JEB - Vorstellung

  • Elly

    Ich glaube, das hängt mit meinem Rückfall zusammen und dass ich schon oft Kontrollverluste miterleben musste. Eine Hintertür will ich mir nicht offen halten. Aber danke für die Perspektive, man könnte es so sehen und vielleicht tut etwas in meinem Kopf das noch.

    Ich hoffe aber, dass die Zuversicht und das Selbstvertrauen wachsen.

  • Auch mal was Schönes und ein positives Beispiel: Sind heute in eine Location geraten, die früher noch ein Biergarten war, heute aber für alle Gelegenheiten offen ist. Kein Alk im Verkauf oder beworben, weder auf Schildern noch auf Bierdeckeln. Zapfanlage stillgelegt und ganz hinten im nicht begehbaren Teil der ehemaligen Kneipe verschwunden. Es gab ein "Fest des Lebens" einer größeren Gruppe mit Musik, Gespräch, Kunst und null Sauferei.

    Das stimmt mich gerade sehr zuversichtlich. Wenn der Kontext und die Einstellung stimmen, muss Alkohol gar nicht erst Thema werden.

  • Einen Sch... muss sie. :) Hartmut hat meine Antwort schon vorweggenommen.

    Ich finde bei Eltern und enger Familie könnte man das machen

    Heute war logistisch echt ein schwerer Tag, erst der Beinahe-Zwischenfall im Supermarkt, später musste ich auch noch tanken und in der unmittelbaren Nachbarschaft ist ein Bierfest...

    Das hatte ich auch die ersten Monate und sehr oft. Tag für Tag wurde ich immer stabiler und stärker, jetzt bei Monat 5 bin ich schon ein kleiner großer Abstinenzler mit ganz kleinem Saufhirn, zum Glück:)

    Heute trinke ich nicht

  • Ich glaube, das hängt mit meinem Rückfall zusammen

    Da du wieder von vorne anfängst ist das Saufhirn wieder extrem präsent und gierig. So wars bei mir. Und bei dir?

    Das stimmt mich gerade sehr zuversichtlich. Wenn der Kontext und die Einstellung stimmen, muss Alkohol gar nicht erst Thema werden.

    Habe so viel gefunden was Alkfrei ist. Fitness, Sauna uvm

    Heute trinke ich nicht

  • Da du wieder von vorne anfängst ist das Saufhirn wieder extrem präsent und gierig. So wars bei mir.

    Ja, das ist ne gute Beschreibung. Ich würde noch "laut" hinzufügen, weil sich solche Gedanken irgendwie in meinem Kopf lauter anhören.

    Zum Thema alkoholfreie Location: Da hilft uns das restliche Gehirn zum Glück: Wenn man diesen Wahrnehmungsfilter hat, sieht man "nur noch" alkfreie Orte :thumbup:

  • Auf einmal an Allem Schuld...

    Ich hab das in den vergangenen Tagen schon öfter beobachtet... Auf einmal ist mein Alkoholismus Schuld an Allem, was ihm nicht gefällt/ bei ihm nicht geklappt hat. Sogar Sachen von vor 2 Jahren, als ich in meiner längsten Trockenphase war, werden mir vorgeworfen. Z.B. dass er was bei uns im Haus nicht repariert hat etc.

    "alles wegen deiner Sauferei". Kennt ihr sowas und wenn ja, wie geht ihr damit um?

  • Auf einmal an Allem Schuld

    Ja, das kenne ich. Bzw. kannte ich. Es ist ja so, dass ich mich natürlich durch mein Eingeständnis Alkoholiker zu sein, angreifbar gemacht habe.

    In diese Bresche wurde dann gleich mal, ggfs. auch versuchsweise, rein geschlagen.

    In der Hoffnung, dass alle Vorwürfe (ich nenne es auch gerne die angesammelte Munition) jetzt treffen möge.

    Es gab ja eine Machtverlagerung in der Beziehung. Ich fing an mich bei Dingen durchzusetzen. Z. B. kein Alkohol vor meiner Nase, usw. Und ich diskutierte länger. Nicht mehr der Gedanke, lass mich in Ruhe ich trinke mal ein Bier. Sondern ich hatte "Zeit" zu diskutieren. Und da mich Gedanken nicht mehr los ließen wollte ich das auch.

    Da kam diese offene Stelle gerade recht.

    Allerdings war meine Beziehung schon sehr lange keine mehr. Das durfte ich dann auch noch gleich begreifen. Das war dann die zweite Erkenntnis, nach der Alkoholiker zu sein.

