• Wie meinte meine Therapeutin neulich: "Frau Api , Ihr Sohn (grade mit seinen Besonderheite) ist ihr Seismograph..."

    Und was tut er seit gestern: nachdem er jetzt einige Monate lang voll abweisend dem Papa gegenüber gewesen ist, geht er seit genau gestern Abend voll unbeschwert auf ihn zu bzw lässt seine Nähe wieder zu!

    Er merkt jetzt schon, dass es in Zukunft entspannter werden wird!

    Natürlich darf er auch mal wütend und traurig werden, wenn sich sein Zuhause ändert! Aber insgesamt wird es entspannter werden und das hat er direkt geschnallt!!

  • Hi Api,

    Du hast vorhin im Faden von Miauzekatze geschrieben:

    Ich habe es immer wieder gebraucht, dass unabhängig voneinander Menschen zu mir gesagt haben : "Dann hat er ein Alkoholproblem ", "Dann ist er Alkoholiker", "Dann trinkt er süchtig " etc wenn ich ihnen von unserer Situation erzählt habe. Einfach weil ich immer wieder dachte "vielleicht übertreibe ich ja auch", "im Forum wird es sehr einseitig gesehen", "DIE EINE Beraterin hat vielleicht ja selber Zuhause einen trinkenden Partner und überspitzt es deshalb", "ich denke das vllt nur weil in meiner Herkunftsfamilie schon immer so wenig getrunken wurde, ich spießerin"...

    Damit sprichst Du mir absolut aus der Seele. Das ist genau, wie es mir geht.

    Man ist so ratlos, man kann überhaupt nichts einordnen. Ich bin mir ja schon darüber im Klaren: OK, meine Maßstäbe sind extrem eng, aber gerade das macht es so schwierig, irgendwie ein Gefühl für die Situation zu kriegen: Ist das noch "normal"?

    In meinem Fall mache ich mir ja bei Mengen und Regelmäßigkeiten Sorgen, die für die meisten COs hier einfach ein Witz sind. Aber ich mache mir diese Sorgen nun mal eben, ich kann es erst einmal nicht ändern.

    Und "normal" heißt deshalb hier:

    "OK, ich bin extrem puritanisch. Aber wie ist das mit der großen Mehrheit der Leute? Ist es einfach so, dass man das mit dem Trinken bei den meisten anderen einfach in diesem Ausmaß oder sogar stärker erwarten muss? Ist das dann also gar nicht pathologisch?

    Stehe ich also mit meiner Sozialisierung und meinen Werten und Empfindungen, die daraus entstehen, schlicht und ergreifend allein im Walde?

    Was tun, wenn die große Liebe ausgerechnet auf eine Frau fällt, wo alles stimmt, die aber eben in einem Ausmaß trinkt, dass *für mich* schon hoch ist, aber vielleicht für fast den gesamten Rest der Welt überhaupt kein Thema ist?

    Heißt das dann: Wenn ich mich trenne, ist es dann bei den meisten anderen, die man trifft, genauso? Bin ich ein Exot, der deshalb eine andere Exotin auf weiter Flur suchen müsste? Wenn ich ein exotischer Spießer bin und es nicht ändern kann, wie komme ich dann mit den Leuten klar, wenn die fast alle mehr trinken als ich?"

    Ich bin da noch nicht raus. Morgen Abend habe ich gerade einen Termin mit meiner (neuen) Psychologin, bei der genau das Thema sein soll: "Woher kommt diese Sorge, wenn Sie doch nie (OK, außer der einen Beziehung vor ein paar Jahren) in ihrer Kindheit negative Erfahrungen mit diesem Thema gemacht haben?"

    Mal sehen, es wird schwer und interessant werden.

    Bitte entschuldigt, das musste nur mal raus ...

    3 Mal editiert, zuletzt von sorrowful (16. Oktober 2024 um 10:56)

  • Du musst Dich doch nicht dafür entschuldigen, sorrowful !

    Ich finde, das sind sehr wichtige Fragen! Denn es soll ja nicht darum gehen, dem Partner/der Partnerin eine Diagnose zu verpassen sondern darum wie man eine Beziehu g auf Augenhöhe führen und sich mit seinen Werten und von mir aus auch Eigenarten wohlfühlen kann. Seine Grenzen kennenzulernen und herauszufinden, wo man sie dehnen kann und wo nicht. Da gibt es doch kein "richtig" oder "falsch". "Falsch" ist in meinen Augen nur, sich diese Grenzen nicht einzugestehen oder wenn jemand die Grenzen des anderen permanent überlatscht!

