Gehirnwäsche - ich will da raus

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  • Realisiert eigentlich ein Alkoholiker, wohin ihn seine Sauferei gebracht hat oder werden diese Gedanken, sofern sie denn überhaupt auftauchen, Beiseite geschoben? Ich weiß, ich soll bei mir bleiben, aber diese Frage beschäftigt mich sehr.

    Diese Frage beschäftigt mich auch sehr. Es gibt hier einen Thread "Fragen an einen Alkoholiker". Es wäre doch vielleicht gut, die Frage dort zu stellen...

  • Dante:

    Ich kenne seine neue Anschrift nicht und möchte sie auch nicht wissen. Zu groß wäre die Gefahr, dass ich heulend vor seiner Türe stehen würde. Obgleich ich auch vor seiner Arbeit auftauchen könnte, was ich vor Monaten schon einmal gemacht habe, nachdem ich die Beziehung schon einmal beendet hatte. Aber das habe ich gleich ein paar Tage nach dem Rauswurf gemacht.


    Es sind zwei große Dinge und eben ein bisschen Persönliches sowie seine Post, das er noch holen möchte.


    Vermutlich würden wir beide reden wollen, wenn wir uns begegnen und ich würde meilenweit zurückgeschleudert werden! Das darf ich mir nicht erlauben, nachdem ich jetzt schon so weit gekommen bin.

  • Hallo zusammen,


    Ja! Sicher realisiert man das! Aber das Suchthirn sorgt direkt dafür, dass man es sich schön redet oder sogar nach dem

    Motto „Jetzt ist es eh egal“.


    Ich hab übrigens am liebsten gesoffen, wenn ich einsichtig war. Dann konnte ich mir beim Saufen schön ausmalen, dass ich ja eh bald aufhören werde zu saufen, dann geht es ja jetzt noch ne Weile erst Recht.


    Cadda

  • Selene:

    Ich werde mich mal auf die Suche begeben!

    Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass man das rational gar nicht begreifen kann, weshalb ein Alkoholiker so denkt, handelt oder was generell in ihm vorgeht. Vermutlich kann man sich da nicht einmal ansatzweise hineindenken.

    Aber mich würde das unheimlich interessieren, ob er realisiert, bereut und sich vielleicht irgendwann denkt, wäre ich doch nur mit ihr den Weg gegangen. Oder oben eben diese Gedanken ganz schnell ad acta gelegt werden, damit er sich damit erst gar nicht beschäftigen muss...

  • Jetzt könnte das Co-Hirn meinen, dass ich ja auch tatsächlich aufgehört habe und man ja noch ne Weile warten kann... die Illusion muss ich leider nehmen. Darauf habe ich bei meinem Ex dann auch gewartet, denn er wollte definitiv aufhören und den Weg zeitweise mit mir gemeinsam gehen.


    Er säuft trotz Einsicht, wohin ihn das Alles geführt hat. Ehe kaputt, Verhältnis zu den Kindern im Eimer, Trennung von seiner angeblich großen Liebe (mir), super laufendes Geschäft vor dem Ruin, Haus dadurch in Gefahr, Herzinfarkt...

    Na dann Prost!


    LG Cadda

  • Cadda: Ich warte nicht darauf, dass er aufhört und sich Hilfe sucht! Er war schon 3x in LZT und hat einfach alles verloren und glaubt immer noch (!!!) den Alk im Griff zu haben, wenn er keinen Stress hat... Daran erkennt man, dass er überhaupt nichts kapiert hat!

    Er hat bereits die rote Karte beim Arbeitgeber und eine zwangsweise Umschulung aufgebrummt bekommen. Die Gefahr, dass er komplett abrutscht ist immens! Das Trinken begann ja morgens um 6 Uhr und wurde sozusagen fast 24h betrieben und das an allen freien Tagen. Sein angeblicher Stress war seine Freikarte zum Saufen!!

  • Zitat

    Aber mich würde das unheimlich interessieren, ob er realisiert, bereut und sich vielleicht irgendwann denkt, wäre ich doch nur mit ihr den Weg gegangen. Oder oben eben diese Gedanken ganz schnell ad acta gelegt werden, damit er sich damit erst gar nicht beschäftigen muss...

    Zweiteres.


    Ich habe bestimmte Vorfälle und die Folgen schon realisiert, aber auch schnell wieder beiseite geschoben.

