Maeron - Von der Krankheitseinsicht & meiner täglichen Abstinenz

  • Ich war nicht dem Sterben nahe wegen des Alkohols, auch hatte ich keine Familie, die deswegen auseinanderbrechen hätte können. Job war nie gefährdet. Und trotzdem : Ich möchte nicht mehr Saufen, weil ich besseres verdient habe !

  • Das ist Austausch. Keiner trampelt auf ihm rum.


    Ja, mir ging es pauschal um die Aussage, dass oder ob Rückfälle dazugehören. Das war ja das Thema.

    Dabei kamen er und ich zu dem Schluss, dass das eine Hintertür ist.

    Dann ist mir jetzt aufgefallen, dass eingeplante Rückfälle praktisch Quartalstrinken sind.

    Für Maeron ist diese Tür ja jetzt zu. Von daher passt es ja.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Ich möchte nicht mehr Saufen, weil ich besseres verdient habe !

    Ja, dem stimme ich voll und ganz zu.

    Wieso dem Sterben nahe? Verstehe den Zusammenhang gerade nicht. Habe ich da was überlesen? Ich schaue noch mal.

    Für mich kann ich nur sagen, dass ich froh bin, dass Maeron die Kurve gekriegt hat und erkannt hat, was die Tür zum Rückfall war. Das ist sehr wichtig.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Also ich habe mich hier daran gewöhnt, das man oftmals "einen um die Ohren kriegt". Aber ja, es sind Hilfen für mich. Von da her, passt das. Es fehlt hier halt auch die Mimik und andere nonverbale Kommunikationsebene. Da ist es gut, wenn nachgefragt wird bzw. kann halt laut in verschiedenen Richtungen gedacht werden.

    Habe mich zwischendurch auch immer bei euch bedankt. Das würde ich nicht machen, wenn ich das Gefühl hätte, ihr würdet auf mich runtrampeln.

    Auf geht's, weiter geht's, abstinent :)

  • Dann ist mir jetzt aufgefallen, dass eingeplante Rückfälle praktisch Quartalstrinken sind.

    Und ich habe zuletzt auch quartalsweise getrunken. Quartalsweise vollrausch und ab und zu unter der Woche mal zwei Bier, manchmal dann doch mehr. Aber wozu darüber jetzt mehr schreiben. Es ist die Vergangenheit.

  • Ob jemand regelmäßig oder nur Quartalsweise Alkohol gesoffen hat ändert ja nichts daran, dass er Alkoholiker geworden ist.

    Die Zeit des Alkoholkonsums mag einen Unterschied gemacht haben, doch mit dem Abstinenzbeginn beginnt ein neues Kapitel.

    Ab da zählt es jeden Tag trocken zu bleiben. Da gibt's kein Quartal.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Maeron, als ich von deinem Vorfall gelesen habe, ist mir ein Rückfall von mir in den Sinn gekommen. Vielleicht siehst du da eine Parallele .Vor vielen Jahren, als ich wieder einmal einen Tiefpunkt erreicht hatte und mich wieder dazu entschlossen hatte, diesmal für immer aufzuhören. war ich mehrere Wochen abstinent. Und der Alkohol ging mir nicht aus dem Kopf., wieder einmal diese winzig kleine Stimme….. von Woche zu Woche wurde die Stimme lauter. eines Tages ging ich mit meiner Familie in einer fremden Großstadt bummeln. Ich sah einen Obdachlosen ,verwahrlosten alten Mann mit einer Flasche, hochprozentigen auf dem Boden sitzen… ich schlenderte weiter mit meiner Familie durch die Stadt. Es war ein schöner Tag und ich hatte eigentlich alles, um glücklich zu sein, eigentlich….. ich fing an,den Obdachlosen zu beneiden… ich steigerte mich so sehr in die Situation, dass ich es nicht mehr aushielt, ich konnte nicht mehr. Ich ging wie ”ferngesteuert“. In einem Kaufhaus ans Alk Regal, griff nach, einer Flasche und ging an die Kasse zum bezahlen . Mir war alles egal.
    Zur Fernsteuerung: das war nicht mein wahres ich, das war ich ,als Marionette, wo der Alk die Zügel in der Hand hält! Von meinem jetzigen Standpunkt aus kann ich es so beschreiben, wie wenn ein Staudamm immer voller und voller wird und die Wassermassen nicht mehr halten kann und einfach bricht . Dass es mir nach diesem griff ins Regal wieder dreckig gehen wird, wusste ich eigentlich auch vorher. Aber der Bruch des Staudamms war eine wahnsinnige Erleichterung.

