Fragen an einen Alkoholiker

  • Ich habe eine Münze, auf der einen Seite steht das Datum, seit ich trocken bin mit einer Sonne und auf der anden Seite der Satz:"Der Tag, an dem mein Leben neu begann" mit einem Baum Die Münze trage ich immer bei mir.

  • Ich habe eine Münze, auf der einen Seite steht das Datum, seit ich trocken bin mit einer Sonne und auf der anden Seite der Satz:"Der Tag, an dem mein Leben neu begann" mit einem Baum Die Münze trage ich immer bei mir.

    Das finde ich schön. Hast du dir die Münze anfertigen lassen?

    Zur Frage im Forum hinsichtlich der Bedeutung des Datums, der „Geburtstage“, auch wenn es bei mir ja erst gut 6 Wochen sind:
    Am Anfang habe ich mich gar nicht an das Datum erinnert, sondern nur die Tage gezählt. Nun erinnere ich mich an das Datum, zähle aber nicht mehr die Tage. Im privaten Bereich spielt das Datum keine Rolle, sondern nur für mich persönlich, um immer mal festzustellen, wie lange ich „schon“ abstinent bin, und um mich zu bestärken, dass ich diese bisherige abstinente Zeit nie wegwerfen will. An meinem 1. Jahrestag werde ich mir aber irgendwas Schönes gönnen (z.B.ein besonderes Schmuckstück), das allein für mich ist.

  • Ich hab auch eine Münze im Geldbeutel. Mit einem Kamel und einem Spruch drauf, die hab ich in meiner realen Shg bekommen. Und die Zahlen auf meinem Nummernschild sind mein Geburtsjahr und das Jahr, in dem im aufgehört habe, zu trinken.

  • Es kommt bei mir in der realen SHG zur Sprache bzw. es gibt gelegentlich Glückwünsche wenn derjenige dieses Datum denn teilt. Ich bin allerdings auch derjenige in der Gruppe, der noch am kürzesten trocken ist. Bei den anderen hat sich bereits über mittlerweile Jahrzehnte Abstinenz eine auch hier im Forum bei den Langzeittrockenen oft feststellbare Gelassenheit eingestellt. Die Dauer der Trockenheit spielt einfach keine Rolle mehr...

    Ich habe mir am Anfang eine kleine Visualisierung geschenkt/gekauft (werde keinen Link einfügen: einfach Ugears + Klickzähler gogglen), bin gerade dabei den zweiten voll zu machen. Ich bin stolz darauf, den Absprung geschafft zu haben wenn ich den kleinen Zähler sehe aber merke auch, dass mir die Dauer meiner Abstinenz immer egaler wird - was mich ebenso freut. Mal schauen, zwei weitere habe ich noch im Schrank also nochmals 2x999...ob es mir danach noch wichtig ist werde ich sehen.

  • Alkoholiker trennt sich nach Entzug und Therapie

    Hallo,
    mein Mann hat mir gerade erklärt, dass es sein kann, dass er sich nach einem Entzug von mir trennt und irgendwie habe ich hier im Forum auch was davon gelesen.
    Was sind denn die Hintergründe, warum sich der Alkoholiker selbst vom Partner trennt? Klar liegt jeder Fall anders, aber ich finde darüber aktuell keine Fachliteratur und es interessiert mich, warum das so ist.
    Als Co kann ich das verstehen, dass man die Nase voll hat, aber warum der Alkoholiker? Es scheint ja offenbar keine Seltenheit zu sein.

    Habt Ihr da Erfahrungen?

  • Was sind denn die Hintergründe, warum sich der Alkoholiker selbst vom Partner trennt?

    Weil der Partner der Grund war, sich zu trennen – nicht die Sucht. Die Sucht hat das nur übertüncht. Der Nachschub war bei den meisten ohnehin gesichert, denn viele Co-Abhängige beschaffen den Alkohol mit oder ertragen zumindest den Säufer weiter.

    Das reicht dann völlig aus, um die Beziehung künstlich am Laufen zu halten.