    Oder es hat mich ganz einfach nicht interessiert.

    Ein Co oder sonstiger Angehöriger ist außerdem leicht zu täuschen oder in Sicherheit zu wiegen, das ist kein großes Problem, zumal

    der CO oder Angehörige auch gern hören will, das alles in Ordnung ist oder wieder kommt.

    Ansonsten macht man ein bisschen "schön Wetter" bis sich der CO oder Angehörige wieder beruhigt hat.

    Und dann säuft man schlichtweg einfach weiter...so habe ich es zumindest gemacht und viele andere auch.


    Ich glaube, für einen Trinker ist der Partner nicht sooo interessant, und seine Meinung ebenso wenig.

    Und ob ein gemeinsamer Weg schöner gewesen wäre... also ich hätte da sicher nicht länger drüber nachgedacht.

    Ein Trinker ist ja eher froh, wenn er seinen nörgelnden Parter los ist oder zumindest mundtot gemacht hat.

    Also würde man es eher so drehen, das es GUT ist, den Nörgler los zu sein.

    Und es ist einfach, einen neuen CO zu finden, gibt ja reichlich davon. Das geht ja dann auch wieder ne Weile gut, bis die Wirklichkeit ans Licht kommt.

    Usw. unsf.


    Also, erstmal alles beiseite schieben, dem anderen am besten gar nicht zuhören bei Kritik am Saufverhalten.

    Hilft das nicht mehr, alles so hindrehen, das es für einen selbst am besten passt. Für den CO und für sich selbst.

    Dann kann man auch gern den CO für alles die Schuld in die Schuhe schieben...womit man auch gleich wieder 2 Fliegen mit einer Klappe schlägt.

    Damit ist der andere erstmal ne Weile beschäftigt udn nervt derweil wenigstens nicht rum.


    Ich würde aber sagen, vieles davon geschieht nicht unbedingt mit Vorsatz. Man merkt nur, was funzt und was nicht....und verhält sich entsprechend.


    LG Sunshine

  • Aber Du fragtest, ob ein Alkoholiker realisiert, was er zerstört durch sein saufen. Das wollte ich beantworten, hatte aber Sorge, dass es dazu führen konnte, dass Hoffnung aufkommt, weil ich persönlich ja nun wirklich irgendwann aufgehört habe.


    Aber glaub mir, ich habe ALLES realisiert, was ich mir selbst durch das Gesaufe zerstört habe. Ich wollte damals trotzdem nicht aufhören. Weil die Sucht und das Verlangen stärker ist. Irgendwann habe ich dann getrunken, gerade WEIL ich es realisiert habe und diese Tatsache nur noch betrunken zu ertragen war.


    Ein Teufelskreis....

  • Ich glaube schon auch, dass er zunächst einmal erleichtert war, dass die Diskussionen ein Ende hatten und er in Ruhe trinken kann, wann, wie viel und was. Ich habe mir monatelang anhören müssen, dass er wieder in eine eigene Wohnung ziehen will, dann muss er sich niemanden gegenüber rechtfertigen!


    Auch denke ich, dass ich ihm als Partner nicht so wichtig bin. Seine Nr. 1 ist einfach der Alk!! Sonst würde er sich einfach anders verhalten! Oder aber er hat realisiert, dass ich ihn mit Alk nicht zurücknehme! Er weiß es: Er & Alk = no go für mich.


    Mich besänftigen, leere Versprechen abgeben, das hat vielleicht zu Beginn noch funktioniert und diese Möglichkeit ergibt sich eben nicht, weil er weiß, dass ich mir nicht mehr auf der Nase herumtanzen kann.


    Therapie ja. Ohne: Game over

  • Realisiert eigentlich ein Alkoholiker, wohin ihn seine Sauferei gebracht hat oder werden diese Gedanken, sofern sie denn überhaupt auftauchen, Beiseite geschoben? Ich weiß, ich soll bei mir bleiben, aber diese Frage beschäftigt mich sehr.

    Ich habe es realisiert, immer, ob betrunken oder nüchtern. Und ich habe mich für das, was ich tue, gehasst. Der Selbsthass, dass ich es nicht hinkriege, hat dann meinen Selbstzerstörungsmodus weiter angefeuert, weshalb ich dann erst recht getrunken habe. (M)ein Teufelskreis.

  • Hey, Kiwi.. eine Frage: Ich les' da immer wieder raus, dass Du ihn irgendwie "verstehen" willst, einen Alkoholiker verstehen willst.


