Honighummel7 - Meine schwersten Entscheidungen

  • Ich fühle mich gerade wie damals vor meiner Abschlussprüfung - schneller Puls, die Verdauung macht, was sie will - einfach nur so aufgeregt und ängstlich. Jetzt wäre mir die Prüfung allerdings so viel lieber.. Wobei ich eigentlich auch positive Gefühle in Bezug auf das anstehende Gespräch habe: Es könnte sich endlich etwas ändern!

    Aber trotz des Versuches, heute Morgen mit meinem Mann zu sprechen, ist es nicht dazu gekommen. Ich stand wirklich ganz kurz davor - ich habe den Gesprächsbeginn x mal vor mich hin gesagt und dann bin ich schon mit festem Schritt zu ihm zur Küche gelaufen... um aber dann im letzten Moment wieder in ein anderes Zimmer abzudrehen. Bestimmt 10-15 mal. Warum ist das so schwer? Warum kneife ich kurz vor knapp?

    Aber ich kann nicht mehr aufgeben. Das ist einfach keine Option mehr. Es würde für meinen Sohn, mich und auch meinen Mann den Absturz bedeuten. Aber mindestens zwei kann ich retten. Ich werde es auch noch 100 mal versuchen, wenn es sein muss. Bis ich es endlich geschafft habe. Die Aufregung gibt mir mehr Kraft, weil sie meine Reserven plündert. Aber es ist so wahnsinnig anstrengend.. :(

  • irgendwann

    „irgendwann“ ist kein Tun, keine Veränderung - eher ein Wunsch, eine Vorstellung- alles andere bleibt beim Alten- Stillstand, weiter leiden.

    Für mich als Alkoholikerin war das Wort „ irgendwann“ höre ich auf, nur ein Aufschieben.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Mir ist noch nicht klar, was genau du Dir von diesem Gespräch erwartest, Honighummel.

    Um ehrlich zu sein, bin ich mir da nicht hundertprozentig sicher. Ich will auf jeden Fall die Karten auf den Tisch legen, dass es mir schlecht geht. Ich möchte, dass er das genau so hört und ich mir nicht mehr einreden kann, dass ihm das nicht bewusst ist.

    Außerdem werde ich ihm zwei Optionen nennen: Nie wieder Alkohol, dafür Suchtberatung und Arzttermine oder eben die Trennung. Und ich werde ihm etwas Zeit geben, sich zu entscheiden, aber ich werde mich nicht wieder abwimmeln lassen, ohne eine konkrete Entscheidung aus seinem Mund zu hören.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, welche Entscheidung ich mir erhoffe.. Entscheidet er sich gegen den Alkohol, werden meine "Anti-co-Kompetenzen" auf einem ganz neuen Level geprüft. Der Kampf würde weiter gehen und ich müsste sehr aufpassen.

    Würde er es einfach ablehnen, wäre die Sache mehr oder weniger klar. Ich müsste mir keine Sorgen mehr machen, nicht zu erkennen, wann ich hingehalten werde.

    Ich weiß einfach nicht, ob die Liebe zu seinem Sohn so stark ist. Zu mir ist sie es offensichtlich nicht. Aber es gibt für mich nur diese beiden Alternativen: lebenslang ohne Alkohol leben oder ohne uns.

    Ich weiß, es klingt nach einem typischen "vielleicht fällt ja diesmal der Groschen". Das ist mir bewusst und es gefällt mir gar nicht. Aber ich habe mir für meinen Sohn geschworen, dass ich ihn das letzte Mal vor die Wahl stellen werde. Danach ist die Wahl für mich aufgrund der Taten getroffen.

  • Fang doch erst einmal klein und im verborgenen an. Du benötigst einen Plan und einen Vorsprung . Wenn du irgendwann mit ihm sprichst, und die Sache geht nach hinten los….. angenommen er wirft dich raus, stehst du da wie ein begossener Pudel.

    Sichte Unterlagen, sortiere und lagere wichtige Dokumente aus.

