Maeron - Von der Krankheitseinsicht & meiner täglichen Abstinenz

  • Ich habe wenigen Menschen von meiner Suchterkrankung erzählt. Ihnen habe ich genau erklärt, wie ich ganz langsam unaufhörlich schleichend süchtig wurde. Keiner hatte etwas geahnt. Alle waren total erstaunt, erschrocken und ALLE haben ihren eigenen Konsum hinterfragt.

    Mit meinem heutigen Wissen würde ich keinen Alkohol mehr konsumieren, selbst wenn ich nicht krank wäre. Es heisst zwar immer, daß Alkohol nicht gesund ist aber da fast alle Menschen Alkohol trinken, habe ich das total verharmlost und unterschätzt, wie gefährlich Alkohol ist. Mir war gar nicht klar, daß Alkohol eine harte Droge ist. Wie sehr Alkohol die Leber und den Körper angreift und das Alkohol schon bei geringen Mengen stark süchtig machen kann.

    Heroin war für mich eine harte Droge die "fürchterlich" süchtig macht und furchtbar ist. Ich habe erst kürzlich mit jemandem geschrieben, die Alkoholikerin ist und Heroinabhängig war. Sie hat mir erklärt, das es viel schwieriger war, vom Alkohol wegzukommen als vom Heroin weil Alkohol ganz einfach überall legal und zu jeder Tageszeit in Massen verfügbar ist.

    Ich ärgere mich sehr, wenn ich daran denke, wie viel Zeit meines Lebens ich mit Alkohol verschwendet, weggeworfen habe.

    Es hilft mir bei meiner Abstinens sehr, dies heute zu wissen.

  • Wir haben eine Flasche selbstgemachten Traubensaft vom letzten Jahr geschenkt bekommen.

    Wenn ich mir unsicher bin, lasse ich es weg. Zudem, wer kann das hier schon wissen?;)

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • weil Alkohol ganz einfach überall legal und zu jeder Tageszeit in Massen verfügbar ist.

    ja, das ist echt ein riesenproblem. gerade war ja wieder oktoberfest und all die großen bierzelte überall. und das nennt man dann volksfeste oder bier sei ein grundnahrungsmittel. ich habe lange in münchen gewohnt und dieser kollektive rausch genannt oktoberfest war echt krass. und noch krasser ist die alkohollobby, die so mächtig ist.

    "fun"-fact: neulich hat mir ein tankwart erzählt, das meiste geld machen tankstellen morgens mit den kleinen alkoholfläschchen neben der kasse. morgens! und dann meinte er noch: wenn du wüßtest, wer da alles morgens schnaps kauft .... .

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • Vielleicht gibt's hier einen Ernährungsberater/in oder eine/n Ökotrophologen/ij? Wer weiß das schon! :lol:

    Nee, also damit kann ich nicht dienen, aber was es hier gibt, ist eine trockene Alkoholikerin, die mal eine Traubensaftschorle getrunken hat (definitiv ohne Alkohol) und dennoch das Gefühl hatte, sie würde an einem Rotwein schlürfen, weil sowohl die Farbe, der Geruch und auch der Geschmack deutlich daran erinnert haben.

    Also für MICH ist Traubensaft daher komplett raus :)

  • Das ist sehr umsichtig von ihr aber nicht ihre Verantwortung. Ich, als Alkoholiker, bin für mich verantwortlich. Das musste auch erst in meinen Kopf rein, gerade weil es manchmal Kleinigkeiten sind, bei denen ich achtsam sein muss.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Grundsätzlich bin ich glücklich abstinent zu sein. Was mich beunruhigt sind Suchtgedanken. Vielleicht sollten sie mich nicht beunruhigen. Ich erkenne sie, und lasse sie ziehen. Das geht auch. Aber es nervt trotzdem, dass sie kommen. Hier möchte ich einmal davon Berichten. Z. B. hatte ich letztens gedacht, wenn jetzt diese eine bestimmte Befürchtung eintritt (ist ein Glück nicht passiert), dann fahre ich zur Tanke und lasse mich voll laufen. Dieser Suchtgedanke ging schnell weg. Und ich weiß auch, man sollte nicht nass denken. Ich wollte den Gedanken trotzdem einmal hier teilen. Denn ich habe Angst, das so ein Gedanke der erste Schritt zum Rückfall sein kann.

