, das Dir da noch bevorsteht. Irgendwann wird es kommen.

  • Und was ist, wenn er jetzt doch alles ändert und dann eine andere Frau mit ihm das perfekte Leben führt?

    Es sind so schlimme Gedanken, die ich gerade habe.

    Wir wohnen ja noch ein paar Monate zusammen und er ist so kühl und sachlich zu mir. Sagt mir immer, ich muss mich nicht erklären, ich habe meine Entscheidung getroffen. Und trotzdem tut es unendlich weh, weil ich das Gefühl habe, dass wir für ihn nichts wert sind...er wirkt so cool und gelassen.

    Einmal editiert, zuletzt von SummerSun (6. November 2024 um 07:51)

  • Liebe SummerSun

    Wie ich diese Gedanken und Gefühle kenne!

    Ich habe grade nicht viel Zeit zu schreiben, wollte Dir aber da lassen, dass ich immer abgelehnt habe, wenn mir jemand hier im Forum oder sonst wo weismachen wollte, dass das oft Hinhaltetaktiken des trinkenden Partners sind. Es hört sich so gemein an und so erlebte ich meinen (Ex-) Lebensgefährten ja nicht. Ich glaube ihm auch, dass er immer wieder mal weniger oder auch mal nichts trinken möchte. Und trotzdem bewirkte genau dieses Handeln bei mir jahrelang, dass ich eine Weile mit genau solchen Gedanken und Zweifeln beschäftigt war und er Zeit hatte, in der ich nicht klar war. Das ist nicht weil er ein gemeiner Mensch ist, das ist DIE SUCHT!

    Alles liebe

    Hab Geduld mit dir und ließ gaaanz viel hier

    Api

  • Liebe API,

    aber er steht ja nicht vor mir und sagt ich ändere was und trinke weniger. Das hat er anfangs gemacht. Jetzt ist er einfach maximal distanziert und zieht das weniger trinken durch, ist mir gegenüber aber maximal verschlossen, als wäre er ein Fremder. Deshalb finde ich es so schwierig. Er kommt ja nicht mit Liebe zu mir und fleht mich an zu bleiben, sondern er macht halt sein Ding.

  • Hallo summersun, ich bin EKA und setze mich seit einiger zeit intensiv damit auseinander was der alkohol in meiner familie angerichtet hat. Meine eltern haben beide jahrzehnte im suchtkreislauf verharrt. Mein vater war funktionierender alkoholiker, und hat seine arbeit bis er pensioniert wurde immer machen können ohne groß aufzufallen. Überhaupt war das glaube ich sein lebensmotto, bloß nicht auffallen. Nach außen den schein waren und die heile familie mimen. Meine mutter hat sehr unter seinem konsum gelitten, und wurde immer unglücklicher. Eine wesensveränderung habe ich bei beiden wahrgenommen. Sie machten einander für ihr nicht vorhandenes wohlbefinden verantwortlich, aussteigen wollte keiner. Verstanden habe ich als kind natürlich wenig von all den verstrickungen. Aber gespürt habe ich sie immens.

  • Hallo Summer,

    ❤️~lich Wilkommem im Forum,

    Mir geht es heute richtig schlecht. Eine Freundin von mir sagte mir, dass ich ihn so akzeptieren muss, wie er ist.

    Warum solltest du das müssen? Diese Frage würde ich meiner Freundin stellen!

    Gehe deinen Weg weiter, höre auf dein Gefühl. Du erlebst ihn tagtäglich, nicht deine Freundin.

    Liebe Grüße

    Liebe Grüße Petra

  • aber er steht ja nicht vor mir und sagt ich ändere was und trinke weniger. Das hat er anfangs gemacht. Jetzt ist er einfach maximal distanziert und zieht das weniger trinken durch, ist mir gegenüber aber maximal verschlossen, als wäre er ein Fremder. Deshalb finde ich es so schwierig. Er kommt ja nicht mit Liebe zu mir und fleht mich an zu bleiben, sondern er macht halt sein Ding.

    Hm, man kann ja nicht in ihn hineingucken, wenn er nichts darüber sagt, was seine Motivation ist. Könnte es vielleicht eine Art Kapitulation mit letztem Hoffnungsschimmer sein? Ich ziehe das jetzt schweigend durch, vielleicht bleibt sie ja dann doch?

