StepByStep - Mehrfach versucht aufzuhören – diesmal will ich es schaffen

  • hallo zusammen,

    muss mich entschuldigen, es ist schon 1 Monat vergangen seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Die Zeit rast nur dahin, ich hab immer so viel zu tun, mein Tag und meine Wochen sind zur Zeit extrem durchgetaktet. Ich bin mittlerweile über 3 Monate alkoholfrei und ich bin so froh. Mit Alkohol hätte ich diese stressige Zeit nicht halb so gut überstanden. Es scheint alles so weit weg und dennoch in manchen Momenten so nah.

    Im Alltag denke ich überhaupt nicht mehr am Alkohol, aber wenn irgendwelche Events und Zusammenkünfte sind, fühlt es sich manchmal noch etwas seltsam an, als würde man nicht dazugehören, aber auch das wird schon besser, da die meisten um mich herum sich langsam daran gewöhnt haben, dass ich zu Wasser, Kaffee und Zero-Getränke greife, da sie wissen, dass ich "am Abnehmen" bin. Dennoch muss ich achtsam bleiben.

    Bald kommt der Urlaub, und mit dem Urlaub die Entspannung und mit dem Urlaub auch der "Wunsch" bzw. der Gedanke an Genuss...das wird meine nächste Hürde. Meine Mantra ist zur Zeit: ich trinke nicht. Ich komm zurück zu mir.

    Von Rennschnecke kam die Frage, ob ich eine SHG oder Suchtberatung habe oder ob ich allein unterwegs bin. Ich bin allein mit mir selber unterwegs. Sollte ich jedoch je das Gefühl haben, es alleine nicht mehr hinzukriegen, werde ich mir professionelle Hilfe holen.

    Ihr Lieben, ich wünsche euch eine entspannte und alkoholfreie Sommerzeit.

    LG

    Step

  • Hmmh, Step, verstehe ich das richtig: Du gehst, obwohl noch ganz am Anfang, zu Treffen, wo in Deiner Gegewart Alk getrunken wird, und "rechtfertigst" Dein Nichttrinken mit einem Abnehmwunsch?

    Nicht ganz im Sinne der Grundbausteine, lies am besten noch mal nach.

    Du musst Dich auch nicht wegen uns hier beteiligen. Solltest es aber für Dich tun (zumindest intensiv mitlesend), gerade wenn Du nirgendwo anders wegen Deiner Sucht angebunden bist.

    "Nur nicht trinken reicht nicht." Ist eine ganz wichtige Erfahrungsregel hier im Forum.

    Und "Rausschleichen aus der Sucht funktioniert nicht."

    Und "Wer etwas wirklich will, findet Wege ..."

    Du musst Dich nicht rechtfertigen, nur gut auf Dich und Deine Abstinenz aufpassen. Alles Gute!

  • Bald kommt der Urlaub, und mit dem Urlaub die Entspannung und mit dem Urlaub auch der "Wunsch" bzw. der Gedanke an Genuss...das wird meine nächste Hürde. Meine Mantra ist zur Zeit: ich trinke nicht. Ich komm zurück zu mir.

    Auch das Thema Urlaub solltest Du überdenken, StepbyStep.

    Im ersten Jahr der Abstinenz empfehlen wir Zusammenkünfte, bei denen Alkohol konsumiert wird, oder auch Urlaub zu lassen. Es ist notwendig, damit sich die Abstinenz stabilisiert, sich an die Grundbausteine zu halten.

    Ich verlinke sie Dir zum Anklicken und Nachlesen:

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • ich kann mich nicht komplett aus allen sozialen Interaktionen heraushalten. Ich arbeite Vollzeit, es gibt immer wieder Firmenevents und Veranstaltungen. Soll ich mich da jedes Mal krank schreiben lassen? Und es gibt Familiengeburtstage. Ich kann nicht meiner Tochter oder meinem Mann eine Geburtstagsfeier verwehren, weil ich nichts trinke. Und ich kann nicht den Geburtstagen meiner Eltern / Patenkinder fernbleiben. Sachen wie Dorffeste oder sonstiges, wo ich nicht unbedingt hinmuss, vermeide ich. da geh ich nicht hin, gibt mir sowieso nichts. Aber selbst wenn ich mich mit einer Freundin im Café treffe und ich einen Cappuccino trinke, es gibt immer Menschen am Nebentisch, die was trinken.

