Mattie - Abstinent bleiben

  • Es gibt keine allgemeingültige Regel für Alkoholiker in Bezug auf Essig, Senf, Ketchup oder andere Soßen.

    Entscheidend ist, was mich persönlich triggert.

    Das sehe ich genau so.

    Wir konsumieren die angeführten Lebensmittel, jedoch Essig nur sehr wenig. Gepanschte (=alk-versetzte Soßen) lassen wir weg. Darauf achte ich auch im Restaurant.


    Mich triggert das obige Zeug nicht. Wenn der Essig aber wie ein offenes Weinfass stinkt, dann nehmen wir den nicht. Ich habe Schnaps und Bier missbräuchlich gesoffen und nicht Essig in mich rein gekippt. Aber das betrifft nur mich, für andere kann es das Einfallstor zum Rückfall sein.

    Sobald ich anfange zu überlegen, ob es „geht“ oder „schadet“,

    Dann lasse ich es weg oder meine Frau darf vorkosten. Das habe ich mir so angeeignet und es ist schon eine Art Automatismus geworden.

  • überreifen Bananen

    Das hatte ich auch schon mal. Würde ich dann nie essen. Ich könnte es gar nicht herunterschlucken. Und das ist auch gut so. Meine Partnerin hat da z. B. noch keinen Alkohol herausgeschmeckt. Das ist unterschiedlich.

    Bei Essig hatte ich mir noch gar keinen Kopf gemacht, da ich keinen Alkohol geschmeckt habe. Das hätte ich sofort gemerkt. Wie bei den Bananen. Von daher weiß ich z. B., dass Essig für mich einfach nur ein Nahrungsmittel ist.

    Tatsächlich habe ich aber diese Essigcreme auch weg gelassen. Da stand was von Most drauf. Und dann dachte ich beim dran riechen, ich rieche (vielleicht) Alkohol. Da hat es sich dann gleich erledigt. "Vielleicht" reicht mir schon als Ausschlusskriterium.

  • Carl Friedrich Ich habe mich nun auch in deinen Thread vertieft und mit großem Interesse deinen Weg zum Langzeittrockenen nachgelesen. Dir wurde es am Anfang nicht leicht gemacht, wie vielen Neulingen, aber du hast Erwiderungen 'smooth' aufgegriffen und dein Ziel souverän erreicht. Meinen vollen Respekt dafür! Ich habe in dem Faden auch entdeckt, dass du bereits ein Thema zu 'Alkohol in Lebensmitteln' eröffnet hattest, das ich natürlich gleich gelesen habe. Sehr hilfreich! Gleichzeitig habe ich dabei gedacht, hey, für mich ist das Thema "Essig" neu, und doch ist das hier schon mehrmals durchgesprochen worden. Die langjährigen Mitglieder wie du Carl Friedrich und viele andere werden nicht müde, ihre Erfahrungen dazu zu teilen. Genau wie bei Restaurantbesuchen, Urlauben, alten Freundschaften, gefährlichen oder vermeintlich ungefährlichen Triggern etc. Für den einzelnen User, also mich jetzt zum Beispiel, ist vieles neu, für die langjährigen Forys ist das alles, wirklich alles schon mehr als einmal diskutiert worden. Das erkenne ich, je tiefer ich in die alten Threads eintauche. Dafür mal spontan ein Danke, dass hier nicht einfach gepostet wird, lies da oder dort, wir sind es leid, sondern dass jeder einzelne mit seinem Anliegen Reaktionen erhält, als wäre er die/der erste :)

    Zu deinen Buchtipps: "Alk" von Simon Borowiak habe ich auch begeistert gelesen. Die "Suchtfibel" und "Lieber schlau, als blau" gibt es leider nicht als E-Book, da überlege ich noch; in den Prints ist mir neuerdings die Schrift oft zu klein.

    Nachteulengruß

    Mattie

  • Kein Alkohol heißt keinen! Ich habe meinen ersten Rückfall quasi so gebaut " Kombucha" enthält eigentlich nur sehr wenig Alk. aber das ist für mich uns schon zuviel. Wie ich geschrieben habe wir haben in unserem Leben mit Sicherheit genug Alkohol konsumiert. Ein Leben als " normaler Konsument" gibt es für mich uns nicht.

    Immer mehr als eine Armlänge Distanz! und die Erinnerung wie bes... es war.

  • "Unser Haus ist alkoholfrei" - ein wichtiger Satz, der mir in den vergangenen Tagen leicht über die Lippen kam. Er hat für mich große Bedeutung. Ich galt immer als 'gute Gastgeberin', hab aufgetischt, bis sich die Tische bogen, nicht nur am Buffet, sondern auch mit Wein & Bier. Dies auch in früheren Trinkpausen. Nach dem Fest habe ich dann die übriggebliebenen Flaschen den Gästen mitgegeben und dachte, das war's dann, alles richtig gemacht, Mattie. Aber von wegen: Der Suchtdruck hat sich manchmal in den Tagen danach aufgebaut und hin und wieder waren solche Zusammenkünfte die bedauerliche Wende in der Abstinenz. Das darf mir jetzt nicht mehr passieren.

