Fruechtetee - Nochmal den Mut haben....

  • Hallo Stern,als ich zum zweiten mal abstinent war (ca 3,5 Jahre lang) hatte ich fast durchgängig mit Depression zu tun. Ich war so entsätzlich müde,da keine Medis und Therapie half.

    Ja,ich habe dann ganz bewusst wieder das erste Glas eingegossen. Habe ganz gezielt die Wirkung haben wollen.

  • Ich musste schon dutzende Male von vorne beginnen. Besser als weiterzusaufen

    Da hast du auf jeden Faĺl recht. Klingt das komisch,wenn ich sage,das auch das erneute aufhören Mut kostet? Irgendwann glaubt man sich und seinem Aufhörwillen nicht mehr. Dennoch,es nicht mehr zu wollen,bedeutet ja irgendwie,meinen eignen Tod billigend in Kauf zu nehmen.

    Gut,das du dich anders entschieden hast!

  • Da ich, wie ja schon gesagt, mit Depression null Erfahrung habe, will ich dazu auch gar nicht so viel sagen.

    Eine Frage habe ich dennoch: Warst du während dieser 3 einhalb nüchternen Jahre in Therapie wegen der Depression? Und: Bist du da aktuell gut betreut?

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Stern,ich war bei beiden Abstinenzphasen in ambulanter Suchttherapie. Aufgrund der Depressionen zweimal für viele Wochen in verschiedenen Kliniken.

    Aktuell habe ich zwar Facharzt,der aber nach einer seeehr langen Ausprobe von Medis keine neue Idee hat.

    Aber.....mein Wunsch ist es,nicht in der Vergangenheit (die ich jetzt nicht mehr ändern kann) zu zu verharren. Diese ist schon auf links gedreht worden.

    Ich möchte gerne nach vorne sehen und ,wenn auch langsam und mit kleinen Schritten,mir mein Leben portionsweise zurück holen. Und....das geht nicht mit wenn ich weiter trinke. Weil ich mich nur damit betäube und mein Lebensradius noch kleiner mache.

    Aber es gibt so viele Krankheiten,mit denen ich mit auch nicht auskenne. Aber danke,dass du nachfragst. LG

  • Ich möchte gerne nach vorne sehen und ,wenn auch langsam und mit kleinen Schritten,mir mein Leben portionsweise zurück holen.

    Das finde ich klasse.
    Das Vergangene geht ja eh nicht mehr zu ändern.

    Und....das geht nicht mit wenn ich weiter trinke. Weil ich mich nur damit betäube und mein Lebensradius noch kleiner mache.

    So ist es. 👍

    Nüchtern ist vieles überhaupt erst möglich.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Stern,als ich zum zweiten mal abstinent war (ca 3,5 Jahre lang) hatte ich fast durchgängig mit Depression zu tun. Ich war so entsätzlich müde,da keine Medis und Therapie half.

    Ja,ich habe dann ganz bewusst wieder das erste Glas eingegossen. Habe ganz gezielt die Wirkung haben wollen.

    Hi Fruechtetee ,

    hier mal ein paar Gedanken/ Erfahrungen von mir zu den obigen Zitaten.

    Ich hatte in meinem Leben mehrere meist schwere Depressionen. Sie sind die Folge einer komplexen PTBS aufgrund von körperlicher und seelischer Gewalt durch meine Eltern. Das heißt, sie sind nicht anlassbezogen z. B. durch einen schweren Verlust oder Überforderung. Deshalb haben mir auch zwei tiefenpsychologische Therapien (eine Einzel- und eine Gruppentherapie) nicht geholfen. Ich habe die Therapien lange Zeit durchgehalten aber dann abgebrochen, weil sie mir entweder nicht geholfen haben oder im ersten Fall ich mich dann zum ersten Mal in eine Klinik hab einweisen lassen, weil ich zu instabil war.

    Nach meiner zweiten schweren Depression hatte ich dann Glück und kam an eine für mich sehr gute Therapeutin. Bei Ihr habe ich im Rahmen einer abgeschlossenen Verhaltenstherapie gelernt wie ich mir in einer Depression selbst helfen kann und ich diese bewältigen kann. Allerdings kann ich das nicht, wenn ich gleichzeitig saufe. Unmöglich.

