Cocotac - Co-Co Abhängig ?

  • Liebe Cocotac,

    Lange habe ich überlegt, ob ich dazu etwas schreiben soll.
    Erstmal….es zeugt von sehr großer Empathie, dass Du Dir solche Sorgen um Deine Freundin machst. Es war absolut richtig, dass Du Deine Sorge zum Ausdruck gebracht hast. Ins Handeln kommen muss sie jetzt aber aus eigenem Antrieb.

    Möglicherweise hat sie sich im Augenblick aus für Dich nicht ersichtlichen Gründen dafür entschieden, an der Beziehung festzuhalten und befürchtet, dass Du das missbilligst/nicht verstehst. Vielleicht möchte sie ihre Handlungsweise gerade nicht rechtfertigen oder diskutieren und zieht sich deshalb zurück. Ich denke, sie weiß, dass Du für sie da bist, wenn sie Dich braucht. Ich würde es erstmal dabei belassen und einfach abwarten, was passiert, auch wenn das für Dich schmerzhaft ist.

    LG,

    Schmidtty

  • Ich danke dir Schmiddty!
    Den Gedanken, dass sie sich vor mir nicht rechtfertigen oder diskutieren möchte hatte ich zugegeben noch nicht.

    Ich dachte monatelang, dass ich es falsch angegangen bin. Zu wenig einfühlsam, zu viel Druck, zu wenig „überzeugt“.

    Ich denke, ich habe die ganze Dynamik und das System Sucht total unterschätzt.

    Seine Fahnen, das Zittern, Schwitzen, Launenhaftigkeit, Vergesslichkeit, bei mir über sie schimpfen…er leistet ja so viel und sie sehe das nicht, sie könne nicht kommunizieren, er brauche Zeit für sich, er gehe ja zur Beratung und habe gelernt auf sich zu achten. Fahnen vor der Arbeit, mittags, nachmittags. Sogar bei einer gemeinsamen schulischen Veranstaltung der Kinder war er „voll“.
    Ja…er gönnt sich Sauna, kommt zurück und läuft an mir und ihr vorbei und riecht sorry einfach mir ekelhaft nach Alkohol.

    Ich dachte, sie muss das doch merken. Hat sie doch ein Jahr zuvor auch noch.

    Aber für mich als Außenstehende ist das sicherlich alles „einfacher“. Ich war zwar mit ihm auch befreundet aber nie so eng wie mit ihr.

    Es ist schrecklich. Wieviel Angst und Verzweiflung muss man spüren an ihrer Stelle. ;(

  • Hallo Cocotac,

    das Gefühlsleben einer Angehörigen ist schwer zu verstehen. Wenn du von außen draufguckst scheint doch alles ganz logisch. Genauso wenig wie ich als Nichtsüchtige nicht verstehen kann, was Suchtdruck bedeutet und das Saufen wider aller Vernunft, genausowenig kann jemand, der nicht coabhängig war, die Gründe, Gefühle, Zwänge des Mitbetroffenen verstehen.

    Ich war selbst sehr lange mitbetroffen und coabhängig. Was da in mir vorging ist sehr schwer zu beschreiben.

    Zum einen war ich nach dem " alten" Frauenbild sozialisiert. Also " man hält zusammen, die Frau hält alles zusammen, stellt sich selbst immer hinten an". Das wird verstärkt durch das Gefühl, eine Normalität erhalten zu wollen. Zu versuchen, einen normalen Alltag zu erhalten. Nicht aufzugeben.

    Den Schaden zu begrenzen. Scham ist ein große Faktor, warum mir das passiert ist. Das Selbstwertgefühl war bei mir gering und ich fühlte mich immer abgewerteter, wertloser. Ich hatte Angst vor Veränderungen. Die Schuld, die er mir einredete nahm ich an. Hilflosigkeit. Ich kann ihn doch nicht im Stich lassen. Was soll er ohne mich machen, er hat doch niemanden.

    Das sind nur ein paar wenige der Dinge, die mich bewegt und gelähmt haben. Ich kann diese ganzen Gefühle nicht in Worte fassen.

    Ich habe eine sehr gute Freundin. Als sie damals zu mir gesagt hatte ob ich mal an Trennung gedacht hätte, war ich sehr böse. SIE hatte es doch gut, einen tollen Mann und alles tutti. SIE hatte nicht die Ängste, Zwänge, all das, was in mir vorging.

