Los geht's...

  • Hallo zusammen!


    Ich bin neu hier, habe im Vorstellungsbereich schon bisschen was von mir erzählt. Dazu vielleicht noch als Nachtrag: ich bin 37.
    Hatte auch schon öfter angesetzt, ein eigenes Thema zu eröffnen oder auf einen Beitrag zu antworten, aber irgendwie fühle ich mich im Moment "sprachlos" und weiß nicht, was und wie ich formulieren soll, obwohl mir das normalerweise nicht schwer fällt...


    Seit 04.01. trinke ich nun keinen Alkohol mehr. Es tut gut, ohne Kater aufzuwachen und den Tag "klarer" zu erleben.
    Trotzdem braucht der Körper natürlich Zeit, sich zu erholen, das geht nicht von jetzt auf gleich und meine Depressionen sind auch nicht mit einem Schlag weg. Ich schlafe nicht gut, träume immer wirre und anstrengende Sachen und bin tagsüber ziemlich müde. Das war allerdings vorher auch schon so.
    Ich hangele mich von einem Tag zum nächsten, immer nach der Devise "HEUTE trinke ich nichts", denke aber viel über das Thema nach, gefühlt die ganze Zeit. Und es ist krass, was für einen Automatismus es gibt in Bezug auf Alkohol: ich fühle mich z.B. in einem Moment gut und befreit und schwupps kommt aus dem nichts der Gedanke "und heute Abend schön gemütlich ein Glas Wein..." (Vor allem eins, hahaha... )
    So geht es halt von einem Tag zum anderen. Und ich hoffe einfach, dass es irgendwann so ist, dass es "normal" ist, ohne Alkohol zu leben.
    Ich habe immer allein zuhause getrunken abends, der Situation versuche ich jetzt aus dem Weg zu gehen, indem ich abends bei meinem Partner bin. Wenn ich dann heimkomme, nehme ich eine Tablette gegen die innere Anspannung und zum Schlafen (ein Neuroleptikum, die nehme ich schon einige Jahre auf Bedarf wegen der Depressionen), lese noch ein paar Seiten und dann kann ich auch halbwegs gut einschlafen.


    Allgemein bin ich aktuell froh, dass ich nicht mehr trinken "muss" (Geht mir übrigens auch mit dem Rauchen immer so, das hab ich vor ca. 7 Jahren aufgehört). Es war ja wirklich so, dass ich mir abends den Wein eingeschenkt habe, wie ich mir die Zähne putze: Automatisch, ohne drüber nachzudenken... :roll:


    Wie ist es euch ergangen, nachdem ihr das Trinken eingestellt hattet? Ging es euch gleich super, wart ihr euphorisch und voller Tatendrang oder eher so auf Sparflamme unterwegs wie ich?


    Würde mich freuen, wenn ihr von euren Erfahrungen berichtet und vielleicht auch Ratschläge habt.


    Viele Grüße


    Nala

  • Hallo Nala,



    Und es ist krass, was für einen Automatismus es gibt in Bezug auf Alkohol: ich fühle mich z.B. in einem Moment gut und befreit und schwupps kommt aus dem nichts der Gedanke "und heute Abend schön gemütlich ein Glas Wein..." (Vor allem eins, hahaha... )


    Ich ertappe mich auch bei so Gedanken wie: "Heute Abend zum Essen Wein" oder "Ah, Wochenende, Weinzeit" :roll: Ich fand ja immer einen Anlass und einen Grund, warum ich was runterkippen konnte. Und die Gedanken gehen nicht einfach weg durch das Trockensein. Das Gehirn hat sich an diese Routinen und Rituale ja schon ganz gut gewöhnt. Ich beobachte bei mir aber, dass diese "Ritualgedanken" etwas weniger werden.



    Wie ist es euch ergangen, nachdem ihr das Trinken eingestellt hattet? Ging es euch gleich super, wart ihr euphorisch und voller Tatendrang oder eher so auf Sparflamme unterwegs wie ich?


