YKMN - Meine Freundin, der Alkohol und ich - brauche dringend Rat

  • Sie ist jedoch erwachsen und kann so viel Alkohol trinken, wie sie will.

    Ja, aber was soll mir das sagen? Natürlich "dürfen" Erwachsene jeden selbstzerstörerischen Mist verzapfen, ohne Rücksicht auf sich und andere - schon klar. Aber soll ich sie einfach sich selbst überlassen? Ich will doch mit ihr gemeinsam die Situation verbessern. Ist das zu naiv?

    Und bist Du sicher, dass sie an den Tagen, wo sie angeblich nichts getrunken hat, wirklich nüchtern war?

    In den meisten Fällen mit hoher Sicherheit, weil sie auch häufig im Home-Office zuhause ist und da gibt es nicht wirklich Möglichkeiten.

    Und teilweise auch Angehörige. Ich trinke seit gut einem Jahr nichts mehr, weil mich meine Erlebnisse mit einem nassen Alkoholiker so runtergezogen haben, daß ich gar keine Lust mehr auf Alkohol habe. Und ich war davor auch eine Genusstrinkerin. Zu sehen, wie sich jemand an den Rande des Todes säuft, hat mich ziemlich erschüttert. Kontrolliertes Trinken funktioniert nicht. Und es ist auch sehr nervenaufreibend, merkst du ja auch. Weil sich euer Alltag danach richten muss. Mit dem ständigen Risiko daß alles auseinanderfliegt.

    Danke für die Meinung aus dieser Perspektive. Es ist nervenaufreibend, allein wegen dem Organisatorischen, was ich schon lästig empfinde und sie bestimmt noch mehr. Man ist da fast in so einer Lehrer-/Aufpasserrolle und die will ich gar nicht.

  • Aber soll ich sie einfach sich selbst überlassen? Ich will doch mit ihr gemeinsam die Situation verbessern. Ist das zu naiv?

    Ja

    Man ist da fast in so einer Lehrer-/Aufpasserrolle und die will ich gar nicht.

    Du bist gar nicht in der Lage, sie zu beaufsichtigen oder sie zu erziehen. Sie ist erwachsen und trifft ihre eigenen Entscheidungen.

    Hast Du schon ein Gespräch mit ihr gesucht, wie sie das alles sieht?

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Du bist gar nicht in der Lage, sie zu beaufsichtigen oder sie zu erziehen.

    Denkst du, ich habe darauf Lust oder will das alles?

    Hast Du schon ein Gespräch mit ihr gesucht, wie sie das alles sieht?

    Endlos viele. Zuletzt immer häufiger, weil die Situationen mit Angetrunkenheit nach dem Weggehen unter der Woche eher mehr als weniger wurden. Meistens sieht sie ein, über die Strenge geschlagen zu haben. Sie schießt aber auch häufig zurück, dass ich übertreibe und führt ihre vergangenen Erfolge als "Referenz" an. Sie hat auch letztens erwähnt, dass sie lieber wieder auf das 5:2 Format umsteigen würde, weil sie bei 4:3 das Gefühl hat, die reduzierten Tage dann wenigstens auskosten zu müssen und nicht nur für 1 Glas Wein zu verschenken. Oder dass sie grundsätzlich noch nie der Typ für nur 1-2 Gläser war. Sie wird auch ab und zu beleidigend und mischt dann andere Beziehungsthemen mit rein und will die Diskussion darauf lenken. So ungefähr nach dem Motto "Dich stört das. Mich stören diese Punkte und da änderst du auch nichts dran".

  • weil sie bei 4:3 das Gefühl hat, die reduzierten Tage dann wenigstens auskosten zu müssen und nicht nur für 1 Glas Wein zu verschenken. Oder dass sie grundsätzlich noch nie der Typ für nur 1-2 Gläser war.

    Hier steht eigentlich alles was relevant ist.

    Sie möchte öfter und freier, vermutlich dann auch mehr trinken. Von einer dauerhaften Abstinenz aus Beziehungsgründen, oder auch wegen der eigenen Gesundheit, lese ich hier nichts.

    Der Kampf schwelt jetzt schon viele Jahre. Besserung nicht in Sicht.