    Abschlusszeugnisse, Gesellen / Ausbildungsabschlüsse, Geburtsurkunden, Eheurkunde/ Familienbuch, Versicherungspolicen, Kontoauszüge, Verträge, Mietvertrag, Grundbuch, Steuernummern, Sozialversicherungsnummer, Rentennummern, Krankenkassendaten…..

    Wie sind eure Konten organisiert, Ehekonto, Einzelkonto mit Vollmacht, separate Konten, hast du eine unsichtbare „Kriegskasse“

    Wie Abhängig bist du von der technischen Infrastruktur zu Hause?
    Hast du eigene Endgeräte wie Notebook, Tablet, Handy?

    Sind dir alle Zugangsdaten bekannt?
    Hast du mobiles Internet (UMTS/4G/5G)?

    Internetsicherheit, sind ihm deine Passwörter bekannt, die solltest du alle ändern, sonst liest er womöglich deine Mails mit oder bestellt Sachen mit deinen Konten?

    Oft sind die Männer die HomeAdmins, wenige Klicks später bist du IT mäßig ein Höhlenbewohner.

    Lange Rede kurzer Sinn, Sorge vor und sei dabei leise. Dann kannst du ein Gespräch führen.

    Es gibt 2 Möglichkeiten den Streit zu beginnen, „auf sie mit Gebrüll“ oder Guerilliataktik, ich persönlich bevorzuge 2.

  • Du könntest auch erst einige andere Schritte gehen. Hast du dich mal beraten lassen, wie es zB finanziell aussieht usw?

    Das ist zum Glück für mich kein Problem. Ich verdiene im Moment für uns allein.

    Was meinst Du mit „es“?

    Meine Freiheit. So mies es auch klingt, wenn sich mein Mann für den Alkohol entscheidet, kann ich endlich abschließen.

  • Co-Pilot Um diese Fragen habe ich mich bereits "gekümmert" bzw. haben sich viele Dinge von allein ergeben. Ich verdiene allein das Geld in der Familie, wir haben getrennte Konten, ich organisiere alle Unterlagen. Handyverträge usw. laufen nicht über meinen Mann, die Wohnung gehört mir und ich habe ein eigenes Auto. Und zuletzt ist auch die Betreuung für meinen Sohn geregelt, sollte er dann gar nichts mehr von uns wissen wollen.

  • Vielleicht ist ein Gespräch einfach gerade nicht dran oder macht die häusliche Situation schlimmer oder gefährlicher.
    Du kannst hier in vielen Threads lesen, daß auch das 384. Gespräch nichts gebracht hat…

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Co-Pilot Um diese Fragen habe ich mich bereits "gekümmert" bzw. haben sich viele Dinge von allein ergeben. Ich verdiene allein das Geld in der Familie, wir haben getrennte Konten, ich organisiere alle Unterlagen. Handyverträge usw. laufen nicht über meinen Mann, die Wohnung gehört mir und ich habe ein eigenes Auto. Und zuletzt ist auch die Betreuung für meinen Sohn geregelt, sollte er dann gar nichts mehr von uns wissen wollen.

    Das ist doch super gut, du bist nicht in der Opferrolle. Du hast alles in der Hand. Respekt,

  • Okay.. das Schreiben hat mich irgendwie beflügelt und ich habe es getan. Einfach so. Und es lief mies.

    Einsicht? Nö. Er meint, er hätte schon ein Alkoholproblem, aber Alkoholiker ist er nicht. Dass er immer mies drauf ist, läge daran, dass alle anderen blöd sind. Und ich hätte ihm (nach etlichen Jahren) ja nie die Chance gegeben zu zeigen, dass er ohne Bier leben kann. Er hatte ja doch auch immer aufgehört, wenn ich etwas gesagt habe. Und wenn er gehen müsste, würde er sich wahrscheinlich eh umbringen.

    Ich sehe die Maßnahme des Gesprächs an sich jetzt auch etwas kritisch. Wie du es geschrieben hast Linde66 , befürchte ich, dass ich mir im Ziel etwas vorgemacht habe. Ich hatte irgendwie gehofft, dass es ein Schlussstrich wird, den ich nicht ziehen muss.

