Somadi - Mein Mann, der Alkohol und wieder ein zerstörtes Weihnachtsfest

  • Hallo an alle.

    Ich möchte mich gerne bei Euch vorstellen und mich vielleicht auch ein wenig ausweinen… Ich bin 46 Jahre alt, Juristin und seit 15 Jahren mit meinem Mann zusammen. Er ist auch Akademiker. Unser Leben läuft grundsätzlich gut, wir sind finanziell sehr gut gestellt, haben zwar keine Kinder, aber einen tollen Hund. Wir haben tolle Freunde, meine wunderbare Familie und gemeinsame Hobbies, wir spielen leidenschaftlich Golf. Alles wäre perfekt, wenn da nicht der Alkohol wäre.

    Faktisch trinkt mein Mann sich jeden zweiten Abend in körperöiche und geistige Ausfallerscheinungen,,, er brüllt dann rum, redet wirres Zeug, wird sarkastisch und verletzend, kann sich kaum auf den Beinen halten. Heute war er schon vor dem Weihnachtsessen betrunken. Er redete abfällig, der Hund hatte Angst vor ihm… und ich war mit den Nerven am Ende. Er packt den Hund so grob an, dass ich mit dem Kleinen aus der Wohnung geflüchtet bin. Gestern war es auch schon so. Mein Mann fällt dann ins Bett, schnarcht und weiß am nächsten Morgen von nichts mehr. Ich bin nur noch traurig, weil ich das nicht mehr schaffe. Außerdem kann ich mit niemandem darüber reden, weil ich mich so sehr schäme. Vor meinen Eltern, meiner Schwester, meinen Freunden. Ich schäme mich für ihn, weil er ein intelligenter Mensch mit Promotion und angesehenem Beruf ist. Ich schäme mich nicht dafür, dass er krank ist, sondern weil er keinen Willen zeigt, mit mir darüber zu sprechen und meine Not völlig ignoriert. Und ich schäme mich, dass mir als ebenfalls intelligenten, gesellschaftlich angesehenen, beruflich erfolgreichem und andere unterstützendem Menschen so etwas passiert. Mein Kopf sagt mir zwar, dass ich mich nicht schämen muss, aber ich tue es trotzdem.


    Nachdem mein Mann selbst(wie wohl jeder Alkoholiker) der Meinung ist, er trinke nicht übermäßig und habe das im Griff, ist jede Diskussion am nächsten Tag sinnlos. Im Gegenteil - es endet damit, dass mir unterstellt wird, ich würde die Ausfälle, bösen Worte etc. einfach erfinden. Mein Mann selbst erinnert sich ja nicht daran. Er weiß nicht mehr, dass er nachts um drei im Wohnzimmer am Boden lag und so lange brüllte, bis ich wach war. Er weiß nicht mehr, dass ich 30min brauchte, um ihn ins Bett zu bringen und auszuziehen. Er weiß nicht, dass es dieser Kraftakt war, der dazu führte, dass ich mir die Schulter verletzt habe. Er weiß nicht mehr, dass er mich beschimpft hat. Er weiß nicht , dass ich, nachdem er schon schnarchend im Bett lag, 2 Stunden weinend am Boden saß, neben mir ein verstörter Hund, der mir fürsorglich das Gesicht ableckte… er weiß das alles nicht. Und das Schlimme ist, er will es auch nicht wissen, denn -ich zitiere- er habe keine Lust auf Vorwürfe…

    Ja, das ist gerade mein Leben. Und genau so sah auch mein diesjähriger Heiligabend aus. Genauso wie letztes Jahr… dazwischen war es einige Monate besser. Im Sommer ist es immer besser. Da habe ich dann wieder Hoffnung. Bis die Tage wieder kürzer werden…

    Klar, eigentlich sollte ich mich trennen, aber es gibt auch die andere Seite. Da ist mein Mann ehrlich und kümmert sich. Wir haben auch sehr gute Zeiten. Und da ist eine tiefe Liebe. Die lässt mich nicht gehen…

    Wahrscheinlich kann man mir auch gar nicht helfen, ich könnte es ja sofort ändern… es wäre einfach, nur gehen müsste ich. Aber das will ich doch gar nicht.
    Vielleicht wollte ich gerade einfach nur mit jemandem reden, die Dinge aussprechen und formulieren, wie sie sind.
    Ich danke Euch, dass ich das hier darf.