    Eigentlich hängt Dein weiteres Vorgehen davon ab wie leidensfähig Du noch bist. Heb diese seltsamen 5:2 oder 4:3 Beschränkungen auf und schau was passiert. Diese Art der "Kontrolle" ist sowieso nicht gerade beziehungstauglich. Ihr seid beide erwachsen und könnt trinken soviel ihr wollt. Viel zu anstrengend und irgendwie auch albern.

    Der Alkohol hat Euch voll im Griff. Dafür muss man nicht dauernd voll sein, er bestimmt aber in vielen Teilen Euer Zusammenleben. Das geht auch passiv auf gedanklicher Ebene ohne zu trinken.

    Von unbeschwertem Genuss kann auch von Deiner Seite kein Reden mehr sein, wenn Du ja ständig aufpasst das es bei ihr nicht zuviel wird.

    Du kannst nicht mehr trinken wie Du es gerne möchtest, sie kann es auch nicht. Von gemeinsamer Abstinenz allerdings keine Rede. Alleine schon um diesen Beziehungskiller abzustellen, wäre diese Entscheidung der gemeinsamen Abstinenz nur logisch.

    Stattdessen wird gestritten und Vorwürfe bestimmen den Takt. Keiner möchte wirklich auf Alkohol verzichten.

    Du von Deiner Seite hast eigentlich schon zuviel getan im Laufe der Jahre. Die Angst hat sich eingefressen und ist auch für eine gemeinsame Zukunft nicht gerade hilfreich.

    In punkto weitere Planung / Familienplanung wirst Du wohl recht bald eine Entscheidung treffen müssen. Du wirst, auch nachdem Du Dich hier eingelesen hast und dadurch wahrnimmst wohin die Reise geht, dieses seltsame Spiel jetzt keine weiteren Jahre mehr mitmachen wollen.

    Du hast bestimmt schon ein paar Szenarien für Dich gedanklich durch. Schreib doch mal wie es für Dich aussehen könnte.

    Gruß WW

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Vielen Dank für deine Rückmeldung, Wolf.

    Sie möchte öfter und freier, vermutlich dann auch mehr trinken. Von einer dauerhaften Abstinenz aus Beziehungsgründen, oder auch wegen der eigenen Gesundheit, lese ich hier nichts.

    Das sehe ich ähnlich. Wobei sie zumindest jährlich für die eigene Gesundheit diese Kur für ein paar Wochen macht.

    Eigentlich hängt Dein weiteres Vorgehen davon ab wie leidensfähig Du noch bist. Heb diese seltsamen 5:2 oder 4:3 Beschränkungen auf und schau was passiert. Diese Art der "Kontrolle" ist sowieso nicht gerade beziehungstauglich.

    Nein, der Beziehung hilft das sicherlich nicht. Es hat höchstens insofern geholfen, dass ich ein paar Tage in der Woche "Ruhe" habe und es sich positiv auf die Gesundheit auswirkt, wenn Trinktage wegfallen. Ansonsten ist es nachteilig.

    Du von Deiner Seite hast eigentlich schon zuviel getan im Laufe der Jahre. Die Angst hat sich eingefressen und ist auch für eine gemeinsame Zukunft nicht gerade hilfreich.

    Du hast Recht, die Angst hat sich definitiv über die Jahre eingefressen. Es wird ja auch ständig neuer Nährstoff geliefert, der die Angst weiter befeuert bzw. bestätigt. Es wäre für mich sicher einfacher gewesen, wenn sie Alkoholikerin wäre im Sinne, wie man es sich ohne Vorwissen vorstellt - jeden Tag über den ganzen Tag große Mengen trinken, Privates und Berufliches schleifen lassen, körperlicher Abbau usw. Dann hätte ich schon lange die Reißleine für mich gezogen. Aber mit der Einordnung von so einem "Mittelding" tue ich mich schwer.

    Du hast bestimmt schon ein paar Szenarien für Dich gedanklich durch. Schreib doch mal wie es für Dich aussehen könnte.