    Warum eigentlich?

    Ihn zu verstehen, also WIRKLICH zu verstehen bedeutet, ganz tief in diese Abgründe reinzugucken. Willst du das tatsächlich? Warum?

    Etwa um zu helfen? Oder glaubst Du, dass - wenn dann der Groschen gefallen ist - es einfacher ist, loszulassen?


    Was hindert dich daran, es NICHT verstehen zu wollen?


    Ich hab ja auch ziemlich gebechert... und ich versuchte immer, Gründe zu finden, welche dieses Verhalten erklären, OHNE dass mir die Sauferei vorgeworfen wird. Weil ich das ja hätte zugeben müssen, und es dann hätte ändern müssen.


    Sämtliche Gründe, die angeführt werden, sind einfach nur Blech. Geschwafel.


    Somit gibt es da eigentlich nichts zu verstehen, was ihn anbelangt.


    Was hältst Du von diesen Fragen: Warum schiebt ein Co Gründe vor, um das anscheinend Unausweichliche nicht anzuerkennen und durchzuziehen? Ist das wirklich "Liebe", oder dient diese (vermeintliche) "Liebe" nur dazu, seine Co-Abhängigkeit leben zu dürfen, ohne seine Selbstachtung völlig zu verlieren?

  • Hallo Kiwi,


    am Anfang, als ich hier aufschlug hatte ich die gleichen Fragen wie Du und dann kam so ein "Schlaumeier" ;) wie Flori daher und stellte ähnliche Fragen. Ich war erstmal sauer, aber hab in mich rein gehört warum ich so sauer war. Warum wollte ich ihn verstehen???? Na weil ich ihm besser helfen kann, wenn ich ihn verstehe!!!!! Es ging also wieder um ihn, ich hätte meine Entscheidungen nach ihm gerichtet. In einer gesunden Partnerschaft ist das sicher kein Problem in einer abhängigen aber wohl. Dann fing ich an, Entscheidungen (zwischendurch sehr schmerzhafte) für mich zu treffen und mein Leben zu verändern / zu gestalten und es ruckelte mächtig im Gebälk. Aber es war richtig, meine Entscheidungen für mich zu treffen und ihm seine Reaktionen und Entscheidungen zu lassen. Für mich mit meinem kleinen Co-Herzen ziemlich hart zwischendurch, aber der Weg hat sich gelohnt. Mein Fazit aus dieser Entwicklung: mir ist bewusst, dass ich seine Sucht nicht verstehe und das lass ich als Fakt so stehen. Ich habe nichts davon, wenn ich meine Kraft an diesem "Verstehenwollen" verschwende und ihm nutzt es auch nix.


    Nutze Deine Kraft und Energie für Dich und schöne Dinge.

    sonnige Grüße

    Lütte

  • Ich habe nichts davon, wenn ich meine Kraft an diesem "Verstehenwollen" verschwende und ihm nutzt es auch nix.


    Nutze Deine Kraft und Energie für Dich und schöne Dinge.

    Das bringt's so ziemlich auf den Punkt, auf welchen ich hinaus wollte.


    Ich spreche da aber ganz klar für mich, als Alkoholiker - ich hätte es gar nicht verdient gehabt, dass man sich die Mühe macht, mich zu verstehen, da ich ja sowieso mich selbst und mein Umfeld belogen habe.

  • Hallo Florian,

    hallo Lütte,


    vielen Dank für Eure Zeilen! Und nein, ich sehe Florian nicht als Schlaumeier an... ;-) Mir helfen harte Worte eher, als dass ich in Watte gepackt werde.


    Zu Beginn war ich absolut davon überzeugt, ihm in irgendeiner Art "helfen" zu können. Sei es mit Liebe, mit Verständnis, mit Mut und Zuversicht, ihm Wege aufzuzeigen, wie man sich von außen Hilfe sucht, wo es sie gibt usw. Ich dachte immer, wenn er sieht, was für ein schönes Leben er leben könnte, dass er aufwacht, dass er um Hilfe betteln wird, dass er alles tun wird, um gesund zu werden. Ich musste relativ schnell erkennen, dass, solange er nicht will (!), es nichts geben wird, was ihn dazu bewegen würde, an seiner Sucht zu arbeiten.