    Sparflamme würde ich es bei mir auch beschreiben. Ich schlafe viel und sonst läuft bei mir auch alles langsamer ab. Finde das eigentlich ganz gut für mich, da ich sonst oft eher gestresst war und mich überfordert habe. Bin auch ganz froh, dass ich nicht euphorisch bin, da ich von früher weiß, dass auch das bei mir oft ein Grund zum Trinken war. Ich würde sagen, es geht mir momentan gut. Ein solides und dankbares "gut", was mir momentan allemal lieber ist als ein aufgekratztes, überdrehtes "super" :mrgreen:


    Alles Gute dir weiterhin.


    Mari

  • Hallo Nala,


    Willkommen auch noch von mir und Glückwunsch zu deiner Entscheidung, ein trockenes Leben zu beginnen.


    Bei mir ist es einige Jahre her, und ich kann mich nicht mehr total genau daran erinnern, wie es mir in den ersten Wochen ging, außer, dass ich immer eine Flasche Sprudelwasser mit mir herumgeschleppt habe, weil ich gemerkt habe, dass das Wasser und die leichte Säure gut gegen Suchtdruck geholfen haben, oder eigentlich gegen die innere Unruhe, das Gefühl des Gehetztseins, das ich vorher immer mit Wein „wegmachen“ wollte. Innehalten, tief durchatmen, Wasser trinken.


    Und ganz wichtig war mir anfangs (und ist es noch), dass ich alles andere infrage stellen kann, nur nicht (mehr) meine Abstinenz. Das ist erstmal beängstigend, aber auch unglaublich befreiend. So eine klare erste Priorität zu haben hat sehr geholfen, gute Entscheidungen zu treffen. Wenn ich merkte, dass mich eine Situation so (über)forderte, dass ich glaubte, das nicht (ohne Wein) zu schaffen, dann habe ich mich dagegen entschieden, und somit für meine Abstinenz.


    Ich darf jetzt nicht nur (besser) auf mich achten, sondern ich mache es mir zur Pflicht. Ich verpflichte mich mir selbst gegenüber. Auch zur Ehrlichkeit, übrigens. Das war eine der größten Baustellen, mich selbst wieder achten zu lernen. Nach all den Lügen und der Scham. Aber das hat länger als ein paar Monate gedauert.


    Was ich aber feststellte war, dass Veränderung stattfand, dass „es“ besser wurde, und heute bezeichne ich mich als glücklichen Menschen, immer noch mit Baustellen, (auch noch in Therapie), aber auf eine Weise glücklich, wie ich es in den Jahren meiner Trinkzeit nie für möglich gehalten hätte.


    Ich wünsche dir Geduld mit dir und freue mich, hier weiter von dir zu lesen, wenn du den Austausch hier nutzen möchtest.


    Viele Grüße und ein schönes Wochenende.
    Thalia
    W, 51, trockene Alkoholikerin

  • Hallo Nala,


    ich war auch euphorisch und ich bin es nach 3,5 Jahren immer noch :-D
    Ich habe Momente, indem ich einfach nur glücklich bin, dass ich nicht mehr trinke und die koste ich auch total aus!


    Wie geht es Dir jetzt gerade? Ist ja ein paar Tage her, Dein Beitrag. Ich war länger noch so aktiv hier.


    LG Cadda

  • Hallo!


    Vielen Dank für eure guten Wünsche zu meinem Entschluss und eure Antworten! Sie haben mir auf jeden Fall weiter geholfen!
    Ich lese jeden Tag hier im Forum, aber es fällt mir -warum auch immer- nach wie vor schwer, meine Gedanken in Worte und hier wieder einen Beitrag zu verfassen. Bin aber allgemein aktuell wenig kommunikativ, auch bei Freunden.


    Mari
    Beruhigt mich irgendwie, dass du diese automatischen Gedanken auch kennst. :wink:
    Und das mit dem lieber etwas ruhiger und dafür hoffentlich langfristig als jetzt euphorisch und dann doch wieder der Druck zu Trinken sehe ich doch auch so, nachdem ich drüber nachgedacht habe.


