Beiträge von Sweetnina5

    Hallo Sultanine,

    da drehst du wohl gerade noch eine große Runde auf dem Karussell:wink:

    Vielleicht stellst du dir deine Situation mal als Waage vor und wirfst in die eine Waagschale das Zusammenleben mit deinem Mann, in die andere die Ungewissheit und jede Menge "Arbeit", die bei einer Trennung auf dich zukommen würde. Was wiegt für dich schwerer, was macht dir mehr Angst, womit kannst du jetzt gerade besser leben, wohin könnte dich der Inhalt der gewählten Schale in 10 oder 20 Jahren führen, wohin der andere?


    Ich kann deine Ängste und deine Lähmung gut nachvollziehen, aber an diesem Zustand

    Zitat von Sultanine


    Das alles drückt natürlich auch auf mein Gemüt. Ich bin dauermüde, dauererkältet, schlapp, antriebslos und würde mich am Liebsten nur noch ins Bett verkriechen.

    wird sich ganz sicher nichts ändern, wenn DU ihn nicht änderst.

    Natürlich braucht eine Trennung eine gewisse "Vorbereitungszeit", gerade wenn Kinder im Spiel sind, aber auch für die von dir beschriebenen Stolpersteine gibt es einen bunten Strauss voller Lösungen. Vorausgesetzt, man möchte diesen Weg von ganzem Herzen gehen.

    Lieben Gruß
    Nina

    Liebe Hanna,

    vor ziemlich genau zwei Jahren war ich an exakt demselben Punkt wie du es jetzt bist, mit genau denselben Gedanken, die dich gerade beschäftigen.

    Es ist die eigene Wahrnehmung, die vom Partner immer wieder in Frage gestellt wird, bis man ihr selbst nicht mehr traut:

    Zitat von hanna71

    .
    Ich bin diejenige, die ihn sitzen lässt, wo er sich doch im letzten Jahr so gut gehalten hat, sprich erst ganz auf Alkohol verzichtet, dann nur alkoholfreies Bier (zumindest offiziell), dann nur 'wenig' Bier, und wegen den paar Schnäpsen in den letzten Wochen hau ich nun ab.

    Weil Taten und Worte immer in höchstem Widerspruch zueinander standen, hat es mir sehr geholfen, mich selbst immer wieder daran zu erinnern, nur noch den Taten zu glauben, die ich sehe und nicht mehr den Worten, die ich höre. Gekoppelt an die Erfahrungen der Vergangenheit ergeben diese ein Bauchgefühl, das positiv oder negativ sein kann, aber auf jeden Fall richtig ist, weil es DEINE EIGENE WAHRNEHMUNG ist! Selbst dann, wenn es nur ein einziger Schnaps ist, der dich ganz unerwartet die Entscheidung treffen lässt, zu gehen.

    Wohin der Zug fährt, ist nebensächlich, wichtig ist die Entscheidung einzusteigen.

    Lieben Gruß
    Nina

    Mein Ex(-perte) hat ein wahres Netzwerk von coabhängigen Exfreundinnen aufgebaut, die ihm auch erstaunlicherweise immer wieder die Tür öffnen und sich sein volltrunkenes Gelaber und Gejammere anhören und ihm seelischen Beistand leisten. Bei mir hat er diese Versuche irgendwann komplett aufgegeben, seit der Trennung gehöre ich zu den wenigen Ausnahmen seines weiblichen Dunstkreises, die hier eine knallharte Linie fahren (müssen). Denn wie Grazia schon schrieb:

    Zitat von Grazia


    Aber ich habe schon bemerkt, dass ich mich in Kontakt mit ihm keine Schwäche erlauben kann.

    Dafür versucht er mir auf anderen Kriegsschauplätzen zu zeigen, wer der Herr im Ring -und damit der Größte- ist. Ist mir so aber auch lieber als andersherum. Auch der heftigste Krieg hat irgendwann ein Ende, die eigene Coabhängigkeit nicht, wenn man nichts dagegen unternimmt.

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Californiagirl,

    ein herzliches Willkommen hier im Forum auch von mir.


    Zitat von Californiagirl

    Ich frage mich ob unser Problem wirklich der Alkohol ist. Ich habe die ganze Zeit die Hoffnung dass er sich ändert wenn unser Kind erstmal auf der Welt ist. Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht die ein positives Ende genommen haben?