    Ich habe viel im Forum gelesen, mir Fachliteratur geholt und erkannt sowie für mich akzeptiert, dass ich (!) ihm definitiv nicht helfen kann und egal, was ich alles mache und versuche, es nichts bringen wird. Er hat sich mit Händen und Füßen, mit Beschuldigungen, mit Verdrehungen, mit Lügen und leeren Versprechen regelrecht gewehrt. Irgenwann habe ich ihm unmissverständlich klar gemacht, dass ich ihm nicht helfen kann und er saufen soll, so viel er möchte, aber ich so definitiv nicht leben möchte.


    Es war ja nicht nur der Alkoholgestank, betrunken Autofahren, das wirre Verhalten, seine verbalen Entgleisungen, die Lügen, seine Beschimpfungen und Beschuldigungen, sondern eben dass extrem verbal aggressive Verhalten mir gegenüber. Er versuchte im betrunkenen Zustand ständig, mich klein zu machen, dass ich ein Nichts und Niemand wäre, wollte mich mit Erzählungen, die ich ihm aus der Kindheit vertraut hatte, regelrecht weh tun und hat auch gefragt, ob es schön weh tun würde und hämisch dabei gelacht. Was habe ich mir übelste Schimpfwörter anhören müssen. Da war mir klar, dass Alk wohl nicht das einzige Problem sind. Auch die Tatsache, dass jemand nach drei LZT immer noch der Meinung ist, kontrolliert trinken zu können, haben mich regelrecht erwachen lassen, dass hier noch ein langer Weg bis zu einer eventuellen Gesundung bevorsteht. Heute weiß ich, dass er mit dieser Einstellung keine Chance haben wird.


    Ich habe mich getrennt und bleibe dabei, dass wir keine Zukunft haben.


    Das Verstehen wollen bezieht sich weniger darauf, dass ich ihm helfen kann, sondern eher, dass ich mit der Trennung und eben des Nachvollziehens besser abschließen kann. Er hatte ja auch Trockenphasen von 2-8 Wochen und es waren eben auch schöne Zeiten, die wir miteinander hatten. Träume und Wünsche, die wir uns erfüllen wollten und die eben jetzt geplatzt sind. Mein Kopf weiß, dass es zu Ende ist und dass es gut ist, mein Herz hinkt eben noch nach.


    So ein richtiges Helfersyndrom habe ich m.E. nicht, ich habe ihm weder Alk gekauft, noch etwas schön geredet, verdeckt und verheimlicht oder so getan, als wäre als in Ordnung. Dass es mich enttäuscht hat, dass er gelogen hat, heimlich getrunken hat, immer wieder leere Versprechen abgegeben hat, heute Einsehen hatte, morgen wieder alles vergessen, ja, das muss ich zugeben und das hat auch irgendwo eine Narbe hinterlassen.


    Ich hatte ja im Vorstellungsbereich bereits geschrieben, dass ich bei ihm zum ersten Mal die Nähe und die Verbindung gespürt habe, dass wir miteinander reden und lachen konnten und all' das hatte ich in meiner Ehe vor 11 Jahren nicht, weswegen ich mich auch nach 12 Jh. Beziehung von meinem damaligen Mann getrennt hatte. Vielleicht war es diese magische körperliche Anziehung zu ihm, die mich diese Nähe hat spüren lassen. Ich weiß es nicht. Heute weiß ich, dass ich besser auf mein Bauchgefühl hätte hören müssen. Es gab so einiges, was mich damals hat aufhorchen lassen, aber es wurde schnell von mir verdrängt.


    Wir sind jetzt fast 5 Wochen getrennt. Ich bin seit 3 Wochen hier im Forum und ich denke, ich schlage mich ganz Wacker. Natürlich wäre mir lieber, mein Herz wäre weiter. Aber de facto trauere ich auch ein bisschen um den Menschen, der das Potential für sein Leben in die Tonne tritt.


    Ich weiß, dass mein Weg der richtige ist und dass mir nichts besser passieren konnte, als dass er freiwillig dann auszog. Ich habe keine Achterbahnfahrten mehr Zuhause, ich kann planen und mich verlassen und zwar auf mich!