  • Er weiß nicht mehr, dass er nachts um drei im Wohnzimmer am Boden lag und so lange brüllte, bis ich wach war. Er weiß nicht mehr, dass ich 30min brauchte, um ihn ins Bett zu bringen und auszuziehen. Er weiß nicht, dass es dieser Kraftakt war, der dazu führte, dass ich mir die Schulter verletzt habe. Er weiß nicht mehr, dass er mich beschimpft hat. Er weiß nicht , dass ich, nachdem er schon schnarchend im Bett lag, 2 Stunden weinend am Boden saß, neben mir ein verstörter Hund, der mir fürsorglich das Gesicht ableckte… er weiß das alles nicht. Und das Schlimme ist, er will es auch nicht wissen, denn -ich zitiere- er habe keine Lust auf Vorwürfe…

    Warum tust Du Dir das an?

    ich könnte es ja sofort ändern… es wäre einfach, nur gehen müsste ich. Aber das will ich doch gar nicht.

    Warum nicht?

  • hallo Somadi,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.
    Diese heilig Abende kenne ich auch, in ähnlicher Form. So etwas ist nicht schön, es ist sehr belastend.
    Helfen kannst du deinem Mann nicht, da er ja in keiner Weise eine Krankheitseinsicht zu haben scheint.
    Du brauchst dich auch nicht für ihn zu schämen, es ist sein Verhalten, du hast ihm ja die Pulle nicht ein geflößt. Alkoholismus kommt in allen Kreisen vor.
    Es ist schwer zu verstehen , aber du kannst nur etwas für dich tun,damit es dir besser geht.
    Wenn du dich hier austauschen möchtest klicke unten auf den Link, schreib noch einen kurzen Satz dazu, dann schalten wir dich für den Austausch frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Lanabanana, warum tu ich mir das an?

    Hmmm, es gibt einige Gründe. Der erste ist wohl Liebe. Dann haben wir auch tolle Zeiten, Wochen und Monate ohne Ausfälle, im Sommer. Vielleicht ist auch Angst dabei, mein bisheriges Leben aufzugeben. Auch Angst um meinen Mann, der sonst alleine ist. Ich muss dazu sagen, dass er Asperger Autist ist und sozial wenig Anschluss hat.

    Ich würde mir so sehr wünschen, dass es sich ändert, dass es ständig so ist, wie im Frühjahr und Sommer, wenn wir viel Golfen. Da ist er wahrscheinlich abends so ausgepowert, dass er keinen Alkohol oder zumindest keinen übermäßigen Alkohol mehr braucht.

    Im Moment ist es aber sehr schlimm. Er trinkt nur zu Hause, funktioniert in der Arbeit und da sogar sehr gut. Im Spätsommer ist sein jüngerer Bruder bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Seither kommt es vermehrt zu Ausfällen. Jetzt im Weihnachtsurlaub, ohne feste Tagesstruktur ist es einfach richtig übel.

  • Guten Morgen Somadi,

    Er ist auch Akademiker.

    Ich schäme mich für ihn, weil er ein intelligenter Mensch mit Promotion und angesehenem Beruf ist.

    ich denke/glaube/hoffe, Du weißt, dass es der Sucht vollkommen egal ist, ob Dein Mann Akademiker, Schreiner oder Hilfsarbeiter ist.

    Faktisch zeigt der Weg immer nach unten. Vielleicht dauert es bei Deinem Mann etwas länger, bis der Aufprall kommt, sofern er nicht von sich aus bereit ist, Hilfe zu suchen. Du wirst im aktuellen Stadium wenig bis nichts für ihn tun können, wenn er schon sagt, dass er keine Lust auf Vorwürfe hat, obwohl er sich regelmäßig in lebensgefährliche Zustände trinkt.

    Meiner Meinung nach solltest Du aktuell nur nach Dir und Deinem Wohlbefinden schauen und Deinen Gatten einfach auch mal links liegen lassen, anders kommt er nie zum Nachdenken. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

    Nichtsdestotrotz wünsche ich Dir viel Kraft und frohe Feiertage, LG Soapstar

  • Aurora 25. Dezember 2025 um 09:34

    Hat den Titel des Themas von „Mein Mann, der Alkohol und wieder ein zerstörtes Weihnachtsfest“ zu „Somadi - Mein Mann, der Alkohol und wieder ein zerstörtes Weihnachtsfest“ geändert.
  • Hallo Somadi,

    ich hab dich freigeschaltet und du kannst dich jetzt hier überall austauschen. Bitte schreibe aber die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern, die noch nicht freigeschaltet wurden.

    Alkoholismus ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Darum ist Scham im Grunde genommen nicht nötig, denn für zum Beispiel eine Diabetes würde sich auch keiner schämen. Soweit die Theorie.