    SIE konnte gut reden und mir " tolle Tipps" geben, SIE hatte ja keine Not. SIE konnte doch nicht über MEIN Leben bestimmen.

    Heute bin ich ihr sehr dankbar für die Gespräche, in denen sie immer mal wieder ernst mit mir geredet hatte. Es hat gedauert, bis ich das annehmen konnte, was sie mir gesagt hatte.

    Ich hoffe, dass deine Freundin auch an diesen Punkt kommen kann.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Den Schaden zu begrenzen. Scham ist ein große Faktor, warum mir das passiert ist. Das Selbstwertgefühl war bei mir gering und ich fühlte mich immer abgewerteter, wertloser. Ich hatte Angst vor Veränderungen. Die Schuld, die er mir einredete nahm ich an. Hilflosigkeit. Ich kann ihn doch nicht im Stich lassen. Was soll er ohne mich machen, er hat doch niemanden.

    Das, was Aurora schreibt, kann ich so bestätigen und ist auch meine Antwort auf deine Frage, warum ich nicht mehr darüber gesprochen habe.

    Dann kommt ja hinzu, dass da auch innerfamiliär zwischen den beiden Dinge passieren, von denen du nichts weißt.

  • Deine Worte und wenn ich das lese …das bewegt mich sehr und macht sehr traurig.
    Aber es hilft mir auch, alles besser zu verstehen.

    Ich danke dir!


    Meine Freundin sagte vor zwei Jahren mal zu mir „ich denke ich muss jetzt einfach funktionieren sonst lastet am Ende alles auf mir und ich lasse mir durch den Alkohol meine Ehe nicht kaputt machen“.
    Mittlerweile glaube ich, dass sie da schon viel tiefer feststeckte als mir bewusst war.

    Als ich ihr letztes Jahr, nachdem sie bei mir übernachtet hatten, sagte dass eine Dose Secco leer ist und einer meiner Schnapsflasche fast leer…da war sie sehr sauer auf mich.

    Wenn ich ihm im Ort begegne, was regelmäßig passiert, dann grüßt er überfreundlich, winkt nett. Das macht mich jedes Mal wütend.
    Es passt für mich nicht zusammen. Ich rede mit ihr über seine Sucht, dann Kontaktabbruch aber er grüßt so „scheinheilig“, schickt mir Familienfotos als Dankeschön für eine Karte die wir der Tochter zu einer Feier geschenkt haben. Mir kommen solche Gesten nicht echt und authentisch rüber.

    Seitdem ich ihn in der Schule betrunken erlebt habe, sehe ich sie kaum noch. Wir hatten bis dahin noch regelmäßig Begegnungen wegen unserer Kinder. Keine Ahnung ob das Zufall ist.

    Ich war sehr lange innerlich wütend und enttäuscht weil es sich für mich angefühlt hat als ob ICH nun zum Problem gemacht werde. Sie hat mir sogar vorgeworfenen, dass ICH einen Riss in unserer Freundschaft verursacht hätte.

    Vielleicht sollte ich das ablegen? Ich habe irgendwann selbst gedacht, dass ich sie zerstört habe.
    Aber für mich hat es sich befreiend angefühlt, alles mal auf den Tisch zu legen und anzusprechen. Ich konnte nicht mehr anders, weil ich mich immer mehr selbst verloren habe.

    Und das nicht mal als Angehörige sondern „nur“ als Freundin einer Angehörigen.
    Das ist doch alles verrückt.

    Ich danke euch von Herzen, dass ich mich hier austauschen und Dinge rauslassen darf obwohl es mir gar nicht um den Süchtigen geht.

  • Erst mal aus Sicht einer trockenen Alkoholikerin: Als ich nass war, dachte ich keiner merkt was. Selbst wenn mich jemand ansprach, dachte ich ‚wegen der drei Bier‘- es waren nie ‚nur‘ drei, aber ich glaubte schon selber an meine Lügen.

    Offenbar ist es für sie gerade erträglicher, wenn sie auch an die Lügen glaubt. Du bist da wie das Kind bei des Kaisers neue Kleider, das die Wahrheit ausgesprochen hat.
    Und so störst du gerade das System.

