Maeron - Von der Krankheitseinsicht & meiner täglichen Abstinenz

  • Mich macht es fast ein bißchen euphorisch. Ich fühle mich unbesiegbar. Obwohl genau das dass Gefährliche ist. Vllt ist es jetzt auch so, weil mein Körper gestern Alkohol bekommen hat. Das wäre natürlich scheiße.


    Also: ich suche mir wieder Sport. Ich beschäftige mich wieder mit Abstinenz Literatur. Ich gehe zur Gruppe. Ich bin hier.

  • Meine Frau hat mir auf meine Schilderu g bislang nicht geantwortet.

    Vllt gibt's hier auch die Sicht von Angehörigen. War es falsch es ihr zu berichten?

    Als mein Ex-Freund nach der ersten Therapie rückfällig geworden ist, hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich war in den tiefsten Tiefen erschüttert. Und zwar, weil er beste Prognosen hatte und glücklich schien und ich nicht im Ansatz kommen sehen hat, dass er alles nochmal aufs Spiel setzt. Allerdings hat er auch nicht direkt wieder aufgehört …

    Er hat vorher gesprochen wie Du schreibst:

    Ich will nicht alles aufs Spiel setzten.

    Mir geht es ohne Alkohol gut.

    Und was hat mir am meisten zu denken gegeben?

    Dass er vorher niemanden um Hilfe gebeten hat und ebenso wie du nicht gestoppt werden wollte! Dass er seinen Werkzeugkoffer nicht genutzt hat. Keinen Therapeuten um Hilfe gebeten, mich nicht um Hilfe gebeten hat. Weil er - das hat er hinterher gesagt, nochmal trinken wollte! Trotz allem. Weil nicht trinken für ihn irgendwie auch Verzicht bedeutet hat.


    Dass Du Dich zukünftig besser aufstellen willst, ist ein wichtiges Zeichen für sie aus meiner Sicht. Aber am Ende zählen Taten mehr als Worte. Ich wünsche Dir und ihr von Herzen viel Kraft und hoffe, dass ihr Vertrauen nicht so sehr erschüttert ist. Mein Ex hat - wie gesagt nicht sofort wieder auf die Bremse getreten … toll dass du dich sofort hier gemeldet hast.

  • Ich will nicht mehr trinken.

    Vielleicht sollte mal es mit einer anderen Denkweise angehen? Ich kann nicht mehr trinken, im Sinne von, ich kann nicht mehr damit umgehen.

    Der Wille war noch nie auf längere Zeit hilfreich, nichts trinken zu wollen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Maeron,

    Ich beschäftige mich wieder mit Abstinenz Literatur. Ich gehe zur Gruppe. Ich bin hier.

    Ich habe viel über die Alkoholsucht gesehen, gehört und gelesen. Irgendwann wusste ich einiges, aber die Umsetzung davon musste in meinen Kopf rein.
    Durch die viele Beschäftigung mit dem Thema und die Auseinandersetzung mit mir selbst konnte ich spüren, wie die Abstinenz stabiler und die Suchtstimme leiser wurde. Wenn auch nicht in der dagewesenen Intensität, aber es wird mich mein ganzes Leben begleiten, es ist Teil meines Lebens geworden. Meine Teilnahme an diesem Forum ist ein wichtiger Baustein dazu.

    Es ist wie mit einem schönen Rasen. Wenn ich ihn pflege und regelmässig mähe, dann gedeiht er. Aber wehe ich kümmere mich nicht mehr um ihn, dann hat das Unkraut bald leichtes Spiel.

    Ich wünsche dir, dass du nur mit einem blauen Auge davon kommst. Auf jedenfall bist du um eine wertvolle Erfahrung reicher, die aber auch ihren Preis hat.

    Achte auf dich und nimm dir Zeit für DICH.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Mich macht es fast ein bißchen euphorisch. Ich fühle mich unbesiegbar.

    Wie meinst Du das? 🤔Was macht Dich an dieser Situation euphorisch? Und unbesiegbar? Dass Du einen Rückfall hattest und nach einem Abend wieder aufgehört hast? Also ich persönlich wäre am Boden zerstört und würde mich alles andere als unbesiegbar fühlen - schließlich hatte ich einen Rückfall und würde wieder von vorne anfangen..