    Die Sucht steht vor jeder Beziehung , egal ob Liebe da ist oder nicht.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • mein Mann hat mir gerade erklärt, dass es sein kann, dass er sich nach einem Entzug von mir trennt und irgendwie habe ich hier im Forum auch was davon gelesen.

    Und das sind genau die üblichen "nassen" Drohgebärden eines Alkoholikers, der noch nicht aufhören will zu saufen, noch nicht so weit ist, seinen eigenen Punkt aber kommen sieht. Also wird Druck aufgebaut – auf einen Partner, der noch an die Beziehung glaubt.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Was sind denn die Hintergründe, warum sich der Alkoholiker selbst vom Partner trennt? Klar liegt jeder Fall anders, aber ich finde darüber aktuell keine Fachliteratur und es interessiert mich, warum das so ist.

    erst mal die ganz normalen Gründe, warum man sich eben trennt. Gibt ja keinen Grund, warum das nicht beiderseitig sein kann.

    Und dann die Erkenntnis, dass nur nicht trinken in der Regel nicht reicht. Manche brauchen einen neuen Job, die meisten trennen sich von Freunden, und manche können mit dem bisherigen Partner nicht trocken werden. Manche fühlen sich auch zu sehr umsorgt, gegängelt, beaufsichtigt.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Wenn ich rein von mir ausgehe, dann war mir das ja lästig, dass meine Partnerin wegen der Sauferei Stress machte. So lange ich nicht aus mir selbst raus aufhören wollte, war das ein Punkt, der zwischen uns nicht passte. Und ne Pseudodrohung war das nicht. Im Gegenteil, meine Partnerin hatte Angst, dass ich ernst mache, und das hätte ich wahrscheinlich auch getan. Sie ist aber auch immer wieder gekommen. Es war einfach ein Punkt, an dem wir uns nicht einigen konnten.
    Ich habe sie auch nicht gehalten, als sie sich dann von sich aus trennen wollte. Konnte ich in Ruhe saufen. Und ich wollte ja auch keine Beziehung, nur damit ich mich mehr stressen kann.

    Aus meiner trinkenden Zeit her denke ich, dass die meisten Trinker sich keine Partnerin wünschen, die sie vom Trinken abhalten oder retten will, sondern eine Partnerin, bei der sie trinken können, wie sie wollen. Das ist halt ein Konflikt. Und oft wird in der Zeit ja von beiden Seiten ausgeteilt, das Verhältnis kann da schon völlig zerrüttet sein.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hm, vielen Dank für die vielen Antworten.

    Ich meinte eigentlich, gibt es Literatur darüber, warum sich Alkoholiker NACH einer Therapie von der Partnerin trennen? Uns hat das die Drogenberatung gesagt, dass es wohl öfter vorkommt und passieren kann, dass sich der Alkoholkranke nach der Therapie vom Partner trennt. Hatte er vorher nicht den Mut oder warum?
    Nach meinem Verständnis sollte man als trockener Partner doch froh sein, wenn er nach dem Entzug udn der Therapie noch eine Zuhause mit Frau, Tieren etc. hat.

    Eigentlich könnte ich mir inzwischen vorstellen, dass er geht, allerdings sieht es übergangsweise katastrophal aus bis sich unser Mini-Zoo aus Altersgründen so reduziert hat, dass es finanzierbar ist. Ich habe ja geschrieben, dass ich mich darauf vorbereite, dass er in Entzug und Therapie geht und habe daher einen Vorrat an Futter/Streu/Sprudelkästen etc. angelegt. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich bei einer Trennung kein Geld mehr für Lebensmittel habe, was echt übel ist. Meine Tiere sind meine "Kinder" und es bräche mir das Herz, mich insbesondere von den ganz alten Tieren zu trennen, die mich ihr komplettes Leben begleiten und die ich über alles liebe. Alleine deren tot wird mir den Boden unter den Füßen weg ziehen, weil die drei alten Miezen mein ein und alles sind.