    Nein, über ein positives Ende wie du es dir wünschst kann ich wahrlich nicht berichten, vielleicht hilft dir meine Erfahrung trotzdem weiter in deinen Gedankengängen:

    Mein Mann hatte ein ganz ähnliches Trinkverhalten wie deiner, war auch die ersten Jahre betrunken niemals agressiv, sondern schon fast lästig-anhänglich. Vor unserer Ehe haben wir beide gern ab und an Party gemacht, über Alkoholismus habe ich mir bis dato keine unnötigen Gedanken gemacht. Mit Ankündigung unseres ersten Kindes habe ich entsprechende Verantwortung übernommen und einfach von heute auf morgen keinen Alkohol mehr getrunken. Ein Kind ist unterwegs, ich übernehme Verantwortung, jeder normal denkende Mensch würde das ebenso tun, so auch ganz selbstverständlich mein Mann. Dachte ich.

    Der jedoch hat weitergemacht wie bisher, und dass er die Geburt miterlebt hat, ist wohl nur einem geplanten Kaiserschnitt zu verdanken.

    Alkoholiker konnte er meiner Meinung nach absolut nicht sein, das waren nur die gescheiterten Existenzen unter irgendeiner Brücke. Schließlich war er smart und erfolgreich, Trinkpausen von über acht Wochen waren damals (noch) kein Problem. Also konnte er doch aufhören, wenn er nur wollte. Konnte er aber nicht. Ich habe mit Engelszungen geredet, appelliert, gedroht, sogar eine Eheberatung angeleiert. Ich war so verrückt, Buch über seine Trinktouren zu führen, weil ich meiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr traute. Irgendjemand, irgendetwas musste ihn mit Logik "zur Besinnung" bringen können. Hat es aber nicht. Die Verantwortung für ein Kind würde ihn mit Sicherheit in die richtige Richtung bewegen. Hat sie aber nicht. Weil er nicht aufhören KONNTE.

    Irgendwann bin ich hier im Forum gelandet, ich suchte nach einer Anleitung, ihn vom Alkohol wegzubringen, nach positiven Berichten, nach einem Strohhalm, an den ich mich klammern konnte. Ich habe gelesen, gelesen und nochmals gelesen. Wenn es ging, täglich. Und so weh diese vielen und fast immer gleichen Erfahrungen auch taten, weil sie nicht das waren, wonach ich suchte, hat sich im Laufe der Zeit fast unbemerkt in meinem Kopf ein Puzzleteilchen an das andere gereiht. Irgendwann saß ich nachts allein am Bettchen meines wenige Tage alten Zweitgeborenen und mein Bild war fertig.

    Du als Mutter bildest mit dem Baby spätestens vom Tag der Geburt eine Symbiose, die sich über einen langen Zeitraum nur ganz allmählich wieder auflöst. Wie unglaublich sich das anfühlt, wirst du ja nun sehr bald erfahren dürfen.

    Mit der Geburt eines Kindes WIRD MAN ZUR MUTTER bzw. zum Vater, wie diese vier Worte schon sagen, ist dies ein Prozess, der eine innere Wandlung beinhaltet. Findet diese Wandlung bei einem Elternteil nicht statt, steht der andere allein mit der Verantwortung da, und die kostbare Energie, die er so dringend für das Baby braucht, wird vom anderen gnadenlos aufgefressen. Bis nichts mehr übrig ist.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass dein Mann aufwacht.

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Nelly,

    ich habe mich mit meinen beiden Mäusen vor 18 Monaten von meinem Nochehemann getrennt, genau wie dir fiel mir dieser Schritt unendlich schwer, ich habe diese Entscheidung aber noch nicht eine Sekunde bereut.

    Vereinbart war ursprünglich ein Umgang mit den Kindern jedes zweite Wochenende stundenweise tagsüber, bei Bedarf auch flexibel in der Woche. Über Nacht hatte er die Kinder von Anfang an nicht, dieser Vorschlag kam ihm auch sehr entgegen, so musste keine Party ausgelassen werden. Die ersten Wochen lief der Umgang noch ziemlich regelmäßig, dann wurde verschoben, abgesagt, reduziert, mit Fahne vom Vorabend erschienen, gar nicht erschienen, monatelange Pausen eingelegt, Besserung gelobt, monatelange Pausen eingelegt usw.

