Kater Stanislaus - Mein inneres Zentrum.

  • Und noch ein Nachtrag: bei einer Kur kann der Rentenversicherungsträger eine neutrale Bescheinigung nach der Kur ausstellen, wo weder Ort noch Grund verzeichnet sind. Das hat mich jetzt interessiert. Also ist man doch nicht ausgeliefert.

    stef2303 ich kann von solchen Schlangengruben ein Lied singen, Hauptsache, sie haben ein neues Thema, und wenn es nur die falsche Handtasche ist X/. Leider.

  • Ach bitte, bleiben wir doch auch ein wenig realistisch! Wenn ich als Arbeitgeber weiß, wohin (Ort, ich brauche nicht mal die Anstalt wissen) die Kur oder Reha geht, dann kann ich mir schon denken, was der Mitarbeiter hat. Vielleicht ist das in einer Großstadt anders, aber auf dem Land oder im ländlichen Raum läuft es dann doch etwas anders.

    Überhaupt würde ich bei der Arbeit sehr vorsichtig sein, was ich wem sage.

    Ich gebe Dir damit recht, daß ich auf der Arbeit vorsichtig bin, wem ich was sage.

    ABER: Meinem Chef habe ich sofort gesagt, was los ist, als ich vom Arzt kam, mit dem Hinweis, das es sein kann, daß ich länger ausfallen werde. Er hatte sowieso schon eine Ahnung, meine Leistungen sind die letzten Monate dramatisch eingefallen. Er hatte sowieso schon vor, mit mir zu sprechen, was mit mir los ist.

    Mir wurde dazu geraten, meinen Chef ins Boot zu holen und ich habe durchweg positive Rückmeldung bekommen. Ich bekam eine super Unterstützung von der Firma. Bis heute.

    Hätte ich einen Chef oder Vorgesetzten, bei dem ich damit rechnen müsste, das er meine Krankheit für mich zum Negativen dreht, würde ich allgemein mein Arbeitsverhältnis dort hinterfragen.

  • Vice versa wird aber auch so mancher Chef / Vorgesetzter das jeweilige Arbeitsverhältnis hinterfragen - vor allem wenn zweifelhaft ist, ob der Mitarbeiter noch die geforderte Leistung zu erbringen imstande ist (oder auch: ob er noch ins Team passt).

    Daher legen doch viele funktionierende Alkoholiker meines Erachtens nach so einen großen Wert darauf, dass es zumindest bei der Arbeit noch so einigermaßen läuft (wenn schon alles andere dem Abgrund zusteuert oder man schon einen Schritt weiter ist - z.B. Trennung, soziale Isolation etc.). Und sagen nichts.

    Wenn ich mich hernehme, so wäre es undenkbar gewesen, mich zu "outen" - dann hätte ich gleich die Branche wechseln können... Inzwischen sage ich nur, dass ich nichts trinke. Mehr brauchen die Leute auf der Arbeit nicht zu wissen (aber richtig ist: geredet und gemutmaßt wird freilich - doch das ist nichts "Handfestes" bzw. "Verifiziertes", und damit irrelevant...).

  • Kleine Lügen ( nicht für dich ) machen das Leben vielleicht leichter. Man muß ja nicht noch mehr Probleme suchen als man eh schon hat. Deshalb habe ich geschrieben wie man antworten könnte wenn man gefragt wird warum man keinen Alkohol mehr trinkt. Auch stellt sich mir die Frage ob man ein Kapitel schließen sollte und ein neues beginnen sollte, muss. Wenn man die ersten Schritte aus dem Alkohol gemacht hat sollte man sich überlegen das neue Leben auch durch einen Ortswechsel / Arbeitsplatz zu starten ( solange man nicht dazu gezwungen ist ! )das alte hinter sich lassen.. Kommt aber sicherlich immer auf die Situation an und ist nicht leicht. Aber ein Gedanken Ansatz .

  • Daher legen doch viele funktionierende Alkoholiker meines Erachtens nach so einen großen Wert darauf, dass es zumindest bei der Arbeit noch so einigermaßen läuft (wenn schon alles andere dem Abgrund zusteuert oder man schon einen Schritt weiter ist - z.B. Trennung, soziale Isolation etc.). Und sagen nichts.

    Was andere machen, interessiert mich nicht. Ich kann auch immer nur für mich sprechen. Das erste, was ich gelernt hatte, als ich trocken wurde war, daß ich nur eine kleine Chance habe, trocken zu bleiben. Diese habe ich nur unter Anderem, wenn ich zu mir und zu anderen 100% ehrlich bin. Dafür muss ich aber anderen nicht sagen, das ich Alkoholiker bin. Ich muss aber auch nicht lügen.

