releaseme - Wie soll es weitergehen?



  • Guten Morgen Releaseme

    Aber das Loslassen des Mannes, der er einmal war ist so schwer.

    Ja, das ist es. Das kenne ich, genau diese Gedanken hatten mich u.a. gebremst zu handeln. Hier kannst du nichts machen, außer zu akzeptieren, dass die Verlustschmerzen dazu gehören.

    letztens ist aus einem Nichts ein Riesenstreit geworden

    das kenne ich auch. Streit aus dem Nichts. Diese Ausbrüche haben meine Tochter verunsichert. Bei mir kam oft die letzten Jahre eine enorme Wut hoch, wenn es soweit war. Und dabei hatte mein noch Ehemann mir Vorwürfe gemacht, dass ich seine Anliegen nicht ernst nehme. Hier lag er tatsächlich richtig. Ich konnte ihn nicht in seiner Streitsucht validieren.

    wenn ich mit den Kindern wirklich gehe, dann kann er sich sofort umbringen, weil er dann niemanden mehr hat in seinem Leben

    Releaseme, sein Versäumnis, soll er sich die Gedanken machen warum er niemanden in seinem Leben hat. Steige aus der Manipulation aus und lass dich nicht beängstigen.

    Er denkt einfach nicht, dass wir wirklich gehen werden- denke ich.

    Es ist möglich. Mein noch Ehemann hat mir das nicht zugetraut. Oder die Konsequenzen waren ihm egal. Oder sogar noch besser - wenn ich weg bin, moniert keiner.

    Liebe Grüße Ino

  • Liebe releaseme

    Schön, nochmal von Dir zu lesen!

    Wie so viele, die Dir schon geantwortet haben, erkenne ich so vieles was Du schreibst wieder! Unser aller Geschichten sind so unterschiedlich, aber in vielem dann doch so gleich... Du bist damit also nicht allein. Und wirst bestimmt bald (?!) Zu denen gehören, die aus ihrem Erfahrungsschatz schreiben können, wie sie es geschafft haben, raus zu kommen.

    Zwei meiner "Erfahrungsschätze" möchte ich Dir noch da lassen:

    - Ich wurde nach so vielen Jahren auch nicht mehr ernst genommen mit meinem Trennungsvorhaben. Und ich habe kaum mehr an mich selbst geglaubt, dass ich das so sehr will dass ich es auch durchziehe. Daher habe ich mir externe Hilfe gesucht (Therapeutin) und sie um ganz konkrete Hilfe / um ein Coaching gebeten, diesen Entschluss durchzuziehen. Sie hat mir Woche für Woche so pragmatische und konkrete Tips gegeben und mit mir einen so konkreten Weg erarbeitet, dass ich es geschafft habe!

    - unser Sohn hat kurz getrauert, ist dann aber aufgeblüht, sobald wir ausgezogen waren. Er hat gespürt, dass ich sein Fels in der Brandung bin, dass ich weiß was ich will und dass ich Verantwortung übernehme. Er hatte im Haus ein riesiges Kinderzimmer mit Hochbett, eine vertraute Umgebung, einen Freund im Nachbarhaus... Jetzt war es eine ganz ganz kleine Wohnung, erst ohne eigenes Zimmer (Mittlerweile haben wir es abgetrennt), eine fremde Nachbarschaft...Aber schon nach wenigen Tagen(!) nannte er es "zuhause". Und das alte Haus "Papas Haus".


    Nur Mut!!!!

    Alles Liebe

    Api

  • Soapstar

    Vielen vielen Dank für deine Antwort! Ich habe ehrlich gehofft, dass sich jemand von der "anderen Seite" meldet, weil ich einfach verstehen möchte, wie man am anderen Ende denkt. Und ich habe es bislang echt noch NIE so gesehen, dass der Job wegen dem Alk so anstrengend ist und nicht anders rum.. So banal, und doch ist man so in der eigenen Denkschleife gefangen. Dass der Job eine Ausrede ist, das wird mir aber nun auch klarer, weil ich mich hingesetzt habe und mit meinem Mann gesprochen habe, dass wir es schaffen, einen anderen Job für ihn zu finden, dass er uns nichts beweisen muss, dass wir finanziell auch ohne Leiterposten über die Runden kommen und dass ich Stunden erhöhen kann.. aber das hat er alles abgeblockt und 1000 Ausreden gefunden , warum das nicht geht.