    Allerdings bin ich standhaft geblieben und darauf bin ich ziemlich stolz. Es ist für mich auf jeden Fall eine positive Entwicklung. Ich habe nicht mit mir verhandeln lassen oder das Gespräch weglenken lassen, wie es sonst immer war. Ich fühle mich richtig sicher stehend. Es steht: Entweder wir + Taten + für immer nüchtern oder der Alkohol. Er ist direkt (allerdings aus Trotz) zum Arzt, um Blut abnehmen zu lassen. Ich weiß nicht, was er sich davon erhofft. Auf jeden Fall gebe ich ihm jetzt Zeit, sich zu entscheiden. Aber auf diese Frage fordere ich eine klare Antwort. Ich lasse das keinesfalls im Sand vergehen. Und sollte er sich für uns entscheiden, werde ich ihn darauf festnageln.

    Es ist keine Hoffnung, die ich gerade fühle. Ich fühle Kampfgeist, jeden Versuch, mich irgendwie hinzuhalten zu erkennen. Ja, ich gebe ihm die Chance, jetzt etwas zu tun. Aber ich halte meine Augen wachsam. Ich gehe nicht wieder zurück in diese Situation.

    Ich bin jetzt auch echt wahnsinnig erschöpft. Diese Angst vor dem Gespräch hat mich echt fertig gemacht.

  • Hallo Honighummel,

    meine bisherige Erfahrung hat mich für dieses Gespräch etwa zwei Szenarien sehen lassen.

    1. Er leugnet vehement und versucht jetzt unter allen Umständen zu beweisen, dass er eben kein Problem hat und deine Wahrnehmung gestört ist (IST SIE NICHT)
    2. Er lenkt ein. Verspricht sich zu ändern und zu bessern, vielleicht sogar anfangs gar keinen Alkohol zu trinken oder aber viel weniger. Dann bist du wieder voller Hoffnung und erstmal ruhig. Dann fängt es ab und an mal wieder an. Ein Glas hier, ein Glas da. Mehrere heimlich etc. Das ganze Spiel geht wieder von vorne los. Leider ist dabei aber wieder Zeit ins Land gegangen, die du dir vergebliche Hoffnungen gemacht hast.

    Das mag jetzt sehr spekulativ klingen, im Grunde ist es das auch, denn ich kenne weder dich noch deinen Mann. Aber es sind Szenarien wie sie immer und immer wieder vorkommen. Dein Mann sieht kein Problem. Darum wird er den Alkohol auch nicht so kampflos aufgeben.

    Die Frage ist halt, wie lange willst du noch an einer Hoffnung festhalten, die sich erstmal gar nicht, vielleicht sogar nie erfüllen wird?

  • Hallo Twizzler , danke für deine Nachricht, ich werde später noch darauf antworten.


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    Für heute ziehe ich mich mal zurück. Ich fühle mich ausgelaugt und niedergeschlagen. Ich suhle mich in traurigen Gedanken und Slebstmitleid. Ich empfinde gerade viele Gefühle, ohne sie wirklich einordnen zu können. Keine Ahnung, was da gerade an die Oberfläche kommt, aber ich fühle viel Entäuschung, Trauer und Wut. Für heute bin ich mal nur Mitleser im Forum. Morgen ziehe ich dann wieder den Kopf aus dem Sand und stelle mich wieder meiner Situation.

  • Guten Morgen. Der momentane Stand ist, dass sich mein Mann für uns entschieden hat. Er ist nach wie vor der Meinung, dass er seinen Alkoholkonsum kontrollieren kann. Zumindest sagt er das. Im Gespräch habe ich manchmal das Gefühl, dass ihm das Gegenteil sehr wohl bewusst ist bzw. dass er bereits von Zweifeln heimgesucht wird. Er verschließt nur sehr hartnäckig die Augen davor. Er hat aber meinen Forderungen zugestimmt, dass er trotzdem in seinem Leben nie wieder Alkohol trinken dürfte. Ich glaube zwar, dass er Hoffnung darauf hat, dass sich das irgendwann wieder ändert, aber keine Ahnung. Ich bin einfach im darüber Spekulieren, was er denken könnte, ausgebrannt. Ich will und kann es nicht mehr.