    Aktuell ist gerade wieder völliges Schweigen im Walde, so dass ich jedes Wochenende mit zwei Zwergen "dasitze", von denen der ältere meistens auch noch sehr traurig ist und dieses Verhalten vom Papa ebenso wenig nachvollziehen kann wie ich. Für die Kids finde ich es sehr schade, aber ich kann ihn halt nicht zu seinem Glück zwingen, es ist ganz allein seine Entscheidung, ob er weiterhin die Beziehung zu seinen Kindern pflegen möchte (und es wird ganz allein sein Bumerang, wenn die Kinder größer werden, begreifen und ihre eigene Meinung vertreten).

    Um mir Freiräume zu verschaffen, springt Oma glücklicherweise ab und an zum Babysitten ein, so bekomme ich den Kopf frei und die Kids haben (meistens :roll:) eine ausgeglichene Mama.

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Faithfully,

    Zitat von Faithfully


    Anscheinend wird mir jetzt erst richtig bewusst, wie sehr ich selber "drinhänge" und schon allein das Lesen hier im Co-Bereich hilft mir sehr.

    Du fängst gerade an, deiner eigenen Wahrnehmung zu trauen und behauptest deine Position. Ein erster und wichtiger Schritt! Je mehr zeitlichen Abstand ich zu der Ehe mit dem Vater meiner Kinder gewann, und je mehr ich meine eigenen Anteile am Verlauf dieser Beziehung entdecken und eingestehen konnte, desto mehr gewann ich auch an Sicherheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    Zitat von Faithfully

    Die einzige große Sorge die ich sonst noch habe ist, daß er Ansprüche stellt, von wegen die Kleine übers Wochenende etc.. Ich habe allerdings schon mit dem JA gesprochen, da er in der Vergangenheit mehrfach mit Fahne vor der Türe stand und ich mit ihm eine Absprache diesbezüglich hatte

    Gut, dass du deine Sorgen mit dem Gang zum JA "öffentlich" gemacht hast. Wenn du dort an einen kompetenten Mitarbeiter geraten bist, wird er/sie dir entsprechende Wege aufgezeigt haben, wie du mit der Problematik Umgang-Vater-Alkohol-Kind umgehen kannst.

    Zitat von Faithfully

    sollte ich es wirklich geschafft haben? Krieg ich die Vollkrise wenn ich ihn mit ner Neuen sehe?

    Auch die ein oder andere Vollkrise gehörte zu meinem persönlichen Ablösungsprozess dazu, besonders weil gemeinsame Kinder im Spiel sind! Ansonsten gilt:

    Zitat von Faithfully

    Aber was die dann bekommt, weiß ich ja


    Zitat von Faithfully

    Hat er mich jemals geliebt oder immer nur benutzt?

    Ich für meinen Teil habe mit dem emotionalen Abstand, den ich heute habe, festgestellt, dass ich ein sehr gut geöltes Teil in einem perfekt ineinander greifenden, dysfunktionalen System war, das, von beiden Seiten betrachtet, mit gesunder Liebe nur wenig zu tun hatte. Und das war schon vor dieser Ehe so.


    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Polarsternchen,

    es trifft natürlich zuerst knallhart und unerbittlich das eigene Selbstbewusstsein, wenn man feststellt, wie leicht man austauschbar ist, aber wenn man mit ein wenig Abstand hinschaut, macht es auch deutlich, wie wenig das ganze mit echter "normaler" Liebe zu tun hat.

    Als ich feststellte, dass mein "Ex-perte" schon während seiner reumütigen Liebesbekundungen mehrere alte Bekannschaften am Start hatte und schließlich die am geeignetsten erscheinende bei sich einziehen liess, war ich zunächst tief in meinem Ego gekränkt. Heute weiss ich, dass er gar nicht anders kann, weil es der einfachste Weg ist, sein Leben so weiterleben zu können wie bisher. Die Reaktivierung einer aus früherer Beziehung bekannten Persönlichkeitsstruktur, die nach der Trennung nicht ernsthaft an ihrer Co-abhängigkeit gearbeitet hat, bzw. diese nie als solche erkannt hat, ist leichte Beute. Und schützt zudem vor "bösen Überraschungen" wie Nörgeleien, Ultimaten, Trennung usw., schließlich weiß sie (und auch er), worauf sie sich einlässt. Man(n) kann einfach da weitermachen, wo man(n) seinerzeit aufgehört hat.