    Es geht schlicht und einfach nicht, weil er dann keinen Vorwand mehr hat zu trinken..

    Was richtig an mir nagt ist dieser Gedanke, dass er die Familie für den Alkohol opfert.. Das geht einfach nicht in meinen Kopf rein, wie man das machen kann...:-(

  • Ihr habt alle so recht, es treffen soviele Punkte hier auch zu.

    Und das mit der 0 Resilienz ist auch so wahr- so fühlen sich unsere Wochenenden an, angepannt und wie eine tickende Zeitbombe. Unsere Kinder sind gerne mal laut und wie Kinder halt so sind, aber das ist ihm dann immer gleich zu viel und er explodiert oft wie aus dem nichts.. er schmeißt dann die Spielsachen in eine Ecke, weil "überall " Unordnung ist und die Kinder fühlen sich oft nicht mehr wohl, wenn er da ist, er schreit, und die Ausdrücke, die er den Kindern gegenüber benutzt sind einfach schlimm (sowas wie: haltet euer Maul usw.) Das setzt mir so zu und es ist mitunter der Hauptgrund warum ich immer stärker werde und ausbrechen möchte. Weil mir meine Kinder leid tun und weil ich mich oft schon vor den Wochenenden "fürchte", welche Konflikte denn diesmal wieder auftreten werden. Mein Großer zeigt momentan sehr ADHS ähnliche Symptome und ich befürchte, dass er mir damit zeigen will, dass es ihm mit der Situation nicht gut geht. Da sagt mein Mann dann oft zu ihm "du bist so dumm, wie geistesgestört ,du terrorisierts die ganze Familie, deine Schwester ist immer so brav.."- mein Großer ist 7!! Das macht was mit Kindern! Ich lasse das nicht mehr zu. Früher habe ich mit den Kindern mitgeweint, jetzt gehe ich dazwischen und kontere meinem Mann. Aber ich muss noch viel mehr ändern, ich wil meine Kinder schützen.

    Reden bringt nichts, ich sehe einfach keinen Weg mehr. Meine Eltern wollte sich sogar schon an einen Tisch mit ihm setzen und mit ihm reden zwecks seinem Konsum , aber das habe ich verhindert, weil es nichts ändern wird und zu nichts führt.

    Ich treffe mich morgen mit einer sehr guten Freundin, die Rechtsanwältin ist. Ich hoffe, dass sie mir einen Kontak zu einem guten Anwalt für Familienrecht herstellen kann ( sie weiß schon länger, dass bei uns etwas nicht stimmt, aber den Alkohol habe ich bisher immer ausgelassen in meinen Erzählungen..Das ändere ich morgen! Und ehrlich ): sogar ohne dem Alkoholismus wären da genug Trennungsgründe- allein schon, dass er sich null um seine Kinder kümmert, und wie er mit ihnen redet! und auch als Frau würde man sich wünschen, dass der Partner einem irgendwie mal zeigt, dass man geliebt und geschätzt wird... Ich will jetzt vorwärtsgehen.. Schritt für Schritt! Danke euch!!

  • Guten Morgen releaseme,

    da hattest du wohl wieder ein „typisches“ Wochenende. Das tut mir leid.

    Ich möchte dir einige Gedanken da lassen:

    Was richtig an mir nagt ist dieser Gedanke, dass er die Familie für den Alkohol opfert.. Das geht einfach nicht in meinen Kopf rein, wie man das machen kann...:-(

    An diesem Punkt war ich vor vielen Monaten und bin es noch immer. Das ist etwas, was ich einfach nicht verarbeitet bekomme. Ich fühle mich abgelehnt und verlassen, obwohl die Trennung faktisch von mir ausgegangen ist. Er hat mich und die Kinder verlassen für Frau Alk. Unfassbar.

    aber das ist ihm dann immer gleich zu viel und er explodiert oft wie aus dem nichts.. er schmeißt dann die Spielsachen in eine Ecke, weil "überall " Unordnung ist und die Kinder fühlen sich oft nicht mehr wohl, wenn er da ist, er schreit, und die Ausdrücke, die er den Kindern gegenüber benutzt sind einfach schlimm (sowas wie: haltet euer Maul usw.) Das setzt mir so zu und es ist mitunter der Hauptgrund warum ich immer stärker werde und ausbrechen möchte. Weil mir meine Kinder leid tun und weil ich mich oft schon vor den Wochenenden "fürchte", welche Konflikte denn diesmal wieder auftreten werden.