    Hör auf dein wahres ICH !!!!! welches für ein eindeutiges ”NIE WIEDER“ ist.

    Lg ZW

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

  • wie wenn ein Staudamm immer voller und voller wird und die Wassermassen nicht mehr halten kann und einfach bricht

    Hallo Zwieback,

    vielen Dank für deine bildhafte Schilderung. Du schriebst ja auch, dass du wie ferngesteuert warst in der Situation beim Griff nach der Flasche. Als wärst du nicht du selbst.

    Was denkst du, warum es soweit gekommen ist? Das klingt ja schier aussichtslos, als hättest du nichts daran ändern können, als wärst du dem ausgeliefert gewesen.

    Ich kann mich deshalb mit dem Bild irgendwie nicht so richtig anfreunden, weil es mich so passiv erscheinen lässt, als läge die Verantwortung, ob ich nun zur Flasche greife oder nicht, nicht bei mir.

    Was machst du jetzt, dass sich der Staudamm nicht mehr füllt? Denn Regen gibt es ja nun doch hin und wieder.

    Ich bleibe auf meinem Weg und vertraue in meine Entscheidung.

    Das klingt nach einer klaren Haltung. Ich wünsche dir, dass du auch die Bodenwellen des Weges meisterst und deinen Kurs beibehältst.

    LG Kurswechsel

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Hallo Zwieback,

    danke für deine Schilderung. Du bist zwar ganz zum Schluss wie ferngesteuert zum Regal gegangen, aber der Beginn deines Rückfalls passierte ja schon lange vorher in deinem Kopf. Du hast es gedanklich so ausgeschmückt und diese Gedanken auch zugelassen, dass das Gehen zum Alkoholregal nur die logische SchlussKonsequenz war.

    Wichtig wäre gewesen, viel früher ins Handeln zu kommen und gegen zu steuern, wenn AlkoholGedanken aufkommen, statt sich dadrin zu verlieren.

    Viele Grüße Martha

    Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten ...

    Trocken seit 2010

  • ich fing an,den Obdachlosen zu beneiden

    Da war ich kurz irritiert. Ich kann die Sehnsucht nach Alkohol klar als Signal des suchtgedächtnis nachvollziehen. Aber ausgerechnet jemanden in so einer verzweifelten Situation wie Wohnungslosigkeit in Verbindung mit starker Sucht zu beneiden ist schon paradox.

    Was diese listige Suchtstimme doch möglich machen kann. Vielleicht hat er dich auch beneidet , wie du da nüchtern und frisch gewaschen mit deiner Familie entlang geschlendert bist.
    Gut dass du wieder ausgestiegen bist und sich der kurze Wunsch nicht erfüllt hat.

    Zeigen doch eure Beispiele wie wichtig es ist die Suchtstimme rechtzeitig in ihre Schranken zu weisen.

    Bei mir kommt sie manchmal im Traum. Das gute dabei ist, dass ich nicht schlafwandle und immer froh bin, wenn ich aufwache, dass ich eben nicht wie in meinem Traum gesoffen habe.

    Tagsüber ist der Impuls auch manchmal da. Sogar heftig. Aber er wächst sich nicht zu einer Sehnsucht aus. Vielleicht weil die Erinnerungen ans trinken bei mir schon lange keine schönen mehr waren. Und es da rational und tatsächlich auch emotional gar nix zu vermissen gibt.

    Es ist halt die Sucht. Eine Autorin hat die Sucht mal als eine Bestie beschrieben, die man am besten am Schlafen hält und wenn sie aufwacht, diskutiert man nicht lang und schickt sie zurück ins Bett.