    Aber ich komme von der Frage ab: Also lt. Drogenberatung ist es wohl nicht selten der Fall, dass Alkoholkranke NACH einer Therapie sich vom Partner trennen. Ich frage mich, was der Hintergrund ist?

    https://Weil der Partner der Grund war, sich zu trennen – nicht die Sucht. Die Sucht hat das nur übertüncht. Der Nachschub war bei den meisten ohnehin gesichert, denn viele Co-Abhängige beschaffen den Alkohol mit oder ertragen zumindest den Säufer weiter.

    Hä? Verstehe ich nicht. Man ist über 20 Jahre zusammen und dann ist der Partner der Grund, sich zu trennen, nicht die Sicht und das stellt man erst nach einem Entzug und einer Therapie fest? Man kann sich doch auch ohne Therapie trennen! ?? Und bei mir ist ganz sicher der Alkohol Zuhause nicht vorhanden und wird auch nicht von mir beschafft. Im Gegenteil, bei mir gilt nach der Trennung vor 8 Jahren, in meinem Haus wird jeglicher Alkohol weggeschüttet. Das hindert ihn freilich nicht am weiter trinken, wohl aber ist der Alkohol nicht so griffbereit wie er sein könnte (und ich rettet mir hoffentlich doch den einen oder anderen Abend, weil überraschend doch nichts da ist).

    https://Und das sind genau die üblichen "nassen" Drohgebärden eines Alkoholikers, der noch nicht aufhören will zu saufen, noch nicht so weit ist, seinen eigenen Punkt aber kommen sieht. Also wird Druck aufgebaut – auf einen Partner, der noch an die Beziehung glaubt.

    Eigentlich kam dieser Hinweis von der Drogenberatung. Im Augenblick versucht er wirklich nicht zu trinken und das glaube ich ihm sogar. Fragt sich nur, wie lange er das schafft. Er ist Quartalstrinker und hat es immer wieder geschafft, eine Zeitlang nicht zu trinken.

    Eine Drohgebärde könnte es sogar sein. Da gebe ich Dir Recht. Das wird aber nur bedingt bei mir funktionieren.

    Grundsätzlich arbeitet es in meinem Köpfchen, wie ich nach einer Trennung alleine klar komme, sei es, weil er wieder trinkt oder mich nach einer Therapie verlässt. Mich hat seit gestern nur erschreckt, was unsere Tiere kosten und dass ich das alleine (noch) nicht finanzieren kann, weil es im Augenblick zu viele sind. Wir haben uns das die ganzen Jahre immer aufgeteilt, so das jeder eine relativ hohe Summe bezahlt hat. Ich müsste dann fast alles alleine finanzieren, was nicht gehen wird. Aber wer will 3 alte Katzen (fast 16 Jahre und 2 x fast 15 Jahre) doch nicht abgeben, denn sie sind wie meine eigenen Kinder, die in meinem Bett geboren sind und die ich mit groß gezogen habe, weil die Mutter 4 Wochen nach der Geburt verstorben ist. Später möchte ich max. noch 2 Katzen haben und auch sonst keine Tiere mehr. Das könnte ich noch schaffen. Wie wir dieses finanzielle Problem lösen, wird sich noch zeigen. Abschreckend für ein weiteres Zusammensein mit einem Alkoholiker finde ich die medizinische Fachliteratur. Vor über 30 Jahren war ich schon mal mit einem Alkoholiker kurz (2 Jahre) zusammen. Nach dem Lesen eines medizinischen Fachbuches war das Thema sofort durch. Um sich als Co klar zu werden, was da so passiert, finde ich die medizinischen Fachbücher sehr hilfreich, auch wenn sie teuer sind - aber abschreckend. Aktuell habe ich -wie gesagt- ein bisher nicht berücksichtigtes finanzielles Problem, welches sich aber mit Sicherheit in den nächsten Monaten/2 Jahren von alleine löst. Wie gesagt, in meinem Köpfchen arbeitet es ...