    Aber es sind Szenarien wie sie immer und immer wieder vorkommen. Dein Mann sieht kein Problem.

    Ja, da hast du recht und ich will es gar nicht versuchen, schön zu reden. Diese Gedanken beherrschen mich gerade sehr - Bin ich am gleichen Punkt wie vorher? Mache ich mir etwas vor? Handle ich gegen besseren Wissens?

    Was ich tatsächlich nicht mache, ist mir Hoffnungen zu machen. Im Gegenteil, ich bin sehr skeptisch. Ich habe mich dazu entschieden, ihm die Möglichkeit zu geben, sein Leben zu ändern, in dem Wissen, dass alles auf dem Spiel steht. Es geht dabei weniger um uns als Paar. Dass die Liebe zu mir nicht ausreicht, weiß ich ja. Ich hoffe nicht auf eine rosarote Zukunft oder darauf, dass wir wieder eine glückliche Ehe führen.

    Es geht mehr darum, dass ich ihm genau gesagt habe, welche Folgen sein Handeln haben wird. Und dass er die Entscheidung hat, ob wir als Familie und als Eltern für unseren Sohn zusammenleben können - dass er entsprechend handeln kann bzw. muss.

    Wie gesagt, natürlich mit vielen Zweifeln und dem Wissen, dass das weiterhin Kraft kosten wird. Aber ich halte meine Augen offen. Das waren keine leeren Worte - seine Taten bestimmen die Folgen und diese werde ich auch umsetzen.

  • Hallo Hummel,

    Er hat aber meinen Forderungen zugestimmt, dass er trotzdem in seinem Leben nie wieder Alkohol trinken dürfte.

    Was ich tatsächlich nicht mache, ist mir Hoffnungen zu machen.

    lies dir bitte nochmal die 2 zitierten Sätze durch.
    Du gehst davon aus, dass er auf deine Forderungen eingeht. Dadurch machst du dir doch automatisch Hoffnungen.
    Ein nasser Alkoholiker stimmt vielem zu, Hauptsache er kann in Ruhe weitertrinken. Er kennt so viele Tricks, und wird deine Forderungen umgehen.
    Das kenne ich aus eigener leidvoller Erfahrung, immer wieder Höhenflüge der Hoffnung, und dann doch immer wieder in der harten Realität ankommen.

    Handle ich gegen besseren Wissens?

    ich habe es getan, so lange ich immer noch die Hoffnung hatte, er würde aufhören. Das zieht sehr viel Kraft und macht dich mürbe.

    LG Morgenrot

    Er hat aber meinen Forderungen zugestimmt, dass er trotzdem in seinem Leben nie wieder Alkohol trinken dürfte.

    Was ich tatsächlich nicht mache, ist mir Hoffnungen zu machen.

    Handle ich gegen besseren Wissens?

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Puh. Was soll man dazu sagen. Gut, dass du deinen Standpunkt nochmal klar und deutlich vertreten hast. Aber ehrlich gesagt, denke ich, dass du dir das Gespräch quasi trotzdem hättest sparen können. Ja gut, er geht jetzt erstmal auf deine Forderung ein, weil er Ruhe und keinen Streit haben will.

    Du kannst hier mehrfach bei den Alkoholikern lesen, wie wichtig es ist, dass die Einsicht, die Akzeptanz und der Wille dauerhaft was zu ändern vom Alkoholiker selbst kommen muss.

    Wenn er jetzt dir zuliebe zusagt, dass er nie wieder was trinken wird, obwohl er ja aus seiner Sicht weder Alkoholiker ist, noch überhaupt ein Problem hat und natürlich easy kontrolliert trinken könnte, ist das völliger Quatsch und einfach nur eine Hinhaltetaktik. Er geht jetzt alibimäßig 1-2 Schritte, bis du dich in seinen Augen wieder eingekriegt hast und dann wird es munter weitergehen. Ist natürlich alles Spekulation und ich wünsche dir wirklich, dass es anders läuft.... aber ich lese hier im Forum auch schon seit drei Jahren mit und die Realität sieht oftmals anders aus.

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