    Ich sehe da im Grunde drei Optionen:

    a) Einfach den Cut machen und den emotionalen Schlag und organisatorisch-finanziellen Albtraum in Kauf nehmen. Da müsste ich mir auch die Frage stellen, ob es ich noch jemand aus ihrer Familie (z.B. der Mutter) erzählen soll, damit überhaupt wer außer mir Bescheid weiß und versuchen kann zu unterstützen. Bei dem Szenario würde sie sicher auch ein Stück abdriften, da ein Teil ihres Lebens dann in Scherben liegt (so wie bei mir auch).

    b) Versuch der gemeinsamen Abstinenz. Ich müsste dann ja mitziehen, um ihr nichts vorzutrinken.

    c) Alle Regeln abschaffen und eine Weile beobachten, wohin das führt. Wobei ich mir davon ehrlich gesagt nichts erhoffe und eher befürchte, dass sie dann einfach nur mehr trinkt.

  • Wohin nr 3 führt kannst du hier dutzend, ne hundertfach nachlesen, für angehörige wie für trinkende geht die suchtgeschichte stetig bergab. Aus einem aushaltbaren mittelding - was soll das überhaupt sein? - der leidensdruck ist doch schon recht groß sonst hättest du dir das nicht alles so von der gestressten leber geschrieben, also jedenfalls das mittelding wird über kurz oder lang ein ausgewachsener albtraum. Den können sich aber beide seiten viele jahre schön reden.

    Nr2 versuch der gemeinsamen abstinenz. Da zucke ich zusammen. Versuchen klingt nach halbherzigem, eigentlich würde ich gerne weitertrinken.

  • Aber soll ich sie einfach sich selbst überlassen? Ich will doch mit ihr gemeinsam die Situation verbessern. Ist das zu naiv?

    Ja. Die einzige Hilfe für einen Alkoholiker ist Nichthilfe.
    Du kannst nicht mit ihr gemeinsam die Situation verbessern, wenn sie keine Krankheitseinsicht hat.
    Und ja, das ist naiv.

    Wenn du dich hier mal durch die Beiträge und durch die Erfahrungen von anderen Angehörigen liest, wirst du viele Antworten auf deine Fragen bekommen, die vielleicht immer mal anders formuliert werden, aber im Prinzip alle das Gleiche ausdrücken: Nur das eigene Leben kann verändert werden. Niemals wird es jemandem gelingen, dass Leben eines anderen zu verändern.
    Gemeinsam eine Situation verbessern setzt voraus, dass auch in gleiche Richtung geschaut wird.

    Sie hat auch letztens erwähnt, dass sie lieber wieder auf das 5:2 Format umsteigen würde, weil sie bei 4:3 das Gefühl hat, die reduzierten Tage dann wenigstens auskosten zu müssen und nicht nur für 1 Glas Wein zu verschenken

    Was brauchst du noch?
    Sie will trinken. Und sie darf das auch für sich so entscheiden.

    Es gibt doch für dich nur zwei Möglichkeiten: Ihr behaltet euer Saufmodell bei, passt es ggf. ihren Bedürfnissen (oder ihrer Notwendigkeit?) an. Und das ist dann eine Entscheidung, die hier nicht kommuniziert wird.
    Oder du distanzierst dich davon. Dazwischen ist nichts.

    Wir sind ein Alkoholiker-Forum. Da wird sich über Nichttrinken ausgetauscht. Über alkoholfreie Wohnungen. Über Wege, sich aus einer Co-Abhängigkeit zu lösen. Über Möglichkeiten, sein eigenes Leben so zu gestalten, dass es glücklich und zufrieden ist….. Alkohol kommt darin nicht vor.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Eigentlich hast du deine Grenzen auch schon verschoben. Du schreibst

    Da war für mich ein Kipp-Punkt erreicht. Ich sagte ich kann die Beziehung so nicht fortsetzen. Sie müsse zumindest eine ganze Weile erstmal gar nichts trinken, damit ich sehe, dass sie überhaupt ohne kann.

    Die Grenze war (eigentlich) erreicht. Du hast sie formuliert - es geht so nicht weiter - dir/euch aber auch eine Hintertür eingebaut, indem du für sie die Option einer längeren Trinkpause eingebaut hast. Daraus wurde also eine Trinkpause, - für euch beide. Danach ging es also etwas verändert weiter, und wurde wieder unentspannt.