    Irgendwie kann man niemanden in dieser Konstellation richtig Vorwürfe machen. Er ist suchtkrank, sie völlig überfordert, du irgendwie auch, was völlig verständlich ist.

    Bleib im freundlichen Abstand und warte die Entwicklung ab. Und was wer über wen von außen denkt, sollte allen Beteiligten herzlich egal sein. Ist es meistens nicht und das ist Teil der Misere.

  • Hallo Coco,

    Meine Freundin sagte vor zwei Jahren mal zu mir „ich denke ich muss jetzt einfach funktionieren sonst lastet am Ende alles auf mir und ich lasse mir durch den Alkohol meine Ehe nicht kaputt machen“.

    Das war auch bei mir ein Aspekt, zum Beispiel, dass ich mich nicht eher getrennt hatte. Ich wollte nicht aufgeben. Das Groteske daran ist, dass der Alkohol trotzdem die Ehe kaputt gemacht hat, meinen Exmann ( er ist inzwischen an der Sucht verstorben) und mich auch. Denn ich bin aus der Ehe rausgegangen mit Erschöpfungszuständen, Depressionen und Angst.

    Als ich ihr letztes Jahr, nachdem sie bei mir übernachtet hatten, sagte dass eine Dose Secco leer ist und einer meiner Schnapsflasche fast leer…da war sie sehr sauer auf mich.

    Ja, kann ich verstehen. Es ist soooo beschämend. Mein Exmann hat sich, wenn wir bei meinen Eltern im Garten zu Besuch waren, heimlich an deren Vorräte bedient. Als meine Mutter mir das erzählt hat bin ich vor Scham fast versunken und hab versucht, dass durch irgendwelches Gerede FÜR MICH erträglich zu machen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Ich denke dass es vermutlich mehrere Gründe gibt, warum sie keinen Kontakt mehr will. Einige sind schon genannt worden:

    Scham,

    sie möchte sich nicht rechtfertigen,

    evtl hat sie sich von ihrem Mann unter Druck setzen lassen sich nicht zu trennen und will dir das nicht erzählen

    oder sie denkt, dass sie den Kindern den Vater nicht nehmen darf

    Fakt ist, dass das Leben mit Kindern +Alkoholiker ein großes Stress ist. Sie hat sicherlich wenig Zeit und Kraft. Da hat sie vermutlich keine Energie ihr System hinterfragen zu lassen. Auch wenn du das gar nicht aktiv machst... . Ich denke sie kann nur selbst aus der Negativspirale aussteigen...

    Alles Gute!

  • Hallo Coco,

    meine Geschichte mit meinem Ex ist ähnlich der von Aurora. Ich bin Co und trockene Alkoholikerin. Mein Ex hatte mich soweit manipuliert und kontrolliert bis ich am Ende auch nur mit Burnout, Depressionen und Alkoholabhängigkeit aus der Beziehung ausstieg. Das ganze System hat funktioniert bis unsere gemeinsame Tochter zum Studium auszog. Der Leidensweg hat also sehr lange gedauert.
    In diesem „ System“ ist es für Außenstehende schwierig einzudringen.

    Bei aller Liebe um das Thema Freundschaft:
    Für mich ist viel schlimmer, was die Kinder erleben müssen. Eltern die eigentlich die Verantwortung für ihre Kinder tragen und sie in ein Auto eines Betrunkenen setzen. Die Kinder haben keine Möglichkeit der Entscheidung, einfach zu sagen: „ Nein, ich fahre nicht mit einem Betrunkenen mit“

    Was ist, wenn er einen Unfall baut? Seine und andere Kinder oder Personen gefährdet?
    Alle wissen ( riechen) es und alle Etwachsenen schauen zu…. bis was passiert?

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Dass sie keine Energie für Treffen hat sagte sie oft. Ich hab es nur nie richtig verstanden und am Ende auf mich geschoben.

    Dennoch scheint es kaum einen freien Tag ohne Aktivitäten zu geben.

    Tabsi ich gebe dir absolut recht!
    Ich habe ihr sehr deutlich gesagt, wie mies ich mich gefühlt habe, als ich es live miterlebt habe, wie er und die Kinder aus dem Auto steigen. Ich habe mich sehr schlecht gefühlt weil ich nicht die Polizei angerufen habe.
    Habe sie angeschrien, dass sie Verantwortung für die Kinder hat. Sie stand da und hat einfach nichts gesagt.

