Hanseat - Moin aus Hamburg

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo zusammen,


    ich bin Max aus Hamburg. Das heißt, eigentlich heiße ich gar nicht Max, aber das ist der Name, den ich hier verwenden will. Die Ortsangabe Hamburg stimmt jedenfalls. Ich bin 50 Jahre alt und seit rund 20 Jahren schwerer Alkoholiker. Erste Entgiftung war 2003, eine Reha habe ich 2007 nach 13 Wochen erfolglos abgebrochen. Seitdem kämpfe ich einen ewigen Kampf gegen den Alkohol, verbunden mit Hunderten von Rückfällen, oft auch schweren Rückfällen. Ich will nicht mehr kämpfen, denn gegen den Alkohol kann ich nicht gewinnen. Ich will einfach gar nicht mehr gegen den Alkohol in den RIng steigen und hoffe, dann kann er mir auch nichts mehr tun.


    Heute ist Tag 21 meiner Nüchternheit, das heißt, körperlich und geistig bin ich wieder gut drauf, und ich habe auch endlich wieder einen geregelten, tiefen Schlaf. Ich lese zur Zeit viel zum Thema Alkohol, besonders interessieren mich Bücher und Geschichten von Menschen, die es geschafft, von dem Zeug loszukommen. Aktuell lese ich "Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein" von Catherine Gray. Ich bin begeistert von diesem Buch, es ist mein ständiger Begleiter und ermuntert mich jeden Tag, standhaft zu bleiben und mich mit dem Thema Alk auseinanderzusetzen. Dann gucke ich manchmal noch Videos oder höre Podcasts von Nathalie Stüben. Das Ziel ist es, daß ich mich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde lang mit meiner Sucht beschäftige.


    Ich will es jetzt endlich schaffen, nüchtern zu bleiben, und bin auch vorsichtig optimistisch. Ich glaube, so entschlossen wie jetzt war ich noch nie. Aus den 21 Tagen sollen bitte 100 Tage werden, dann 101, dann 102 und immer so weiter.


    Gray beschreibt in ihrem Buch, daß sie eine Onlinegruppe zum Nüchternwerden und -bleiben gefunden hat. Genau das hätte ich auch gerne: irgendeine Community online, die mich regelmäßig bei der Stange hält. Ein Forum ist schon gut, nett wäre auch ein Chat für besonders einsame Stunden, falls es hier sowas gibt.


    Na gut, nun habe ich mich registriert und vorgestellt. Ein Anfang ist gemacht. Dann gucke ich mal, was sich hier so ergibt. Ich wünsche allen, die nüchtern werden oder bleiben wollen, viel Erfolg. Ich will glauben, daß ich das auch schaffen kann. Auf gute und freundliche Gespräche!


    Alles Liebe,

    Max

  • Hallo Max,

    ich bin auch erst seit Juli im forum und die dritte Woche trocken. Hast du die ersten 21 Tage aber schon mit ärztlicher überwachung überstanden oder einen kalten Entzug gemacht? Wollte ich auch zuerst, aber das forum hat mich überzeugt, das mit meinem Arzt zu machen.

    Jetzt geht es nach der Entgiftung mit Kontrollen weiter. Bei Bedarf sofort, sonst alle paar Wochen.

    Ich bin 60 Jahre alt und seit 6 Jahren Alkoholiker.

    Meine Mutter ist seit 35 Jahren Alkoholikerin und ich hätte mir nie gedacht, dass mir so was auch mal passiert.

    Vor 4 Jahren hatte ich auch eine langzeittherapie, die dann doch gescheitert ist, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich nie wieder einen Schluck trinken darf.

    Bitte gib nicht auf, ich tue es auch nicht.

    Wirst sehen, der Austausch hier wirkt sehr unterstützend.

    Alles Gute

    Hoffnung

  • Hallo Hoffnung,


    danke für die freundliche Antwort. Da sind wir doch schon zwei mit der 21 auf dem Zähler, das ist doch eine gute Grundlage! Ja, ich habe den Entzug allein zuhause mit viel Wasser und Fernsehen gemacht, so nach vier Tagen war ich aus dem Gröbsten raus. Ich habe, was Rückfälle angeht, leider die traurige Erfahrung eines Profis, und ich weiß, daß ich nicht zu Krampfanfällen neige.