    Heute empfinde ich überwiegend Mitgefühl und Dankbarkeit. Mitgefühl für meine Nachfolgerin, weil sie genau jetzt genau dort steht, wo ich vor 7 Jahren stand und genau so naiv glaubt, dass sie ihn mal so eben retten kann, wie ich es damals dachte. Und Dankbarkeit für meinen XY -Krankheit hin oder her- weil er mich in jeder Hinsicht und immer wieder nach Strich und Faden vera****t hat, denn ohne diese Tatsache, das Leiden und MEINEN letztendlichen Tiefpunkt, wäre ich wohl nie in der Lage gewesen, die Beziehung zu beenden, konsequent zu bleiben, genauer bei MIR hinzusehen, MEIN Verhalten zu überprüfen, MEINEN Anteil an dem Desaster zu erkennen, an MIR zu arbeiten und MICH (und meine Kinder) hoffentlich dauerhaft aus diesem Teufelskreis zu befreien.

    Für mich war es sehr wichtig, das Zusammenspiel Co-abhängiger Beziehungen als ganzes zu begreifen, dabei hat mir stapelweise Fachliteratur und besonders das unermüdliche Lesen-dürfen der unterschiedlichsten (und doch so gleichen) Schicksale hier im Forum ungemein geholfen und mir unzählige Aha-Erlebnisse verschafft (und das tut es immer noch!).

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Faithfully,

    ich war wegen eben dieser Problematik bereits im letzten Jahr prophylaktisch beim JA, die Dame dort hat mir Folgendes geraten:

    1.Lieber kürzere Besuchszeiten und dafür öfter, da Männer im allgemeinen schnell mit längeren Zeiten überfordert seien.
    2. Umgangsrecht muss grundsätzlich gewährt werden, allerdings würde es vor Gericht für den Herausgeber des Kindes schlecht aussehen, wenn dem Kind während des Umgangs physischer Schaden zugefügt wird, der auf Alkoholkonsum zurückzuführen ist und der Herausgeber von einer Alkoholproblematik wusste.
    3. Auf die konkrete Frage nach Verhaltensvorschlägen bei einem offensichtlich alkoholisierten bzw. restalkoholisierten Kindsvaters bei der Abholung des Kindes könne man ihn doch kurz hereinbitten, um das Kind zu begrüßen, um ihn dann sofort wieder (ohne Kind) hinauszubitten.
    4. Sollte es dann immer noch nicht klappen mit dem Umgang, könnte man den KV zum Gespräch ins JA bitten, die dortigen Mitarbeiter sind in der Lage einen Alkoholiker schon nach wenigen Minuten als solchen zu entlarven, auch im nüchternen Zustand.

    Ich lass das jetzt mal völlig wertfrei so stehen. Ich habe nun bei einer externen Beratungsstelle Gesprächsbedarf angemeldet und hoffe auf neue Erkenntnisse.

    Als EKA mit entsprechender Erfahrung habe ich mir oft Gedanken über die Frage gemacht, ob es nicht grundsätzlich für eine Kinderseele besser wäre, so einen problematischen, tränenreichen und für alle nervenaufreibenden Kontakt zum Vater vorerst abzubrechen, wenn man es denn frei und rücksichtslos entscheiden könnte. Für mich persönlich bin ich zu dem vorläufigen Schluss gekommen, dass hierbei die Gefahr besteht in der Zeit ohne Kontakt eine Vaterillusion zu konstruieren, die einfach nicht der Realität entspricht. Kommt es dann zwangsläufig irgendwann zu einem ersten Kennenlernen, könnte der Aufprall auf den Boden der Tatsachen u.U. heftig sein, vielleicht sogar in einem unvorteilhaften Alter, in dem die Welt eh schon aus den Fugen geraten ist.

    Ich hoffe, dass Kinder in ihre Rolle einigermaßen unbeschadet hineinwachsen können, so denn sie entsprechenden Rückhalt und ein ansonsten intaktes Umfeld haben, und sich ihr eigenes Bild, ob nun positiv oder negativ machen können. Wichtig ist mir nur, dass die Rahmenbedingungen des Umgangs stimmen, damit das Kind keinen vermeidbaren Schaden nimmt. Zur Not eben auch betreut.

    So oder so eine ständige Gratwanderung.

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Melli,

    und ein herzliches Willkommen hier im Forum auch von mir.