    Ich bin für das Unternehmen, in dem ich arbeite, wertvoll. Ich werde gebraucht, sonst würde ich dort nicht arbeiten. Natürlich hat mein Vorgesetzter und mein Chef ein starkes Interesse daran, das ich weiterhin die Leistung bringe, die von mir gefordert wird. Deshalb hat wollte er ja mit mir sprechen. Dem bin ich zuvor gekommen. Ich habe wirklich sehr vorbildliche, professionelle Hilfe von Seiten meines Chef erhalten. Heute zahlt sich das für ihn aus. Ich würde immer wieder so handeln.

  • Ich wollte 2 oder drei Jahre nach dem Aufhören eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschliessen.

    Die Versicherungsunternehmen verlangten, dass ich meine Ärzte von der Schweigepflicht befreie und sämtliche Erkrankungen der letzten 10 Jahre angebe.
    Können die machen. Sie stellen die Bedingungen, zu denen sie einen nehmen.

    Tja, ich hatte meinem Hausarzt mal gesagt, dass ich ein Alkoholproblem habe, der musste das angeben und da haben mich die Versicherungen abgelehnt.
    Bei Alkoholikern ist ihnen das Risiko zu hoch.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich lass mir das übers Wochenende nochmal gut durch den Kopf gehen. Gestern schrieb jemand von einer Schlangengrube und genau in der sitze ich. Dem Betriebsarzt kann ich nicht vertrauen und der möchte die Diagnose vom Neurologen und das MRT. Ich mach das nach Gefühl und befrage ihn erstmal wie er vorgehen will.

  • Was mir dieser Austausch zeigt: verheimlichen, beschönigen, austricksen, etwas weglassen, sich hinter der Krankheit verstecken, unauffällig bleiben und vieles mehr. Geduckt durchs Leben gehen. Ja, ich weiß, es gibt sicherlich irgendwelche Gründe, warum man so oder der Einzelne so handeln müsste, und die übliche Rechtfertigungen dazu .

    Es ist nicht meins und wird es auch nie sein. Wie das vergleichbar ist und wie es mich an die "nasse Zeit" erinnert, lässt sich nicht leugnen. Anstatt klar zu sagen, was Sache ist, und die Verantwortung zu übernehmen, wird so lange "herumgedoktert" (der musste sein:whistling:), bis ein Gerüst aufgebaut ist, das irgendwann zusammenbricht.

    Kann man machen.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Was mir dieser Austausch zeigt: verheimlichen, beschönigen, austricksen, etwas weglassen, sich hinter der Krankheit verstecken, unauffällig bleiben und vieles mehr. Geduckt durchs Leben gehen. Ja, ich weiß, es gibt sicherlich irgendwelche Gründe, warum man so oder der Einzelne so handeln müsste, und die übliche Rechtfertigungen dazu .

    Es ist nicht meins und wird es auch nie sein. Wie das vergleichbar ist und wie es mich an die "nasse Zeit" erinnert, lässt sich nicht leugnen. Anstatt klar zu sagen, was Sache ist, und die Verantwortung zu übernehmen, wird so lange "herumgedoktert" (der musste sein:whistling:), bis ein Gerüst aufgebaut ist, das irgendwann zusammenbricht.

    Kann man machen.

    so siehts aus...

  • Nö. Ich hab meine Gründe. Rechtfertigen muss ich mich vor niemandem und mich hat in den dreieinhalb Jahren kein Mensch danach gefragt. Ich bin froh, dass das keiner weiß. Warum sollte ich etwas erzählen, dass niemanden interessiert und mir schaden könnte?

  • Was mir dieser Austausch zeigt: verheimlichen, beschönigen, austricksen, etwas weglassen, sich hinter der Krankheit verstecken, unauffällig bleiben und vieles mehr. Geduckt durchs Leben gehen. Ja, ich weiß, es gibt sicherlich

    Nein, absolut falsch das mache ich nicht. Ich weiß das ich mit meiner Vermutung nicht falsch liege und einfach blind vertrauen ist nicht meins, wer das so machen will soll es tun. Ich denke lieber zweimal nach als das ich mich Hals über Kopf in die Nesseln setze. Wenn ich einem Arzt vertraue erzähle ich auch alles, aber im Moment hab ich keinen guten Hausarzt und der Neurologe wird auch nochmal mit Argusaugen begutachtet. Ich weiß nicht wie du darauf kommst das ich mir ein Gerüst aufbaue, ich bin nicht naiv und glaube alles was einem da so erzählt wird und ich werde mich nicht ohne Not komplett nackt machen.

