Rene72 - Mein Weg in die Freiheit – nüchtern leben, ehrlich bleiben

  • Ich wollte ein Blutbild 2.Hälfte Juni plus Termin zur Auswertung.

    Ich wollte ja nur schreiben, dass es mir etwas unangenehm war. Eben als erste Erfahrung im Umgang beim Arzt mit meiner Alkoholkrankheit. Ich war ja noch nicht deshalb dort.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Mich würde ja interessieren, ob Ihr Euch auch etwas komisch dabei gefühlt habt?

    Mein erster Arzttermin ausserhalb der Klinik war im Vorfeld schambehaftet und deshalb komisch.
    Beim Arzt habe ich die Karten auf den Tisch gelegt, oder besser meinen Entlassungsbericht mit allem drum und dran.
    Er überflog ihn, ging kurz raus und sagte, " keine weiteren Termine in der nächsten Stunde" und kam wieder.
    Die Stunde war dann ich und er hat sich die Zeit genommen. Das war sicher ein Glücksfall, aber anerkennende Reaktionen, oder dass einfach nur professionell reagiert wird, habe ich auch in anderen Praxen erlebt.

    Klar, wenn ich sage ich möchte ein Blutbild, kommt automatisch die Frage "Warum". Sie müssen ja wissen, was untersucht werden soll.
    Deshalb ist der Weg über einen Arzttermin der bessere.
    Den kann ich telefonisch machen und wenn die Warum-Farge kommt, sage ich mittlerweile, "Nachuntersuchung oder Check-Up, ich bin trockener Alkoholiker",
    Das ist so ähnlich wie eine GreenCard, ich habe noch nie vom Personal eine Rückfrage bekommen, geschweige denn einen komischen Blick.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Also wolltest Du mehr als nur eine Blutuntersuchung, sondern auch einen Termin bei der Ärztin?

    Wenn Du das nicht so explizit sagst, kann ich mir schon vorstellen, dass nachgefragt wird.

    Bei mir ist das immer so, erst ein Gespräch mit der Ärztin und dann geht die Behandlung weiter.

    Bei mir wurde eine Impfung direkt abgelehnt, direkt bei der Anmeldung von der Ärztin, die vorbeikam. Ich habe noch nicht das nötige Alter erreicht. Hier z.B. kann man sich erst auf Kassenkosten impfen lassen, wenn man über 60 ist.

    Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass ich halbjährlich Termine für die Blutwerte (Blutzucker, Cholesterin, Harnsäure, Leber etc.)habe und einfach einen zusätzlichen wollte. Jetzt macht das vielleicht mehr Sinn.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Im Nachhinein wäre das schlauer gewesen.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Jetzt macht das vielleicht mehr Sinn.

    Ja, das macht mehr Sinn.

    Trotzdem, die Scham muss ich überwinden und sie ist zuerst bei mir im Kopf.
    Das ist die Geschichte mit Eigenbild und Fremdbild.
    Wo fange ich an ehrlich zu sein, wenn nicht bei Ärzten, die mir helfen sollen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Du musst dich auf jedenfall nicht verrückt machen wegen einer Beichte bei der Ärztin, mach es so wie du denkst. Du bist ja auch selbstständig und vielleicht privat versichert, nicht das da Nachteile entstehen können. Du hast ja keine medizinischen Probleme wie ich herauslese also kannst du meiner Meinung nach entspannt bleiben, ich hatte letztens eine OP und da hab ich dann schon reinen Tisch gemacht.

    Ich würde sowas nur erzählen wenn ich ein gutes Verhältnis zu meinem Arzt/in hätte oder ein ernsthaftes Problem mit meiner Gesundheit hätte, bei mir war das so, es war mir unangenehm. Mach das Blutbild dann weißte ja fürs erste bescheid und nächstes Jahr ein neues, auf jedenfall mach dich nicht verrückt.

    Natürlich sollten natürlich alle immer zuerst zum Arzt gehen aber bei dir ist die Entgiftung ja schon durch und wenn es dir unangenehm ist, dann erzähle nur das was du willst.