    "Unser Haus ist alkoholfrei" - führt dazu, dass einige wenige Verwandte bei familiären Treffen plötzlich absagen müssen wegen 'Magen-Darm-Infekt' oder weil sie 'mit dem Hund zum Arzt müssen'. Es kommen nur die Leute, für die Alkohol überhaupt keinen Stellenwert hat (davon gibt es glücklicherweise sehr viele in meinem direkten Umfeld). Und das ist gut so. Ich genieße solche Zusammenkünfte bei Apfelschorle und Tee sehr. Ich hatte befürchtet, dass sich eine gewisse Hibbeligkeit, die ich besonders in Face-to-face-Situationen unter Alkohol gespürt habe, ohne Alkohol bis ins Unerträgliche verstärken würde. Aber dem ist nicht so. Im Gegenteil. Ich bin in Gesellschaft viel ruhiger geworden und habe mitunter, wie man bei uns sagt, richtig 'Sitzfleisch' und komme ins Plaudern. Einer der vielen angenehmen Effekte, die insgesamt zu einer größeren Klarheit und einem tiefen Wohlempfinden führen.

    Ich brauche weiterhin nicht zu trinken und arbeite voller Freude an der Neustrukturierung meines Lebens. Vieles hat sich schon etabliert, wie Schwimmsport und Termine mit den realen SHG, und meine freiberufliche Arbeit läuft runder denn je ohne das Nachmittagsbier. Nun nimmt mein geplantes Ehrenamt an Fahrt auf. Ich brauche dafür ein paar Qualifizierungen, die ich mit großem Elan absolviere. Die Tätigkeit in diesem Ehrenamt wird sich zu einem weiteren Stabilisator meiner Abstinenz entwickeln, denn falls ich einen Rückfall habe, kann ich diese für mich sehr erfüllende Arbeit vergessen. Und das wäre, nicht nur deswegen, jammerschade.

    Liebe Grüße

    Mattie

  • "Unser Haus ist alkoholfrei" - führt dazu, dass

    Wobei ich immer auch einkalkulieren würde, dass es eine neue und ungewohnte Situation für beide Seiten ist. Es ist nicht nur der ungewohnte Fakt, dass nix promilliges auf den Tisch kommt. Es könnte durchaus auch sein, dass die Gastgeberin in ihrem Wesen leicht verändert auftritt.

    Das ist jetzt nur meine Unkerei ... aber ich bedenke das zumindest bei meinen Freund-/Bekannt-schaften bzw. spreche das auch gezielt an. Es ist ja ein zunächst einseitiger Veränderungsprozess und die Dinge dürfen sich durchaus auch gemächlich zurecht schaukeln. Das betrachte ich mit Geduld.

    Manche Art Zusammenkunft hatte bei mir bereits in der Vergangenheit stark an Bedeutung verloren uns kam nur noch selten vor - z.B. Kneipenabende. Einmal noch hatte ich es testweise nach rund 4 Monaten Abstinenz mit meinen beiden ältesten Freunden ausprobiert - bis zum Stühle hochstellen (die Jungs waren aber voll im Bilde und ich wäre jederzeit gegangen, wenn es mir zuviel geworden wäre). Anschließend als entbehrlich abgehakt. Die Art der Lokalität ist gemeint, nicht jedoch das Treffen mit diesen Freunden! Da müssen andere Varianten gefunden werden oder ggf. akzeptable Kompromisse.

    Letzter Gedanke: Manche "Treffen" (beruflich) habe ich meinerseits eher ausgehalten/mitgemacht weil es Pflichttermine waren oder es sehr angeraten war, dabei zu sein (je später der Abend um so besser die Infos...). Da hatte ich schon damals oft den Gedanken, so manchen Termin habe ich mir geradezu etwas "schöntrinken" müssen. Diese berufliche Rollenerwartung ist weggefallen. In gewisser Weise gibt es solche Rollenerwartung aber auch bei privaten "Pflichttreffen" - und das könnte auch ein Grund für Absagen sein...

  • Also ich meide solche Events. Sie leben doch nur vom " Gemütlichen Beisammensein" ist natürlich immer mit Alkohol verbunden. Und das würde mich zu stark triggern. Deshalb meide ich es ist mir zu heftig. Ich lebe so ganz gut. Es ist auch so, dass man die Freunde mit anderen Augen sieht und dann sind sie gar nicht mehr so interessant.

  • Da ich den Alkohol HASSE

    Ich hasse ihn nicht, warum auch? Ich kann mit ihm nicht umgehen, andere wie meine Frau können es. Ja und? Dafür kann ich Dinge, die andere nicht können. Es ist letztlich wie mit einer Art Allergie, die auch gefährlich sein kann.


    Alk ist letztlich passiv. Damit er sein schädliches Potential entfalten kann, muss ich aktiv auf ihn zugehen, ihn ergreifen und ihn trinken.