    Aber es muss doch einen Grund geben, warum sich viele Alkoholiker nach einer Therapie trennen und nicht vorher. Hatten sie vorher nicht den Mut und haben lieber getrunken? Waren sie nicht zufrieden mit ihrem Leben und anstatt es zu ändern, haben sie getrunken? Ich habe in der Fachliteratur da bisher nichts gefunden und es interessiert mich sehr, was da in einem Alkoholiker vorgeht, warum er sich nach der Therapie trennt und nicht vorher.

  • Ein Alkoholiker trinkt ja auch um seine Probleme zu verdrängen. Wenn er jetzt aufhört zu Trinken funktioniert natürlich auch der Verdrängungseffekt nicht mehr und er muss sich dem Problem stellen und hier fällt dann die Entscheidung ob man damit leben kann oder nicht. Wäre so meine Erklärung für eine Trennung nach der Therapie.

    Solange er noch nicht trocken ist und nicht in der Therapie war, würde ich es aber auch erst mal als Drohung , bzw. verdrehte Vorstellung sehen.

    Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.

  • Ich meinte eigentlich, gibt es Literatur darüber, warum sich Alkoholiker NACH einer Therapie von der Partnerin trennen?

    Da musst du selbst hinschauen. Hier geht es um Selbsthilfe und persönliche Erfahrungen. Bücher können Zusammenhänge im Allgemeinen erklären, ja , aber persönlich ändern sie nichts. Denn die Sucht deines Partners spricht nicht die Sprache der Bücher.

    Nach meinem Verständnis sollte man als trockener Partner doch froh sein, wenn er nach dem Entzug udn der Therapie noch eine Zuhause mit Frau, Tieren etc. hat.

    Echt jetzt? Er soll froh sein? Warum bitte? Ein Partner oder Alkoholiker ist doch keine Sache, die man einfach an und ausschaltet, um sie nach eigenen Vorstellungen zu formen. Ein Alkoholiker lässt sich auch nicht auf seine Krankheit reduzieren. Und materielle Dinge sollen eine Partnerschaft aufrechterhalten? Irgendwie habe ich da eine ganz andere Vorstellung von Partnerschaft.

    Wir reden hier auch nicht allgemein oder in Buchkategorien. In Büchern findet man oft Begründungen, die bequem davon ablenken, wirklich bei sich selbst hinzuschauen. Hier geht es immer um den Einzelnen, um den konkreten Menschen egal ob Co oder Alkoholiker. Und genau dieses Hinschauen ist nicht angenehm, aber notwendig.

    Sucht hebelt eben auch jedes Verständnis aus. Und wenn in der nassen Zeit am Ende sowieso nur noch eine Zweckgemeinschaft übrig war und es mit der Partnerin nicht mehr gepasst hat, warum sollte der Alkoholiker, wenn die Sucht gestoppt ist, froh sein, genau dort zu bleiben? Wenn ich etwas nur "im Suff" ertragen habe um es mal drastisch auszudrücken, dann funktioniert es nüchtern nicht mehr.

    Ist die Sucht gestoppt, ordnet sich das Leben neu. Und dann passt manches schlicht nicht mehr zusammen. Das hat dann nichts mehr mit der aktiven Sucht zu tun. Da kommt all das an die Oberfläche, was vorher weggesoffen wurde. Die Sucht zerstört während des Saufens Beziehungen und da bleibt eben nicht mehr viel übrige wenn sie gestoppt ist.

    Das ist auch nur der Thread „Fragen an einen Alkoholiker“, alles andere Persönliche ist zwar übel aber gehört dann wieder in deinen Thread.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Aber es muss doch einen Grund geben, warum sich viele Alkoholiker nach einer Therapie trennen und nicht vorher. Hatten sie vorher nicht den Mut und haben lieber getrunken? Waren sie nicht zufrieden mit ihrem Leben und anstatt es zu ändern, haben sie getrunken?

