F_Trauer - Verliebt in Alkoholikerin

  • Hallo zusammen. Zunächst möchte ich sagen, dass es sich bei mir wahrscheinlich um einen minderschweren Fall handelt. Dennoch bin ich auf der Suche nach Antworten auf Fragen, die mir das Internet nur unzureichend beantwortet hat. Zur Situation: Im Dezember 2025 bin ich mit einer Frau zusammen gekommen, die leider ein Alkoholproblem hat. Der Anfang war wunderschön, alles hat gepasst, Mindset, Naturverbundenheit, usw..., kurz gesagt meine Traumfrau. Da ich vor etlichen Jahren schon mal eine kurze Beziehung zu einer Alkoholikerin hatte und die Verhaltensmuster somit kannte, fielen mir die Signale recht früh auf, schon nach einer Woche. Bei abendlichen Telefonaten war ihre Stimme anders und ich habe es auf ihre Verliebtheit geschoben, obwohl mir mein Bauchgefühl bereits etwas anderes sagte. Bei einem späteren Telefonat nach 23 Uhr lallte sie bereits und ich habe es auf Ihre Mögliche Müdigkeit geschoben - wieder entgegen meines Bauchgefühls. Von da an habe ich auf weitere Hinweise geachtet, die sich leider bestätigt haben. Sie hatte tagsüber nie eine Fahne und ich habe sie auch nie trinken sehen. Vor zwei Wochen telefonieren wir Sonntag Abend kurz um ca 21 Uhr und verabredeten uns für 12 Uhr am nächsten Tag. Am nächsten Tag schrieb sie mir um 12:45 per WhatsApp, dass sie gerade wach geworden sei und fragte, was ich vorhabe. Sie hat den Inhalt unseres Telefonates vom Vortag nicht nur vergessen, sondern überhaupt keine Erinnerung mehr daran - kompletter Filmriss. Ich war schockiert. Ich wusste zwar dass sie trinkt, aber nicht das Ausmaß.

    Ich habe versucht, eine emotionale Mauer um mich herum aufzubauen und nur die schönen Momente mit ihr zu teilen und ihren Konsum, den sie vor mir verbirgt, auszublenden. Aber das habe ich nicht hinbekommen. Es hat mich so fertig gemacht, dass ich die letzten Nächte nur 2 bins 4 Stunden geschlafen habe, was mir allmählich an die Substanz ging. Bin hin und her gelaufen wie ein Tiger im Käfig, habe geweint, gebetet, und mir sämtliche Youtube Videos über Alkohol, Co Abhängigkeit usw... reingezogen, obwohl ich das meiste schon kannte. Habe sie nun vor 3 Tagen in einem langen Brief mit ihrem Alkoholismus konfrontiert. Sie reagierte wie erwartet mit "Ich doch nicht" und Empörung und wir haben nun keinen Kontakt mehr. Dazu hätte ich ein paar Fragen, die ich gerne im Forum stellen würde.

    Vielen Dank schon mal im Voraus!

    2 Mal editiert, zuletzt von F_Trauer (31. Januar 2026 um 15:45)

  • Hallo F.,

    herzlich Willkommen hier bei uns.

    Das mit dem Kontaktabbruch tut vermutlich sehr weh, ist aber vernünftig.

    Was hat du denn für Fragen?

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hi F_Trauer, wie gut dass du hier her gefunden hast, hab noch etwas Geduld, jemand aus dem ModeratorenTeam meldet sich sicherlich in Bälde bei dir…

    Bis dahin, besteht ja die Möglichkeit, dich z.B. auf den Seiten der Coabhängigen etwas einzulesen um zu bemerken, dass du mit deinem Problem nicht alleine bist…

    Liebe Grüße, Simsalabim

  • Konkrete Frage: Warum wird das Alkoholproblem bei Alkoholikern immer bestritten, obwohl es offensichtlich und beweisbar ist? Klar, die Schamgefühle verstehe ich ja. Ich habe ihr aber deutlich gesagt und versprochen, dass ich ihre Suchterkrankung absolut vertraulich behandeln werde und Dritten gegenüber absolute Diskretion wahren werde, auch auf eventuelle Nachfragen. Warum trotzdem dieses Leugnen? Ich habe auch schon Dinge im Leben gemacht, für die ich mich geschämt habe, aber wenn ich mit der Wahrheit konfrontiert wurde, habe ich nichts geleugnet. Ich möchte einfach die Hartnäckigkeit verstehen, mit der das Alkoholproblem geleugnet wird.