    Der Entzug war sein eigener Wille, und DU hast den Termin gemacht? (Lass ich jetzt einfach mal so für sich stehen...)

    Wie Grazia schon schrieb, kannst du leider im Moment wenig bis gar nichts für ihn tun. ER ist jetzt auf sich gestellt, ist in professionellen Händen und wird das Ganze auch erfolgreich überstehen, wenn ER es wirklich möchte.

    Aber du kannst eine Menge für DICH und deine Kinder tun: Richte den Fokus doch mal nur auf EUCH, weg von ihm. Tu euch Gutes, tausch dich hier im Forum aus, lies dich durch die Beiträge und schmiede Zukunftspläne für dich und die Kinder: wenn er sich eurem Weg anschließen möchte: gut. Wenn nicht: auch gut. Soll einfach nur heißen: Versuche, dich für die Zukunft unabhängig von seinem Verhalten oder Nicht-Verhalten zu machen.
    Ich weiß, wie schwer das erst einmal fällt, weil man so sehr mit den tausenden Warum-Fragen und dem Akzeptieren der Situation zu tun hat, aber es ist so verdammt wichtig, schnellstmöglich das Wesentliche in den Mittelpunkt zu stellen: sich selbst und vor allem die Kinder.

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Belle,

    was du suchst, das sucht auch dich. Hat sich in meinem Leben schon oft bewahrheitet. Schön, dass du heute so eine nette Begegnung hattest.

    Und das mit dem Alkohol probieren lassen: mein Mann hat seinen Sohn auch schon sehr früh auf privaten Feiern Bier zapfen lassen, und wenn dieser dann mal probiert hat, hat er -nicht ganz ohne Stolz- weggesehen. Ich denke, er wollte ihm damit in sein Boot holen und vermitteln, dass sein eigener Alkoholkonsum völlig in Ordnung ist.

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Melanie,

    vorweg: der Gedanke der Kinder wegen zu bleiben ist mir nicht eine Sekunde lang gekommen.

    Als mein Leidensdruck immer größer wurde, habe ich mich hier im Forum angemeldet und viele, viele Erfahrungsberichte im EKA- und Co-Bereich gelesen oder auch inhaliert. Die vielen kleinen Puzzleteilchen haben sich dann irgendwann zu (m)einem gestochen scharfen Bild entwickelt. Wie in einer riesengroßen Kristallkugel konnte ich plötzlich mich, meine eigene Kindheit, meine Beziehungen, meine Ehe und mein heutiges Leben sehen und alles miteinander in eine logische Verbindung bringen. Und erst hier habe ich auch begriffen, dass ich einen aussichtslosen Kampf um meine Ehe und gegen den Alkohol führe, obwohl ich es -wie so viele andere- zunächst nicht glauben wollte und auch nicht konnte, dass er weder mir noch den Kindern zuliebe das Trinken lassen würde.

    Ein paar Tage nachdem mein Jüngster geboren war, wurde mir klar, dass ich den Teufelskreis ein für allemal durchbrechen musste. JETZT oder NIE. Für mich UND für meine Kinder. EKAs werden sie für alle Zeit sein, aber es liegt in meiner Hand, ob sie irreparablen Schäden mit in ihr Erwachsenenleben nehmen müssen. Die Kinder (und ihre im Falle der Fortführung der Ehe unschwer vorhersehbare Zukunft) haben mir die nötige Kraft für diesen Schritt gegeben.

    Ich denke, der Knackpunkt am Tiefpunkt ist die Entscheidung, für welchen Weg ich mich nach der Trennung, egal welche Motivation in diesem Moment zugrunde liegt, langfristig entscheide: Es ist bequem und sehr einfach, sich anschließend in die Opferrolle zu begeben, die Schuld nur beim anderen zu suchen, um dann genau so weiterzumachen wie vorher, den ein oder anderen Rückfall zu haben, oder sich auf eine ähnlich gestrickte Beziehung einzulassen.
    Wenn ich aber erkenne, dass diese Beziehung ohne mich und mein Verhalten nie in dieser Art und Weise stattgefunden hätte, wenn ich bereit bin, auch mich und nicht nur den Partner in Frage zu stellen, bin ich auch in der Lage, an mir und den Fehlern der Vergangenheit zu arbeiten, meinen Kindern ein Leben ohne Suchtstrukturen vorzuleben und ihnen eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen.