    Ich weiß aber selbst, dass es so nicht ist. Ich habe mich lange Jahre geschämt für meinen Mann. Wenn er bei Zusammenkünften wieder auffällig wurde durch seine völlige Betrunkenheit, sein absurdes Verhalten, dass er dann hatte. Und ich hab mich geschämt, dass ich da hineingeraten war, dass ich da nichts dran ändern konnte.

    Als ich das erste Mal die Sucht erwähnt hatte, gegenüber meinem damaligen Chef, bin ich fast umgekippt, so aufgeregt und schwindelig war ich.

    Eine Trennung erscheint dir unmöglich, das ist auch okay und deine Entscheidung, ich bin auch sehr lange dabeigeblieben. Es ist halt nur so, dass du immer wieder mit seiner Sucht konfrontiert wirst. Es ist wichtig, dass du dir eigene Zeiten schaffst, ohne ihn und vor allem ohne ihn gedanklich dabei zu haben. Das ist schwierig.

    Aber jetzt komm erstmal in Ruhe hier an, zu lesen gibt es ganz viel denn du bist leider nicht alleine mit dieser Problematik.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Vielen Dank für Eure Worte, Aurora und Soapstar.

    Mir tut es bereits gut, mit jemandem reden zu können. Ihr kennt dieses auf und ab genauso wie ich.

    Und sicherlich wisst Ihr auch, wie schwer man sich tut, wenn am nächsten Morgen der Mann zurück, in den man sich verliebt hat. Gestern war er total betrunken und unausstehlich, heute macht er Frühstück, bespielt den Hund und redet wieder ganz normal. Ohne natürlich zu erwähnen, dass gestern was aus dem Ruder lief…

    Tja, jetzt frühstücke ich halt mal…

  • Der erste ist wohl Liebe. Dann haben wir auch tolle Zeiten, Wochen und Monate ohne Ausfälle, im Sommer. Vielleicht ist auch Angst dabei, mein bisheriges Leben aufzugeben. Auch Angst um meinen Mann, der sonst alleine ist. Ich muss dazu sagen, dass er Asperger Autist ist und sozial wenig Anschluss hat.

    Du kannst ihn auch lieben, wenn Du auf Abstand gehst. Du solltest ihn aber nicht mehr lieben als Dich selbst. So bleibt das Suchtsystem erstmal wie es ist.

    Ich verstehe, dass Du Angst hast, etwas aufzugeben - aber was, wenn es immer so weitergeht? Oder schlimmer wird?


    Mein Vater ist noch sehr jung an den Folgen seines Alkoholkonsums gestorben.


    Du hilfst deinem Mann nicht, indem Du bleibst und Dir das Ganze antust. Das hat ja bislang auch nicht funktioniert.

  • Hallo Somadi,

    mit Abweichungen erinnert mich das Trinkverhalten Deines Mannes an meines.

    Ja, das Vergessen macht es dem Trinker deutlich einfacher als der Partnerin. Der Segen der Filmrisse.

    Meine Frau hatte auch sehr viele Gründe, mit mir zusammenzubleiben.

    Sie holte sich selbst in einer Angehörigengruppe Hilfe, sagte mir eines Tages, dass sie verstanden hat, dass sie nichts machen kann. Dass sie mir nicht dabei zugucken wird, wie ich mich zu Tode trinke. Und dass sie mich deswegen verlassen wird. Besser als Alles Andere immer noch.

    Und dann interessierte es niemandem mehr, wie viel ich trinke. Für mich die Gelegenheit, so viel zu trinken, bis ich selbst begriffen habe, dass ich besser aufhöre.

    Das ist die eine Seite. Die andere ist: die wenigsten schaffen es.

    Es ist Deine Entscheidung.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Natürlich habt Ihr alle Recht. Es ist so, wie Ihr sagt. Rein rational ist mir das alles klar. Emotional tu ich mich schwer, sehr schwer sogar…

    Im Grunde ist es genau dasselbe, das ich all den misshandelten Frauen sage, mit denen ich beruflich zu tun habe: schafft den Absprung, es wird sich so nichts ändern. Natürlich ist es etwas anderes, denn ich werde nicht misshandelt, zumindest körperlich nicht… Aber ich sehe, dass ich das, was ich immer predige, selbst nicht kann. Kopf und Gefühle gehen oft nicht zusammen.

