Sonnenschein CoA - Ich will MEIN Leben zurück

  • Liebe Sonnenschein,

    du hast schon so viel durchgemacht, du warst und bist unglaublich stark. Schritt für Schritt vorwärtsgehen und den Kopf über Wasser halten ist doch gut nach allem was ihr durchgemacht habt. Mehr kannst du doch nicht von dir verlangen. Ein langer Prozess, alles kommt zu seiner Zeit. Du durchlebst gerade so viele Gefühle, so vieles will verarbeitet werden, wie könnte man da keine Federn lassen. Und ja, sowas verändert einen und macht was mit einem.

    Auch die Trauer ist ein Prozess und braucht ihren Raum, Wut gehört übrigens auch zu den Trauerphasen. Du darfst wütend sein, solange du es brauchst. Ob du dann letztendlich vergeben möchtest, wird sich zeigen. Aber gib dir und deinen Gefühlen Zeit um alles zu verarbeiten.

    Es werden sich neue Wege ergeben, da bin ich mir sicher. Ich wünsche es euch von Herzen! Wege die wieder etwas mehr Glück und Zufriedenheit bringen.

  • Hallo,

    ich habe etwas in meinem Faden gelesen. Ich muss das Stück für Stück machen, weil es mich sehr aufwühlt. Einiges hatte ich so nicht mehr auf dem Schirm. Verdrängt oder vergessen? Andere Situationen kann ich so krass nachfühlen, als wär ich wieder dort, in genau diese Situation. Verrückt!

    Vor einem Jahr war ich mir der Trennung so sicher und genau heute ist mein Scheidungsantrag bei Gericht eingegangen. Am Dienstag haben wir unseren 22. Hochzeitstag. Schon irgendwie makaber und traurig.

    Mein eigentliches Anliegen für diese Zeilen: Ich wollte einmal Danke sagen, an alle, die mich in der schweren Anfangszeit bis hier her so unterstützt haben, für die lieben Worte und die Arschtritte.

    Danke Stern, danke Aurora, danke Elly, danke Wichtelmama, danke API, danke Jump, danke Koda, danke Ino, danke Rennschnecke und natürlich noch ganz viele andere.

    LG ☀️

  • Und danke Sonnenschein, dass du deinen Weg hier teilst. Damit zeigst du anderen Mitbetroffenen dass es machbar ist, dass es aber auch wehtut, dass es oft gemein ist. Dass es trotzdem befreit und ganz oft die einzige Lösung in Suchtbeziehungen ist.

    Liebe Grüße

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Sonnenschein, ich erinnere mich noch gut an dein ankommen hier. Du hast dich aus einer schrecklichen Situation befreien können, dich und deine Kinder.

    Aber es bedeutete auch dich aus einer Ehe zu lösen, die dir viel bedeutet hat. Das tut weh und der Schmerz um verlorenes lässt sich nicht einfach abkürzen. Aber es wird leichter weil du die Bedingungen dafür schaffst. Dass das ein Kraftakt ist... man spürt es in jeder Zeile die du mit uns teilst. Danke daß du uns daran teilhaben lässt.

    Sei umarmt. Koda

  • Danke, das gibt Kraft.

    Ich habe mir über die Osterfeiertage Ruhe verordnet. Ich habe letzte Nacht seit ewig mal wieder lange und gut geschlafen. Ich fühle mich emotional gefestigter. Schlafmangel ist ätzend für die Psyche.

    Ich möchte etwas teilen, was mich seit dem letzten Wochenende bewegt.

    Ich war auf diesem besagten Seminar vor 2 Wochen und habe mich mit meinen Schuldgefühlen auseinandergesetzt. In diesem Zusammenhang wurde näher beleuchtet, wie Schuldgefühle entstehen. Und es war nicht überraschend, dass meine Kindheit, Erziehung und Prägung einen großen Einfluss darauf hat. Die Alkoholabhängigkeit meines Vaters habe ich als Kind und Teenager bis zur Trennung meiner Eltern erlebt. Seither war der Kontakt zu meinem Vater kaum vorhanden oder sehr schlecht. Ich habe mich von ihm nicht geliebt und unerwünscht gefühlt seither.

    Ich hatte letzte Woche Geburtstag und mein Vater wollte mich mit einem Besuch überraschen. Wir wohnen über 800 km auseinander und haben uns zuletzt vor fast 2 Jahren gesehen. Er war nur 2,5 Tage da und es hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

    Ich war mir die letzten Jahre nicht sicher, ob ich seine Alkoholproblematik neu bewerten muss. Als Teenager war ich mir sicher, dass er Alkoholiker ist. Aufgrund der Entfernung, der seltenen Treffen und der Tatsache, dass er dann auch oft nur alkoholfreies Bier getrunken hat, hat mich an meiner Wahrnehmung zweifeln lassen.

    Wie war es jetzt? Jetzt, nachdem ich meine Co-Rolle bei meinem Mann erkannt und aufgearbeitet habe? Jetzt, wo ich die Brille abgenommen habe und klar sehen kann? Jetzt sind die Tatsachen bei mir klar aufgeschlagen.