    Aber der letzte Rückfall war mal wieder schrecklich. Es ging los mit zwei Bier ("Heute abend trinke ich mal zwei Bier, dann gehe ich direkt ins Bett"), und am Ende standen da noch rund 30 Dosen Wodka-Lemon und Jackie-Cola. Ich bin in einem Berg von Dreck und Müll aufgewacht, war eine Woche lang nicht auf der Arbeit und in einem völligen Paralleluniversum unterwegs. Auf dem Handy habe ich gesehen, daß ich versucht habe, ein paar Ex-Freundinnen anzurufen, die ich zum Glück nicht erreicht habe, und im Backofen lag eine größere Menge Bargeld, und ich habe keine Erinnerung daran, wie ich das Geld da deponiert habe, das war wirklich gruselig.


    Und ich habe mir gedacht: Eigentlich wäre heute ein guter Tag, um mit dem Saufen aufzuhören. Da habe ich die Wohnung aufgeräumt und blitzeblank geputzt und seitdem nur gute, für mich sinnvolle Dinge getan. Ich tue gerade viel dafür, daß das so bleibt.


    Auch Dir alles Gute und viel Erfolg,

    Max

  • Hallo Max,

    herzlich Willkommen bei uns. 21 Tage ohne Alk ist ein Anfang! Bleib dran.

    Das mit dem Kalten Entzug war Sch***, aber das weißt du ja.

    Es ist mega riskant, weil der 836. Entzug eben der sein kann mit dem Delir, Koma, bewußtlos am Erbrochenen ersticken usw. usw.

    (Ich schreib das so explizit nicht nur für dich, denn du hast es ja überlebt, sondern für potentielle Nachmacher: Bitte macht keinen Kalten Entzug.)


    Hast du angefangen etwas anders zu machen als zuvor? Wohnung aufräumen ist gut, aber ist sie auch konsequent alkoholfrei? Also Alk weg, Gläser weg, Öffner weg, Leergut weg? Auch den Gäste-Alk und den Koch-Alk weg?

    Wie sieht dein Alltag aktuell aus? Schreib einfach drauf los.


    Wir unterstützen dich gern bei den ersten Schritten und dann auch beim Trockenbleiben. Gute Infos findest du oben links in unseren Artikeln, vor allem der mit den Grundbausteinen. Einfach oben links im Forum auf ARTIKEL klicken.


    Frag uns ein Loch in den Bauch, was du sonst noch konkret tun kannst, um dich zu stabilisieren!

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hi Linde,


    ich sehe ein, daß ich mit dem kalten Entzug auf eigene Faust möglicherweise kein gutes Vorbild bin. Ich wüßte aber auch nicht so recht, wie ich das mit geschätzten drei Promille intus besser hätte organisieren sollten, vielleicht hast Du da ein paar Ratschläge.


    Ja, die Bude ist absolut alkfrei, es steht nur noch eine der beiden leeren Bierflaschen als Mahnmal im Regal. Ich weiß noch nicht, ob das eine gute Idee ist, aber sie soll mich an meinen letzten schrecklichen Absturz erinnern.


    Mein Alltag sieht so aus, daß ich morgens früh aufstehe und dann acht Stunden mit Mittagspause im Homeoffice verbringe. Freitags gehe ich ins Büro, nur fürs Mittagessen, wo dann immer Wein getrunken wird, aber da habe ich die letzten beide Male einfach gesagt, daß ich keinen Wein will, und es wurde auch nicht weiter nachgefragt. Ich lebe als Single und brauche einfach mal hin und wieder etwas Gesellschaft.


    Grundsätzlich bin ich schon viel allein, deshalb halte ich es für eine gute Idee, Online-Unterstützung zu haben, wo ich immer lesen und schreiben kann, wenn mir danach ist.