    Große Trinkmengen, Exzesse, heimliches Trinken, was genau hat dich damals gestört, daß du es als Kipppunkt empfunden hast?

    Ich habe irgendwann 2022/2023 versucht aktiver gegenzusteuern und eingefordert, dass wir beide an weniger Tagen trinken.

    Aus dem Kippunkt wurde also ein Kompromiss, und damit eine Grenze verschoben. Deine. Aus einem -so gehts nicht weiter- wurde ein "Mittelding".

  • Hallo YKMN,

    ich habe viele der Dinge, die du hier beschreibst, auch so gemacht. Versucht, das Trinken durch Regeln zu kontrollieren, zum Beispiel. Heute weiß ich, dass ein Abhängiger nichts kontrollieren kann, sonst wäre er nicht abhängig. Auch Trinkpausen kenne ich, die hat mein Exmann auch gemacht. Und ich hab dann gezweifelt ob er wirklich schon so tief drinsteckt.

    Ich hatte Fusseln am Mund von Reden, es ging bei ihm "ein Ohr rein, anderes raus" . Denn ich hab von meinen Lebenswünschen und Forderungen an ihn geredet. Er hatte da ganz andere Vorstellungen.

    Ich könnte noch einige andere Dinge schreiben, hab ich hier auch schon oft. Denn es ähnelt sich auf unheimliche Art und Weise immer wieder. Ich hab das ganze 26 Jahre lang mitgemacht, wobei es seicht anfing, da, wo du jetzt stehst, da stand ich auch mal und da war noch nicht mal die Hälfte der gemeinsamen Zeit um.

    Es ging noch weiter bergab, erst langsam, dann immer schneller.

    Anhand der hier vielfach geschilderten Wege kannst du dir ausrechnen, was bei euch weiter passieren wird. Es sei denn, sie macht den rigorosen Cut und wird aus vollem Herzen trocken. Danach sieht es, aus meiner Sicht anhand der von dir beschriebenen Situation, nicht aus.

    Ist Kacke aber isso.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Wohin nr 3 führt kannst du hier dutzend, ne hundertfach nachlesen, für angehörige wie für trinkende geht die suchtgeschichte stetig bergab. Aus einem aushaltbaren mittelding - was soll das überhaupt sein? - der leidensdruck ist doch schon recht groß sonst hättest du dir das nicht alles so von der gestressten leber geschrieben, also jedenfalls das mittelding wird über kurz oder lang ein ausgewachsener albtraum. Den können sich aber beide seiten viele jahre schön reden.

    Nr2 versuch der gemeinsamen abstinenz. Da zucke ich zusammen. Versuchen klingt nach halbherzigem, eigentlich würde ich gerne weitertrinken.

    Ich sagte auch nicht, dass das alles gute Optionen sind. Ich bin es nur einmal im Kopf durchgegangen und habe die Varianten aufgeschrieben ohne besonders auf das Wording zu achten.

    Ja. Die einzige Hilfe für einen Alkoholiker ist Nichthilfe.
    Du kannst nicht mit ihr gemeinsam die Situation verbessern, wenn sie keine Krankheitseinsicht hat.

    Hmm

    Große Trinkmengen, Exzesse, heimliches Trinken, was genau hat dich damals gestört, daß du es als Kipppunkt empfunden hast?

    Aus dem Kippunkt wurde also ein Kompromiss, und damit eine Grenze verschoben. Deine. Aus einem -so gehts nicht weiter- wurde ein "Mittelding".

    Du hast Recht, meine Grenze wurde damals verschoben. Der Kipp-Punkt war für mich das wiederholte heimliche Trinken und die Lügen. Doch dann hat sie ja tatsächlich etwas getan. Und da die Situation heute im Vergleich zu damals deutlich weniger schlimm ist, dachte ich immer, dass man es in den Griff kriegen kann, weil das andere auch geklappt hat.

    Aber ich höre bei euch raus, dass ihr die Situation trotzdem als sehr dramatisch einschätzt und deshalb nur weitreichende Entscheidungen einen Ausweg bieten (im Zweifelsfall nur für mich).