    Manchmal fühle ich mich auch, als hätte ich auf ganzer Linie versagt…

  • Manchmal fühle ich mich auch, als hätte ich auf ganzer Linie versagt…

    Hallo Somadi , sei nicht so streng mit dir. Das ist doch völlig menschlich, dass man sich leicht tut die Situation bei anderen klar zu erkennen und auch die entsprechenden Ratschläge parat hat. Ich durfte hier viel lernen, in diesem Forum: Ich habe auch immer gemeint, ich wüsste immer was zu tun ist, bis mein Mann sein Alkoholproblem bekam. Alles, was ich schlau vorher gepredigt habe, welche Konsequenzen man ziehen muss wenn diese oder jene Dinge passieren, ist zu Staub zerfallen. Ich war lange handlungsunfähig. Habe mich lieber selbst verletzt, als mich aus der Situation zu ziehen.

    Lese hier einfach und du wirst erfahren, wer von den Co's welche Wege gegangen ist und in welchem Tempo. Mir hat das ungemein genolfen.

    Und hör auf dich und, wie gesagt, sei nicht zu hart zu dir selbst.

  • . Natürlich ist es etwas anderes, denn ich werde nicht misshandelt, zumindest körperlich nicht… Aber ich sehe,

    So dachte ich am Anfang auch sogar lange Zeit. Ich muss dazu sagen körperlichen (Schläge) war ich aus meiner Kindheit "gewohnt". Es hatte nichts mit Alkohol zu tun nur weil ich mir elterlich aufgetragene Fürsorge für meinen Bruder nicht richtig ausgeführt hatte. An was ich länger gelitten habe und was mir meine Psyche heute noch manchmal aufzeigt war der emotionale Missbrauch. Auch der macht Schäden mit Narben die bleiben. Mein Mann hat auch nur emotionalen Schaden gemacht und obwohl ich da auch schon in eine Selbsthilfegruppe ging hat mir erst ein Psychologe in einer Reha aufgezeigt dass auch das Gewalt ist und ich mich lösen darf. Damals ist ein ganzer Knoten in mir geplatzt. Ab da konnte ich mich im Mittelpunkt sehen und hatte den Mut was zu ändern.

  • Natürlich ist das psychische Gewalt, das ist mir klar. Ich wollte damit aber sagen, dass ich keine körperlichen Übergriffe fürchten muss, wie manch andere Frau. Es muss noch viel schlimmer sein, wenn zu der emotionalen und psychischen Beeinträchtigung noch die Angst um seine eigene körperliche Integrität hinzukommt. Angst vor meinem Partner in diesem Sinne habe ich keinesfalls. Als ich mich an der Schulter verletzt hatte, lag das daran, dass ich versucht habe, einen 1,95 großen 115kg-Mann vom Boden hochzuziehen.

    Dennoch ist es auch körperlich belastend, wenn man alle paar Tage nachts aus dem Schlaf gerissen wird, wenn der betrunkene Partner versucht, das Bett zu finden, laut schreit, immer wieder aufzustehen versucht und Radau macht. Nach solchen Nächten, die hauptsächlich Wochenende vorkommen, meldet sich gerne meine Migräne und ich leide am Folgetag auch körperlich.

  • Und sicherlich wisst Ihr auch, wie schwer man sich tut, wenn am nächsten Morgen der Mann zurück, in den man sich verliebt hat. Gestern war er total betrunken und unausstehlich, heute macht er Frühstück, bespielt den Hund und redet wieder ganz normal

    Da sagst du was!

    Ich glaube das ist ein ganz wesentlicher Punkt: dieses hin und her. Mir kam dann später immer alles vor wie ein böser Traum, so Unwirklich. Nachts hab ich noch vor Verzweiflung wach gelegen. Und morgens wirkt alles wieder normal.

    Und weil es dann ja aber auch immer wieder "gut" war, war es so schwer trotzdem zu gehen. Weil ich immer dachte es ist doch "so unnötig", so offensichtlich falsch, dass er trinkt. Und er muss doch selbst merken, dass das der pure Wahnsinn ist so weiter zu machen. Denn eigentlich wäre doch alles super, wenn nur nicht diese vollkommen überflüssige Sauferei wäre.

    Tja. Nur irgendwann war dann gar nix mehr gut zwischendrin. Da konnte er überhaupt nicht mehr aufhören. Dann war er morgens heftig auf Entzug. Da musste er nachts rum geistern, um den Pegel zu halten. Es wird nämlich immer schlimmer.

    Ich hab viel drüber nachgedacht und aus meiner Sicht ist DAS der Hauptgrund gewesen zu bleiben. Dieses Switchen. Und weil ich nicht alles verlieren wollte, was wir aufgebaut hatten, wegen etwas, was doch so offensichtlich krank ist, dass er das doch raffen muss. Hat er auch. Aber vier Rehas später und keine Ahnung wie viele stationäre Entzüge (9?), nach SH-Gruppe und pipapo trinkt er trotzdem noch.