    Für mich passt das absolut nicht zusammen - Rückfall und Euphorie/Unbesiegbarkeit


    Oder ist da im Hinterkopf bei Dir der Gedanke „Super - hat ja jetzt ein Mal geklappt, dann wird das ja zukünftig vielleicht doch was mit „kontrolliertem Trinken“?

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Hallo,

    Ich weiß ich bin von der anderen Seite, aber wenn mein Partner nach einiger Zeit, also auch nach Monaten etwas getrunken hat, dann fühlte er sich oft am nächsten Tag gut! Das kommt denke ich daher dass Alkohol ja dafür sorgt dass vermeintlich Stress abgebaut wird, man kann es "laufen" lassen, er fühlte sich danach oft gelöster, befreiter, usw..

    Pass auf dich auf!

  • Hallo Maeron ,

    nun komme ich auch mal zu dir ins TB

    Mich macht es fast ein bißchen euphorisch. Ich fühle mich unbesiegbar

    Das ist interessant, dass du dich einen Tag später, nach deinem Rückfall, so fühlst. Fühlst du dich deswegen so, weil es NUR 2 Biere waren und du aufhören konntest und keinen Komplettabsturz hattest ? Wenn dem so ist, wäre das brandgefährlich …

    Ich tue mich ja sehr schwer damit, das Gedankengut zuzulassen, dass ein Rückfall zur Sucht dazugehört. So ist er aus meiner Sicht schon vorprogrammiert und bei dir kam ja die klassische HALT (Hungry, angry, lonely, tired) Regel zu deinem Rückfall dazu.
    Du hast dich einsam gefühlt und warst überfordert/ gestresst.

    Wenn mein Sucht Gedächtnis losgeht, trifft IMMER eins der 4 Dinge aus der HALT Regel zu und hier kann ich , wenn ich das weiß und es trainiert habe, gegensteuern. .
    Oder am besten im Großen und Ganzen dafür zu sorgen, dass diese Bedürfnisse gar nicht erst im Mangel sind - das ist aus meiner Sicht ein elementarer Baustein der „Trockenarbeit“.

    Ich wünsche dir, dass du jetzt den Absprung schaffst , lieben Gruß Martha

    Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten ...

    Trocken seit 2010

  • Also ich bin weit weg von dem Gedanken des kontrollierten Trinkens.

    Auch weiß ich das ich nicht mehr trinken KANN. + das ich nicht mehr WILL.

    NEIN, ich fühle mich nicht so wegen der Tatsache, das ich keinen Komplettabsturz hatte.

    Grundsätzlich ist da auch irgendwo ein Klos im Hals. Aber halt auch dieses leichte, losgelöste Gefühl. Ich denke es ist so wie Alexa schrieb.

    Ich könnte kotzen, dass es mir passiert ist. Es sind mehrere Gefühle.


    Die HALT Regel kenne ich überhaupt nicht, danke! Werde ich mal zu recherchieren und es mir merken, klingt jedenfalls nützlich.

  • Die HALT Regel kenne ich überhaupt nicht, danke! Werde ich mal zu recherchieren und es mir merken, klingt jedenfalls nützlich.

    Auf der einen Seite überrascht mich das jetzt nach fast 2 Jahren, die du hier im Forum bist, auf der anderen Seite auch wieder nicht.
    Fällt es dir auf ?

    HALT (Hungry, angry, lonely, tired)

    Die HALT Regel beschreibt Gefühlszustände, die es unbedingt zu vermeiden gilt, da sie Suchtdruck auslösen oder verstärken können. Sie ist nicht nur nützlich, sie ist elementar.
    Zu "Hungry" gehört auch "thirsty". Ich habe immer eine kleine Wasserflasche bei mir, wenn ich unterwegs bin.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich lass dir die HALT Regel mal hier. Ich finde sie einfach so simple und hilfreich

    H ungry

    A ngry

    L onely

    T ired

    Weiß gar nicht , warum sie dir/ euch in deiner ambulanten Therapie nicht mit auf den Weg gegeben wurde …

    Könntest du dir auch an den Kühlschrank kleben , zum Verinnerlichen 😊

    Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten ...

    Trocken seit 2010

  • Auf der einen Seite überrascht mich das jetzt nach fast 2 Jahren, die du hier im Forum bist, auf der anderen Seite auch wieder nicht.
    Fällt es dir auf ?