  • Hallo YKMN,

    ich habe viele der Dinge, die du hier beschreibst, auch so gemacht. Versucht, das Trinken durch Regeln zu kontrollieren, zum Beispiel. Heute weiß ich, dass ein Abhängiger nichts kontrollieren kann, sonst wäre er nicht abhängig. Auch Trinkpausen kenne ich, die hat mein Exmann auch gemacht. Und ich hab dann gezweifelt ob er wirklich schon so tief drinsteckt.

    Ich hatte Fusseln am Mund von Reden, es ging bei ihm "ein Ohr rein, anderes raus" . Denn ich hab von meinen Lebenswünschen und Forderungen an ihn geredet. Er hatte da ganz andere Vorstellungen.

    Ich könnte noch einige andere Dinge schreiben, hab ich hier auch schon oft. Denn es ähnelt sich auf unheimliche Art und Weise immer wieder. Ich hab das ganze 26 Jahre lang mitgemacht, wobei es seicht anfing, da, wo du jetzt stehst, da stand ich auch mal und da war noch nicht mal die Hälfte der gemeinsamen Zeit um.

    Es ging noch weiter bergab, erst langsam, dann immer schneller.

    Danke Aurora, diese Perspektive hat mir noch gefehlt. Das klingt wirklich sehr ähnlich. Gerade wenn ihr auch zwischendurch so Ups hattet, die einem Hoffnung geben. Darf ich fragen, was bei dir schlussendlich zum Bruch geführt hat? War es ein spezielles Ereignis oder einfach die jahrelange emotionale Erosion?

  • Ja, lass sacken.
    Was ich geschrieben habe, ist ja vermutlich auch nicht das, was du hier lesen willst.

    Ich schreibe dir aus meiner Perspektive als Alkoholiker.
    Und aus der heraus muss ich dir sagen: Nichts und niemand hätte mich vom saufen abhalten können, bevor ich nicht für mich akzeptiert habe, dass ich Alkoholiker geworden bin und dass nur die lebenslange Abstinenz mir ein glückliches Leben ermöglichen kann.

    Mit hat es ganz viel geholfen, auch bei den Angehörigen zu lesen. Vielleicht ist es auch für dich hilfreich, ein wenig bei dem Alkoholikern zu lesen?

    Schau mehr auf dich. Lass dich nicht noch weiter in diese Suchtspirale mit reinziehen.
    Letztendlich ist doch jeder für sich selbst verantwortlich, sie für sich und du für dich. Sie will saufen, besser 5 mal die Woche als ‚nur’ 4 mal. Von weniger ist keine Rede, von gar nix mehr schon mal gar nicht. Sie sieht sich nicht als Alkoholiker, ist demzufolge auch nicht krank und wird deshalb an ihrer Situation auch nichts ändern können, bevor sich nicht ihre Sichtweise auf ihren Alkoholkonsum ändert.
    Du kannst ihre Gedanken nicht beeinflussen und du kannst sie nicht trocken lieben.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Danke für die aufbauenden Worte. Ich schaue auch gerade andere Threads durch, um ein besseres Verständnis durch die verschiedenen Lebensgeschichten zu bekommen.

    Vielleicht noch eine andere Frage: Mal angenommen, ich würde mich trennen. Momentan bin ich der Einzige, der von ihrer Situation weiß. Im Eingangspost erwähnte ich eine Freundin, mit der sie zur Zeit des Heimlichen Trinkens über das Thema sprach. Das war vermutlich eher oberflächlich und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie über die Jahre weiterhin darüber gesprochen haben. Müsste ich nicht den "Staffelstab" an irgendwen übergeben, am besten innerhalb der Familie, damit das jemand weiter beobachten kann, nachdem ich weg bin? Vielleicht würde es auch was bringen, wenn das Thema etwas Scheinwerferlicht bekommt? und Andere auch mal was zu ihr sagen außer mir? Oder wäre das kontraproduktiv, weil ich damit Rückzugsräume wegnehme und somit die Abstiegsgefahr erhöhe?

    Ich wüsste aber auch unabhängig davon nicht, welchen alternativen Trennungsgrund ich erfinden sollte, wenn Freunde und Familie fragen. Ich bin ja die ganze Zeit über der Geheimniswahrer gewesen.