    Was ich tue? Ich lese eben viel und höre Podcasts zum Thema Alkohol zum Einschlafen. Außerdem habe ich mir in den letzten zwei Wochen ganz viele Filme angesehen, in denen Alkoholkrankheit Thema ist. Ich lese wie verrückt und bin seit vorhin in diesem Forum.


    Was Therapie und Selbsthilfegruppen angeht, da bin ich, zugegeben, etwas faul. Vielleicht muß mich da mal jemand zurechtstutzen. Es gibt eine AA-Gruppe hier in der Nähe, die mir allerdings nicht gefallen hat. Leider sehr viele Selbstdarsteller und Dauerquassler da, die einfach nicht zum Ende kommen. Mir gefällt dieses Quasireligiöse bei den AA auch nicht unbedingt, vielleicht wäre eine andere, formlosere SHG für mich besser. Bin für Tips offen.


    Ein paar Fragen hätte ich tatsächlich. Das entscheidende ist ja, wie verhindere ich in einer gefährlichen Situation den nächsten Rückfall? Da hätte ich gerne einen Notfallkoffer, der nicht zu kompliziert sein sollte, damit ich mir die wichtigsten Gedanken schnell aufrufen kann. Ich habe da bisher:


    - Bei Suchtdruck langsam atmen und mehrfach laut "Nein!" sagen.

    - Die Frage nach dem Warum stellen: Warum will ich aufhören zu saufen?

    - Die schlimmsten drei Rückfälle in Erinnerung rufen.

    - Die Splitscreen-Technik anwenden: Stell dir vor, was alles Schlimmes passieren kann, wenn du jetzt säufst, und wie morgen früh aussieht, wenn du nichts säufst

    - Und außerdem: null bleibt null. Kann man sich gut merken.


    Wie haben andere, wie hast Du es geschafft, Rückfälle zu vermeiden, was sind gute Tricks?


    Grüße,

    Max

  • Hallo Max,

    das sind gute Punkte und auch gute Fragen!

    Dafür ist der Erfahrungsaustausch im Forum da. Wir sind ja eine SHG, nur eben online. Und es ist so gut wie immer jemand online..


    Der nächste Schritt für dich zur Freischaltung fürs Forum ist, du folgst diesem Link hier und füllst mit paar kurzen Sätzen das Formular aus. Danach schaltet dich ein Moderator frei.


    Bewerbung - Alkoholiker Forum
    Im Alkoholiker Forum Bewerben auf geschütztere Bereiche.
    alkoholiker-forum.de



    Ich wünsche dir einen guten Austausch und daß dir nie die Fragen ausgehen! Denn die bringen einem weiter.


    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Hanseat,


    willkommen im Forum. Zum Thema Notfallkoffer gibt es hier schon Beiträge mit vielen Tipps. Du musst für dich überlegen, was bei dir hilft.

    Gut ist auch, bei Suchtdruck viel Wasser zu trinken. Das lenkt ab und stillt den Durst.

    Einige essen etwas Scharfes oder Saures. Andere haben ein Bild der Familie, das sie sich ansehen. Oder ein Bild, auf dem er/sie völlig betrunken ist. Du kannst auch einen Zettel schreiben, warum du nicht trinken möchtest und den ggf. durchlesen. Gehe gedanklich eine Schritt zurück. Warum willst du gerade trinken? Bist du traurig, gestresst oder auch super happy und was würde dir helfen.


    Generell ist die Trockenarbeit an sich wichtig. Ein Rückfall kann sich auch langsam einschleichen, wenn man unachtsam ist und sich zu sicher fühlt. Da ist der Besuch dieses Forums eine tolle Möglichkeit.


    Viele Grüße

    Seeblick

  • Moin Forum,


    nun sind aus den 21 Tagen schon 35 Tage geworden. Bisher läuft alles glatt, kritische Momente hatte ich noch nicht. Ich war zu meinem Geburtstag etwas dumm, denn ich habe aus Gewohnheit zugesagt, eine Runde Wein für die Kollegen zu schmeißen. Das habe ich dann auch getan und mit einem Glas Wasser angestoßen. Ich hatte mir schon verschiedene Antworten auf die Frage zurechtgelegt, warum ich denn nicht mittrinke, so zum Geburtstag und so, da muß man doch wohl und so, aber zu meiner Verwunderung hat niemand was gesagt oder gefragt.