    Aber ich bin ein Frischling und auch noch grün hinter den Ohren. Ich musste das schreiben auch wenn ich dafür möglicherweise einen Tadel kassiere😬

  • Es ging mir ja auch nur um meine persönlichen Gedanken und Gefühle gegenüber der Sprechstundenhilfe. Ich hätte einfach einen Termin machen sollen. Dass ich mit meiner Ärztin offen rede, ist ja selbstverständlich.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Dass ich mit meiner Ärztin offen rede, ist ja selbstverständlich

    Bei mir ist das nicht so, ich suche auch schon länger eine neue Ärztin, meine Ärztin ist nicht gut, ich vertraue ihr nicht und das auch au gutem Grund. Wenn das bei dir anderst ist kannst du reinen Tisch machen, ich hatte nur den Eindruck bei dur ist das nicht so...

  • Bei mir ist das nicht so, ich suche auch schon länger eine neue Ärztin, meine Ärztin ist nicht gut, ich vertraue ihr nicht und das auch au gutem Grund. Wenn das bei dir anderst ist kannst du reinen Tisch machen, ich hatte nur den Eindruck bei dur ist das nicht so...

    Ich vertraue meiner Ärztin. Nur eben der Schwester am Empfang nicht. Aber bevor ich zur Ärztin vordringen kann, muss ich an der Schwester vorbei 😡 Aber alles ist gut.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Aber vertraut er seiner Ärztin?

    Das kann nur René beantworten und was heißt Vertrauen? Die Chemie muss stimmen und sie sollte kompetent sein und jeder Arzt hat Schweigepflicht, falls du das mit Vertrauen meinst.
    Wenn ich mit meiner Ärztin nicht über meine schwerste Krankheit reden kann, dann stimmt was nicht.
    Ich hätte so nicht meine Abstinenz starten wollen.
    Da wollte ich von Anfang an klare Verhältnisse und ich wollte meinen Gesundheitszustand gründlich überprüft wissen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Aber vertraut er seiner Ärztin?

    Echt jetzt? Wem soll ich denn sonst vertrauen, wenn nicht meinem Arzt? Wenn ich andere Krankheiten habe, gehe ich ja auch dorthin. Ich habe bei einer Grippe, Kreuzschmerzen oder anderen Krankheiten ebenfalls dem Arzt vertraut .

    Die Art und Weise, wie man über seine Krankheit denkt, beeinflusst das eigene Verhalten und den Umgang damit. Wer Alkoholismus als Stigma empfindet, geht oft davon aus, dass andere ebenso denken doch das entspricht nicht der Realität. Alkoholismus ist eine ernsthafte Erkrankung, keine moralische Verfehlung, und medizinisches Fachpersonal widmet sich täglich der Behandlung Betroffener.

    Ob ich zunächst ein persönliches Gespräch mit dem Arzt führe oder der Sprechstundenhilfe mitteile, warum ich etwas benötige, ist letztlich unerheblich: Am Ende wird es in den Akten vermerkt, und jeder Beteiligte kann darauf zugreifen, was für die weitere Behandlung entscheidend ist.

    Die Schweigepflicht bleibt selbstverständlich gewahrt. Entscheidend ist, dass ich handle. Denn sich heimlich aus der Sucht zu schleichen, hat noch nie funktioniert.

    Natürlich spielen Angst und Scham dabei eine Rolle. Doch ein unbehandelter Alkoholismus endet unweigerlich tödlich. Zudem bleibt es im näheren Umfeld nicht verborgen, dass ich nichts mehr trinke. Und Hand aufs Herz, unabhängig davon, was ich wo und bei wem sage, dass ich nicht mehr trinke, es wird ohnehin hinter meinem Rücken geredet.

    Ich muss entweder da durch oder mich hinter einem Vorhang verstecken, bis alles von selbst heilt.