    Wie gesagt, es mag sein, dass das Ganze nicht ganz den Regeln des Forum entspricht. Aber jeder hat ein anderes Leben mit gewissen Verpflichtungen und sozialen Interaktionen. ich vermeide alles, so gut wie es geht. Aber manche Sachen kann ich leider nicht rechtfertigen.

  • Du kannst die Geburtstagsfeiern deines Mannes und deiner Tochter alkoholfrei gestalten, in dem zB zu einem Frühstück am Wochenende oder zu einem Kaffeetrinken einlädst. Dein Haus, deine Regeln.

  • Uiii – das ist für mich klassische Verantwortung nach außen schieben.;)

    Es sind Richtlinien, keine Regeln – eher Wege als in Stein gemeißelte Gesetze. Dennoch zeigen sie klar, wie man Risiken bestmöglich minimieren kann.

    Und ja: Ich kann mich aus allem raushalten, wenn meine Trockenheit gefährdet ist. Familie, Freunde, Feiern, Erwartungen – völlig egal. Wenn meine Abstinenz auf der einen Seite steht, gibt es für mich auf der anderen nichts zu verhandeln.

    Alles andere sind für mich schnell vorgeschobene Gründe, um nicht das zu tun, was zur eigenen Sicherheit notwendig wäre. Die Sucht interessiert sich nämlich herzlich wenig für menschliche Bedürfnisse, Befindlichkeiten oder gesellschaftliche Höflichkeit. Die macht keine Sonderregelung, weil Tante Erna Geburtstag hat. ;)

    Wer nicht offen zu seiner Alkoholabhängigkeit steht, fängt leicht an, Kompromisse zu schließen. Erst einen kleinen, dann den nächsten und irgendwann wundert man sich, warum die Flasche wieder erstaunlich nah steht.

    Für mich gibt es deshalb eine Regel, die über allem steht: trocken bleiben.

    Wer dafür bewusst ein vermeidbares Risiko eingeht, muss diese Entscheidung auch selbst verantworten. Ich würde es nicht tun. In diesem Sinne wünsche ich dir genau das, trocken bleiben.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • hmm...Verantwortung nach aussen schieben, würde ich es nicht nennen. Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Entscheidungen. Vielleicht will ich mir damit einfach auch ein Stück Normalität in meinem Alltag bewahren....

    Klar, ich kann mal einen Geburtstag absagen, da habt ihr Recht und auch die Geburtstage bei mir zu Hause nach meinen Regeln gestalten. Trotzdem gibt es Situationen bei der Arbeit oder auch draussen in der Welt, die ich nicht vermeiden kann. Alkohol ist einfach überall. Ihr habt Recht, dass die oberste Priorität trocken zu bleiben ist. Ich bin jedenfalls stolz auf mich wie ich das alles meistere, auch wenn es in euren Augen nicht das Beste ist.

  • Ach Step, natürlich darfst Du stolz sein. Due Frage ist doch nur, wie tragfähig dein derzeitiges Konstrukt ist.

    Und deine SHG ist eben nicht nur fürs Schulterklopfen da.

    Lies doch noch mal Deinen Faden durch. Er beginnt ja damit, dass Du es diesmal anders machen möchtest, weil Du schon mehrere erfolglose Versuche hinter Dir hast.

    Genau darauf bezog sich meine Frage.

    Ich war auch so eine hochfunktionale Feierabendtrinkerin und habe das Saufen bis fast zum Schluss als Genuss und Belohnung empfunden. War es aber gegen Ende nicht mehr, da ging es nur noch um einen bestimmten Pegel.

    Hast Du denn schon andere Feierabendrituale für Dich gefunden? Und hast Du mal überlegt, deine Arbeitszeit zu reduzieren?

  • Step, Stolz ersetzt keine Stabilität. Der Wunsch nach Normalität ist nachvollziehbar, aber genau diese „Normalität“ hat dich früher auch immer wieder zur Flasche greifen lassen.