  • Hallo F-Trauer

    Niemand kann so " toll " verleugnen , täuschen , bagatelliesieren , verstecken wie eine Person die ein Alkoholproblem hat .

    Dieses Verhalten gehört zur Krankheit.

    Alkoholkonsum vermindert die eigene Wahrnehmung .

    Gruß von Shawn

  • …ohne das jetzt fachlich belegen zu können, es ist mit Bestandteil der Erkrankung…

    Wenn du hier im Forum Dich einliest, wird Dir dieses Leugnungsprofil immer wieder begegnen… auch auf der CoSeite, „das nicht wahrhaben wollen/können, dem anderen nicht helfen zu können“

  • Ich habe noch eine Frage. Kann es sein, dass sie selbst sich nicht für eine Alkoholikerin hält, obwohl sie jeden Abend trinkt und das bereits mit Kontollverlust? Obwohl sie ihren Alltag so organisiert, dass sie abends in Ruhe trinken kann? Obwohl ihr selbst auffallen müsste, wie viele Flaschen Wein sie kauft?

    Dass sie es mir und ihrem Umfeld gegenüber nicht zugibt, ist schon klar. Ich meine wirklich nur das Eingeständnis sich selbst gegenüber. Ist sowas möglich?

  • Irgendwann konnte ich mir selbst gegenüber nichts mehr vormachen und musste es mir eingestehen. Das hat aber schon ne Weile gedauert, jahrelang war es missbräuchlicher Konsum. Dann kamen die Entzugserscheinungen und dann war es für mich klar. Und ab da begann auch das Täuschen meines Umfelds.

  • Konkrete Frage: Warum wird das Alkoholproblem bei Alkoholikern immer bestritten, obwohl es offensichtlich und beweisbar ist?

    Die Antwort liegt hier für mich auf der Hand: Weil wir es selber nicht so sehen oder wahrhaben wollen. Denn dann hätten wir ja ein Problem, oder? Dann müssten wir uns mit diesem Problem beschäftigen. Das ist unangenehm und auch mühsam.

  • Die Antwort liegt hier für mich auf der Hand: Weil wir es selber nicht so sehen oder wahrhaben wollen. Denn dann hätten wir ja ein Problem, oder? Dann müssten wir uns mit diesem Problem beschäftigen. Das ist unangenehm und auch mühsam.

    Klingt irgendwie logisch. Aber wie kann man selber es nicht so sehen wenn doch die Beweislage erdrückend ist?

  • Dezember 25, sagst Du? Also höchstens zwei Monate?

    Wer weiss schon, ob sie Dich überhaupt so weit in ihr Leben lassen will, dass sie die Sauferei mit Dir besprechen möchte.
    Vielleicht hat sie Dich einfach nicht dazu ausersehen, sie vom Alkohol wegzubringen.

    Das wäre meine Sicht als ehemaliger Trinker.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Dezember 25, sagst Du? Also höchstens zwei Monate?

    Wer weiss schon, ob sie Dich überhaupt so weit in ihr Leben lassen will, dass sie die Sauferei mit Dir besprechen möchte.
    Vielleicht hat sie Dich einfach nicht dazu ausersehen, sie vom Alkohol wegzubringen.

    Das wäre meine Sicht als ehemaliger Trinker.

    Den Gedanken hatte ich auch schon. Ich sehe mich auch nicht in der Rolle des Retters, denn das wäre sinnlos. Ich möchte es einfach nur alles verstehen. Es tut einfach nur so verdammt weh.

  • Du schreibst von der Beweislage.

    Ich persönlich bin der Meinung, um zu merken, dass ich abhängig bin, muss ich erst mal aufhören wollen. Und dann eventuell merken, dass nicht aufhören kann, weil ich es brauche.
    So lange ich trinken will, gibt es überhaupt keine Möglichkeit, mir Abhängigkeit zu beweisen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich denke, jemand ohne Suchtproblematik wird das Verhalten eines Alkoholikers nie richtig nachvollziehen oder verstehen können.