    Hi Julia,

    Ich kann es Dir nur aus meiner Perspektive berichten, aber vielleicht hilft es Dir ja. Als nasser Alkoholiker hab ich mir für alles die Schuld gegeben und mich selbst als wertlos gesehen. Durch diese Unsicherheit ordnet man sich unter und akzeptiert alles was der Partner vorgibt. Besonders in der Phase zwischen aufwachen und wieder trinken. Wieder auf Pegel war es mir dann egal, oder zumindest egaler, aber ich wusste immer, dass das was ich tue nicht richtig ist, dass ich die falschen Entscheidungen treffe (das Sucht keine Entscheidung ist, lernte ich später).

    Und nur weil ich Alkoholiker bin heisst das nicht dass jede Entscheidung die ich treffe falsch ist, und jede Entscheidung die meine Frau trifft richtig. Aber das spielt in der nassen Zeit keine Rolle, da ich mich als wirklich den Letzten sah, der sie kritiesieren konnte.

    Was auch stimmt, manches Verhalten hat mich an ihr genervt, das wurde dann mit Alkohol auf "egal" gestellt.

    Jetzt wo ich trocken bin, habe ich mich verändert. Dazu kommt auch ein Selbstbewusstsein welches mir erlaubt Verhaltensweisen oder Entscheidungen mit dene ich nicht einverstanden bin offen zu benennen.

    Bei uns funktioniert es, wir sind beide nicht perfekt, aber es passt. Auch wenn wir ab und zu aneinander geraten.

    Wäre das jetzt jedoch soviel, dass ich sehe es bringt nichts mehr, da wird sich nichts ändern, damit will ich nicht leben, mit ihr will ich nicht zusammenleben, dann würde ich vermutlich gehen. Wieso nicht vorher? Weil ich jetzt einen klaren Kopf habe und nicht befürchten muss die Sache falsch zu bewerten aufgrund von Alkohol.

    LG,

    Paul

  • Aber es muss doch einen Grund geben, warum sich viele Alkoholiker nach einer Therapie trennen und nicht vorher. Hatten sie vorher nicht den Mut und haben lieber getrunken?

    es ist tatsächlich so, so lange man trinkt, merkt man vieles nicht.
    Es gibt Einiges, was man mit Alkohol als Ventil einfach erträgt, auch weil man zu faul ist, es zu lösen, denn es reicht ja die Sauferei, damit die Welt für den Moment in Ordnung ist. Ja, Schlucken. Was für stressige Jobs gilt, gilt auch für unbefriedigende Beziehungen. Es wird betäubt.

    Trocken fallen diese Ventile weg, dann musste ich zumindest grundsätzlich was ändern.
    Und was soll eine Partnerschaft bringen, wenn man sich darin nicht wohl fühlt? Nüchtern wurde ich da empfindlich und stellte andere Ansprüche an meine Mitmenschen. Manches geht dann einfach nicht mehr. Z.B sich behandeln lassen wie ein Kind.

    Und ja, es fällt eine Menge schlechtes Gewissen und Bedürfnis nach Harmonie weg, wenn ich dann davon überzeugt bin, dass ich auch nüchtern recht habe. Da gibts dann fundiertes Contra.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Als nasser Alkoholiker hab ich mir für alles die Schuld gegeben und mich selbst als wertlos gesehen. Durch diese Unsicherheit ordnet man sich unter und akzeptiert alles was der Partner vorgibt.

    ...

    Und nur weil ich Alkoholiker bin, heißt das nicht, dass jede Entscheidung, die ich treffe, falsch ist, und jede Entscheidung, die meine Frau trifft, richtig.

    Wie wahr, wie wahr! Bei mir war es genauso. Ich brauchte leider nur über ein Jahr (nach der Trennung), um für mich festzustellen (bis ich es verstanden hatte), dass ich zwar so manches vermasselt hatte, manche Dinge aber auch heute wieder so tun würde, wie ich sie getan hatte. Auf so manche Entscheidungen bin ich tatsächlich heute sogar ein wenig "stolz", weil ich sie als richtig empfinde.

    Inzwischen bin ich soweit, nicht mehr die Alleinschuld an allem, was war, zu übernehmen. Weil ich getrunken hatte. Zu einer Beziehung gehören immer zwei; zu einer Trennung aber auch, finde ich.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!