    Auch wenn die einzige Motivation für die Trennung ausschließlich die Kinder sind, liegt dem ja automatisch die Motivation zugrunde, die Kinder schützen zu wollen. Also sind dann auch schon zwangläufig ausbaufähige Erkenntnisse und Gedanken in die richtige Richtung vorhanden. Und daran weiterzuarbeiten und nicht stehenzubleiben ist dann wohl die jedem eigene Willens-, Verdrängungs- oder auch Charakterfrage.

    Danke für den interessanten Denkanstoss.

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Belle,

    Zitat von Belle

    Hallo Martha,

    Überlebt man ein Wochenende alleine in seiner Wohnung wenn die Kinder beim Papa sind?

    Findet man einen realen Freundeskreis der zu einem hält?

    Was macht man im nächsten Urlaub als alleinerziehende Mutter?

    Wie wird das nächste Weihnachtsfest?

    1. Ja, das geht. Man kann nicht es nicht nur überleben, sondern sogar erleben, indem man Dinge macht, die mit den Kindern nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Hat den positiven Nebeneffekt, dass man entweder lang liegengebliebene Dinge erledigt oder etwas nur mit und für SICH SELBST tun kann und dabei noch neue Energie tankt, die wiederum den Kindern zugute kommt.

    2. Ich habe genau hingeschaut und dabei ein paar "alte" Freunde behalten, ein paar aussortiert und auch ein paar dazugewonnen.

    3. Alleinerziehend war ich bereits während meiner Ehe. Im Urlaub mache ich genau das, was ich vorher auch im Urlaub gemacht habe. Nur mit dem Unterschied, dass ich mich nicht mehr über einen ständig an der Bar sitzenden Partner ärgern muss und mich im Urlaub entspannen kann.

    4. Wie´s wird, liegt in der eigenen Hand. Mein erstes Weihnachtsfest allein mit den Kindern war allein schon deshalb sehr harmonisch und entspannt, weil es niemanden gab, der schon vor der Bescherung auf Kohlen saß, weil er unbedingt noch den Bierbestand im Kneipenviertel und die Glühweintemperatur prüfen musste. Am ersten Weihnachtstag war ich kinderlos und habe mich völlig egoistisch auf mein Sofa gelümmelt und mir alle drei Teile Sissi einverleibt. Für mich ein perfektes erstes Weihnachten als frisch Alleinerziehende.

    Ich habe den Film zwar nicht gesehen, aber ich meine mich erinnern zu können, dass Rapunzel die Welt da draußen dann letztendlich doch viel schöner fand als ihr Turmzimmer, nachdem die Angst davor überwunden war...und das wäre mit Sicherheit auch ohne Prinz so gewesen.

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Belle,

    vor dem finanziellen Aspekt der Trennung hatte ich auch großen Respekt, hatte mir doch mein Mann immer grenzenlose und unvorstellbare Armut prophezeit, sollte ich gehen.

    Als mein Entschluss feststand, habe ich mir vom Anwalt alles genau berechnen lassen, und siehe da, im Endeffekt habe ich mehr zur Verfügung als während meiner Ehe. Denn das, was vorher die (vom Familieneinkommen finanzierten) exzessiven Sauftouren verschlungen haben, landet jetzt in Form von Unterhalt auf meinem Konto. Und selbst wenn das mangels Einkommenshöhe meines Mannes nicht so wäre, gibt es immer noch einige finanzielle Hilfen und Entlastungen -gerade für Alleinerziehende. Und die eigene Arbeitskraft ist ja auch noch da.
    Man muss sich nur schlau machen und schauen, welche Hilfen man im eigenen Fall in Anspruch nehmen kann.
    Kein Grund für mich, nur des Geldes wegen auch nur einen Tag länger zu bleiben, geschweige denn ein paar Jahre.

    Lieben Gruß
    Nina

    Da wir gemeinsame Kinder haben und ich mir mündliche Diskussionen komplett abgewöhnt habe, kann ich e-mails leider nicht ungelesen löschen, obwohl ich es zu gern tun würde.

    Der Inhalt der mails ist zwar hauptsächlich Material für den Papierkorb oder Anwalt, und dienen lediglich dem Zweck, mich endlich aus der Reserve zu locken, aber ein oder zwei Mal ging es tatsächlich um relevante Terminabstimmungen. Ausserdem habe ich so immer alles schriftlich.