    Für mich stand fest, dass ich das nicht nochmal hinnehmen werde.

    Aber seit meiner Ansprache geht er mir nahezu vollständig aus dem Weg. Er fing sogar an, an Orten wie zB Kindergarten woanders zu parken als die Jahre zuvor.

  • Liebe Cocotac.

    Ja, da bist du wohl als gute Freundin in die CoFalle getappt u darfst dich jetzt da rausbuddeln.

    Ich konnte es in meinen jüngeren Jahren nie verstehen, weshalb sich nahe/engste Angehörige von Alkoholikern in meiner Familie/Verwandtschaft auch noch lustig gemacht haben über die skurrilen Sprüche u Taten ihrer suchtkranken Angehörigen. Und ich konnte es nie begreifen, dass sie sich nicht getrennt haben.

    Um dann Jahre später zu bemerken, dass ich selbst auch in der CoFalle festsitze. Und ich mich an meinem eigenen früheren Urteil gemessen habe u mich gleichzeitig sehr geschämt, dass ich es auch nicht geschafft habe, mich zu trennen, bis heute lebe ich immer noch mit meinem Mann zusammen, er befindet sich seit ca 1 Jahr in ambulanter Therapie u soweit ich’s beurteilen kann, trinkt er keinen Alkohol.

    Ich/wir haben gewisse Parallelwelten u immer wieder auch kleine gemeinsame Schnittmengen.

    Wenn mich meine langjährigen Freundinnen bedrängen würden, weshalb hast Dich immer noch nicht getrennt und und und mit tausend guten Argumenten um die „Ecke“ kämen, müsste ich ihnen wohl recht geben, Entscheidungen treffe ich jedoch auch erst dann, wenn ich hierfür in mir grünes Licht habe.
    Allerdings habe ich auch „das Jammern u Klagen“ weitgehend eingestellt, bringt ja nix, wenn ich den Mut zur (für mich radikalen Veränderung) immer noch nicht aufbringe.

    In diesem Sinne, denke ich, hast du dich sehr eingebracht, jetzt ist’s Zeit für deinen Garten, dein Unkraut, deine Zufriedenheit, unabhängig von deiner Freundin.

    Alles Gute dir. LG Simsalabim

  • In diesem Sinne, denke ich, hast du dich sehr eingebracht, jetzt ist’s Zeit für deinen Garten, dein Unkraut, deine Zufriedenheit, unabhängig von deiner Freundin.

    Alles Gute dir. LG Simsalabim

    Da hast du wohl recht.

    Wahrscheinlich fällt es mir schwer, mich abzugrenzen. Sie ist wie Familie, ihre Kinder sind/waren wie meine eigenen für mich.

    Aber ich merke auch, wie es mich immer wieder runterzieht.

    Rückblickend betrachtet, habe ich lange gespürt dass ihr Mann nun heimlich trinkt. Aber die Angst war groß, es anzusprechen. Ich hatte Angst dass ich doch falsch liege (obwohl es offensichtlich ist). Ich hatte Angst, sie dann zu verlieren.

    Immer nur „mir geht es gut, mach dir keinen Kopf, etc.“. Und gleichzeitig dieses Gefühl, dass sie immer weniger sie selbst ist. Abwesend, mit dem Kopf woanders, angespannt. Wütend aber sagt gleichzeitig „alles gut“.

    Es ging so weit, dass ich wegen des leeren Alkohols in meinem Keller ernsthaft überlegte, ob ich ihn selbst getrunken hab.

    Ich habe monatelang den Mund gehalten. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich war ja schon selbst nicht mehr ich und ständig in so einer Art Dauer-Abscannen wie gerade die Stimmung ist. Ganz extrem war es, wenn ich mit beiden zusammen war.
    Es mag blöd klingen, aber ich hab die Spannung in der Luft spüren können.

    Durch das Ansprechen habe ich ein Stück weit wieder zu mir selbst gefunden.
    Es war erleichternd, nicht mehr so tun zu müssen als ob alles gut ist. Das ist es nämlich für mich nicht.

    Bin ich oder war co-co abhängig?