    Durch die ambulante Reha, wo es auch schon einen Rückfall eines/einer Teilnehmer/inn gab, welcher dann besprochen wurden, beschäftige ich mich dann natürlich mit dem Themen, horchen in mich hinein, vergleiche mich und mein Inneres mit den Vorfällen/Gedanken anderer Teilnehmer. Zum Beispiel hatte ich kurz das Gefühl, dass ich irgendwann wieder mal trinken werde, das es, garnicht anders geht, das ich nur eine Begründung brauche... Oder so. Mir ist klar, dass das die Sucht ist. Normalerweise lasse ich sie auch in Ruhe, die Sucht, lasse die Gedanken und Gefühle ziehen. Dennoch wollte ich sie hier einmal teilen, da mir da doch manchmal angst und bange wird.

  • Dafür bist du doch hier.
    Deine Gedanken, deine Befürchtungen hier zu teilen, ist ja Selbstfürsorge. Ich empfinde das jedenfalls bei mir so.

    Beim Aufschreiben sortieren sich schon mal ein paar Gedanken. Vieles wird klarer.
    Wenn ich hier schreibe, habe ich das gute Gefühl, dass ich mich nicht erklären muss. Ich werde verstanden, ich werde nicht bewertet.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • 1, 4, 25

    1 Jahr, 4 Monate und 25 Tage bin ich nun abstinent.

    - es wird immer mehr normal für mich.

    - Suchtdruck war immer mal da, aber hat in der Intensität mit der Zeit sehr abgenommen. Er kommt dennoch in verlässlichen Schüben, alle paar Wochen. Wenn ich längere Zeit keinen Suchtdruck habe, dann kommt es mir fast komisch vor.

    - Die Vorstellung "nie wieder" gelingt mir manchmal. Es kommt aber auch vor, das ich mir das nicht vorstellen kann. Es gibt in mir den kleinen Rest Funken, der trinken will. Das ist die Erkrankung, die dann anklopft.

    - ich hoffe, das es mit der Zeit immer mehr auf "der Waage" hin zur Absitenz geht, damit ich für mich trocken sein kann und nicht nur für Andere. Denn dies ist für mich noch wichtig.

  • Denn ich habe Angst, das so ein Gedanke der erste Schritt zum Rückfall sein kann.

    Das sind Gedankenspiele, die Dir Deine Suchtstimme einreden will.

    Zum Beispiel hatte ich kurz das Gefühl, dass ich irgendwann wieder mal trinken werde, das es, garnicht anders geht, das ich nur eine Begründung brauche... Oder so.

    Es war ein kurzes Gefühl, Maeron.

    Halte Dich an der Realität fest. Das, was ist. Du bist abstinent. Und Dir geht es gut.

    Und was würde es ändern, wenn Du wieder trinken würdest?

    - ich hoffe, das es mit der Zeit immer mehr auf "der Waage" hin zur Absitenz geht, damit ich für mich trocken sein kann und nicht nur für Andere. Denn dies ist für mich noch wichtig.

    Das stimmt mich nachdenklich. Wenn Du nur für andere und nicht für Dich selbst abstinent bist, gleicht es einem Kampf. Mit geballter Faust in der Tasche abstinent.

    Spürst Du für Dich nicht die positiven Veränderungen, wie gut es Dir ohne Alkohol geht? Kannst Du dieses Gefühl nicht genießen?

    1 Jahr, 4 Monate und 25 Tage bin ich nun abstinent.

    - es wird immer mehr normal für mich.

    Normal. Aber scheinbar schwer erkämpft, jeder einzelne Tag.

    Die innerliche Kapitulation vor dem Alkohol, so wie bei mir, ist bei Dir scheinbar nicht, oder noch nicht angekommen.

    Warum hält Dich da immer noch etwas zurück, Dir einzugestehen, dass Du mit Alkohol nicht umgehen kannst und das nie wieder so sein wird?

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Spürst Du für Dich nicht die positiven Veränderungen, wie gut es Dir ohne Alkohol geht? Kannst Du dieses Gefühl nicht genießen?

    Hm . Teilweise schon. Teilweise nicht. Durch die Abstinenz klafft noch eine Lücke. Ich habe noch keine Freunde gefunden, die ich regelmäßig treffe, ohne Alkohol. Mit denen ich Spaß erleben kann.

    Durch den Alkohol konnte ich meine Gefühle verdrängen. Jetzt bin ich fühlbar noch empfindsamer. Hatte auch schon Panikattacken. Kannte ich vorher nicht. Hat was mit meiner Angststörung zu tun. Ohne Alkohol ist das jetzt irgendwie anders. Ich weiß, mit Alkohol ist es noch schlimmer, auf Dauer nehmen Ängste zu und ich würde nie lernen, damit zu leben. Außerdem würde ich am Alkohol verrecken. Ich meine damit nur, dass ich eben nicht nur positive Erfahrungen habe, jetzt ohne Alkohol.

    Positiv ist mein regelmäßiges Meditieren und ich fühle mich wohl, nichts trinke zu müssen und weiß, dass dadurch nicht wieder etwas schlimmes passieren kann.