    Also lese ich immer alles brav durch, lege es in einem geeigneten Ordner ab, zähle von 500 rückwärts (in der Anfangszeit von 3000), werfe ein paar Dartpfeile auf das Hochzeitsfoto und stehe dann auch schon wieder drüber. Mit dieser völligen Ignoranz (ausser auf Terminabsprachen) fahre ich für mich persönlich am besten, es erspart mir einfach eine impulsive, von Wut gesteuerte Reaktion, die ohnehin zu nichts führen würde. .

    Lieben Gruß
    Nina

    Euch allen ein Frohes Neues Jahr und danke für die sehr treffende Zusammenfassung meiner Gedanken. Es ist schon erstaunlich, dass man hier im Forum sofort verstanden wird, während man im eigenen Umfeld manchmal nur ratloses Achselzucken erntet.

    Aurora, irgendwie bin ich fast froh, dass mein XY mit der Trennung nicht trocken geworden ist, sonder lieber weiterhin vor sich selbst wegläuft und sich eine Partnerin gesucht hat, die mittrinkt. Ich glaube, andernfalls hätte ich noch um einiges mehr an meiner Wahrnehmung gezweifelt, als ich es ohnehin schon getan habe. Mal ganz abgesehen von den mir erspart gebliebenen Reanimationsversuchen.

    Darauf, dass es dabei in die „Tiefe“ gehen wird, freue ich mich fast schon ein bisschen, schließlich möchte ich das Übel jetzt endgültig bei der Wurzel packen und keine Fassade mehr aufrecht erhalten. Endlich wieder ich selbst sein, wenn ich es denn überhaupt jemals war, und meine Unabhängigkeit nie wieder aufgeben, komme da, wer wolle. Meinen Verstand den Vortritt geben, ihm trauen und künftig nur ihn allein entscheiden lassen. Auch den herben materiellen Verlust „in Liebe loslassen“, damit ich meinen Seelenfrieden wieder finden kann. Nicht mehr nur anderen alles recht machen wollen und sich selbst dabei vergessen (Das Nein-Sagen macht mir übrigens mittlerweile sogar fast schon Spaß).

    Es macht Mut zu lesen, dass ihr nur gute Erfahrungen mit Therapien gemacht habt, also werde ich gleich nächste Woche mal sehen, was sich da für mich finden lässt. Und wie Dobby schon sagt, auch wenn es nicht helfen sollte, schaden wird es auf keinen Fall.

    Lieben Gruß
    Nina

    Ups, falsches Knöfchen gedrückt :oops:

    Hallo Joanne,

    ich denke nicht, dass du dich auf bestimmte Art und Weise verhalten "sollst" oder "darfst". Ich denke viel eher, dass du einfach zulassen solltest, du selbst zu sein, mit all deinen Gefühlen, der angestauten Wut, den Ängsten und den Zweifeln. Wenn er es wirklich ernst meint, wird er das aushalten müssen und auch können. Vielleicht diente seine "Vorbereitung" auch genau diesem Zweck...

    Du arbeitest an dir und er an sich, jeder für sich. Das führt auch zu Konfrontationen, aber nur so kann jemals ein (völlig neuer) Schuh draus werden

    Lieben Gruß und trotz alledem einen schönen Jahreswechsel!

    Nina

    Fast ein Jahr ist seit der Trennung von meinem Mann vergangen. Ich habe die Zeit hauptsächlich genutzt um zur Ruhe zu kommen und mich auf die Suche nach mir selbst gemacht. Ich habe einiges an Lektüre zum Thema gelesen, bin oft hier im Forum, meistens um zu lesen, aber auch um mich in den Threads auszutauschen.

    Ich habe begonnen, vorsichtig an meiner Oberfläche zu kratzen und konnte endlich nie wahrgenommene Verbindungen von meiner Kindheit zu meinen jetzigen Verhaltensmustern als EKA herstellen. Stieß schnell auf die Gründe, warum meine Ehe zwangsläufig so enden musste, bemerkte, dass auch mein Verhalten ziemlich krank war. Der Kopf weiß also bestens bescheid, hat aber kaum Ideen, wie das mühsam erworbene Wissen erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden kann. Ich habe den Drang, noch aktiver zu werden, den generationsübergreifenden Teufelskreis ein für allemal zu durchbrechen, diese schon immer latent vorhandene Schwere aus meinem Leben zu vertreiben und sie nicht unbewusst an meine Kinder weiterzugeben, ihnen helfen zu können, mit der Krankheit des Vaters zurechtzukommen. Meine Kriterien für die Partnerwahl nicht nur einfach zu ändern, sondern sie auch zu überzeugend zu verinnerlichen. Die Altlasten der Kindheit und meiner Ehe zu verarbeiten und nicht noch einmal in eine Co-Abhängigkeit zu geraten.