    @Thalia
    Was du schreibst, kenne ich gut von mir. Diese innere Unruhe und Anspannung, die man durch Alkohol loswerden möchte...
    Und natürlich die Scham und die Lügen.
    Ich merke gerade auch, wie wenig ich für mich gesorgt habe in den letzten Jahren und es ist ein gutes Gefühl, es jetzt endlich zu tun.
    Ich sage mir auch, egal was passiert, du kannst alles Mögliche machen, aber Trinken gibt es nicht mehr.
    Das mit dem Wasser habe ich jetzt schon öfter gehört. Ich habe eigtl schon immer überall Wasser dabei und trinke auch recht viel davon. Für den "Geschmack",irgendwann hab ich Wasser auch mal über, hab ich mir Säfte und Ginger Ale besorgt. Und mein Freund hat immer Spezi für mich auf Lager. :)
    Ich baue auch darauf, dass es mit der Zeit etwas leichter und selbstverständlicher wird, ohne Alkohol zu leben.


    Cadda
    Das klingt toll und freut mich total für dich, dass du es so erlebst! So ist halt doch jeder anders...


    Mir geht es gut so weit. Letzte Woche war etwas anstrengend mit 3 Vorstellungsgesprächen, aber ich hab gestern die Zusage für einen der Jobs bekommen! :D
    Hätte ich bestimmt verkatert nicht ansatzweise so gut hinbekommen. Ich merke auch, wie ich so langsam wieder etwas wie Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein bekomme und mich nicht mehr ständig innerlich fertigmache. Mein Schlaf ist leider immer noch wenig erholsam, ständig anstrengende Träume. :roll:
    Aber das wird hoffentlich auch noch besser. Und ich gestehe es mir jetzt auch einfach mal zu, weniger erledigt zu bekommen, wenn ich kaputt bin. Wie ich hier im Forum es schon gelesen habe: Die Nüchternheit hat absolute Priorität! Wenn andere Dinge da jetzt etwas kürzer kommen, ist es halt so. Langfristig zahlt es sich ohnehin aus!


    Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich bisher so wenig aktiv war mit meinen Beiträgen. Scheinbar hab ich doch einiges mit mir auszumachen, bevor ich es formulieren kann.
    Ich freue mich weiterhin über eure Antworten und Tips und wünsche Euch viel Kraft und gute Gefühle!


    Liebe Grüße!

  • Liebe Nala,


    erst einmal möchte ich mich für deinen Beitrag in meinem Thread bedanken, der mir sehr geholfen hat.


    Und dann



    Mir geht es gut so weit. Letzte Woche war etwas anstrengend mit 3 Vorstellungsgesprächen, aber ich hab gestern die Zusage für einen der Jobs bekommen!


    sage ich mal ganz herzlichen Glückwunsch!!! Das ist klasse, ich freue mich sehr für dich!!



    Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich bisher so wenig aktiv war mit meinen Beiträgen. Scheinbar hab ich doch einiges mit mir auszumachen, bevor ich es formulieren kann.


    Alles gut, mir geht das auch so! Mach dir da bitte keinen Druck. Manchmal ist einfach nur die Zeit zum Mitlesen und Gedankensortieren, man nimmt ja hier viel auf. Du bist da, das alleine zählt :wink:


    Alles Gute dir!


    Mari

  • Hey Nala,


    Zitat

    Letzte Woche war etwas anstrengend mit 3 Vorstellungsgesprächen, aber ich hab gestern die Zusage für einen der Jobs bekommen!


    :D Suuupi !


    Es geht ganz vielen Leuten so, dass sie zuerst mal alles innerlich für sich sortieren müssen und erst dann was bei raus kommt. Lass dir Zeit! Trockenwerden ist ein Prozess und der dauert und ist auch anstrengend.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Hallo!