    Mein Kopf weiß, dass ich mich wieder um mich selbst kümmern muss. Ich muss sie ziehen lassen, es ist ihr Leben. Es sind ihre Kinder und nicht meine.

    In meinem Herzen ist sie noch wie ein Teil meiner Familie und ich möchte die Tür für sie nicht komplett schließen.

  • Manchmal ist es so, dass Freundschaften auseinander brechen. Da gibt es einige Probleme, die im Laufe der Zeit hervor kommen.

    Es ist schmerzhaft und dauert eine Weile, verheilt vielleicht nie ganz.

    Aber für einen selbst ist es besser, damit abzuschließen und sich auf andere Menschen einzulassen, Cocotac.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Manchmal ist es so, dass Freundschaften auseinander brechen. Da gibt es einige Probleme, die im Laufe der Zeit hervor kommen.

    Es ist schmerzhaft und dauert eine Weile, verheilt vielleicht nie ganz.

    Aber für einen selbst ist es besser, damit abzuschließen und sich auf andere Menschen einzulassen, Cocotac.

    Mein rationaler Kopf weiß das. An der Umsetzung hapert es noch.

    Meine Engsten sagen mir regelmäßig, ich hätte ein „Helfer Syndrom“ 🙈

  • Es ist ja nicht nur, dass Du helfen willst. Du hast eine gute Freundin "verloren". Und das ist allein schon schmerzhaft.

    Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es seine Zeit braucht, um das zu überwinden und dass der Knoten im Magen nachlässt.

    Versuche Dich, so gut es geht, abzulenken.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Liebe Cocotac,

    ich kann das bisher geschriebene nur bestätigen und möchte noch ergänzen, dass ich als Coabhängige zum Beispiel selbst manchmal keine Ahnung habe, weshalb ich mich nicht löse oder auch kritische Worte von außen abgelehnt habe. Selbst in der Therapie musste ich mich der Tatsache stellen, dass ich aus irrationalen Gründen immer wieder versuche, die Trennung zu umgehen und trotzdem konnte ich bis jetzt nicht herausfinden, was es ist. Also trotz der immer mal wieder aufblitzenden Einsicht, verfalle ich immer wieder in alte Muster.

    Je nachdem, wie lang man schon in solch einer Beziehung steckt, hat man sich Verhaltensweisen und Einstellungen "antrainiert", die einen gefangen halten, ohne dass sie einem bewusst sein müssen.

    Auch wenn meine Mutter mit mir über das alles sprechen wollte, habe ich es lang als zusätzliche Last angesehen, diese Situation jetzt noch neutral halten zu müssen. Jetzt ist sie und alles was sie gesagt hatte, mein Anker, weil ich sehen kann, dass jemand anderes ebenfalls etwas bemerkte, wenn ich an mir selbst zweifle. Auch wenn das oft nicht reicht, um wach für meine Situation zu bleiben, glaube ich, dass auch du mit deinen ehrlichen Gesprächen unglaublich viel für deine Freundin getan hast. Ich glaube auch: Mehr, als ihr zu zeigen, dass du da bist, kannst du nicht tun. Und das hast du in meinen Augen wirklich gut gemacht.

    Vielleicht hilft es dir, wenn du dir ein paar Fäden im Co-Bereich ansiehst. Hier schreiben viele, welche Gefühle und Gedanken sie hatten bzw. noch haben.

    Liebe Grüße

  • Ich hab auch ein Helfer-Syndrom, das klingt, als würde ich zwanghaft helfen wollen und hat irgendwie einen negativen Touch, dabei sehe ich einfach nur nicht weg, wenn jemand Hilfe braucht. In deinem Fall ist es dazu noch deine Freundin gewesen, der du helfen wolltest.

    Es ist da aber wie bei den Alkoholikern, sie können sich nur selbst helfen. Sie wissen sehr wohl, dass sie ein gewaltiges Problem haben, aber wollen nicht zusätzlich darauf angesprochen werden. Ab dann fühlt es sich übergriffig an. Weiter oben habe ich irgendwo gelesen, dass du sie sogar angeschrien hast. Auch, wenn du weißt, dass du in Grunde recht hast, hast du da eine Grenze überschritten und ich hätte mich da als Freundin wahrscheinlich auch zurück gezogen. Jetzt kannst du nur abwarten und dich um dich und deine Gefühle kümmern.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

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