    Ich lese hier ab und zu, doch konstant einen Buch zu folgen habe ich irgendwie nicht hinbekommen. Ich hatte irgendwann ganz viele Abonniert und dann den Überblick verloren bzw. Zusammenhänge vergessen usw.

    Ich habe mich intensiv mit meiner Erkrankung auseinandr gesetzt. Viele Bücher gelesen, die Reha gemacht, auch zu AA Treffen gegangeb usw

    Nur weil ich eine Sache hier nicht kenne, heißt das nicht, dass ich mich nicht genug auseinander gesetzt habe. Also, brauchst du dich bitte nicht wundern.

    Mein Skill Koffer (den ich jetzt noch optimiere), Rückfallpräventionsseminar... usw.

  • Also, brauchst du dich bitte nicht wundern.

    Es ist mir einfach aufgefallen, da mir die HALT Regel hier schon oft über den Weg gelaufen ist.

    Ich hatte irgendwann ganz viele Abonniert und dann den Überblick verloren bzw. Zusammenhänge vergessen usw.

    Ja das kenne ich auch. Ich habe dann angefangen die Anzahl der Themen zu begrenzen und mich hauptsächlich auf den Alkoholikerbereich konzentriert und die Abonnements öfter mal reduziert.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich habe jetzt gelesen, dass du nicht mehr trinken darfst und nicht mehr willst.

    Bei mir war es so, dass ich auch eine lange Zeit nicht mehr trinken wollte. Trotzdem wollte ich gerne trinken. Klingt widersprüchlich?

    Ich habe mich 2010 hier angemeldet, weil ich verzweifelt war. Ich wollte dieses Leben nicht mehr. Ich wollte nicht mehr trinken, weil ich kein Ende finden konnte. Im Grunde wollte ich aber doch noch trinken. Aber eben normal. Es hat weitere 10 Jahre gedauert, bis aus "ich will nicht mehr, ich darf nicht mehr" ein "ich will nicht mehr, ich muss nicht mehr" wurde.

    Meine Erfahrung ist, solange die letzte Hintertür nicht zu ist, wird es ein Kampf bleiben.

    Dein Rückfall hat sich bereits vorher angekündigt. Du hast die Warnzeichen ignoriert und der Rückfall kam.

    Wichtig ist vor allem, was lernst du jetzt für dich da raus?

    Was deine Frau angeht, so wäre ich persönlich für absolute Ehrlichkeit. Lügen empfinde ich als absolust nasses Verhalten und genau das möchtest du ja nicht mehr leben.

    Und noch etwas zu deinem Gedankengang: als ich noch die Gedanken im Kopf hatte, vielleicht kann ich ja doch irgendwann mal wieder was trinken, konnte ich schon zählen, wann der Rückfall kam. Das hat bei mir nie lange gedauert. Damit habe ich die Hintertür nämlich bereits wieder weit geöffnet und den Alkohol willkommen geheissen.

  • Huhu, Maeron,

    Ich versuche es einfach nochmal


    Du schreibst, du willst es jetzt wieder neu versuchen.
    Das klingt positiv und ist auch ehrenwert, aber mir fällt dann immer dieses Wörtchen „versuchen“ auf.
    Bei Leuten, die mich gut kennen, sage ich dann gerne schon mal: „nicht nur versuchen, auch machen!“

    Du kennst ja diese guten Vorsätze zu Silvester. Warum wird so oft nichts aus denen?
    Weil es eben oft bei dem Versuch bleibt. Das sind vielleicht rationale Einsichten, nach dem Motto, ich müsste mal mehr Sport machen, ich müsste mal mehr abnehmen, so Sachen eben.
    Die meisten Jahresverträge der Fitnessstudios werden im Januar abgeschlossen……

    Wenn es bei dir nicht nur bei einem guten Vorsatz und bei einem Versuch bleiben soll, sondern wenn daraus wirklich ein trockenes, zukünftiges Leben resultieren soll, dann überlege dir deine nächsten Schritte und prüfe dich noch mal ganz genau.
    Ein starker Wille ist gut, aber wie Hartmut schon schrieb, der Wille allein bringt es nicht. Die Sucht kann stärker sein als der stärkste Wille. So ist eben ihr Charakter.

    Wenn du aus vollem Herzen sagen kannst: „ich werde nicht mehr trinken“, dann hast du für dich eine Entscheidung getroffen. Auf der kannst du dann aufbauen.