    Immer wenn es bei uns anstrengend wurde, dann kam der Satz: Das ist nicht auszuhalten, da geh ich dann lieber ins Büro. Bumm….. und schon war er verschwunden über viele Stunden und konnte trinken gehen. Zurückgelassen hat er dann Frau und Kinder alleine mit einem Gefühl von Schuld.

    Früher habe ich mit den Kindern mitgeweint, jetzt gehe ich dazwischen und kontere meinem Mann.

    Pass bitte auf dich auf. Mein Mann hat auch schon mit der geballten Faust vor mir gestanden. Aber du hast recht. Du musst die Kinder schützen und ihnen zeigen, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist. Sie verlieren sonst ihr Urvertrauen in dich. Das ist, wie wenn die Mutter zuschaut, wie der Vater schlägt und sich nicht traut etwas zu unternehmen. Mal auf die Spitze getrieben…

    allein schon, dass er sich null um seine Kinder kümmert,

    Das wird sich auch nicht ändern. Meiner ist jetzt seit Wochen weg und hat den Kindern lediglich zum Geburtstag eine WhatsApp geschrieben. Ansonsten hat er den Geldhahn komplett abgedreht ohne Kindesunterhalt zu zahlen. Damit erhofft er sich, dass meine Not so groß wird, dass ich ihn zurück holen muss. Was er seinen Kindern damit antut, darüber denkt er gar nicht nach. Sie haben ja schließlich genug Geld auf ihren Konten.

    Ich hätte nie gedacht, dass er einmal so werden könnte und das er so tief fallen würde und trotzdem sein Ende der Abwärtsspirale noch nicht erreicht hat. Ich bin inzwischen fest davon überzeugt, dass er zu denen gehört, die den Absprung nie schaffen.

  • Ich glaube dieser Satz, dass der Partner die Familie für den Alkohol opfert, ist vermutlich einer der Sätze, der bei uns Angehörigen am meisten nachhallt. Ich verstehe es auch heute noch nicht. Und vielleicht können wir es auch gar nicht verstehen. Auf der anderen Seite denke ich mir immer, ich hänge ja auch noch an meinem Mann und komme innerlich nicht wirklich los, obwohl ich genau weiß, was er mir und uns angetan hat. Das verstehe ich selbst nicht. Vielleicht verstehen die Alkoholiker es auch selbst nicht, warum es so ist.


    Ich finde es aber sehr gut, dass du nun bereit bist, konkrete Schritte zu gehen. Es ist ein langer Weg und ein Weg der von viel persönlichem Wachstum geprägt ist und das sind die schmerzhaftesten Wege.

    Ich möchte dir ein Zitat mit auf den Weg geben, das ich super finde, den Autor habe ich aber gerade nicht parat: sinngemäß "Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn sich etwas ändert, aber wenn sich nichts ändert, kann es nicht besser werden."

  • Ich kann mich nur anschließen, es macht irgendwie gleichzeitig fassungslos, traurig, wütend und es verwirrt, wenn der Partner sich für ein zerstörerisches Lebensstil entscheidet. Von vielen Alkoholikern höre ich hierzu - nimm es nicht persönlich, es ist nicht gegen dich. Ich akzeptiere diese Argumentation schwer, da ich doch glaube, daran kann man arbeiten und es sein lassen. Es gibt Leute hier im Forum, welche es schaffen! Dann ist es doch eine Entscheidung, oder nicht?!
    Diese Gedanken vergiften mich. Deswegen versuche ich seinen Weg zu akzeptieren. Es gibt keine Gewinner, auch wenn ich mobilisiert bin und aussteige. Es wird vermutlich „lediglich“ dadurch der eigene Absturz verhindert, und die womögliche Rettung der Kinder angesteuert. Es ist sehr traurig.

