Geht es anderen auch so, dass sie rückblickend die ganzen missbräuchlichen Aktivitäten des Partners erkennen? Ich wurde jahrelang gedemütigt, herabgewürdigt, kleingemacht… Ich weiß, das ist auch eine Charakterfrage und Persönlichkeit, aber der Alkohol hat die Hemmungen fallen gelassen. Er hat mich quasi gequält, in kleinen Dosen, fast unmerklich. Es fallen mir so viele Situationen ein. Das ist echt erschreckend, wie falsch man bei einem Menschen liegen kann. Jetzt kam vor drei Wochen die Krönung des Ganzen. Mit der Aussage er wüsste nicht, was er für mich empfindet, ich sei quasi schrecklich und er bliebe nur wegen des Kindes und weil ich ein so guter Mensch sei. Nun sind fast alle Hüllen gefallen. Ich traue ihm keinen Millimeter mehr. Er tut so als wäre alles ok, mit guter Laune. Fast bekomme ich das Gefühl, ich bin mit einem Psychopathen verheiratet. Kennt irgendwer so ein Verhalten?
Marilyn
-
-
Ich frage mich, ob man als Partnerin und Co-Alkoholikerin auch eine Art Abhängigkeit aufgrund der Alkoholsucht des Partners lebt. Die Abhängigkeit nicht loslassen zu wollen, sich selber etwas vormachen, das Verhalten des Partners vor sich selbst rechtfertigen, an etwas festhalten, was sinnlos ist. Früher habe ich immer gedacht, dass Co-Alkoholiker nach außen quasi alles „glattbügeln“. An das Innere habe ich gar nicht gedacht, bis jetzt, wo ich mich nun unausweichlich mit diesen Aspekten auseinandersetze.
-
guten Morgen,
Ich frage mich, ob man als Partnerin und Co-Alkoholikerin auch eine Art Abhängigkeit aufgrund der Alkoholsucht des Partners lebt.
Kann ich nur mit Ja beantworten: Der nasse Alkoholiker hat den Alkohol im Blut, der CO im Kopf.
Meine Gedanken kreisten so oft um den Alkohol, er bestimmte mein Leben in hohem Maße mit. Die Gedanken etwas verhindern zu wollen, sich immer wieder zu verbiegen, sich anzupassen, damit der nasse Alkoholiker nur nichts treinkt usw. Alle diese Dinge hatten sich in meinem Kopf eingenistet, und zogen dort ihre Bahnen. Dabei hatte ich mein eigenes Leben aus dem Blick verloren. Das ist der Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt.
lg Morgenrot
-
Fast bekomme ich das Gefühl, ich bin mit einem Psychopathen verheiratet. Kennt irgendwer so ein Verhalten?
Ja denn ich war tatsächlich mit einem Psychopathen verheiratet.
am Tag nachdem wir den Kindern gesagt haben, dass wir uns trennen, veranstaltete er bestens gelaunt ein familienfrühstück. Er machte laut Musik an und fragte in bestem Animateur-Ton ‚hey Kinder- seid ihr auch so gut drauf wie ich?‘. Als ich aus der Szenerie in mein Zimmer floh, schickte er mir meine 6jährige hinterher, die mich fragen sollte, ob ich sie jetzt auch nicht mehr mag, weil ich nicht mit ihr frühstücken will.Ja, so verhalten sich Psychopathen. Bitte nach einer etwaigen Trennung Abstand halten, falls es wirklich einer ist. Denn mit denen ist nicht zu spaßen!!!!
-
Hallo Mailyn,
ich habe auch erst nach der Trennung angefangen zu realisieren, was da eigentlich abgegangen ist. Ich war so in dieser Situation verstrickt dass ich es tatsächlich als Normalität empfand, was er so veranstaltete. Das passiert ganz oft in solchen Verbindungen, nicht nur mit Alkoholikern sondern eben in kranken Beziehungen.
Du fängst an, dich daran zu gewöhnen.
Im Zusammenleben mit einem Abhängigen entwickeln sich emotionale Dinge. Das ist eine Art Abhängigkeit. Oft sind Menschen betroffen, die aus dem Zusammenleben etwas für sich herausziehen. Das Kümmern gewissermaßen brauchen. Bei mir zum Beispiel war es, dass ich beweisen wollte, dass ich was wert bin, dass ich eine Daseinsberechtigung habe. Dass ich patent und belastbar bin. Dafür habe ich von Außen auch Anerkennung bekommen.
" Toll, wie du das machst, dass du das aushältst", war sowas, was mir gesagt wurde. Und " wenn du dich trennst geht er völlig unter". Das ging runter wie Öl und dafür nahm ich viel in Kauf. Und hab weitergemacht...