  • Euer fokus wird vom alkohol bestimmt, bloss in entgegen gesetzte richtungen. Sie wartet auf die trinktage, du auf die nicht trinktage. Jeweils dann gehts euch besser, das muss clashen. In so einer konstellation kann es kein gemeinsames wir schaffen das geben. Du kannst auf dich schauen. Was brauchst du von dir, um ein gutes Leben zu führen?

    Ups dss hat sich überschnitten, ich hatte mich auf deine posts davor bezogen. Staffelstab übergeben, bloss nicht, da bugsierst du ja den nächsten in die spirale.

  • Euer fokus wird vom alkohol bestimmt, bloss in entgegen gesetzte richtungen. Sie wartet auf die trinktage, du auf die nicht trinktage. Jeweils dann gehts euch besser, das muss clashen. In so einer konstellation kann es kein gemeinsames wir schaffen das geben.

    So wie du das beschreibst, klingt es total logisch. Der Gedanke kam mir so noch nicht.

    . Staffelstab übergeben, bloss nicht, da bugsierst du ja den nächsten in die spirale.

    Theoretisch ja, aber wäre das vergleichbar? Also ja, für z.B. die Eltern oder Geschwister wäre das ein Ballast, nur sind die ja nicht mit ihr in einer Lebensgemeinschaft. Das würde nicht annähernd so den Alltag dominieren wie bei mir.

    Und es bleibt die Schwierigkeit, dass ich bei einer Trennung sowieso irgendwas sagen muss. Und ehrlich gesagt auch nicht über ein Beziehungsende hinaus für das Geheimnis lügen möchte. Ich trage es schon so lange.

    Was brauchst du von dir, um ein gutes Leben zu führen?

    Ehrliche Antwort? Ich habe keine Ahnung. Darüber müsste ich nachdenken, aber momentan fühle ich mich zu leer. Meine Vorstellung war immer Frau, Kind, Haus. Das Haus ist jetzt da, alles Weitere nunja. Und ich bin auch fast Ende Dreißig. Ich glaube so langsam, gerade nach dem Austausch hier, ich habe irgendwo vor langer Zeit meine Ausfahrt verpasst.

  • Den Staffelstab des COs weiter reichen.

    damit das jemand weiter beobachten kann

    Denn das ist genau das, was ein waschechter CO macht.

    Das ist keine gute Idee.

    So lange sich jemand um sie bemüht, ist die Chance, dass sie ihren Tiefpunkt erreicht, geringer.

    Menschen ändern für gewöhnlich immer dann erst etwas, wenn der Leidensdruck hoch genug ist.

    Das ist ja auch der Grund, wieso du dich hier gemeldet hast.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • YKMN ,

    ich finde mich in Vielem wieder, was Du schreibst.

    Vor allem gleich ist:

    Aber mit der Einordnung von so einem "Mittelding" tue ich mich schwer.

    Unterschiede: Bei mir geht es nicht um eine, sondern um zwei Frauen. Ich selbst bin zwar kein Antialkoholiker, aber das Zeug interessiert mich in etwa soweit wie meinetwegen Tomatensaft.

    Bei der ersten Frau war es krasser als bei Deiner Freundin - um es mittels Rhythmus auszudrücken: Das Normale waren da so ca. 6:1 bis 7:0 Trinktage pro Woche und alle 1-2 Wochen ein Exzess, der aber auch wirklich seinen Namen verdiente. Mir war aber irgendwie aber von Anfang an klar, dass ich daran nichts ändern kann. Trotzdem habe die zwei stressreichsten Jahre meines Lebens gebraucht, um mich da rauszuziehen.

    Und:

    die Angst hat sich definitiv über die Jahre eingefressen.

    Und darauf kannst Du einen lassen. Und zwar kann sie sich so sehr einfressen, dass man (hier: ich) schon in große Sorgen verfällt, wenn es dann bei einer anderen Frau nur um vielleicht so 0:7 bis 2:5 Trinktage geht, an denen es aber immer bei maximal einem normalen Glas bleibt - ohne Exzesse zwischendurch.