    Ich denke, hätte ich keine Angststörung, dann Könnte ich die Abstinenz mehr genießen. In guten Phasen ist es auch gut. Aber gerade ist es auch oft nicht gut.

  • Warum hält Dich da immer noch etwas zurück, Dir einzugestehen, dass Du mit Alkohol nicht umgehen kannst und das nie wieder so sein wird?

    Ich fühle mich oft sehr ängstlich aufgrund geringem positiven Selbstwertgefühl. Mit Alkohol konnte ich der sein, der ich will. Anfangs. Später war ich durch den Alkohol ein schrecklicher Mensch. Doch trotzdem verliere ich mit der Abstinenz gleichzeitig ein Stück Identität. So fühlt es sich an. :/

  • Ich weiß, mit Alkohol ist es noch schlimmer, auf Dauer nehmen Ängste zu und ich würde nie lernen, damit zu leben.

    Mit Alkohol hatte ich mehr Ängste und viele, viele Panikattacken.

    Ohne Alkohol bin ich auf mich selbst zurückgefallen. So, wie ich wirklich bin.

    Niemand ist ohne Ängste. Jeder geht damit anders um.

    Ich habe gelernt, dass ich vieles ausblenden kann. Und dass ich nicht alles kontrollieren kann.

    Seit ich verinnerlicht habe, dass ich stark bin, auch wenn es mir mal nicht so gut geht, bin ich mir gegenüber verständnisvoller.

    Niemand ist perfekt.

    Doch trotzdem verliere ich mit der Abstinenz gleichzeitig ein Stück Identität. So fühlt es sich an. :/

    Du hast nicht ein Stück Deiner Identität verloren, sondern etwas, dass Dir der Alkohol vorgaukelt hat. Das warst nicht Du. Das war der fremdgesteuerte Maeron.

    Schau, was Du schon alles geschafft hast. Darauf kannst Du stolz sein.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Maeron

    Geh deinen Weg weiter.

    Wenn ich so zurück blicke, hat sich mein Selbstwertgefühl, fast unmerklich in kleinen Schritten sehr verändert. Zum positiven.

    Mein Umgang mit Angst hat sich ebenfalls geändert. Das hat bei mir Jahre gedauert.

    Angst ist überlebenswichtig. Und manches mal unnötig, bzw beim genauen hinschauen unbegründet.

    Nützlich wenn man in einer gefährlichen Situation ist, unnütz wenn ich Angst habe vor etwas,das evtl kommen könnte.

    So geh ich meistens mit zukunftängsten um.

    Das normale Leben ist ein auf und ab.

    Und gerade bei ab,bietet sich immer wieder das suchtgedächtnis an.klar,hab ich ja auch jahrelang trainiert.

    Es wird weniger im Lauf der Jahre, viel weniger.

    So,jetzt mal auch meinen Glückwunsch an dich für 1 Jahr und 4 Monate :thumbup:

    Bleib dran,du hast den Rest des Lebens Zeit.

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Doch trotzdem verliere ich mit der Abstinenz gleichzeitig ein Stück Identität. So fühlt es sich an.

    ja, das dachte ich auch. bis ich gemerkt habe, dass ich nicht meine identität verloren habe, sondern den alkohol, der mir eine identität vorgegaukelt hat ( lässig, locker, witzig, unbesiegbar). aber das war nicht ich. und natürlich hätte ich mit alkohol so weitermachen können - bis zum exitus. aber jeder alkoholiker -da bin ich mir total sicher- weiß insgeheim, dass es nicht richtig ist, wenn er sich die welt und sich selbst schön säuft. der wunsch eine eigene identität zu haben, ist ganz tief drin in einem. und zwar eine ohne die krücke alkohol.

    angstsörungen sind schrecklich. sind das so panikattacken? das hatte ich auch. das war so schlimm! die vorredner haben ja recht, dass ängste zum leben gehören, aber definitiv nicht angsstörungen! ich habe das weggebracht über verhaltenstherapie und ganz banal - atemübungen. das hat nicht einmal lang gedauert und die attacken kamen nie mehr zurück - bis ich dann zu exzessiv getrunken hatte, da kam gelegentlich das grauen wieder. ein grund mehr, alkohol sein zu lassen.

    vielleicht ist es ja so: du hast die angsstörungen nicht, weil du nicht mehr trinkst. du hast vielleicht deine ängste nicht so gemerkt, weil du sie weggesoffen hast. und jetzt bist du ganz pur und da treten sie umso offener zu tage. das geht aber wieder weg, wenn du es behandelst. alles gute!

    Abstinent seit dem 22.9.2023

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