    Nun war ich auch in meinen nassen Zeiten nicht gerade wortkarg und habe einige Peinlichkeiten erlebt, die weit höher einzuschätzen waren als ein Gespräch mit den Ärzten.;)

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ob ich zunächst ein persönliches Gespräch mit dem Arzt führe oder der Sprechstundenhilfe mitteile, warum ich etwas benötige, ist letztlich unerheblich: Am Ende wird es in den Akten vermerkt, und jeder Beteiligte kann darauf zugreifen, was für die weitere Behandlung entscheidend ist.

    Das mit der Akte wollte ich auch erwähnen. Da bist Du mir zuvor gekommen, Hartmut.

    Leider ist es so, dass manche Anmeldung u.a. auch im Wartezimmer ist oder es so hellhörig ist, dass jeder der dort ist, alles mitbekommt.

    Aus diesem Grund sage ich immer nur: Ich brauche einen Termin, oder ich muss zur Ärztin rein.

    Die Arzthelferinnen lesen zwar später, was in der Akte steht. Aber sie lesen es und es bekommt kein Außenstehender mit, sie haben Schweigepflicht, und das ist mir wichtig!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Echt jetzt? Wem soll ich denn sonst vertrauen, wenn nicht meinem Arzt?

    Mir selbst

    Ich hätte auch gerne eine Ärztin der ich vertrauen kann aber bis jetzt habe ich noch keine gefunden, nehmen keine neuen Patienten auf etc. , du hast natürlich recht das man seinem Arzt, sofern man ihm vertraut, alles erzählen sollte aber wenn dem nicht so ist sollte man sich besser einen neuen Arzt suchen, so mache ich es auf jedenfall. Beim Neurologen und bei der OP hab ich ja reinen Tisch gemacht aber bei meiner Hausärztin werde ich gar nichts dergleichen tun, die Schweigepflicht steht auf einem Blatt Papier und leider sind wir inzwischen alle gläserne Patienten/Kunden.

    Jeder sollte zum Arzt gehen mit einer Erkrankung wie unserer, das wollte ich auch gar nicht sagen, aber es muss schon passen finde ich

  • aber es muss schon passen finde ich

    Es geht ja nicht nur um den Alkoholismus alleine

    Egal wegen was Du später zum Arzt rennst, spielt das ja mit rein. Sonst bekommst Du z. B. Medikamente mit Alk verschrieben. Er macht Symptomdiagnosen. Dabei liegt ggfs. die Hauptursache am Alkohol.

    Beim Zahnarzt das Gleiche. Bei mir haben die Betäubungen nicht richtig, oder viel zu spät, gewirkt. Inzwischen weiß sie Bescheid. Weil ich erst mal selbst Bescheid wissen musste.

    Du kannst Dir ja bei, weiß nicht wem, Gedanken machen. Aber wenn Du es Deinem Arzt nicht sagen willst, wird das nichts.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Ich lese das so, dass es um den Empfang ging und nicht um den Arzt.


    Ich muss sagen, dass ich das auch wirklich bei vielen Ärzten als absolut unangenehm empfinde beim Empfang. Da steht man teilweise mit zehn Leuten in der Schlange und die Tür zum Wartezimmer ist auch noch offen. Und dann steht da was von 1.5m Diskretionsabstand. Ha ha.

    Und ich war übrigens schon öfter mal beim Arzt und hab da Bekannte getroffen. Und das find ich teils wirklich sehr blöd, wenn die wüssten, weswegen ich da bin.

  • Aber wenn Du es Deinem Arzt nicht sagen willst, wird das nichts.

    Was, meine Abstinenz?

    Ich würde gerne mit einem Arzt meines vertrauens reden, schon alleine wegen meiner rückenprobleme, aber momentan geht es halt nicht, bloß mit meiner Abstinenz hat das nichts zu tun, es bringt mir nichts es ihr zu "beichten "

  • Was, meine Abstinenz?

    Ich kann auch abstinent sein und mächtig Schmerzen haben beim Zahnarzt.

    Oder die falschen Medikamente verschrieben bekommen und sie dann nicht nehmen.

    Aber das ist nicht der Sinn eines Arztes. Das meinte ich mit "so wird das nichts".

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

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