    Alles Liebe

    Api

  • Wobei ich zugeben muss dass ich mir jetzt selber widersprochen habe, denn ich brauchte irgendwie immer wieder diese "Ferndiagnosesn" von außen. Ist aber eigentlich blöd und es wäre ja mindestens genauso gut gewesen mir einzugestehen, dass MEINE Grenzen bis da und dahin gehen aber nicht weiter... du solltest Deine Grenzen grade aus und das ist richtig so!

    Übrigens: Sooo exotisc ist man auch wieder nicht wenn man wenig oder kein Alk trinkt...es gibt veganer*innen, vegetarier*innen, anti-alkoholiker*innen, Steinzeit-Esser*innen,... .

  • Es ist alles so labil...

    In einen Moment fühle ich mich Bärenstark undbim nächsten butterweich. In einen Moment bin ich sicher, es ist das beste für unseren Sohn und mich, was ich mache und im nächsten denke ich, ich ziehe das jetzt nur durch weil ich mich so "programmiert" habe, aber ohne Überzeugung. Im einen Moment bin ich sicher, es ist ein gutes Zeichen dass sich Papa und Sohn wieder entspannter begegnen, seit ich die Entscheidung mit der Wohnung getroffen habe, im nächsten bricht es mir das Herz und ich komme mir vor, als würde ich egoistisch etwas kostbares zwischen ihnen zerstören. Im einen Moment Trauer ich um meine Verstorbene tolle Kollegin, im nächsten erschrecke ich mich darüber, dass ich ihren Suizid einfach völlig gefühllos als ihre Entscheidung akzeptiere.

    Ich fühle mich schrecklich alleine, trotz Forum, trotz Therapie, trotz Schwester und Freundin, die vieles von mir mitbekommen.

    Und mein Ex-Partner: verhält sich als sei nichts, trinkt weniger oder heimlicher, kocht leckerer denn je, probiert neue Rezepte aus, schafft es im ggs zu mir morgens wie immer top fit aus den Federn zu kommen (um 5:30), obwohl ich ihn oft sehr spät noch im Haus rumgeistern höre (ich brauche seit längerem schon extrem viel schlaf).

    Ich würde so gerne Die Zeit vorspulen , denn ich weiß gar nicht, wie ich die Woche bis zur Wohnubgsubterzeichnung und danach die Wochen bis zum Einzug (ist ab 1.12. Frei) schaffen und dabei unserem Sohn eine starke Mama sein soll). Der ist so extrem abhängig von meiner Stärke.

  • ...und ich habe einigen anderen Eltern, mit denen ich im Kontakt bin dadurch dass sie Kinder mit ähnlichen Handicaps oder Problemlagen haben von meiner Trennung erzählt und bin auf sehr wenig Verständnis gestoßen.. sie sind scheinbar größtenteils Supereltern in tadellosen Familien und ich komme mir verachtet vor, dass ich unserem Sohn jetzt auch das noch antue.

    Das trifft auch auch sehr. Ihrer Meinung nach sollte ich sicher weiter kämpfen. Eurer Meinung nach bloß nicht. Meiner Meinung nach...!?!?

    Wahrscheinlich piksen sie "nur" wieder mein ewig schlechtes Gewissen an. Aber wenn dann auch der Expartner ja immer meint, man übertreibe...

    Liebe Api,

    momentan ist alles bei Dir/Euch im Umbruch und es erscheint wie ein Berg, der vor einem steht.

    Du brauchst Dich vor anderen nicht zu rechtfertigen und solltest das auch nicht tun. Bei jeder Trennung gibt es Außenstehende, die nicht verstehen, warum eine Beziehung zerbrochen ist.

    Menschen, die scheinbar ein perfektes Familienleben haben. Doch wenn man genau hinschaut, ist nicht über all nur Sonnenschein. Manche können nur besser ihre Probleme übertünchen!

    Du weißt, dass Du den richtigen Weg gehst, damit Euer Sohn und Du wieder mehr Ruhe bekommt. Lies Dir Deinen Thread hier nochmal komplett durch. Es hat alles seinen Grund.

    Du nimmst Eurem Sohn nicht den Vater. Er kann weiterhin mit ihm in Kontakt bleiben und ihn besuchen, wenn beide das wollen.

    Geh einen Schritt nach dem anderen, alles andere wird sich im Laufe der Zeit zeigen. Auch, ob Dein Ex-Partner wirklich mit dem Trinken aufhört oder nicht.