    Meine Gedanken haben sich ein wenig gebessert und ich denke nicht permanent an ihn und an das warum, aber ich glaube, dass es noch eine Weile dauern wird, bis ich komplett abgeschlossen habe. Ich frage mich auch, ob es nicht vielleicht doch Sinn macht, eine Therapie zu machen, auch um meine Kindheit zu verarbeiten und vielleicht auch ein bisschen, dass ich mich hinterfrage, warum ich an jemanden hänge, der mir doch ordentlich weh getan hat und mich teilweise wie Dreck behandelt hat. Ein Freund sagte mir vor kurzem: er hat dich in der Beziehung wie Dreck behandelt und er tut es immer noch.


    Ich kann und werde nicht zu ihm zurückkehren, denn ich weiß jetzt schon, dass die Abwärtsspirale mit ihm nur noch nach unten geht und zwar schneller, als mir lieb wäre...


    Vielen Dank an alle! :-)


    LG

    Kiwi

  • Das Verstehen wollen bezieht sich weniger darauf, dass ich ihm helfen kann, sondern eher, dass ich mit der Trennung und eben des Nachvollziehens besser abschließen kann

    Genau das ist die Crux. Und so sehr ich auch Klartext zu schätzen weiß, lasse ich mir nicht sagen, dass das Verstehen und die Trennung sich einander ausschließen.

    Ich für meinen Teil unterscheide in dieser Hinsicht zwischen "Verständnis" und "Verstehen".

    Ich möchte kein Verständnis entwickeln und mich weiter in dieser Beziehung rumquälen, sondern die Krankheit und die Auswirkung verstehen und begreifen, dass es nicht funktionieren kann. Punkt!

  • ... de facto trauere ich auch ein bisschen um den Menschen, der das Potential für sein Leben in die Tonne tritt.

    Liebe Kiwi - wie geht es dir?


    Deine ausführlichen Texte haben mich beeindruckt, diese vielen Facetten an dir, von zögerlich und verletzlich bis zu selbstbewusst und robust - es ist alles dabei. Du bist vieles zugleich und das macht es für dich nicht unbedingt einfach, aber das macht dich auch besonders und wertvoll.


    Sortiere und orientiere dich an dem, was DIR gut tut und folge deinem Entschluss, vorwärts zugehen. Ich bin mir sicher - hier hat es einige, die um dich trauern würden, wenn du es ihm gleich tust und dein Potential in die Tonne trittst, wenn du zu ihm zurückkehrst.


    Achte auf dich - du bist die wichtigste Person für dich - Gruss Ste55

  • Hallo Ste55,


    vielen Dank für Deine Zeilen! Ich muss gestehen, dass mir die Tränen gekommen sind und ich einfach nur noch weinen musste, als ich Deine Zeilen gelesen habe... Warum? So ganz weiß ich es nicht, vielleicht weil mich ein "Fremder" wertvoll bezeichnet und ich das Gefühl habe, für ihn nicht wertvoll genug gewesen zu sein. Ich weiß es nicht.


    Seit seiner Absage letzter Woche (als er die restlichen Sachen holen wollte) haben wir keinerlei Kontakt! Es kommt zwar weiter Post von ihm hierher und ich frage mich, weshalb er bis heute keinen Nachsendeantrag gestellt hat, aber ich werde es unterlassen, nachzufragen! Es ist und bleibt sein Problem! Zu Beginn der Trennung hatte ich die Post an seine Eltern geschickt, wo er 3 Wochen war, aber da kam ja nicht einmal ein Danke zurück. Er weiß, dass seine Post hier weiter eintrudelt.


    Ich lenke mich so gut es geht ab, indem ich Sport mache, viel mit Freunden spreche, für mich und meine Tochter neue Rezepte ausprobiere, aber meine Gedanken hängen schon noch relativ oft bei ihm. Manchmal sage ich mir selbst "STOPP". Jeder Gedanke an ihn ist verschwendet, das weiß ich. Es kommen immer mehr Gedanken, dass er es überhaupt nicht verdient hat, dass ich so oft an ihn denke. Mich ärgert etwas, dass er jetzt überall behaupten würde, er hätte die Reißleine gezogen, weil alles zu stressig wurde (Job, Pendelei, Stress mit seinem Kind usw.) !!! Daran erkenne ich ein bisschen, dass er eigentlich nur verdrängt und die Tatsache, dass der Alkohol das Streitthema Nr. 1 war, komplett ausblendet.