    Für mich war von vornherein klar, daß ich keinen Tropfen Wein anrühre, auch nicht zur Tarnung. Hätte man mich gefragt, so hätte ich einfach gesagt, ich mach mal Pause mit dem Alk, mal gucken, wie lange ich durchhalte. Dabei ist mein Ziel natürlich die dauerhafte Nüchternheit. Mit gefällt das Wort "Nüchternheit", es klingt nicht ganz so bedrohlich und freudlos wie "Abstinenz".


    Dann wollte ich auch noch mit dem Rauchen aufhören, da hab ich ganze 24 Stunden durchgehalten. Schonmal ein Teilerfolg, aber vorerst ist die Sache erfolglos geendet. Ich glaube, ich bräuchte ein 7tägiges Bootcamp oder sowas, um die Zigaretten auch noch wegzulassen.


    Jedenfalls die Sache mit dem Alkohol nehme ich sehr ernst, und im Moment bin ich gut dabei. Ich denke von Tag zu Tag und sehe ganz fern am Horizont die 100 Tage. Die wären für mich ein persönlicher Rekord.


    Ich habe in der letzten Zeit hier einiges gelesen, vor allem aus dem Vorstellungsbereich. Es trudeln ja hier fast täglich neue Leute ein, die in einer ähnlichen Situation feststecken wie ich. Ich wünsche Euch allen viel Erfolg dabei, diese dumme Sauferei einfach sein zu lassen! Hin und wieder wollte ich auch mal was zu den Beiträgen schreiben, aber insgesamt bin ich da noch etwas zurückhaltend. Ich weiß nicht, ob ich anderen wirklich helfen kann, denn ich bin es, der Hilfe braucht, und da will ich nicht klug daherschnacken. Ich habe wirklich die schlimmsten Dinge mit Alkohol erlebt, zum Teil so schreckliche Dinge, daß ich wohl nicht einmal hier davon schreiben werde, und nun bin ich gerade mal fünf Wochen davon weg -- ich finde, das ist noch nicht besonders viel Abstand.


    Die Idee mit dem "Max" finde ich inzwischen nicht mehr so gut, denn ich habe ja schon ein Pseudonym hier im Forum, und ich denke, eins muß reichen. Dann also lieber "Hanseat".


    Ich wünsche allen Foristen weiterhin alles Gute,

    Hanseat

  • Hallo Hanseat,


    erstmal ist es toll, dass Du weiterhin nüchtern bist. Bleib am Ball, es lohnt sich!


    Du schützt Dich allerdings langfristig, wenn Du Dich nicht von einer Ausrede zur nächsten Ausrede hangelst. Irgendwann kommen die Fragen, warum Du nicht trinkst usw. Wenn Du konsequent eine Ansage machst und dazu stehst, bleibt Dir das erspart. Heimlich trocken werden, das wird nichts, glaub mir.



    Möchtest Du Dich hier regelmäßig austauschen? Linde hatte Dir schon den link gesendet, wo Du Dich für den offenen Bereich des Forums kurz bewerben könntest, damit Du freigeschaltet werden kannst dafür.

    Hier ist ja "nur" der Vorstellungsbereich.


    Ich wünsch Dir einen schönen Sonntag.


    LG Cadda

  • Hallo Hanseat,

    Ich war zu meinem Geburtstag etwas dumm, denn ich habe aus Gewohnheit zugesagt, eine Runde Wein für die Kollegen zu schmeißen.

    Aus Gewohnheit oder vielmehr die Angst nicht mehr als Alkoholiker dazuzugehören? Hin gehen, sich zeigen, obwohl es gerade am Anfang gefährlich für die eigene Abstinenz bedeuten kann? Diese Fragen hätte ich mir zumindest gestellt.