    Es gibt ohne Zweifel gute Ärzte aber es gibt auch immer mehr schlechte Ärzte, zumindest ist das meine Wahrnehmung.

  • Tut mir leid. Vielleicht hilft ein Attest, dass du trocken bist ?

    aus versicherungstechnischer Sicht argumentieren sie genau wie hier.
    Soundsoviel Prozent der Alkoholiker werden rückfällig, das Risiko ist ihnen zu hoch.

    Spielt bei mir keine Rolle mehr, gehe auf die Rente zu.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Also ich vertraue nicht einfach einem Typ nur weil er von vielen, besonders hier, als Halbgott in Weis betrachtet wird. Kann man tun muss man aber nicht. Die letzten Jahre haben mich bestätigt das da viele Makulaturexemplare darunter sind, besonders meine/unsere Hausärztin ist eine davon und Sie gehört eher in ein Kosmetikstudio als in eine Praxis, das sind Fakten!

    Meine Abstinenz ist mir sehr wichtig aber das bringt mich nicht dazu das ich mich jedem dahergelaufenen Quacksalber an den Hals werfe und meine Geschichte erzähle, das bringt mich auch nicht weiter, im Gegenteil, es könnte gefährlich sein. Vor ca. 10 Jahren hatte ich schonmal einen Bandscheibenvorfall, wenn ich damals so dumm gewesen wäre und hätte auf die Halbgötter gehört hätte ich jetzt ein Problem und zwar ein schwerwiegendes. Erst der 6 Orthopäde konnte mir die zutreffende Diagnose stellen nachdem er mich zum MRT geschickt hat, alle anderen davor wollten mir eine Schiene ans Rückgrat schrauben lassen, das muss man operieren bla bla bla, da kann man nichts machen, soviel zum blinden Vertrauen.

    Ich habe schon die beste Medizin, ich trinke nicht mehr, natürlich möchte ich nur zu gerne wissen weshalb genau mir meine Beine probleme machen aber deswegen überstürze ich nichts.

    Und ich finde es genauso brandgefährlich hier den Leuten zu empfehlen sich blindlings seinem Hausarzt anzuvertrauen ohne zu wissen was er für ein Kandidat ist, das wissen die meisten schon selber wie ich hier nur zu oft nachlesen kann.

  • die zeit wird es zeigen ob man gut damit fährt, oder halt doch unter die räder kommt...

    ja

    Ja und ich kenne einige die wegen blinden vertrauen unter die Räder kamen....

    Es ist hier alles gut, die Warnungen sind begründet und ich halte mich wie gesagt an die meisten Empfehlungen, nur nicht halt blindlings an alle. Ich gehe auch immer offener mit der Krankheit um und versuche nicht irgendein falsches Bild von mir zu vermitteln. Im Gegenteil jetzt mit meinem klaren Kopf denke ich ausführlicher über die Situation/Konsequenzen nach.

  • Provokant bzw. überspitzt formuliert:

    Während ich getrunken habe, habe ich durch das Trinken einen Weg der Selbstzerstörung beschritten und diese vorangetrieben. Tag für Tag, Stück für Stück. Über 25 Jahre lang.

    Ein paar Schritte vor dem berühmten Abgrund habe ich es dann tatsächlich geschafft, stehen bleiben können und mich zu stabilisieren - in vielen Belangen. Vorerst einmal. Dabei half mir ein gefestigtes bzw. Sicherheit gebendes Umfeld - auch was den Beruf bzw. den Arbeitsplatz anbelangt.

    Soll ich nun diesen Weg der Selbstdemontage tatsächlich bewusst wieder weitergehen, indem ich unreflektiert und bloß aus dem hehren Gedanken der Ehrlichkeit heraus jedem XY auf die Nase binde, dass ich Alkoholiker bin, dies im Wissen um das Risiko, dass ich mir damit genauso schade (vor allem im existenziellen Sinne) wie ich mir durch die Trinkerei gesundheitlich geschadet habe? Erledige ich mich vielleicht dadurch endgültig, dass ich meine Alkoholabhängigkeit durch den Kollaps auf anderer Ebene "kröne"?

    Was den gegenständlichen Austausch betrifft, so gebe ich Hera uneingeschränkt Recht und kann auch R/no gut verstehen.

    Unbedingte Ehrlichkeit ist so eine Sache bzw. sollte man sich - denke ich - schon sehr genau überlegen, was man wem sagt und auch die Konsequenzen bedenken.

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