  • Hallo SummerSun,

    Jetzt ist er einfach maximal distanziert und zieht das weniger trinken durch, ist mir gegenüber aber maximal verschlossen, als wäre er ein Fremder.

    Na ja, das ist auch so eine Taktik, glaube ich. Er ist verschlossen, du kommst da nicht ran. Und das verunsichert dich sehr. Ganz klar. Und unsichere Menschen sind gut zu manipulieren. So habe ich es selbst erfahren.

    Ich habe dann an mir selbst gezweifelt. War unsicher ob ich ihm nicht Unrecht getan hatte. Bekam Angst, was falsch zu machen. Fühlte mich wertlos weil er mich ignorierte. Irgendwann bin ich, im übertragenen Sinn, auf den Knien vor ihm gekrochen, dass er mich doch bittebitte wahrnehmen und mit mir reden sollte, nahm die Schuld auf mich und all sowas.

    Er war dann gönnerhaft gut und ich erleichtert und das Suchtkarrussel drehte sich weiter...

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Summer,

    ich kann mich Aurora nur anschließen.

    Jetzt ist er einfach maximal distanziert und zieht das weniger trinken durch, ist mir gegenüber aber maximal verschlossen,

    ein weiterer Versuch, dich mürbe zu machen. Das sind in meinen Augen Hinhaltetaktiken. Ein nasser Alkoholiker kann sich nicht "runtertrinken". Er straft dich mit Distanz, damit du wieder ins grübeln kommst, und damit deine Wahrnehmungen wieder anzweifelst.

    Und was ist, wenn er jetzt doch alles ändert und dann eine andere Frau mit ihm das perfekte Leben führt?

    Selbst dann bekommst du nicht den Menschen zurück, der er einmal war.

    Überlege mal für dich, wie oft er denn schon alles ändern wollte und was hat er dann tatsächlich getan?


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Naja sein Grundgedanke ist, dass er nicht aufhören möchte zu trinken. Er will kontrolliert trinken. Es gibt ein Programm einer Einrichtung, dort hat er einen Termin. Ich glaube aber dass das nicht reicht. Weil er ganz viele Themen hat, die zusätzlich die Beziehung belasten, die er aber nicht bereit ist anzugehen.


    Und er sagt mir immer wieder, dass ich mich entschieden habe zu gehen. Dass er es akzeptieren muss, im Gegenzug muss ich aber auch akzeptieren, welche Bereitschaft er mitbringt. Das weiß ich. Aber das halte ich für schwierig und nicht ausreichend. Er wirkt halt so als wäre seine ganze Liebe für mich weg, als wäre ich ihm nicht wichtig, als wäte es nicht wichtig zu kämpfen und das obwohl ich doch seine große Liebe bin

  • Es gibt ein Programm einer Einrichtung, dort hat er einen Termin. Ich glaube aber dass das nicht reicht.

    ich weiß, dass es solche Einrichtungen gibt, es bringt diesen Einrichtungen Geld. Kontrolliertes Trinken funktioniert bei Alkoholikern nicht. Das soll dir nur zeigen, dass er etwas tut.

    Und er sagt mir immer wieder, dass ich mich entschieden habe zu gehen. Dass er es akzeptieren muss, im Gegenzug muss ich aber auch akzeptieren, welche Bereitschaft er mitbringt.

    wo bleibst du in diesem Zitat? Du siehst was er "unternimmt", und du fühlst dich unglücklich an der Seite des nassen Alkoholikers, hast ein Kleinkind zu versorgen und alle deine Gedanken kreisen um ihn. Was du tun mußt, was du akzeptieren mußt usw, usw. Nimm dich, dein Kind und deine Bedürfnisse wichtiger. Ihr gehört an die erste Stelle.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Ich finde e

    ich weiß, dass es solche Einrichtungen gibt, es bringt diesen Einrichtungen Geld. Kontrolliertes Trinken funktioniert bei Alkoholikern nicht. Das soll dir nur zeigen, dass er etwas tut.

    Das ist ein karitativer Verein, deshalb weiß ich nicht, ob sie daran etwas verdienen.