    Bei mir haben die Depressionen das Saufen begünstigt und verstärkt. Aber das galt eben auch umgekehrt. Als ich vor gut 12 Jahren ernsthaft mit dem Saufen begonnen habe, war dies ein untauglicher Versuch der Selbstmedikation, ich wollte meine Depressionen wegsaufen. Ich wusste, das wird nicht funktionieren und es hat nicht funktioniert. Überhaupt nicht. Ich wusste das ich vom Saufen abhängig werde und ich bin abhängig geworden. Die letzten Jahre aus abhängigen Trinken und Depressionen waren meine eigene selbstgemachte Hölle.

    Diese SHG ist mit Abstand der wichtigste Teil meines Hilfesystems, ich habe mich hier kurz nachdem ich abstinent wurde angemeldet. Ich habe die Grundbausteine praktisch und vom Mindset einfach nur umgesetzt. Außerdem betreibe ich konsequent Risikominimierung. Damit bin ich jetzt seit 16 Monaten stabil abstinent und hatte keine wirklichen Schwierigkeiten.;)

    Eine der wichtigsten Dinge, die ich hier gelernt habe, obwohl ich sie im Grunde schon wusste ist das meine Sucht und meine Depressionen zwei getrennte schwere Erkrankungen von mir sind. Die haben nichts miteinander zu tun. Absolut nichts. Das muss ich in meinem Kopf strikt trennen, weil sie wie oben beschrieben eine Wechselwirkung aufeinander haben können, wenn ich das zulasse. Und ich muss diese Erkrankungen auch getrennt angehen. Und die Reihenfolge ist zunächst stabil abstinent werden und dann die Depression angehen. Ich bin einige Monate nachdem ich abstinent wurde auch noch einmal in eine Depression gerutscht aber da ich wie oben schon geschrieben schon vor Jahrzehnten gelernt habe wie ich mir selbst helfen kann, konnte ich diese nach einigen Wochen bewältigen. ;)

    Vielleicht helfen Dir und anderen die das hier lesen ja meine Erfahrungen im Umgang mit meiner Sucht und meinen Depressionen irgendwie weiter? Denn Depressionen und Sucht kommen eben gerne Mal im Doppelpack.

    Zum Schluss. Du schreibst das Du bisher kein Antidepressivum (AD) gefunden hast, was Dir geholfen hat. Dazu drei Gedanken von mir.

    Ich nehme das gleiche AD in gleicher Dosierung seit mehr als 20 Jahren. Ich hatte vorher auch andere verschrieben bekommen, die aber aus unterschiedlichen Gründen wieder abgesetzt wurden. Aber ein AD alleine reicht bei Depressionen ab einem bestimmten Schweregrad nicht aus, um diese zu bewältigen. Mein AD bereitet nur den Boden und macht mich entweder therapiefähig oder versetzt mich in die Lage mir selbst zu helfen. Wie meine Therapeutin gerne zu sagen pflegte.;)

    Der Goldstandard bei der Behandlung einer Depression ist ein AD und eine Psychotherapie. Insofern ist es vielleicht für Dich eine Idee nochmal eine Therapie zu beginnen? Wie geschrieben mir hat eine Verhaltenstherapie gut geholfen.

    Letzter Punkt. Es gibt auch noch mindestens eine weitere Behandlungsmethode zur Behandlung von schweren Depressionen. EKT (Elektrokonvulsionstherapie). Und ich weiß von einer Klinik hier in der Großstadt, in der ich lebe, die eine modular aufgebaute Therapie für therapieresistente Depressionen anbietet. Worauf ich hinaus will es gibt den eigenen Willen vorausgesetzt viele Möglichkeiten sich in einer Depression helfen zu lassen.;) Aber Voraussetzung ist eben der eigene Wille.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hallo Kazik,habe nur sehr zusammengerafft versucht zu beschreiben was da bei mir los ist (auch weil ich noch im "offenen" Bereich bin). Tasächlich ist viel mehr in den ca 40 Jahren Erkrankung versucht worden. Nur soviel. Ich habe eine "Doppelte Depression",also zwei verschiedene Arten die eine gewisse Grundstimmung vorgeben.

    War auch schon in einer Sprechstunde für schwer behandelbare Depressionen einer Uniklinik mit nachfolgenem 10 wöchigen Aufenhalt. Mir ist das so vermittelt worden,dass es nur noch darum,die Symtome zu mildern.

    EKT wäre vielleicht eine Möglichkeit. Bespreche das mal mit meinem "fast neuen" Facharzt.

    In der letzten Abstinenzphase war die Hoffnung,das es besser wird. Nach über drei Jahren hatte sich nichts getan.

    Habe ich trotzdem den Willen/Wunsch abstinent auf Dauer zu leben? Klares ja! Ich möchte gerne selber entscheiden,wie ich alt werde.....