  • Es gibt Leute hier im Forum, welche es schaffen! Dann ist es doch eine Entscheidung, oder nicht?!

    Es ist eine Entscheidung, doch den Punkt zur Entscheidung konnte ich nicht willentlich herbeiführen, er war irgendwann da und ab da konnte ich entscheiden , ab da konnte ich handeln. Das war mein persönlicher Tiefpunkt. Wenn es einen Tiefpunkt gibt, sieht er bei jedem anders aus, manche erreichen ihn nie.

    Es ist für jemanden, der die Sucht nicht selbst erfahren hat wahrscheinlich nicht oder nur sehr schwer zu verstehen.


    Viele Grüße

    Nayouk (trockener Alkoholiker)

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Ino,

    da schließe ich mich Nayouk an. Ich konnte die Entscheidung, trocken werden zu wollen, über zwei Jahrzehnte nicht treffen.

    Ich wusste, dass mein Trinkverhalten komplett aus dem Ruder gelaufen war und ich hatte ständig Probleme wegen der Trinkerei, aber ich konnte mich nicht bewusst dazu entscheiden, aufzuhören.

    Ich musste im Zuge einer Bewährung 6 Urinkontrollen jährlich über zwei Jahre abgeben, da habe ich rasch gemerkt, dass sich die nicht angekündigten Termine trotzdem in schöner Regelmäßigkeit wiederholen, plus minus zwei Wochen vielleicht. Und die Wochenenden dazwischen war ich noch voller als sonst, weil ich die Zwangspause schon eingerechnet hatte.

    Einen Suchtberater musste ich 1x monatlich aufsuchen. Dem hab ich das Blaue vom Himmel gelogen, damit er mir den Besuch bestätigt und mich ansonsten in Ruhe lässt. Man hat mir also eigtl die Hilfen auf dem Silbertablett serviert und ich habe sie mit Vehemenz ausgeschlagen, weil ich lieber trinken wollte.

    Wie du siehst, kann man als Alkoholiker die Entscheidung in den meisten Fällen leider nicht einfach per Knopfdruck fällen.

    LG Soapstar

  • Es ist Wochenende.. nochmal ein wunderschönes Spätsommerwetter, alle könnte so schön sein.. aber es ist so wie jedes Wochenende, mein Mann liegt Samstag wieder um 20 Uhr im Bett, das das Pensum erreicht ist. Heutiges Argument : er hat sool viel heute im Haushalt geleistet. Das stimmt ja wirklich, aber wenn jeder sich die Kante geben würde, weil der Haushalt anstrengend ist, gäbe es nur noch betrunkene Mütter 🤭 sooo lächerlich.. Und es hat ihn heute wieder eine Bekannte angesprochen, ob es ihm gut gehe, weil er so schlecht aussieht.. also es fällt äußerlich auch auf, dass etwas los is.. Aber egal.. Ich denke wirklich, dass das jetzt immer so weitergehen wird - arbeiten, abends trinken, am Wochenende trinken, montags wieder zur Arbeit.. Ich fühle mich emotional ausgehungert..Da ist einfach keine herzliche Geste mehr seinerseits, kein "wie war euer Tag?", er fragt nie unseren Großen wie es in der Schule war, keine Drücker, er lebt sein Leben in seinem Schema und ich funktioniere daneben wie ein Roboter.

    Aber trotzdem finde ich, dass ich diese Woche wieder weitergekommen bin- ich habe mich mit meinen besten Freundinnen getroffen, wir kennen uns ewig, ich hatte Angst, dass sie die ganz normale Frage "Wie geht's?" stellen, weil ich nicht wusste was ich sagen soll, so wie die letzten Male... sie haben die Frage gestellt und ich hab eingeatmet und ihnen ALLES erzählt was bei uns daheim abgeht! Ich habe es endlich geschafft, nicht mehr zu lügen, ihn zu decken, mich zu verstellen! Es ist als wäre ein so so großer Stein von mir abgefallen!! Sie wussten, dass wir Probleme haben, mit einem Suchtthema hätten sie aber nie gerechnet. Am Ende haben wir 3 zusammen geweint, sie haben mir mehrmals gesagt, dass ich nicht alleine bin! Und sie haben mich bestärkt, dass ich eigentlich so ein lebensfroh, lustiger Mensch bin und dass ich es schaffe!