    Vielleicht geht mir im Moment auch alles nur einfach nicht schnell genug, aber ich überlege immer ernsthafter, meinen Hausarzt nach fachlicher Unterstützung –in welcher Form auch immer- zu fragen, damit ich nicht mehr auf der Stelle trete.

    Kann eine Therapie o.ä. den Prozess beschleunigen oder sogar verbessern? Welche Möglichkeiten professioneller Hilfe gibt es? Welche persönlichen Erfahrungen mit Verarbeitung und Veränderung habt ihr gemacht?

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo Pristlox,

    herzlich Willkommen hier im Forum. Lies dich erstmal in Ruhe ein, dann wird dir vieles klarer werden.

    Viel wichtiger als die Frage, ob sie schon abhängig ist oder nicht, ist die Frage: Wie geht es DIR damit?

    und vor allem:

    Wie geht es den KINDERN damit?

    Lieben Gruß
    Nina

    Hallo sicro,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.

    Rein intuitiv bin ich mit dem Thema Trennung und Zukunft sehr offen und sachlich umgegangen, bei meiner Dreijährigen natürlich altersgerecht verpackt. Sei weiß nur, dass Papa eine eigene Wohnung hat, weil wir so oft gestritten haben, und dass Papa trotzdem immer Papa bleibt und sie ihn immer liebhaben darf (Das hat sie kürzlich auch der netten älteren Dame neben uns im Bus erzählt :roll:). Bei den beiden Großen aus erster Ehe (15 und 18 Jahre) habe ich mich zum Thema Alkohol nur geäußert, wenn Gesprächsbedarf von ihrer Seite aus da war, und den gab es dann auch reichlich.

    Nun ist meine Position nicht unbedingt mit deiner zu vergleichen, ich bin/war schließlich "nur" die Stiefmutter, die leibliche Mutter hatte sich schon vor vielen Jahren getrennt, und keines der Kinder hatte mehr den Wunsch, den Vater oder unsere Ehe retten zu wollen, weil sie entsprechend vorbelastet waren und längst wussten, wo der Hase läuft. Einzige Befürchtung war, dass "er jetzt völlig abdriftet und alles bei uns ablädt".

    Selbst bei "normalen" Trennungen haben Kinder oft nur den einen Wunsch, die Eltern wieder vereint zu sehen, eben weil die Eltern für ein Kind einfach zusammen gehören und eine Welt zusammenbricht, wenn das plötzlich nicht mehr so ist. Und wenn noch die Krankheit Alkoholismus dazu kommt, wird es noch viel komplizierter: Dieses Hilfe-durch-Nichthilfe ist oft für uns Erwachsene schwer und auch nur langsam zu begreifen und noch viel schwerer umzusetzen, wie muss es da erst einem Kind oder Jugendlichen gehen? Sie sind sich noch nicht wirklich bewusst, dass es nicht in ihrer Macht liegt, etwas zu ändern, sie wissen nicht wirklich etwas von zerstörter Liebe und Vertrauen und von dem Teufelskreis aus Hoffnung, Versprechungen, Trinkpausen und Rückfällen. Verständlich, dass sie sich an den Strohhalm der Therapie klammern wollen und hoffen, dass danach doch noch alles gut wird. Das kann anschließend unter Umständen einen harten Aufschlag in die Realität bedeuten.

    Deshalb habe ich von Anfang an klar Stellung bezogen aber auch ständige Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die Antwort auf die Frage, ob es nochmal eine Annäherung geben wird, kann nur die Zeit bringen, und bis dahin geht unser aller Leben (in unterschiedliche Richtungen) weiter.

    Ein Zurück gibt es für mich definitiv nicht mehr, aber die Zeit hat es auch mit sich gebracht, dass sich die Kinder an die Veränderung gewöhnt haben und ihr manchmal sogar durchaus Positives abgewinnen können.

    Lieben Gruß
    Nina