    Klingt einfach, ist anfangs schon mal schwierig, da der Neuling sich früher ein ganz anderes Verhalten gründlich antrainiert hatte.

    Ich habe meinen Frieden mit dem Stoff gemacht, das ist auch besser für mein Gemüt.


    ich gehe mal davon aus, dass sich die Einschätzung von Abstinenzler sich mit zunehmender Dauer der Abstinenz vieleicht noch ändern wird.

    Einmal editiert, zuletzt von Carl Friedrich (1. November 2025 um 12:33)

  • Ich danke euch allen für eure Kommentare!

    Es ist ja ein zunächst einseitiger Veränderungsprozess und die Dinge dürfen sich durchaus auch gemächlich zurecht schaukeln. Das betrachte ich mit Geduld.

    Ja, damit hast du sicher recht. Ich bin anders, wenn ich keinen Alkohol trinke, aber jetzt auch nicht extrem. Ich kann auch nüchtern auf dem Tisch tanzen und haltlos kichern :) Was anders ist: Ich verbrüdere mich nicht mehr mit jedem Deppen. Unter Alkohol habe ich auch schon mal dem saufenden Onkel, den ich eigentlich nicht leiden kann, den Arm um die Schultern gelegt und mit ihm zusammen unsere Kumpanei besungen. Das passiert mir jetzt hoffentlich nicht mehr. Und daran werden sich andere gewöhnen müssen. Ich habe hier Geduld und beobachte die Dinge. Ist ja auch irgendwie spannend.

    In gewisser Weise gibt es solche Rollenerwartung aber auch bei privaten "Pflichttreffen" - und das könnte auch ein Grund für Absagen sein...

    Es gibt private Pflichttreffen, die ich in diesen Wochen unbedingt vermeide. Als fiktives Beispiel vielleicht: das Kennenlernen der Eltern des neues Partners der Tochter. Unangenehme Leute, denen ich nun wie verdrahtet gegenübersitzen würde. Alkohol hätte hier 'gelöst', aber das ist selbstverständlich keine Option, und deswegen schiebe ich dieses Treffen auf sehr weite Ferne. Geht auch so.

    Also ich meide solche Events. Sie leben doch nur vom " Gemütlichen Beisammensein" ist natürlich immer mit Alkohol verbunden.

    Ich werde bestimmte Familientreffen nicht meiden, weil meine Familie eine der wichtigsten Säulen meines Lebens ist. Aber wie bereits an einigen Stellen erwähnt, gibt es einen Kern an Familie, der mit Alkohol nichts zu tun hat. Mit denen umgebe ich mich sehr gern, und die Beisammensein sind, wie erwähnt, sehr entspannt.

    Ich habe meinen Frieden mit dem Stoff gemacht, das ist auch besser für mein Gemüt.

    Bei mir verursacht der Gedanke an oder die Konfrontation mit Alk eher Furcht als Hass. Wie weiter oben beschrieben die Essig-Episode, als ich mich fühlte, als spränge das Zeug mich aus der Rotweinessig-Flasche an und ich müsste davonlaufen. Den Frieden mit dem Stoff zu machen, wie du es beschreibst Carl Friedrich , halte ich für ein sehr erstrebenswertes Ziel. Ich hoffe, ich bin auf dem Weg dahin.

    Liebe Grüße

    Mattie

    Einmal editiert, zuletzt von Mattie (1. November 2025 um 15:11)

  • Den Frieden mit dem Stoff zu machen, wie du es beschreibst Carl Friedrich , halte ich für ein sehr erstrebenswertes Ziel. Ich hoffe, ich bin auf dem Weg dahin.

    Das hat bei mir auch eine ganze Weile gedauert, ich schätze mal 2-3 Jahre. Anfangs habe ich den Stoff als Feind geshen, es wird ja gerne vom Teuifel Alkohol gesprochen. Nein, der Teufel ist er nicht. Er ist einfach nur eine toxische Substanz, die ich nicht mehr konsumieren brauche.


    Mit zunehmender Zeit veränderte sich halt bei mir, wie auch bei einigen anderen hier -soweit ich das beurteilen kann- die Sichtweise auf den Stoff.


    Gib Dir die nötige Zeit, setze Deinen Weg fort, alles andere stellt sich dann schon noch ein.

  • Ich habe gerade in einem Nachrichtenmagazin eine Kolumne gelesen, die in Überschrift und Ankündigung darauf hindeutete, dass es die einzige große Bemerkung einer Freundin war, die den Autor dazu gebracht hat, seine Alkoholsucht zu besiegen. Da war meine Neugier freilich geweckt :)

    Es stellte sich dann heraus, dass besagte Freundin ihm zur Kapitulation vor der Sucht riet und darüber hinaus zu Menschen, die ihn unterstützen, und Menschen, mit denen er sich austauschen kann.

    Gut, das weiß man hier schon länger, oder? ;)

    Allen eine gute Woche wünscht

    Mattie

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