    Ich hatte Angst zuzugeben, dass ich die Frau eines Abhängigen bin. Es gibt mir das Gefühl, dass ich so schwach bin, zu schwach und zu blöd auszusteigen, dumm zu sein weil ich das mitmache, und ja ich schäme mich wirklich dafür, dass ich noch immer da bin mit meinen Kindern usw .. aber diese Gedanken, habe meine Freundinnen in diesem Moment ganz zerschlagen! Sie waren einfach da und sie wissen, dass das eine riesige Entscheidung ist die viele viele heftige Konsequenzen mit sich ziehen wird.. Wir leben noch dazu in einem kleinen Seelendorf, jeder kennt jeden. Ich fühle mich aber jetzt wirklich leichter, ich muss nicht mehr alles alleine tragen!!

    Und ich fahren in den Herbstferien mit den Kindern alleine weg! Ich habe meinen Mann mehrmals gefragt- er will nicht.. aber ich brauche Abstand und ich will die Zeit mit meinen Kindern genießen, jetzt geht es ohne ihn los. Zum ersten Mal nach so vielen Jahren, ohne ihn für eine längere Zeit! Reisen war immer unsere gemeinsame Leidenschaft.. Mittlerweile finde ich, dass ihm gar nichts mehr Freude bereitet... Da kann er sich dann eine ganze Woche lang reinschütten was er will, ohne dass jemand meckert..

    Diese Schritte fühlen sich für mich wie eine erste Befreiung an.

    Im Kopf plane ich auch noch ein Gespräch bevor ich abreise- ich möchte ihm nochmal alles sagen, was ich denke, fühle und von ihm wissen, was seine Ziele fürs restliche Leben sind UND ihn vor die Entscheidung zwischen Alkohol und Familie stellen! Oder wird das sowieso nichts bringen?

    Für mich fühlt es sich so an, als wäre die geplante Reise eine gute Möglichkeit für einen Start in ein neues Leben... Bleibt nur zu hoffen, dass mich der Mut nicht verlässt.

  • Puh mensch ja, da hast Du wirklich viel geschafft diese Woche! Es sind ja 2 riesige Schritte!! Und die lesen sich wirklich so, als sei ein Wendepunkt bei DIR erreichr! Glückwunsch!

    Ob so ein Gespräch noch etwas bringt? Überlege doch mal für Dich, WAS es bringen könnte? Wie könnten mögliche Antworten sein? Wäre eine dabei, die Eure Familie / Eure Situation retten könnte?

    LG

  • Liebe releaseme,

    es hat mich schockiert, dass du dich als Frau eines Abhängigen bezeichnest und dir damit selbst die Verantwortung zu schiebst. Ist ja nicht so, dass ich es nicht kenne, aber es war nochmal so plakativ.

    Probiere es doch mal so, du bist releaseme...

    - Ehefrau

    - Löwenmama

    - aufrichtige Freundin

    - Kämpferin

    - Positivgestalterin...

    ich bin mir sicher, dir fallen noch ganz viele andere Attribute ein ...

  • Liebe releasme, ich lese bei dir immer still mit, es rührt mich was du schreibst und erinnert mich in vielem an mich selbst.

    Vor sehr langer Zeit habe ich mal in einem Frauenprojekt gearbeitet. Wir haben Vorträge zum Thema "Häusliche Gewalt" gehalten, präventiv, also für nicht-betroffene Frauen, Mitarbeiterinnen von Unternehmen. Diese waren natürlich entsetzt und dann empört weshalb die Frauen denn nicht gehen, wenn sie sowas erleben. Kopfschüttelnd haben sie gefragt warum "die" sich das "gefallen lassen"?

    Wir haben dann eine ganz andere Frage gestellt: Ob sie schon mal in einem Job waren, den sie zunehmend nicht mehr mochten, in dem die Arbeitsbelastung viel zu hoch war, sie keine Anerkennung von der Leitung bekommen haben, vielleicht sogar blöde Kommentare, zu wenig Geld verdient, Überstunden, morgens schon das Gefühl hatten ich will da nicht mehr hin, vielleicht sogar schon psychosomatische Beschwerden ...so dass sie immer mehr in ein burn-out geschlittert sind? Da haben die meisten geknickt.