Liebe Grüße Aurora
-
Mit der Aussage er wüsste nicht, was er für mich empfindet, ich sei quasi schrecklich und er bliebe nur wegen des Kindes und weil ich ein so guter Mensch sei. Nun sind fast alle Hüllen gefallen. Ich traue ihm keinen Millimeter mehr. Er tut so als wäre alles ok, mit guter Laune. Fast bekomme ich das Gefühl, ich bin mit einem Psychopathen verheiratet. Kennt irgendwer so ein Verhalten?
-
Hallo Marilyn,
vieles erkenne ich bei Deinen Schilderungen wieder.
Bei meiner Freundin ist es genau so. Wüste Beschimpfungengen und Beleidigungen, sie weiß nicht, was sie fühlt, sie fühlt gar nichts für mich und gleichzeitig bin ich der tollste Mensch, den sie je kennengelernt hat. Und dann so tun, als ob alles in Ordnung ist.
Meine Taktik ist gerade zu versuchen, nicht über ihr Verhalten nachzudenken und zu akzeptieren. Ich ziehe mich gedanklich zu mir zurück und wenn es ganz bunt wird, gehe ich (wenn sie mich nicht sowieso vorher rausgeschmissen hat).
-
Hallo Marilyn,
die Sucht schlägt sich auf vielfältige Weise aufs Verhalten nieder, je nach Persönlichkeit des Betroffenen. Auch ich habe mich lange durch meinen Partner abgewertet und herabgesetzt gefühlt - weil er immer wieder über Tage oder ganze Wochen komplett verschwunden ist, mich ignoriert und in seinem Konsum vergraben hat. Anfangs wusste ich nicht, was mit ihm los war, schwankte zwischen Sorge und Wut.
Es half mir, das immer weniger persönlich zu nehmen und mir klarzumachen, dass er suchtbedingt schlicht nicht mehr beziehungsfähig ist, und zwar weder im Kopf/Herz noch physisch. Der Konsum bestimmt den Tagesrhythmus, das Denken und Fühlen bei ihm. Emotionen sind verflacht, meist bestimmt der Frust über sich selbst seine Stimmungen.
Vielleicht geht das ja auch Deinem Mann teilweise ähnlich. Vielleicht braucht er ein Ventil dafür, das bist dann Du. Aber Du bist nicht das eigentliche Problem, sondern der Alkohol. Es mag Gründe haben, dass er trinkt, doch die liegen in ihm. Versuche, seine Aussagen an Dir abprallen zu lassen und stattdessen zu überlegen, wie es für Dich weitergehen kann. Liebe Grüße!
-
Ich bin gerade so furchtbar traurig. Habe mit jemanden gesprochen der in jungen Jahren seinen Vater an Alkohol verloren hat. Er war der liebste Familienvater und hat sich zu einem Ekel entwickelt, der gesoffen hat und mit allen ins Bett gegangen ist, die nicht schnell genug weg waren. Meiner hat auch seine Hemmungen verloren. Ich möchte das alles nicht mehr in meinem Leben. Habe nur ein so verdammt dickes Brett zu bohren, das wird so hart. Ich habe einfach furchtbare Angst davor. Bin selbst psychisch labil, dem Kind geht es schlecht, ich muss nach 5 Jahren einen Job finden, ihn versuchen aus dem Haus zu bekommen (weil es einfach nicht anders geht, hätte es gerne anders gehabt) und das alles mit einem gebrochenen Herzen. Seine Persönlichkeit hat sich so ins Hässliche entwickelt, dass ich Angst vor seinen verbalen Aussagen und sonstigen Repressalien fürchte. Habe mit meiner Ärztin gesprochen und die hat mir bestätigt, dass die Persöhnlichkeitsveränderung für immer ist. Der Mann, den ich geheiratet habe, den gibt es nicht mehr. Wenn ich die Beziehung auf Eis lege, hat er vielleicht noch eine Chance sich für sich gegen den Alkohol zu entscheiden. Für unsere Beziehung ist es zu spät, so wie er sich entwickelt hat, ein kalter toxisch maskuliner Typ, der allem weiblichen hinterherglotzt ohne Altersbeschränkung, kann nicht mehr Teil meines Lebens sein. Der letzte Satz hat einen enormen Nachhall und schmerzt mich sehr.
-
Der letzte Satz hat einen enormen Nachhall und schmerzt mich sehr.
Und deshalb ist er so wichtig! Es wird Zeiten geben wo du vielleicht nochmal zweifelst und denkst ‚ach am Ende war er doch nicht so schlimm‘. Dann hast du dieses Büchlein, das du durchlesen kannst.
Gut, dass du hier bist! Du schlägst gerade mächtig auf dem Boden der Tatsachen auf und das tut weh. Aber auf diesem Boden kann man laufen. Sehr gut sogar.
Überlege auch alternativ ob du mit dem Kind ausziehen kannst. Wie sind die Besitzverhältnisse?
Bei allem was du beschreibst wird dein Mann nicht freiwillig gehen.
-
Hallo Marilyn,
ja, der Satz hat Wucht. Du kriegst hier virtuelle Unterstützung, während du draußen deine realen Schritte machst. Du bist nicht alleine damit.