    Und zu deinem anderen Kommentar: das ist das was so unglaublich schmerzt. Dass wir bei ihm keinen Platz haben, keine Priorität sind. Genau deshalb gehe ich ja. Aber schmerzen tut es so unendlich Doll. Und natürlich drehen sich meine Gedanken um ihn. Ich liebe ihn. Ich hätte ihn gerne einsichtig. Ich würde gerne die Liebe für uns spüren können, die er mir bei unserem Eheversprechen geschworen hat.

  • Ich hätte ihn gerne einsichtig.

    das schaffst du nicht, und wenn du dich noch so sehr bemühst. Du arbeitest dich an ihm ab, und all diese Kraft geht bei dir und für dich verloren. Die Einsicht muß von ihm kommen.

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Ich habe mich gerade nochmal durch das kontrollierte Trinken gelesen. Das wird ja von vielen Suchtforschern stark kritisiert, weil es eben nicht so einfach ist, für einen Alkoholiker ein normales Trinkverhalten an den Tag zu legen.


    Du hast Recht Morgenrot . Seine Entscheidung ist für den Konsum im kontrollierten Maße und gegen eine stationäre Therapie, die Kneipe nur noch reglementiert und seine Familie ausgefallen. Das ist hart! Und das schmerzt! Aber vielleicht waren wir ihm nie wirklich wichtig.

  • Uns gibt es 20 Jahre, wir sind m. W. das größte Alkoholikerforum. Und m. W. hat es noch nie bei einem Alkoholiker geklappt mit dem "kontrollierten Trinken", zumindest habe ich hier nie davon gelesen. Kontrollverlust ist Zeichen der Sucht. Das bedeutet, daß ein Alkoholiker die Kontrolle über seinen Konsum verloren hat. Jeglicher Versuch des "kontrollierten Trinkens" ist zum Scheitern verurteilt. Nur mit völliger Abstinenz kann ein Alkoholiker seine Sucht zum Stillstand bringen.

    Aber mit der Hoffnung der Alkoholiker, wieder "normal" trinken zu können, verdienen sich bestimmte Institutionen eine goldene Nase.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ja. Das hast Du gut auf den Punkt gebracht. Und ja, das schmerzt.

    Mir hilft es ein ganz kleines bisschen, wenn ich mir vor Augen halte, dass er eine schwere Krankheit hat. Und die spricht aus ihm. Das hilft, es nicht ganz so persönlich kränkend zu nehmen!

  • aber er steht ja nicht vor mir und sagt ich ändere was und trinke weniger. Das hat er anfangs gemacht. Jetzt ist er einfach maximal distanziert und zieht das weniger trinken durch, ist mir gegenüber aber maximal verschlossen, als wäre er ein Fremder.

    Solche Phasen hatten wir auch! Dann ging bei mir das Gedankenkarussell los wie zb "wer so klar und selbstsicher ist, muss doch alles im Griff haben" " ich bin viel unsicherer, vllt hab ja wirklich ich das größere Problem " "was ist, wenn er mit einer anderen Frau...s.o."

    Es gibt sooo viele Gedankenkarussells, da könnten wir bestimmt einen super Co- Freizeitpark aufmachen.. wow.. eine Geschäftsidee!

  • MITTLERWEILE würde es mich freuen, denke ich. Ob es dann wirklich so wäre weiß ich natürlich nicht.

    Aber das ist noch recht neu. Vorher hat mich dieser Gedanke auch öfters mal zerfressen.

    Ich habe vor einiger Zeit auf voller Länge kapituliert. Ich lerne (auch mit therapeutischer Unterstützung), ihm sein Erwachsenenleben ohne mich zuzugestehen. Da gehören Szenarien wie "wenn er sich etwas antut" bis hin zu "wenn er in einer tollen anderen Beziehubg ist" gleichermaßen dazu.

    Als ich vor ein paar Monaten meiner Therapeutin genau diese Bedenken schilderte meinte sie nur "Ja das ist möglich.........Aber es sind genau 2 von ca 1000 Möglichkeiten, die nach einer Trennung eintreten könnten. Also warum beschäftigen sie sich nicht auch mit den anderen 998 Möglichkeiten?!"

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