    Irgendwie habe ich jetzt erst wieder das Gefühl, hier was in Worte fassen zu können...


    Erstmal: vielen Dank für eure Glückwünsche zu meinem neuen Job! Am Montag geht's los, ich bin gespannt und freue mich drauf!


    Leider muss ich berichten, dass ich letzte Woche an einem Abend wieder was getrunken habe. Ich schäme mich sehr, dass ich schwach geworden bin und ärgere mich! Wie es dazu kam? Mir ging es ja eigtl ganz gut, aber an dem Tag hatte ich so eine innere Anspannung und als hätte ich mich noch nie mit der Thematik Alkoholabhängigkeit auseinandergesetzt, kam das hoch, was zu trinken. Als wäre mein Verstand nicht mehr da. Ich wusste, dass es absoluter Mist ist und habs trotzdem gemacht...
    Seitdem habe ich nichts getrunken.
    Ich hätte einfach hier was schreiben sollen, bevor es so weit kommt. Aber warum auch immer ist in mir alles noch so wirr und ich weiß manchmal gar nicht, was ich tatsächlich fühle und denke.
    Ich habe z.B. auch echt Schwierigkeiten damit, Alkoholabhängigkeit als Krankheit zu sehen. Ich denke eher, es hat mich ja nie jemand gezwungen, Alkohol zu trinken, also selber Schuld und jetzt muss ich halt die Konsequenzen tragen und mich da mühsam wieder raus schaffen.
    Außerdem freue ich mich, dass ich nichts mehr trinken muss und wenn ich hier im Forum lese, bin ich total motiviert. Mein "Problem" ist, dass mir dann irgendwie das "machen" fehlt. Ich kann schlecht erklären, was ich meine. Wenn man z.B. abnehmen will, stellt man seine Ernährung um und macht Sport. Das ist was Greifbares. Wenn ich vom Alkohol wegkommen will, muss ich das trinken sein lassen. Aber das aktiv was tun geht mir irgendwie ab. Ich weiß, ich könnte noch SHGs besuchen, eine Therapie machen.... Aber das ist auch wieder "nur" Reden.
    Vermutlich möchte ich halt eine gewisse Leere auffüllen und was tun, das meine Nüchternheit unterstützt.
    Ich bin kein Typ für Yoga oder sowas, das habe ich schon mehrfach versucht. Mir hilft eher Aktivität. Es ist allerdings auch nicht so, dass ich nur rumhänge. Ich mache jeden Tag Sport und bin draußen.


    Keine Ahnung, ob jemand mit diesem Text was anfangen kann, aber ich glaube, ich bekomme es heute nicht anders hin.
    Vielleicht schaffen wir es gemeinsam, etwas Ordnung in mein inneres Chaos zu bringen.


    Viele Grüße

  • Irgendwo hier kannst du lesen, dass nur nichts trinken nicht reicht.
    Auch wenn du trocken werden willst musst du dein Leben umstellen - idealerweise - und nicht nur beim Abnehmen.
    Idealerweise keinen Alk mehr im Haus, ggf. neuer Freundeskreis; alle Hobbys, bei denen du gesoffen hast auf den Müll und neue ausprobieren, Menschen zum Reden im realen Leben suchen, vielleicht mal irgendjemanden im engsten Bekannten oder Verwandtenkreis über dein "Dilemma" informieren ...

  • Hallo Nala,


    wie konnte es so plötzlich dazu kommen? Ich meine, es ist ja nicht so, dass Du nicht selbstreflektiert bist. Du bist doch im Grunde genommen gedanklich sehr sortiert gewesen. Was genau ging in Deinem Kopf vor, dass Du dem
    Verlangen so schnell nachgekommen bist? Wie hast Du Dir das quasi in dem Moment schön reden können?


    Wie war Dein erster Tag im neuen Job?


    Gut, dass Du offen bist und schreibst!!


    LG Cadda

  • Hallo Nala,


    du hattest ja auch diese Anfangseuphorie, wenn ich mich richtig erinnere.