  • Hallo, diese Geschichte von mir war vor ungefähr zehn oder 15 Jahren. Damals habe ich was Alkoholismus betrifft so gut wie nichts verstanden. Ich war gefangen in einer Endlosschleife von sehr oft sehr viel trinken ,es für amüsant halten. Mit diesem Zustand Scheixe bauen, frustriert sehr viel bereuen, einen Ausweg suchen, mich für eine lebenslange Abstinenz entscheiden, schwach werden und letztendlich mich für das kontrollierte Trinken entscheiden ,welches natürlich nichts anderes als nur eine dumme Illusion sein kann.

    Ich spreche für mich. Ich war definitiv eine Marionette meine Alkoholsucht. Meine Alkoholsucht hat immer für mich Entscheidungen getroffen. Sie war meinVorgesetzter und hat entschieden, was ich zu tun und zu lassen habe.

    Den Obdachlosen habe ich nicht für seine Obdachlosigkeit oder für seinen körperlichen Zustand beneidet. Ich habe ihn dafür beneidet, weil er frei trinken konnte und ich eben nicht. Zu diesem Zeitpunkt war der Verzichts Gedanke bei mir gigantisch.

    Den Staudamm gab es nur, weil ich sehr vieles nicht verstanden hatte. Lg ZW

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

  • ich fing an,den Obdachlosen zu beneiden… ich steigerte mich so sehr in die Situation, dass ich es nicht mehr aushielt, ich konnte nicht mehr.

    Ich kann das in dem Sinne nachvollziehen, dass ich meinen Alkoholkonsum mit Freiheit verbinde. Ich habe biografiebedingt früher wenig Freiheiten gehabt. Und zusätzlich noch Ängste. Das hat bewirkt, das ich im Rausch den ganzen Scheiß Zwang und die Enge und den Druck und die Angst loslassen konnte und so richtig hemnungslos sein durfte. Dazu zählt auch das bewusste Schädigen des Körpers durch den Alkohol, was mir mangels Selbstwert fast Befriedigung verschaffte. Fast wie eine Strafe. Und der obdachlosen Mensch hat diese Freiheit, zu tun und zu lassen, was er möchte. Trägt kaum Verantwortung und ist fast grenzenlos frei. Diese Gedanken sind mir bei deiner Geschichte gekommen. Ich habe dei Freiheit im Alkohol gesucht und erst ganz spät gemerkt, dass das Gift mir Ketten anlegte und mich nur weiter in die Unfreiheit zog.

  • Notfall Koffer

    Heute habe ich meine Notfall Koffer angefangen zu optimieren. Dazu sind mir richtig viele Dinge eingefallen, die ich machen kann, wenn ich einen Craving Notfall habe. Dazu Habe ich auch die H A L T Regel mit ejjbezogen und auch Tipps hier aus anderen Erfahrungsberichten. Jetzt will ich das ganze noch strukturieren und si aufschreiben, das es richtig gut lesbar ist und vllt gestalte ich es noch schön.

    Heute ist mein Schmuckstück angekommen mit dem ich sooo sehr zufrieden bin. Es erfüllt mein Herz.

    Zusätzlich lese ich hier mehr und höre auch ein Hörbuch zum Thema.

    Und nächste Woche gehts auf alle Fälle auch wieder zur realen Gruppe.

    Und der Austausch hier.

    Ich will keinen weiteren Ausrutscher und Rückfall. Ich will Handeln damit es besser wird.

  • Traum

    Ich habe geträumt, dass ich mit meinem alten Freundeskreis zusammen saß und gekifft habe. Danach war ich im Traum bei meiner realen Selbsthilfegruppe und habe davon erzählt. Ähnlich hatte ich letztens von Alkohol geträumt. Ich fühlte mich dabei so ohnmächtig und bereute so sehr meinen Konsum.

    Mein Unterbewusstsein scheint ganz schön zu verarbeiten. Grundsätzlich ja gut.

    Liebe Grüße

  • Hey Maeron,

    Hab ab und an an dich gedacht, du hast dich nach deinem Rückfall hier ja zurückgezogen. Schön dass du dich wieder meldest.

    Wie sieht es denn aus bei dir? Rückfälle, ja nein?

    Liebe Grüße aus der Co-Ecke!

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