    Da war mein Vater, der äußerlich gesund aussieht, abgesehen von dem massiven Bierbauch. Seine Frau erzählte mir, dass er aktuell kein Bier trinkt, das sein Arzt ihm vor einigen Wochen von seinen schlechten Leberwerten berichtet hat und er strickt auf Alkohol bis zum nächsten Kontrolltermin verzichten soll. Was sah ich in den 2,5 Tag noch? Meinen Vater, der sich ärgert, weil sein Arzt sich noch im Urlaub befindet und somit seine aufdiktierte Abstinenz um eine weitere Woche verlängert wurde. Am 2. Tag seines Besuchs hat er sich im Restaurant ein Bier bestellt und ansonsten wurde Gott und die Welt in Bewegung gesetzt, um sein Tonic zu besorgen, dass er gerade so dringend braucht.

    Seine Darmprobleme, wegen denen schon der eine oder andere Urlaub und einige Treffen abgesagt wurden, haben natürlich nichts mit seinem Konsum zutun. Seine Frau wurde nicht müde, dass mehrfach ausgiebig zu betonen. Sie selbst Tochter eines Alkoholikers und Ex-Frau eines Alkoholikers, beide inzwischen verstorben, lebt in ihrer Co-Rolle so richtig auf. Es hat mich fast zerrissen, diese Konstellation mit anzusehen.

    Seither führe ich einen Monolog in mir drin. Ich denke darüber nach, alles ungesagte meinem Vater zu schreiben. Ich würde ihm gerne so viel sagen und erklären, aber ich hatte nie die Möglichkeit dazu. Meine Wahrnehmungen und Gefühle in der Kindheit, dann später als wir auseinandrifteten und jetzt, was ich sehe und fühle.

    Meint ihr es wäre eine gute Idee? Oder ist es sinnlos? Ich habe schon kaum Kontakt zu ihm und ich habe Sorge, dass er sich dann ganz abwendet, wenn ich ihn konfrontiere.

    LG ☀️

  • Liebe Sonnenschein.

    Also, ich kann dich, aus eigener Erfahrung, ermuntern, deinem Vater einen Brief zu schreiben- ihn jedoch nicht abzusenden.
    Erstmal sich hinzusetzen und das Schreiben zu beginnen, handschriftlich, wird schon seine Wirkung haben.

    Ich habe es 2024 praktiziert, ich habe meinem hochbetagten Vater geschrieben, im Kopfkino war da soooviel, als ich’s zu Papier brachte, war ich überrascht, wie wenig es mengenmäßig auf dem Papier war u innerlich, in mir und ihm, hat es gewirkt, da sich die Lage zwischen uns deutlich entspannt hat.

    Also, egal ob du es absendest oder nicht, es wird Wirkung haben.

    Vielleicht bzw sehr wichtig noch in Betracht zu ziehen, was ist deine Motivation, ihm zu schreiben? Und da dir eine ehrliche Antwort geben.😉

    Erhole dich gut.
    Liebe Grüße Simsalabim

  • Hallo Sonnenschein.

    Ich nehme an Deiner Geschichte teil, auch wenn ich weniger als zu anderen Zeiten hier im Forum bin und mich nicht so einbringe. Ich finde es klasse, was Du alles geschafft hast und wie Du Dich mit Dir und Deinen Themen auseinander setzt.

    Deine Frage, ob es richtig wäre, Deine Gefühle und Wahrnehmungen Deinem Vater mitzuteilen, kann ich nicht beantworten, das kommt aufs eigene Empfinden an.

    Wenn es Dich mehr belasten würde, wenn danach weniger Kontakt ist oder Dein Vater es komplett anders sieht, würde ich es lassen. Wenn seine Reaktion Dir unwichtiger ist, als das Bedürfnis, Deine Gefühle und Gedanken loszuwerden, würde ich es machen.

    Ich bin aktuell in einer vergleichbaren Situation und habe mich noch nicht entschieden. Aber dazu berichte ich in den nächsten Tagen in meinem eigenen Buch…


    Ich verstehe jedenfalls Deinen Zwiespalt sehr gut.

    LG Cadda

  • Nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag und für dein neues Lebensjahr wünsche ich dir, dass sich noch ganz viel für dich und in dir drin gut anfühlt. 💐

    Zum Schreiben, was nicht gesagt werden kann: Was ist deine Motivation und deine Hoffnung dahinter?
    Willst du verstehen oder mitteilen oder fragen? Das wäre so das, was ich mich erstmal fragen würde, wenn ich es in Erwägung zöge, jemanden einen Brief zu schreiben, weil reden nicht geht oder so schwer fällt.

    Hinsetzen, aufschreiben ….alleine das ist ja schon ‚Ballast abwerfen’, sortiert Gedanken (wenn es darum geht).
    Eine Chance auf Antworten hast du aber nur, wenn du den Brief dann auch abschickst. Eine Garantie, dass es dir danach besser geht, gibt es nicht, eine Chance gibt es immer…..