    Ich sehe das so. Sicher habe ich Dinge falsch gemacht. Ich mache sogar Dinge ohne Alkohol falsch. Das passiert zwangsläufig wenn man lebt. Aber ich versuche immer das Beste. Und das war damals auch so. Und ohne Alkohol wird mein Bestes noch viel besser werden.

    Es tut mir leid, was ich falsch gemacht habe. Aber "habe" ist nicht jetzt. Ich jetzt geht es voran.

    Irgendwann habe ich auch gesagt, ich habe mich jetzt mehrmals entschuldigt. Wenn es dir Spaß macht kannst du noch etwas darauf herum reiten. Viel Spaß dabei.

    Ui. Da scheinst Du einen Nerv bei mir getroffen zu haben. ^^

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Du hast aber auch einen Nerv bei mir getroffen... Genauso kommt es mir mit meinem Partner vor. Alles Schlechte wird gesammelt, ggf. auch von vor Jahren.

    Wenn ich das bei ihm machen würde, wäre ich nachtragend und kleinkariert. Bei mir ist es legitim, weil ich ja so eine böse Alkoholikerin bin. Dabei werde ich seit ich trocken bin auch jeden Tag besser. Und auch durchsetzungsfähiger. Und Erfolge wegen kleingeredet.

  • Manche Dinge sind enttäuschend, wenn der Blick klarer wird.

    Da kommt das Wort "Enttäuschend" her. ;) Das Ende der Täuschung.

    Alkohol hatte vor allem meine Selbsttäuschung unterstützt.

    Das war nicht angenehm. Aber nur so konnte ich auch mit Änderungen beginnen.
    Dein Selbstbewusstsein wird jeden Tag mehr werden. Das wird Dir helfen.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Niemand ist perfekt und niemand hat die Weisheit aus Fässern getrunken, den suchtdruck auszuhalten, stärker zu werden.... eine Sache, wie dein Umfeld korrekt kommuniziert leider oft nur erklärbar und erlebbar in Therapie. Die anderen sind keine kommunikationstrainer und keine konfliktmanager, auch nur Menschen mit Defiziten, an denen sie arbeiten sollten, ihr alkoholiker habt deshalb zu lernen ganz ohne Alkohol zu leben aber auch gleichzeitig ein Stück Verständnis für die Unzulänglichkeiten und das vl. Manche Unvermögen eurer nahen Bezugspersonen..zu erkennen und auszuhalten, einen einmal gemachten Fehler ewig nachgetragen zu bekommen, fände ich auch nicht toll und da wächst man dann auch ein Stück, wenn man zusätzlich lernt das eben keiner vollkommen ist. Wie soll ich sagen die Dinge ohne Alkohol, nun objektiver, weitsichtiger und vor allen realistisch wahr zu nehmen und wieder richtig fühlen und euch spüren zu lernen auch wenn ihr dann durch den Alkoholkonsum verdrängten neuartigen Empfindungen gegenüber steht. Ihr habt ja mit dem Alkohol vieles betäubt was jetzt erst für euch begreifbar wird .

  • Ich hab das jetzt drei Mal durchgelesen und versteh immer noch nicht ganz, was du damit sagen willst. Wer muss jetzt in Therapie? Der Co oder der Alkoholiker? Ich hab zum Beispiel keine gemacht und es gab auch ein Leben vor dem Alkohol, ich bin jetzt kein neuer oder komplett anderer Mensch, seit ich nicht mehr trinke.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Ich meine wenn der Otto Normalbürger nicht wie ein kommunikationstrainer mit einem alkoholiker oder abstinenzler sprechen kann wenn der Otto Normalbürger nichts von konfliktmanagment versteht, einfach weil das fachbezifische ausbildungen sind oder therapieausbildung, dann muss man auch aushalten dass eben im normalen Leben mit Otto Normalbürgern die Kommunikation und vl. Anschuldigungen, oder nachtragend sein vorkommt und dass ein Stück weit zur Kenntnis zu nehmen ist und es maximal als Chance sehen kann, mehr über richtige Kommunikation zu lernen und wo häufige kommunikationsprobleme entstehen.. ich schicke hier niemanden in Therapie !!

  • Kommunikationsprobleme kommen ja auch bei Nicht-Alkoholikern vor und Konfliktmanagement ist sowieso nicht wirklich möglich, wenn du mit einem betrunkenen Menschen versuchst zu diskutieren.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Auf einmal ist mein Alkoholismus Schuld an Allem, was ihm nicht gefällt/ bei ihm nicht geklappt hat.