    Du hattest ja schon mehrere Versuche, trocken zu werden. Und die Sucht beherrscht Wiederholungen aus dem Effeff. Die vergisst nichts – auch nicht das erste Glas.

    Natürlich ist Alkohol überall. Aber nur weil Alkohol überall ist, muss ich nicht überall sein.

    Die Gegenargumente, warum man dieses oder jenes angeblich „nicht ändern kann“, könnte ich dir inzwischen wahrscheinlich im Schlaf aufzählen. Sie sind fast immer dieselben. Und leider wiederholen sich auch die Wege zurück zur Flasche erstaunlich zuverlässig.

    Am Ende dienen viele dieser Argumente nur einem Zweck: möglichst wenig verändern zu müssen.

    Und ja, Verantwortung nach außen abzugeben bedeutet für mich auch, die eigene Verantwortung kleiner zu machen. Dein Umfeld bleibt dein Umfeld, egal wie schön du es dir erklärst.

    Ein Trigger wird nicht ungefährlicher, nur weil ich eine gute Begründung dafür habe, warum ich mich ihm aussetze.

    Dir alles Gute

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Sollte ich jedoch je das Gefühl haben, es alleine nicht mehr hinzukriegen, werde ich mir professionelle Hilfe holen.

    Hier tummeln sich Vollprofis. Wir alle wissen wie das Saufen funktioniert, kennen jedoch auch den Ausstieg aus dem Suff.

    Aber so in etwa habe ich in den ersten Jahren auch mal gedacht: "Wenn es mir nicht gelingt, beiße ich in den sauen Apfel und suche eine bekannte und teure Privatklinik auf. Der Haken an der Denke: Wer weiß, ob ich dazu überhaupt noch in der Lage gewesen wäre und nicht lieber den bequemen Weg des Weitersaufens gewählt hätte, selbstverständlich bis zum bitteren (elenden) Ende. Denn das Totsaufen ist kein schöner Tod, mehr ein elendes Verrecken. Jeder Rückfall kann der letzte sein.


    Dies nur mal so am Rande.

  • Rennschnecke und Hartmut , ich nehme eure Worte wirklich sehr ernst und ich leider muss ich gestehen, dass ich kaum Zeit habe ,mich mental mit der ganzen Situation auseinander zu setzen.

    Ich habe den Eindruck, dass ich einfach funktioniere. Je mehr ich zu tun habe, desto weniger Gelegenheit, an Alkohol zu denken. Das hab ich gerade jetzt festgestellt, als mich Rennschnecke nach meinem neuen Feierabendritual gefragt hat. Die Antwort? Hab nicht wirklich einen, am Besten gleich weiter werkeln... und die Zeit füllen bis ich totmüde ins Bett falle. Das kann ich aber auf Dauer nicht so handhaben, ich merke ich bin gerade auch echt urlaubsreif, sowohl mental als auch körperlich. Habe mir einfach zu viel abverlangt, und da kann der Schuss nach hinten los gehen.

    Und ja Hartmut, du hast natürlich Recht mit dem Argument, möglichst wenig verändern zu müssen. Denn da müsste ich nach außen gehen und meinem Umfeld sagen, warum ich nicht trinke, warum ich nicht an Festen und Events teilnehme. Und da ist der Haken: ich sag schon mal hier und da, dass ich GERADE nicht trinke, weil es mir in letzter Zeit nicht gut ging und Alkohol nicht förderlich ist. Aber ich habe nicht den Mut meinem Umfeld zu sagen: ich darf und werde nie wieder was trinken. ich bin einfach nicht bereit, mich zu outen und sozusagen die Hose runterzulassen und das zu thematisieren.

    Ich hoffe wirklich, dass ich im Urlaub zur Ruhe komme und wirklich in mich zu gehen und mich richtig mit mir und meinem Weg auseinander zu setzen.

    Step

  • @Carl, ich kenne leider auch ein paar Leute, die sich zu Tode gesoffen haben. Niemand will soweit kommen, und ich habe auch eine Heidenangst davor. Komischerweise ist die Angst davor im nüchternen Zustand viel größer als während der Trinkzeit, denn da dachte ich: so viel trinke ich auch nicht, bin noch lange nicht so weit. ich bin ja gesund..... aber es kann so schnell kippen . Danke fürs Erinnern

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!