    Diese kann einem auch schnell zum Verhängnis werden, weil man durch die anfängliche
    Beschwingtheit schon mal vergessen kann, wie schwer krank man eigentlich ist.
    ,, Ist ja alles easy, also ist es wohl alles nicht so schlimm."
    Das muss gar nicht bewusst ablaufen.
    Unser Suchtgedächnis ist ganz schön tricky und hartnäckig.


    Ich schreibe Dir das, weil ich schon einige Trockenversuche hinter mir habe und es selbst so erlebt habe.
    Auch Euphorie und die daraus resultierende Unachtsamkeit kann zum Rückfall führen.



    Ich wünsch Dir einen guten Neustart!


    LG
    Carmen

  • Hallo!


    Vielen Dank für eure Antworten!


    Rattenschwanz
    Ich hatte keinen Alkohol zuhause. Bin zum Supermarkt gefahren und hab eine Flasche Wein gekauft. :oops:
    Dass alleine das trinken aufzuhören nicht reicht, habe ich tatsächlich schon oft gelesen hier und das sehe ich auch so. Ich habe nur abends allein zuhause getrunken. Nicht mit irgendwelchen Freunden oder auf Parties. Auch habe ich keine Hobbies, die mit dem Trinken zu tun haben. Und in Discos oder auf sonstige Feiern gehe ich schon lange nicht mehr. Ich bin jeden Abend bei meinem Freund, um meiner bisherigen Trinksituation zuhause zu entgehen.
    Alkohol habe ich auch weiterhin nicht im Haus. Vielleicht hänge ich deshalb etwas in der Luft, was ich noch tun könnte.


    Cadda
    Tja, ich dachte auch, ich wäre recht sortiert...
    Es war so, dass ich mehrere Nächte extrem schlecht geschlafen habe (ich schlafe allerdings nie gut, hatte schon als Kind damit Probleme), war dadurch echt fertig, hatte starke Verspannungen und dadurch Schmerzen und fand einfach alles nur zum K..... Als wäre ich von jetzt auf gleich in eine starke depressive Phase gefallen. Ich hab mich selbst nicht mehr ertragen und hab allen Mut verloren, dass es jemals besser wird mit den Depressionen, meinen körperlichen Beschwerden und dem Alkohol. So kam das Gefühl und der Gedanke "ist doch eh alles sinnlos und bringt nichts, da kann ich mich auch abschießen und wenigstens für ein paar Stunden dem ganzen sozusagen entkommen". Ich hab mich total in mein Schneckenhaus verzogen und war nicht in der Lage hier zu schreiben oder mit meinem Partner zu sprechen.
    So dumm! Ich weiß doch, dass Alkohol unterm Strich alles nur noch schlimmer macht! Aber manchmal scheine ich einfach keine mentale Kraft mehr zu haben.
    Mein erster Arbeitstag ist am 01.03. :wink:


    Carmen
    Ich hatte eigtl keine wirkliche Anfangseuphorie, aber tatsächlich doch auch einige solche Momente. Heute zum Beispiel war ich bei schönstem Wetter den ganzen Tag draußen und hab viel geschafft. Und prompt kommt der Gedanke "da hast du dir heute Abend den Wein aber wirklich verdient". Aaargh!! Dieses Sucht Gedächtnis!
    Ich werde nichts trinken, hab auch nichts daheim. Hab geduscht und ne Pizza gegessen, Essen kann den Tag über zu kurz. Ich hab auch schon gelesen, dass man drauf achten soll, regelmäßig und genügend zu trinken und zu essen. Jetzt hoffe ich, der Suchtdruck lässt nach. Nachher bin ich dann auch wieder bei meinem Freund.