    Ich hab hier auch schon öfter gelesen, dass dieselben Frauen, die es jetzt nicht schaffen sich zu trennen, dies aber plötzlich sofort können, wenn er fremd geht.

    Das ist dann was anderes. Auch schlimm, aber trotzdem klar.

    Beim Alkoholiker ist da immer diese Hoffnung er schnallt es doch noch; dieses Wissen, es ist ja eine Krankheit; diese zwei Gesichter, die sich zeigen und die nicht übereinander passen.

    Ich kann nur sagen, dass es mir um Welten besser geht, seitdem ich ausgezogen bin.

  • Danke, Jump!. Mir tut es gut zu hören, dass ich nicht alleine bin.

    Ja, ich habe auch Angst davor, dass es bei uns auch so schlimm wird. Aber ich weiß, dass er aufhören könnte, weil es im Frühjahr/Sommer oft Monate lang keine Abstürze gibt. Gut, Bier gibt es fast täglich, aber im Sommer oft auch alkoholfrei. Naja, das ist dann eben der Quartalstrinker, oder? Ändert nichts, krank ist krank. Aber in Abstinenzphasen müsste doch der rationale Zugang irgendwie da sein. Vielleicht ist er auch da, aber wird überschattet von der Scham. Oder dem Asperger Autismus. Über Gefühle kann mein Mann nur schwer bis gar nicht sprechen.

  • Liebe Somadi !

    Ich war auch (die letzten 25 Jahre - bis dann Ende Oktober 2024) jedes Jahr 4, 5 - oft auch 7 - Monate abstinent. Nichtsdestotrotz habe ich es in den verbleibenden Monaten im Jahr immer wieder recht konsequent "geschafft", mir gerade im sozialen Bereich, von Familie bis hin zur Partnerschaft und Freundschaften, so ziemlich alles zu ruinieren.

    Solange alles irgendwie funktionierte, lebte ich so dahin. Ja, da ging es ja auch. Eben so irgendwie. Den wirklichen Tiefpunkt hatte ich nie, erst, als langsam aber sicher so alles aus dem Ruder lief, zog ich die Reißleine bzw. Konsequenzen. Meine Frau damals aber auch (jedoch aus anderen Gründen)...

    Mir persönlich hatte der - letztlich ausweglose - Neustart (weil mit dem Alkohol umbringen wollte ich mich ja auch nicht) die Möglichkeit gegeben, mich neu zu orientieren. Mit meiner Ex-Frau pflege ich nach wie vor ein freundliches, konfliktfreies Miteinander.

    Einen Rat kann ich Dir hier nicht geben, aber über kurz oder lang zeigt es sich meines Erachtens doch, wenn Grenzen überschritten werden, dass es dann eben nicht mehr so ist, wie es einmal war und wie man es sich (damals) für die Zukunft erwünscht hat, oder? Ob ein Weitermachen wirklich erfüllend bzw. akzeptabel ist (ein hässliches Wort, denke ich), muss wohl jeder für sich selbst beantworten... Ich persönlich war meiner Frau zuletzt noch nicht einmal böse, dass es so gekommen ist, wie es eben gekommen ist.

    Auch was den von Dir angesprochenen Bildungsgrad und die soziale Stellung betrifft, so kann ich Dir versichern, dass wir hier doch (dennoch!) alle im selben Boot sitzen. Eine Promotion (ja, die habe ich auch, aber dieser Umstand ist doch unerheblich, oder?), ist da so etwas von irrelevant. Die, die trinken, ja, die trinken. Vielleicht anders, aber dennoch tun sie es.

    Im Endeffekt sollte jede(r) auf rein persönlcher Ebene - für sich - entscheiden, ob er oder sie so weitermachen möchte (kann?), wie bisher, oder?

    LG, Stef.

  • Hallo Somadi,

    ich habe eine Frage an dich. Warum hilfst du deinem Mann vom Boden auf und bringst ihn ins Bett? Du hast schon körperliche Schäden davongetragen. Und dennoch stehst du wieder parat wenn es wieder soweit ist.

    Morgens im Bett aufzuwachen ist ja auch praktisch für ihn. Dann kann es ja auch nicht so schlimm gewesen mit der Sauferei. Er hat es ja ins Bett geschafft.
    Du unterstützt ihn da in seiner Sucht, zumindest sehe ich das so. Du machst es ihm bequem.

    Hast du jemals versucht ihm nicht ins Bett zu helfen? Ihn nicht zu unterstützen?
    Oder kommt das für dich gar nicht in Frage?

    Liebe Grüße, Wichtelmama

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