Schmetterling85 - Zurück, diesmal als Co. und EKA

  • Hallo zusammen,

    vor über einem Jahr war ich schon mal hier im EKA Bereich.
    Mittlerweile sehe ich mich auch als Co-Abhängig. Also ob mein Mann Alkoholiker ist oder nicht, weiß ich nicht, aber für mich ist es zu viel wieviel er trinkt und es triggert mich leider.
    Ich habe Flaschen gezählt und fotografiert, scanne ihn, mach auch blöde Bemerkungen manchmal.
    Er : hat auf mein Nachfragen zugegeben, dass er alle 2-3 Tage 1 (?) Bier abends in der Werkstatt getrunken hätte, um runter zu kommen. In der Vergangenheit hat er auch schon vereinzelt „heimlich“ Bier getrunken. Seine Begründung ist, ich würde es ja nicht mögen, deshalb „muss“ er es ja heimlich machen. Es ist eine Endlosschleife in meinen Augen. Ab und zu gibt es Feiern in Gesellschaft, wo es dann meistens zum Absturz kommt (unregelmäßig, mal 1-2 mal pro Monat, mal alle paar Monate, aber dann mit kontrollverlust).
    Hinzu kamen abendliche Treffen mit Kumpels oder Verein, wir wohnen aufm Dorf - Gründe gibt es also immer, an denen ein paar Bier oder auch mal Schnaps getrunken wurde (zum Teil war es mehrmals in der Woche).

    Seid unserem letzten (nicht ersten 🙂🙃) Gespräch meint er, er möchte erstmal nicht mehr so viel trinken, weil er selbst bemerkt, dass es wieder zu viel geworden ist. An dem gleichen Punkt waren wir letzten Sommer im Prinzip schon mal. Er hat sich dann vorgenommen, mindestens 10 Tage nichts zu trinken. Innerlich fand ich es ehrlicherweise lächerlich…. Sorry. Ich hab ihm dann gesagt, dass ich das gut finde, ihm aber leider nicht glauben kann… und ich es ja sehe.

    Unter Alkohol ist es leider vor ein paar Jahren auch schon zu verbalen Wutausbrüchen mir gegenüber gekommen, weshalb ich den Konsum einfach kritisch sehe und auch Angst habe.

    Er meint, ganz aufhören möchte er definitiv nicht.

    Mir tut das ganze Thema nicht gut, immer wieder haben wir Drama deswegen….

    Nun weiß ich allerdings auch nicht, ob ich „übertreibe“, denn so viel wie manch anderer trinkt er ja auch nicht. Bei diesem heimlichen klingeln bei mir aber innerlich die Alarmglocken. Er meinte auch, ich sei ja nur so empfindlich aufgrund meiner Kindheit (Mutter Alkoholikerin). Als ich dann gesagt habe, es liegt auch daran, dass er so aggressiv geworden ist unter Alkohol, meinte er nur, dass ist aber hart, dass ich jetzt die alten Kamellen wieder hochholen würde, wir hätten beide Fehler gemacht und man muss das nicht immer wieder sagen.

    Irgendwie drehe ich mich im Kreis, deshalb hab ich diesmal hier ein Thema eröffnet und erhoffe mir vielleicht ein wenig Tipps von euch …

    Habe auch über die Zeit immer viel hier gelesen, was mir sehr geholfen hat.

    Liebe Grüße, Schmetterling

  • Hallo Schmetterling,

    Willkommen zurück, diesmal mit einer anderen bzw. weiteren Baustelle, aber dir geht es nicht alleine so. Du kannst ähnliche Erfahrungen hier im Angehörigenbereich lesen.

    Ich bin auch EKA. Und als EKA sind die kranken Muster Tief verinnerlicht. Da ist es ein kurzer Weg selbst suchtkrank oder Co zu werden.

    Der Austausch mit den anderen Betroffenen wird dir bestimmt gut tun.
    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Schmetterling,

    Nun weiß ich allerdings auch nicht, ob ich „übertreibe“, denn so viel wie manch anderer trinkt er ja auch nicht.

    Warum denkst du, dass du übertreibst? Die Situation und das Trinkverhalten deines Mannes triggern dich, lösen was in dir aus, tun dir nicht gut. Und genau DAS ist doch das Maß für dich. Es geht dir nicht gut damit. Punkt. Daran ist nichts übertrieben.

    Ich weiß noch von meinem ersten Mann, da dachte ich auch, er würde doch nicht so viel trinken wie andere. Zumal er das auch mir gegenüber immer wieder lautstark betont hat. Und ich hab mich immer wieder gewundert warum er immer wieder gewissermaßen von einer Minute zur anderen dermaßen weggetreten war.

    Ich hab das auf seine Medikamente gegen Epilepsie geschoben, er hatte ja eine Gehirnblutung gehabt. Und darauf, dass er eben dadurch noch immer gesundheitlich stark angeschlagen wäre, erschöpft wäre. Oh man, ich war so blö.... äh blind.

    Es hat echt lange gedauert bis ich dahinter kam, dass er seine Verstecke hatte, seine Tricks zum heimlichen Trinken. Seine Zustände hatten nichts mit seiner Gesundheit an sich zu tun sondern damit, dass er fast besinnungslos besoffen war.

    Ich frage mich heute noch, warum ich das nicht sehen konnte oder einfach verdrängt habe oder was auch immer.

    Was ich eigentlich sagen will ist, vertrau auf dein Bauchgefühl, auf deine Wahrnehmungen, die sind richtig.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Vielen Dank für die herzliche Wiederaufnahme ❤️.

    Es ist tatsächlich schwierig für mich, die Situation einzuschätzen und deshalb denke ich, ich übertreibe. Ich möchte ihm nichts falsches unterstellen und mich am liebsten auch nicht ständig mit dem Thema beschäftigen. Aber die Gedanken gehen sehr oft in seine Richtung und das leidige Thema Alkohol. Wir sind seit über 20 Jahren zusammen und früher hat es mich komischerweise nicht gestört.

  • Es ist tatsächlich schwierig für mich, die Situation einzuschätzen und deshalb denke ich, ich übertreibe. Ich möchte ihm nichts falsches unterstellen

    Hallo Schmetterling85.

    Deine Worte sind zu 100% die Gedanken, die sich immer wieder auch bei mir einschleichen. Aber genau, wie du deine Gedanken und die ganzen "Aber" ernst nimmst, müssen wir als Cos auf unsere Intuition und unsere Gefühle vertrauen. Und wie Aurora bereits geschrieben hat, wenn du dich nicht gut fühlst, muss das der Ausgangspunkt der Überlegung sein. Du fühlst dich aufgrund seines Verhaltens schlecht - das ist keine falsche Unterstellung. Das sind die Gefühle, die du hast und das ist eine ernst zu nehmende Tatsache.

    Ich weiß aber auch, wie schwer das ist. Immerhin bin ich selbst noch co und kann diesen Gedanken leider noch nicht immer anwenden.

    Liebe Grüße.

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