    Dann kam die Frage: und warum sind Sie geblieben? Weshalb haben Sie nicht einfach gekündigt?:

    Ich dachte es wird bestimmt irgendwann wieder besser; jetzt bin ich schon so lange in dieser Firma; woanders ist es vielleicht auch nicht besser; ich dachte es liegt an mir, ich muss mich mehr anstrengen; mir wurde eine Beförderung versprochen; ich habe das Geld gebraucht; ich muss meine Familie versorgen; ich wollte die Kollegen nicht im Stich lassen; in meinem Alter nimmt mich bestimmt keiner mehr; ich habe mich nicht getraut mich woanders zu bewerben; hier kenne ich alles; ich dachte, wenn ich mich mehr anstrenge sieht mein Chef irgendwann, was er an mir hat; ich dachte durch eine Fortbildung wird es besser; dachte ich bilde mir das villeicht nur ein, bin zu empfindich; hatte gehofft es gibt eine Umstrukturierung; so einen sicheren Arbeitsplatz gibt man nicht einfach auf, usw.

    Jetzt hatten sie verstanden, nein, sie konnten nachfühlen weshalb es nicht so einfach ist zu gehen. Sie wurden nachdenklich.

    Du bist nicht blöd! Das selbe Wort habe ich früher auch zu mir gesagt: entweder ich bin zu blöd oder co-abhängig?! Heute sehe ich diese schleichende Dynamik, die immer schlimmer wird, in der keine normalen Gesetze mehr gelten, weil Sucht alles aushebelt; die langsam alle Ressourcen auffrisst und schließlich in einem burn-out endet, was wiederum die Kraft raubt, um noch auszusteigen.

    Deshalb ist es so wichtig dir Unterstützung zu holen, wie bei deinen wunderbaren Freundinnen! Und in Urlaub zu fahren, Abstand zu bekommen! Abstand ist für mich entscheidend. Raus aus dem täglichen Strudel. Den Kopf wieder klar kriegen.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Guten Morgen releaseme,

    das hast du super gemacht. Das sind die ersten Schritte in dein neues Leben.

    Im Kopf plane ich auch noch ein Gespräch bevor ich abreise- ich möchte ihm nochmal alles sagen, was ich denke, fühle und von ihm wissen, was seine Ziele fürs restliche Leben sind UND ihn vor die Entscheidung zwischen Alkohol und Familie stellen! Oder wird das sowieso nichts bringen?

    Stell dir mal folgende Fragen?

    Was erwarte ich mir von diesem Gespräch? Das er einsichtig ist und dann doch weiter trinkt wenn ich weg bin? Das unschöne Dinge gesagt werden, um mich in der Spur zu halten und ich dann mit negativen Gedanken in den Urlaub fahren muss? Ist nicht schon alles 100 Mal gesagt?

    Mmmhhh…..

  • Im Kopf plane ich auch noch ein Gespräch bevor ich abreise- ich möchte ihm nochmal alles sagen, was ich denke, fühle und von ihm wissen, was seine Ziele fürs restliche Leben sind UND ihn vor die Entscheidung zwischen Alkohol und Familie stellen! Oder wird das sowieso nichts bringen?

    An gefühlt 6 937 Stellen im Angehörigenbereich kannst du lesen, daß es nichts bringt. Es ist sinnlos. Er ist süchtig und interessiert sich weder für deine Gefühle, noch deine Gedanken, noch deine Fragen.

    Laß ihn einfach trinken und mach dein Ding.