    Ich hab das alles so satt! Dann denke ich wieder, mach halt doch noch eine Therapie wegen der Depressionen... Aber ich fühle mich in der Thematik einfach ausgebrannt. Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll. Und dann denke ich an den letzten Versuch, als der Therapeut in der vierten Sitzung sagte, er kann mir nicht helfen und dann hab ich erst recht genug.
    SHGs finden in meiner Nähe wegen Corona auch keine statt, habe mich schon informiert.


    Naja, einen Tag nach dem anderen... Ich neige eh dazu, mir zu viele Gedanken zu machen und dann erscheint mir alles wie ein riesiger Berg, den ich nie bezwingen werde.


    Viele Grüße!


  • Heute zum Beispiel war ich bei schönstem Wetter den ganzen Tag draußen und hab viel geschafft. Und prompt kommt der Gedanke "da hast du dir heute Abend den Wein aber wirklich verdient". Aaargh!! Dieses Sucht Gedächtnis!


    Hallo!


    Das Belohnungstrinken ist mir nur zu gut bekannt, genau so wie das Stress-Trinken. Einen Grund habe ich immer gefunden.


    Das Suchtgedächtnis verband halt schöne Situationen immer mit dem anschließenden Genuss von Alkohol. Diese Verknüpfung gilt es zu durchbrechen. Das dauert eine Weile und geht nicht von jetzt auf gleich.


    Das Suchtgedächtnis funktioniert wie ein Art Software, die in unserem Hirn aufgespielt ist. Leider ist sie in einem Teil des Hirns gespeichert, der sich mit dem Willen allein nicht immer steuern lässt. Diese Software läst sich auch nicht deinstallieren, sondern muss durch ein anderes und besseres Programm überschrieben werden. Dennoch zuckt die alte Software ab- und an und bringt das neue Programm ins Ruckeln.


    Das neue Programm beinhaltet, dass schöne oder stressige Situationen nicht zeitnah mit Alk belohnt oder betäubt werden. Durch die ruckelige Übergangsphase musste ich auch durch. Da war ich beileibe kein Einzelfall.


    Gruß
    Carl Friedrich

  • Hallo Nala,


    und wie ging es Dir, WÄHREND Du getrunken hast? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man das auch nur ansatzweise genießen kann, wenn man weiß, dass man gerade einen Rückfall hat. Vielleicht solltest Du das Gefühl öfter abrufen, so ganz bewusst negative Gefühle in Erinnerung rufen.


    Kenne ich auch. Sämtliche Situationen haben mich getriggert. Gartenarbeit, Kochen, Autofahren bei schönem Wetter. Je öfter man das ohne Alkohol macht, umso mehr wird die Festplatte überspielt. Genau wie Carl-Friedrich beschrieben hat.


    LG Cadda

  • @Carl-Friedrich
    Danke für deinen Beitrag! Tut irgendwie gut, zu wissen, dass andere das auch so kennen.
    Das hast du auch super erklärt und beschrieben!
    Was hast du dann gemacht, wenn dein Sucht Gedächtnis Belohnung bzw. Betäubung durch Alkohol gefordert hat? Was war dein Ersatz?


    Cadda
    Hm, es war wohl so, dass ich schon nach den ersten Schlucken eine gewisse Erleichterung gespürt habe und darum ging es mir ja. Ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem, aber das habe ich beiseite geschoben. Und dann kommt halt das Typische: "ist doch alles nicht so wild mit dem Alkohol usw..."
    Am nächsten Tag ging's mir richtig elend, körperlich und psychisch. Ich versuche auch, mir genau das immer vor Augen zu halten. Was passiert, wenn ich das erste Glas nicht stehen lasse. Das hat auch am Anfang meiner Abstinenz gut funktioniert. An dem Tag war ich irgendwie out of order.


    Mir scheint, mit das Wichtigste ist also, die innere Verknüpfung bestimmter Situationen mit Alkohol durch ein anderes Verhalten zu überschreiben?

  • Was hast du dann gemacht, wenn dein Sucht Gedächtnis Belohnung bzw. Betäubung durch Alkohol gefordert hat? Was war dein Ersatz?