LG, Linde -
Hallo Marilyn!
Ich habe einfach furchtbare Angst davor.
Das kann ich verstehen, solche einschneidenden Lebensveränderungen machen Angst, ich habe Jahre dafür gebraucht bis ich es geschafft habe zu gehen. Ich hatte riesengroße Angst es alleine nicht zu schaffen, das lag aber nur an meinem lädierten Selbstwertgefühl. Mein Mann hat mir ja häufig zu verstehen gegeben daß ich ja alles falsch mache und das hat mich total verunsichert.
Aber nichts was ich mir an negativen Dingen ausgemalt habe ist eingetroffen. Ich merkte auch daß ich ihn überhaupt nicht mehr geliebt habe und meine Beziehung nur noch eine Farce war. Ich war sogar erleichtert da raus zu sein und eine Riesenlast fiel von mir ab.
Ich fing auch an hier zu schreiben das hat mir sehr gut getan. Ich habe andere Frauen getroffen denen es auch so ergangen war, ich war nicht mehr allein. Was auch sehr wichtig war ich konnte endlich in Frieden leben.
Ich habe noch lange gebraucht psychisch wieder auf die Beine zu kommen aber ich habe es geschafft. Heute denke ich öfters warum bin ich nicht eher gegangen, ich habe soviel wertvolle Lebenszeit in einer unglücklichen Ehe verplempert.
Es ist normal Angst zu haben aber sie sollte dich nicht lähmen und daran hindern ins Handeln zu kommen.
-
Das Haus gehört uns beiden, ist aber noch nicht abbezahlt. Er ist Alleinverdiener. Ich möchte die Kleine nicht aus ihrem Umfeld reißen und ich habe hier auch viele Freundinnen. Wenn es nicht anders geht, muss ich mit der Kleinen (14) gehen. Er wird vielleicht versuchen sie mir wegzunehmen. Davor habe ich auch Angst. Will es ihm auch nicht einfach so überlassen. Habe gar kein Selbstwert mehr, er hat mich malträtiert, nieder gemacht, ausgeschlossen, ignoriert… und ich habe mir alles gefallen lassen. Zwischendurch war er dann „nett“. Geschenke, nette Nachrichten. Jetzt ist er fast nur noch A*schloch.
-
Er wird vielleicht versuchen sie mir wegzunehmen. Davor habe ich auch Angst.
Na so einfach geht das nicht!
Hat mein xy auch versucht. Hat es sogar kurz geschafft, aber das gericht hat dann für mich entschieden.
Abgesehen davon ist deine "kleine" 14 und darf jetzt selbst entscheiden wo sie wohnen möchte. Ich weiß nicht, wie ihr Verhältnis zum Papa ist, aber in so einem Fall ist es nie verkehrt das Jugendamt ins Boot zu holen.
-
Vielleicht habe ich ihn dazu getrieben zu trinken. Ich bin nicht einfach und er muss sehr gelitten haben darunter und ist aus Verantwortung da geblieben. Fühle mich schuldig und sehr traurig.😞
-
Hallo Marilyn,
streich diese Gedanken mal gaaanz schnell aus deinem Kopf. Hier sind mal paar Stoppschilder für deinen Kopf. 🚫⛔️✋️
Ich schreib sowas eigentlich nicht gerne aber das ist totaler Bullshit.
Du bist an nichts schuld, du hast keine Verantwortung. Wenn ihm irgendwas nicht gepasst hätte an dir, hätte er gehen können.
Liebe Grüße Aurora
-
Vielleicht habe ich ihn dazu getrieben zu trinken. Ich bin nicht einfach und er muss sehr gelitten haben darunter und ist aus Verantwortung da geblieben. Fühle mich schuldig und sehr traurig.😞
Wir können Verantwortung für unser Verhalten übernehmen, aber nicht für die Art, wie andere damit umgehen. Er ist ein erwachsener Mann.
-
Du bist krank, er ist krank - die Schuldfrage hilft da nicht weiter
-
Falsch, Marilyn!
Wenn man saufen will, findet man immer einen Grund!
Du kannst nichts für seinen Konsum!
Und wie meine Vorschreiberinnen schon geschrieben haben, er ist erwachsen, er kann andere Entscheidungen treffen, anstelle zur Flasche zu greifen.
Ist die Sucht einmal aktiviert, dann kann nur der Alkoholiker sie stoppen. Niemand anders!
Du bist nicht verantwortlich!
-
Mein Mann trinkt nur abends, allerdings in der letzten Zeit jeden Abend ca. 3 Liter Bier und manchmal auch noch Schnaps. Am Tage ist er dann unausstehlich. Das bekommen wir mit, wenn er zuhause ist. Wenn er arbeitet, bekomme ich immer nette Nachrichten. Bzw. bekam ich. Seit wir bei einer Paarberatung waren und ich das Thema Alkohol angesprochen habe, ist er auch da unfreundlich. Ist das der Suchtdruck?
-
Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!
Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!