    Das alles zerrt an Dir, kein Wunder, dass Du mehr Schlaf brauchst. Denn es kostet Dich schon lange Deine ganze Kraft stark zu sein.

    Ich wünsche Dir viel Stärke und Mut, damit es Euch bald besser geht.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • wirklich mit dem Trinken aufhört oder nicht.

    Das will er ja gar nicht. Er ist ja kein Alkoholiker...sagt er. Er hat alles unter Kontrolle und das beweist er sich grade selber und somit bin ich diejenige die übertreibt. Aber dann hätte er wenigstens zu einer Paartherapie oder so was einstimmen können, als das für mich noch eine Option war. Wir waren ja nur 3 mal oder so da und haben dan aufgehört. Und er wollte dann keine mehr.

    Du weißt, dass Du den richtigen Weg gehst, damit Euer Sohn und Du wieder mehr Ruhe bekommt. Lies Dir Deinen Thread hier nochmal komplett durch. Es hat alles seinen Grund.

    Ja...

    Du brauchst Dich vor anderen nicht zu rechtfertigen und solltest das auch nicht tun. Bei jeder Trennung gibt es Außenstehende, die nicht verstehen, warum eine Beziehung zerbrochen ist.

    Ja. Aber so unabhängig bin ich nicht von anderleuts Ratschlägen oder unterschwelligen moralischen Zuschreibungen, zumal gerade diese Eltern mir schon sehr oft sehr geholfen haben und umgekehrt. Es ist ein ähnliches Netzwerk nur zu einem anderen Thema wie dieses hier.

    Wäre aber gerne unabhängiger davon. Muss ich mir hinter die Ohren schreiben oder besser tätowieren. Danke Elly !

    wie ein Berg

    Der war aber doch schon geschrumpft...!


    Naja so ist das Leben. Die Landschaft. Berge und Täler...

  • Im einen Moment bin ich sicher, es ist ein gutes Zeichen dass sich Papa und Sohn wieder entspannter begegnen, seit ich die Entscheidung mit der Wohnung getroffen habe, im nächsten bricht es mir das Herz und ich komme mir vor, als würde ich egoistisch etwas kostbares zwischen ihnen zerstören

    Hallo Api,


    Dazu wollte ich dir einfach mal von meiner Erfahrung erzählen.

    Als ich auszog hatte mein Mann auch Phasen wo er weniger bis gar nicht trank, und auf einmal ein interessierter Vater war, und auch für uns alle lecker kochte und sich von seiner besten Seite zeigte.

    Da gab's bei mir auch Momente wo ich mich gefragt habe, ob ich den Kindern da nicht was weg nehme...

    Aber nun sind ein paar Monate vergangen.. Bei uns gibt es keine Regelung, wann er die Kinder sieht. Zwischen dem Treffen können Tage oder Wochen liegen. Weil er Achterbahn fährt, mal ist er wochenlang betrunken und unterwegs, fährt nur alle paar Tage mal ins Haus um zu duschen und die Klamotten zu wechseln, dann ist er wieder tagelang zuhause, möchte die Kinder sehen und zeigt bei den Treffen auch Interesse an seinen Kindern, schenkt ihnen Aufmerksamkeit.

    Diese Achterbahn fährt er aber unabhängig von uns, also würden wir wieder zusammen leben, müssten wir auch die Abs mit bekommen.

    Jetzt ist er eben gelegentlich da, meistens nicht, und wenn er da ist haben die Kinder eine schöne Zeit mit ihm.

    Und wenn er nicht da ist, und das macht den riesigen Unterschied für uns, dann müssen wir nicht auf ihn warten, und nichts von den negativen Auswirkungen aushalten.

    Im voraus hatte ich mir mal eine pro und kontra Liste gemacht. Alles Quatsch was da bei kontra (also gegen den Auszug) je hätte drauf stehen können.

  • Weißt Du Api, versuche mal Deinen Wahrnehmungen zu trauen. Und auch wenn er jetzt wenig oder nichts trinkt, beweist das weder ihm, noch Anderen gar nichts.

    Ich kenne viele, die sich (und Anderen?) jeden „alkoholfreien Januar“ beweisen wollten, dass sie keine Alkoholiker sind. Um danach weiter zu saufen. Mach dem Motto „Guck! Wenn ich WILL, kann ich es lassen“. Schwachsinn…. Auf Dauer….

    Versuche, Dich dadurch nicht verunsichern zu lassen.