    Und ganz ehrlich,mit trinken war es ja keinen Deut besser. Da kamen die körperlichen Begleitsymtome on top.

    Da meine Depris nicht situativ bedingt sind,arbeite ich hart am hier und jetzt. Kleinschrittig,aber jeden Tag. LG

  • Hallo Abstinenzler,du kennst das sicher auch von anderen,die dir immer mal wieder sagen: ab morgen rauche ich nicht mehr,trinke nichts mehr,esse keinen Zucker etc . Diese Lippenbekenntnisse habe ich auch schon häufiger abgegeben.

    Und der Gedanke mit dem Trinken aufzuhören kam besonders häufig vor. Das meinte ich mit ,das ich meinem eignen Aufhörwillen nicht mehr getraut habe.

    LG

  • Hallo,ich habe eine Frage,die ich mir selber brim Querlesen nicht beantworten konnten.

    Wie ist es für mich möglich in den "erweiterten Forenbereich" zu kommen?. Muss eine gewisse Zeit vergehen,muss ich mich bewerben oder geschieht es einfach irgendwann? LG

  • Fruechtetee bei mir ist keine private Nachricht eingegangen...

    Zitat

    Für den Zugang zu den geschützten Bereichen gibt es daher einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen:

    • eine mindestens vierwöchige Zugehörigkeit zum Forum
    • eine engagierte Mitwirkung in den offenen Bereichen
    • im geschützten Bereich einen Thread eröffnen - z. B. ein Tagebuch
    • die Pflege eines eigenen Threads
    • bei Alkoholikern zudem eine stabile Abstinenz

    Beachtet bitte die Anforderung der Mindestzugehörigkeit!

    Eine Bewerbung für den geschützten Bereich wird erst nach einer mindestens vierwöchigen Zugehörigkeit im Forum bearbeitet. Außerdem solltest du dich nach Ablauf dieser Zeit noch einmal erneut melden, um zu signalisieren, dass du weiterhin Interesse an der Selbsthilfe im geschützten Bereich hast.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Ok Elly,dann hat das doch nicht geklappt mit dem Anschreiben. Ich tue mich tatsächlich schwer mit dem Bewegen im Forum . Also bedarf es noch Übung...

    Mmh,rein rechnerisch sind vier Wochen rum.

    Die anderen Anforderungen sind wohl gegeben und ein zb "Tagebuch" zu schreiben ist von meiner Seite angedacht.

    Deshalb würde ich mich gerne für den erweiterten Forenbereich bewerben.....LG

  • Deinen Wunsch habe ich weitergeleitet und wir melden uns nächste Woche bei Dir, Fruechtetee

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Habe meine erste "Dorf-Geburtstagsfeier" mitgefeiert,seit Abstinenz. Der Einladung auch nur zugestimmt,da es ein gemeinsames Frühstück ausserhalb des Dorfes war und ich direkt einen "früher - geh - Grund" mit eingeplant habe. Es war wirklich schön und wie vermutet komplett ohne Alk.

    Aber ,ich weiß auch,dass es auf lange Zeit das letzte mal sein wird,dass ich dabei war.

    Habe mich hier vom Dorf-Feiern komplett zurückgezogen,was trotz der Folgen für mich absolut ok ist. Morgen ist wie vielerorts Osterfeuer. Sie werden Bratwurst und Bier ohne mich essen und trinken.

    Kino und Popcorn ist auch toll!

  • Gestern im Foyer des Kinos standen die Wartenen mit Bier und Wein an ihren Tischen.....das hatte ich nicht durchdacht.

    Und zack der Gedanke....hätte ich jetzt auch gemacht....der schwarze Tee war auch prima und der Film gefiel mir sehr.

    Aber...bin völlig überrascht,wo mir Alk begenet ,bzw wie oft ich selber die Möglichkeit genutzt habe ,um an meinen Stoff zu kommen. Hab da nicht mehr dran gedacht......

  • Wir können nicht alles im Voraus planen und berücksichtigen. Da gilt es dann zu improvisieren, Du scheinst es ja ganz gut hinbekommen zu haben. Falls es wirklich triggert und nicht nur ein Gedanke an den früheren Konsum aufblitzt, rate ich stets neben dem großen Schluck aus der Wasserpulle, zum raschen Ortswechsel. Eine neue Umgebung setzt neue Reize und nicht überall lungern trinkende Zeitgenossen herum.

    Für den nächsten Besuch hast Du es jetzt auf dem Schirm.

    Alles Gute.

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