    Anknüpfen an Dinge, die mir vor meiner Saufzeit Freude bereitet haben, um mich abzulenken. Dazu habe ich in der Anfansgzeit viel gelesen, hier im Forum, als auch in Büchern aus Therapeuten- und Patientensicht. Daneben habe ich eine ambulante Therapie besucht.


    Mir wurde zum Glück schon sehr rasch vermittelt, dass solche Trigger zum Trinken nur kurz andauern.
    Folgende Punkte haben mir geholfen:


    Erst mal inne halten. Evt. sind es ganz ganz profane Dinge wie Hunger oder Durst. Gegen Hunger hilft essen und gegen den Durst Minaralwasser, am besten mit viel Kohlensäure. Haut man sich davon einen 3/4 l zügig rein, ist zumindest das unmittelbare Verlangen nach Alk erst mal gebannt.


    Das sofortige Befassen mit Beschäftigungen, die einem Spaß machen.


    Ggf. ein sofortiger Ortswechsel. Eine andere Umgebung setzt erst mal neue Reize und man verlässt die Gefahrenzone.


    Kontaktaufnahme mit Vertrauensperson: Partner; Freund; Teilnehmer einer analogen SHG, das Forum.


    Laufschuhe an und raus in die Natur, rennen, joggen, zügiges Gehen, aber nicht in Richtung der nächsten "Tränke". Alternativ auf's Fahrrad und anständig kurbeln.


    Bei mir ganz nützlich, mich selbst innerlich zur Ordnung rufen, indem ich mir sage :"Halt! Stopp! Da stimmt was nicht, denn ich will saufen!"
    Ich halte mir selbst vor: "Gebe ich jetzt nach, fängt die ganze "Sch..." wieder von vorne an."


    Suchtdruck dauerte bei mir nie stundenlang, sondern war meist binnen einer Stunde, meist in weniger als 30 Minuten verflogen.


    Nur beim allerersten Mal wurde ich einen ganzen Nachmittag lang gleich mehrfach gepiesackt. Das war bislang jedoch ein Einzelfall.


    Soweit ich informiert bin, wurde bislang fast jeder abstinente Alki irgendwann mal von Suchtdruck heimgesucht. Bei mir vornehmlich dann, wenn ich in Situationen komme, in denen ich früher getrunken habe. Aber auch das legte sich mit der Zeit. Habe ich mir vor der Situation z.B. einem Restaurantbesuch oder dem ersten abstinenten Urlaub genau ausgemalt, dass Druck sich aufbauen kann, ja dann kam er erst gar nicht vorbei.


    Schlimmer ist es in den Anfangsmonaten, als ich ein paar Male unvorbereitet überrascht wurde. Da half mir nur ein sofortiger Ortswechsel.


    Gruß
    Carl Friedrich

  • Kleiner Nachtrag: In heutigen Corona-Zeiten haben es Neueinsteiger schon schwer. Ich konnte damals wenigstens noch die ambulante Therapie in Gruppenform nebst vorheriger Vorgruppe besuchen. Das dürfte momentan schwierig sein.


    Noch ein paar Fachbücher: "Lieber schlau als blau" von Lindenmeyer; "Alk" von Borowiak. Ich halte die beiden Werke gerade für den Anfänger als sehr geeignet. Ich würde mit dem Borowiak beginnen.

  • Guten Morgen,


    Carl-Friedrich hat sehr gute Dinge geschrieben. Das sind gute Vorgehensweisen!! Ich denke immer noch den Gedanken zu Ende. Ich hab Lust auf Alkohol, wie geht es weiter, wann und wo und vor allem WIE endet es, wenn ich dieses erste Glas trinke. Ich durchlebe das negative Gefühl des nächsten Tages. So vergeht mir die Lust. Und dann direkt raus! Spazieren gehen oder joggen. Oder mit nem Kaffee ein paar Schritte auf dem Hof, egal, einfach raus.


    Alk - Das Buch find ich einfach nur klasse!


    LG Cadda

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