    LG viola

    Wer bei sich bleibt, der ist schon weit gekommen.

  • Wenn du aus vollem Herzen sagen kannst: „ich werde nicht mehr trinken“

    Das habe ich noch nie zu mir gesagt, weil ich es weder wissen, noch garantieren kann. Ich kann nur versprechen, mich intensiv darum zu bemühen, wobei Viola dann wieder beim Versuch landet. Und wer es erst gar nicht versucht, der wird weiter trinken. Daher hinkt der Versuchsvergleich, zumindest für mich.


    Mir persönlich hat die 1-Tagesregel in der Anfangszeit sehr geholfen: "Heute trinke ich nicht!". Das habe ich mir morgens nach dem Wachwerden innerlich geschworen.


    Worin liegt der Unterschied? Im Zeitfenster. Der eine Tag ist gut überschaubar, das "nie mehr" erscheint endlos lang und wenig greifbar. So erging es mir damals.

  • Das habe ich noch nie zu mir gesagt, weil ich es weder wissen, noch garantieren kann. Ich kann nur versprechen, mich intensiv darum zu bemühen, wobei Viola dann wieder beim Versuch landet. Und wer es erst gar nicht versucht, der wird weiter trinken. Daher hinkt der Versuchsvergleich

    Hallo Carl Friedrich,

    ich schätze deine Beiträge sehr. Aber auf diesen Beitrag von dir habe ich sehr lange herumgekaut.

    Für mich klingt das zu sehr nach einer „Hintertür offen lassen“, zu sehr nach noch „verhandeln“ oder mich auf ein „vielleicht “ einzulassen.

    Für mich ist es ganz wichtig , mit voller Überzeugung davon auszugehen, dass ich nie wieder trinken werde. Nicht aus Arroganz oder Selbstüberschätzung, sondern weil ich weiß, dass jeglicher Zweifel, meiner Suchtstimme Raum geben würde.

    Für mich bleibt da, wenn ich nicht davon überzeugt bin, nie wieder zu trinken ein Funken Restzweifel bestehen. Und dieser Funken kann entfachen und das will ich auf jeden Fall vermeiden .

    Natürlich kann ich nie zu 100 Prozent wissen, was die Zukunft bringt. Aber ich werd nicht an meiner Abstinenz zweifeln, um meiner Suchtstimme keinerlei Raum zu geben.

    Wenn meine Suchtstimme unverhofft auftaucht, will ich ihr mit voller Überzeugung zubrüllen: „Nein! Niemals! Verschwinde!“ und nicht: „Ich kann für nichts garantieren“.


    Ich bin da ganz bei Viola, wenn sie sagt:

    Wenn du aus vollem Herzen sagen kannst: „ich werde nicht mehr trinken“, dann hast du für dich eine Entscheidung getroffen. Auf der kannst du dann aufbauen.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Für mich klingt das zu sehr nach einer „Hintertür offen lassen“, zu sehr nach noch „verhandeln“ oder mich auf ein „vielleicht “ einzulassen.

    Ich lasse für mich nichts offen und ich relativiere auch nichts. So ist halt meine Sicht der Dinge, wenn Du meinst, mit dem Vorschlag von Viola für Dich besser klar zu kommen, dann mach es genau so.

    Wir sind alle unterschiedlich, daher gibt es auch differenzierte Einschätzungen. Letztlich entscheident ist das Ergebnis, das am Ende herauskommt und das sollte stabile Abstinenz lauten.


    Und genau dafür wünsche ich alles Gute.

  • Und wer es erst gar nicht versucht, der wird weiter trinken.

    Ja klar, das ist aber versuchen im Sinne von beginnen. Einen Startpunkt setzen.
    Ohne das geht es natürlich nicht!

    Ich habe hier am Anfang auch diese 24 Stunden Regel kennen gelernt, und sofort gemerkt, damit komme ich nicht klar.
    Ich würde sofort an die Stunde 25 denken, und ich müsste mich jeden Tag neu committen, das fand ich irgendwie unpraktisch.

    Maeron, was denkst du denn dazu?
    Und vor allen Dingen, wie geht es dir heute? Wie hast du den gestrigen Tag verbracht, du hast dich seit Montag hier nicht mehr gemeldet. Ist alles soweit okay bei dir? Und wie geht es jetzt weiter für dich?

    LG viola

    Wer bei sich bleibt, der ist schon weit gekommen.

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