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Die Fragen habe ich mir auch gestellt.

    Was ist meine Motivation? Was erwarte ich mir davon?

    In Erster Linie möchte ich meinem Vater sagen, wie sehr ich ihn liebe. Ich kann mich nicht daran erinnern, das jemals getan zu haben. Ich hab viele schöne Erinnerungen an ihn bevor ich in Pubertät kam und wir uns noch nahe standen. Außerdem möchte ihm sagen, wie mich sein Verhalten in den letzten 30 Jahren immer wieder verletzt hat. Ich möchte ihm keine Vorwürfe machen. Ich wünsche mir nur Liebe und Aufmerksamkeit von ihm.

    Ich hab das Gefühl, dass ich es einfach mal los werden muss. Ich habe keine Erwartungen. Wahrscheinlich würde er den Brief gar nicht lesen, da er Konflikten aus dem Weg geht. Selbst wenn, würde ich höchstwahrscheinlich keine Reaktion erhalten oder er würde mich noch mehr links liegen lassen. Kommunikation ist seine große Schwäche. Und je nach Zustand und Pegel kommt eh nichts an oder wird falsch verstanden.

    Also wohl doch eine Schnapsidee.

  • Keine Schnapsidee.

    Du kannst ihm alles schreiben .

    Das würde ich als erstes tun.


    Was du dann mit dem Schriftstück machst, kannst du dann immer noch entscheiden - in aller Ruhe.


    Eine Person hat mich als ihren Seelenmülleimer benützt als ich so um die 4. 5. Schulklasse war. Ca 30 Jahre später habe ich dieser Person all die Schwere die sie mir erzählt hatte symbolisch per Brief zurück geschickt. Mit meiner Volladresse. Mir waren Zentner von den Schultern. Sie hat sich nie bei mir gemeldet. Die Person. Jedoch meiner Mutter heftigste Vorwürfe gemacht, was ich ihr angetan hätte. Sie wäre DREI Wochen krank gewesen nach dem Lesen des Briefes. Dann habe ich zu meiner Mutter gesagt, da kam sie glimpflich davon, ich habe ihren Sch. über DREISSIG Jahre mit-/getragen.

    Das war für mich ein sehr eindrucksvolles Erlebnis.

    Du wirst es herausfinden, was für dich stimmig und passend ist. Du hast in den letzten Monaten so viel gemeistert.
    Ich drück dir die Daumen, dass du es zur guten Zeit herausfindest 😉🙏👍

    Einmal editiert, zuletzt von Simsalabim (3. April 2026 um 19:53)

  • Danke Simsalabim,

    das werde ich tuen. Ich schreibe einen Brief, um meine Last abzugeben. Was ich dann damit mache, kann ich immer noch entscheiden. Vielleicht kommt irgendwann der richtige Moment ihm den zu geben oder sogar vorzulesen.

    Oder eine Übergabe erübrigt sich und ich kann ihn irgendwann verbrennen.

    Das fühlt sich grad richtig an.

    Danke dir.

    LG ☀️

  • Wenn beim Schreiben die Spontanen Ideen und Beschreibungen fehlen, hab ich einen Tip.
    Wenn du viel Monolog in Kopf durchspielst, immer dann greifst du zum Handy, öffnest die Notizen App und drückst auf Aufnahme. Es wird dann sauber zu Text und du kannst dir alles von der Seele reden. Das machst du bei jedem Gedankengang den du so hast. Irgendwann hast du genug Material zusammen und machst einen Brief daraus. Habe ich früher auch gemacht um meine Gedanken und Vorkommnisse zu dokumentieren. Selbst wenn ich hier etwas kommentiere mache ich das so, sonst tippt man sich ja wund, und im Schreibfluss vergisst man schnell seinen nächsten Gedanken. Das kann beim Reden nicht passieren, hinterher mistest du aus und bringst Struktur rein.

    Wir sind umgeben von Technik und sollten sie angemessen nutzen, da geht mehr als nur WhatsApp und Tiktok mit den Handy. Dafür ist Technik da, sie soll Zeit sparen, nicht rauben.

  • Liebe Sonnenschein CoA

    herzlichen Glückwunsch noch zu Deinem Geburtstag!

    Ich schaue nur noch sehr selten hier in diesem Bereich vorbei, wenn dann aber immer auch bei Dir...

    Du gehst Deinen Weg wirklich stark und ich finde es wie so viele andere auch überhaupt nicht wenig, den Kopf über Wasser zu halten und Schritt für Schritt zu gehen, ganz bestimmt nicht!

    Zu Deinem Brief: Ich habe diesen Winter meinem Vater auch einen Brief geschrieben, den ich aber plötzlich dann doch nicht abgeschickt habe und es vielleicht auch nicht tun werde, wer weiß. Aber das Schreiben ging mir so gut von der Hand und hat vieles in mir so klarer gemacht, das war für mich genau das richtige.

    Liebe Grüße

    Api

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