    Soll heißen: Der Stress ist so intensiv, dass er für lange Zeit Spuren hinterlassen kann, die vielleicht schon am Rande von pathologisch sind, zumindest aber eindeutig eine Bürde.

    Außerdem noch ein paar Gedanken zu Deiner Unsicherheit in punkto "Mittelding" (ich habe das für mich als "Grenzfall?" formuliert):

    Sie hat auch letztens erwähnt, dass sie lieber wieder auf das 5:2 Format umsteigen würde, weil sie bei 4:3 das Gefühl hat, die reduzierten Tage dann wenigstens auskosten zu müssen und nicht nur für 1 Glas Wein zu verschenken.

    Heimlich trinken versus Trinkregime: Natürlich trinkt sie nicht mehr heimlich, weil Du ihr Trinken ja quasi "legalisiert" hast. Wenn sie an 5 oder 4 Tagen in der Woche trinken "darf" - warum sollte sie dann heimlich trinken?

    Aber Du siehst ja schon: Selbst 4 sind ihr eigentlich zu wenig, denn sie hat den Drang, diese vier Tage dann aber auch möglichst gründlich "auszukosten", möglichst ohne Dich mit Freundin, weil dann der Ärger von Deiner Seite wenigstens erst hinterher kommt und nicht schon beim zweiten Glas.

    Wer aber kein Problem mit Alkohol hat, der hat auch kein Problem ohne Alkohol. Der braucht solche Regime nicht, und der hat auch nicht den Drang, das Regime dann möglichst aufzuweichen, wenn das nicht gelingt, im Rahmen des vereinbarten Regimes aber auch nach Möglichkeit alles auszureizen und herauszuquetschen, was das Regime beim besten Willen hergibt, oder zur Not eben das Regime komplett zu unterlaufen, indem er auf heimliches Trinken ausweicht.

    Wir können hier alle keine Diagnosen stellen, aber sorry: Das ist doch offensichtlich zumindest nicht mehr nur Lust, mal was zu trinken, denn es braucht massive Kontroll(versuch)e, damit es nicht aus dem Ruder läuft. Da ist ein Problem.

    Sie wird auch ab und zu beleidigend und mischt dann andere Beziehungsthemen mit rein und will die Diskussion darauf lenken.

    Ja, normal, Du nervst eben, und das soll aufhören.

    Aber soll ich sie einfach sich selbst überlassen?

    Die Situation, in der man sich da findet, ist ein bisschen paradox:

    Wenn es Dir darum geht, ihr (mit einer sehr geringen Chance) bei dieser Alkoholproblematik helfen zu wollen, ist es besser, sie zu verlassen - denn wenn Du bleibst, machst Du ihr das Leben mit dem vielen Alkohol leichter.

    Wenn es Dir darum geht, weiter mit dieser Frau zusammenleben zu wollen, musst Du Deinerseits ausreizen, mit wie viel Stress dieser Art Du leben willst und kannst. Die Chance auf weniger Alkohol werden dann aber noch geringer.

  • Müsste ich nicht den "Staffelstab" an irgendwen übergeben, am besten innerhalb der Familie, damit das jemand weiter beobachten kann, nachdem ich weg bin?

    Du bist co-abhängig, oder? Und das fühlt sich doch Schei*** für dich an, oder? Und du willst allen Ernstes das der nächste Mensch auch so drinhängt?

    für z.B. die Eltern oder Geschwister wäre das ein Ballast, nur sind die ja nicht mit ihr in einer Lebensgemeinschaft. Das würde nicht annähernd so den Alltag dominieren wie bei mir.

    Spontan möchte ich sagen: Was ein Quatsch. Sage ich aber nicht, weil ich als Moderatorin die Contenance wahren möchte. Wenn du hier im Angehören-, speziell im EKA-Bereich lesen würdest, dann würdest du den Hauch einer Ahnung bekommen, wie quälend die Last ist für Eltern, Kinder und Geschwister von Alkoholikern...

    Du kannst dich trennen und eine suchtmittelfreie Partnerin suchen. Aber Eltern, Kinder und Geschwister bleiben für alle Zeit die Angehörigen des Trinkers.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

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