    Es ist ja auch viel einfacher die Schuld auf andere zu schieben, … dann brauche ich nicht bei mir selbst gucken.

    Was machen denn solche Schuldzuweisungen mit Dir und Deinen Gefühlen?

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Jane1

    Das hat nichts mit Kommunikation zu tun. Das ist Sucht. Wenn einer säuft, kannst du dir jedes „richtig reden“ irgendwann sparen. Das prallt ab wie Regen auf Plastik. Und irgendwas überstülpen? Funktioniert genauso wenig. Wenn er säuft, liegt das nicht an deiner Wortwahl, sondern daran, dass er säuft. Sucht hört nicht zu, Sucht diskutiert nicht, Sucht verhandelt nicht.

    Auch Angehörige hauen gern ihre "Stammtischweisheiten" raus. Gut gemeint vielleicht – hilft nur genauso wenig. Sucht läuft nach ihren eigenen Regeln, nicht nach Logik und nicht nach Kommunikationsmodellen.

    Natürlich können Menschen falsch kommunizieren, nachtragend sein oder sich gegenseitig auf die Füße treten. Das ist normales menschliches Chaos und hat erst einmal nichts mit Sucht zu tun. Aber solange ein Alkoholiker "nass" ist und die Sucht sein Denken und Handeln bestimmt, hilft mir die schönste Kommunikationstheorie nicht weiter.

    Das Entscheidende muss vom Alkoholiker selbst kommen: Einsicht, der Wille trocken zu werden und tatsächliche Veränderung. Alles andere ist Wunschdenken und nett gemeinte Hoffnung.

    Das hier ist auch der Alkoholiker‑Bereich. Nicht‑Süchtige verstehen manchmal einfach nicht, wie ein Alkoholiker in der aktiven Sucht denkt. Das ist nicht böse gemeint, keine Abwertung.

    Müssen sie auch nicht. Der Alkoholiker sollte es irgendwann verstehen. Denn trocken werden muss er selbst.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Es ist ja auch viel einfacher die Schuld auf andere zu schieben, … dann brauche ich nicht bei mir selbst gucken.

    Was machen denn solche Schuldzuweisungen mit Dir und Deinen Gefühlen?

    Ich glaube, ich verstehe Janes Punkt mit der Kommunikation. Die hätten wir schon viel früher verbessern und lernen sollen, dazu hatten wir 10 Jahre Zeit und waren auch in der Paartherapie. Hat aber nix geholfen. Ich bin sehr interessiert an gewaltfreier, wertschätzender Kommunikation. Er leider nicht. Er knallt Aussagen hin und fertig.

    Dass man mit mir in der nassen Zeit nicht reden konnte, ist korrekt. Aber jetzt bin ich trocken und werde es bleiben.

    Das Paradoxe ist nur, dass mir jetzt Dinge aus der Zeit vor der Alkoholerkrankung vorgeworfen werden. Und die Schuld an unseren damaligen Problemen gibt er meinem Rückfall, der ja erst dieses Jahr war.

    Diese Schuldzuweisungen führen dazu, dass ich mich hilflos und klein fühle. Und unfair behandelt. Ich hab lange Zeit ein normales Leben geführt, bis ich erkrankt bin. Jetzt tut er so, als ob das nie so gewesen wäre. Und er tut auch so, als könne ich eh kein besseres Leben in Zukunft führen, wäre immer noch nass und würde gar nix verbessern. Dabei spiegelt mir der Rest meines Umfelds und ihr ja auch, dass es aufwärts geht.

  • Ich habe mir selbst vor vielen Jahren etwas geschworen, da ich eine schwere Krankheit habe, die niemand sehen kann werde ich oft aufgrund meiner Symptomatik falsch verstanden und falsch eingeschätzt, dass ich mit neuen Freundschaften jedenfalls offen über meine Erkrankung spreche und ich für mich selbst einfordere dass sie diese auch anerkennen auch wenn man sie nicht sehen kann. Wer meine Erkrankung und alles was dazu gehört nicht akzeptiert und einfühlsam ist, ist bei mir raus und ich will keinen Kontakt mehr, aber ich ruhe mich auch nicht auf meiner Erkrankung aus und auch wenn es mir schwer fällt und auch wenn es oft nicht einfach ist, ich Rückfälle hab, ich steh immer wieder auf und arbeite an meiner Genesung. Alkoholabhängigkeit ist ebenso eine Erkrankung und hat auch oft zusätzlich noch tiefer liegende Probleme ebenfalls Erkrankung, im Prinzip ist es das selbe.

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