    Gestern war ich lange mit dem Auto unterwegs und habe so über mein Leben nachgedacht, auch und gerade darüber, warum ich so an ihm hänge. Sicher lag es auch daran, dass ich mich unglaublich zu ihm hingezogen gefühlt habe. Es war irgendwie wie "im Leben ankommen". Auch wenn sich das relativ schnell als trüger Schein herausgestellt hat. Plötzlich musste ich es laut aussprechen: "Ich war als Kind emotional einfach vernachlässigt worden! Plötzlich schossen mir die Tränen in die Augen und ich verspürte einen unglaublichen Schmerz. Danach ging es mir definitiv besser. Aber das scheint mein Problem zu sein! Daran muss ich ansetzen, das verarbeiten und einfach nach vorne schauen und dankbar sein für alles, was ich erreicht habe und wie ich leben darf. Ich weiß, dass es als Alleinerziehende keine Selbstverständlichkeit ist, welch ein priviligiertes Leben ich führen kann. Ich habe mir alles selbst erarbeitet und ja, viele sagen, darauf kannst du stolz sein. Vielleicht kann ich das gleichsetzen mit "ich bin wertvoll"... Du hast mich sicher gut eingeschätzt: Ich bin ne Mischung aus allem: selbstbewusst, verletzlich, robust, zögerlich und nachdenklich. So sehe ich mich auch jeden Tag: ständig anders! Aufgeben ist aber keine Option für mich!


    Ich bin mir auch sicher, dass ich mich sicher irgendwann wieder einmal verlieben kann. Priorität Nr. 1 ist für mich momentan, die Beziehung zu verarbeiten und diesen seltsamen Schmerz, wenn ich an ihn denke, nicht mehr zu spüren.


    Es gibt kein zurück zu ihm. Nein, nach all dem Leid, den Lügen, den Beschimpfungen, den Schmerz und der Uneinsichtigkeit von ihm, gibt es keine gemeinsame Zukunft. Und ja, ich bin mir absolut sicher, dass ich es schaffen werde und meinen Weg weitergehen werde! Sonntag geht es in die Berge, Sonne und Aussicht und See genießen. Ich merke, wie mir Aktivitäten - gleich welcher Art - sehr gut tun und meine Gedanken von ihm weglenken.


    Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich bestärken, meine Zeilen lesen und mir Ratschläge geben oder mir Tacheles schreiben. All das hilft mir unglaublich viel!! :-)


    LG

    Kiwi

  • Hilfe!


    Ich komme aus dieser Gedankenspirale einfach nicht raus. Mal geht es mir zwei Tage gut, dann wieder verfalle ich in totale Sehnsucht, denke an die schönen Zeiten und vermisse ihn einfach. Ich habe es bis dato geschafft, keinen Kontakt aufzunehmen.


    Heute hat er allerdings eine Nachricht geschrieben, dass er diese Woche seine restlichen Sachen holen möchte und ich ihm Bescheid geben soll, ob es passt.


    Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits denke ich mir, besser wäre es, ich würde ihm die Sachen vor die Türe stellen, andererseits denke ich mir, "das kannst echt nicht machen". Ich weiß, dass es mich zurückwerfen wird, wenn ich ihn sehe, er womöglich reden möchte. Andererseits denke ich mir, ihn interessiert es ja nicht einmal die Bohne, wie es mir geht. Wäre ihm an mir gelegen, würde er alles unternehmen, um gesund zu werden und so wenigstens eine Chance auf Beziehung zu haben. Auch wenn es schwierig wird, wenn jemand de facto 30 Jahre lang trinkt und auch nach 3 LZT immer noch nicht wirklich realisiert hat, dass er nie wieder Alk trinken darf.


    Allein der Gedanke: "Ich bin es ihm nicht wert", zieht mich total runter. Andererseits hat er auch jahrelang getrunken, als seine Kinder noch klein waren. Also hat das ja nichts mit mir als Person zu tun.


    Oh Gott, wie komme ich da nur raus? Obwohl ich das WE komplett verplant war, einmal bei einer Freundin, dann mit Tochter den ganzen Tag in den Bergen, muss ich ständig an ihn denken und sehe nur noch glückliche Pärchen um mich herum und ja, das zu sehen, tut mir sehr weh. Ich fühle mich so unaufgeräumt...


    Obwohl ich weiß, wie häßlich teilweise die Zeiten mit ihm waren, springen meine Gedanken ständig auf die schöne Zeiten und das vertraute Miteinander.


    Wie werde ich diesen doofen Schmerz nur los? Wenn ich an ihn denke, könnte ich nur noch heulen.


    LG

    Kiwi

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