    Solche "Messer-auf-die-Brust-setzen-Gespräche" können für Frauen echt übel ausgehen, wenn der Alkoholiker kapiert, daß eine Trennung im Raum steht.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe releaseme

    Ich hatte Angst zuzugeben, dass ich die Frau eines Abhängigen bin. Es gibt mir das Gefühl, dass ich so schwach bin, zu schwach und zu blöd auszusteigen, dumm zu sein weil ich das mitmache, und ja ich schäme mich wirklich dafür, dass ich noch immer da bin mit meinen Kindern usw .. aber diese Gedanken, habe meine Freundinnen in diesem Moment ganz zerschlagen! Sie waren einfach da und sie wissen, dass das eine riesige Entscheidung ist die viele viele heftige Konsequenzen mit sich ziehen wird..

    exakt diese Gedanken hab ich jahrelang mit mir rumgeschleppt und möchte Dir Mut mache, sie über Bord zu werfen. Du bist weder schwach noch dumm - Dein Mann, mit dem Du zwei gemeinsame Kinder hast, hat eine Suchterkrankung entwickelt, aus der er derzeit nicht den Ausgang findet. Das hast Du Dir nicht ausgesucht - er sich natürlich auch nich, aber nur er könnte es in den Griff bekommen. Es raubt Dir Kraft - seinen Niedergang mit anzusehen, aber auch auszugleichen, was er an Familienarbeit nicht mehr leistet. Zukunftsfragen für Dich und die Kinder stellen sich. Also bist Du belastet und unter Druck, und in einer solchen Situation kann nicht jede/r eine schnelle Entscheidung treffen. Wenn Du es aber jetzt tatsächlich schaffst, Deinen Weg zu gehen, ist das ein Zeichen von großer Stärke! Ich wünsche es Dir sehr, vor allem nach dem, was Du vom Verhalten Deines Mannes gegenüber den Kindern erzählst.

    Als ich das Gespräch mit meinen Freundinnen gesucht habe, hatte ich übrigens leider weniger Glück als Du. Meine damalige beste Freundin hat dieses Gefühl, ich sei schwach und abhängig und zu dumm, mich zu trennen, noch verstärkt, indem sie mir mehrfach meinte, "den Kopf waschen" zu müssen, wie ich nur bei diesem Mann bleiben kann.. Aber was ich brauchte und wollte, war Mitgefühl und Trost, auch einfühlsamen Rat und nicht zusätzlich klein gemacht zu werden. Eine andere Freundin hat auch immer nur ihr Unverständnis ausgedrückt. Folge war, dass ich mich immer mehr isoliert habe und umso länger brauchte, wieder auf die Beine zu kommen. Schön, dass das bei Dir anders ist! Verbring viel Zeit mit Deinen Freundinnen,in dieser Situation kannst Du jede Unterstützung gebrauchen!

    Deshalb ist diese SHG auch so wertvoll. Ich habe eine Zeitlang auch eine Gruppe persönlich besucht. Siehe da, dort waren Leute wie Du und ich mit ähnlichen Problemen, die weder dumm noch schwach, verrückt oder willenlos erschienen, sondern sich einfach intensiv mit sich, entweder ihrer Sucht oder mit ihrer Co-Abhängigkeit auseinandergesetzt haben. Das war für mich wie eine Befreiung und hat mir geholfen, wieder ganz langsam auf die Beine zu kommen.

    Ich finde toll, dass Du alleine mit den Kindern wegfährst. Genieße die Zeit und Leg sie Dir auf Dein Selbstfürsorge-"Konto"., Bau darauf auf. Die Zeit positiv füllen, Freundschaften aufbauen und pflegen und bei Dir selbst ankommen, das wünsche ich Dir!

    Einmal editiert, zuletzt von EllaDrei (21. September 2025 um 16:44)

  • Hallo releaseme,

    heute Vormittag hast du im SOS -Bereich geschrieben:

    releaseme
    21. September 2025 um 13:32

    Wie geht es dir inzwischen. Konntest du dich etwas beruhigen und den Tag noch einigermaßen in Ruhe verbringen?