    Für mich war von vornherein klar, daß ich keinen Tropfen Wein anrühre, auch nicht zur Tarnung. Hätte man mich gefragt, so hätte ich einfach gesagt, ich mach mal Pause mit dem Alk, mal gucken, wie lange ich durchhalte. Dabei ist mein Ziel natürlich die dauerhafte Nüchternheit. Mit gefällt das Wort "Nüchternheit", es klingt nicht ganz so bedrohlich und freudlos wie "Abstinenz".

    Mir wäre es zu anstrengend jedes Mal eine Ausrede zu suchen oder neue Wortschöpfungen zu kreieren, weil jemand mich wegen meiner Krankheit verurteilen könnte. Das heißt ja auch im Umkehrschluss das ich mich gar nicht als Alkoholiker sehen würde. Oder zumindest die Ernsthaftigkeit selbst infrage stelle.


    Natürlich muss ich es nicht jedem sagen aber auf Nachfragen ist es kurz und bündig einfacher, bei der Wahrheit bleiben und gut ist. Und abgesehen davon, dass es gerade am Anfang nicht so pralle ist, auf solche Festivitäten zu gehen und nur eine Handbreit am Glas weg zun stehen..



    Für mich war von vornherein klar, daß ich keinen Tropfen Wein anrühre,

    Wie oft hast du es in deiner rückwirkende "Säufer Karriere" schon vorgenommen nichts zu trinken? Warum sollte es nun anderes sein? Was hat sich denn, außer das du erkannt hast Alkoholiker zu sein, verändert?


    Kennst du den Weg, den wir hier vermitteln wollen, schon? Vielleicht hilft es dir ein Stück weiter.


    Schaue dir mal diesen Link an.

    Gruß Hartmut

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    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Möchtest Du Dich hier regelmäßig austauschen? Linde hatte Dir schon den link gesendet, wo Du Dich für den offenen Bereich des Forums kurz bewerben könntest, damit Du freigeschaltet werden kannst dafür.

    Hier ist ja "nur" der Vorstellungsbereich.

    Nö, ist schon freigeschaltet, liebe Kollegin.

    Gruß Hartmut

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    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Hallo Cadda und Hartmut,


    danke für die Antworten. Daß ich schwerer Alkoholiker bin, weiß ich schon seit 20 Jahren, da mache ich mir schon lange nichts mehr vor. In meinem privaten Umfeld gehe ich auch sehr offen damit um. Meine engsten Verwandten und Freunde wissen Bescheid. Auf der Arbeit bin ich nicht ganz so ehrlich. Es geht allgemein bei meinem jetzigen Kunden sehr arbeitsorientiert und "professionell" zu, private Gespräche ergeben sich eher selten. Ich sehe keine Verpflichtung dazu, mein Privatestes nach außen zu kehren, aber ich habe auch nicht vor, mir ständig neue Ausreden auszudenken. Ich sage einfach, daß ich nichts trinke, und damit hat es sich dann.


    Einmal bin ich auf einer Weihnachtsfeier -- nüchtern! -- um 22 Uhr abgehauen, da hat mich noch mein Auftraggeber an der Garderobe abgepaßt und mir ins Gewissen geredet, ich könne doch nicht jetzt schon abhauen, wo's gerade erst lustig wird. Was er mit "lustig" meint, ist mir schon klar: Abends um 11 sind alle knülle und reden nur noch dummes Zeug und hören schlechte Musik. Solche Situationen sind sehr unangenehm, aber ich muß wohl lernen, damit umzugehen. Die letzte Weihnachtsfeier war online, was mir sehr entgegenkam, da hatte ich dann zwei Malzbier.


    Hartmut, über die Sache mit dem Wein hatte ich gar nicht groß nachgedacht. Ich hatte das einfach so spontan angekündigt, ohne mir vorher Zeit zum Nachdenken zu lassen. Das war dumm, ich hätte auch einfach etwas Kuchen fürs Büro besorgen können, aber daran habe ich so schnell nicht gedacht. Naja, es ist ja alles gut ausgegangen, und ich habe eine kleine Bewährungsprobe bestanden.


    Wie oft ich mir schon vergenommen habe, nichts zu trinken, und es dann vergeigt habe? Hunderte Male, vielleicht ein tausend Mal, ich weiß es nicht.


