Diesen Faden eröffne ich, weil mir der im Titel geäußerte Gedanke schon seit ein paar Tagen durch den Kopf geht - angesichts dessen, was ich hier, aber auch in den Medien so dazu lese und höre.
Kein anderes Fest wird so dermaßen gefühlsmäßig überhöht und kommerziell ausgeschlachtet wie dieses. Das "Love"-Gedudel im Radio wird vorübergehend durch "Christmas"-Gedudel ersetzt.
Wohlgemerkt: Mir geht es hier nicht um die naheliegende Konsumkritik, sondern darum, was das mit den Menschen macht.
Weihnachten ist das Fest der Familie, da kommt man zusammen und macht es sich schön (natürlich auch mit einem "guten" Tropfen). Und wer das nicht machen kann oder will, ist zu bedauern ....
Und wehe, es gibt unterschiedliche Auffassungen, es ist doch Weihnachten ...! Der Fernseher bleibt zur Feier des Tages auch aus, auch wenn er sonst den ganzen Tag läuft. Doch womit die ungewohnte Leere füllen? Jetzt sei doch mal gemütlich, hieß es schon vor Jahrzehnten bei Loriots Familie Hoppenstedt.
Nachbarn und Kollegen fragen schon im Vorfeld, wie man Weihnachten verbringt, ob denn auch die Kinder und Enkel kommen, etc. Heutzutage kommt ja noch der Druck hinzu, in den asozialen Medien entsprechende Bilder vom "erfolgreich" verlaufenen Weihnachtsfest zu verbreiten.
Es wird nicht einfacher, je mehr wir uns vom Ursprung des Festes entfernen, und da kochen schnell die Emotionen hoch. Die Gewaltstastistik in dieser Zeit spricht Bände.
Oft hört man: Ja, Weihnachten ist schön, besonders mit kleinen Kindern, aber es ist dann auch schön, wenn es wieder vorbei ist.
Ich habe mit meiner Herkunftsfamilie, die ich auch jetzt wieder kurz besucht habe, auch so manche Dramen an Weihnachten durch.
Irgendwann (reichlich spät im Leben) habe ich, nicht nur in Bezug auf Weihnachten, gelernt, meine Erwartungen auf ein realistisches Maß herunterzuschrauben, alles nicht so ernst zu nehmen, es eher wie eine Art altbekanntes Theaterstück von außen zu betrachten und mich an dem zu freuen, was möglich ist - und gut ist.
Wie sagte eine Radiomoderatorin neulich (in Bezug auf die Enkaufshysterie kurz vorm Fest): Leute, es ist doch nur Weihnachten.
In dem Sinne: Möge die Gelassenheit mit Euch sein!