    LG Cadda

  • Und übrigens: nein, ich werde meine Entscheidung nicht rückgängig machen. Es gibt ja zu viele Baustellen bei uns. Ich suche nur grade meine Selbstsicherheit. Die ist mir abhanden gekommen. Aber die brauchen mein Sohn und ich. Danke für Eure Such-Hilfe!

    Und wahrscheinlich bin ich einfach traurig. Denn ich mag uns drei zusammen, wenn es gut läuft.

    Aber wenn es gut läuft können wir ja auch später noch was zusammen machen und wir bleiben ja Mama und Papa.

  • Was mich halt auch fassungslos macht ist dass mein Ex-Partner uns "kampflos" ziehen lässt, scheinbar.

    Also in dieser Phase jetzt ist es ja gut so. Ich bin entschlossen und Reisende soll man nicht aufhalten und so.

    Aber all die Monat und Jahre vorher, als es immer ernster wurde. Klar verstehe ich, dass er mich nicht mehr ernst genommen hat, da ich so oft schon gesagt hatte "wenn...dann" und es nicht getan habe. Trotzdem: unterm Strich steht doch: "Bevor ich mich meinen und Deinen, also UNSEREN Problemen stelle lass ich Euch lieber ziehen!" Da frage ich mich wirklich, was das "UNS" bzw das "WIR" überhaupt war... und komme damit zum Anfang zurück, zu einem Post, der mich in meiner ersten Zeit hier im Forum zum Weinen und Nachdenken gebracht hatte. Damals hatte ich nach Ideen gefragt, wie man unsere kleine Familie retten kann. Und jemand schrieb "er zählt sich doch schon lange nicht mehr zu Eurer kleinen Familie".

    Das stimmt zwar nicht ganz, wir hängen alle sehr aneinander. Aber in der Konsequenz und dem Handeln stimmt es irgendwie ja dann doch.

  • Api, in Deiner Wahrnehmung gibt es ein UNS, ein DU und ein ICH und Du ziehst Schlüsse mit Deinen Wertevorstellungen.
    Bei ihm gibt es auch ein ICH, ein UNS und in DU aber seine Prioritäten sind durch die Sucht bestimmt.

    Ich musste trinken, obwohl ich es so sehr nicht mehr wollte. Ich sah alles den Bach runter gehen, es gab genügend rationale und emotionale Gründe es zu stoppen, aber ich konnte es nicht.

    Erst als es mir physisch und psychisch so schlecht ging, kam der Wille und damit die Entscheidung, dass ich fremde Hilfe annehmen muss. Diese Entscheidung ist im ICH gefallen, nicht im UNS und nicht im DU.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Heute Nachmittag geh ich zur Mietvertrags-Unterzeichnung. Ich wär am liebsten eine Schildkröte und würde mich verkriechen bis "alles" vorbei ist incl. Umzug und diese seltsame Weihnachtszeit die dann ja auch noch kommt.

    Ich werde nachher 29 Jahre Beziehung in die Tonne treten gegen den Willen des Mannes, mit dem ich alles teilen und mit dem ich alt werden wollte, den ich schon als Schülerin kennengelernt und gleich nach meinem Schulwechsel so toll gefunden habe, mit dem ich phasenweise nicht nur zusammen gelebt, sondern zusammen gearbeitet habe, mit dem ich gemeinsame Träume hatte und Kämpfe gekämpft habe, mit dem ich unseren Sohn (jetzt immerhin schon 12) groß gezogen habe, der oft auch für mich da war, dessen Humor ich immer so geliebt habe, der so unabhängig von der Meinung anderer ist , der so lieb sein konnte, der mich NIEMALS verlassen würde (auch wenn er es Abend für Abend aus meiner Sicht tut, aber das versteht er einfach nicht). Und das letzte tut so weh. Ich hoffe, er versteht es irgendwann. Ich will nicht, dass er bis an sein Lebensende denkt, ich verlasse ihn weil ich ihn nicht mag oder liebe oder weil ich auf einem Egotrip und in der Midlifekrise bin.

    Es ist so schwer...

    Aber ich werde diese Unterschrift nachher auf Papier bringen.

    Und wenn ich doch auf dem falschen Pfad bin oder mein Lebensgefährte mal ein trockener Alkoholiker sein wird und wir gemeinsam all unsere anderen Probleme angehe , dann kann ich ja irgendwann wieder kündigen.


    Danke fürs Lesen.

    Traurige Grüße

    Api

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