    Weil es mit Logik einfach nicht erklärbar ist. Hier regiert einfach nur das süchtige Hirn. Und dieses tut Dinge, die für Nicht-Süchtige einfach nicht nachvollziehbar sind.

    Du bist erst zwei Monate in der Beziehung und hast jetzt schon mit Liebesschmerz zu kämpfen. Da ist man doch noch in der Kennenlern-Phase.

    Es wäre wirklich gesünder für dich, wenn du dich jetzt von dir löst. Je länger du mit ihr zusammen bleibst, desto mehr wirst du vermutlich in die Co-Abhängigkeit geraten und desto schwieriger wird die Trennung dann für dich.

    Und eine Beziehung von einem Süchtigen-Teil und einem Co-Teil sind nicht gesund und für mindestens eine Seite extrem schmerzvoll. Das wird wahrscheinlich deine Seite sein. Denn sie wird sich wahrscheinlich immer sehr widersprüchlich dir gegenüber verhalten.

    Das sage ich dir als trockene Alkoholikerin, die ihre Partner damals immer massiv an die Grenzen getrieben hat. Glücklich waren die garantiert nicht.

    Wer weiss schon, ob sie Dich überhaupt so weit in ihr Leben lassen will, dass sie die Sauferei mit Dir besprechen möchte.
    Vielleicht hat sie Dich einfach nicht dazu ausersehen, sie vom Alkohol wegzubringen.

    Genauso nämlich. Ich wollte mich von meinen Partnern nie vom Alkohol wegbringen lassen. Bevor sie zu lästig und nervig wurden, habe ich lieber die Partner abserviert, als das sie mir vom Alkohol fern halten durften.

    Und ich denke, da wird es noch einiges geben, was du noch nicht weisst.

    Und versuche bitte nicht sie zu verstehen. Sie verhält sich gegen jede Logik.

    Versuche lieber DICH zu verstehen. Warum tut es dir so weh, nach so einer kurzen Zeit loszulassen.

    Was hat dich so sehr auf die höchste Wolke der Verliebtheit geschossen. Innerhalb so kurzer Zeit? Wenn die Warnzeichen schon reichlich vorhanden sind?

    Alles Gute für dich.

  • Du schreibst von der Beweislage.

    Ich persönlich bin der Meinung, um zu merken, dass ich abhängig bin, muss ich erst mal aufhören wollen. Und dann eventuell merken, dass nicht aufhören kann, weil ich es brauche.
    So lange ich trinken will, gibt es überhaupt keine Möglichkeit, mir Abhängigkeit zu beweisen.

    Stimmt auffällig was Du sagst. Wenn sie wirklich noch nie versucht hat aufzuhören, könnte es trotz des Wahnsinnskonsums sein, dass sie sich selbst einfach nicht als süchtig wahrnimmt. Danke für diesen Gedankenimpuls!:thumbup:

  • Hallo F_Trauer,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Jetzt bist du schon mitten im Austausch, obwohl du hier noch im Vorstellungsbereich bist, der nicht zum Austausch vorgesehen ist
    Möchtest du dich denn hier weiter austauschen ?
    Dann würden wir dir einen Link geben, wo du noch kurz einen Satz dazuschreiben kannst, und würden dich dann freischalten.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • In Punkto Verliebtheit hat es mich wirklich voll erwischt. Das erste Mal seit 2012, dass ich so intensiv empfinde, obwohl ich auch andere Beziehungen dazwischen hatte. Deine Antwort ist sehr straight, Danke dafür, Du bist ein Augenöffner.

  • Hallo F_Trauer,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Jetzt bist du schon mitten im Austausch, obwohl du hier noch im Vorstellungsbereich bist, der nicht zum Austausch vorgesehen ist
    Möchtest du dich denn hier weiter austauschen ?
    Dann würden wir dir einen Link geben, wo du noch kurz einen Satz dazuschreiben kannst, und würden dich dann freischalten.

    lg Morgenrot

    Wie komme ich denn vom Vorstellungsgespräch zum eigentlichen Forum mit offenem Austausch?

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!