    Was nun anders oder besser sein soll? Auch das weiß ich nicht. Ich fühle mich entschlossener und aufgeräumter als sonst, und ich habe in den vergangenen Wochen viel zum Thema gelesen, was sonst auch nicht so der Fall war. Und ich habe die 35 Tage im Rucksack. Viel mehr habe ich nicht. Ich bleibe wachsam und mißtrauisch mir selbst gegenüber. Naja, ich habe einen kleinen Notfallkoffer für Gefahrensituationen, und ich kenne mein Warum. Was mir allerdings noch fehlt, das sind Telefonnummern von Menschen, die ich anrufen könnte, wenn's pressiert.


    Eine Sache noch: Diesen Monat holen wir unsere Abi-Feier nach. Die findet auf dem Dörpen statt und wird garantiert auch wieder ein Massenbesäufnis. Ich habe allerdings einen Plan: Wenn es mir zu blöd wird, rufe ich mir einfach ein Taxi, ganz egal, wie teuer das wird. Da bin ich also finanziell und organisatorisch unabhängig. Beim letzten Mal, vor 10 Jahren, bin ich auf der Abi-Feier schon besoffen aufgekreuzt, was gar nicht weiter aufgefallen ist. Da hatte ich ein paar bestimmt dumme Gespräche mit Lehrern, an die ich mich natürlich nicht mehr erinnern kann, für die ich mich bis heute schäme. Es ist mir wichtig, daß ich dieses Jahr nüchtern komme und auch wieder gehe. Spätesten um 10 Uhr abends bin ich da weg.


    Grüße,

    Hanseat

  • Die findet auf dem Dörpen statt und wird garantiert auch wieder ein Massenbesäufnis


    habe allerdings einen Plan:

    Ich hätte auch einen. Bleib fern und gut ist. Zwingt dich ja keiner mit Waffengewalt teilzunehmen.


    Wenn ich mir schon vorher für ein Massenbesäufnisses Pläne machen muss, was eh nicht mehr meine Welt ist, frage ich mich was soll dann der ganze Scheiß.

    Gruß Hartmut

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    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Hallo Hartmut, einfach nicht hinzugehen, ist natürlich auch eine Option, und wer weiß, vielleicht höre ich auf Deinen Rat. Andererseits ist das ja nur die eine Hälfte, die sich da vollaufen läßt, Die andere Hälfte wird mit dem Auto da sein und gar nichts trinken, und an die wollte ich mich halten. Vielleicht ist es wirklich schlauer, dem fernzubleiben, aber ich denke mir so, ich habe da noch eine Rechnung offen.

  • Vielleicht ist es wirklich schlauer, dem fernzubleiben, aber ich denke mir so, ich habe da noch eine Rechnung offen.

    Nun empfehlen wir im ersten Jahr komplett aus solche Saufveranstaltungen zu verzichten und sich die Zeit nehmen, um ein alkoholfreies Leben aufzubauen. Es verändert sich dadurch automatisch die Interessen und die Menschen um einen herum.


    aber ich denke mir so, ich habe da noch eine Rechnung offen.

    Die einzige Rechnung, die ich begleiche, ist meine Nüchternheit. Die steht an erster Stelle. Wenn ich das nicht mache, bin ich schneller wieder da wo ich nie wieder hin will. Nur ist das nicht nur eine Willenssache, dazu es gehören auch entscheidende Lebensansichten und Veränderungen.


    Der Spruch "Nur nicht trinken reicht nicht" ist nicht nur eine Floskel, das ist existenziell für einen trockenen Alkoholiker.

    Gruß Hartmut

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    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Hallo allerseits,


    heute habe ich 42 nüchterne Tage auf der Uhr. Das habe ich zwar öfter schon geschafft, aber für meine Verhältnisse ist das absolut überdurchschnittlich. Normalerweise bin ich zwei Wochen nüchtern und saufe mir dann drei Tage lang die Rübe weg, das ist mein typischer Rhythmus. Es war allerdings bisher auch ein Spaziergang, größeren Suchtdruck hatte ich nicht. Ich fühle mich gut und aktiv und würde gerne Bäume ausreißen, allerdings macht mir gerade mein Rücken (Bandscheibenvorfall) einen Strich durch die Rechnung. Nun ja. Man kann nicht alles haben.