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Ein großes Danke an euch alle! Aurora Danke für deine Nachfrage..Dieser Tag war heute mitunter einer meiner Tiefpunkte, wenn nicht sogar der tiefste bislang. Ich habe ums SOS gefragt, weil ich mich so hilflos gefühlt hatte und mein Körper diesmal auch richtig verrückt gespielt hat. Ich wollte mir die Blöße nicht geben und neben ihm weinen, aber jetzt, wo alle schlafen und ich alleine hier sitze ist alles aus mir rausgebrochen. Ich kämpfe seit Monaten, aber nun wird die Kämpferin müde! Wir kommen immer an den selben Punkt. Aber heute hat er es geschafft mich wieder richtig mental zu verwunden.. was er alles gesagt hat, das geht ins Herz... Nach euren ersten Antworten hab ich mich wirklich ins Auto gesetzt und bin mit meinen Kindern zu meine Eltern gefahren, leider waren sie nicht daheim. Dann haben wir den Nachmittag bei einer Freundin verbracht. Die Kinder haben zusammen gespielt und hatten einen schönen Nachmittag. Wir sind heim, aber es gab keinen Wortwechsel mehr zwischen uns, eigentlich nicht mal mehr richtige Blicke. Aber das ist mein Mann! Er bestraft mich jetzt mit Nichtbeachtung, weil er weiß, dass ich eigentlich sehr harmonienbedürftig bin und dass ich meistens nachgebe und alles wieder gut ist. Er lässt mich zurück mit der Aussage, dass es wieder mal wegen mir zum Streit kam, dass ich wieder schuld bin und dass ich mit nichts zufrieden bin, obwohl er ja so ein braver Hausmann ist. Und ja, das tut mir wirklich weh.. Bevor ich gefahren bin hatten wir noch einen Wortwechsel und da meinte er, dass er ja schon so viel verändert hat - er trinkt während der woche nur noch 3 Bier am Tag (die sind meist gelogen und allein duese ausssge ist ja schon krank), er kümmert sich viel mehr um die Kinder (weil er ihnen 2x den Schlafanzug angezogen hat und Zähne putzte) und fährt nicht mehr mit dem Auto wenn er trinkt... Da war ich sprachlos.. auf die frage, ob er sich denn gar nicht denken kann wie es mir geht und dass ich keine Lust auf einen Mann habe, der dauern mit Pegel neben mir sitzt redete er sich um Kopf und Kragen, mal sagte er es is völlig normal, alle trinken, dann sagte er er kann nichts dafür es ist eine Krankheit und dann sagte er etwas, was er noch nie sagte: ich würde ja wollen, dass er immer nur 0,0 hat, nur weil ich ich ja nichts trinke , dass er ein braver lieber hausmann ist, der sich noch fleißig um die Kinder kümmern soll und am besten noch 5000 Euro verdienen soll, damit ich ein schönes Leben habe. Und er wird sowieso NIE null trinken, ihm schmeckt Bier und wenn er Lust auf anderen Alkohol hat wird er sich den kaufen, in Maßen, und dass es sowieso nie wieder so wird, weil ich mich verändert habe, weil er sich verändert hat und weil wir ja jetzt Kinder haben, dann wird es halt irgendwann auseinander gehen, wenn ich so weitermache!

    Das hat heute gesessen.. Das er so von mir denkt, dass war echt heftig und die Art wie er mit mir gesprochen hat. Er war mir so fremd. Ich konnte diesem Moment nichts drauf sagen..Und dass ich halt gehen muss, wenn mir bei ihm nichts mehr passt, das fügte er noch hinzu.

    Und jetzt sitze ich wieder da, die ganze Verantwortung wurde auf mich abgeschoben, ich bin es, die die Trennung herbeiführen soll, ich bin die die alles kaputt macht. So kann er mir den schwarzen Peter für alles zuschieben.

    Ich bin heute richtig fertig. Ich hätte es mir wirklich gewünscht, dass da noch irgendwo ein kleines Stück von meinem Mann ist, irgendwo ein kleiner Funken Liebe, ein bisschen Einsicht.

    Ich habe mich gestern noch so stark gefühlt und heute ist alles anders! Diese Angst vor dem Nichts zu stehen macht mich irre. Klar, ich habe Job und viele Leute die mir helfen, aber es is so unvorstellbar, dass dieser eine Mensch dann nicht mehr Teil meines Lebens sein soll. Wahrscheinlich geht es mir so schlecht, weil ich heute schwarz auf weiß erleben musste, dass es diesen einen Menschen gar nicht mehr gibt.

    Ich fühl mich gerade nur leer traurig und unendlich müde. Vl wars das jetzt wirklich... unglaublich.. Ich hätte das nie nie nie erwartet, dass UNS soetwas passieren wird.

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