    In der letzten Woche habe ich viele gute Dinge getan: zuverlässig und regelmäßig gearbeitet, eine ganze Latte von Arztterminen vereinbart und zum Teil auch schon wahrgenommen. Ich habe mir ein Rudergerät bestellt und nehme jetzt ein paar Verbesserungen an der Wohnung in Angriff. Seit drei Jahren wollte ich mir mal eine neue Matzatze besorgen, das habe ich jetzt auch endlich in die Wege geleitet. Parodontosebehandlung schiebe ich ebenfalls seit drei Jahren erfolgreich vor mir her, auch da ist ein Anfang gemacht.


    Ich lese und fühle hier mit. Besonders interessant finde ich im Moment die Sichtweise der Co-Abhängigen, das ist ein Thema, über das ich mir bisher kaum Gedanken gemacht habe. Ich war ehrlich gesagt so ignorant, daß ich nie verstanden habe, warum die eigentlich eine eigene Selbsthilfegruppe brauchen, denn sie haben ja kein Suchtproblem. Auch bei mir sind Beziehungen wegen Alkohol in die Brüche gegangen. Ich habe nie der Frau die Schuld dafür gegeben, aber ich frage mich, was ich eigentlich meinen Partnerinnen, Freunden und der Familie schon so alles angetan habe, ohne es zu wollen. Kein leichtes Thema für mich, da kommen eine Menge Schuldgefühle hoch. Über allem schwebt sowieso das bittere Gefühl, daß ich die letzten 20 Jahre meines Lebens mehr oder weniger verschenkt habe. Es gab keine wirkliche Entwicklung, nur Seitwärtsbewegungen auf niedrigem Niveau.


    Aber ich schreibe heute lieber mal etwas Positives. Ich fühle mich gut und stabil, bleibe aber mir selbst gegenüber mißtrauisch. Zu viel Selbstsicherheit hat mich schon oft genug zu Leichtsinn und damit zu einem Rückfall geführt. Aber für den Moment freue ich mich einfach mal, da möchte ich micht nicht in destruktiver Weise selbst kasteien.


    Ich wünsche allen einen schönen Sonntag,

    Hanseat

  • Hallo Hanseat,


    Willkommen hier auch noch von mir, und Gratulation zu den ersten 42 Tagen deines nüchternen Lebens. :)


    Das Buch von Catherine Gray fand ich auch super, übrigens.

    Wenn du englisch liest, kann ich dir auch dieses sehr empfehlen: „We are the luckiest. The surprising magic of a sober life.“ (Ich hoffe ja sehr, dass es bald mal übersetzt wird, so dass es auch für deutschsprachige Leser zur Verfügung steht.)


    das bittere Gefühl, daß ich die letzten 20 Jahre meines Lebens mehr oder weniger verschenkt habe. Es gab keine wirkliche Entwicklung, nur Seitwärtsbewegungen auf niedrigem Niveau.


    Das kenne ich auch von mir. Sowohl das Bedauern, als auch dann aber die Erkenntnis, dass Entwicklung jetzt - trocken - endlich wieder möglich ist. Das ist so ein gutes Gefühl, sage ich dir, und das geht immer weiter, wenn zu deinen 42 Tagen immer mehr Tage dazukommen.


    Irgendwann, als ich ein paar Jahre trocken war, habe ich angefangen, mir die Zeit, als ich getrunken habe, zu verzeihen. Aber durch diese Bitterkeit, von der du schreibst, musste ich auch durch.

    Ich kann inzwischen aber mit mehr Mitgefühl auf mich selbst zurückblicken. Es war, wie es war, weil es anders nicht sein konnte, weil ich nicht anders konnte.

    Dieses innere Verzeihen gibt nochmal mehr Freiheit zurück, zusätzlich zu der Freiheit, die es bedeutet, nicht mehr Trinken zu müssen.


    Einen schönen Sonntag im heute sonnigen Hamburg. :)


    Viele Grüße

    Thalia

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